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„Lagune“ von Nnedi Okorafor

Beitragvon HOT » 10. Oktober 2017, 10:43

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HOT
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Auch wenn „Lagune“ der US-nigerianischen Autorin Nnedi Okorafor schon im Oktober 2016 herausgekommen ist und im April dieses Jahres Klaus eine Rezension darüber geschrieben hat, darüber hier im Forum berichtete, die aber anscheinend nicht mehr im Netz verfügbar ist, möchte ich kurz auf diesen beeindruckenden Sci-Fi-Roman hinweisen. Denn aufgrund eines Tipps von GruftiHH habe ich ihn grade eben gelesen.

Was so altbekannt klingt – Außerirdische kommen in der Nähe einer Großstadt auf die Erde und konfrontieren die Menschen mit ihrer Anwesenheit – wurde von der Autorin hervorragend neu umgesetzt. Das Neue daran ist einfach die Tatsache, dass die Großstadt nicht z.B. New York ist, die menschliche Gesellschaft nicht die allzu bekannte „westliche“ ist, sondern es sind Lagos und Nigeria.

Afrika und Science Fiction – außer vielleicht „District 9“? Für die meisten Leser in Deutschland ist Afrika sicherlich nicht so sehr im Focus des Interesses, wird nur mit Armut oder Rückständigkeit identifiziert und die Kenntnis der nigerianischen Gesellschaft wird nicht sehr verbreitet sein. Vielleicht reicht es aber auch schon, wenn man sich einfach mal vorurteilsfrei darauf einlässt. Wenn man das wagt, dann wird man eine hochkreative Autorin kennen lernen, die Gestaltwandler, Mutanten, Raumschiffe und die Reaktion der Menschen darauf neu definiert!

Das Spannende daran ist der Blick in die nigerianische Gesellschaft: Negative Seiten wie brutale Militärs, korrupte Politiker und kaputte Straßen werden genauso thematisiert, wie der Gegensatz zwischen der Reaktion religiöser Eiferer und einer der Hauptpersonen, einer Meeresbiologin. Vielleicht kann man sich noch Nigerianer vorstellen, die an Hexerei glauben – durchaus auch thematisiert - , aber dass sich jede Information rasend schnell verbreitet, weil jeder ein Smartphone hat und auch Transgender ein Teil der Subkultur der brodelnden Metropole Lagos sind, auf die sich die Ankunft von Außerirdischen auswirken kann, mag nicht sofort in den Sinn kommen. Die Autorin schafft es durch unterschiedliche Perspektiven von Protagonisten eben dieser verschiedenen Bevölkerungsschichten einen unglaublich abwechslungsreichen Roman zu gestalten.

Als jemand, der beruflich mit Afrika zu tun hat und jüngeren nigerianische Autoren wie Chimamanda Ngozi Adichie und nicht nur den Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka gelesen hat, kann ich nur sagen, dass Nnedi Okorafor voll ins pralle afrikanische Leben greift. Der mutige Leser wird also mit einer hochspannenden Sci-Fi-Geschichte, die meiner Meinung nach viele Fantasy-Elemente enthält und sicherlich auch aus den traditionellen Geschichten der Igbo und Yoruba schöpft, belohnt.

„Lagune“ von Nnedi Okorafor

Erschienen am 11.10.2016 bei Cross Cult

http://www.cross-cult.de/titel/lagune.html

Re: „Lagune“ von Nnedi Okorafor

Beitragvon HOT » 14. Oktober 2017, 10:14

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Die Autorin in übrigends auf der Buchmesse in Frankfurt:

http://enpunkt.blogspot.de/2017/10/wie- ... ierte.html

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