Kabarett etc.

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Kabarett etc.

Beitragvon Mi.Go » 31. Juli 2012, 15:00

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Mi.Go
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Ottfried Fischer hört auf
31.07.2012, 11:39

Ottfried Fischer verabschiedet sich aus der Kabarettszene.
Nach 17 Jahren und 170 Folgen hört der bekannte bayerische Kabarettist mit seiner Show "Ottis Schlachthof" auf.
Der Grund ist seine Parkinson-Erkrankung.
...

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/aus ... -1.1427245

:ciao:
Todeskandidat: "Ich glaube nicht an die abschreckende Wirkung der Todesstrafe"
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Re: Kabarett etc.

Beitragvon Slartibartfast » 31. Juli 2012, 19:23

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Seufz. In den letzten Monaten hatte ich den Eindruck, dass er von der Mimik her immer mehr erstarrte, vielleicht wegen stärkerer Medikamente. :unsure:

Als Sir Quickly war er der Beste! :D

Re: Kabarett etc.

Beitragvon Mi.Go » 31. Juli 2012, 19:24

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Slartibartfast hat geschrieben:Als Sir Quickly war er der Beste! :D

:st:
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Re: Kabarett etc.

Beitragvon Regulus » 31. Juli 2012, 19:25

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Regulus
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Mir hat er als Bulle von Tölz am besten gefallen.

Vor allem in den älteren Folgen, als er noch Mimik hatte.

Re: Kabarett etc.

Beitragvon hawaklar » 31. Juli 2012, 22:39

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Deshalb wurde anscheinend Michi Altinger in den letzten Monaten als Dauergast und Co-Moderator eingesetzt. Der wurde wohl als Nachfolger auserkoren.

Ich finde es schade, wenn sich Otti komplett aus der Kabarett-Szene zurück ziehen sollte. Er hat einen brillianten Verstand und war auch mit seiner Krankheit fähig, außergewöhnliches und zum Nachdenken anregendes Kabarett zu machen.

Sein Programm Wo meine Sonne scheint gehört für mich neben Thomas Bernhard hätte geschossen von Georg Schramm zum allerbesten, was es im deutschen Kabarett gibt. Beide Sendungen haben einen Ehrenplatz auf meiner Festplatte und ich hoffe, dass es mein HDD-Receiver noch lange macht (der ist nämlich so alt, da gibt es noch keine Möglichkeit Sendungen herunter zu kopieren).

Ich bin mal so frei und kopiere zwei Beiträge vom 15. 7. 2009 von mir über Otties Programm aus dem alten Forum hier her:

Am vergangenen Freitag, von 22:30 bis 23:30 Uhr, kam im Bayerischen Fernsehen das aktuelle Programm von Ottfried Fischer mit dem Titel "Wo meine Sonne scheint".

Bisher habe ich von Otti nur ein Programm gesehen, da ging es um einen missratenen Opernbesuch in Verona. Damals war mir sein Beitrag zu Klamaukhaft oder besser gesagt comedylastig. Am Freitag habe ich es mir eigentlich nur aufgezeichnet, weil ich einmal sehen wollte, inwieweit er durch seine Krankheit beeinträchtigt ist. In Ottis Schlachthof, kommt er mir zunehmend so vor, als würde er nur noch Sprechblasen absondern und die stark übertriebene Parodie Fischers durch Helmut Schleich beim Schlachthof-Stammtisch in der letzten Woche wirkte beängstigend echt auf mich.

Wie gesagt, ich habe mir nichts großartiges erwartet, als ich mir das Programm heute morgen beim Bügeln ansah, aber Ottfried Fischer brannte ein Feuerwerk an Pointen und tiefgründigen Texten ab, so dass ich öfter mal das Bügeleisen bei Seite stellte, die Aufnahme zurückspulte (wie nennt man das eigentlich bei einem HDD-Recorder?) und mir einzelne Textpassagen nochmal anhörte.

Das Programm drehte sich um Heimat im Allgemeinen und um Flucht und Vertreibung im Speziellen, es wurde die Vertreibung aus dem Paradies ebenso abgehandelt, wie die Steuerflucht einzelner wohlhabender Mitbürger, es wurde die Schnäppchen-Mentalität (was habe ich da gelacht) beim Autokauf via Internet beleuchtet, aber auch auf Verbindungen von Platos Höhlengleichnis zur volkstümlichen Musik hingewiesen. Die Grünen bekamen ebenso ihr Fett weg, wie die CSU und ein Statement von FJS durfte natürlich auch nicht fehlen. Kurz vor dem Ende des Programms wurde er dann sehr nachdenklich und beinahe besinnlich. Da gab er ein Bekenntnis zur Heimat ab, dem ich mich gerne anschließe (Mir standen und stehen jetzt beim Schreiben die Tränen in den Augen).

Kurz und gut, Ottfried Fischer war so gut, wie ich ihn noch nie gesehen habe, er wirkte sehr präsent und schlagfertig* und war überhaupt nicht so bräsig, wie ich ihn in letzter Zeit oft erlebt habe. Dabei brannte er ein Feuerwerk von politischen Pointen ab, wie ich es lange nicht mehr gehört habe. Das war mit Abstand das beste poöitische Kabarettprogramm, das ich in den vergangenen 12 Monaten gehört habe, trotz Priols Jahresrückblick, Pispers, Pelzig & Co.


' Das einzige, was auf seine Parkinson-Erkrankung hingewiesen hat, waren ab und zu kleine Pausen in seinem Redefluss an Stellen, wo man sie nicht erwartet hat.


Ich habe mir mal die Mühe gemacht und seine Thesen vom Vortrag in die Tastatur getippt. Es waren nur 4 Minuten Text. Aber 4 Minuten Text, ohne Unterbrechung durch Gelächter, das ist ganz schön lange. Hier kommt meine Mitschrift:

ZITAT
Wenn der Wind des bayerischen Waldes mir hochsommerlich Fetzen von Blasmusi herüber trägt, dann erwacht in mir die Heimat meiner Kindheit – ein warmes wohltuendes Gefühl, aber auch Ängste und Zwänge und fragwürdige Notwendigkeiten. Aber auch das Gefühl daheim zu sein und verstanden zu werden. Dahoam ist wirklich dehoam, Das ist eigentlich zu schade für eine tägliche Soap.


Ottis Thesen zur Heimat:

1, Durch Patriotismus wird Heimat zum politischen Vaterland und verliert oft dadurch die Unschuld.

2. Palästina und Kurdistan zeigen uns die Gefahren einer Gesellschaft ohne Heimat.

3. Globalisierung - Heimat des Kapitals. Mit den Aktien steigen die Arbeitslosenzahlen und es bildet sich ein neues Proletariat und verschafft den Globalisierungsgewinnlern eine neue Heimat – einen Schutzkokon hochsicherheitstrakthafter Verwahrung.

4. Wir müssen die Menschen in Europas Osten an unserer Heimat teilhaben lassen, sonst erwachen wir eines Tages auf unserer Insel der Seligen, umgeben von bösartigen, hochgefährlichen aggressiven Underdogs und wir würden uns die Integrationsschwierigkeiten von heute auf Knien zurück wünschen.

Der Mensch braucht einen Lebensraum, der ihm weltanschauliche Wurzeln gibt, die ihn in Ruhe dort seine Wurzeln schlagen lässt und der für alle als kosmopolitischer Weltbürger und als globaler Patriot für alle das Recht auf Heimat akzeptiert.

Nicht so wie wir Westdeutschen. Was haben wir es den Ossis vorgeworfen, seit der Wende, dass außer dem Ampelmännchen dem Sandmännchen und dem Rechtsabbiegerpfeil der DDR alles Scheiße war. Aber wenn dieser Staat auch noch so lächerlich war, noch so miserabel, noch so bankrott, noch so repressiv, auch dort sind Menschen auf die Welt gekommen, sind aufgewachsen, haben sich verliebt, sind tagein/tagaus zur Arbeit gegangen, haben Jahreszeiten erlebt, Feste gefeiert, sind alt geworden und gestorben - und wir arroganten Westdeutschen nehmen uns das Recht heraus, ihnen diese Heimat madig zu machen. Was haben wir damit erreicht, eine Ostalgiewelle als hätten die 40 Jahre lang nur Autobahnen gebaut.

Heimat ist wie das Wasser in einem Bach – ständig fließend aber doch immer gleich. Wie von den Anrheinern der Oberlieger dafür sorgen muss, dass der Unterlieger sauberes Wasser erhält, so muss der, der in der Heimat angekommen ist, auch dafür Sorge tragen wollen und verantwortlich sein wollen, dass der Nachkommende sauberes und klares Wasser vorfindet.

Mit der Heimat ist es, wie bei den alten Römern. Die Römer haben für den Begriff „Heimat“ den Vater verweiblicht – Patria. Lasst uns deswegen die Heimat als barmherziges Mutterland fürsorglich und fair betrachten.

Mit der Heimat ist es wie mit der Kunst und mit der Liebe – man kann sie nicht erklären, man muss sie erfahren.

Erinnern Sie sich an die letzte Strophe von Caterina Valente? „Ich hoffe dass bald die Stunde schlägt, da mich ein Schiff zu der Insel trägt und warten auch Last und Not und Pein, dort will ich still und zufrieden sein.“ Von wegen, wer in der Heimat zufrieden sein will, darf nicht still sein. Nie wieder Flucht, nie wieder Abweichen von der Präsenz, Flagge zeigen, wenn die Würde in Gefahr ist, aufrecht und standhaft für Lebensqualität, Gerechtigkeit und Freiheit – und vor allem eins: Besinnung auf das Leben nach dem Leben. Denn wenn etwas klar ist, dann die Tatsache, dass es ein Leben nach dem Leben gibt. Es ist das Leben der Anderen.
ZITATENDE


Wie gesagt, es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken und ja, Kabarett ist nicht nur zum Lachen da!

Re: Kabarett etc.

Beitragvon old man » 1. August 2012, 10:00

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Oh Mann, diese Krankheit ist so besch..., mein Onkel hatte es, mein alter Chef auch, es ist wirklich eine grausame Sache. Ich hoffe, dass Otti sich jetzt aufs Schreiben verlegt und uns mit ein paar guten Bücher beschenkt, und dass er noch möglichst lange halbwegs aktiv sein kann
hawaklar hat geschrieben:
Sein Programm Wo meine Sonne scheint gehört für mich neben Thomas Bernhard hätte geschossen von Georg Schramm zum allerbesten, was es im deutschen Kabarett gibt.]

Jawohl! Wohltuend, die beiden, in dem riesigen Wust sogenannter Kabarettisten, die meist nur auf billige Witze aus sind.
Prägend für mich was Kabarett angeht war ein Auftritt von Hanns Dieter Hüsch, den ich in den frühen 80ern in der Lach- und Schießgesellschaft erleben durfte.
Zu den Sternen !

Re: Kabarett etc.

Beitragvon Mi.Go » 26. April 2013, 13:44

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Übrigens, der Django hat gestern wieder mal ein paar
Böcke angestochen :devil:
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Re: Kabarett etc.

Beitragvon Slartibartfast » 26. April 2013, 15:54

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Ich habe gestern einige Ausschnitte in den BR-Nachrichten gesehen. Habe ich das richtig mitbekommen, er sprach auch über den Schmid-Rücktritt? Sehr aktuell reagiert.

Re: Kabarett etc.

Beitragvon Mi.Go » 26. April 2013, 16:04

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Slartibartfast hat geschrieben:... Habe ich das richtig mitbekommen, er sprach auch über den Schmid-Rücktritt? Sehr aktuell reagiert.

Ganz am Anfang erklärte er die Abwesenheit vom Seehofer Horstl damit,
daß der persönlich dabeisein möchte, wenn der Schüttelschorsch über die österreichische Grenze abgeschoben wird. :lol:
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Re: Kabarett etc.

Beitragvon Slartibartfast » 26. April 2013, 16:12

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Ah jetzt ja! :D


Bin immer noch leicht verwirrt weil ich es mit dem Nockherberg durcheinanderbringe...

Re: Kabarett etc.

Beitragvon hawaklar » 30. Juni 2013, 22:38

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Gestern gab es in unserer Lokalzeitung die Meldung, dass im Herbst (nach der Wahl) sowohl Urban Priol als auch Frank Markus Barwasser die Anstalt verlassen werden. Beide werden/wollen ihre Zusammenarbeit mit dem ZDF fortsetzen - Pelzig will öfter mit seiner Talkshow antreten und für Priol wird gerade ein neues Konzept entwickelt.

Ich kann beide verstehen:
Priol hat sich dann acht Jahre lang an der Kanzlerin abgearbeitet, während sich Pelzigs Rolle auch ein wenig verbraucht hat. Trotzdem hat er mir mit seinen Flipchart-Beziehungs-Diagrammen, wie gerade wieder beim Fall Molath, sehr gut gefallen - aber das kann er auch in seiner Talkshow fortsetzen.

Spannend wird es, wen das ZDF für das nächste Frühjahr als Nachfolger verpflichtet. Jetzt haben sie nach "Wetten dass" innerhalb kürzester Zeit die zweite Nachfolger-Diskussion für eine ihrer Premium-Sendungen an der Backe. Auf jeden Fall soll ein neuer Name her - nämlich "Die Anstalt". :)

Re: Kabarett etc.

Beitragvon Slartibartfast » 1. Juli 2013, 00:52

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Auf Barwasser freue ich mich. Hoffentlich bleibt er in einer seiner Rollen **) und beginnt nicht als Talkmaster F-M Barwasser. Dann wäre er vielleicht nur ein weiterer generischer Sprechleiter, von Lanz bis Tietjen.

Priol... naja.




**) In seinem Bühnenprogramm und auch Bayern3-Radio spricht bzw. sprach er u.a. eine ganze Diskussionsrunde, "Pelzig", den Stammtischler "Hartmut" und den christlich-konservativen "Dr. Göbel".

Re: Kabarett etc.

Beitragvon Klaus N. Frick » 10. Februar 2016, 17:52

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Klaus N. Frick
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Ich habe die famose Kabarettistin Anna Mateur live imTollhaus in Karlsruhe gesehen und war begeistert. Die Frau ist der Hammer!

Mein Text dazu im Blog:
http://enpunkt.blogspot.de/2016/02/anna ... rockt.html

Re: Kabarett etc.

Beitragvon Klaus N. Frick » 7. Dezember 2017, 14:05

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Leo Lukas ist nicht nur ein Autor, der sich in manchem Genre gut zu bewegen weiß – er ist ja auch noch Kabarettist. Ich habe dieser Tage seine CD »Wie Was Wohin« nach langen Jahren mal wieder gehört und etwas darüber geschrieben. Hier:

https://enpunkt.blogspot.de/2017/12/wie ... -wien.html

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