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Re: Der SF Worldcon, Hugo und Retro Hugo Thread

Beitragvon idaho » 29. September 2016, 19:55

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idaho
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Ja, zu hoffen wäre es, es gibt so viele tolle Bücher, die nicht mehr übersetzt werden (obwohl von den Hugo-prämierten Romanen des Vorjahres immerhin die ersten vier auf deutsch erschienen sind oder demnächst erscheinen werden. Aber das ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs).

Mit dem Tor-Portfolio gibt es jedenfalls eine Goldgrube an interessanten Titeln "von Übersee", die durch spannende "eingeborene" Autoren ergänzt werden. Was den Schwung angeht: Das wird nach meiner Einschätzung von der Präsenz im Buchhandel abhängen, nicht umsonst kämpft ja auch PR mit Zähnen und Klauen (sprich: Platineditionen und Silberbänden) um langfristige Anwesenheit vor Ort. Solange (SF-)Bücher, vor allem Einzeltitel, kaum mehr Halbwertszeit im Regal haben als eine Packung Milch und damit schon wieder aussortiert sind, bevor man überhaupt auf sie aufmerksam werden kann, sehe ich das -leider- pessimistisch. Aber womöglich ist die Strategie von Fischer-Tor und Heyne, zu den Büchern auch eine gut gepflegte Homepage mit Magazin + Features anzubieten, ja genau die notwendige Strategie, um die schwindende vor-Ort-Präsenz durch Online-Anwesenheit auszugleichen.
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idaho
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Breaking News ( :D Das wollte ich immer schon mal schreiben): Im kommenden Jahr besteht die Chance, dass die Perry Rhodan Serie einen "echten" Hugo gewinnt.

Zur Erklärung: Die Ausrichter des Worldcon im nächsten Jahr (in Helsinki, Finnland) haben sich entschieden, zusätzlich einen Hugo in der Kategorie Serie zu vergeben. Und für diese Kategorie kommt u.a. die Perry Rhodan Lemuria Taschenbuchreihe in Frage, die "drüben" in englischer Übersetzung in eBook-Form erschienen ist. Die Konkurrenz ist natürlich groß, aber wenn man irgendwie durch die Vorrunde kommt, wer weiß ... . Jedenfalls ist mit Lemuria sicher die beliebteste TB-Reihe am Start, die PR zu bieten hat.
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Hugo Awards 2017

Beitragvon idaho » 9. Januar 2017, 22:19

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idaho
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Und schon ist es wieder soweit: Die Nominierungsphase für die beste SF/Fantasy des Jahres 2016 hat begonnen. Das heißt: Die Aufzeichnungen für das vergangene Lesejahr 'rauskramen (bzw. die entsprechende Dateien aufrufen), noch schnell den Lesestoff nachholen, der im letzten Jahr trotz aller guten Vorsätze liegen geblieben ist und schon mal schauen, was die geschätzten Mit-Mitglieder des Weltcons so alles auf dem Zettel stehen haben. Btw und zur Erinnerung: Der SF-Weltcon findet dieses Jahr in Helsinki, Finnland statt. Wer vom 09. bis zum 13. August noch ein Loch im Kalender hat, wäre dort sicher gut aufgehoben. Sollte aber vorher noch ein paar Taler verdienen, die Hotelpreise in Helsinki sind gesalzen, mein lieber Schwan :D

Anyway: Bei den Romanen zeichnen sich für mich zwei frühe Favoriten in Sachen Nominierung ab: Becky Chambers "A closed and common Orbit" ist der zweite Teil ihrer Wayfarer-Reihe. Der erste Band ist unter dem Titel "Der lange Weg zu einem kleinen zorningen Planeten" Ende Oktober bei Fischer-Tor auf deutsch erschienen. Inhaltlich erinnert der mich sehr an TV-Serien wie Firefly, eine sehr familiäre Crew, von der jedes Mitglied so seine Geheimnisse hat. Der zweite Band ist deutlich anders, erwachsener und auch keine direkte Fortsetzung, aber wahrscheinlich besser als Teil 1. Ohne zuviel zu verraten, schildert das Buch die weiteren Erlebnisse von zwei Besatzungsmitgliedern, nachdem sie das Schiff verlassen haben.

Der andere Roman, der häufiger als Nominierungsvorschlag genannt wird, ist Charlie Jane Anders "All the Birds in the Sky". Und, wie der Zufall oder die gelungene Planung es so will, ist auch dieser Band bei Fischer-Tor vorgesehen. Ab dem 23. März soll der hierzulande zu haben sein. Zum Lesen für die Nominierung ist das aber leider etwas zu spät, die Frist endet eine Woche früher. Die Verlagswerbung sagt: ›Alle Vögel unter dem Himmel‹ von Charlie Jane Anders ist vieles: ein magischer Science-Fiction-Roman, eine unvergessliche Liebesgeschichte zwischen einer Hexe und einem Nerd – und eine feinsinnige Bestandsaufnahme des modernen Lebens.

Bei den Novellen habe ich persönlich einen klaren Liebling und wäre "not amused", wenn er es nicht zumindest in die Vorauswahl schafft. Der Einfachheit halber kopiere ich mal meinen Text vom Nachbarforum hier rein:

Bei den Tor-Novellas ist im April "Every Heart a Doorway" von Seanan McGuire erschienen.
Bild
Hab' ich als Hörbuch exzellent, weil sehr ruhig, vorgetragen von Cynthia Hopkins genossen. Für mich eine der besten Novellas des Jahres. Zum Inhalt (Spoilerwarnung):

Von jeher sind Kinder/Jugendliche durch magische Portale in fantastische Welten gelangt (think Alice, Narnia etc.), meistens freiwillig, manchmal auch nicht. Dort waren sie Prinzen, Weltenretter, Superwissenschaftler, erlebten ein Abenteuer nach dem anderen. Wenn diese Kinder gezwungen werden, ihre jeweiligen Welten wieder zu verlassen und in unsere Realität zurückzukehren, bricht für sie im wahrsten Sinne des Wortes ihre Welt zusammen, denn für die allermeisten ist das ein Weg ohne Wiederkehr, öffnet sich das Tor in eine andere Welt nur ein einziges Mal in ihrem Leben. Im Internat von Miss West wird versucht, solcherart traumatisierten Kindern/Jugendlichen beizubringen, wieder ein normales Leben zu führen, obwohl die Kinder nur eines wollen: In ihre Traumwelt zurückkehren.

Neuankömmling Nancy ist von vorneherein Außenseiter, weil sie in der Welt des Lord of the Dead gelebt hat. Rückkehrer aus Unter- bzw. Totenwelten kommen so gut wie nie vor und ihre "people skills" sind idR auch eher schwach ausgeprägt, weil in Totenwelten nicht gefragt. Dennoch findet Nancy Freunde. Da passiert ein Mord ...

Seanan McGuire erzählt wunderbar einfühlsam von dem Verlust, dem Gefühl des ohne eigene Schuld verstoßen worden zu sein, der Sehnsucht, an den Ort zurückzukehren, der für die Kinder viel mehr Heimat geworden ist als die eigene Familie. Sie entwickelt einen spannenden Cast und verschafft ihren einzelnenen Darstellern Charakter und jeweils eigene Motive. Sie erfindet diverse, manchmal recht verrückte Traumwelten und scheut auch nicht davor zurück, Hauptcharaktere über die Klinge springen zu lassen. Ein Stück weit wirkt das Internat wie eine Mischung von Monster High und Buffy, allerdings auf einem deutlich depressiveren Level. Der Unterton der Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und von trotzigem Optimismus wirkt einfach.

So weit die erste Wasserstandsmeldung in Sachen Hugo 2017. Fortsetzung folgt.
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idaho
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So, Halbzeit im Superbowl. Bevor dann gleich Lady Gaga die Halbzeitshow einleitet, schnell noch einen Link posten. :D

Auch dieses Jahr werden wieder die besten Künstler des Jahres ausgezeichnet. Wie schon im Vorjahr, haben die Macher der Rezensionsseite Rocket Stack Ranks wieder zahlreiche Cover des vergangenen Jahres zusammengestellt. Der Link führt zur Thumbnail-Seite, die dortigen Cover sind anklickbar und erscheinen dann "in groß". Vorbildlich. Feast your Eyes and enjoy.

http://www.rocketstackrank.com/2017/01/ ... tists.html
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Wähend die Frist für das Absenden des Hugo-Wahlzettels gerade abgelaufen ist, wurden anderswo schon die ersten Shortlists bekanntgegeben. Und natürlich spickt man da mal 'rüber, um zu schauen, ob es Übereinstimmungen mit der eigenen Auswahl gibt. Für den US-amerikanischen Bereich ist nach dem Hugo zweifellos der Nebula-Award die wichtigste Auszeichung. Im Gegensatz zum Publikumspreis Hugo stimmen hier die Profis ab, sofern sie Mitglied der Science Fiction and Fantasy Writers of America sind. Wer als Profi gilt, ist in den Statuten genau geregelt, man muss z.B. drei oder mehr bezahlte Kurzgeschichten von zusammen mindestens 10.000 Worten veröffentlicht haben, wobei auch die (Mindest)Bezahlung festgelegt ist (z. Zt. 6 Cent pro Wort) oder einen Roman von mindestens 40.000 Worten (Mindestbezahlung: 3.000 Dollar), usw. usf.
Bild
Anyway: Nebula Awards. Die Nominierungen in der Kategorie Roman sind:

Charlie Jane Anders: All the Birds in the Sky (soll pünktlich zur Leipziger Buchmesse in deutscher Übersetzung vorliegen, leider der einzige Titel, für den nach aktuellem Stand eine Übertsetzung geplant ist)
Mishell Baker: Borderline
N.K. Jemisin: The Obelisk Gate
Yoon Ha Lee: Ninefox Gambit
Nisi Shawl: Everfair

Drei der fünf Romane sind Erstligswerke (Anders, Baker und Lee), Obelisk Gate ist der Mittelband einer Trilogie. Borderline fand ich klasse, Obelisk Gate erwachsener und nicht mehr ganz so fantasylastig wie den Vorgänger. Ninefox Gambit ist deutlich anspruchsvoll. Auf der Fanseite File 770 haben inzwischen etliche Hugo-Wähler ihre Nominierungs-Stimmzettel veröffentlicht, und Ninefox Gambit taucht sehr häufig auf. Sollte mich nicht wundern, wenn der Roman auch in der Hugo-Endauswahl landet. Everfair hab' ich bislang noch nicht gelesen, ein Rezensent auf Amazon beschreibt ihn als epischen post-victorianischen Afro-Steampunk. Na denn. Wer sich die Wahlzettel mal ansehen möchte: Hier gehts lang http://file770.com/?p=33861


Ich spar' es mir, sämtlche nominierten Kurzgeschichten aufzulisten - die komplete Liste findet sich hier http://nebulas.sfwa.org/sfwa-announces- ... -nominees/ , stattdessen einige (wenige - versprochen :P ) Anmerkungen:

Bei den Novellas ist u.a. "Every Heart a Doorway" von Seanan McGuire nominiert. Yay! Ansonsten sind fünf von den sechs Geschichten beim Verlag Tor erschienen. Tor macht sich seit einigen Jahren um das Wiedererstarken der Novellen verdient und veröffentlicht fließig eine nach der anderen aus allen möglichen Bereichen der Fantastik, manchmal sogar Science Fiction :rolleyes: . Im Zeitalter der Türstopper-Lektüre ist das ein sehr angenehmer Trend, zudem sind die Novellen für einen eBook-Leser wie mich nahezu perfekt.

In der Kategorie mittellang sind sechs Geschichten aus fünf verschiedenen Magazinen am Start. "Sooner or later everything falls into the sea" von Sarah Pinsker aus dem Lightspeed Magazine 69 (online hier http://www.lightspeedmagazine.com/ficti ... o-the-sea/ zu lesen) gehört auch zu meinen Jahreshighlights. Die Geschichte spielt nach einer Apokalypse, die Reichen und Mächtigen haben sich auf luxuriöse Kreuzfahrtschiffe gerettet und cruisen seitdem über die Weltmeere, während der Rest der Welt versucht, wieder auf die Beine zu kommen. Zwei Bewohnerinenn dieser verschiedenen Gesellschaften begegnen sich und wie sie sich zusammenraufen, ist klasse erzählt.

Bei den "kurzen" Kurzgeschichten (sieben Titel aus sieben verschiedenen Magazinen) gibt es unter anderem eine Geschichte mit dem Bandwurmtitel "Welcome to the Medical Clinic at the Interplanetary Relay Station│Hours Since the Last Patient Death: 0” von Caroline M. Yoachim. Die Rollenspieler unter uns werden wohl mal den Begriff Soloabenteuer gehört haben. Das sind Abenteuergeschichten, bei denen die eigenen Entscheidungen den Fortgang der Geschichte beeinflussen. Entscheidet man sich für Möglichkeit A, blättert man zu Seite X und setzt von dort aus die Geschichte fort. Entscheidet man sich für Möglichkeit B, blättert man zu Y , die Geschichte geht auf andere Weise weiter. Genau so ist Medical Clinic aufgebaut. Und, da die Autorin böse, grausam und sadistisch ist, hat der Leser seine liebe Mühe und Not, seine Handlungsfigur am Leben zu erhalten :D Die Geschichte macht einfach Spass. Auch diese kann man online lesen: http://www.lightspeedmagazine.com/ficti ... y-station/

Überhaupt: Lesen. Von Dimpleheimer hat sich die Mühe gemacht, in einem eBook alle Kurzgeschichten aufzulisten, die dieses Jahr auf den diversen Auswahllisten stehen oder in den Best-of-Anthologien veröffentlicht werden. Und viele dieser Geschichten können für umsonst im Netz gelesen werden, die entsprechenden Links sind in besagtem eBook vorhanden. Lesefutter für zahlreiche Stunden, klasse gemacht. Vielen Dank. Link A führt direkt zum ePub-Download, Link B ist der für die Kindle-Nutzer:

https://drive.google.com/file/d/0B2Q8-0 ... VFSFk/view
https://drive.google.com/file/d/0B2Q8-0 ... F6SDA/view

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