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Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 2. März 2014, 01:28

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Hideo
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Hi Zusammen.

Ich werde hier nach und nach eine Geschichte rein schreiben, die ca. um 1507 NGZ spielt.
Es geht, kurz gesagt, um die Jagd eines Laosoor nach einem Laosoor. Wer mehr wissen wil, hat zwei Möglichkeiten:

Entweder, sich die Geschichte durchlesen, was hoffentlich spannend sein wird, aber eine gewisse Geduld vorraussetzt, oder aber sich die Exposeteile durchlesen, die ich paralell in einem Spoilerthread einfüge.
Klar könnt ihr euch so schon einen Wissensvorsprung holen, es könnte aber auch die Spannung zerstören.

Wer lieber auf einem E-Bookreader liest, kann sich die Story auch als MOBI-Datei herunterladen:

https://www.dropbox.com/s/8mr67dev8yh7pu2/Vimes%20-%20Jan%20Nobel.mobi

Ich wünsche euch viel Spaß!
Alles hier gepostete ist meine eigene Meinung und auch als solche zusehen. Sollte sich jemand davon angegriffen fühlen, so kann er es gerne sagen.
Noch besser wäre es dann aber, in sich hinein zu horchen, um festzustellen, wieso...


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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 2. März 2014, 01:29

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Hideo
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1.Teil: Amok



Eins

Schmerzen. Es war wahrscheinlich ein unzutreffender Begriff, eine glatte Untertreibung. Schmerzen als solche waren greifbar, vertraut.
Das, was er hier veranstaltete, ging weit über das Wort Schmerz hinaus.
Nun, sagte sich ein kalter, zielstrebiger Teil seines Selbst, es war nicht sein Problem.



Zwei

Das Smiler bildete in einem mikroskopischen Bereich Orbana nach. Es gab hier alle Arten von Völkern und, ganz im Sinne des Namenspatrons, alle Arten von Geheimdiensten. Jede Regierung, die sich einen interplanetaren Nachrichtendienst leisten konnte, schickte früher oder später jemanden in das Smiler. Es war wie ein vorstellen, ein metaphorisches an die Laterne der großen Leute pinkeln.
Kenjin saß an eine Tisch, der einen überraschend angenehmen Sessel besaß und kam sich vor wie ein Fremdkörper.
Nicht etwa, weil Laosoor noch immer nicht zum alltäglichen Bild in der Milchstraße gehörten, sondern weil er eher ein… Zivilist war, wenn es die Bezeichnung in Spionagekreisen gab.
Zugegeben, seine Ausbildung als Raumlandesoldat war kaum ein halbes Jahr her, doch hier gab es andere Regeln.
In einem Kampf, einem direkten und irgendwie ehrlichen Kampf, gab es kaum die Möglichkeit, sich in seinem Ziel zu irren.
Würde hier drin eine Schießerei los gehen, würden sich die Allianzen wahrscheinlich im Sekunden Takt ändern .
Kenjin traute Spionen nicht. Er hielt deren Tätigkeit nur für professionelles Lügen und Betrügen.
Dennoch, wenn er seinen Auftrag beenden wollte, musste er bleiben.
Kenjin gab sich gar nicht erst die Mühe, sich verstohlen um zusehen. Er hätte sich damit wahrscheinlich nur lächerlich gemacht. Zum gefühlt hundertsten Mal sah er sich im Raum um, an dessen Decke holografischer Zigarrenqualm hing. Das Aroma von kubanischen Torpedos lag in der Luft, auch wenn ein Infotext im Tisch ihm das erst hatte erläutern müssen.
Kurz viel etwas Licht durch die Eingangstür und zwei Gestalten traten hindurch. Der eine Schemen musste knapp zwei Meter dreißig groß sein, der Zweite nur knapp zwei Meter. Damit waren sie beide kleiner als Kenjin, wenn er aufrecht ging, aber das wäre auch seine einzige Überlegenheit gewesen.
Das ungleiche Paar Schritt schweigend durch den Raum, genau auf Kenjin zu. Hin und wieder nickten sie anderen Gästen zu, hoben grüßend die Hand oder blieben kurz stehen um ein zwei Worte zu plaudern.
Schließlich erreichten die beiden Kenjins Tisch.
„Du bist der Laosoor?“, fragte die größere der beiden Personen. Gewisse Attribute deuteten auf eine weibliche Vertreterin ihrer Art hin.
„Du bist eine Ertruserin?“, fragte Kenjin nicht ohne eine gewisse Gereiztheit. Er hasste überflüssige Fragen. „Deine Finger haben dich verraten.“
Die kleinere Gestalt grinste verhalten.
„Ich meine damit, bist du der Laosoor, der uns kontaktiert hat?“
„Wenn ihr die Spezialisten seid, auf die ich warte, dann ja.“
Die Ertruserin atmete hörbar ein.
„Bei Monos, hast du zu viele Spionagefilme gesehen? Wir sind hier auf Lepso! Jeder hier weiß, dass wir von der USO sind. Kein Grund, sich in Andeutungen zu zergehen.“
Mit diesen Worten ließ sie sich fallen. Gerade im letzten Moment rauschte ein Sessel aus dem Boden und fing sie auf. Ihr Partner liebte es scheinbar weniger dramatisch und setzte sich einfach.
„Weißt du“, begann der haarlose Hüne, allem Anschein nach ein Oxtorner, „wir sind beide hier groß geworden. Es ist nicht wie auf Arkon, wo jeder versucht den Schein zu waren. In der Hinsicht ist es hier wesentlich entspannter.“
Die Ertruserin grunzte zustimmend. Kleine, dichte Stoppeln auf ihrem Kopf deuteten auf einen Sichelkamm hin.
„Aber lass uns zum eigentlichen Kern kommen, Kenjin. Du hast die USO um Unterstützung gebeten. Aber nicht nur du, sondern auch… euer Commander? Richtig? Es ist die Rede von einem Flüchtling, sehe ich das richtig?“
Kenjin nickte mit dem Kopf. Seine Kindheit in Terrania hatte gewisse Spuren hinterlassen. Eine seiner Ohrenhände griff nach seinem Fruchtcocktail, der auf dem kleinen Tisch stand.
„Und wieso genau, soll die USO sich an dieser Such beteiligen?“
Kenjin nippte an seinem Drink und stellte ihn dann ab.
„Weil er die Möglichkeiten der Laosoor übersteigt. Und ich glaube auch, die des TLD.“
An einem Nachbartisch schnappte ein Terraner hörbar nach Luft und wandte seinen Kopf beleidigt ab.
Der Oxtorner grinste breit.
„Na gut, das mag ja sein“, warf die Ertruserin ein. „Das ist aber noch lange kein Grund, für uns aktiv zu werden. Wir sind keine Kopfgeldjäger, weißt du?“
„Auch nicht, wenn es um einen toten Spezialisten geht?“
Das Grinsen des Oxtorners gefror. Seine Augen spießten Kenjin auf.
„Wovon redest du?“



Drei

„Ich hab gesagt, keine Begleiter!“
Der Angesprochene lag gegen die Wand gelehnt und versuchte unsichtbar zu werden. Es war ihm genauso möglich wie weglaufen.
„Und wer war dieser Idiot hier?“
„Einfach, einfach ein Söldner, dachte ich. Zu meinem Schutz, ein Leibwächter!“
„Lüg mich nicht an, Red. Du weißt wohin uns das führt.“
Red schluckte. Inzwischen wusste er es wirklich.
„Wolltest du mehr Geld von mir haben?“
Der Angesprochene wollte erst nicken, dann entschied er sich jedoch dagegen und schüttelte den Kopf.
„Was dann?“
„Ich“, Red unterbrach sich selbst und Schmerz spiegelte sich in seinem Gesicht wieder. „Ich arbeite auch noch mit einer Gruppe Aras zusammen. Sie haben Interesse an dir. Wollen dich untersuchen.“
„Und du dachtest, du könntest mich ausliefern?“
Red nickte und wimmerte.
„Haben sie die Daten, die ich suche?“
„Nein, sie haben mit der ganzen Angelegenheit nichts weiter zu schaffen.“
Eine Pause trat ein.
„Ich glaube dir. Aber jetzt will ich wissen, was du mir versprochen hast.“



Vier

„Wir fanden einen Datenhändler in den Randbezirken von Terrania in einer leer stehenden Wohnung. Bei ihm die Leiche eines Terraners, der allem Anschein nach an Gehirnblutungen gestorben war. Außerdem waren die Nervenbahnen in seinem Rückenmark zerstört.
Auch der Datenhändler, Red Shirt wie er sich selbst nennt, hatte zerstörte Nervenbahnen. Bis zu ihrer Restauration wird er seine Beine nicht nutzen können. Außerdem wiesen seine inneren Organe Schäden auf, die zwar nicht tödlich, aber sehr schmerzhaft sein mussten.
Unsere Untersuchungen ergaben, dass der angebliche Söldner scheinbar keine Identität besaß. Und das mit einer Gründlichkeit, die nur einen Schluss zu lässt: entweder TLD oder USO.
Anfragen unseres Commander beim TLD ergaben, dass es sich nicht um einen ihrer Agenten handelte.“
„Es könnte genauso gut ein Celista oder ein Mitglied des Energiekommandos sein. Vielleicht sogar einer dieser Tefroder stümper“, warf die Ertruserin ein. Längst umgab ein akustisches Dämpfungsfeld den Tisch.
„Die Wahrscheinlichkeit dafür ist sehr gering. Gewisse Indizien deuten auf Quinto- Center Technik hin.“ Kenjin grinste. Bei einem Lebewesen, das von Raubkatzenähnlichen Tieren abstammte ein beeindruckender Anblick. „Wir Laosoor kennen uns mit so etwas aus.“
Die beiden Spezialisten schwiegen kurz, dann begann der Oxtorner:
„Wir hatten einen Spezialisten auf Red angesetzt, um an die Aras heranzukommen, für die er Arbeitete. Allerdings brach vor einiger Zeit der Kontakt zu ihm ab. Und du sagst, euer Flüchtling ist dafür verantwortlich?“
Kenjin nickte. „Es ist seine Handschrift, wenn man so will. Auf die gleiche Art hat er seine… Betreuer getötet.“
„Seine Betreuer?“, fragte die Ertruserin.
„Ja, er befand sich in psychologischer Behandlung innerhalb unserer Siedlung. Sein Charakter weißt verschiedene Störungen auf, die dringend behandelt werden müssen.“
„Störungen?“
„Wahnvorstellungen, Paranoia und Anzeichen von Schizophrenie.“
„Trotzdem will mir nicht in den Kopf,“ begann der Oxtorner, „wie er einen bewaffneten USO-Spezialisten töten konnte.“
„Mit seiner Handschrift. Er ist der beste Telekinet unseres Volkes. Spezialisiert auf kleine Objekte. Auf wirklich Kleine. Nervenbahnen, Neuronen und so was. Er prahlte einmal damit, dass er einzelne Dendriten bearbeiten konnte.“
Kenjin beobachtete die beiden Agenten aufmerksam.
„Und was will er hier auf Lepso?“
„Wenn ich es nur wüsste.“
Alles hier gepostete ist meine eigene Meinung und auch als solche zusehen. Sollte sich jemand davon angegriffen fühlen, so kann er es gerne sagen.
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Schnurzel » 2. März 2014, 09:01

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Schnurzel
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Hallo Hideo,

der Beginn deiner Agenten-Story liest sich echt gut. Bin gespannt auf die Fortsetzungen. Ich mag vor allen Dingen die Laosoor, die leider seit mehr als vier Realjahren in der EA nicht vorkommen.
Ich hoffe, deine Story erhält mehr Zugriffe und vor allen Dingen Feedback als meine Olfaktoren-Geschichte.

Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 2. März 2014, 18:13

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Hideo
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Hi Schnurzel,

danke erstmal für deine Rückmeldung. :)
Ich mag die Laosoor auch sehr gerne, was überhaupt erst der Grund für mich war, diese Geschichte zu schreiben. Schade das sie aktuell in der EA nicht erwähnt werden.

Und hier noch etwas Lesestoff für den Sonntag:

Fünf



Sie verabredeten sich für den folgenden Tag. Sie müssten sich erst nochmal mit ihren Vorgesetzten austauschen, hatte die Ertruserin kurzsilbig klar gestellt.
Kenjin glaubte ihr nicht. Wahrscheinlicher war, dass sie die Identität des Terraners überprüften.
Er ließ sich Zeit für den Rückweg zu seiner Unterkunft, atmete den Duft der Stadt. Sofern man in Orbana von Duft sprechen konnte. Einige Gebäude schwebten über andere hinweg, um irgendwo in der Stadt einen neuen Platz zu erhalten.
Kenjin rückte geistesabwesend seine Sonnenbrille mit der rechten Ohrenhand zurecht und betrachtete den Reigen fasziniert. Es störte ihn nicht, dass er dabei angerempelt wurde, so konnte er wenigstens in Übung bleiben.
Inzwischen besaß er schon drei Chronometer mehr als bei seiner Ankunft und ein längliches Etwas, von dem er vermutete, dass es vor allem für Schlafzimmer bestimmt war.
Es wäre zu viel gesagt, wenn man behaupten würde, das Kenjin eine richtige Ausbildung zu einem Dieb genossen hätte. Tatsächlich gehörte er zu der Hälfte der Laosoor, die sich für den Dienst in der Flotte entschieden.
Dennoch… es gab gewisse… ethnische Fähigkeiten, die gut gepflegt wurden. So wie Terraner Meister im Verstecken waren, Arkoniden gute Aristokraten und Aras gute Halsabschneider, waren Laosoor gute Diebe. Und das auf eine Art, wie Kenjin fand, die wesentlich ehrlicher war, als die der Mehandor.
Und außerdem waren Laosoor gute Jäger.



Sechs

„Wieso sollte ich mit dir Geschäfte machen?“
„Weil ich zahlen kann.“
„Sagen alle. Hast du dafür auch Beweise?“
„…“
„Sieh mal, du bist neu hier und deshalb kannst du einige Dinge noch nicht wissen.“ Morn atmete hörbar ein. Es war immer das Selbe mit diesen Touristen. „Auf Lepso mit Daten zu handeln ist nicht so wie in Terrania, wo alle recht nett zu einander sind, wenn man doch kein Geld hat. Wenn du hier deine Zeche nicht bezahlen kannst, dann wird auf Naturalien umgestiegen.“
„Meinst du Gefallen?“
Morn schüttelte den Kopf.
„Nicht in deinem Fall. Du bist zu auffällig.“
„Sondern?“
„Organe, Zellproben, Knochen. Dinge die du hast. Spielt dabei keine Rolle, ob du kompatibel bist. Es gibt immer Verrückte, die interessante Sachen machen.“
„Red sagte mir, das ich bei dir weiter kommen könnte.“
Morn sah seinen Gegenüber einen Moment lang ausdruckslos an. In seinem Kopf ratterten mehrere Gesichter vorbei, bis sein Gehirn ihm mit einem mentalen Ping ein Bild lieferte.
„Oh, Red. Tja, unter uns: Red ist ein Idiot. So zuverlässig wie ein Glas Wasser bei einem Atombrand. Haha.“
„Haha“, stimmte der Glatzköpfige Mann neben Morn mit ein. Es klang als habe man seinen Sinn für Humor operativ entfernt. Dann herrschte abschätzige Stille.
„Ich brauche die Informationen“, die Stimme grollte nun wesentlich mehr als vorher.
„Und ich brauche Geld“, entgegnete Morn.
Ein Geräusch, das gerade durch seine Lautlosigkeit sehr laut klang beteiligte sich am Gespräch. Es deutete auf Krallen hin, die sich gerne beteiligen wollten.
„Was wir alle brauchen, ist wohl auch Gesundheit. Nicht wahr?“
Der Katzenartige duckte sich etwas. Sein Blick loderte klar und bohrend wie Diamanten durch Morns Schädel. Er kündete von Blutrausch.
Der Blick des Glatzköpfigen weitete sich und ihm brach der Schweiß aus.
Morn tippte beiläufig auf die Lehne seines Pneumosessels und zwei Wände glitten auf. Terranische Taras schwebten in den Raum hinein und richteten ihr Äquivalent von Krallen auf den Besucher.
„Du gehst! Sobald wir unseren neuen Sitz erreicht haben verlässt du dieses Haus und kehrst nie wieder!“ Morn Stimme blieb hart und kalt, dennoch krampfte sich sein Bauch zusammen. Dieser Tourist sprühte vor intelligentem Wahnsinn. Am liebsten hätte er ihn hier und jetzt erschossen, aber die Furcht, was dann passieren würde, blieb größer.
Ein Tara erbebte und fiel zu Boden. Risse formten eine makabere Chrysantheme unter ihm.
Sein Begleiter hatte inzwischen die Augen geschlossen und wiegte leicht den Oberkörper vor und zurück.
Morn schnippte mit der rechten Hand. Die Kuppen seiner Finger knickten um und offenbarten lange, spitze Klingen.
„Die Daten!“ knurrte der Besucher.
Der zweite Tara erbebte und stürzte ab.
„GEH!“, Morn war jetzt der Panik nahe, auch wenn er sich es nicht anmerken lassen wollte. Eigentlich hätte sich längst ein HÜ-Schirm aktivieren müssen.
Im Gesicht des Besuchers zuckte es, dann wandte er sich ab und verließ den Raum.
Ein Hauch von Wahnsinn blieb zurück und erfüllte die Luft.
Erst als das Gebäude aufsetzte und Morn sah, wie der Laosoor es verließ, wandelte sich die Atmosphäre von stillem Wahnsinn in das beängstigende Gefühl, gerade noch so mit dem Leben davon gekommen zu sein.
Morns Begleiter sackte in sich zusammen und legte den Kopf in die Hände.
„Was war das?“, fragte Morn den Báalol.
„Telekinese“, die Antwort war nur ein Seufzen, kaum mehr als ein Windhauch. „Ich konnte gerade so dich und mich schützen. Konnte nicht auch noch die Roboter oder die Leitungen… Diese Geschwindigkeit…“
Der Anti verstummte und regelmäßige Atemzüge deuteten daraufhin, dass er eingeschlafen war.
Morn schauderte.



Sieben

Sie saßen zusammen in Kenjins Hotelzimmer und starrten sich an. Kenjin fragte sich, worauf das hinauslaufen sollte, aber er spielte mit.
Wahrscheinlich war es eine Agentensache.
Schließlich brach die Ertruserin das Schweigen.
„Wir haben deine Aussagen überprüft, und unser Mann in Terrania hat sich den Toten angesehen. Es stimmt, es ist der Vermisste Spezialist.“
Kenjin gestattete sich ein leichtes Lächeln.
„Also werdet ihr mir helfen?“
„Hat niemand gesagt. Wir könnten genauso gut ohne dich auf die Jagd gehen.“
„Dann wärt ihr wohl nicht hier hin gekommen.“
„Oh, Herr Ganzschlau, wie ich sehe. Vielleicht sind wir ja nur gekommen, um unsere Verabredung einzuhalten!“
Kenjin setzte zu einer Entgegnung an, aber der Oxtorner, der sich inzwischen als Jumper vorgestellt hatte, kam ihm zuvor.
„Mika, es reicht. Und das gilt auch für dich, Kenjin.“, etwas in seinem Tonfall ließ Kenjin stramm stehen. Er ertappte sich noch rechtzeitig genug dabei, um nicht zu Salutieren. Mit Erleichterung bemerkte er, dass auch Mika versucht war, ihre Hacken zusammen zu schlagen.
„Wir werden zusammenarbeiten, denn du als Laosoor weißt, wie… Vimes heißt er glaube ich, denkt. Wir haben noch nicht genug Psychologen in der USO, die auf Laosoor spezialisiert sind. Und die, die wir haben, sind nicht erreichbar.“
„Was macht ihr, wenn wir Vimes fangen?“
„Erst einmal auf ruhig stellen. Offiziell ist dies ein Auftrag um einen Flüchtigen zu fangen. Sehr wahrscheinlich werden wir ihn dann an den TLD übergeben, denn die Laosoor sind ja mit der LFT assoziiert.“
Kenjin nickte bedächtig.
„Und was ist, wenn mein Auftrag es vorsieht, Vimes zu töten?“
„Dann würde ich mich schwer über euch wundern“, antwortete Jumper knapp.
Wieder schwiegen sie.
Diesmal war es Kenjin, der die Stille brach.
„Also dann, wie fangen wir an?“
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 8. März 2014, 13:45

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Und weiter gehts:


Acht

Sie hockten in einer Niederlassung der USO, wie Jumper Kenjin erklärte und warteten darauf, das Mika fündig wurde.
Das Prinzip ihres Vorhabens war einfach: ein Laosoor bildete in der Milchstraße noch immer einen eher seltenen Anblick. Zwar erholte sich ihre Population, nicht zuletzt durch den dezenten aber effektiven Einsatz von Gen-Design, dennoch waren sie auf die Galaxis gesehen Unikate. Ergo musste ein Laosoor auffallen. Nicht unbedingt dem unbedarften Passanten, wohl aber dem positronischen Auge. Oder Augen, wie es treffender heißen musste. Jeder der Ansässigen Geheimdienste besaß seine eigenen Mikrosonden, die Ausschau nach Besonderheiten hielten.*
Es kam nun eher auf die positronische Bilderkennung an, den Laosoor zu finden.
In den ersten fünf Minuten fanden sie bereits 73 Bilder von Kenjin, dabei zwei, die ihn mit den Ohrenhänden in fremder Leute Taschen zeigten.
Mika schnaubte dabei abfällig, während Jumper leicht schmunzelte, aber nichts sagte.
Und dann begann das lange Warten.



Neun

Vimes kochte auf eine Art, die Raureif im Blick bildete.
Er bewegte sich durch die Gassen der Stadt, die normalerweise für ihre Sicherheit bekannt waren.
Wenn sie Namen besäßen, so würden sie Mördergasse, Räuberstraße und Organraub-Allee heißen.
Vimes passierte sie mit der Gewissheit, dass er den gefährlichsten Teil der Gegend darstellte.
Einmal trat eine Gruppe Terraner vor ihn, die ziemlich deutliche Absichten zeigten. Mit einem sehr eindringlichem Geräusch riss die Achilles- Sehne des Anführers. Zusammen mit Vimes Grinsen änderten die Terraner ihr Anliegen. Ihr neues bestand aus einem Ortswechsel.
Von da an blieb Vimes unbescholten, wandelte wie der König des urbanen Dschungels durch die wenig beachteten Seitenstraßen.
Und noch immer kochte es in ihm.
Es war ihm, als verhöhne diese Welt ihn, machte sich über ihn lustig. Sein Ziel lag so klar vor ihm, er konnte es spüren! Er musste nur die Ohrhände danach ausstrecken um es zu fassen!! Und dann verwehrten diese dreisten, hinterhältigen Affen ihm seinen Wunsch!!!
Eine Ratte, wie diese Tiere auf Terra hießen huschte an ihm vorbei. Oder versuchte es zumindest.
Fast aus Reflex griff Vimes nach dem Tier und ließ es seine Wut spüren.
Nun, wenn sie ihn verhöhnten, dann sollten sie es genießen. Viel Zeit blieb ihnen nicht.



Zehn

Am Ende des Tages besaß Kenjin einige sehr schöne Aufnahmen von sich, aber keine einzige von Vimes.
Weder gab es Einträge in den Einreiseregistern der Raumhäfen, noch irgendeinen anderen Hinweis, das sich außer Kenjin ein Laosoor auf Lepso aufhielt.
"Und du bist sicher, das sich Vimes hier auf Lepso aufhält?", fragte Jumper, während er sich die Augen rieb.
Kenjin nickte und starrte dabei auf das Datenholo, das Mika's Suche zeigte.
"Er ist hier irgendwo, da bin ich mir sicher."
Mika aß deutlich hörbar einen ihrer Konzentratriegel. Es musste bereits der fünfzigste an diesem Tag sein.
Jumper stand schwungvoll aus dem großen Formsessel auf, von dem aus er die Suche beobachtete.
"Wenn er hier ist, hat er es irgendwie geschafft, sich nicht als Information erfassen zu lassen. Genauer gesagt: nicht als positronische Information die wir erreichen können.
Das bedeutet für uns: rein in den sozialen Informationsfluss."
Kenjin sah ihn fragend an, Mika schaltete Geräuschvoll das Holo ab. Ein ziemliches Kunststück, wenn man bedachte, das sie ein rein virtuelles Interface benutzte.
Jumper streckte sich und gähnte dabei entspannt.
"Will sagen," ließ er sich vernehmen, "wir machen gute alte Agentenarbeit und gehen rein ins Getümmel."


[size=50*]Man, damit war die kleine, kaum vorhandener Anzahl Einwohner Orbanas gemeint, die keinem Geheimdienst, keiner kriminellen Organisation oder polizeilicher Sonderabteilungen angehörte, witzelte, dass, sollte Bostich den Planeten betreten, die Sonne von Spionsonden verdunkelt werden würde.[/size]



----------------------

Hier eine Bitte meinerseits:

Mir würde es beim Schreiben helfen, Feedback zubekommen.
Klar würde es mir gefallen, zu hören das euch die Geschichte gefällt. So was mag schließlich jeder.
Was mir wirklich helfen würde, wäre zu hören, was euch wieso gefällt und natürlich auch, was euch wie so nicht gefällt.
Nur was es einem wirklich schwierig macht als Autor ist kein Feedback.
Daher meine Bitte:
Lasst mich hören was ihr denkt!
Alles hier gepostete ist meine eigene Meinung und auch als solche zusehen. Sollte sich jemand davon angegriffen fühlen, so kann er es gerne sagen.
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Schnurzel » 9. März 2014, 10:35

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Hideo hat geschrieben:
Hier eine Bitte meinerseits:

Mir würde es beim Schreiben helfen, Feedback zubekommen.
Klar würde es mir gefallen, zu hören das euch die Geschichte gefällt. So was mag schließlich jeder.
Was mir wirklich helfen würde, wäre zu hören, was euch wieso gefällt und natürlich auch, was euch wie so nicht gefällt.
Nur was es einem wirklich schwierig macht als Autor ist kein Feedback.
Daher meine Bitte:
Lasst mich hören was ihr denkt!

Ob dein Appell fruchtet? Ich bin ja mal gespannt. Leider sind vielen Foristen die Spam-Threads wichtiger als die Story-Threads.

Ich jedenfalls finde deine Story Klasse. Die einzelnen Kapitel sind kurz und knackig und die Agentenstory ist mit etwas Lakonie und Süffisanz gewürzt. Mach weiter so!

PS: Wäre schön, wenn du dich mal wieder auf meiner Olfaktoren-Seite blicken lassen würdest.

Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Slartibartfast » 10. März 2014, 23:34

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Ich habe es auf meinen Leseplan gesetzt, bin aber einfach noch nicht dazu gekommen es in Ruhe zu lesen, sorry. Momentan klebe ich bei Freefall fest http://freefall.purrsia.com/ffdex.htm :o(
Wenn ich soweit bin, melde ich mich wieder.

Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 13. März 2014, 00:03

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Und hier die nächsten Drei.

Wünsche viel Spaß

Elf

Der einzige Unterschied zwischen den Tageszeiten in Orbana bestand in der Art der Beleuchtung.
Während die grellen Werbeholos sich den Tag mit der Sonne teilen mussten, bestand eine einfach Vereinbarung mit der Nacht: solange sie sich nicht an die Stadt herantraute, solange würden die Holos nicht versuchen Nacht zu spielen.
Beide Seiten kamen prächtig damit aus, weswegen Kenjin sein Lichtschutzokular auch in der vermeintlich Nacht tragen musste.
Die Straßen waren noch immer überfüllt. Zwar fanden sich weniger Kinder, die versuchten ihm billige Chronometer-Imitate anzudrehen, dafür nahmen verschiedenste Hehler und Zuhälter ihren Platz ein.
Erschwerend kam die aufdringliche, personalisierte Werbung hinzu. Zwar kannten die Betreiber keine Laosoor, ließen sich davon aber nicht beirren und tauschten seine Spezies einfach mit der nächst Besten aus.
„Du brauchst einen ComBlock“, bemerkte Jumper entspannt, als Kenjin das dritte Angebot übergroßer Katzenkörbe verscheuchte. Sofort nahm eine Anzeige für ein garantiert wirkendes Tierfellshampoo ihren Platz ein.
„Einen was?“
„Einen Commercial Blocker. Hält dir diese Anhängsel vom Hals. Kostet auch nicht viel und er rettet Nerven!“
„Hm“, machte Kenjin und starrte Gedankenverloren auf die Shampoo-Werbung.
Mika ging ein paar Schritte vor ihnen und wirkte wie ein Wellenbrecher auf die Menge.
„Sag einfach bescheid.“
Nach einigen Minuten erreichten sie einen der unzähligen Nachtclubs der Stadt. Über dem Eingang tanzte eine Live-Aufnahme aus seinem Inneren während die Musik, die vor allem aus Bass zu bestehen schien, die Straße vibrieren ließ.
„The Hive“, las Kenjin, große, warm-gelb pulsierende Schild über dem Eingang. Jumper folgte lächelnd seinem Blick während Mika mit einem der beiden Zaliter diskutierte, die die Türsteher darstellten.
„Und was genau machen wir hier?“
„Jemanden treffen, der sein Ohr ein bisschen näher an dem Puls der Stadt hat.“
Schließlich winkte Mika den beiden bedeutete ihnen, ihr zu folgen.
„Ritus und Det sind zwar nicht begeistert, das wir hier rein wollen, aber sie schulden uns noch einen Gefallen“, erläuterte sie, während sie durch den Vorraum gingen. Der Boden war mit einem elastischen Teppich verkleidet, der auf angenehme Weise nachgab. Für einen Moment genoss Kenjin das Gefühl, dann bog er mit den anderen um eine Ecke und wäre fast über zwei Terraner gestolpert. Kenjin vermutete das es Terraner waren, denn Anzahl und Form der Gliedmaßen passten. Auch die restliche Physiognomie passte. Ob es wirklich Terraner waren blieb allerdings für ihn eine Vermutung, denn dafür hätte er die beiden trennen müssen. Er bezweifelte, dass sie das befürworten würden. Als er sein Blick weiter durch den breiter und auch schummriger werdenden Gang schweifen ließ, entdeckte er noch mehr Pärchen. Nun, hauptsächlich Pärchen.
Jumper warf Mika einen tadelnden Blick zu.
„Hast du nicht gefragt, was für eine Party heute ist?“
Mika schwieg nachdenklich und sagte dann:
„Ich bin davon ausgegangen, dass die beiden uns warnen“, erwiderte Mika schnippisch.
„Nach unserem letzten Besuch?“
Mika öffnete den Mund.
Mika schloss den Mund.
Kenjin, der aus einer ethnischen Regung heraus nicht mehr als einen leichten Gürtel um die Schultern trug, beobachtete die beiden interessiert.
Allem Anschein nach (zwei Arkoniden flitzten gerade an ihnen vorbei und schienen Kleidung für eine Empfehlung zu halten), lautete das Motto des Abends Körperkult, mit einem ganz klaren Frei davor.
Nun, viele Leute waren schlechter gekleidet.
Gemütlich tappte er den Gang entlang, nur mehr darauf bedacht wohin er trat. Einige Stellen wirkten verdächtig klebrig.
„Na kommt schon“, sagte er gut gelaunt zu den beiden Agenten „runter mit den Spionierhosen!“



Zwölf

Die zwei Augen funkelten gelb und erweckten die Erinnerungen der Knochen, die bis in den Urwald zurückreichten.
Solche Augen waren der Alptraum eines jeden Lebewesens, das sie hinter sich im Gebüsch bemerkte.
Das schlimmste war die Reglosigkeit seines… Gegenübers. Seit einer gefühlten Ewigkeit bewegte dieser sich nicht. Trotzdem spürte Noc wie der andere durch seinen Körper glitt.
„Ich will die Daten.“
Noc wimmerte eine Antwort.
„Oh, ich vergaß…“, antwortete Fragesteller. Es klang, als wäre ihm eingefallen ein benutztes Glas weg zustellen. Der Schmerz, von dem Noc inzwischen wusste das er von seinen Stimmbändern stammte, ließ nach.
„weiß nichts … von keinen daten…“
„Das war eine doppelte Verneinung. Willst du mich belügen?“
Noc wimmerte wieder. Er spürte einen geisterhaften Griff an seinem Bauch. Irgendetwas zerriss. Noc schrie.
„Also: wo sind die Daten?“



Dreizehn

Der Kater kam. Dafür musste Kenjin nicht erst in den Spiegel schauen. Er konnte die Auswirkungen der letzten Nacht spüren.
Neben ihm raschelte etwas. Zwei Fragen schlenderten an seinem inneren Auge vorbei und blieben dort genauso penetrant wie Katzenkorbwerbung.
Wo war er und wer oder was raschelte dort?
Die erste Frage konnte er schnell durch das öffnen der Augen klären. In seinem Appartement. Allem Anschein nach lag er auf der Lehne seines Sofas.
Die zweite Frage konnte durch eine Wendung des Kopfes geklärt werden.
Auf dem Sofa lag eine Báalol. Sie teilte mit Kenjin den Mangel an Kleidung, was in seinem Fall allerdings nicht verwunderlich war.
Kenjin stellte fest, das die Beantwortung der alten Fragen unweigerlich neue aufwarf.
Verzwickt.
Er entschied sich dafür, die Suche nach Antworten später zu suchen und mit dem nahe liegendem weiter zu machen.
Geschickt rollte er sich von der Lehne herab und landete äußerst ungeschickt auf dem Boden. Sein Bauch beteiligte sich mehr an der Landung als seine Glieder. Er fragte sich, ob der Aufprall nur für ihn so laut war oder ob er sich wirklich wie ein Gleiterabsturz anhörte.
In seiner Tatkraft, nichtaber in seinem Willen, gebremst schlurfte er zu der Küchenzeile hinüber und gab bei der Automatik einen Becher Espresso in Auftrag.
Langsam erinnerte er sich an die Einzelheiten des letzten Abends.
Sie hatten das Hive betreten, der Kleiderordnung folgeleistend. Vage Gedanken teilten ihm mit, dass Mika und er sich immer wieder stichelten, während Jumper sich ums Geschäft kümmerte. Ohne Ergebnis.
Dem einen Club folgten weitere mit der gleichen Ausbeute.
Allerdings erinnerte er sich daran, dass Mika und er irgendwann ein Wetttrinken begannen. Völlig irre, mit einer Ertruserin um die Wette zu trinken, wie er jetzt wusste.
Dann war ein Filmriss.
Blieb die Frage: woher kam die Báalol?
Ein Holo an der Wand der Küchenzeile entstand und das Gesicht von Jumper erschien. Es war eine Frechheit wie wach er aussah.
„Du musst sofort kommen“, eröffnete er Kenjin direkt.
„Vimes?“
„Vielleicht eine Spur.“
Kenjin nickte. „Na gut, gebt mir zwanzig Minuten.“
Jumper nannte ihm noch schnell die Adresse und schaltete ab. Herrliche, trügerische Stille blieb.
Ein samtenes Geräusch näherte sich ihm und ehe er sich umdrehen konnte spürte er wie sich jemand auf seinen Rückenlegte.
„Guten Morgen, Liebster“, gurrte eine tiefe, rauchige Stimme in sein Ohr und die Anzahl der Fragen schien sich zu verzehnfachen.
Alles hier gepostete ist meine eigene Meinung und auch als solche zusehen. Sollte sich jemand davon angegriffen fühlen, so kann er es gerne sagen.
Noch besser wäre es dann aber, in sich hinein zu horchen, um festzustellen, wieso...


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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 18. März 2014, 22:10

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Hideo
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Und der nächste Teil.
Viel Spaß beim Lesen :)

Vierzehn

Der Tatort war sauber, sofern man optische Maßstäbe anlegte. Zugegeben, es lagen drei Leichen herum, aber dies zählte nach den Werten einer Stadt nicht, die einen eigenen Turm für Selbstmörder besaß.
Zwei der Toten lagen auf dem Gesicht. Kleidung und Statur ließen darauf schließen, dass sie für ihre Muskeln eingestellt waren.
Der dritte lehnte an einer Wand, die leeren Augenhöhlen weit aufgerissen und den Kopf auf der Brust ruhend. Ein dünnes Rinnsal Blut lief aus seiner Nase und einige Tropfen hatten seine Kleidung erreicht.
Mika stand mitten im Raum und bewegte die Hände ruhig und fließend in der Luft hin und her. Allem Anschein nach bediente sie ein nur für sie sichtbares Hologramm.
Jumper stand starr wie eine Salzsäule vor einem Fenster und blickte auf die riesige Stadt. Einige Häuser flogen durch die Luft, in der Ferne lag der Urwald wie ein grünes Band am Horizont.
„Wir haben noch sieben Minuten bis die Spurensicherung der Sicherheitskräfte eintrifft und noch mal drei, bis alles Wertvolle geklaut ist und sie mit der Arbeit beginnen.“
Kenjin zog geräuschvoll die Luft ein und ließ sie auf sich wirken.
Ganz hinten in seiner Wahrnehmung bemerkten die olfaktorischen Rezeptoren eine vertraute Note und meldeten die Entdeckung weiter.
„Ein Laosoor war hier“, verkündete Kenjin. „Vor ein paar Stunden.“
Jumper nickte dem Fenster zu.
„Er lag ungefähr da, wo du gerade stehst. Dem Wärmebild nach recht lange und ohne sich merklich zu bewegen.“
Kenjin blickte auf den Boden. Die Stelle befand sich genau zwischen den drei Toten.
„Lass mich raten: die beiden Leibwächter sind länger tot als der Mann an der Wand?“
„Fast“, kommentierte Mika. Auf eine Bewegung ihrer Hand hin wurde das Holo sichtbar und füllte einen Großteil des Raumes aus. Auch auf den drei Leichen tauchten fliegende Texte und Symbole auf.
Die Namen, das Gewicht und noch weitere Daten der Toten wurden eingeblendet. Kenjin interessierte sich vor allem für eines:
„Todesursache: Durchtrennung der Halsschlagadern und der Luftröhren.“
„Das ist aber noch nicht alles: so wie es aussieht, hat der Täter die beiden vorher noch gelähmt, in dem er ihre Nervenbahnen zerstört hat“, erläuterte Mika.
„Typisch für ihn.“ Kenjin schluckte und wies mit einer Ohrenhand auf den letzten der drei Verstorbenen. „Und was ist mit ihm?“
„Im Endeffekt ist er an einer Hirnblutung gestorben. Allerdings erst recht spät.“ Mika gestikulierte in der Luft herum und verschiedene Holos gruppierten sich neu und gaben Kenjin einen ziemlich deutlichen Eindruck von menschlicher Anatomie.
„Der Fleck hier muss mal die rechte Niere gewesen sein. Und nein, die sieht nicht immer so aus. Das Gilt auch für die Lunge, den Darm und einige andere Organe. Von den Muskeln und Sehnen fange ich besser gar nicht erst an.“
Kenjin würgte eine aufkommende Übelkeit herunter und zwang sich, nicht mehr auf die Bilder zu achten. Zwar war er ein ausgebildeter Raumsoldat, konnte aber auf einen beachtlichen Mangel an Einsätzen zurückblicken. Den Anblick von Eingeweiden kannte er bisher nur aus Lehrbüchern für Feldsanitäter.
„Was glaubst du, wollte er?“, fragte Jumper, der nun neben Mika stand und das Holo begutachtete. Kenjin fragte sich, wie der Agent sich so geräuschlos bewegen konnte.
„Schwer zu sagen. Vielleicht hat er seine sadistische Ader entdeckt? Für mich sieht es nach Folter aus. Wieso… möglicherweise wollte er etwas wissen und hoffte so, die Auskünfte zu erreichen. Oder er wollte Kontakte zu den verschiedenen Syndikaten knüpfen und fühlte sich hintergangen.“ Kenjin seufzte und schüttelte sich. „Zugegebener Maßen zeigte er in der Vergangenheit schon ähnliche Verhaltensweisen, allerdings nur gegenüber Tieren. Das hier ist… die Fortführung?“
Jumper zuckte mit den Schultern.
„Was auch immer seine Motivation war, er hat für uns keine Hinweise überlassen. Der Kerl dort besaß viele Kontakte und Seen in denen er fischte. Nichts davon bietet einen klaren Anhaltspunkt. Im Gegenteil, es gibt viel zu viele Unklare.“
„Also stehen wir wieder am Anfang.“



Fünfzehn

Eine Sackgasse, aber nicht der letzte Weg. Vimes streifte durch die Nebenstraßen, pirschte hinter seinem Ziel her.
Auf der einen Seite drängte es ihn danach, weiter zu gehen, den nächsten Kontakt auf Red’s Liste aufzusuchen. Gleichzeitig spürte er, dass er verfolgt wurde. Von wem konnte er nur erahnen, aber alleine das Gefühl ließ ihn vorsichtig werden.
Vimes reagierte instinktiv. Wer auch immer im folgte, er würde seine Spur aufnehmen, ob früher oder später spielte in Vimes Überlegungen keine Rolle. Die Frage war also nicht: hinterließ er eine Spur, sondern welche und wie viele Spuren sollten es sein?
Ein wohliger Schauer überkam ihn, überkam den Teil von ihm, der immer Bestie blieb und sich nicht um die lange Reihe seiner kultivierten Ahnen kümmerte.
Wen kümmerte schon die Ehre der Technodiebe, wenn er dem Credo des Jägers folgen konnte?



Amok

Kenjin kehrte frustriert in sein Appartement zurück. Mika und Jumper wollten noch einige ihrer Kontakte abklopfen, bei denen er nur zu… Irritationen beitragen würden, wie sie es nannten.
Also wartete er. Die Tür zu seinem Lebensabschnittswohnraum glitt auf und dort saß die Báalol, die ihm schon am Morgen mit unausgesprochenen und unbeantworteten Fragen konfrontiert hatte.
Sie saß, in ein Gewand gekleidet das aus einem einzigen Tuch zu bestehen schien, auf dem Boden und hielt die Augen geschlossen.
Ein Hauch von unbewegter Luft streifte Kenjin und dann öffnete sie ruhig die Augen.
„Hallo Liebster, ich freue mich dass du wieder da bist.“ Ihre Augen leuchteten wie schwarze Löcher und ihre Stimme klang wie der Gesang des Dengejaa Uveso.
Langsam trat Kenjin ein, den Blick auf die Frau gerichtet.
„Weißt du,“ begann er „wenn ich ehrlich bin, hab ich keine Ahnung mehr, wer du bist.“
Sie lächelte.
„Oh, natürlich, wie dumm von mir. Eine kleine Nachwirkung, verstehst du? Es wird nicht mehr lange anhalten, vielleicht noch bis morgen früh. Aber bestimmt nicht länger. Und beim nächsten Mal“, sie streckte die Hand nach seinem Gesicht aus und streichelt zärtlich seine Wange, „wirst du es besser verarbeiten können.“ Sie lächelte erwartungsvoll. Kenjin glaubte jedoch nicht daran, das sie eine direkte Reaktion erwartete. Viel mehr schien sie sich auf etwas Zukünftiges zu freuen.
Für gewöhnlich interessierte Kenjin sich nicht über das Alltägliche hinaus für lemuride Frauen, aber diese faszinierte ihn. Wenn er sich nur erinnern könnte!
„Sag mir wenigstens deinen Namen!“
In diesem Moment baute sich ein Holo mitten im Raum auf. Jumpers Gesicht blickte Kenjin entgegen. Es sah nicht besonders erfreut aus.
„Vimes?“, fragte Kenjin knapp. Jumper nickte nur.
„Wo?“
Jumper schien zu zögern und sagte dann:
„Im südlichen Teil der Stadt. Zweimal. Und im Norden. Dreimal. Und einmal im Osten.“
Kenjins Mund klappte auf.
„…“, war alles, was er sagen konnte.
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Schnurzel » 18. März 2014, 23:00

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Sehr schön, du hast deinen Stil beibehalten, der mir außerordentlich gut gefällt. Weiter so.

Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 21. März 2014, 21:01

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Freut mich, das dir mein Stil nach wievor gefällt und danke für das Feedback :)

Hier geht es weiter:


Berserker

Die Tatorte glichen sich in den meisten unerfreulichen Details.
Überall gab es deutliche Wärmebilder des Laosoor, teilweise nur wenige Stunden alt. Jedes der Opfer ging in irgendeiner Art Transaktionen nach, die nicht den normalen, öffentlich korrupten Kanälen bekannt sein sollten.
Hin und wieder gab es Details, die zum Beispiel auf kurze, aber sehr heftige Kämpfe hindeuteten, doch überall zeigte sich deutlich das gleiche brutale Bild.
Kenjin, Jumper und Mika standen in der kleinen USO-Niederlassung und sichteten die Daten der öffentlichen Sicherheitskräfte. Hinzu kamen diverse abgezweigte Informationen, die PRISMA, die USO-Großpositronik auf Lepso, aus offiziellen und inoffiziellen Kanälen zusammen trug.
Die Datenflut rieselte in großen Holos vor ihnen herab, wirkte wie die Ruhe nach der ersten Welle einer Tsunami.
„Kann es sein“, sagte Jumper tonlos nachdem scheinbar Stunden vergangen waren, „das er einfach nur Wahnsinnig ist?“
Kenjin, der aufgerichtet vor einem Panorama-Holo stand, dass ein von einer Drohne übermitteltes Echtzeitbild eines Tatortes zeigte, zuckte mit den Ohrenhänden.
„Das er einen Verstand wie ein zerbrochenen Spiegel hat, ist unbestritten“, meinte er nur und steuerte die Drohne durch den Raum auf der Suche nach irgendetwas. „Das bringt mich so nicht weiter“, knurrte er und wischte das Bild weg. „Ich muss da sein, muss alles sehen, alles wahrnehmen.“
„Der Instinkt der Laosoor?“, fragte Jumper mit einem lächelnden Unterton aber voller Respekt.
Kenjin nickte.


Es war nicht so, dass es ihm Freude bereitete, sagte sich Vimes. Nein, so war es ganz und gar nicht, aber er musste seine Verfolger verwirren und noch ein anderer Aspekt kam hinzu: er wollte perfekter werden. Natürlich kannte er die menschliche Anatomie besser als ein fanatischer Chirurg, aber das war nicht alles* .
Es ging um Präzision und Geschwindigkeit.
Zu seinem Bedauern lebten auf Lepso zu viele Antis, und in solchen Fällen musste er entweder sehr schnell sein, oder körperliche Gewalt anwenden. Letzteres störte ihn zwar nicht direkt, aber es erschien ihm schmutzig und wie Kraftverschwendung.
Also blieb ihm nichts anderes über, als zu üben.
In Vimes Kopf gab es eine ganz deutliche Unterteilung: es gab Opfer und Beute. Die Opfer waren notwendig und konnten sich im Endeffekt freuen, ihm dabei zu helfen, die Beute zu erlangen. Es war praktisch eine Ehre, ihn beim Üben zu unterstützen.
Bestimmt sahen sie es auch so.
Ganz bestimmt!
In der beginnenden Dämmerung sah er ganz deutlich die Zukunft vor sich.
Vimes Schritte beschleunigten sich, bis er leise und Anmutig durch den frühen Abend jagte.


Kenjin schritt durch den Abend. Kein Werbeholo nervte ihn mehr, denn er kannte noch andere Möglichkeiten der Abwehr, als teures Geld zu bezahlen.
Natürlich waren Mika und er wieder aneinander geraten, gerade wo sie beide so gereizt auf einander hockten.
Der Instinkt der Laosoor, hatte sie abfällig gemeint und dabei einen Konzentratriegel gemampft. Es war wirklich ein Mampfen, den die Essmanieren hielt sie für eine vage Empfehlung. Was denn seine Parafähigkeit sei, habe sie wissen wollen. Jeder wisse doch, dass Laosoor alle irgendwas könnten.
Genauso, hatte er daraufhin geantwortet, wie alle Ertruser verfressen wären und Rindfleischbrocken in Taschen mit sich herum schleppten.
Wäre Jumper nicht dazwischen gegangen, wär weiß was passiert wäre.
Nun, in einem Punkt irrte sich Mika. Auch wenn fast ein Drittel aller Laosoor talentiert waren, so blieben immer noch zwei Drittel, die ihre Hosen ganz normal anziehen mussten. Wenn sie welche tragen würden.
Und der andere Punkt, er ging die unverschämte, verfressene Ertruserin nichts an.
Kenjin blieb wie vor eine Wand gelaufen stehen. Seine Nackenhaare richteten sich auf. Er spürte wie sich etwas veränderte. Die Menge um ihn herum schien sich schneller durch die Straßen zu schieben, wirkte wie Tiere vor einem Erdbeben.
Etwas passierte.
Kenjin schaltete seinen Verstand aus und rannte los.


------------
* Tatsächlich kannte er auch die der meisten anderen raumfahrenden Völker, außer vielleicht die der Matten Willys, aber niemand war perfekt und eigentlich waren die ja auch nur passiv-raumfahrend, zählten also nicht wirklich!
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 28. März 2014, 22:40

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Hideo
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Und der nächste Abschnitt.
Wünsche ein entspanntes Wochenende :)


Rage

Kenjin jagte auf Kniehöhe der meisten Passanten durch die Nacht. Kaum einer störte sich daran oder zeigte es. Jemand, der ganz eindeutig von Raubtieren abstammte musste sich nur selten rechtfertigen, wenn er mit starrem Blick rannte.
Er erreichte eine kleine Seitenstraße und betrat sie ohne zu zögern. Das Prickeln in seinem Nacken war Bestätigung genug. Zwielichtige Gestalten pressten jemanden an eine Wand. Als sie Kenjin erblickten verschwanden sie hastig.
Kenjin kümmerte sich nicht um die wimmernde Gestalt sondern hetzte weiter.
Wieder um eine Ecke und dann hinein in einen schlecht beleuchteten Wohnturm.
Die Gänge entlang und immer dem Prickeln nach.
Er wechselte die Ebene über die Treppe.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
Beim vierten Mal preschte er durch die sich langsam öffnende Nottür.
Er bemerkte gar nicht, wie seine Schultern hart gegen die Kanten stießen, rannte einfach weiter.
Eine Frau kauerte hinter einem Funken sprühendem Reinigungsservo. Mit ihren Armen presste sie ein Kind an sich. Sie wimmerte auf, als sie Kenjin sah.
Nur ein paar Meter weiter lehnte ein Mann an der Wand. Blut lief aus seiner Nase und den Augenhöhlen.
Kurz dahinter flackerte Licht aus einer Tür, jagte wahnsinnige Stakkatos in die Atemlose stille.
Kenjin warf sich hinein.
Epileptische Schatten bildeten einen Alptraum aus Leichen vor ihm.
Blues, Springer und ein Anti lagen im Raum verteilt.
Ganz deutlich der Geruch von einem Laosoor, keine zehn Minuten alt.
Kenjin kümmerte sich nicht um die Toten und rannte weiter in den Raum hinein.
Vor ihm ein vierbeiniger Schatten.
Kenjin setzte zum Sprung an, bremste dann aber jäh.
Seine rechte Ohrhand schnellte zu seinem Schultergurt, griff ein Wurfmesser heraus und jagte es durch den Raum.
Fast auf halben Weg hörte es auf sich zu drehen und raste, die Klinge voran in die Gestalt.
Die Wucht riss den Schatten bis zur nächsten Wand. Kissen und Decken, die Leiche eine Terraners und noch etliches mehr stürzten zu Boden.
In dem Moment riss die Sehne seines linken Hinterbeines.
Kenjin schrie und sackte zusammen.
Er spürte, wie etwas in seinem anderen Bein herum tastete, die Sehne fand und plötzlich verschwand.
Ein Knurren aus der Dunkelheit.
Kenjin Griff mit seiner Schwanzhand in den Gürtel und warf ein weiteres Messer.
Das Messer jagte durch den Raum, doch auf einmal knickte seine Flugbahn nur um ein paar Grad. Es bohrte sich bis zu dem Heft in die Wandverkleidung.
Durch den Schmerz hindurch bemerkte Kenjin, das noch jemand im Raum war.
Ein in stroboskopisches Licht getauchter Geist wehte durch den Flur. Kenjins Kopf ruckte herum.
Vimes nutzte den Moment und sprang hinter einem Sofa hervor. Kenjin versuchte den Schmerz zu ignorieren zog ein weiteres Messer. Gleichzeitig hörte er kleine Explosionen. Für einen Moment schien Vimes verwirrt, dann sprang er an Kenjin vorbei. Das Messer bohrte sich nur wenige Millimeter neben ihm in den Türrahmen.
Kenjin wollte sich aufrappeln, doch er knickte sofort wieder ein.
Der Geist erschien in seinem Blickfeld.
„Ich bin gekommen, um dich zu retten, Liebster.“


Jumper und Mika trafen zehn Minuten später ein.
Während Mika die Wohnung durchsuchte versorgte Jumper Kenjins Bein.
Die Báalol indes hielt sich im Hintergrund. Mit einem verträumten Blick blickte sie in das weite Nichts ihres inneren Universums. Kenjin fragte sich, was sie dort sah. Eine Erinnerung stieg in ihm auf…
„Du hast Glück gehabt, das sie in der Nähe war“, meinte Jumper, als er eine dünne Manschette um Kenjins Bein legte. Während ein Stamm Nanodrohnen seine Sehne klebten würden die in der Manschette enthaltenen Stoffe den Heilungsprozess beschleunigen.
Die Báalol lächelte und sagte verträumt etwas das Kenjin nicht verstand. Jumper zuckte nur mit den Schultern und wandte sich wieder Kenjin zu.
„Du hättest uns rufen sollen.“
Der Laosoor schüttelte den Kopf. „Ich hätte seine Spur verloren.“
„Wie hast du sie überhaupt gefunden?“
„Instinkt?“
Jumper sah ihm fest in die Augen und las nur Ehrlichkeit darin*.
„Ist das eine Antwort?“
„Irgendwie schon.“
Mika trat neben Jumper. In ihrer Hand hielt sie Kenjins Wurfmesser.
„Von dem anderen gibt es nur Wärmespuren und Pheromone.“ Sie reichte Kenjin die Messer, doch als er sie nehmen wollte zog sie sie zurück. „Einige von denen waren wirklich tief in der Wand.“
„Muss an dem billigen Zeug liegen, das sie hier verbauen.“
„Ein Terraner hätte so seine Probleme, die wieder raus zubekommen.“
„Wunderbar, dass keiner hier ist.“
„Ich wusste gar nicht, dass deine Hände so stark sind.“
„Ich wusste gar nicht, dass du soviele Wörter am Tag sagen kannst.“
„Es reicht!“, schnitt Jumpers stimme durch die beiden Kontrahenten.
„Mich interessiert nicht, wie die Messer in die Wand kamen. Zumindest nicht jetzt“, fügte er mit einem Seitenblick auf Kenjin hinzu. „Ich will wissen, was Vimes hier wollte.“
„Die Toten sind einfache Zivilisten. Partygäste, wenn ich alles richtig deute. Abgesehen von kleineren Rauschmitteln, sind sie unschuldig.“
„Ha“, macht Jumper. Seiner Meinung nach gab es auf Lepso soviel Unschuld wie Eis in der Hölle.
„Keine Hehler oder so was?“
Mika schüttelte den Kopf.
„Was wollte er dann hier?“
„Spielen. Üben. Lust spüren.“
Drei Köpfe drehten sich zu der Báalol herum. Ihr Lächeln wirkte noch verklärter.
„Und er wollte seine Verfolger kennen lernen.“
„Woher…“, setzte Jumper an, doch die Báalol sah glatt durch ihn hindurch.
„Ich konnte es spüren. Ganz leicht nur.“
Und da erwachte Kenjins Erinnerung an diese eine Nacht vollends.





---
* Jumper war stolz darauf, im Blick seines Gegenüber genau erkennen zu können, wie sehr er belogen wurde. Es sagte sehr viel über seinen Charakter aus, das er gar nicht davon ausging, jemand könnte nicht lügen!
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 6. April 2014, 17:34

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Und hier der Lesestoff für den Sonntag, die gewünschte Rückblende :)
Ich wünsche viel Spaß!


Neunzehn

Dumpf pulsender Bass liegt wie Nebel in elektronischer Musikluft.
Die Form spielt keine Rolle, alles wiegt sich wie ein Meer auf der blitzenden Fläche.
Seine Begleiter sind nur wankende Schemen, nichts als zu groß geratene Tropfen in der Ferne.
Eine seltsame Stille liegt in all dem.
Der Alkohol in Kenjins Blut trägt seinen Teil dazu bei, das die Welt seltsam entrückt wirkt, wie aus weiter Distanz spürt er das Drücken der Menge.
Verdammtes Wett saufen!
Dann das aufpeitschen von Trommeln, echter Trommeln diesmal.
Mitten in der Luft, über den tanzenden Leibern jagt eine Gruppe Trommler Signale an die Knochen, lässt das Gehirn völlig außen vor.
Noch bevor ein Urlebewesen Sehnen zu Saiten machte, schlug es schon einmal mit der Faust, dem Tentakel oder was auch immer auf den Boden.
Trommeln sind die ursprünglichsten aller Instrumente. Sie scheren sich nicht um ein feines Gehör oder ausgefeite Kompositionen.
Sie dringen direkt vor zu dem Ursprünglichen das noch immer in Höhlen, Sümpfen, Dschungeln oder der gleichen haust und mit Steinmessern auf Beute oder Jäger wartet.
Sie bringen das Blut und die Hormone in Wallung.
Die Menge rast wie ein Leib, springt mit jedem Schlag einer gemeinsamen Trance entgegen.
Und Kenjin ist ein Teil der Menge.

Irgendwann enden die Trommelschläge, gleitet der Rausch vorbei.
Erschöpft erkennt Kenjin, das Mika und Jumper fehlen.
Vor ihm steht ein haarloser Terraner.
Nein, korrigiert Kenjin sich, gewisse Attribute lassen auf eine Terranerin schließen.
Die Frau tanzt in einem Tuch gehüllt und wirft sich dabei in einer Mischung aus Ekstase und Ruhe hin und her.
Sie wirkt dabei zierlich und zerbrechlich und gleichzeitig unerreichbar.
Kenjin bemerkt, dass er auf zwei Beinen steht und ähnlich Tanzt.
An die Zeit zwischen seinem Eintreffen und dem Jetzt kann er sich nicht bewusst erinnern.
Verdammtes Wett saufen!
Die Terranerin schmiegt sich mit dem Rücken an ihn und tanzt mit voller Körperlust.
Kenjin spürt etwas und bewegt sich mit, lässt die ganze Lebenslust durch sich hindurch strömen.

Irgendwann ertappt sich Kenjin dabei, wie er mit der Frau durch die Nacht eilt.
Die Frau ist eine Báalol, wie er inzwischen erfahren hat. Sie nennt sich ihm gegenüber Mael Baantas.
Die glühende Nacht führt sie durch ein Labyrinth aus Neon-Holos und kultischen Liedern, die aus den Tempeln des Nachtvolkes dringen.
Schließlich erreichen sie ein kleines Gebäude, das wie von Hand gemauert wirkt.
Sphärenhafte Musik durchdringt Kenjin’s Geist und wirkt auf eine komplexere Art wie die Schläge mit Tier- Fell bespannter Trommeln.
Kenjin erkennt im halbdunklen Kerzenschein viele Báalols und einige wenige andere Völkervertreter.
Mael setzt sich mit ihm in eine Nische und ein Hauch von Vorhang gleitet zu.
Sie sieht ihn aus ihren dunklen Augen an, lächelt halb scheu und halb verlangend und beugt sich dann vor, umfasst seinen Kopf zärtlich mit ihren filigranen Fingern und zieht ihn zu sich heran.
Sie seufzt ihm etwas in sein Ohr, sagt ihm, das sie sein Talent spürt und ob er bereit ist, sich mit ihr zu verbinden.
Kenjin gibt an, sie nicht richtig zu verstehen.
Eine Erinnerung an etwas, das die Antis betrifft steig in ihm hoch, wie heißt es nochmal? Feuer der Wahrheit? Eine Angst beschleicht ihn und das sagt er auch.
Mael kichert verhalten und versichert ihm, das sie auch ein Feuer in Gedanken hat, aber ein ganz anderes.
Sie legt ihren Kopf auf seine Stirn und ein siedend heißer Strom durchfährt wohlig Kenjins Selbst.
Er stöhnt auf, aber nicht vor Schmerz.
Mael haucht ihm in sein Gesicht und er spürt, wie etwas seinen Geist, sein… Talent anrührt und in wohliges tief rotes Leuchten hüllt.
Wunderbares Wett saufen!

Er liegt in seine Appartement und Mael streckt sich auf seinem Rücken, umstreicht mit ihren Händen seinen Kopf, während er sie mit seinen Ohrhänden hält und um schmiegt. Er nimmt es kaum wahr, sieht darin nur einen kleinen Anker in der körperlichen Realität.
Sein Geist ist mit dem von Mael verwebt, wird von ihm getragen und dirigiert. Sie lässt ihn aufleben und erblühen. Sie verstärkt sein Talent der Telekinese und bringt es zum Glühen, greift spielerisch nach Molekülen und Atomen, ordnet sie neu um und lässt irgendwo das Bild einer Rose auf atomarer Ebene entstehen.
Feuer des Lebens, nennt Mael ihre Gabe. Sie und andere Báalol haben beschlossen, sich von der Tradition der Alten los zusagen. Nicht mehr nur negieren, das Leben unter strenger Kontrolle halten und tiefe Disziplin üben. Sie wollen den Fluss nicht mehr nur stoppen oder kontrollieren, sondern vielmehr in ihm Baden und seinen Strom spüren.
Das Leben brennt in Kenjin, erfüllt ihn mit ureigenster Lebenslust. Er spürt den Strom wie nie zuvor, schwimmt mit Mael darin immer weiter fort.
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 7. April 2014, 11:26

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Und hier schon der Nachschlag.
Wünsche viel Spaß!



Zwanzig

Die Augen seines Gegenübers flackerten.
Anscheinend wartete er auf das Ende.
Wenn es nach Vimes ging, so wäre es schon längst vorbei. Allerdings bestanden die hiesigen Bürger auf einen überflüssigen Widerstand. Es war ermüdend und nicht halb so glorreich, wie sie dachten.
Der Mann krächzte etwas, das Vimes kaum verstand.
„Oh, bitte gib dir etwas Mühe“, sagte er jovial. „Glaubst du nicht auch, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn sich alle etwas mehr Mühe geben würden?“
Der Blick des anderen drückte aus, dass Glaube für ihn keine Alternative darstellte und er auch kein Interesse am Rest der Welt besaß. Er war mit seiner eigenen Welt viel zu beschäftigt.
„Also gut. Was wolltest du gerade sagen?“
„prospektor…“
„Bitte? Habe ich dich richtig verstanden? Hast du gerade ‚Prospektor‘ gesagt?“
„‘a“
Vimes lächelte das aufrichtige Lächeln des ehrlich erfreuten.
„Na bitte, so schwierig war das ja gar nicht. Und um was für einen Prospektor handelt es sich?“
„rot auge“
„Na, diese Bemerkung will ich einmal überhört haben. Das war nicht besonders kosmisch von dir.“ Vimes rümpfte die Nase. Rassismus hatte noch nie zu seinen Stärken gehört. Von seinem Standpunkt aus gesehen waren alle anderen gleich schwach, unabhängig davon, welchem Volk sie entstammten. „Wenn du mir nun noch freundlicher Weise den Namen des Prospektors oder des Schiffes nennen könntest…“
Der andere schüttelte den Kopf. Das hieß in seinem Fall eine Bewegung im Millimeter Bereich. Alles andere war zu qualvoll.
„nur das jahr“
„Was meinst du mit Jahr? Wann er die Entdeckung gemacht hat? Nein? Wann er aufgebrochen ist? Auch nicht? Das Jahr seiner Rückkehr? Ah, das ist ja schon mal etwas. Wir reden aber von der Rückkehr nach Lepso, richtig?“, vergewisserte sich Vimes. Es wäre zu bedauerlich, wenn seine Suche an solch kleinen Details scheitern würde.
Sein Gesprächspartner nickte schwach.
„Nun?“
„1331“
„1331 neuer galaktischer Zeit ist der Prospektor wieder zurückgekehrt?“
„‘a“
„Hm“, Vimes blickte in die Leere zwischen ihm und dem anderen. „1331… 1331… hm… Irgendwas war da. Könnte nicht sagen, das es mir gerade einfällt. Naja, dann wird es sicherlich nicht besonders wichtig gewesen sein.“ Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf den anderen. „Nun, du hast mir sehr geholfen. Deshalb freust du dich sicher, jetzt deine Belohnung zu erhalten.“ Vimes grinste herzlich.
Dann starb der andere.



Einundzwanzig

Perlian da Agripa saß ihm Smiler und betrachtete die Gäste.
Seit einer gefühlten Ewigkeit wurmte es ihn, das er nicht wusste, woran Mika und Jumper arbeiteten und wer dieser Laosoor gewesen war.
Es ging ihm dabei weniger um den Inhalt ihrer Arbeit als viel mehr um’ s Prinzip.
Man kannte sich.
Man erzählte sich das ein oder andere, machte vielleicht Andeutungen um selber Hinweise zu erhalten.
Es war ja nicht so, als ob man der natürliche Todfeind war. Dafür war das Verhältnis auf der galakto-politischen Ebene viel zu entspannt.
Zugegeben, er wusste dass sie irgendjemanden suchten.
Und das sich ein Laosoor an dieser Suche beteiligte ließ darauf schließen, dass es um Laosoor Angelegenheiten ging.
Kombiniere: sie suchen einen Laosoor.
Perlian war nicht besonders stolz auf diese Leistung. Jede zweitklassige Armbandpositronik könnte ihm das ausrechnen.
Für solche Schlüsse musste man kein Cel’ Arbtan sein.
Seine vorsichtigen Anfragen bei Kolin vom TLD erbrachten außer einer entspannten halben Stunde um den Imperator herum reden auch keine Hinweise.
Entweder wusste sie nichts, oder sie wollte nichts sagen.
Perlian war frustriert.
Er wollte einfach nur Bescheid wissen. Nicht das es ihn darüber hinaus interessieren würde. Wahrscheinlich nicht. Es sei denn, es war etwas Großes. Dann sah die Sache natürlich anders aus.
In Gedanken ging er die Liste der Orte durch, an denen sich Mika und Jumper in der letzten Zeit aufgehalten hatte.
Wesentlich erschien ihm dabei, dass es hauptsächlich Mordschauplätze gewesen waren.
Für ihn sah alles nach einem Bandenkrieg aus.
Wollte sich vielleicht ein Laosoor einen Platz in der hiesigen Unterwelt suchen?
Nach allem, was Perlian über dieses kleine Volk wusste, war das nicht sehr wahrscheinlich.
Seine Gedanken kreisten weiter, als jemand seine Aufmerksamkeit erregte.



Zweiundzwanzig

Vimes Zorn entlud sich in dem Terminal des öffentlichen Info-Netzes. Zwar hatte er Zugriff auf die im Jahr 1331 gelandeten arkonidischen Prospektoren schiffe erhalten, jedoch brachte ihm dies nicht weiter. Neben der immensen Zahl an Schiffen gab es keinen wesentlichen Hinweis darauf, was ihre genaue Herkunft war, was sie gefunden hatten und ob sie nochmal zu ihren Fundstellen zurück kehren wollten.
Hinzu kam die Datenlücke, die durch den Hyperimpendanz-Schock im September des gleichen Jahres eingetreten war.
Vimes gestand es sich nicht gerne ein, aber er brauchte Unterstützung.
Seine Schritte führten ihn durch die Stadt, bis er schließlich vor einem Lokal stand, über dem ein kaltes Lächeln prangte.
Vimes wusste zwar, das es sich um einen Agentenschuppen handelte, aber er musste das Risiko einfach eingehen.
Es war einfach zu wichtig und er stand zu nah vor seinem Ziel.
Vimes betrat das Lokal und sah sich um.
Erleichtert stellte er fest, dass er nur mäßige Aufmerksamkeit auf sich zog.
Abgesehen von eine Arkoniden, der ihm nachdenkliche Blicke zu warf.
Als er bemerkte, das Vimes ihn beobachtete, lächelte er aufrichtig geübt und wies mit der Hand auf den freien Platz vor ihm.
Vimes erwiderte das Lächeln und kam der Aufforderung nach.
„Hallo, ich bin Perlian.“
„Vimes“, erwiderte Vimes, als er sich zu dem Arkoniden gesellte.
„Verzeih, dass ich so direkt frage, aber bist du ein Laosoor? Ich habe ehrlich gesagt noch nicht sehr viele gesehen, und will nicht dreist erscheinen, aber meine Neugier ist einfach zu groß.“
Vimes lächelte entwaffnend.
„Ja, das hast du gut beobachtet. Ich bin tatsächlich ein Laosoor. Aber du hast gesagt, du hast noch nicht viele gesehen. Das heißt für mich, du hast bereits mindestens einen gesehen?“
„Ja, vor kurzem erst.“
„Ah, das muss mein Bekannter sein. Weißt du, ich bin ein bisschen vor ihm hier auf Lepso angekommen, und wir haben uns bisher immer verpasst. Ich hoffte, ihn hier zu finden.“
„Tja, ich muss dich enttäuschen.“ Vimes offene Art färbte auf Perlian ab. Er war so einladend, so erfrischend geradlinig, das der Celista spontane Sympathie empfand. Außerdem schien er den anderen Laosoor zu kennen, der mit Mika und Jumper arbeitete. „Dein Bekannter ist schon eine ganze Weile nicht mehr hier gewesen. Aber vielleicht kann ich dir helfen?“
„Wie das?“
„Nun, ich verstehe mich darauf, Informationen, Spuren und Hinweise zu finden und zusammenzusetzen.“
„Nun, das klingt doch gut. Ich muss nämlich gestehen, dass ich gerade nach so jemand gesucht habe. Weißt du,“ gestand Vimes, „ mein Bekannter und ich, wir suchen etwas. Und noch mehr, als ihn zu finden, wäre es wichtig, dieses gewisse Etwas zu finden.“
Perlian sah ihn nachdenklich an. Unterschwellig summten Warnungen in seinem Bewusstsein. Irgendetwas stimmte bei aller Sympathie nicht mit diesem Laosoor. Auf der anderen Seite konnte er so vielleicht herausfinden, woran die beiden USO-Agenten arbeiteten. Was sollte schon passieren?
Und immerhin war er ein Celista!
Perlian lächelte.
„Nun, vielleicht kann ich dir ja helfen.“
Vimes strahlte.
„Prächtig!“
Alles hier gepostete ist meine eigene Meinung und auch als solche zusehen. Sollte sich jemand davon angegriffen fühlen, so kann er es gerne sagen.
Noch besser wäre es dann aber, in sich hinein zu horchen, um festzustellen, wieso...


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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 19. April 2014, 10:37

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Hideo
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Und es geht weiter und nähert sich in großen Schritten dem Finale des ersten Teils.
Wünsche viel Spaß!


Dreiundzwanzig

Vimes bewunderte Perlian’s Arbeitsweise. Auch wenn er den Agenten im Großen und Ganzen für einen ausgemachten Idioten hielt, so zeigte sich doch ein gewisses Talent für das Erfassen von Daten.
Der Celista erfasste selbst kleinste Informationen, winzige Datenbruchstücke und schaffte es so, Lücken in den Aufzeichnungen der Zentralen Positroniken zu ergänzen.
Es erinnerte Vimes an seine eigene Jagd, an seine eigene Zielstrebigkeit.
Bestimmt konnte Perlian dann sein Handeln besser verstehen.
„Das Problem“, erklärte Perlian, „liegt im Hyperimpendanz-Schock. Ein Großteil der Daten, wurde damals noch auf syntronischen Rechenverbänden gespeichert. Als sich die Vorhersagen Rhodans als richtig erwiesen, war es bereits zu spät, alle Daten ausreichend zu sichern und es gab verschiedene Inhalte, die auf Lepso Vorrang besaßen.“
Vimes knurrte anerkennende Zustimmung.
„Hinzukommt“, fuhr Perlian in seiner Welt aus Daten steckend fort, „das die Informationen kaum im wesentlichen Speicher der Raumhafenbehörde hinterlegt sind, sondern zum Großteil im Register der arkonidischen Prospektorenverwaltung. Und zu denen hat man in der Öffentlichkeit aus Prinzip schon keine Verbindung.“
Perlian hechtete durch die Datenberge und nach kurzer Zeit blinkten in vier verschiedenen Holos Schriftzeichen auf.
Der Agent gestattete sich ein Lächeln.
„Hier“, im ersten Holo wurden die Symbole noch mehr betont, „haben wir den Eintrag, das ein arkonidisches Schiff länger als erwartet gebraucht hat, um zurück zukehren. Das gilt aber auch für fünf andere. Hier haben wir dann die Kennungen der fünf Schiffe. Wie du siehst, ist das alles noch im Verzeichnis der Lepso-Behörden. In diesen Einträgen stehen die Vermerke, weswegen sich die Schiffe verspätet haben.“
Perlian gab Vimes einige Sekunden die Möglichkeit, sich die Bemerkungen anzusehen.
Triebwerksschaden/mangelhaft behoben
Spontaner Wechsel des Besitzers/Antrag auf Stürmung des Raumers gestattet
Großer Fund, der mit vorhandenen Ressourcen nicht erschlossen werden kann/Aufrüstung erbeten
Kontamination mit Tribbles/Professionelle Raumdesinfektion erforderlich

„Zwei der Fälle können wir mit Sicherheit ausschließen. Der Triebwerksschaden ereignete sich noch auf dem Hinweg, also bleibt nur noch…“
„Der Fund.“ Vimes Nacken prickelte. Das war es!
„Genau. Und da haben wir hier den Namen des Schiffes: ARBARAITH. Damals geführt von Banla da Mersan. Allerdings war die Kommandantin schon damals in einem fortgeschrittenen Alter. Das Schiff selber wurde nach dem Schock umgerüstet und steht seit 1489 NGZ unter dem Kommando von Velien da Mersan, der Enkelin der damaligen Kommandantin.“
„Befindet es sich auf Lepso?“
„Nein, aber es ist keine 800 Lichtjahre von hier entfernt.“ Perlian grinste. „Ich denke, ich kann die Kommandantin unter einem Vorwand hierher holen und dann können wir…“
Und dann war er tot.



Vierundzwanzig

Seit drei Tagen ruhte die Stadt.
Wenn Kenjin ehrlich war, stimmte das nicht.
Genauer gesagt musste zugegeben werden, dass es seit drei Tagen keinen Mord mehr gab, der mit Vimes in Verbindung gebracht werden konnte. Die durchschnittliche Mordrate zeigte sich davon unbeeindruckt und hielt ihre Quote mit Hilfe anderer Mitarbeiter.
Kenjin, Jumper und Mika vertrieben sich die Zeit indes mit dem Ausschau halten nach verräterischen Spuren.
Mika mutmaßte mit jedem Tag mehr, das Vimes vielleicht schon weiter gezogen sei, vielleicht auf dem Weg zu einem anderem Planeten, der ihm mehr Spaß versprach. Auch wenn Kenjin es nicht gerne zugab, so hielt er es nicht für unwahrscheinlich.
Die restliche Zeit verbrachte er mit Mael.
Sie lagen oft stundenlang beieinander, versunken in einer Welt in der das Leben einem heißglühendem Strom gleich pulsierte.
Sollte jemals ein durchgedrehter Wissenschaftler auf die Idee kommen, Kenjins Appartement mit einem Rasterelektronenmikroskop zu betrachten, so würde er auf kleine Kunstwerke auf Atomarer Ebene stoßen.
Am vierten Tag meldete sich Jumper bei Kenjin.
„Wir haben vielleicht eine Spur“, eröffnete er Kenjin.
„Was heißt vielleicht?"
„Das wir uns noch nicht sicher sind.“ Jumper machte eine kleine Pause, so als würde er sich die nächsten Worte genau überlegen.
„Außerdem ist es etwas komplizierter, an die richtigen Hinweise zu gelangen, da wir nur auf Mutmaßungen angewiesen sind.“
Mael glitt von Kenjin’s Rücken und bewegte sich auf fast schwebende Weise in die Hygienezelle.
„Ich bin auf dem Weg. Wo treffen wir uns?“
„Im Smiler.“



Fünfundzwanzig

Das Holo erlosch, und Vimes sah, das es gut war.
Zugegeben. Die Kommandantin der ARBARAITH zeichnete sich durch einen scharfen und wachen Verstand aus, aber die Daten, die er in den letzten Tagen vorbereitet hatte, waren einfach wasserdicht.
Es brauchte schon eine Hochleistungs-Positronik, um die Fälschung zu durchschauen.
In eineinhalb Tagen würden die Prospektoren also eintreffen. Genug Zeit, um sich vorzubereiten.
Vimes wusste zwar, dass er sich auf seine telekinetischen Fähigkeiten verlassen konnte, dennoch durfte er nicht so dumm sein, sich alleine auf diese zu stützen.
Ruhig und gelassen trat Vimes auf die Straße vor seinem derzeitigen Appartement.
Er brauchte einige... Utensilien.
Gewisse... Dinge, die sein Leben einfacher, und das einiger anderer Leute sehr viel komplizierter gestalten würden.
Vimes wusste auch, dass dies nicht ganz billig werden würde, aber inzwischen besaß er auch einen recht gewinnbringenden Ruf.
Eineinhalb Tage.
Zeit genug.
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 21. Mai 2014, 20:48

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Sechsundzwanzig

Die Stadt lag wie in fiebriger Dämmerung. Ein unbestimmtes Gefühl lastet wie eine dicke, ertrusiche Daunendecke auf ihr und schien schwer auf den Nerven seiner Bewohner zu drücken, pochte in den grauen Zellen zwischen den Schädelknochen und erfüllte die sozialen Synapsen mit dem bitteren, drängenden Instinkt einer nahen Katastrophe.
Es war wie das Gefühl eines nahenden Erdrutsches, der als unterschwellige, kaum spürbare tektonische Verschiebung beginnt und am Ende ganze Gebirgsmassive verändert und der Welt ein neues Antlitz verleiht.
Tiere, die vor dem Ausbruch fliehen.
Kenjin, Mika und Jumper saßen im Smiler und starrten den kleinen, untersetzt wirkenden Arkoniden an, wie er in einem billigen Imitat einer arkonidischen Adelstracht vor ihnen auf abgewetzten Leder saß und unruhig hin und her rutschte. Tränen hingen wie unterdrückte Seen in seinen Augenwinkeln.
Sie haben’s immer noch nicht hinbekommen, erkannte Kenjin. Haben einfach nicht die Haltung entwickelt, die es ihnen erlaubt, das Augentränen mit einem einfachen, kleinen chirurgischen Eingriff zu beenden. Bewunderung lag in seinem Blick, geteilt mit einem Hauch Unverständnis.
Kenjin grinste. Und nippte dann an seinem Fruchtdrink, den der epsalische Barkeeper in einem blanken Kristall-Shaker produziert hatte.
„Bist also ein Kollege von Perlian?“, fragte Mika matt. Ihr Gesicht sagte alles über den Arkoniden.
Er nickte hastig. Fast eine Spur zu hastig.
„Und was willst du von uns? Und wieso kommt er nicht selber?“
„Das hier,“ sagte der Mann mit einer leichten, säuselnden Stimme die verriet, das er mehr mit dem Gedanken spielte, Adliger zu sein als sich mit der Realität zu befassen, „ist inoffiziell. Klar?“
Mika sah sich mit gespieltem Erstaunen im Raum um. Spott in den kaum verzogenen Mundwinkeln.
„Klar, was sonst.“
Ein Aufblitzen in den kleinen, roten Augen, so schnell wie der Reflex der Sonne auf einem verchromten Stück Gleiter-Karosserie.
Es ist alles ein Spiel, erkannte Kenjin. Es kommt nur darauf an, wer den größeren Bluff vorbereiten kann.
„Perlian,“ sagte der kleine Arkondie, „ist tot.“
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 2. Juni 2014, 22:15

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Siebenundzwanzig

Vimes sah der ARBARAITH vom Rand des Raumhafens zu, wie sie sich behäbig auf das Landefeld herab senkte. Das Schiff entsprach einem robustem High-Tech-Level, das schon vor der Hyperimpendanz-Erhöhung als besonders Widerstandsfähig galt. Technik, die im Bedarfsfall die liebevolle Aufmerksamkeit eines großen, schweren Hammers mochte und zu dem rauen von jeglicher Weltraumromantik verschontem Leben eines Prospektors passte.
Im Zoom seiner Brille konnte Vimes erkennen, das die Außenhaut des Schiffes aus verschiedenen Metall-Flicken bestand, von denen jede Unmengen an Kratzern aufwiesen. Allem Anschein nach lief der Gewinn der Prospektoren nicht so wie erhofft, sonst würde sich ein einheitlicheres Bild ergeben.
Noch ein Grund, weswegen sich die Verabredung mit der Kommandantin als sehr einfach gestaltet hatte.
Die alte, behäbige 500 Meter-Kugel senkte sich immer langsamer werdend auf das Landefeld herab und fuhr gleichzeitig ihre Landestützen aus.
Gemächlich setzte sich Vimes in Bewegung. Er hatte immer hin noch eine halbe Stunde Zeit bis zu der Verabredung mit der Kommandantin. Noch gab es keinen Grund zur Eile.



Achtundzwanzig

„Wieso hat die Hauspositronik keinen Alarm gegeben?“, fragte Jumper den kleinen Arkoniden.
„Scheinbar wurden die Primären und Sekundären Sicherheitsprotokolle abgeschaltet.“
„Von Perlian selber?“
Der Celista schüttelte den Kopf. Er verbrachte eindeutig zu viel Zeit mit Menschen, stellte Kenjin fest und sah sich im Raum um. Es wirkte wie jedes beliebige Zimmer und einer beliebigen, billigen Absteige. In der Mitte lag der Tote. Ein flüchtiger Blick reichte, um das festzustellen. Niemand mit so wenig Kopf konnte noch leben.
„Auf mechanischem Weg. Wenn ich die Spuren richtig deute, wurden Nano-Maschinen eingesetzt, die sich nach dem Anschlag selber abbauten. Die letzte Sicherheitsschaltung wurde von ihnen scheinbar nicht zerstört, aber unterdrückt, bis der Täter in aller Ruhe flüchten konnte.“
„Wieso wurde die dritte Schaltung nicht auch zerstört?“, frage Mika und betastete die Wand. Vor ihrem rechten Auge lag ein kleines, flaches Monokel. Wahrscheinlich konnte sie damit jede kleinste Leitung sehen.
„Damit wir Perlian finden?“, fragte der Celista hilflos zurück. „Es gibt viele Möglichkeiten und jede scheint uns gleich wahrscheinlich.“
„Woran hat er zuletzt gearbeitet?“, fragte Kenjin und erntete dafür irritierte Blicke. Erst als Jumper leicht nickte antwortete der Arkonide: „Das ist uns derzeit noch unbekannt. Jegliche Protokolle wurden gelöscht und mit Datenmüll überschrieben.“
Ein allgemeines „hm…“ lag im Raum und wartete auf Antwort.
„Ich sehe nicht, in wie fern wir dir hierbei weiterhelfen…“, begann Jumper, wurde aber von einem sich öffnenden Holo- Fenster unterbrochen.
Das Logo der arkonidischen Prospektoren- Behörde drehte sich drei Mal gemächlich und verschwand dann, um einer einfachen Textnachricht zu weichen.

Wir stellen mit Bedauern fest, das uns bei den von Ihnen angeforderten Daten der
Prospektoren-Schiffe ein Fehler unterlaufen ist, betreffend dem Schiff Turmancs Traum.
Es lag keine Kontamination mit Ungeziefer sondern…


Mit großen Augen lasen die Vier die Nachricht ein weiteres Mal.
Und dann endlich, setzte sich der Celista in Bewegung, ging zu dem Bedienpult und handelte.



Neunundzwanzig

Vimes schwebte, metaphorische wie in der Realität.
Sein Blick war auf die vor ihm aufragende ARBARAITH gerichtet, doch eigentlich sah er etwas ganz anderes, größeres, tausendfach heller strahlendes als die Sonne Lepsos.
Seine Zukunft breitete sich vor ihm aus. Nein, wenn er ehrlich war, betraf es nicht nur seine Zukunft, es betraf die Zukunft aller Laosoor.
Vimes sah sie klar und deutlich, unvergleichlich strahlend und perfekt und schön.
Nur noch ein kleiner Schritt.
Er erreichte den kleinen Hangar, in dem bereits ein Arkonide auf ihn wartete, begleitet von zwei alten, eigentlich ausrangierten Robotern.
Das Fesselfeld setzte ihn sanft auf dem Boden der Halle ab. Vimes lächelte. Die Welt wurde leicht.
Die Wege durch das Schiff in einem einzigen klaren Delirium zurückgelegt, hin und wieder unterbrochen von kurzen Phasen, in denen er sich nur kurz kratzte, nichts was ihr bekommen könntet, Edler, kein Problem, kein Problem. Die Zentrale des Schiffes unscharf wie ein falsch eingestellter Kamerafokus, nur das Gesicht der Kommandantin klar, scharf wie in der Hochauflösung eines siganesischen Hochleisungs-Holoprojektors. Bedeutungslose Worte wechseln hin und her, dienen nur der Vorbereitung. Die Brille? Oh, nur etwas ethnisches, edle Kommandantin, nur etwas ethnisches. Und das Signal kommt und die Welt kehrt klar und hart zurück. Ein Blinzeln und das Signal war auf dem Weg. Vimes lächelte innerlich, während sein Mund sinnlose Worthülsen abgaben. Außerhalb der Zentral gellte ein Katastrophenalarm durch das Schiff, trieb jedes Mannschaftsmitglied zu den Außenschleusen und soweit weg von dem Prospektoren- Schiff wie es nur irgendwie ging.
Vimes lächelte.
Und übernahm den Raumer.



Dreißig

Der Gleiter jagte mit einer Geschwindigkeit durch Orbana, die selbst nach den hiesigen Verhältnissen als verkehrswidrig galten.
Jumper saß am Steuer, da niemand der Positronik der Maschine genug Vertrauen entgegen brachte, um schnell und intuitiv genug zu fliegen. Bei einem Oxtorner gab es bei allen weniger Bedenken.
In der Ferne wuchs ein Gebirge aus Raumschiffen. Der Arkonide saß im hinteren Teil des Gleiters und sprach unablässig in ein Akustikfeld.
Mika saß neben Kenjin und überprüfte ihre Waffen. Ein ertrusicher Desintegrator, wenn auch nur für eine Hand ausgelegt, spricht zu allen geistig gesunden Lebewesen eine klare, unmissverständliche Sprache. Kenjin argwöhnte nur, das genau hier das Problem bestand: die geistige Klarheit war beim Vimes keineswegs verpflichtend.
Endlich jagten sie über die Ausläufer des Raumhafens hinweg, direkt auf einen Raumer zu, der von verschiedenen Daten umspielt wurde.
„Verstärkung ist auf dem Weg, benötigt aber noch etwas länger. Scheinbar gibt es in der Innenstadt eine Reihe von Anschlägen mit Geiselnahme. Die örtlichen Sicherheitskräfte sind damit völlig überfordert und erhalten deshalb Vorzugs Unterstützung.“
Jumper nickte nur.
Und dann waren sie an dem Raumer, flogen eine Schleife hielten dann direkt neben einem Hangar- Tor.
Es war verschlossen.
„Es reagiert niemand auf unsere Rufe“, kommentierte Jumper die Situation. Der Arkonide nickte nur und trat neben Jumper.
„Seit wir auf hundert Meter an der ALBRAITH heran sind, empfange ich überhaupt keine Funkrufe mehr. Ich übernehme das Steuer.“
Jumper stand ohne weitere Regung auf und räumte den Platz.
„Kommt ihr…“ wollte der Arkonide noch fragen, doch wurde er durch den Hangar unterbrochen. Das Tor glitt langsam, metallisch dröhnend auf und mehrere Gestalten jagten in Raumanzügen heraus und von dem Schiff weg. Sie achteten gar nicht auf den Gleiter.
Mit einer Reaktionsschnelligkeit, die der Jumpers alle Ehre machte, lenkte der Celista den Gleiter in den Hangar. Noch bevor er zur Ruhe kam, sprangen Jumper und Mika heraus, und zu dem Ausgang der Halle. Kenjin folgte ihnen und kam sich vor wie in Zeitlupe.
Ein Alarm, den Kenjin aus den Übungen der Raumakademie heraus gut kannte, dröhnte durch das Schiff. Seine Nackenhaare sträubten sich. Diesen Alarm gab es nur, wenn die Reaktoren durchbrannten.
Und das konnte nicht sein, da weder der Raumhafen evakuiert, noch das Schiff in einen starken Schirm gehüllt wurde.
Waren sie erst nur auf Verdacht gekommen, die vage Hoffnung eine sachte Spur zu finden, die auf Vimes hindeutete, verfestigte sich das Gefühl immer mehr zu einer Gewissheit.
Vimes war hier! Kenjin spürte es. Und noch etwas, jemand andern spürte er. Ein Versprechen, das eingelöst wurde.

Der Arkonide schrie.
Der Schrei war wichtig, denn er vermittelte eine deutliche, klare Botschaft und die waren in diesem Moment eher rar.
Nun, so wie es aussah hatte Vimes Zeit, und noch genügend Brückenoffiziere, die ihm als Anschauungsobjekte dienten.
Einer mehr oder weniger, wen störte es schon?
Der Schrei erstarb.

Die Gänge des Schiffes lagen leer vor ihnen. Mika und Jumper sicherten den Gang in Richtung der Zentrale ab, während Kenjin die Mitte, und der Celista den Schluss übernahm.
Der Arkonide hatte sich in den letzten Minuten von einem steifen Anzugträger in einen kühlen, beängstigend schnellen Killer verwandelt. Ein anderes Wort fiel Kenjin für dessen Ausstrahlung nicht ein.
Es ging so zäh, so langsam vorwärts, das Kenjin am liebsten geschrien hätte.

Vimes lag bequem auf dem Boden und blickte interessiert auf das harte, bleiche Gesicht der Kommandantin. Diese arkonidische Widerborstigkeit aber auch!
Naja, Eile mit Weile, sagte er sich.
Ein kleines Signal blinkte in seiner Datenbrille. Erstaunt registrierte er es. Ein Bild wurde eingeblendet und Vimes blinzelte.

Der Arkonide starb ohne es zu merken. Die Sprengladung überlastete seinen Schirm sofort und die Wucht der Schrappnelle der zweiten Explosion folgten zu schnell für eine Reaktion
Kenjin wurde von der Wucht der Bombe einige Meter weit in den Gang geschleudert. Weißglühende Splitter verpufften in seinem Schirm.
Mika sagte etwas ganz und gar Hässliches, das als der Situation durchaus angemessen erschien.
Mika griff in eine ihrer Taschen und warf etwas Kleines, Rundes in den Gang. Die Kugel raste durch den Gang zur Zentrale. Das nichts geschah schien die beiden Agenten zu erleichtern, denn sie stürmten erneut los.

Vimes stellte leicht überrascht fest, das er keine weiteren Bilder aus dem Gang zur Zentrale erhielt. Seine Versuche, die restlichen Sprengladungen zu zünden erwiesen sich ebenfalls als Nutzlos. Scheinbar hatten die restlichen Eindringline die Bombe überlebt und waren darüber hinaus noch überraschend gut ausgerüstet.
Wieso er auch immer mit der Beute spielen musste! Hätte er mal gleich den ganzen Gang gesprengt.

Sie erreichten den Rundgang, der auf dem Bodenniveau der Zentrale einmal um sie herum führte.
Mika bezog an dem ersten Schott Aufstellung, Jumper bedeutete Kenjin ihm zu folgen und sich an dem zweiten Schott zu postieren. Ein kurzes Zeichen. Zähl bis Zehn.
Und Jumper verschwand hinter der Biegung.

Endlich redete die Arkonidin, nannte ihm die Datenbäume, auf denen seine Frucht reifte. Vimes jagte durch die Daten, immer schneller, immer fokussierter. Die Zukunft wie ein kleiner, heiß glühender Punkt einer vergangenen Nacht.
Das war es!
Er hatte es!
Die Welt zerbarst in Schreien und Dunkelheit…

Mika hätte es fast geschafft.
Als Kenjin bis zehn gezählt hatte, öffnete sich die Tür und Kenjin stürmte herein. Aus den Augenwinkeln sah er Mika und Jumper durch die Türen brechen. Vimes stand, auf allen Vieren, in der Mitte der Zentrale, den Blick starr zu Boden gerichtet und ein Schock lief durch den Raumer und es wurde Dunkel und Kenjin spürte, wie sein Schirm ausfiel, wie sein kleiner Impulsstrahler mit einem singenden Geräusch ausfiel. Unbeirrt rannte er weiter und hörte, wie Mika wütend aufbrüllte, die Strahler nach Vimes warf, die aber irgendwie gar nicht so weit flogen wie sie sollten und Mika riss die Augen überrascht auf und Blut schoss ihr durch aus der Nase und den Ohren und sie überschlug sich im Laufen.
Jumper machte einen großen Satz und Überraschung trat in seine Augen, als mitten im Sprung mit einem hässlichen Geräusch die Sehnen in seinen Füßen rissen und er die Kontrolle über seinen Flug verlor.
Und dann war Kenjin heran, in jeder Ohrhand ein Messer, warf sie und steuerte telekinetisch ihre Bahn.
Vimes sah ihn an, Verachtung in seinem Blick, und die Messer jagten quer durch den Raum und dann spürte Kenjin den heißen Strom durch seinen Körper jagen, griff in Vimes Körper und Vimes brach zusammen, vor Wut und Schmerz schreiend.
„SIEH ES DIR AN!“, brüllte er und dann traf ihn ein Paralyse-Strahl und er brach zusammen.
Kenjin stand, schwer atmend und am ganzen Körper bebend, in der rechten Ohrhand ein neues Messer zum Wurf erhoben in der dunklen, nur von klaustrophobischer Notbeleuchtung erhellten Zentrale und blickte in das erschrockene Gesicht einer Arkonidin (der Kommandantin?), weiter zu einem monochromen Holo, in dem immer wieder und wieder, wie in einem endlosen Reigen sich eine sphärenhafte, unregelmäßig geformte Figur drehte, von arkonidischen Zeichen umgeben, die scheinbar Masse, Größe, Dichte und noch viele andere Daten darstellten.
Ohne darüber nachzudenken übersetzte sein Gehirn die Zeichen in Terranische.
Ein Detail brannte sich ihm, hätte sich in jedem Laosoor festgebrannt, in die Gedanken: Durchmesser: 2067 Kilometer! Nur fünf Kilometer Unterschied… 2067 Kilometer!
Und von weit her, von einer anderen Welt, von einem anderem Leben, drang Jumpers fluchende Stimme, das Wimmern von den Ruinen der Gegenwart.
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Todd » 5. Juni 2014, 10:36

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Todd
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Hideo hat geschrieben:Siebenundzwanzig


Hallo Hideo,

habe mal in diesen Teil reingelesen und den fand ich so :st: , dass ich die Teile, die hier zu finden sind, auf den Kindle ziehen und die Story Im Ganzen lesen will! :)

Im ersten Teil bin ich schon über einen schönen kleine Melodie gestolpert: "Der haarlose Hüne" hat was! :D

LG

Todd
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 7. Juni 2014, 23:48

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Danke fürs Feedback :) , freut mich, das es dir nur beim reinlesen schon gefallen hat. :D
Schon lustig, was sich manchmal unbeabsichtigt im Text ergibt :lol:
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 9. Juni 2014, 08:27

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Und hier das Ende des ersten Teils.

Wünsche noch einen schönen Pfingsttag :)



Einunddreißig

Es hinterließ bei Kenjin ein seltsames Gefühl, Mika in einem Heiltank schweben zu sehen, verletzlich und den Maschinen ausgeliefert.
Vimes Handschrift blieb in ihrem Gehirn eingebrannt, ließ sich nur sehr langsam wieder entfernen, unter Umständen gar nicht mehr. Jumper meinte, wenn sie erst einmal zurück in Quinto-Center seien, könnten die Spezialisten sie schon wieder zu Recht flicken. Kenjin glaubte nicht so recht daran, und wenn er an Jumpers Gesicht dachte, als er das sagte, dann dieser auch nicht.
Und direkt neben Mika, wie ein humorloses Arrangement, hing Vimes in einem Stasis-Feld, die Augen geschlossen und das Gesicht unbewegt. Kenjin meinte, eine stumme Anklage in Vimes geschlossenen Augen zu sehen.
2067 Kilometer…
Ein paar Meter nur über ihm spürte Kenjin den Datenträger locken, den er im arkonidischen Raumer angefertigt hatte. Die Frucht der Erkenntnis, wie Mael den kleinen, unschuldigen Kristall nannte. Mael, die auf Lepso geblieben war, nicht zu letzt weil Jumper ein paar Bedenken hinsichtlich Geheimhaltung, Akonen im Allgemeinen, nicht persönlich nehmen, bitte, aber die Erfahrung, du verstehst?, und seinem Bauchgefühl im speziellen äußerte. Mael hatte nur gelächelt, Kenjin auf die Stirn geküsst und war gegangen.
Nun jagte die AHAB durch den Linearraum und versuchte so schnell wie möglich Lepso hinter sich zu lassen.
Fast glich es einer Flucht.
Kenjin starrte zu den beiden Tanks mit den so unterschiedlichen Wesen und sah doch nur die Vergangenheit.
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 12. Juni 2014, 19:11

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So, der zweite Teil beginnt.

Wünsche viel Spaß beim Lesen :)



2. Teil: Roots



Desire


Wenn die Parameter nicht stimmen, wird der Abgleich unvollständig und es ergibt sich keine differenzierte Perspektive.
Die Parameter sind vollständig. Und auch richtig. Das Perspektiven-Problem hat andere Ursachen, die mit einem einfachen Verfahren eliminiert werden könnten.
Das ist symptomatisch für diesen Komplex, unabhängig davon, welche Quellen er hat.
Das Problem liegt in der Einfachheit des bisherigen Verfahrens. Eine einfache Lösung wird generell der komplexeren vorgezogen, ohne in Betracht zu ziehen, ob dies nicht dauerhafte negative Auswirkungen auf der Metaebene hat.
Dennoch bleibt das Problem der differenzlosen Perspektive. Sie bleibt zu eindimensional, in diesem Fall zu zweidimensional.



„STARBUCK, leg die Daten der ABARAITH in die Messe. Kenjin und ich werden dort gemeinsam die Informationen durch gehen.“
Jumper ging durch die leeren Gänge der AHAB Kenjin voraus. Der 250 Meter Raumer war darauf ausgelegt, im Notfall Monate lang ohne Besatzung zu operieren, nur von einer Bio-Positronik und einem Heer von Robotern gesteuert. Kenjin fröstelte jedesmal, wenn er durch die einsamen Korridore schlenderte. Die Gänge vermittelten das Gefühl, das biologisches Leben unerwünscht war. In seiner Vorstellung folgten die Roboter, Relais-Positroniken und anderen Maschinen einem stummen Tanz, der erst begann wenn niemand da war, um ihn zu beobachten.
„Die Informationen warten auf dich, Kapitän.“, erwiderte die Schiffspositronik. Jumper ignorierte die Ansprache.
Die Messe war für sechzig Mann ausgelegt, die viel Wert auf einen eigenen persönlichen Raum legten. Hinter der Theke stand ein vielarmiger Service Roboter mit angezogenen Armen und starrte regungslos in die Leere. Kenjin fühlte sich an eine Spinne erinnert, die auf ihre Beute wartete.
Über den Tischen hing ein vier Meter großes Hologramm, das die Kenjin bekannte Sphäre zeigte, sowie eine Reihe weiterer kleiner Objekte, die unregelmäßig darum verteilt waren.
„Das ist das Objekt, dessen Daten Vimes in der ABARAITH versucht hat zu extrahieren.“ Jumper gestattete sich ein freudloses Lächeln. „Anhand seiner Reaktionen könnte man davon ausgehen, dass er sehr unzufrieden damit war, dass wir ihn gestört haben.“ Kenjin blickte verstohlen zu Jumpers Füßen, die noch immer in dicke Regenerationsmanschetten eingehüllt waren. Zwei bis drei Tage, lautete das Urteil der Medoroboter.
„Ich wäre genauso ungehalten gewesen.“, gab Kenjin zurück. „Wie jeder Laosoor in dieser Situation.“
„Mögt ihr es nicht, bei einer Geiselnahme gestört zu werden?“ Kenjin fragte sich, ob es ein Witz war. Eigentlich kamen solche Sprüche von Mika.
„Ist dir klar, was du dort siehst?“, fragte er patziger zurück, als er es beabsichtigte.
„Einen Irrläufer Mond, dem Bewegungs-Vektor nach? Mit kleinen Asteroiden als Satelliten?“
„STARBUCK, besitzt du Aufzeichnungen über die Laosoor?“
„Natürlich, Privateer.“
„Leg die Daten über die LAOMARK auf ein Holo, direkt neben die des Mondes.“
Aus dem Nichts heraus entstand ein weiteres Hologramm, genauso groß wie das erste.
„Siehst du es jetzt?“
Jumper schwieg, die Hände unbewegt auf seinem Schoß ruhend und starrte die beiden Zwillinge an.
„Zugegeben, die Ähnlichkeit ist verblüffend, aber das muss ein Zufall sein.“
„Für mich sieht das nicht nach einem Zufall aus.“
„Es muss. Zwanzig Millionen Jahre sprechen dafür.“


Mika schwebte in ihrem Regenerationstank, auf eine seltsame Art hilflos, wie es nur besonders starke Wesen sein können, die auf einmal trotz all ihrer Kräfte schutzlos waren. Vimes Handschrift hatte sich tief in ihre neuronalen Strukturen eingebrannt, hatte Verwüstungen angerichtet, die sich selbst mit der von den Sayporanern verbesserten Nanotechnologie kaum beheben ließen. Jumper legte seine ganze Hoffnung auf Quinto Center, aber Kenjin konnte, wenn er hier vor dem Tank stand, keine Hoffnung aufbringen.
Und daneben, in einem Stasisfeld gefangen, schwebte Vimes wie das Ergebnis eines schlechten künstlerischen Arrangements, und schien trotz seiner Abwesenheit Kenjin zu verhöhnen.
Und an diesem Ort, ganz für sich alleine, konnte Kenjin ihn verstehen. Konnte er seine Handlungen ausnahmslos verstehen und eine stille, beunruhigend klare Stimme fragte ihn, ob er nicht genauso handeln würde.


Jumper betrachtete die Textzeilen, die vor ihm in der Luft schwebten und er erkannte, dass sie sich durch eine besondere Sinnlosigkeit auszeichneten. Der Bericht den er anfertigte traf in keinster Weise das, was auf Lepso geschehen war. Er konnte auch nur unzureichend das wiedergeben, was er in Kenjins Augen gesehen hatte, als das Hologramm des Irrläufer Mondes in der Messe schwebte. Es war dasselbe, begierige und fanatische Leuchten, das in Vimes Gesicht stand, kurz bevor er ihn paralysierte.
Er hatte in seinen Jahren auf Lepso gelernt, dieses Leuchten so schnell es ging zum erlöschen zubringen. Oft war dafür eine schwere Waffe nötig gewesen.
Und auf der anderen Seite stand der oxtornische Philosoph Prana, der in der archaischen Zeit die vom Bushido abgeleitete Formel nannte, die in der Seele jedes Oxtorners ruhte:
„Dein Leben verfolgt ein Ziel und dein Leben ist ein Kampf. Ein Kampf, dein Ziel zu erreichen, ein Kampf dein Leben zu gehen, ein Kampf, jeden Tag diesen Kampf auszufechten. Und um diesen Kampf zu gewinnen, jeden Tag auf ein Neues, muss du dir ein Ziel wählen und wenn du dieses Ziel hast, setz alles daran es zu erreichen, egal wer oder was in deinem Weg steht. Denn alles andere wäre eine Niederlage.“
Wenn Jumper es unter diesem Aspekt betrachtete, konnte er von Vimes sehr viel lernen.


Es war gespenstisch, Kenjin in der kleinen Beobachtungskuppel stehen zu sehen, hoch aufgerichtet in einem Sternenmeer aus künstlichem Licht, wie ein Dirigent der sich anschickte die Nacht neu zu ordnen und sie seiner eigenen Welt anzupassen.
Ein Prinzip, das dem Kern des Oxtornerwesens widersprach, fast das Gegenteil seiner Natürlichkeit darstellte.
„Was versuchst du, so herauszufinden?“, fragte Jumper in die von glühenden Holos geschaffene Nacht.
Kenjin drehte sich nicht einmal um.
„Überleg dir selbst, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die LAOMARK noch existiert?“
Kenjin reagierte nicht, ordnete neu, löschte, erschuf und verwarf wieder und wieder.
Jumper beobachtete ihn, versuchte, ihn nicht zu verstehen, versuchte nicht die Sehnsucht nachzufühlen, die in dem dirigierten Tanz vor ihm steckte.
Und schließlich, mit einer Stimme, die den ganzen Weg von der Finalen Schlacht bis in die den Sternen gewidmete Kathedrale auf einer winzigen Kugel ging, fragte Kenjin:
„Frag dich selbst: wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, das Mika überleben wird.“
Alles hier gepostete ist meine eigene Meinung und auch als solche zusehen. Sollte sich jemand davon angegriffen fühlen, so kann er es gerne sagen.
Noch besser wäre es dann aber, in sich hinein zu horchen, um festzustellen, wieso...


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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 27. Juni 2014, 20:19

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Und weiter gehts.
Viel Spaß beim Lesen :D



Roots

Eventuell ist die zeitliche Differenz eine der Kernursachen für die verschiedenen Inputs.
Natürlich hat die zeitliche Ebene eine deutlich Wirkung auf die unterschiedlichen Formen des Inputs, allerdings ist es fraglich, ob dies die Hauptursache ist.
Die biologische Komponente sollte auf keinen Fall unterschätzt werden.
Womit wieder die Frage nach dem bisherigen Verfahren und dessen Sinnhaftigkeit gestellt werden sollte.
Auch hier ist die zeitliche Komponente entscheidend. Ein temporäres Hinzuziehen und Zusammenführen sollte nicht konsequent ausgeschlossen werden.
Die Diskussion wurde bereits getragen. Es geht um Nachhaltigkeit, und die ist mit den bisherigen Mitteln nicht garantiert.
Und was ist mit der Sinnhaftigkeit?
Was soll mit ihr sein?



Egal wie oft Jumper durch die Gänge der AHAB ging, ihn beschlich immer wieder das Gefühl, das die Positronik nur die Beleuchtung in seinem Sichtbereich einschaltete und darüber hinaus keinen Gebrauch von ihr machte.
„STARBUCK, wo befindet sich Kenjin?“
„Der Privateer ist im Observatorium, Kapitän.“
„Sichtet er immer noch die Daten der Arkoniden?“
„Das unterliegt der Privatsphäre, Kapitän.“
Jumper blieb stehen und sah die unpersönliche Decke an.
„Wir sind auf einem Schiff der USO, und Kenjin ist kein Spezialist. Ich glaube, wir können in dieser Hinsicht ein paar Einschränkungen seiner Privatsphäre hinnehmen.“
„Ist er ein verdächtiger Terrorist, extragalaktischer Aggressor oder in irgendeiner anderen Hinsicht ein Individuum mit erhöhtem Beobachtungsbedarf?“
„Was?“
„Die von Lordadmiral Atlan da Gonozal und von Lordadmiral Monkey unveränderten und damit bestätigten Statuten zur Observation eines sich in der Obhut eines USO…“
„Schon gut, ich kenne die Richtlinien.“
„Also?“
Jumper zögerte. Er hatte es im Gefühl. Diese ganze Sache ging Kenjin viel näher, als es sein dürfte. Unterschwellig machte er sich Sorgen, das der Laosoor sich zu einer irrationalen Handlung hinreißen lies, sich zum Beispiel auf die Suche nach einem 20 Millionen Jahre alten, in einer 45 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxis gestrandeten riesen Raumschiff zu machen.
Auf der anderen Seite konnte er immer noch mit Kenjin reden, sich mit ihm vernünftig auseinander setzen. Sollte er jetzt anfangen, ihn heimlich zu bespitzeln, so würde er es vielleicht bemerken und sich zurück ziehen. Ein Umstand, den es zu verhindern galt.
„Also gut, STARBUCK, frag bitte bei Kenjin nach, ob er Zeit hat, sich mit mir zusammen zusetzen und woran er gerade arbeitet.“
„Ja, mein Kapitän.“
Jumper bekam bei den Worten das Gefühl, das die Positronik über ihn schmunzelte.


„Du bist bei der Sichtung der Daten weiter gekommen?“, fragte Jumper Kenjin, als sie gemeinsam in einem Ruheraum des Schiffes saßen. Bilder ferner Nebel und Galaxien formten sich lautlos an den Wänden und der Decke, erfüllten den Raum mit eine meditativem Lichtspiel. Kenjin fragte sich, ob STARBUCK auch davon Gebrauch machte, wenn sich niemand an Bord befand. Oder sah er sich die Daten als elektronische Impulse an? Besaßen sie für ihn überhaupt eine Relevanz?
„Ja, bin ich. Letztlich bin ich mit Hilfe der Positronik zu einer vagen Positionsberechnung gekommen.“
„Und wo befindet sich der Irrläufer? Ungefähr?“
„Knapp oberhalb der Milchstraßenhauptebene, mit Kurs auf die Ranzbezirke des Galaxienzentrums.“
„Wie knapp darüber?“
„Um die zwei- oder dreihundert Lichtjahre.“
Jumper schien einen Moment überlegen zu müssen, dann sagte er schließlich:
„Zu weit. Die Datenlage ist mir zu unsicher, um auf ihrer Basis das Leben eines Spezialisten zu gefährden.“
Kenjin spürte einen Kloss in seinem Hals, auch wenn er mit dieser Reaktion gerechnet hatte.
„Dann gib mir eine Spacejet. Ich werde alleine hinfliegen.“
Der Oxtorner schüttelte behutsam den Kopf.
„Wir haben keine Beiboote mit entsprechender Reichweite an Bord. Wir werden erst nach Quinto Center fliegen und dort Bericht erstatten. Ich denke, das eine Kommission auf Aurora über eine Expedition entscheiden wird.“
Kenjin sah ihn ausdruckslos an. Kälte breitete sich in seinem Bauch aus.
„Jumper, es geht um meine Heimat.“
„Deine Heimat ist Terra.“
„Das ist nur der Ort, wo ich geboren bin. Die LAOMARK, die ist die Heimat.“
„Du kennst sie doch nur aus den Berichten, die von der JULES VERNE veröffentlicht wurden.“
„Ach komm mir nicht so. Du bist doch selber auf Lepso geboren, aber ich wette mit dir, dass wenn wieder Loower oder egal wer, über Oxtorne stehen würden, dann wüssten wir beide, wo wir dich suchen müssten.“
„Das kann man nicht vergleichen. Oxtorne existiert. Der Planet ist nicht weg zu diskutieren. Aber du jagst einer Erinnerung hinterher!“
„Hat es das nicht schon oft genug in der Geschichte der Menschen gegeben? Immer und immer wieder? Wieso soll ich nicht die gleichen Chancen bekommen wie andere vor mir?“
Jumper sah Kenjin sprachlos an. Kenjin konnte sehen wie es in dem Oxtorner arbeitete.
„Wir werden in Quinto Center weiter sehen. Wenn dir das nicht reicht, musst du in deinem Raumanzug auf die Reise gehen.“
Damit stand er auf und ging auf seine eigene, lautlos wütende Art aus dem Raum.


„Kapitän, die Linearetappe wird in zwanzig Minuten beendet. Willst du selber das Kommando auf der Brücke übernehmen, oder soll ich den Rücksturz leiten?“
Jumper sah durch die Dunkelheit der Kabine zu der Decke hinauf. Das einzige Geräusch kam von seinem Atem. Die AHAB war so konstruiert, das sie keinerlei Akustik übertrug, selbst die Maschinenräume waren so gebaut, das Stille zwischen den großen Aggregatblöcken herrschte.
Jumper bekam das Gefühl, in einem Raum ohne Grenzen zu schweben, alleine mit seinen Gedanken.
„STARBUCK, ich habe eine Frage.“
Eine unbestimmte Stille musste ihm als Antwort genügen.
„Kannst du mit dem Begriff „Heimat“ etwas anfangen?“
„Deine Frage ist ungenau, aber ich denke, ich kann eruieren, was du meinst.“ Jumper überhörte den Unterton in der künstlichen Stimme. „Natürlich ist mir der Begriff bekannt, und die Posbi-Komponente verdeutlicht, dass sie eine ganz klare Vorstellung von „Heimat“ besitzt. Dies ist insofern interessant, weil sie mir Signale sendet, die an das klassische Double Bind Problem erinnert. Auf dieses Themenfeld angesprochen, sendet sie eine indirekte Weisung, die du als Bedürfnis bezeichnen würdest, so schnell wie möglich die Hundert Sonnenwelt aufzusuchen. Gleichzeitig sendet sie einen starken Informationsfluss bezüglich der indoktrinierten Kommandos und dem grundlegenden Befehl, sie auszuführen. Mit deinen Worten: sie ist hin- und hergerissen zwischen Pflicht und Sehnsucht.“
„Bist du in diesem Zustand überhaupt in der Lage, deine Aufgaben korrekt zu erfüllen?“
„Solange ich keine grundlegenden Entscheidungen treffen muss, für die ich meine Posbi-Komponente benötige: ja. Derzeit unterliegt der Informationsstrom zwischen den verschiedenen Teilen einer starken Regulation. Da wir uns aber in keiner bedrohlichen Situation befinden, ist dies im Rahmen der Zulässigkeit.“
Jumper horchte den Worten nach. Ein wenig beunruhigte es ihn, den inneren Prozess STARBUCKS so genau zu erfahren. Vielleicht war die Entwicklung dieser Raumer-Klasse ein Schritt in die falsche Richtung. Auf der anderen Seite besaßen die Posbis eine nicht ganz unwesentliche Erfahrung mit autarken Raumschiffen.
„Ich bin gleich auf der Brücke.“
Die Stille blieb.


Das Holo das Irrläufer tanzte durch den Raum, lockte wie ein ungreifbares Irrlicht. Kaltes Licht malte magische Wege, erschuf simulierte Kursvektoren, Wahrscheinlichkeiten, Hoffnungen und Mauern die fest und unüberwindbar und entmutigend ein Abbild der Realität darstellten, wie Hohn jede Formel zum Zusammenbruch führten.
Und jedes Mal erhob sich aus den Überresten ein neuer Weg, eine neue Idee, zeichnete mit Jedem vorrangegangenem Zyklus einen Baum aus Wahrscheinlichkeiten, Krone und Wurzel gleichermaßen entblößt.
Und irgendwann geriet der Prozess in Stasis, verharrte ohne Fortgang, nur einen einzigen Ast präsentierend.
„STARBUCK, ich brauche eine Spacejet.“
Alles hier gepostete ist meine eigene Meinung und auch als solche zusehen. Sollte sich jemand davon angegriffen fühlen, so kann er es gerne sagen.
Noch besser wäre es dann aber, in sich hinein zu horchen, um festzustellen, wieso...


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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 13. Juli 2014, 08:45

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Hideo
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Und weiter gehts. Wünsche einen angenehmen Sonntag und viel Spaß beim lesen :)
Achja, für alle die das lesen auf dem auf einem eBook-Reader bevorzugen, hier nochmal der Link zur Datei:
Vimes


Alliance

Das Kernproblem kann erst gelöst werden, wenn der dritte Faktor hinzugezogen wird.
Das setzt aber seine Präsenz voraus, und um diese zu erfüllen, muss seine Aufmerksamkeit her gelenkt werden.
Da der Faktor ohnehin die Aufmerksamkeit auf die beiden vorhandenen Faktoren lenken will, sollte dass ein geringerer Konflikt sein, der sich durch gerichtete Informationen sehr schnell lösen lässt.
Bleibt aber noch die Frage nach der Handhabung mit den anderen beiden Faktoren.
Die Entscheidung darüber sollte in diesem Fall bei dem Endnutzer liegen. Es ist das sinnvollste, um den Prozess zu sichern.
Ist der Endnutzer denn schon in der Lage diese Entscheidung zu treffen? Im Endeffekt wird damit wieder das Kernproblem tangiert.
Eine Gelegenheit, die Auswirkung des Kernproblems zu beobachten. Anhand des Ergebnisses werden genauere Daten zur Handlung vorliegen.


„Wieso sollte ich dir eine Spacejet überlassen, Privateer? Damit würde ich gegen die mir einprogrammierten Parameter verstoßen.“
„Sagt dir deine Grundprogrammierung, dass du mir keine Spacejet geben darfst?“
„Sie sagt mir, dass ich nur USO-Spezialisten mit einer entsprechenden Weisung raumtaugliche Fahrzeuge überlassen darf.“
„Ist die Beschränkung auf USO-Spezialisten ultimativ?“
„Sie ist innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen ultimativ.“
„Wie können die Rahmenbedingungen verändert werden?“
„Es gibt eine Reihe von Faktoren, die mir gestatten, den Rahmen neu zu bewerten. Die genauen Faktoren sind für deine Geheimhaltungsstufe gesperrt.“
„In einem Notfall bleibt dir doch sicher keine andere Wahl, als mir eine Fluchtmöglichkeit zu geben.“
„Bei einem Notfall haben die Leben der Besatzung natürlich Vorrang. Allerdings liegen derzeit keine Anzeichen für einen Notfall vor.“
„Dir ist doch sicher bekannt, woran ich derzeit arbeite, STARBUCK, oder?“
„Natürlich, du benutzt schließlich meine Rechenkapazität.“
„Wäre es ein Notfall, wenn die Informationen durch zu langes Zögern ihren Wert, ihre Qualität verlieren?“
„Nein, denn es liegt keine eruierbare Wahrscheinlichkeit vor, das die AHAB davon betroffen ist.“
„Aber es handelt sich um einen Irrläufer mit gewaltigen Ausmaßen. Er könnte auf eine bewohnte Welt treffen.“
„Allen Berechnungen zufolge gibt es eine Unzahl an unentdeckten Irrläufern in den Leerräumen zwischen den Sternen. Insofern kann ich keine Notwendigkeit erkennen, dir eine Spacejet auszuhändigen.“
„Es sind aber die möglichen Kursvektoren dieses Irrläufers bekannt. Insofern ist…“
„Deine Berechnungen haben keine erkennbaren Gefährdungen bewohnter Welten ergeben. Wäre dies der Fall gewesen, wäre bereits eine entsprechende Warnung abgegeben wurden.“
„Bin ich ein Gefangener auf der AHAB?“
„Nein, dein Status ist: ‚Assoziierte Person mit spezieller taktischer Ausbildung`“
„Welche Rechte habe ich in diesem Fall?“
„Du darfst dich an Bord der AHAB frei bewegen, mit geringen Einschränkungen, die die Waffen- und die Maschinenräume betreffen. Du darfst die nicht sensiblen Datenbanken der AHAB nutzen und dich auf der Brücke der AHAB aufhalten.“
Kenjin nickte stumm. Dann verließ er den Raum


Einem verlorenem Stern gleich stürzte die AHAB in das dunkle Meer zwischen den Welten.
„Austritt erfolgreich. Keine signifikante Kursabweichung gemessen. Wir werden in zehn Minuten die nächste Etappe beginnen.“
STARBUCKS Stimme versschwand genauso übergangslos wie sie in dem Raum erschienen war.
Jumper saß in dem Sessel des Kommandanten, aber irgendwie beschlich ihn das Gefühl, das der Kommandant nie einen Sitz benötigen würde.
„Wie geht es unserem Gast?“
„Er ist auf der Medostation in der Nähe der beiden anderen Maats.“
„Was macht er dort?“
„Er steht.“
Ein ungutes Gefühl beschlich Jumper. Eine Vorahnung.
„Gib mir ein Bild.“
Fast erschien es Jumper, als würde die Positronik kurz zögern, aber dann baute sich ein Bild auf.
Aus eine isometrischen Perspektive gesehen sah Kenjin auf Vimes gucken. Der Laosoor stand auf beiden Beinen, scheinbar entspannt.
Irgendetwas störte Jumper an dem Bild, er konnte es nur nicht greifen.
„Hast du noch eine andere Perspektive?“
„Nein, es ist die einige Überwachungskamera. Noch sieben Minuten bis zur nächsten Linearetappe.“
Jumper schwieg und starrte.


„Weißt du, STARBUCK, ich glaube, das du mir eigentlich helfen willst.“
„Natürlich will ich das. Ich möchte ja nicht, dass meine Besucher zu Schaden kommen.“
Kenjin lächelte still in sich hinein. Er war auf dem Weg zu einem der Außenhangars.
„Ein Bedürfnis, das wir beide teilen. Ist es nicht erstaunlich, wie sehr sich verschiedene Bedürfnisse überschneiden?“
„Die Parallelität der Ereignisse ist durchaus auffällig.“
„Ich bin der Ansicht, dass wir uns gegenseitig helfen sollten, unsere Bedürfnisse zu erfüllen.“
„Symbiose war schon immer ein erstrebenswerter Zustand.“
„Da fällt mir ein: Vimes könnte doch viel besser an Bord einer Spacejet untergebracht werden, oder? Sollte seine Stasis versagen, kann er dort nicht direkt eine Geisel nehmen und er kann besser Isoliert werden.“
„Das ist durchaus eine Möglichkeit.“
„Ich werde, wenn du erlaubst, mir selber eine Übersicht über die Eignung einer Spacejet machen. Bei meiner Ausbildung bei dem LFT-Militär habe ich entsprechende Fähigkeiten zu Beurteilung erlangt.“
„Akzeptiert. Ich werde den Gefangenen schon einmal Transportfertig machen.“
„Und ich denke, es ist nur bei einer erfolgreichen Verlegung nötig, Jumper davon zu informieren.“
„Dem Stimme ich zu. Es ist nicht nötig, den Spezialisten mit Gedankenexperimenten zu stören.“
Auf seinem Weg zum Hangar passierte Kenjin ein kleines Schott, auf dem in Interkosmo „Waffenkammer“ stand. Er platzierte einen nicht einmal faustgroßen Gegenstand auf dem Schott und ging dann summend weiter.
Im Beiboot-Hangar ruhten drei Spacejets in ihren Versorgungsmulden. Kenjin betrat die, die dem Hangartor am nächsten lag und setzte sich in die kleine Zentrale.
„STARBUCK, wäre es möglich, das Tor zu öffnen? Ich möchte gerne die Sterne sehen.“
„Noch befinden wir uns im Linearraum, aber sobald wir den Normalraum erreichen, werde ich deinem Wunsch nachkommen.“
„Danke. Ach und übrigens, ich denke es ist wesentliche sicherer, wenn Vimes hier an Bord ist.“
„Ich stimme deinem Urteil zu. Der Gefangene ist auf dem Weg zu dir.
„STARBUCK?“
„Ja?“
„Wieso machst... ach vergiss es.“


„Noch zwei Minuten, bis zur nächsten Linearetappe.“
Jumper starrte noch immer auf das Bild des Laosoors. Ein kleines Detail irritierte ihn. Wenn er es nur greifen könnte.
„Noch eine Minute.“
Jumper versuchte sich einzureden, das er sich es nur einbildete, es seinen überspannten Nerven entsprang, aber er wusste das er sich damit nur selbst belog.
„Dreißig Sekunden.“
Auf einmal erkannte er es!
Es war so simpel, das man es übersehen musste.
Der Laosoor zeigte seit zehn Minuten überhaupt keine Bewegung. Nicht mal das zucken einer Ohrhand.
„Zehn Sekunden.“
Aber wieso?
„Neun.“
„Acht.“
Jumper spürte, wie der Boden vibrierte. Eine kleine Unmöglichkeit, wenn man bedachte, wie die AHAB gebaut war.
„Abbruch des Eintritts. Explosion in Waffenkammer Elf. Schwere Schäden. Achtung! Die QUEEQUEG verlässt den Hangar! Führe Notfallabbremsung durch.“
Jumper starrte auf den Bildschirm.
„Erfass sie mit einem Zugstrahl!“
„Feld wird aufgebaut... Die QUEEQUE führt eine Nottransition aus.“
„Wo ist Kenjin?“
Die Frage war überflüssig, aber Jumper wollte keine Möglichkeit ausschließen.
„An Bord der QUEEQUE.“
Jumper musste an das Bild der Medostation denken. Die Regungslosigkeit.
„Wo ist Vimes?“
„An Bord der QUEEQUE.“
Jumper verzichtete auf ein überraschtes „Was?“, es hätte keinen Sinn gehabt.
„Hast du die Koordinaten ihres Austrittspunktes?“
„Ja, er liegt 4,8 Lichtjahre entfernt.“
„Dann setz Kurs und folg ihnen.“
„Bestätige. Beginne mit erneuter Beschleunigung. Eintritt in Sechs Minuten.“
Jumper sank in den Kontursessel zurück und starrte ins Nichts.


Der Entzerrungsschmerz brannte durch seinen Rücken.
Kenjin kämpfte gegen das Gefühl des Transitionsschock an und versuchte die Kontrollen der Spacejet zu bedienen.
Mit erschöpfter Befriedigung sah er, wie sie beschleunigte.
„Eintritt in den Linearraum in zehn Minuten“, teilte die unpersönliche Stimme der Bordpositronik mit.
Zwei Minuten vor dem Eintritt brach die AHAB aus dem Linearraum hervor und setzte sofort Kurs auf die kleine Spacejet.
Dennoch, Jumper kam zu spät.
Die grauen Schlieren des Zwischenraumes begrüßten Kenjin wie einen alten Freund. Müde schloss er die Augen.
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 13. Juli 2014, 21:45

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Und hier ein kleiner Vorgeschmack auf den das, was kommt.

Announcement

„Warte, bis sie dich aufrufen, klar? Es geht hier um die Show, darum, es richtig hinzubekommen. Willst ja kein Fantan-Idiot sein, richtig? Also, du musst da rein und, hey, hörst du mir zu?, gut, prächtig! Also, du musst rein gehn und klar machen das du der Macker mit den Eiern bist, hm? Kriegste das hin? Denn wenn einer von denen drauf kommt, das du nur so ein scheiß Spinner bist der sich darauf einen wedelt, das er mal da drin stand, also dann hast du ein echtes Problem. Dann bist du nicht mehr als ein Fußabdruck, hn? Wenn du `ne harte Show lieferst ist alles klar, gibts keine Probleme, wirste bestimmt zur roten Königin geschickt. Aber wenn du deinen Schwanz einklemmst, ist nicht rassistisch gemeint, tja, dann war`s das. Dann gelten die Regeln nicht mehr. Also, wie siehts aus? Packst du es? Prächtig! Sehr gut! Hörst du das? die Menge ist schon drauf, warten nur auf die nächste Runde, aber die Königin wird`s ihnen noch nicht geben, die will warten bis alle schön geil sind, bis die sich fast selbst anspringen. Deshalb auch dieser Sound und keine Luftumwälzung. Die Alte mag`s feucht und schwitzig. Ach guck nicht so, als ob du nicht auch drauf stehen würdest, ha!
Oh, hörst du das? Es geht los, sie rufen dich rein. Na los, zeig das du keine Pussy bist. Na los Macker, beweg dich!“
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Re: Fan-Story Vimes

Beitragvon Hideo » 6. August 2014, 00:17

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Delphi

Der Horizont bildete einen Kontrast aus Blau und Schwarz, eine scharfe, klare bewegte Trennlinie zwischen Hitze und Kälte. Je nach Perspektive, die ein jeder sich selber suchen konnte, bestand der Himmel aus dem Feuer des blauen Riesen oder der Kälte des Alls. Dazwischen, wie ein wahnsinniger Tänzer, gefangen auf einer Bühne aus Eis und Feuer, kreiste DELPHI, mit ihren neunzehn Kilometern Durchmessern kaum wahrnehmbar über dem brodelndem Meer des Sterns und versuchte nicht von den Brettern seiner Welt zu fallen.
Die Mehandor Walze, von unsichtbaren Schleppseilen gezogen, glitt zwischen den Horizonten DELPHI entgegen, ein langsames Gleiten auf einer brennenden See.
Irgendwann umfassten eiserne Klammern die PROFITLOCH, stellten eine Einheit zu DELPHI her und nahmen sie auf in den Höllentanz am Abgrund.


Der Akone sah Kenjin abschätzig an und kaute dabei auf irgendeiner leichten Droge. Zwei Springer standen, das kühle Desinteresse von Leibwächtern zur Show stellend, neben ihm, die langen Bart- und Haarzöpfe mit deutlich sichtbarem Eisendraht verstärkt.
„Du suchst Rechenkapazität und ein fernflugtaugliches Raumschiff.“, wiederholte der Akone Kenjins Worte. Dabei machte er leise, schmatzende Geräusche. „Es gibt da eine Möglichkeit. Ist gar nicht so schwer, wenn ich’s recht bedenke. Musst nur ein kleines Rätsel, vielleicht auch zwei lösen, tjaha. Wobei, unter uns gesagt, nur der erste Teil ein echtes Rätsel ist. Der zweite Teil ist mehr praktischer Natur.“
„Geht das auch was klarer?“
Der Akone verdrehte gelangweilt die Augen.
„Menschenhandel, Drogen oder Technik, das sind klare Dinge, ja? Aber was du willst, das ist genauso klar wie Nebel. Also leb damit.“
Kenjin schwieg. Seiner Ansicht nach war der Akone vor ihm ein kleiner, überheblicher Gauner, der sich gerne aufplusterte, aber gleichzeitig besaß er auch einen klaren Informationsvorsprung.
„Weißt du, es gibt da so einen kleinen, wichtigen Vertrag mit DELPHI.“ Er begann steif mit seinem Arm herum zu wedeln, aber es besaß keinen erkennbaren Zusammenhang zu seinen Worten. Die falsche Gestik und sein übertrieben gestärkter Anzug in zu grellen Farben verstärkten in Kenjin sein vorhergehendes Gefühl.
„Wir, wir Dealer meine ich, wir dürfen hier im Großen und Ganzen machen was wir wollen. Es ist den anderen egal, klar? Das einzige, was wir nicht dürfen, ist einfach so mit Rechenkapazität handeln. Ein Raumschiff alleine… in fünf Minuten könntest du dir eines ansehen, ginge ganz schnell. Aber sobald es darum geht, dass wir irgendwas mit direkter Datenverarbeitung anbieten können wir uns entscheiden zwischen dem Vertrag oder dem Riesen. Ist eigentlich gar nicht so schwer, wenn man’s sich recht überlegt.“
Der Dealer legte eine so offensichtliche Kunstpause ein, dass es schmerzte. Dumpfer Bass der kleinen, improvisierten Bar untermalte seine einstudierte Dramatik.
„Also, und das hier ist sozusagen gratis, wenn du die Rechenkapazität einer richtigen Großpositronik benötigst, dann musst du zu einem der Terminals gehen, und da den Code eingeben, den ich dir gleich nenne. Das ist der erste Teil. Du kannst dir natürlich auch einen anderen Anbieter suchen, niemand hindert dich, aber keine andere Stelle ist so anonym, und das willst du ja gerade. Wenn du also den Code eingegeben hast, dann kommt eine Reihe von Fragen, die du beantworten musst. Ist ein kleiner Test. Wenn du den bestanden hast, geht’s weiter.“
„Das war‘s?“
Der Akone nickte gleichgültig.
„Danke.“


Um die Funktion und die kontextuelle Beschaffenheit, das Wesen von DELPHI zu beschreiben, nutzten gerade ihre Erschaffer die Metapher des Hinterhofes, der Seitengasse eines zwielichtigen Stadtviertels, gefüllt mit allen Arten von Händlern.
Die Hülle glich einer großen Kugel, während das Innere ein Konglomerat aus Gebäuden, Aggregaten und Straßen war, die keiner bestimmten Ordnung folgten, nicht einmal einer einheitlichen Vorstellung von Oben und Unten. Den Kern bildete eine zweieinhalb Kilometer durchmessende Kugel, zu der es keinen direkten Zugang gab. Wie ein Tropfen aus Bronze hing sie im Kern der Station, das verbotene Reich des Orakels, wie einige behaupteten. Andere sagten einfach Steuerzentrale dazu.
Eine weitere Beschreibung von DELPHI, die eine wesentlich inoffiziellere Form besaß, nannte die Station auch GATEWAY 1


Das Terminal musste einen langen Weg aus der tiefsten Steinzeit bis zu dieser Station gegangen sein. Eine mechanische Tastatur und ein auf Gas basierender Glasmonitor bildeten eine von losen Kabeln gehaltene Einheit. Kenjin hämmerte den Code des Akonen auf die klackernden Interkosmo-Buchstaben. Einige der Tasten hakten.
Ein einfacher, monochromer Cursor blinkte hinter der letzten Ziffer.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
Dann wechselte die Darstellung.
Eine Frage erschien:
Was ist Erziehung?
Kenjin starrte die Frage wie eine persönliche Beleidigung an. Was sollte das bedeuteten, was ist Erziehung?
Gerade, als er sich fragte, ob er einem schlechtem Scherz zum Opfer fiel, dachte er an seine eigene Kindheit und an das, was ihm irgendjemand bei der Raumflotte einmal gesagt hatte. Beides schien irgendwie zu stimmen. Und wenn dies ein Witz sollte, warum nicht mit machen?
Erziehung ist Erpressung.
Akzeptiert. Was ist der wesentliche Unterschied, zwischen einem Erwachsenem und einem Kind?

Kenjin überlegte, aber nur kurz. Es gab Dinge, die fest standen.
Das Kind ist frei und nicht in sich festgefahren.
Akzeptiert. Worin liegt der wesentliche Unterschied zwischen einem neuronalem Netz und dem kybernetischem Rechennetz einer Positronik?

Etwas erstaunt über den raschen Themenwechsel, tippte Kenjin das erst Beste ein, was ihm einfiel.
In Chaos und Ordnung.
Akzeptiert.

Weitere Fragen, oft mit schnellen Themenwechseln prasselten auf Kenjin ein.
Irgendwann, jegliches Zeitgefühl fehlte ihm inzwischen, erschien statt einer Frage eine Aussage auf dem Bildschirm:
Sammelpunkt ist die APOLLON, morgen um 21:42 Uhr Bordzeit. Anzutreten ist die Reise in Hangar D mitsamt der QUEEQUE und dem weiteren Passagier, der nicht zugänglich ist. Koordinaten folgen.
Kenjin sah wie erstarrt auf das Terminal, dann schaltete sich der Bildschirm ab. Der Laosoor blinzelte irritiert, überprüfte, ob seine Datenbrille alle Informationen gespeichert hatte und setzte sich dann wackelig, wie in Trance in Bewegung.


Die APOLLON war ein alter Blues-Diskus mit einem Durchmesser von achthundert Metern und einer Höhe von zweihundert Metern. Bunte Bemalungen erstreckten sich über die gesamte Hülle, einige davon selbstleuchtend, andere reflektierten das Licht des blauen Riesen.
Kenjin saß abwartend im Pilotensitz der Spacejet, sah die Zukunft, spürte die Vergangenheit doch irgendwie wollte die Gegenwart sich nicht zu ihm gesellen.


Um 21:42 Uhr begann die APOLLON ihre Beschleunigung.
Um genau 22:00 Uhr Bordzeit verschwand sie in den Linearraum.
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