Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

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idaho
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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von idaho » 27. November 2016, 07:19

Robert Corvus hat geschrieben: ...
Wenn wir aber unsere Helden in eine actionreiche Auseinandersetzung schicken und die Leserschaft sie dennoch als "die Guten" wahrnehmen soll, als diejenigen, mit denen man sich gern identifiziert, dann müssen wir Kontrastmittel hinzugeben. Sprich: Vor einem dunklen Hintergrund leuchten die Helden am hellsten. Nun reicht es aber nicht aus, einen Schurken dadurch zu charakterisieren, dass er sich morgens vor den Spiegel stellt, sich selbst angrinst und sagt: "Hach, was bin ich doch für ein böser Bube!" - Böse ist, wer Böses tut, und das muss man dann auch zeigen. Von daher haben die Tiuphoren perfekt funktioniert.

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich verstehe, wenn man eine Antipathie gegen die Tiuphoren entwickelt. Genau das ist ihr dramaturgischer Zweck. In einem Krimi soll man den Mörder nicht sympathisch finden, sondern sich wünschen, dass er geschnappt wird. Hier soll man sich wünschen, dass die Tiuphoren mit ihrer Invasion scheitern. Darauf sind die Spannungsbögen ausgelegt.
Was ich nicht ohne Weiteres verstehe, ist die Schlussfolgerung: "Weil mir die Tiuphoren unsympathisch sind, finde ich die Serie nicht mehr gut." Überspitzt formuliert sollte der Spannungsaufbau umso besser funktionieren, je mehr die Leserschaft in den Tiuphoren die Bösen (und damit in Perry den Guten) erkennt.
Das sehe ich anders. Moderne Unterhaltung funktioniert am Besten mit ambivalenten Figuren, bei denen ich zwar im Prinzip weiß, dass "der Böse" falsch handelt, mich aber ein gutes Stück auch in seine Motivation und Hintergründe hineinversetzen kann - siehe Atopen bzw. Onryonen. Und bei denen mir andersherum auch nicht Sauber Strahlemann, der Rächer der Enterbten, bei jeder Gelegenheit um die Ohren geschlagen wird. Das simple Gut-Böse-Schema, bei dem der Leser/Rezepient von Anfang an mit der groben Kelle eingetrichtert bekommt, wer gut und wer böse ist, kommt bei der medienerfahrenen Generation von heute nur noch schlecht an. Beziehungsweise kommt es vorzugsweise bei den Zeitgenossen gut an, denen man im Alltag lieber aus dem Weg geht. Innerhalb der Rhodan-Serie habe ich in jüngerer Zeit gelegentlich den Eindruck, dass die Planer und Macher ihrer Leserschaft diese Erfahrung absprechen, eher die gerade genannte Zielgruppe anpeilen. Und in dieser Hinsicht sind die Tius ein Schritt, wenn nicht gar ein ganzer Sprung in die falsche Richtung und fallen hinter das bereits Erreichte zurück. Dieser gemeine Rhodan-Leser und Schreiber dieses Textes, der mit Voltz sozialisiert wurde, nimmt das mit Unmut zur Kenntnis und konstatiert daher in der Tat, dass die Rhodan-Serie in dieser Form seit Band 2800 nicht mehr gut (genug) für ihn ist. :D Es mag allerdings verkaufstechnisch notwendig sein, das kann ich nicht beurteilen.

Was die Gigantomanie betrifft, also, dass man einen Perry Rhodan samt Menschheit nur durch gigantomanische Bedrohungen ins Schwitzen bringen kann: Dem ist meiner Meinung nach nicht so. Es ist einfach nur bequemer, sich derartige Szenarien auszudenken und womöglich lassen sich die Hefte auch besser verkaufen, wenn Rhodan an der Spitze eines mächtigen Galaxienbündnisses gegen unheimliche, gern auch rätselhafte Gegner aus fremden Dimensionen antritt anstatt einen Hilfs- und Rettungseinsatz in Sonnensystem X zu leiten oder eine Schnitzeljagd durch die Milchstraße. Nicht umsonst gibt es immer wieder Stimmen, die das Bodenständige in der Serie vermissen. Ich vermisse einfach die Bereitschaft, auch mal ein, zwei Gänge zurückzuschalten und nicht gleich die nächste Superintelligenz oder Hohe Macht durchs Dorf zu treiben. Wann immer der Versuch gemacht wird - Stichwort Hyperimpedanz - unterliegen die Macher alsbald der Versuchung, Perry doch wieder höher, schneller und weiter als je zuvor durchs All zu scheuchen. Das ermüdet einfach nur noch.

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Hydors Golem » 27. November 2016, 08:52

Rainer1803 hat geschrieben:Noch immer leisten die Tiuphoren Widerstand.
Der große Clu von 2884 ist ja das es Tiuphoren und Tiuphoren gibt ...

Ich fand Robert Corvus Roman war super, hatte aber am Anfang einige Punkte bei denen ich aus dem Lesefluss geworfen worden bin ...

http://www.hydorgol.de/?p=6206

Da hätten viele Stoplersteine an frühstmöglicher Stelle entschärft werden müssen (m.M. nach)

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Hydors Golem » 27. November 2016, 08:58

Rainer1803 hat geschrieben:Die Handlung klemmt. Da sollen die Tiuphoren also Millionen Jahre ??? die Catiuphate füllen, überspringen durch den Zeitsprung aber 20 Mio Jahre, verlieren die halbe Flotte beim Kampf am Solsystem und trotzdem soll das reichen ? Und die guten, neuen Tiuphoren, wissen die was sie tun? Dann sind sie noch schlimmer als die alten.
Hallo Rainer, genau das wurde im Roman enthüllt!

Die Tiuphoren die Millionen von Jahren durch die Galaxien marodiert sind sind Helfer der nagativen SI. Die haben nichts mehr mit den Tiuphoren in Orped zu tun

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Hydors Golem » 27. November 2016, 09:15

Teils stimme ich idaho zu: ambivalente Figuren sind deutlich interessanter!

Dieses reine schwarz/weiß Zeichnen stöhrt mich persönlich massiv seit 2700 an der Serie. Die phantastischen Weltenbauten hätten so viel Fair und Sense of Wonder geboten, aber das alles wurde vollkommen sinnloser Herumballerei geopfert. Mich über kommt da jedes Mal wirkliche Wut wenn ich daran denke was dort alles verschenkt wurde ...

Ich denke mit Trivid haben die Macher der Serie einen guten Weg gefunden. Vom Setting her deutlich bodenständiger und da passt die Aktion dann rein. Allerdings gibt es dort wieder eine Ausgangssituation, die kein erwachsener Mensch dem Autor in dieser stumpfen Form abnimmt.

Dramaturgie ist nicht alles, wenn nicht einmal ansatzweise versucht wird eine stimmige und dem Serienkanon gerechte Startposition einzunehmen.

Aber genug gemotzt: 2884 war ausgelesen super. Es wird zudem soviel im Roman enthüllt, und viele Punkte, die in den letzten 84 Bänden einfach überhaupt nicht stimmig waren, erklärt. Ich hätte mir nur gewünscht, das diese NICHT-Stimmigkeit etws dezenter dargeboten worden wäre ...

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Perry-Science » 27. November 2016, 09:40

Evtl wird das Fehlen der Eiris ein Thema des nächsten Großzyklus, zumal das ja nicht ganz normal ist und sich so im Zwiebelschalenmodell neue Auswüchse durch dessen fehlen herausbilden können. Letzlich haben die Autoren den HM schon den Kampf angesagt mit Perrys abkehr von diesem und seinem dritten Weg für das Leben ansich.

Da bleibt vorallem zu erwarten wie die HM nun auf die Eiriskehre und nun auf die MS reagieren werden, denn nicht nur die Chaotarchen interessiert sowas sondern auch die Kosmokraten. Das die bis jetzt nix gegen die Entstehung gemacht haben wundert mich, da die SI Kosh ja ganz schön verschlafen ist... (obwohl sie evtl. sich durch die Einfrierung ihrer Galaxis beiden HM gewissermaßen aus der Wahrnehmung entzogen haben könnte)
Meine Arbeit ist Fertig:
Klick Mich

Dankeschön! An alle die mitgeholfen haben...

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Robert Corvus
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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 27. November 2016, 10:21

zephydia hat geschrieben:Ich bin mir bewust das die ganze Zwiebelschalenstory bereits in den 70ern (wann auch sonst :devil: ) erfunden wurde. Und Ihr sie nur geerbt habt. Und sie halt für viele Leser zur Serie gehört. Und natürlich kann man sich mit solchen Themen beschäftigten (ob man das allerdings in jedem Zyklus zun muss? ).
Ich wünschte nur man täte es auf etwas kritischere Weise. Ich meine letztlich weiß Perry praktisch so gut wie nichts über "kosmische Zusamenenhänge" aus eigener Anschauung, zum größten Teil stammen seine Informationen eben von solchen Wesen die Nutznießer des Zwiebelschalenmodells sind. Warum muss man deren Informationen also bedingungslos glauben?
Und es ist ja nun nicht so das er noch nie belogen worden wäre - siehe ES und das Thema Thoregon.
Dem stimme ich voll und ganz zu.
Perry und Co. haben in der Vergangenheit bestimmte Beobachtungen gemacht, die ihr Weltbild prägen. Deswegen gehen sie von bestimmten Dingen aus, was den Aufbau des Kosmos angeht - eben der Existenz von Superintelligenzen, Materiesenken, Chaotarchen etc. Diese Annahmen sind vor dem Hintergrund, was sie (und die Leser) wissen, plausibel. Die Zwiebelschale ist deswegen das beste Erklärungsmodell, weil es nach momentaner Informationslage keines gibt, das die beobachteten Phänomene besser erklärt.
Das sagt aber noch nichts darüber aus, wie sich die Figuren zu diesen Erkenntnissen positionieren. Es ist ja keineswegs gesagt, ja, es wäre sogar unrealistisch, wenn es alle Bewohner der Galaxis für erstrebenswert hielten, den Aufstieg der lokal herrschenden Superintelligenz in der Zwiebelschalenhierarchie zu befördern.
Ich glaube, wenn Du Dir Figuren wünschst, die diese Entwicklungen kritisch sehen, hast Du in den Expokraten guten Verbündete. ;) Wenn Du in Unter allem Grund schaust, liest Du ja auch davon, dass Perry Rhodan alles andere als begeistert von der Aussicht ist, dass in Orpleyd eine Materiesenke entstehen könnte. Für ihn ist das der blanke Horror.
idaho hat geschrieben: Moderne Unterhaltung funktioniert am Besten mit ambivalenten Figuren, bei denen ich zwar im Prinzip weiß, dass "der Böse" falsch handelt, mich aber ein gutes Stück auch in seine Motivation und Hintergründe hineinversetzen kann - siehe Atopen bzw. Onryonen.
Auch dem stimme ich zu, aber gerade das erfordert eine besonders deutliche Positionierung der Gegenspieler im Dunkel. Gerade dann, wenn der Antagonist Empathie weckt, muss umso klarer sein, dass er "der Böse" ist oder - wenn man es differenzierter ausdrückt - das Falsche tut.
Wenn man auf der einen Seite nur positive und auf der anderen nur negative Eigenschaften anhäuft, wird eine Geschichte zu vorhersehbar. Da muss man etwas balancieren.
Lutoo zum Beispiel ist von Anfang an als Antagonistin positioniert, einfach weil die gegen Perry Rhodan steht. Da der Leser den Kosmos an der Seite von Perry Rhodan durchwandert, ist jeder, der gegen Perry steht, zunächst einmal auch für den Leser ein Gegner. Aber das reicht nicht, um Perry so richtig die Daumen zu drücken. Lutoo steht auch in persona für eine Militärdiktatur, die sie nicht nur nützlich findet, sondern verehrt. Für Unterlegene empfindet sie primär Verachtung, und von denen, die unter ihrem Kommando stehen, erwartet sie hauptsächlich, dass sie funktionieren. Deswegen arbeitet sie lieber mit Robotern als mit "biologischen Einheiten".
Aber sie hat auch positive Eigenschaften. Sie ist loyal, und sie ordnet sich auch selbst in ihr Weltbild ein: Für sie ist das Militär die perfekte Ordnung, und auch sie selbst muss ihre kleine Rolle in diesem Gefüge erfüllen. Sie ist hart zu anderen - aber ebenso hart zu sich selbst. Das kann man respektieren.
Diese "Würze" funktioniert aber in der gegebenen Erzählstruktur nur deswegen gut, weil eben klar ist, dass Lutoo für eine schlechte (überspitzt: "böse") Sache kämpft. Wenn sie gewinnt, gewinnt auch die Tyrannei der Kohäsion. Das will man als Leser nicht, also bleibt man in Perrys Camp - auch dann noch, wenn Leccore beim Auftauchen auf dem Flaggschiff direkt jemanden tötet. So jedenfalls der infame Plan des Autors. :devil:
idaho hat geschrieben: Und in dieser Hinsicht sind die Tius ein Schritt, wenn nicht gar ein ganzer Sprung in die falsche Richtung und fallen hinter das bereits Erreichte zurück.
Ich fand hier die Ausführungen interessant, die Michael Marcus Thurner auf dem letzten GarchingCon gemacht hat. Letztlich meinte er, die Tiuphoren seien schrecklich missverstanden. :D
Sie sind zwar eindeutig die bösen Buben, aber damit sind sie noch nicht vollständig beschrieben. Eine historische Parallele wäre vielleicht das mittelalterliche Japan. Die Gewalt der Kriegerkaste über die einfache Bevölkerung spottete jeder Beschreibung, mit unglaublichen Exzessen. Aber in derselben Kultur hat sich eine atemberaubende Ästhetik entwickelt, mit Kalligrafie, Teezeremonie, Blumenstecken. Dieser Sinn für Ästhetik und der Hang zur kriegerischen Auseinandersetzung haben sogar zusammegefunden - in den Kampfkünsten. Ich glaube, gerade in dieser Synthese liegt für viele Menschen die Faszination des mittelalterlichen Japan - und darin könnte auch die Faszination der Tiuphoren liegen, ohne dass damit ihre dramaturgische Rolle in der Serie beschädigt würde.
idaho hat geschrieben: Was die Gigantomanie betrifft, also, dass man einen Perry Rhodan samt Menschheit nur durch gigantomanische Bedrohungen ins Schwitzen bringen kann: Dem ist meiner Meinung nach nicht so. Es ist einfach nur bequemer, sich derartige Szenarien auszudenken ...
Nicht umsonst gibt es immer wieder Stimmen, die das Bodenständige in der Serie vermissen. Ich vermisse einfach die Bereitschaft, auch mal ein, zwei Gänge zurückzuschalten und nicht gleich die nächste Superintelligenz oder Hohe Macht durchs Dorf zu treiben.
Ich glaube, bei den Miniserien probiert man gerade solche Ansätze aus.
Ohne über meine eigenen Beiträge hinaus Einblicke in die Exposéarbeit zu haben (ich war noch nie auf einer Teamkonferenz), vermute ich, dass es schwierig ist, "low scale adventures" als Hauptstrang in der Serienhandlung zu etablieren. Man erwartet ja auch, dass sich so etwas organisch aus der bisherigen Serienhandlung ergibt, dass also das bislang Vertraute eine Rolle in der aktuellen Handlung spielt. In der Stardust-Miniserie haben wir Perry nach Far Away geholt und er hat dort sein Abenteuer erlebt, für das der gesamte Hintergrund der Milchstraße praktisch irrelevant war. Aber so etwas als Zyklus-Haupthandlung ... würde man da nich doch vieles vermissen?
Als Nebenhandlung allerdings kann man solche Themen natürlich immer einstreuen. In meinem ersten Hauptserien-Beitrag (2824/ 2825) ging es ja auch nur um ein im Leerraum festliegendes Raumschiff und um die Entdeckung einer fremden Kultur. Das sind klassische, bodenständige SF-Themen, die in PERRY RHODAN natürlich auch ihren Platz haben. Aber sie sind eben - meiner Meinung nach - nicht das, was die Serie im Kern ausmacht.

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 27. November 2016, 10:24

Perry-Science hat geschrieben:Das die bis jetzt nix gegen die Entstehung gemacht haben wundert mich, da die SI Kosh ja ganz schön verschlafen ist... (obwohl sie evtl. sich durch die Einfrierung ihrer Galaxis beiden HM gewissermaßen aus der Wahrnehmung entzogen haben könnte)
Ich glaube, darüber lohnt es sich, nachzudenken ... ;)
Welche Absicht verfolgt KOSH mit seinem eher ungewöhnlichen Weg? Wozu Orpleyds Zeitvewerfungen, warum der Schlaf ...?

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Tennessee
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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Tennessee » 27. November 2016, 12:11

Robert Corvus hat geschrieben:[...]
idaho hat geschrieben: Und in dieser Hinsicht sind die Tius ein Schritt, wenn nicht gar ein ganzer Sprung in die falsche Richtung und fallen hinter das bereits Erreichte zurück.
Ich fand hier die Ausführungen interessant, die Michael Marcus Thurner auf dem letzten GarchingCon gemacht hat. Letztlich meinte er, die Tiuphoren seien schrecklich missverstanden. :D
Sie sind zwar eindeutig die bösen Buben, aber damit sind sie noch nicht vollständig beschrieben. Eine historische Parallele wäre vielleicht das mittelalterliche Japan. Die Gewalt der Kriegerkaste über die einfache Bevölkerung spottete jeder Beschreibung, mit unglaublichen Exzessen. Aber in derselben Kultur hat sich eine atemberaubende Ästhetik entwickelt, mit Kalligrafie, Teezeremonie, Blumenstecken. Dieser Sinn für Ästhetik und der Hang zur kriegerischen Auseinandersetzung haben sogar zusammegefunden - in den Kampfkünsten. Ich glaube, gerade in dieser Synthese liegt für viele Menschen die Faszination des mittelalterlichen Japan - und darin könnte auch die Faszination der Tiuphoren liegen, ohne dass damit ihre dramaturgische Rolle in der Serie beschädigt würde.
Ich würde gerne diese Passage zum Ausgangspunkt meiner Überlegungen machen. Ich packe sie erneut in spoiler-tags, da sie sich gar nicht mit dem Roman selbst beschäftigen, sondern mit seinen weiterführenden Überlegungen. Wer dies also an dieser Stelle nicht lesen mag, darf die "Tags" guten Gewissens geschlossen lassen. (Oder die Moderatoren mögen dieses Posting irgendwohin verschieben, wo es dann hingehört.)
Spoiler:
Die Analogie zur japanischen Mittelalterzeit ist sehr schön gedacht. Ich glaube aber, dass sie einige Probleme verursacht, die ich als Verstehensbarrieren bezeichnen möchte. Problematisch ist natürlich die zeitliche und kulturelle Fremdheit, die diese Analogie mit sich trägt. Gehen wir beispielsweise mal grob 60 Jahre in die Vergangenheit: Für viele von uns ist doch schon sehr schwer vorzustellen, wie das Frauen- und Familienbild im Jahr 1958 gewesen ist. Jetzt soll der Leser aber nicht nur 50, sondern direkt 1000 Jahre in die Vergangenheit gehen - selbst das europäische oder deutsche Mittelalter ist für uns heute eine fremde Welt. Und nun soll noch der komplette kulturelle Hintergrund gewechselt werden, von uns europäischen Lesern hinein ins japanische Mittelalter.
Das sind sehr viele Verstehensbarrieren, die mit dieser Idee aufgebaut werden und diese müssen dann dementsprechend schriftstellerich dekodiert und aufgebrochen werden. Als Erläuterung kann es aber doch nicht dabei bleiben, dass man erklärt (das ist jetzt überspitzt gesagt), dass die mittelalterlichen Japaner kriegstreiberisch, brutal und gewaltätig waren, aber dafür konnten sie hübsch zeichnen und toll Tee trinken.
Die Reaktionen vieler (eine Mehrheit? eine Minderheit?) Leser zeigt ja, dass dieses Konzept der Tiuphoren für sie nicht angemessen dekodiert worden ist, es wurde missverstanden, wie Thurner das darlegte. An dieser Stelle muss dann die Frage erlaubt sein, ob die schriftstellerische Umsetzung dieses Konzeptes hier nicht doch misslungen ist.

Das ist dann auch mein Vorwurf, den ich seit vielen Jahren an die "Macher" der Serie habe (Welche Personen sich nun auch immer hinter "den Machern" verbergen mögen...), dass sie, um der Dramaturgie, der kontrastierend aufzubauenden Handlung willen Effekte kreieren, die sich letztendlich als schwer zu handhabende Verstehensbarrieren zeigen, eben weil diese auch m.E. dem Leser nur undeutlich dekodiert werden. Als Beispiel möchte ich neben dem o.g. Tiuphoren-Konzept die Reise in die hunderte Millionen Jahre zurückliegende Vergangenheit anführen, um eine Negasphäre zu verhindern, welche einen Zeitraum darstellte, der von einem Leser bewusst kaum mit inhaltlichen Vergegenwärtigungen gefüllt werden kann. Dass "Auge um Auge, Zahn um Zahn" kein Aufruf zur Rache sondern eine Rechtsregelung ist, die rechtliche Äquivalenzen festelegte, fällt uns auch schwer zu vergegenwärtigen - und wir bewegen uns hier in einer Zeitreise von etwa 3500 Jahren.
Ein anderes Beispiel ist Tifflors Wanderung durch die Einsamkeit, die - ich weiß es nicht mehr - 8 Millionen Jahre (?) dauerte. Wie soll man die Veränderungen in einer Person nach so einem langen Zeitraum verdeutlichen, wenn es uns oft schon schwerfällt nachzuvollziehen, wie sich ein Mensch nach einer Woche Isolationshaft fühlt?
Ich habe in einem meiner Kurse vor kurzem ein kleines Experiment gemacht. Wir sprachen über Zweigs Schachnovelle unter dem Thema der Vergegenwärtigung nationalsozialistischen Terrors in der Litertur. Mein Aufgabe war: "Tun Sie 5 Minuten lang nichts." Diese Aufgabe war eine Qual für die Leute. Und der Protagonist in der Schachnovelle hat dieses Nichts 4 Monate lang erlebt.

Dramaturgie hin, Kontrastierung her - ich glaube, dass es mittlerweile viele dieser Elemente gibt, die vielleicht ein SoW-Gefühl aufrufen sollen, die Rätsel und Spannung kreieren möchten, aber letztendlich doch bloß als schneller Knalleffekt enden, den man dann auch noch als Autor in der reichhaltigen PR-Geschichte handhaben muss.
Robert Corvus hat geschrieben:
idaho hat geschrieben: Was die Gigantomanie betrifft, also, dass man einen Perry Rhodan samt Menschheit nur durch gigantomanische Bedrohungen ins Schwitzen bringen kann: Dem ist meiner Meinung nach nicht so. Es ist einfach nur bequemer, sich derartige Szenarien auszudenken ...
Nicht umsonst gibt es immer wieder Stimmen, die das Bodenständige in der Serie vermissen. Ich vermisse einfach die Bereitschaft, auch mal ein, zwei Gänge zurückzuschalten und nicht gleich die nächste Superintelligenz oder Hohe Macht durchs Dorf zu treiben.
Ich glaube, bei den Miniserien probiert man gerade solche Ansätze aus.
Ohne über meine eigenen Beiträge hinaus Einblicke in die Exposéarbeit zu haben (ich war noch nie auf einer Teamkonferenz), vermute ich, dass es schwierig ist, "low scale adventures" als Hauptstrang in der Serienhandlung zu etablieren.[...] Das sind klassische, bodenständige SF-Themen, die in PERRY RHODAN natürlich auch ihren Platz haben. Aber sie sind eben - meiner Meinung nach - nicht das, was die Serie im Kern ausmacht.
Spoiler:
Ich glaube ähnlich wie Idaho, dass man es sich da sehr leicht macht mit den Geschichten, die man erzählt. Es ist ja in der Serienvergangenheit schon mehrfach gut geglückt, bodenständigere SF zu erzählen ohne das Zwiebelschalenmodell oder die "Hohen Mächte" außen vor zu lassen. Ein Beispiel mag hier die Eroberung der Milchstraße durch die Sotho sein. Hier wurden keine großen Schlachten aufgefahren oder Superintelligenzen en masse in die Milchstraße beordert: Hier gab es eine Ideologie (und eine biologische Waffe, die Kodex-Moleküle), die als Bedrohung genutzt wurde. Und das Zwiebelschalenmodell war als Form des Dritten Weges zwischen Ordnung und Chaos in philosophisch grundlegender Weise präsent.
Einige Zeit später wurde mit Thoregon ein ähnliches Prinzip versucht, mit dem Effekt, dass es gleich sechs Superintelligenzen gab, die in die Handlung geworfen wurden; und wenn ich mich recht entsinne kam gerade die bodenständige Alashan-Handlung letztendlich mit dem meisten Vergnügen weg... Auch die Suche nach Monos' Vater im Linguiden-Zyklus erwies sich als zwiebelschalenpräsent, da mit Taurec als "Vater des Bösen" ein gescheiterter Kosmokrat auftrat, der hinter die Materiequellen zurück wollte. Und Feldhoffs grandiose DORIFER-Episode zur gleichen Zeit, muss ich nicht weiter ausführen, denke ich mal.

Ich hatte an anderer Stelle mal plakativ davon gesprochen, dass mich die aktuellen Szenarien zu sehr an die Szenarien von "X-Men-Comics" erinnern. Ich liebe die X-Men, um jetzt jeden möglichen Aufruf des Entsetzens vorzubeugen, aber ich denke, dass solche gigantischen und genreuneindeutigen Szenarien nicht helfen, der PR-Serie ein eigenes Profil und ein Alleinstellungsmerkmal zu verschaffen. Vielmehr befürchte ich ein Anbiedern an ein bildlich/filmisch erfolgreiches Format der SF, welches für eine "Textserie" aber nur begingt geeignet ist. Selbstverständlich ist auch in der Erstauflage eine "bodenständigere" oder wie du sagtest "Low scale adventures" machbar sind. Vielleicht ist es doch besser, sich einmal auf eine Möglichkeit zu entsinnen, die du weiter oben angesprochen hattest: Vielleicht auch mal einen Zyklus lang NICHTS von einem Zwiebelschalenmodell zu erzählen. Dann muss man nämlich auch nicht an den Anfang der Zeit reisen (-> Verstehensbarriere) und vom Anbeginn der Zeit an eine saubere Rasur des Universums (-> Verstehensbarriere) durchführen.
lg
Ten.
„Ein Wort“, sagte Humpty Dumpty, „bedeutet genau das, was ich es bedeuten lasse, nichts anderes.“
„Die Frage ist“, sagte Alice, „ob du Worten so viele Bedeutungen geben kannst“.
„Die Frage ist“, sagte Humpty Dumpty, „wer die Macht hat – das ist alles.“

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 27. November 2016, 13:15

Ich möchte meinen vorhergehenden Beitrag noch ein wenig relativieren bzw. einordnen. Ich habe dabei Überlegungen zu "Geschichten wie PERRY RHODAN" angestellt: eine in der Grundschwingung positive Zukunftsvision, ein großes Figurenensemble, ein "Team Terra", viele Handlungsebenen. Es gibt natürlich auch ganz andere Geschichten, die dann auch anders funktionieren können. Ich bin ja in meinem Hauptfokus Dark-Fantasy-Autor. In diesem Genre liegt die Perspektive meistens bei den Schurken, die dennoch Identifikationsfiguren sind. Dabei baue ich meine Geschichten etwas anders auf, da spielt man ein "Mind Game" mit dem Leser, der im Idealfall immer wieder aufschreckt und darüber verwirrt ist, welchen Leuten er gerade die Daumen drückt.

Vielen Dank für Deine Ausführungen, Tennessee. Ich gehe da im Kern mit: Für den Sense of Wonder muss es auch gelingen, das Fremde greifbar zu machen. Man braucht Figuren, mit denen man es lesend entdecken kann. Das wird sicher mal besser und mal schlechter gelingen. Wie das bei den Tiuphoren ist, kann ich nur unvollständig beurteilen - einfach deswegen, weil der Rücklauf gemessen an der Gesamtleserschaft mininal ist. Das bleibt auch so, wenn ich neben dem Forum die Begegnungen auf Conventions, die Leserbriefe und die im Internet schwirrenden Einschätzungen mit berücksichtige. Aber man sagt sicher nichts Falsches, wenn man konstatiert, dass die Tiuphoren eine recht harte Ablehnung in einer Gruppe der Leserschaft hervorrufen.
Ich glaube nur nicht, dass das am Konzept der Tiuphoren liegt - das halte ich nämlich für perfekt passend für eine Serie wie PERRY RHODAN. Es wird dann wohl doch eher die Umsetzung dieses Konzepts gewesen sein, die nicht restlos überzeugen konnte. Wobei natürlich auch - ohne das Geschriebene abmildern zu wollen - jede Diskussionsgruppe, auch ein Internetforum, ihre eigene Gruppendynamik entwickelt, in der manche Aspekte überbetont und andere zu schwach wahrgenommen werden.

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Raumkapitän Nelson » 27. November 2016, 13:24

"Ich fand hier die Ausführungen interessant, die Michael Marcus Thurner auf dem letzten GarchingCon gemacht hat. Letztlich meinte er, die Tiuphoren seien schrecklich missverstanden."

Das ist eine interessante Aussage. Dass jemand etwas missverstanden hat, impliziert zumeist einen nicht deutlich ausgesprochenen Vorwurf an den Rezipienten. Also an uns als Leser. Ich erlaube mir hier aber auch einen kleinen Hinweis an die Expokraten und Autoren, daß es vielleicht versäumt wurde, diese Vielschichtigkeit ausreichend darzustellen. In Erinnerung sind mir in erster Linie deren ausführlichst geschilderten negativen Aspekte.

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 27. November 2016, 13:31

Raumkapitän Nelson hat geschrieben:Ich erlaube mir hier aber auch einen kleinen Hinweis an die Expokraten und Autoren, daß es vielleicht versäumt wurde, diese Vielschichtigkeit ausreichend darzustellen.
Gemau das war auch Michaels Tenor. Zum Zeitpunkt des Cons waren die Tiuphoren noch recht frisch (ca. 2820 müsste erschienen sein). Michael hat angemerkt, dass in den Exposés von Anfang an eine Vielschichtigkeit vorgesehen war, und dann selbstkritisch vermutet, dass die Autoren der ersten Tiuphoren-Bände diese augenscheinlich nicht ausreichend transportiert haben.

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Müllmann » 27. November 2016, 13:57

@Robert Corvus :
Letztlich meinte er, die Tiuphoren seien schrecklich missverstanden.
Wenn Leser etwas “schrecklich missverstehen” bedeutet das, dass die Autoren es nicht klar genug dargestellt haben. Ob sie nicht konnten oder nicht wollten spielt dabei keine Rolle. Als die Tius aufgetaucht sind, habe ich natürlich analysiert, womit wir es hier zu tun haben: Eindimensionale dumpfe IS-Nazis ohne Tiefgang. Das einzig amüsante war das Wortspiel “Katiuphat” ↔ “Kalifat”, womit für mich der Bezug zum Daesh eindeutig war. Die Tius versuchen, Leute ins Katiuphat zu pressen, der Daesh ins Kalifat.

Damals habe ich den Autoren eine solche Überlegung zugetraut, heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Wenn MMT behauptet, die Leser hätten die Tius missverstanden, dann frage ich mich, wie unbewusst oder undurchdacht wurden sie von den Autoren beschrieben? War der Dimorphismus “Katiuphat” ↔ “Kalifat” beabsichtigt oder nur ein unglücklicher Zufall, der in der Vorstellung der Autoren keine Aussage beinhaltet, von den Lesern aber leicht “missverstanden” werden konnte?

Sich darüber zu beschweren, die Leser hätten ein Konzept nicht verstanden, bedeutet die “Schuld” auf andere zu schieben. Die Autoren haben das Konzept beschrieben, und es nicht geschafft, ihre Vorstellung zu vermitteln. Die Leser können nicht wissen, was die Autoren denken, sie lesen nur, was diese schreiben. Und wenn Gedachtes und Geschriebenes keine bijektive Abbildung darstellen, haben wir ein Problem.

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 27. November 2016, 14:09

Hast Du meinen Beitrag von 12:31 wahrgenommen, Müllmann?

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Müllmann » 27. November 2016, 14:15

Ja. Nur leider zu spät. Hatte den Beitrag zwischen Mittagessen und Kaffeetrinken geschrieben, schnell abgeschickt, da meine bessere Hälfte den Kuchen herein gebracht hat, und jetzt steht der Laptop auf dem Esstisch. Ich blicke leicht verschämt auf die beiden Posts und der Laptop guckt hungrig auf den Kuchen. Wie war das mit dem "zu-spät-kommen" und der bestrafenden Zeit?

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 27. November 2016, 14:17

Hauptsache, der Kuchen schmeckt! Guten Appetit. ;)

zephydia
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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von zephydia » 27. November 2016, 15:19

Robert Corvus hat geschrieben: Das sagt aber noch nichts darüber aus, wie sich die Figuren zu diesen Erkenntnissen positionieren. Es ist ja keineswegs gesagt, ja, es wäre sogar unrealistisch, wenn es alle Bewohner der Galaxis für erstrebenswert hielten, den Aufstieg der lokal herrschenden Superintelligenz in der Zwiebelschalenhierarchie zu befördern.
Ich glaube, wenn Du Dir Figuren wünschst, die diese Entwicklungen kritisch sehen, hast Du in den Expokraten guten Verbündete. ;) Wenn Du in Unter allem Grund schaust, liest Du ja auch davon, dass Perry Rhodan alles andere als begeistert von der Aussicht ist, dass in Orpleyd eine Materiesenke entstehen könnte. Für ihn ist das der blanke Horror.
idaho hat geschrieben: Moderne Unterhaltung funktioniert am Besten mit ambivalenten Figuren, bei denen ich zwar im Prinzip weiß, dass "der Böse" falsch handelt, mich aber ein gutes Stück auch in seine Motivation und Hintergründe hineinversetzen kann - siehe Atopen bzw. Onryonen.
Auch dem stimme ich zu, aber gerade das erfordert eine besonders deutliche Positionierung der Gegenspieler im Dunkel. Gerade dann, wenn der Antagonist Empathie weckt, muss umso klarer sein, dass er "der Böse" ist oder - wenn man es differenzierter ausdrückt - das Falsche tut.
Wenn man auf der einen Seite nur positive und auf der anderen nur negative Eigenschaften anhäuft, wird eine Geschichte zu vorhersehbar. Da muss man etwas balancieren.
Lutoo zum Beispiel ist von Anfang an als Antagonistin positioniert, einfach weil die gegen Perry Rhodan steht. Da der Leser den Kosmos an der Seite von Perry Rhodan durchwandert, ist jeder, der gegen Perry steht, zunächst einmal auch für den Leser ein Gegner. Aber das reicht nicht, um Perry so richtig die Daumen zu drücken. Lutoo steht auch in persona für eine Militärdiktatur, die sie nicht nur nützlich findet, sondern verehrt. Für Unterlegene empfindet sie primär Verachtung, und von denen, die unter ihrem Kommando stehen, erwartet sie hauptsächlich, dass sie funktionieren. Deswegen arbeitet sie lieber mit Robotern als mit "biologischen Einheiten".
Aber sie hat auch positive Eigenschaften. Sie ist loyal, und sie ordnet sich auch selbst in ihr Weltbild ein: Für sie ist das Militär die perfekte Ordnung, und auch sie selbst muss ihre kleine Rolle in diesem Gefüge erfüllen. Sie ist hart zu anderen - aber ebenso hart zu sich selbst. Das kann man respektieren.
Diese "Würze" funktioniert aber in der gegebenen Erzählstruktur nur deswegen gut, weil eben klar ist, dass Lutoo für eine schlechte (überspitzt: "böse") Sache kämpft. Wenn sie gewinnt, gewinnt auch die Tyrannei der Kohäsion. Das will man als Leser nicht, also bleibt man in Perrys Camp - auch dann noch, wenn Leccore beim Auftauchen auf dem Flaggschiff direkt jemanden tötet. So jedenfalls der infame Plan des Autors. :devil:
idaho hat geschrieben: Und in dieser Hinsicht sind die Tius ein Schritt, wenn nicht gar ein ganzer Sprung in die falsche Richtung und fallen hinter das bereits Erreichte zurück.
Ich fand hier die Ausführungen interessant, die Michael Marcus Thurner auf dem letzten GarchingCon gemacht hat. Letztlich meinte er, die Tiuphoren seien schrecklich missverstanden. :D
Sie sind zwar eindeutig die bösen Buben, aber damit sind sie noch nicht vollständig beschrieben. Eine historische Parallele wäre vielleicht das mittelalterliche Japan. Die Gewalt der Kriegerkaste über die einfache Bevölkerung spottete jeder Beschreibung, mit unglaublichen Exzessen. Aber in derselben Kultur hat sich eine atemberaubende Ästhetik entwickelt, mit Kalligrafie, Teezeremonie, Blumenstecken. Dieser Sinn für Ästhetik und der Hang zur kriegerischen Auseinandersetzung haben sogar zusammegefunden - in den Kampfkünsten. Ich glaube, gerade in dieser Synthese liegt für viele Menschen die Faszination des mittelalterlichen Japan - und darin könnte auch die Faszination der Tiuphoren liegen, ohne dass damit ihre dramaturgische Rolle in der Serie beschädigt würde.
Du hast natürlich Recht, Perry gefällt die ganze Materiesenkengeschichte in Orpleyd überhaupt nicht. Nur wenn genug Leser schreien "Juhuuu! Erlösung aus den Niederungen des Daseins (für die Superintelligenzen)! Nieder mit den niederen Wesen! Die sollen endlich ihre Rolle als Schlachtvieh akzeptieren!" Dann besteht die Gefahr das die Macher der Serie diesem Wunsch nachkommen und Rhodan im nächsten Zyklus "zur Venunft kommen lassen" d. H. er den Verlauf der Ereignisse als gegeben hinnimmt und sich sagt: "Ich bin halt nur ein kleiner Mensch der das alles nicht verstehen kann, und die Entwicklung der Superintelligenzen ist bestimmt wichtiger als wir armseligen Kreaturen". Darum wollte ich halt deutlich sagen das zumindest nicht ALLE Leser dieser Meinung sind.

Was das japanische Mittelalter angeht: Du hast natürlich recht das Samurai und Adlige das einfache Volk aufs schlimmste unterdrückten das war aber nicht in deren Ehrekodex (dem Bushido) so angelegt, der sah nämlich eigentlich den Schutz der Schwachen oder zumindest Toleranz ihnen gegenüber vor. Und die Kampfkünste erlaubten eben auch sich zu verteidigen ohne notwendigerweise zu töten. Das die Menschen Macht fast immer misbrauchen steht da auf einen ganz anderen Blatt (Im Fall des westlichen Rittertums traf übrigens genau das selbe zu).
Bei den Tius war die Vernichtung Schwächerer aber Teil ihres Ehrenkodexes und Selbstverständnisses. Um es mal überspitzt zu formulieren: Die Tius erinnerten mich an eine Kultur die sich aus unseren Streetgangs entwickelt haben könnte. Später hat man da zwar versucht umzusteuern aber für mich kam das einfach zu spät und zu halbherzig. Ich kann zwar akzeptieren das es in Orpleyd Tius gibt die anders sind (und mit denen habe ich auch keine Probleme) aber das heißt nicht das ich bereit bin den Sternengewerkstius irgentwelche Sympathien entgegen zu bringen.

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Robert Corvus
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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 27. November 2016, 15:43

zephydia hat geschrieben:Darum wollte ich halt deutlich sagen das zumindest nicht ALLE Leser dieser Meinung sind.
Ich denke, diesen Punkt hast Du gemacht. ;)
zephydia hat geschrieben: Was das japanische Mittelalter angeht: Du hast natürlich recht das Samurai und Adlige das einfache Volk aufs schlimmste unterdrückten das war aber nicht in deren Ehrekodex (dem Bushido) so angelegt, der sah nämlich eigentlich den Schutz der Schwachen oder zumindest Toleranz ihnen gegenüber vor.
Interessanterweise gab es Bushido gar nicht - das ist eine Erfindung der japanischen Romantik, die aber dermaßen ins kulturelle Gedächtnis eingeflossen ist, dass man sie als historisches Phänomen einstuft. Es gab die Begriffe Chu (Kaisertreue) und Giri (Pflichterfüllung).
zephydia hat geschrieben: Und die Kampfkünste erlaubten eben auch sich zu verteidigen ohne notwendigerweise zu töten.
Ja ... in der sportlichen Variante.
Ich war früher Karatelehrer, deswegen kenne ich mich da ein wenig aus. Im Karate gibt es drei grobe Trefferzonen - Oben, Mitte, Unten. Eigentlich entsprechen diese dem Kehlkopf, dem Solarplexus und dem Genitalbereich. Im Sport hat man das aber verschoben auf Kinn, Bauchmuskeln und gar nichts. Wenn man sich das Kata Bunkai, also die Anwendung der traditionellen "Formen" im Karate anschaut, dann liegen am Ende der Kata (natürlich nur virtuell) mal locker acht Tote um den Karateka herum.
zephydia hat geschrieben: Bei den Tius war die Vernichtung Schwächerer aber Teil ihres Ehrenkodexes und Selbstverständnisses.
Ja, das ist ein Unterschied, da stimme ich Dir zu. Im einen Fall ist das Leben des einfachen Bürgers schlicht irrelevant und entbehrlich, aber man begegnet ihm nicht vorsätzlich bösartig. Im Fall der Tiuphoren sind sie gezieltes Objekt des Handelns.
Trotzdem glaube ich, dass die Kultur der Tiuphoren mit dieser Ambivalenz aus Grausamkeit und Ästhetik viel Potenzial hat - das möglicherweise nicht immer gehoben wurde.
zephydia hat geschrieben: aber das heißt nicht das ich bereit bin den Sternengewerkstius irgentwelche Sympathien entgegen zu bringen.
Dann haben sie (im von mir unterstellten Sinne) funktioniert: Sie sollen ja die Antagonisten sein, man soll nicht emotional auf ihre Seite wechseln, sondern "treu zu Perry stehen". :)
Einen Kniff stellt dann natürlich die aktuelle Handlung dar - dort gibt es auch Tiuphoren, aber sie haben eine andere Kultur und sind die Opfer der weit überlegenen Gyanli.

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von milleX » 27. November 2016, 17:10

Ich fand die Tiuphoren realistisch dargestellt. Das mit den Bannern hat jedoch früh vermuten lassen, das mehr oder jemand dahintersteckt - so wie es jetzt aufgegriffen wird. Es gab doch keine expliziten Gewaltszenen, kein Splatter. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das in PR auch jemals seitens der Autoren geschrieben hätte.
Perry wird wahrscheinlich gegen das Entstehen der Materiesenke KOSH angehen wollen. Stellt er sich damit automatisch auf die Seite der Ordnungsmächte, aus deren Griff er sich eigentlich lösen wollte oder sieht er es als Eingriff des "Lebens an sich", das eine solche Grausamkeit wie eine MS verhindern möchte? Auch das Entstehen einer MQ ist grausam.
KOSH wird sicherlich ein grausamer Gegner. Zu bekämpfen vielleicht nur noch in der Phase vor der Umwandlung, denn wie sollte man eine MS als solches bekämpfen, nur mit Mitteln, die von Kosmokraten zur Verfügung gestellt werden?
KOSH hat durch die Tiuphoren gleich zwei Mal Leid über die Milchstraße gebracht, insofern mag man Perry zugestehen, dass er die Sache persönlich nimmt und KOSH bekämpfen wird.

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Klaus N. Frick » 27. November 2016, 18:27

Müllmann hat geschrieben:
Wenn Leser etwas “schrecklich missverstehen” bedeutet das, dass die Autoren es nicht klar genug dargestellt haben. Ob sie nicht konnten oder nicht wollten spielt dabei keine Rolle. Als die Tius aufgetaucht sind, habe ich natürlich analysiert, womit wir es hier zu tun haben: Eindimensionale dumpfe IS-Nazis ohne Tiefgang. Das einzig amüsante war das Wortspiel “Katiuphat” ↔ “Kalifat”, womit für mich der Bezug zum Daesh eindeutig war. Die Tius versuchen, Leute ins Katiuphat zu pressen, der Daesh ins Kalifat.

Damals habe ich den Autoren eine solche Überlegung zugetraut, heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Wenn MMT behauptet, die Leser hätten die Tius missverstanden, dann frage ich mich, wie unbewusst oder undurchdacht wurden sie von den Autoren beschrieben? War der Dimorphismus “Katiuphat” ↔ “Kalifat” beabsichtigt oder nur ein unglücklicher Zufall, der in der Vorstellung der Autoren keine Aussage beinhaltet, von den Lesern aber leicht “missverstanden” werden konnte?

Sich darüber zu beschweren, die Leser hätten ein Konzept nicht verstanden, bedeutet die “Schuld” auf andere zu schieben. Die Autoren haben das Konzept beschrieben, und es nicht geschafft, ihre Vorstellung zu vermitteln. Die Leser können nicht wissen, was die Autoren denken, sie lesen nur, was diese schreiben. Und wenn Gedachtes und Geschriebenes keine bijektive Abbildung darstellen, haben wir ein Problem.
Ich stimme in einem Punkt zu: Wenn die Leser etwas »missverstehen«, liegt es daran, dass wir – also Autoren und Redaktion – es nicht klar dargestellt haben.

Die Tiuphoren haben nicht das geringste mit dem IS zu tun. Das fängt schon bei den Namen an, die eher toltekisch oder aztekisch klingen sollen, und endet nicht zuletzt bei einer Kultur, die zwar kriegerisch ist, aber nichts mit dem Islam zu tun hat. Ich habe nie verstanden, wieso dieser Zusammenhang hergestellt wurde.

Aber: Dass das so falsch verstanden wurde, ist nicht die Schuld der Leser. Sofern man da von Schuld reden kann ... Der IS-Vergleich wurde von zwei, drei Stimmen aufgebracht, dann wurde er weiter verbreitet, dann hat er sich festgesetzt. Aber die Hinweise, die zu dieser falschen Spur führten, die stammen von uns – da haben wir nicht optimal gearbeitet.

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Kritikaster » 27. November 2016, 18:37

Hydors Golem hat geschrieben: Ich fand Robert Corvus Roman war super, hatte aber am Anfang einige Punkte bei denen ich aus dem Lesefluss geworfen worden bin ...

http://www.hydorgol.de/?p=6206
Deiner Betrachtung stimme ich im Wesentlichen zu. Vielleicht noch mit der Ergänzung, dass es für einen Gastautor vermutlich schwieriger ist als für einen Stammautor, Handlungsträger schildern zu müssen, die dem Leser ziemlich vertraut sind und deren Abweichung vom Gewohnten vermutlich sofort zu Protesten führen würde. Diese Aufgabe hat der Autor auch einwandfrei bewältigt.
Druckfehler wurden in diesem thread bereits moniert, mein Liebling dabei S.58 : "131 Millionen Lichtjahre waren für Rhoden eine schwer unüberbrückbare Distanz" Ich sage nur, immer positiv denken, auch wenn's mal negativ ausgedrückt ist.
Mein Entsetzen über die einfallslose Hintergrundgeschichte zur Sammlung der Catiuphatsbewusstseine habe ich ja schon früher im thread ausgedrückt. Inzwischen bin ich wieder positiver gestimmt. Natürlich wird Perry die Umwandlung zur Materiesenke (oder -quelle, was ja für die Betroffenen Lebewesen vom Katastrophengehalt her egal ist) verhindern und damit die Bewusstseine des Catiuphats retten, bzw. einer sinnvolleren Zukunft entgegenführen. Welche das ist? Nun, entweder wissen die Expokraten das selber oder sie bedienen sich bei den konstruktiven Vorschlägen der Foristen, auf die nun wieder ich gespannt bin. 8-)

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Wanderer777 » 27. November 2016, 18:56

zephydia hat geschrieben: ... Diese Bühne ist aber sehr wiedersprüchlich und es werden nach jedem Expokratenwechsel immer ein Teil der Ideen der Vorgänger aussortiert (Beispiel die Kosmonukleotide und der moralische Code, die vielleicht ein früher Versuch waren das Zwiebelschalenmodell etwas auszubalancieren - Zeitweilig unglaublich wichtig aber sie fielen später einfach unter den Tisch). Also so streng wird sich nicht daran gehalten.



Diese Widersprüchlichkeit der Berichterstattung aus dem Perry Rhodan Universum ist natürlich u. a. aufgrund der langen Zeit und der vielen Berichterstatter [= Expokraten & Autoren & Redaktion) gegeben.
Inspiriert von der "Heisenbergschen Unschärferelation" - aus der Physik der Alltagsrealität - habe ich folgenden Ausdruck gewählt:

Es gibt eine Unschärfe der Berichterstattung aus dem Perry Rhodan Universum.

Und das ist so nebenbei auch wunderschön, denn dann kann man mit der eigenen Phantasie versuchen die verschiedenen Fakten, Angaben etc. auf einen einheitlichen Nenner und in ein Gesamtbild (eben der Bühne der Geschehnisse) zu bringen.

Und das ist ja ein großer Teil meiner Freude an der Erstellung einer Gesamtansicht * des fiktiven Perry Rhodan Universums ...

Immer wieder ausbesserbar und überarbeitbar ... wunderbar :wub: :wub:


* letztlich dann natürlich eine individuelle Interpretation, die ich hier für alle Interessierten zur Diskussion stelle ... :wub:
Zuletzt geändert von Wanderer777 am 27. November 2016, 19:02, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Kritikaster » 27. November 2016, 18:57

Klaus N. Frick hat geschrieben: Der IS-Vergleich wurde von zwei, drei Stimmen aufgebracht, dann wurde er weiter verbreitet, dann hat er sich festgesetzt. Aber die Hinweise, die zu dieser falschen Spur führten, die stammen von uns – da haben wir nicht optimal gearbeitet.
Sorry, dass ich mal wieder eine Gegenposition besetze. Wenn ihr Ansätze seht, die Arbeit zu verbessern, okay. das ist immer gut. Aber ich als leidlich aufmerksamer Leser habe keine Hinweise auf den IS in der Beschreibung der Tiuphoren wahrgenommen. Aus meiner Sicht haben hier wirklich nur einzelne Foristen ihre aktuellen Medienerlebnisse der PR-Geschichte übergestülpt. Dass ihr euch dagegen schützen könntet, halte ich für unmöglich, denn Parallelen zum wirklichen Leben gibt es zwangsläufig immer wieder.
Allerdings habe ich bei der anfänglichen Schilderung der Tiuphoren auch nichts von Vielschichtigkeit oder Tiefgründigkeit wahrgenommen, die angeblich in diesem Zusammenhang angekündigt wurde. Vielleicht ist das wieder ein Problem der enormen Serienlaufzeit. Bis das Bild, das ein Roman erzeugt hat, variiert und differenziert werden kann, vergehen oft nicht Wochen sondern Monate (Jahre will ich jetzt mal nicht schreiben, auch wenn es mir manchmal so vorkommt). 8-)

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von DoctorMabuse » 27. November 2016, 18:57

Der Roman und der aktuelle Zyklus gefallen mir sehr gut!

Eine Wohltat, dass die Handlung ordentlich voran geht und nicht wieder eine Pfadfindertruppe durch Fantasia strauchelt.

Zum Überleben im Vakuum:

Warum soll man explosionsartig ausatmen? Der Druckunterschied beträgt nur 1 bar, natürlich kann es zu einer Überdehnung der Lunge kommen oder einer Luftembolie. Aber da ist man eher erstickt. Ich würde meine Luft bei mir behalten und das Risiko eingehen.
Bin selber schon aus über dreißig Metern Apnoe aufgestiegen, dabei langsam und kontinuierlich ausgeatmet, sind aber auch 3 bar.
Unterkühlung dürfte in den ersten Minuten kein Problem sein. Im Vakuum gibt es ja nichts, was die Körperwärme ableiten könnte. Der Mensch kann minus 100 ° C bei extremer Lufttrockenheit mehrere Minuten aushalten.

Probleme sehe ich bei den Augen, ich denke die Flüssigkeit auf der Hornhaut könnte schnell gefrieren.
Also Augen zu, Luftanhalten, Hypoxie nach ca. 2 - 3 Minuten, danach ist dann schnell Feierabend.
Fortiter in re, suaviter in modo!

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Müllmann » 27. November 2016, 18:59

@Klaus:
Tiuphoren klingt nicht aztekisch oder toltekisch, sondern eher griechisch oder römisch. „Amphoren“ wäre hier ein Klangbeispiel. Wäre der Name vom Aztekischen abgeleitet, hießen sie womöglich “Tiukatl” als Eigenname, “Tlukatlan” als Ortsbezeichnung oder als Name der Gemeinschaft, Tiuphoren könnte vom Namen “Tlacopán”, einer der Städte des aztekischen Dreierbundes abgeleitet sein. Durch die Endung “-phore(n)” verliert sich der präkolumbische Klang zugunsten einer Europäisierung. Die Bewohner von Tlacopán nannten sich selbst Tlatelolca. Aztekische Wörter enthalten gerne Silben oder vielmehr Laute wie “tl”, “ca” “can” und sind oft nur mit Zungenschlag auszusprechen.

Für eine toltekische Herleitung gilt in etwa das selbe, wobei zu erwähnen bleibt, dass die Namen einzelner Schwarmgötter durchaus Ähnlichkeit mit den Namen toltekischer Herrscher oder Götter hatten. Zumindest was den Klang der Wörter angeht. Etwa: Xicocotitlán.

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Re: Spoiler 2884 Unter allem Grund von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 27. November 2016, 19:10

Ich merke gerade, dass ich einige Wortmeldungen übersehen habe, die gekommen sind, während ich meine Beiträge geschrieben habe.

Daher ...
Perry-Science hat geschrieben:Hat mir gefallen, vor allem als es endlich in den Einsatz ging....
RAY-An hat geschrieben:Mir hat der Roman sehr gefallen. Für mich ist es das bislang beste Sternengruft-Heft. Meiner Meinung nach stimmte hier alles. Es ist sehr gut geschrieben, die Ereignisse nehmen mich mit, der Maschinist ist eine interessante Figur.
Wanderer777 hat geschrieben:Es ist schön erzählt, was wir in dieser Geschichte über die Superintelligenz KOSH, ihre Entstehung und ihrer Zukunft erfahren.
milleX hat geschrieben:Super Heft. Wie andere hier geschrieben haben, habe ich auch den Eindruck, dass sich Robert Můhe macht und immer sehr vorbereitet.
ParaMag hat geschrieben:Dank an den Spoilerista und den Autoren, der Roman hat mir gut gefallen. :st:
Hydors Golem hat geschrieben:Ich fand Robert Corvus Roman war super, hatte aber am Anfang einige Punkte bei denen ich aus dem Lesefluss geworfen worden bin ... 2884 war ausgelesen super.
DoctorMabuse hat geschrieben:Der Roman und der aktuelle Zyklus gefallen mir sehr gut!
... vielen Dank für die Blumen! :)

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