Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

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Wanderer777
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von Wanderer777 » 4. Dezember 2016, 19:55

Roland_W hat geschrieben:Ist in der Serie eigentlich schon mal auf die Sichtweise von Individuen eingegangen worden, wie sich so eine überaus grausige "Umwandlung" vollzogen hat? Waren damit alle mit einverstanden oder wurden sie schon gar nicht gefragt?


Ich formuliere es bewusst provokativ und plakativ:

Warum sollte man Mikroorganismen fragen, wenn man ein Bad nimmt?
(Analogie: Mikroorganismen sind die zahllosen Einzelbewusstseine die in der Raumzeit gefangen leben;
der Mensch ist eine Materiequelle/Materiesenke Kollektivintelligenz; Superintelligenzen sind auch Kollektivintelligenzen aber im Ameisenstatus ... )
;) ;)

Das bewusste Leben ist manchmal so grausam wie dass mit weniger Bewusstheit ...


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Bin seit einiger Zeit im Ruhestand ...
Seit 4. Juli 2019 bin ich einer Auszeit mit dem Projekt RHODANITIS!
Bis dahin kann man via PN (Private Nachrichten) jederzeit mit mir in Kontakt treten!

Er ist ein echter Nirgendsmann,
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macht so manchen Nirgendsplan für niemanden.
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Robert Corvus
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 4. Dezember 2016, 20:09

Richard hat geschrieben:Alle Lebewesen nur in Bezug auf "ist ein guter Soldat" bzw. "ist kein guter Soldat" zu beurteilen ist viel zu einseitig und das sollte gerade auch einer Soldatin im Offiziersrang klar sein
Na ja ... das hängt vermutlich davon ab, welches Wertesystem im jeweiligen Militär gepflegt wird. Zudem ist Lutoo auch innerhalb des Militärs speziell - ihre extreme Vorliebe, mit Robotern statt mit "biologischen Einheiten" zu arbeiten, dürfte daraus resultieren.
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von Richard » 4. Dezember 2016, 21:05

Ueber Menschen sagt man, dass sie Soziale Wesen sind.
U.a. beginnt das schon im Kleinkindalter; da gab es u.a. auch mal so eine Studie, bei der Babies ausser der Stillung der primaeren Beduerfnisse keine sonstige Pflege/Zuneigung/... zugewendet wurde. Diese Kinder blieben in ihrer Entwicklung zurueck.

Bei Gynali habe ich keine Ahnung wie das so ist. Vielleicht werden Soldaten bei den Gynali auch schon von der Geburt weg gesondert erzogen usw.- und schon waeren wir wieder in einem Kastensystem.

Ob Lutoo jetzt einfach mit "normalen" Gynali nicht kann oder ihr Lebewesen als zu fehleranfaellig etc vorkommen sei mal dahingestellt; letztlich wuerde das aber darauf hinauslaufen, dass sie sich irgendwann selber ersetzten muss, da sie selber eben auch ein Lebewesen und damit nicht "perfekt" ist. Wobei ja natuerlich auch Maschinen/Roboter ihre Problemchen haben koennen.

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Robert Corvus
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 4. Dezember 2016, 21:20

Richard hat geschrieben:letztlich wuerde das aber darauf hinauslaufen, dass sie sich irgendwann selber ersetzten muss, da sie selber eben auch ein Lebewesen und damit nicht "perfekt" ist.
Das würde sie vermutlich unterschreiben: Wegen altersbedingter Zipperlein musste sie ja die geliebte Raumlandeinfanterie verlassen ...
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von Faktor10 » 4. Dezember 2016, 22:46

So nun gelesen. Ich gebe 2-2-2
Unbelehrbarer Altleser.Allem Neuen aber aufgeschlossen. Leider mit ausgeprägter Rechtschreibschwäche.

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nanograinger
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von nanograinger » 4. Dezember 2016, 23:17

Kritikaster hat geschrieben:...
Stattdessen beschäftigen mich dann so Einzelfragen wie das Vorkommen der Tiu-Kristalle (S.8: Planet Tiu...nur dort kamen die Tiucui-Kristalle vor). Wie kommen sie dann in die Tiu-Banner in aller Welt und die Brünnen und die Staubringe rings um Orpleyd und wie findet die Gewinnung der Kristalle unter all den Müllbergen statt - oder gar nicht mehr? Hoffe, dazu noch was zu hören.
Bei der Stelle habe ich auch gestutzt, aber dann fiel mir ein, dass die Staubringe Orpleyds mit Tiauxin-Kristallen durchsetzt waren (bzw. eine dem Tiauxin ähnliche Hyperstrahlung emittierten), nicht mit Tiucui-Kristallen. Auch die Brünnen hatten Tiauxin verarbeitet, nicht Tiucui. Tiucui-Kristalle kennen wir aus der Tiucui-Folie (aus PR 2858-2860) und aus den Sextadim-Bannern der Sterngewerken. Offenbar handelt es sich um unterschiedliche Qualitäten von Hyperkristallen.
Kritikaster hat geschrieben:...
Und ein Bild wie S.38 "Mit den Desintegratoren schnitten sie sich an die Oberfläche wie verzweifelte Kinder, die aus dem Leib ihrer toten Mutter entkommen wollten." lässt mich nicht einmal mehr lachen. Wie kann so etwas durch die Lektorierung rutschen?...
Ich fand das auch eine sehr seltames Bild, aber da ich in dieser Woche gerade mal wieder die "Alien"-Filme im Fernsehen gesehen hatte, hatte ich wohl andere Assoziationen bei diesem Satz.

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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von nanograinger » 4. Dezember 2016, 23:41

Wieder ein Action-Roman von Robert Corvus, bei dem es nun aber in richtige militärische Auseinandersetzungen (anstatt von Kommandoaktionen) geht. Das kann Robert sehr gut, würde ich mal sagen, wobei er ein gute Mischung zwischen persönlicher Leiderfahrung (Tod der alten Jurukao) und distanzierter Kampfbeschreibung trifft (ohne dabei nonchalant die "Kollateralschäden" zu verniedlichen). Auch der Einsatz der Schiffsgeschütze ist überzeugend, aber hier setzt auch meine Kritik am Plot an.

Denn eigentlich war der Hinterhalt auf der "grünen Wiese" von vorneherein zum Scheitern verurteilt, eben genau weil hier die Gyanli ohne große Rücksichtnahme Schiffsgeschütze einsetzen können. Sicher, Rhodan meinte wohl, dass dies nicht passieren würde, weil er davon ausging, dass man ihn (und Leccore) lebend fangen wollte, aber das war nur eine Vermutung. Ein bisschen viel Risiko, denke ich, und angesichts der Tatsache, dass man die ganze Sache auch gleich im Municipium hätte durchziehen können (evtl. mit mehr Erfolg, weil dann ohne Vorwarnung) ist dieser erste Hinterhalt reichlich unnötig und sogar kontraproduktiv (von den Opfern ganz zu schweigen).

Den Charakter Lutoo finde ich auch gelungen in ihrer Konsequenz und ihrer Fähigkeit, trotz ihres eigentlich rigiden Charakters über eigene Denkgewohnheiten hinauszugehen. Nur einen Makel sehe ich: Was macht sie eigentlich zu einem weiblichen Charakter, vom biologischen Geschlecht mal abgesehen? Dass sie einmal im Vorgängerroman über intime Beziehungen zu Klavtaud nachdenkt und im vorliegenden Roman solche Beziehungen aufgrund ihres Alters ausgeschlossen werden?

Das ist aber ein grundsätzliches Problem, und man kann sich hier auch schnell die Finger verbrennen (Geschlechter-Klischees und Sexismus). Aber ich finde nicht, dass man Lutoo ernsthaft als weiblichen Charakter zählen kann, wenn ihre ganze Art eigentlich klassischen männlichen Charakterklischees folgt.

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Arthur Dent
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von Arthur Dent » 5. Dezember 2016, 07:21

Die Figur Attilar Leccore hat im Zyklus um das Atopische Tribunal eine Entwicklung gemacht. Eine, die es erlaubt hat, seine Handlungen zugunsten der Menschheit zu motivieren. Er sah unter der Schreibe diverser Autoren seine Wurzeln bei den Terranern. Auf dem Höhepunkt dieses Romans, im Kampf gegen Klavtaud werden ihm diese Entwicklungen wieder entrissen. Er besinnt sich auf seine "dunklen" Wurzeln, um dem Bösen mit Bösem zu begegnen. Abgesehen davon, dass ein Mitglied der Kolonne, bzw. ein Nachfahr von Mitgliedern der Kolonne per es nicht unbedingt böse sein muss, hätte ich es besser gefunden, wenn der Angriff seinem terranischen Selbstbild gegolten hätte. Dem hätte er dann, weil er eben diese Entwicklung genommen hat, mit Macht entgegentreten können. So bleibt ein Klischee zurück. Böses kann nur mit Bösem beķämpft werden.
Außerdem ist die Figur nun ambivalent. Leichter einsetzbar durch die Autoren, aber weniger nachvollziehbar durch die Leser.
Schade, dass diese Lösung gewählt wurde.

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AARN MUNRO
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von AARN MUNRO » 5. Dezember 2016, 09:31

Hydors Golem schreibt :
Spoiler:
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Robert Corvus hat geschrieben:

Hydors Golem hat geschrieben:
Leider kommt für mich 2885 nicht an 2884 heran.

http://www.hydorgol.de/?p=6221



Vielen Dank für die ausführliche Besprechung.

Ich hoffe, es ist statthaft, wenn ich eine Passage aus der verlinkten Rezension in diesem Forum zitiere:

Wirklich aufgestoßen ist mir der vollkommen unnötige Tod von Oma Jurukao. An dieser Stelle fällt Perry Rhodan aus seiner Figur. Es macht gerade seinen Charakter aus, dass er keine Wegbegleiter für das höhere Ziel opfert. An dieser Stelle hätte das eine bewusste Entscheidung der Zweitmechanikerin sein müssen.


Nun ja - wieso "hätte es eine bewusste Entscheidung der Zweitmechanikerin sein müssen"?
Wie Jurukao sich entscheidet, liegt ja bei ihr. Ich habe die Figur so angelegt, dass sie nicht sterben möchte - das halte ich für nachvollziehbar.
Nehmen wir das einmal als gegeben an: In einem Kampf kann es zu Verletzungen kommen, diese Verletzungen können schwerwiegend sein, sie können auch zum Tod führen, und die Verletzten können an ihrem Leben hängen und gegen den Tod aufbegehren.
Dann wäre Rhodan in der beschriebenen Situation, und nun ist die Frage: Wie verhält er sich?
Du schlägst vor, er sollte auf Pey-Ceyans Vorschlag eingehen und dafür sorgen, dass Jurukao aus dem Kampfgebiet gebracht und auf der ODYSSEUS versorgt wird. In Ordnung - das kann man machen, sicher gibt Rhodans psychologische Grunddisposition das her. Auch für die von mir geschilderte Handlungsweise hat er gute Gründe, denke ich, die sind ja auch im Roman ausgeführt. Sagen wir also: Beide Handlungsweisen wären erzählerisch möglich.
Als Geschichtenerzähler versehe ich Entscheidungen der Hauptfiguren gern mit einem Preis - sie sollen nicht zu billig davonkommen. In DER LEIDBRINGER besteht dieser Preis darin, dass Jurukao stirbt und sich Pey-Ceyan von Rhodan entfremdet. Er wird für die Tiuphoren zum Leidbringer und ansonsten zu einem einsamen Anführer, der die Bürde seiner Entscheidungen schultern muss.
In der von Dir vorgeschlagenen Variante wäre der Preis ein anderer, das könnte beispielsweise so aussehen: Rhodan zieht eine der Antigravplattformen vom Kampf gegen die Landefähre ab, diese Plattform nimmt Jurukao auf und fliegt mit ihr Richtung Odysseus. Damit hätte Rhodan - nach Deiner Argumentation, wenn ich sie richtig verstehe - in character gehandelt. Ich hätte das dann vermutlich so weitererzählen wollen, dass Lutoo bemerkt, dass mit dieser Antigravplattform etwas nicht stimmt, diese mit den Sensoren der SHADRUUS verfolgt, dadurch entdeckt, dass sie in einem getarnten Schiff (nämlich der ODYSSEUS) verschwindet und diesen Standort dann per Orbitalbeschuss - wie K. H. Scheer sich ausgedrückt hätte - "vernichtet". Damit wäre die ODYSSEUS zerstört, Jurukao wäre tot, ein zusätzlicher Wuutuloxo wäre tot, Leccore vermutlich auch. Wenn man diesen für die weitere Handlung noch braucht, hätte man ihn mit einem Kniff vorher aus dem Gefahrenbereich bringen müssen - vielleicht wäre er dann von Anfang an in Begleitung Rhodans und Pey-Ceyans unterwegs gewesen.
Denkbar wäre dieser Handlungsverlauf ebenso. Der wesentliche Unterschied läge darin, dass Rhodan sich für (den Versuch von) Jurukaos Rettung entschlossen hätte.
Nun die Gretchenfrage: Wäre das besser gewesen?
Wenn nein: Wieso nicht? Oder anders gefragt: Liegt es wirklich an Rhodans Entscheidung - oder liegt es an der Konsequenz, dass das Gute - anders als in der Erzählform des Märchens - eben nicht immer auf ganzer Linie siegt und auch der Weg zum Sieg nicht ausschließlich mit guten Taten gepflastert ist?



Hallo Robert,

vielen Dank für die ausführliche Antwort, ich hoffe ich bin dir da nicht zu nahe tretten. Natürlich ist es legitim das die Figur Jurukao sterben muss, wenn es denn unbedingt sein muss. Mir erschließt sich nur nicht ganz warum. Damit ist eine sehr sympatische Figure geopfert worden, die m.M. überhaupt nicht mit in das Gefecht gemusst hätte. Es wirkte so, als ob die Zweitmechanikerin um jeden Preis sterben sollte.

Warum musste unbedingt Jurukao mit in das Gefecht? Das war der erste Punkt der mich etwas stutzig gemacht hat, schließlich werden die anderen Plattformen von Tiuphoren geflogen, falls mich dort meine Erinnerung nicht täuscht. Das Perry und Pey-Ceyan in die Schlacht fliegen ist normal, das haben sie ja schon mal gemacht, während sich die Zweitmechanikerin da ja im Vorgängerroman dezent zurück gehalten hat.

Gut, das jemand bei einem Feuergefecht stirbt liegt in der Natur der Sache. Das hätte theoretisch aber auch ein Redshirt-Tiuphore sein können. Von der Ausrüstung her hätte ich die Zweitmechnanikerin für besser geschützt als Perry und Pey-Ceyan gehalten. Durch den angeschlagenen Anzug wurde dann klar, dass Jurukao definitiv ein gewaltiges Problem bekommen wird. Für mich persönlich war an der Stelle schon die Luft raus.

Perry hätte die Agrav-Plattform aufgeben können oder zumindest Pey-Ceyan einen Rettungsversuch unternehmen lassen können und selbst die Plattform übernehmen können. An dieser Stelle fällt er, m.M. nach, aus dem Charakter. Er ist nur auf den Angriff fixiert, wohl wissend, das dieser auch schiefgehen kann - was er schlussendlich auch tut. Den Orbitalangriff fand ich übrigens super! Als Unsterblicher hat er solche Aktionen schon unzählige Male durchgeführt um zu wissen, das diese Situation keine sichere Chance war und das es andere Möglichkeiten gibt, die er dann ja später auch genutzt hat.

Jurukao hätte problemlos auch auf dem Rückweg sterben können, schließlich heißt Rückweg ja nicht, das man es bis zur Medostation schafft oder nicht noch etwas passiert. Das hätte Perry etwas besser darstehen lassen. Emotional wäre das vielleicht sogar viel stärker gewesen. Auch wenn es nur Pey-Ceyan und Jurukao alleine gewesen wären. Perry hätte die Zweitmechanikerin mit der Dakkarspanne retten können, schließlich geht es hier um seine wertvollsten Verbündeten. (Die "Ersatz" Wuutuloxo hatte ich nicht mehr auf dem Schirm).

In der Vergangenheit hat sich Perry immer als "Weichei" herausgestellt, der eine Chance nutzt, wenn er eine sieht, aber nicht um jeden Preis, was eher zu Atlan oder gar Monkey passen würde. Niemals hat er seine ethischen Grundsätze über Board geworfen, genau das macht den Terraner aus. Er ist der Typ, der sich seine Uniformabzeichen abzieht, um die dritte Macht zu gründen und sich damit gegen seine "alte Truppe" wendet. Ich fand das war ein unglaublich starkes Bild. Gerade das hat ihn zu einer Figur gemacht, der weiter denkt und damit genau das Gegenteil von einem engstirnigen "Auftragausführer" ist.

Ja auch er hat Raumschlachten und Kommandounternehmen geführt und wird das wohl auch weiterhin tun, wenn er muss. Ich fände es nur schade, wenn Perry dabei genau das verliehren würde, was ihn als Figur ausmacht. Ich habe nichts gegen wilde Schießereien in Romanen, aber die müssen für mich einen für mich nachvoll ziehbaren Hintergrund haben. Und wenn jemand stirb darf es nicht konstruiert aussehen, sondern sollte sich organisch aus der Situation entwicklen.

Du merkst ich mochte Jurukao ...

Das ist sehr gur formuliert und entspricht voll meiner Meinung, darum spare ich mir hier, sie noch einmal ausführlich darzulegen...es handelt sich hierbei um einen der "Logikfehler". die ich kritisiert hatte...Perry handelte völlig gegen sein klassisches Psychogramm des humanen "Gutmenschen"...er traf kampftaktische Entscheidungen, die eher zu Atlan oder Monkey gepaßt hätten...aber im übergeordneten Interesse verständlich...er ist schließlich auch Staatsmann und sieht den metagalaktischen Überbau...
"Doc war Pazifist, was ihn nicht daran hinderte, realistisch zu denken!" (Robert A. Heinlein in "The moon is a harsh mistress")
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von AARN MUNRO » 5. Dezember 2016, 09:34

Robert Corvus hat geschrieben:
Richard hat geschrieben:Alle Lebewesen nur in Bezug auf "ist ein guter Soldat" bzw. "ist kein guter Soldat" zu beurteilen ist viel zu einseitig und das sollte gerade auch einer Soldatin im Offiziersrang klar sein
Na ja ... das hängt vermutlich davon ab, welches Wertesystem im jeweiligen Militär gepflegt wird. Zudem ist Lutoo auch innerhalb des Militärs speziell - ihre extreme Vorliebe, mit Robotern statt mit "biologischen Einheiten" zu arbeiten, dürfte daraus resultieren.


ich finde das hier keineswegs einseitig...sie ist vollkommen überzeugend beschrieben...nicht nur Berufssoldatin durch und durch, sondern auch ihren "Job" als erste Pflicht im Leben wahrnehmend, also urteilt sie auch so...das finde ich weder platt noch einseitig, sondern sehr überzeugend dargestellt.
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von AARN MUNRO » 5. Dezember 2016, 09:37

nanograinger schreibt:
Spoiler:
Kritikaster hat geschrieben:
...
Stattdessen beschäftigen mich dann so Einzelfragen wie das Vorkommen der Tiu-Kristalle (S.8: Planet Tiu...nur dort kamen die Tiucui-Kristalle vor). Wie kommen sie dann in die Tiu-Banner in aller Welt und die Brünnen und die Staubringe rings um Orpleyd und wie findet die Gewinnung der Kristalle unter all den Müllbergen statt - oder gar nicht mehr? Hoffe, dazu noch was zu hören.


Bei der Stelle habe ich auch gestutzt, aber dann fiel mir ein, dass die Staubringe Orpleyds mit Tiauxin-Kristallen durchsetzt waren (bzw. eine dem Tiauxin ähnliche Hyperstrahlung emittierten), nicht mit Tiucui-Kristallen. Auch die Brünnen hatten Tiauxin verarbeitet, nicht Tiucui. Tiucui-Kristalle kennen wir aus der Tiucui-Folie (aus PR 2858-2860) und aus den Sextadim-Bannern der Sterngewerken. Offenbar handelt es sich um unterschiedliche Qualitäten von Hyperkristallen.

Kritikaster hat geschrieben:
...
Und ein Bild wie S.38 "Mit den Desintegratoren schnitten sie sich an die Oberfläche wie verzweifelte Kinder, die aus dem Leib ihrer toten Mutter entkommen wollten." lässt mich nicht einmal mehr lachen. Wie kann so etwas durch die Lektorierung rutschen?...


Ich fand das auch eine sehr seltames Bild, aber da ich in dieser Woche gerade mal wieder die "Alien"-Filme im Fernsehen gesehen hatte, hatte ich wohl andere Assoziationen bei diesem Satz.
Nach oben

...dieses Bild fand ich auch ein wenig fehl am Platze...aber aus verschiedenen Gründen verständlich...
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von zephydia » 5. Dezember 2016, 10:30

AARN MUNRO hat geschrieben:

Das ist sehr gur formuliert und entspricht voll meiner Meinung, darum spare ich mir hier, sie noch einmal ausführlich darzulegen...es handelt sich hierbei um einen der "Logikfehler". die ich kritisiert hatte...Perry handelte völlig gegen sein klassisches Psychogramm des humanen "Gutmenschen"...er traf kampftaktische Entscheidungen, die eher zu Atlan oder Monkey gepaßt hätten...aber im übergeordneten Interesse verständlich...er ist schließlich auch Staatsmann und sieht den metagalaktischen Überbau...
Nun, das sind genau die Art Probleme die durch die Entscheidung Perry Rhodan komplett im Mittelpunkt der Serie zu stellen und die anderen klasischen Charaktere zu parken oder komplett rauszuschreiben unweigerlich entstehen mussten: Perry Rhodan muss jetzt praktisch alle Rollen spielen, auch die, die ursprünglich für z. B. Atlan oder Ronald Tekener vorgesehen waren. Das man ihm mit Attilar Leccore einen Begleiter an die Seite stellt der nicht nur sein Äußeres sondern auch seine Persönlichkeit ständig wechseln kann, somit also immer genau diejenigen Charaktereigenschaften hat die jeweilige Autor gerade braucht, also eigentlich keine Hauptperson sondern bloß eine weiße Leinwand ist, verdeutlicht dieses Problem meiner Meinung nach noch stärker. Natürlich ist es für die Macher viel leichter eine Serie zu händeln die nur einen einzigen Helden in den Mittelpunkt stellt als wie in früheren Zyklen eine ganze Gruppe aus verschiedenen Dramatis Personae herumzuschleppen. Nur verliert die Serie (zumindest für mich) dabei etwas, das früher eine Menge zu ihrem Charme beitrug.

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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 5. Dezember 2016, 10:37

Hydors Golem hat geschrieben:vielen Dank für die ausführliche Antwort, ich hoffe ich bin dir da nicht zu nahe tretten. Natürlich ist es legitim das die Figur Jurukao sterben muss, wenn es denn unbedingt sein muss. Mir erschließt sich nur nicht ganz warum.
...
Du merkst ich mochte Jurukao ...
Zunächst einmal bin ich grundsätzlich anderer Meinung, was das "wenn es denn unbedingt sein muss" angeht. Das würde ja bedeuten, eine bestimmte Handlungsentwicklung ist der Default, und andere benötigen eine spezielle Begründung. Als Erzähler stehe ich aber allen Entwicklungen neutral gegenüber.
Der dramaturgische Grund für diese Entwicklung liegt darin, zu zeigen, dass eine reale Gefahr für die Protagonisten besteht. Dazu muss eine Figur sterben, die mehr ist als nur ein Name.
Hydors Golem hat geschrieben:Warum musste unbedingt Jurukao mit in das Gefecht? Das war der erste Punkt der mich etwas stutzig gemacht hat, schließlich werden die anderen Plattformen von Tiuphoren geflogen, falls mich dort meine Erinnerung nicht täuscht.
Hier täuschst Du Dich - sämtliche Wuutuloxo nehmen an dem Gefecht teil:
Nach Gefechtsphase Eins – der Landung der Gyanli – hatte Zweitmechaniker Duxaluk den Wellenbrecher aktiviert, dadurch den Funkverkehr der Gyanli lahmgelegt und Gefechtsphase Zwei eingeleitet.
In dieser bestrichen die Wuutuloxo die Gyanli mit breit gefächertem Paralysefeuer aus ihren auf Antigravplattformen montierten Kanonen. Um die gewünschte Betäubungswirkung zu erzielen, mussten zuvor die Schutzschirme der Gegner überlastet werden.
Das war die Aufgabe der Tiuphoren, vor allem derjenigen, die Kombistrahler aus der Produktion der ODYSSEUS erhalten hatten.
...
Die Statusanzeige verriet, dass sich der Schirm im Heckbereich der Fähre seinem Belastungsmaximum näherte. Wer immer diesen Beschuss koordinierte, verstand etwas vom Soldatenhandwerk. Sicher war er kein Tiuphore, ebenso wenig wie die Piloten der mobilen Geschützplattformen. Die Datenbank der SHADRUUS identifizierte sie nach Mustervergleich als Wuutuloxo, Angehörige eines eigentlich friedlichen Volks, vernarrt in Leitungen und Nieten. Nun ja, jede Population brachte einige Tapfere hervor.
Hydors Golem hat geschrieben:Das Perry und Pey-Ceyan in die Schlacht fliegen ist normal, das haben sie ja schon mal gemacht, während sich die Zweitmechanikerin da ja im Vorgängerroman dezent zurück gehalten hat.
Da hat sich auch Pey-Ceyan zurückgehalten - oder wurde zurückgehalten, weil der Generator der Dakkar-Spanne nicht 3 Personen sicher transportieren kann.
Auch das ist natürlich eine willkürliche Festlegung: Bei einer solchen fiktiven Technologie kann man die Beschränkungen ja beliebig setzen, aber die Exposéautoren haben sich für ein Agentenabenteuer mit Rhodan und Leccore entschieden. Das liegt also primär in der gewünschten Dramaturgie begründet, die "Weltregeln" werden dann passend dazu gestaltet.
Hydors Golem hat geschrieben:Gut, das jemand bei einem Feuergefecht stirbt liegt in der Natur der Sache. Das hätte theoretisch aber auch ein Redshirt-Tiuphore sein können.
Es sind auch viele Tiuphoren umgekommen. Das hat aber nicht die gewünschte Wirkung in der Wahrnehmung des Lesers: Er soll denken - okay, Jurukao ist tot ... eine Figur, die mich mehrere Hefte begleitet hat ... könnte der Autor als Steigerung im Sinn haben, Pey-Ceyan oder Leccore zu töten? Der Leser soll wissen: Hier steht niemand unter Naturschutz. Niemand überlebt, nur weil er zu den Guten gehört oder als Held eingeführt ist. Die Gefahr ist real, es kann jeden treffen - nicht nur unbenannte "Zähl-Figuren".
Hydors Golem hat geschrieben:Perry hätte die Agrav-Plattform aufgeben können oder zumindest Pey-Ceyan einen Rettungsversuch unternehmen lassen können und selbst die Plattform übernehmen können.
Diese Option habe ich (als Autor) ihm dadurch genommen, dass Jurukaos Antigrav-Plattform beim Absturz zerstört war:
Die Waffenplattform kreischte. Das Antigravaggregat explodierte.
...
Ihr Gefährt überschlug sich und krachte in die Müllhalde, zerbrach, rollte einen Hügel hinunter und blieb schließlich an dessen Fuß liegen.
Hydors Golem hat geschrieben:Er ist nur auf den Angriff fixiert, wohl wissend, das dieser auch schiefgehen kann - was er schlussendlich auch tut. Den Orbitalangriff fand ich übrigens super! Als Unsterblicher hat er solche Aktionen schon unzählige Male durchgeführt um zu wissen, das diese Situation keine sichere Chance war und das es andere Möglichkeiten gibt, die er dann ja später auch genutzt hat.
Hm, sicher wissen kann er eigentlich nur, dass Klavtaud ihm in dieser Situation entkommt, wenn es ihm nicht gelingt, die Landefähre zur Landung zu zwingen. Das bewahrheitet sich auch.
Dass es eine weitere Chance gibt, seiner habhaft zu werden, kann er dagegen keineswegs wissen: Genauso gut hätte sich Klavtaud auf die SHADRUUS zurückziehen und das Lichfahne-System verlassen können, um in den Weiten Orpleyds zu verschwinden und dort das Operandum voranzutreiben.
Dass Rhodan eine weitere Möglichkeit nutzt, als sich diese dann ergibt, ist klar - er konnte diese Möglichkeit aber nicht herbeiführen.
Hydors Golem hat geschrieben:Jurukao hätte problemlos auch auf dem Rückweg sterben können, schließlich heißt Rückweg ja nicht, das man es bis zur Medostation schafft oder nicht noch etwas passiert. Das hätte Perry etwas besser darstehen lassen.
Ich glaube, der Punkt, auf den es hinausläuft, ist eine unterschiedliche Erzählhaltung. Ich sehe mich als tendenziell neutral: Protagonisten und Antagonisten handeln im Rahmen ihrer Möglichkeiten, und was dann geschieht, das geschieht. Beide erzielen ihre "Treffer".
Demgegenüber steht die Annahme eines Schutzengels, einer guten Fee oder eines Weltgesetzes, das die Protagonisten begleitet und dafür sorgt, dass gute Taten immer belohnt werden oder zumindest keine schlimmen Folgen haben. Das macht die "Winning Strategy" leicht durchschaubar und nimmt meines Erachtens eine Menge Spannung aus der Erzählung: Wer ein reines Herz hat und diesem folgt, wird glücklich sein bis an sein Lebensende und über die Bösen siegen.
Bei mir haben Entscheidungen ihren Preis. Rhodan muss abwägen, und er weiß, dass er jemandem Unrecht tun wird. Er kann nicht allen gerecht werden - ein Motiv, das schon in der griechischen Tragödie etabliert ist. Das erzeugt einen inneren Konflikt.
Hydors Golem hat geschrieben:Perry hätte die Zweitmechanikerin mit der Dakkarspanne retten können, schließlich geht es hier um seine wertvollsten Verbündeten.
Klar, das hätte er machen können.
Auch damit hätte er für's Erste den Plan aufgegeben, Klavtaud in die Hände zu bekommen und dadurch die für die gesamte Galaxis lebenswichtige Information erhalten zu können, wie sich die Entwicklung der Materiesenke stoppen lässt.
Eine Zweitmechanikerin gerettet ... Aberbilliarden Lebewesen geopfert ... inklusive der Zweitmechanikerin, die auch nicht rechtzeitig aus Orpleyd entkommen könnte, sollte es jetzt schnell gehen mit dem Operandum ...
Hydors Golem hat geschrieben:Er ist der Typ, der sich seine Uniformabzeichen abzieht, um die dritte Macht zu gründen und sich damit gegen seine "alte Truppe" wendet. Ich fand das war ein unglaublich starkes Bild. Gerade das hat ihn zu einer Figur gemacht, der weiter denkt und damit genau das Gegenteil von einem engstirnigen "Auftragausführer" ist.
Das Bild mit der Flagge finde ich auch sehr stark.
Ich halte es in beide Richtungen für konsistent. Man kann die Figur durchaus so entscheiden lassen, wie Du es vorschlägst.
Man kann aber auch einen anderen Pfad aufzeigen:
... Rhodan entscheidet sich nicht für sein "Team", seine Nation, sondern für das große Ganze
... für das maximale Glück für möglichst viele Individuen
... für das Überleben von Orpleyd
... für das Verhindern der Materiesenke
... für die Gefangennahme von Klavtaud
... da es um Aberbilliarden Leben geht, muss er jede Chance nutzen, und wenn sie noch so klein ist. Auch, wenn der Preis dafür sein eigenes Leben oder das Leben seiner Leute ist. Im Kampf kann man sterben, auch Jurukao wusste das.
Hydors Golem hat geschrieben:Ich habe nichts gegen wilde Schießereien in Romanen, aber die müssen für mich einen für mich nachvoll ziehbaren Hintergrund haben. Und wenn jemand stirb darf es nicht konstruiert aussehen, sondern sollte sich organisch aus der Situation entwicklen.
Da ist die Frage, wo man ansetzt.
Wenn man auf dem weißen Blatt beginnt, kann man sagen: "Jede Schießerei ist vermeidbar - der Autor hätte eine andere Geschichte erzählen können." Das ist richtig, und letztlich ist das eine Frage des Lesegeschmacks. Wir lesen PERRY RHODAN, weil wir der Science-Fiction als solcher generell nicht abgeneigt sind, etc.
Ein anderer Ansatz ist, zu prüfen, ob die geschilderte Entwicklung plausibel ist. Ich denke, in dieser Szene von Der Leidbringer ist sie es.
Rhodans Annahme, dass die Entstehung einer Materiesenke eine galaxisweite Katastrophe auslösen wird, ergibt sich aus seinen Erfahrungen.
Rhodans Annahme, Klavtaud wisse etwas über die Entstehung der Materiesenke in Orpleyd und habe Einfluss auf diesen Prozess, ergibt sich aus den Erkenntnissen im Vorgängerroman.
Sein Plan, Klavtaud in die Hände zu bekommen, um die Katastrophe zu verhindern, ist naheliegend, weil Klavtaud der Einzige ist, von dem er annehmen kann, dass er diese Macht hat (es wird auch andere geben, die aber nicht in Rhodans Reichweite sind).
Seine Wahrnehmung der knappen verbleibenden Zeit ergibt sich aus der Aussage "Das Operandum nähert sich der Vollendung" und dem Eintreffen der Sammler.
Es ist also Gefahr im Verzuge. Dadurch wird plausibel, dass Rhodan rasch handelt.
Für den Fall eines Fehlschlags muss er davon ausgehen, dass die maximal denkbare Katastrophe eintritt, die Materiesenke entsteht.
Um dies zu verhindern, sind Opfer gerechtfertigt.
Er instrumentalisiert die Tiuphoren, er gibt auch Jurukao auf. Hier hätte ich es übrigens sehr verwerflich gefunden, wenn er ausgerechnet Jurukao gerettet hätte, nachdem zuvor schon so viele Tiuphoren gefallen sind - das hätte nämlich bedeutet, dass ihm das Leben eines Tiuphoren, der für seine Sache kämpft, weniger wert gewesen wäre als das der Wuutuloxo ...
Summa summarum ist meine Wahrnehmung, dass sich Rhodans Handeln und Jurukaos Tod organisch aus der Situation entwickeln. Der Prozess scheint mir also Deinen Kriterien zu genügen - auch wenn das Resultat bei Dir nicht auf Wohlwollen stößt.

Was natürlich nicht heißt, dass der Roman jedem Leser gefallen muss - das wäre ja auch noch schöner. Selbstverständlich kann man den Roman auch schlecht finden.
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 5. Dezember 2016, 10:45

Für alle, die Ihre Meinung zu Unter allem Grund oder Der Leidbringer öffentlich äußern möchten, gibt es etwas zu gewinnen! :)
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von nanograinger » 5. Dezember 2016, 10:49

Arthur Dent hat geschrieben:... Er besinnt sich auf seine "dunklen" Wurzeln, um dem Bösen mit Bösem zu begegnen. Abgesehen davon, dass ein Mitglied der Kolonne, bzw. ein Nachfahr von Mitgliedern der Kolonne per es nicht unbedingt böse sein muss, hätte ich es besser gefunden, wenn der Angriff seinem terranischen Selbstbild gegolten hätte. Dem hätte er dann, weil er eben diese Entwicklung genommen hat, mit Macht entgegentreten können. So bleibt ein Klischee zurück. Böses kann nur mit Bösem beķämpft werden.
Ich habe das nicht so gelesen, und ich glaube, du hast den Text da etwas missverstanden.

Es ist nämlich nicht so, dass sich Leccore auf seine Wurzeln "besinnt" und daraufhin in der Lage ist, Pushaitis anzugreifen. Die Fähigkeit sich zu wehren wird im Text so begründet, dass Pushaitis einerseits abgelenkt ist durch den Anblick auf Leccores "Urgrund", seiner Existenz (um die Terminologie der Existentialisten zu gebrauchen) als Koda Aratier der Terminalen Kolonne TRAITOR (wobei weiterhin offenbleibt, was das genau bedeutet).
Andererseits kann Leccore nun von "innen" angreifen, weil sich Pushaitis sozusagen über ihn gestülpt hat (wird im Roman etwas anders ausgedrückt). Es ist also nicht das "Böse", dass du mit TRAITOR verbindest, das ihn zur Gegenwehr befähigt (und inwiefern Pushaitis das "Böse" ist, ist auch noch dahingestellt), sondern er nutzt die Gelegenheit innerhalb der Dynamik des Kampfes.
Arthur Dent hat geschrieben:...
Außerdem ist die Figur nun ambivalent. Leichter einsetzbar durch die Autoren, aber weniger nachvollziehbar durch die Leser.
Leccore ist von Anfang an ambivalent, jeder TLD-Chef ist für den Leser nicht "koscher". Das war bei Noviel Residor auch schon so, wenn auch auf einer anderen Ebene, und für Monkey gilt das ebenso.. Bei Leccore kam mit der Enthülling seiner Identität als Koda Aratier weitere Unsicherheit hinsichtlicht seiner Loyalität hinzu, die er aber bisher jedesmal unter Beweis stellte, vermutlich gerade weil er nicht nur jedem Anderen, sondern vor allem sich selbst immer wieder bestätigen muss, wo seine Loyalität liegt. Nun wird das wohl wieder in Frage gestellt werden, und ich würde mich nicht wundern, wenn er sich den Tiuphoren zuwenden würde. Mit diesem Roman wurde mir erstmals klar, dass ein Leben mit/innerhalb der Terminalen Kolonne doch viele Ähnlichkeiten mit der nomadischen Lebensform der archaischen Tiuphoren hat. Insofern wundert es mich immer weniger, warum er solche Affinität zur Figur des Orakels Paqar Taxmaqu hat.

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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von Arthur Dent » 5. Dezember 2016, 10:51

zephydia hat geschrieben: Nun, das sind genau die Art Probleme die durch die Entscheidung Perry Rhodan komplett im Mittelpunkt der Serie zu stellen und die anderen klasischen Charaktere zu parken oder komplett rauszuschreiben unweigerlich entstehen mussten: Perry Rhodan muss jetzt praktisch alle Rollen spielen, auch die, die ursprünglich für z. B. Atlan oder Ronald Tekener vorgesehen waren. Das man ihm mit Attilar Leccore einen Begleiter an die Seite stellt der nicht nur sein Äußeres sondern auch seine Persönlichkeit ständig wechseln kann, somit also immer genau diejenigen Charaktereigenschaften hat die jeweilige Autor gerade braucht, also eigentlich keine Hauptperson sondern bloß eine weiße Leinwand ist, verdeutlicht dieses Problem meiner Meinung nach noch stärker. Natürlich ist es für die Macher viel leichter eine Serie zu händeln die nur einen einzigen Helden in den Mittelpunkt stellt als wie in früheren Zyklen eine ganze Gruppe aus verschiedenen Dramatis Personae herumzuschleppen. Nur verliert die Serie (zumindest für mich) dabei etwas, das früher eine Menge zu ihrem Charme beitrug.
Ich verstehe, was Du meinst, sehe aber weder eine "Entscheidung" in der Serie Rhodan "komplett" in den Mittelpunkt zu stellen, noch die Gefahr, Rhodan müsse deswegen, weil andere Figuren wegfallen, weitere oder andere Rollen übernehmen. Es gibt eine Reihe von Figuren, die Häuptling nicht nur spielen kann, sondern es auch tut. Das nicht alle gleichzeitig auftreten können, ist eine gute Lösung. Sie hat sich bewährt.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Rhodan auch anders handeln darf, wenn denn dieser Wandel nicht überfallartig eintritt und die Wesensart, die sich ändert und ihn antreibt von langer Hand plausibel vorgetragen wird. Im vorliegenden Roman, das haben andere Foristen auch schon geschrieben, ist das Szenario der ersten Falle zu sehr an den Zielen orientiert worden, die der Autor im Blick hatte. Seine Figuren mussten zunächst scheitern. Dem wurden Figurenentscheidungen untergeordnet. Perrys Verhalten kam dadurch mehr als überraschend.

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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 5. Dezember 2016, 11:01

nanograinger hat geschrieben:Es ist nämlich nicht so, dass sich Leccore auf seine Wurzeln "besinnt" und daraufhin in der Lage ist, Pushaitis anzugreifen. Die Fähigkeit sich zu wehren wird im Text so begründet, dass Pushaitis einerseits abgelenkt ist durch den Anblick auf Leccores "Urgrund", seiner Existenz (um die Terminologie der Existentialisten zu gebrauchen) als Koda Aratier der Terminalen Kolonne TRAITOR (wobei weiterhin offenbleibt, was das genau bedeutet).
Andererseits kann Leccore nun von "innen" angreifen, weil sich Pushaitis sozusagen über ihn gestülpt hat (wird im Roman etwas anders ausgedrückt). Es ist also nicht das "Böse", dass du mit TRAITOR verbindest, das ihn zur Gegenwehr befähigt (und inwiefern Pushaitis das "Böse" ist, ist auch noch dahingestellt), sondern er nutzt die Gelegenheit innerhalb der Dynamik des Kampfes.
So ist es. :st:
nanograinger hat geschrieben:Bei Leccore kam mit der Enthülling seiner Identität als Koda Aratier weitere Unsicherheit hinsichtlicht seiner Loyalität hinzu, die er aber bisher jedesmal unter Beweis stellte, vermutlich gerade weil er nicht nur jedem Anderen, sondern vor allem sich selbst immer wieder bestätigen muss, wo seine Loyalität liegt.
Das ist für mich ein sehr interessanter Aspekt dieser Figur: Attilar Leccore misstraut sich selbst stärker, als andere Leute ihm misstrauen. Insbesondere Rhodan ist sich seiner Loyalität viel sicherer als Leccore selbst.
In meiner Zeit als Projektleiter habe ich auf Personalführungsschulungen auch die Theorie gelernt, dass man dadurch, dass man Leute so behandelt, als wären sie loyal, fleißig, motiviert, ... ebendiese Eigenschaften fördert. In vielen Situationen (leider nicht in allen ...) habe ich das auch bestätigt gefunden.
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 5. Dezember 2016, 11:10

zephydia hat geschrieben:Nun, das sind genau die Art Probleme die durch die Entscheidung Perry Rhodan komplett im Mittelpunkt der Serie zu stellen und die anderen klasischen Charaktere zu parken oder komplett rauszuschreiben unweigerlich entstehen mussten: Perry Rhodan muss jetzt praktisch alle Rollen spielen, auch die, die ursprünglich für z. B. Atlan oder Ronald Tekener vorgesehen waren.
Ich verstehe den Punkt.
Ich glaube nur nicht, dass Rhodan entgegen seiner Disposition handelt.
Machen wir einmal den Test und lassen ihn gegenteilig entscheiden:

- Er organisiert die Falle auf der Müllhalde, viele Tiuphoren sterben für seine (und letztlich die gemeinsame) Sache, Jurukao wird verletzt
- Er entscheidet sich, den Angriff auf die Landefähre abzubrechen - in dem Wissen oder zumindest der Annahme, damit die beste Chance aufzugeben, die gesamte Galaxis Orpleyd zu retten
- Nun verwendet er sein Geschick darauf, Jurukao eine medizinische Behandlung angedeihen zu lassen. Die tiuphorischen Opfer sind entweder egal oder werden nun auch versorgt

Seine Handlungsmaxime wäre also:
"Sobald jemand verletzt wird, mit dem ich befreundet bin, nehme ich den Untergang einer gesamten Galaxis in Kauf, um diesen Freund in die Medostation zu bringen."

Ich fände das heikel, auch und gerade für eine Figur, die seit Jahrtausenden ein Anführer ist und Erfahrung mit den katastrophalen Auswirkungen kosmischer Phänomene gesammelt hat.

Stattdessen handelt er nach der Maxime:
"Wenn Abermilliarden Leben auf dem Spiel stehen, müssen diese gerettet werden, auch wenn Einzelne beim Versuch sterben - auch dann, wenn ich selbst oder meine Freunde zu den Einzelnen gehören."
Das klingt für mich mehr nach einem verantwortungsbewussten Anführer. Er gibt seine moralischen Prinzipien nicht auf - er wendet sie an.
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von zephydia » 5. Dezember 2016, 11:28

Robert Corvus hat geschrieben:

Es sind auch viele Tiuphoren umgekommen. Das hat aber nicht die gewünschte Wirkung in der Wahrnehmung des Lesers: Er soll denken - okay, Jurukao ist tot ... eine Figur, die mich mehrere Hefte begleitet hat ... könnte der Autor als Steigerung im Sinn haben, Pey-Ceyan oder Leccore zu töten? Der Leser soll wissen: Hier steht niemand unter Naturschutz. Niemand überlebt, nur weil er zu den Guten gehört oder als Held eingeführt ist. Die Gefahr ist real, es kann jeden treffen - nicht nur unbenannte "Zähl-Figuren".
Ich gebe zu das ist natürlich ein altehrwürdiges Mittel zu Spannungserzeugung, allerdings eines dessen Klinge wenn zu oft benutzt sehr schnell stumpf werden kann... Wenn die Leser nämlich sich an die Denkweise gewöhnen JEDEN außer Perry himself automatisch als Redshirt zu betrachten besteht die Gefahr das sie sich emotional distanzieren was bei einer Open End Serie (anders als bei einer zielgerechteten Serie wie das dauernd als Beispiel genannte Game of Thrones) auf Dauer sehr schlecht für die Kundenbindung sein könnte.

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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 5. Dezember 2016, 12:15

zephydia hat geschrieben: Ich gebe zu das ist natürlich ein altehrwürdiges Mittel zu Spannungserzeugung, allerdings eines dessen Klinge wenn zu oft benutzt sehr schnell stumpf werden kann... Wenn die Leser nämlich sich an die Denkweise gewöhnen JEDEN außer Perry himself automatisch als Redshirt zu betrachten besteht die Gefahr das sie sich emotional distanzieren was bei einer Open End Serie (anders als bei einer zielgerechteten Serie wie das dauernd als Beispiel genannte Game of Thrones) auf Dauer sehr schlecht für die Kundenbindung sein könnte.
Da ist etwas dran. Jedes Ding ist ein Gift, wenn im Übermaß gebraucht ...
Ein anderer Aspekt ist, glaube ich, dass es einer "auserzählten" Figur nicht gut tut, sie endlos mitzuschleppen. Getretner Quark wird breit, nicht stark. Da ist ein würdiger Abgang die bessere Lösung, und auch das kann - muss aber nicht - ein dramatischer Tod sein.
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von zephydia » 5. Dezember 2016, 12:20

Robert Corvus hat geschrieben: Ich verstehe den Punkt.
Ich glaube nur nicht, dass Rhodan entgegen seiner Disposition handelt.
Machen wir einmal den Test und lassen ihn gegenteilig entscheiden:

- Er organisiert die Falle auf der Müllhalde, viele Tiuphoren sterben für seine (und letztlich die gemeinsame) Sache, Jurukao wird verletzt
- Er entscheidet sich, den Angriff auf die Landefähre abzubrechen - in dem Wissen oder zumindest der Annahme, damit die beste Chance aufzugeben, die gesamte Galaxis Orpleyd zu retten
- Nun verwendet er sein Geschick darauf, Jurukao eine medizinische Behandlung angedeihen zu lassen. Die tiuphorischen Opfer sind entweder egal oder werden nun auch versorgt

Seine Handlungsmaxime wäre also:
"Sobald jemand verletzt wird, mit dem ich befreundet bin, nehme ich den Untergang einer gesamten Galaxis in Kauf, um diesen Freund in die Medostation zu bringen."

Ich fände das heikel, auch und gerade für eine Figur, die seit Jahrtausenden ein Anführer ist und Erfahrung mit den katastrophalen Auswirkungen kosmischer Phänomene gesammelt hat.

Stattdessen handelt er nach der Maxime:
"Wenn Abermilliarden Leben auf dem Spiel stehen, müssen diese gerettet werden, auch wenn Einzelne beim Versuch sterben - auch dann, wenn ich selbst oder meine Freunde zu den Einzelnen gehören."
Das klingt für mich mehr nach einem verantwortungsbewussten Anführer. Er gibt seine moralischen Prinzipien nicht auf - er wendet sie an.
Wenn man es so sieht hast Du recht. Der Punkt ist nur wie weit will man den "Realismus" in einer an sich komplett irrrealen Serie wie Perry Rhodan treiben. Ein gutes Beispiel ist der Unterschied zwischen den Filmen des Marvelverse und denen des DCverse. Bei Marvel hat man ein sehr optimistisches Weltbild in dem die Helden es normalerweise gelingt den Verlust an Leben relativ gering zu halten. Und dies ist für sie auch wichtiges Ziel ( Ein Beispiel der erste Avengers Film - wo die der Zweck heiligt die Mittel Taktik des Millitärs Atomwaffen auf New York abzuschießen um die Invasion zu stoppen selbst von Nick Fury
abgelehnt wurde).
Auf der anderen Seite haben wir DC wo die "Helden" in den neueren Filmen praktisch ohne Rücksicht auf mögliche Opfer agieren.
Man muss nun fragen welchen Weg die PR Serie gehen will...

Wenn ich über den Titel "Der Leidbringer" nachdenke der sich ja auf Perry Rhodan selbst bezieht, frage ich mich wie wohl das Endgame dieses Zyklus aussehen wird... Vielleicht so: Es gelingt zu verhindern das Orpleyd zu einer Materiesenke wird aber der Preis ist das alles Leben darin vernichtet wird? Mit anderen Worten das Perry zwar nominell gewinnt aber letztlich nichts ändern kann...

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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 5. Dezember 2016, 12:33

zephydia hat geschrieben:Wenn ich über den Titel "Der Leidbringer" nachdenke der sich ja auf Perry Rhodan selbst bezieht, frage ich mich wie wohl das Endgame dieses Zyklus aussehen wird... Vielleicht so: Es gelingt zu verhindern das Orpleyd zu einer Materiesenke wird aber der Preis ist das alles Leben darin vernichtet wird? Mit anderen Worten das Perry zwar nominell gewinnt aber letztlich nichts ändern kann...
Ich kenne den weiteren Verlauf des Zyklusses nur rudimentär, in Schlaglichtern, die notwendig waren, um meinen Beitrag zu schreiben. Allein die Möglichkeit, dass es in der Serie denkbar ist, dass es zu einem solchen Zyklusende kommt, finde ich aber schon spannungsfördernd. Wenn es einen Pakt auf der Autor-Leser-Ebene gibt, dass nichts wirklich Schlimmes passiert, reduziert das notwendigerweise die Fallhöhe und damit auch die Spannung.
Du hast aber völlig recht, es ist grundsätzlich nichts Schlechtes an spannungsärmeren Geschichten. Es gibt nachgewiesenermaßen ein großes Interesse an Lektüre, bei der Leserin und Leser wissen, dass ihnen nichts Schlimmes zugemutet wird. Es ist nur die Frage, was man schreiben oder lesen möchte. Für mich ist Science-Fiction Abenteuerliteratur, und Gefahr - mithin: die Möglichkeit, dass Schreckliches geschieht - ist ein wesentlicher Bestandteil des Abenteuers.
Kritisch, weil unglaubwürdig, fände ich es in dem Moment, in dem die Protagonisten so handeln, als hätten sie Einblick in den Autor-Leser-Pakt. Sprich: Wenn Rhodan Jurukao rettet und Klavtaud entkommen lässt, weil er weiß, dass er der Titelheld einer Romanserie ist, in der immer das Gute siegt, und er deswegen auf jeden Fall am Ende die Galaxis retten wird, egal, wie viele Chancen er sich entgehen lässt. Da müsste dann meines Erachtens eine andere Begründung her, wieso er sich so entscheidet (ansonsten erschiene er verantwortungslos), oder die Autoren dürften es gar nicht erst zu Situationen kommen lassen, in denen sich die Figur in solchen Konflikten wiederfindet.
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von zephydia » 5. Dezember 2016, 12:49

Robert Corvus hat geschrieben: Da ist etwas dran. Jedes Ding ist ein Gift, wenn im Übermaß gebraucht ...
Ein anderer Aspekt ist, glaube ich, dass es einer "auserzählten" Figur nicht gut tut, sie endlos mitzuschleppen. Getretner Quark wird breit, nicht stark. Da ist ein würdiger Abgang die bessere Lösung, und auch das kann - muss aber nicht - ein dramatischer Tod sein.
Nun, den Begriff "auserzählt" hört man aus den Reihen der PR-Macher in letzter Zeit sehr oft. Und es sind ja auch eine ganze Menge Hauptfiguren weggefallen (wenn man die Dauerparker mitzählt eigentlich jeder außer Perry und Gucky). Nur was bleibt dann am Ende von der Serie dann übrig? Ein Name? Ein Markenzeichen das mit beliebigen Inhalten gefüllt wird?

Nebenbei wieso war Jurukao "auserzählt"? Sie war ja gerade erst in die Handlung eingeführt worden. Der Ärger über ihren Tod hat wohl auch damit zu tun das es in der Serie z. Z. nur sehr wenige Figuren mit ausgeprägten Persönlichkeiten gibt. Da war sie eine seltene Ausnahme.

Wobei ich jetzt noch hinzufügen muss das mir völlig klar ist das Du mit den Entscheidungen die den Zyklusverlauf betreffen wahrscheinlich nur wenig zu tun hast. Was ich hier schreibe ist also zu großen Teile KEINE Kritik an Dir ( Deine Romane gefallen mir zu großen Teilen gut) sondern an bestimmten Trends in der Serie.

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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von Robert Corvus » 5. Dezember 2016, 13:22

Zu Jurukao wäre zu sagen, dass sie im Exposé nur ein Name in der Besatzungsliste war. Der einzige Wuutuloxo an Bord der ODYSSEUS, der nach Exposé-Stand in der Handlung wahrnehmbar aufgetreten ist, war Duxaluk. Jurukao wurde ursprünglich von mir aufgebaut.
Während des Schreibprozesses standen Leo Lukas und ich im Kontakt. Leo fand Jurukao ganz nett und hat sie dann schon bei sich eingebaut, deswegen handelt sie bereits in 2883 aktiv, und die Anrede "Kindchen" für Pey-Ceyan ist eine Idee von Leo, die ich dann bei mir übernommen habe.
Worauf ich hinaus will: Sowohl Jurukaos Eingreifen in die Handlung als auch ihr Tod waren meine Entscheidung. Im Exposé spielte sie praktisch keine Rolle, dort war nur der Name aufgeführt. Von daher war auch nie geplant, sie in der weiteren Serienhandlung zu verwenden.
Das schließt nicht aus, dass Kolleginnen und Kollegen sie aufgegriffen hätten. Wahrscheinlicher ist aber, dass man sie schlicht nicht mehr erwähnt oder nur noch durch den Bildhintergrund hätte laufen lassen. Bei dieser Alternative ist mir für die von mir kreierte Figur lieber, dass die Leser sie liebgewonnen haben und auch ihr Ende eine Weile in Erinnerung behalten werden.
:wub:
Eine andere solche Figur ist Mixandrac. Dessen dramaturgische Funktion bestand schlicht darin, die Kultur der Tiu-Tiuphoren samt Kalyptischem Katalog vorzustellen. Er ist mit dem einfachen Absetzen an seinem Zielort wesentlich unspektakulärer aus der Handlung ausgeschieden. Angenommen, dass er auch später nicht mehr auftaucht, empfinde ich aus Autorenperspektive diese Möglichkeit des Ausscheidens aus der Serie als wesentlich unbefriedigender im Vergleich zu Jurukaos Tod in der Schlacht - am Ende bis zu einem gewissen Grade auch verlassen von dem Anführer, dem sie vertraut hat, aber in Gesellschaft mit Pey-Ceyan, in der sie eine Freundin gefunden hatte.
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Re: Spoiler 2885: Der Leidbringer, von Robert Corvus

Beitrag von PJoppen » 5. Dezember 2016, 14:20

Mein subjektives Empfinden beim lesen war: Chaos. Ich wusste erst garnicht was da los ist und konnte mich auch sonnst schwer in die Handlung einfühlen.

Beim weiteren Lesen habe ich mich immer dabei ertappt wie ich nach dem Namen des Autors geschielt habe.. konnte es nicht recht glauben das es der selbe wie vom Vorgänger war/ist.

Die Beweggründe Perrys konnte ich nicht nachvollziehen. Aber das war nicht nur bei ihm der Fall.. die Handlung aller Protagonisten konnten in meinen Augen nicht überzeugen.

Mich hinterlässt der Roman verwirrt.
aktueller Status der EA: Bild .. Die Dekonstruktion des Blues schreitet voran...

.. die IT .. schläft nie.., weshalb ich mehr als oft nicht Antworte. Keine Absicht und ich entschuldige mich schon mal prophylaktisch..

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