STELLARIS 62 Die peinlichste Stunde des Konsul

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Atlantis
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Die Geschichte ist einfach Spitze :st: :clap:
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Richard
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Ich fand die Geschichte eher mal mittelmaessig,weil mich die Art von Humor nicht so anspricht (geht mir zB mit den meisten "homoristischen" Romanen von HoHo auch so).
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Thomas Frick
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Atlantis hat geschrieben:Die Geschichte ist einfach Spitze :st: :clap:

:wub:
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Thomas Frick
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Richard hat geschrieben:Ich fand die Geschichte eher mal mittelmaessig,weil mich die Art von Humor nicht so anspricht (geht mir zB mit den meisten "homoristischen" Romanen von HoHo auch so).


Ganz lieben Dank für das ehrliche Feedback.

Wenn ich was fragen darf: Mich wundert sehr, dass die meisten Reaktionen immer auf die Frage: witzig oder nicht witzig, mein Humor oder nicht mein Humor hinauslaufen. Dabei interessiert mich das als Autor eher weniger. Natürlich ist einiges auf eine Weise zugespitzt, dass man es mit einem Augenzwinkern verstehen sollte. Von mir aus kann man sogar gern und viel lachen. Ich möchte ja unterhalten.

Aber der Kern der Geschichte, dass jemand erwachsen werden muss, scheint niemanden zu berühren. Woran liegt das? Hab ich das echt so sehr vermasselt?

p.s. wer ist HoHo?
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Raktajino
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Ich dachte teilweise an den "diskreten Charme der Bourgeoisie". Aber nein. Bunuel ist bitterbös. Das ist hier nicht der Fall. B-)
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Arthur Dent
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Thomas Frick hat geschrieben:
Richard hat geschrieben:Ich fand die Geschichte eher mal mittelmaessig,weil mich die Art von Humor nicht so anspricht (geht mir zB mit den meisten "homoristischen" Romanen von HoHo auch so).


Ganz lieben Dank für das ehrliche Feedback.

Wenn ich was fragen darf: Mich wundert sehr, dass die meisten Reaktionen immer auf die Frage: witzig oder nicht witzig, mein Humor oder nicht mein Humor hinauslaufen. Dabei interessiert mich das als Autor eher weniger. Natürlich ist einiges auf eine Weise zugespitzt, dass man es mit einem Augenzwinkern verstehen sollte. Von mir aus kann man sogar gern und viel lachen. Ich möchte ja unterhalten.

Aber der Kern der Geschichte, dass jemand erwachsen werden muss, scheint niemanden zu berühren. Woran liegt das? Hab ich das echt so sehr vermasselt?

p.s. wer ist HoHo?

HoHo = Horst Hoffmann
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Arthur Dent
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Thomas Frick hat geschrieben:...
Aber der Kern der Geschichte, dass jemand erwachsen werden muss, scheint niemanden zu berühren. Woran liegt das? Hab ich das echt so sehr vermasselt?
...

Dass Autoren immer die Vorstellung haben müssen, mit bestimmten Inhalten, Elementen, Motiven wahrgenommen zu werden, finde ich seltsam. Reicht es nicht, dass man sie überhaupt wahrnimmt?
Dass jemand erwachsen werden muss ist nun ein Aspekt, den ich nicht unbedingt an erster Stelle gesehen haben, nach der Lektüre. Ja, sicher, dein Protagonist macht erste Schritte, erste Erfahrungen und einiges davon formt ihn auch. Aber das soll der Kern sein? Ich glaube, du hast recht. Du hast es vermasselt.
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Thomas Frick
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Arthur Dent hat geschrieben:Du hast es vermasselt.

:st:
Klare Ansage. Muss ich mit leben. Kann ich aber auch, denn für mich ist es wichtiger, zu lernen, mich weiterzuentwicklen. Kurzgeschichten sind ideal dafür. Und in dem Sinne kann ich auch für jede ehrliche Zeile Kritik danken.

Ich schreibe gerade an einem sehr aufwändigen Thriller und sauge jeden Tipp auf - was funktioniert und was nicht. Es theoretisch zu wissen, ist das eine. Es auszuprobieren und um die Ohren zu bekommen ist wertvoller. Den Roman will ich nicht vermasseln.
Und ja, tief im Innersten bin ich ein Moralist, der gern seine Weltsicht unter die Leute bringt. Viele meiner Lieblingsschriftsteller stellen Überlegungen an, was richtig und falsch ist und lassen ihre Protagonisten darüber nachdenken. Zeigen im dritten Akt, was sie von der Sache halten. (Und sagen öffentlich, dass sie mit einer Message lieber zu Post gehen.)
Nur um wahrgenommen zu werden, würde ich nicht schreiben. Das braucht mein Ego nicht. Dann eher noch wegen Geld. :unschuldig:
Jemand, der seine pubertäre Schwärmerei überwindet und beginnt, wirklich mit Respekt und Verantwortung zu lieben, ist es mir wert Held einer Geschichte zu sein. Das würde ich so pur und direkt aber keinem Leser aufdrücken. Ist ja auch nur eine Facette der Geschichte.
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Verkutzon
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Arthur Dent hat geschrieben:
Thomas Frick hat geschrieben:...
Aber der Kern der Geschichte, dass jemand erwachsen werden muss, scheint niemanden zu berühren. Woran liegt das? Hab ich das echt so sehr vermasselt?
...

Dass Autoren immer die Vorstellung haben müssen, mit bestimmten Inhalten, Elementen, Motiven wahrgenommen zu werden, finde ich seltsam. Reicht es nicht, dass man sie überhaupt wahrnimmt?
Dass jemand erwachsen werden muss ist nun ein Aspekt, den ich nicht unbedingt an erster Stelle gesehen haben, nach der Lektüre. Ja, sicher, dein Protagonist macht erste Schritte, erste Erfahrungen und einiges davon formt ihn auch. Aber das soll der Kern sein? Ich glaube, du hast recht. Du hast es vermasselt.


@Thomas Frick
Ich sehe das eher so: wir alle waren auch mal jung, und mussten unsere Erfahrungen im Leben durchmachen...einige Erfahrungen und Lernprozesse waren wohl genau so peinlich wie die des Konsuls. Daher „berührt“ dieser Aspekt deines Protagonisten den Leser nicht. Erfahrungen zu sammeln ist für uns alle zu selbstverständlich. Das aussergewöhnliche an deiner Geschichte ist, dass der Konsul sein Erlebnis einem Publikum vorträgt; etwas, das wir Leser sicher nie machen würden! Der Fokus liegt schlussendlich auf dieser Offenbarung. Der Konsul setzt sich einerseits möglichem Spott aus, andererseits gewinnt er Sympatie und Grösse für seine öffentliche Beichte. Aus meiner Sicht ist das der Kern deiner Geschichte...ob du das nun so geplant hast oder nicht, spielt keine Rolle. Es funktioniert. Ich hoffe wir können noch mehr unkonventionelle Geschichten von dir lesen! :st:
ES fuchtelte mit dem Spazierstock. „Ich war bei diesem verrückten Haluter“, unterbrach er. „Aber alles, was er mir gestattet hat, war, seine Krankheit zu heilen. Diese lächerliche Zellfäule. Das war alles! Es ist schrecklich. Ich kann meine Zellaktivatoren wie saures Bier anbieten, und niemand will sie.“
Thomas Ziegler - Expedition ins Totenreich
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Alexandra
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Arthur Dent hat geschrieben:
Thomas Frick hat geschrieben:...
Aber der Kern der Geschichte, dass jemand erwachsen werden muss, scheint niemanden zu berühren. Woran liegt das? Hab ich das echt so sehr vermasselt?
...

Dass Autoren immer die Vorstellung haben müssen, mit bestimmten Inhalten, Elementen, Motiven wahrgenommen zu werden, finde ich seltsam. Reicht es nicht, dass man sie überhaupt wahrnimmt?
Dass jemand erwachsen werden muss ist nun ein Aspekt, den ich nicht unbedingt an erster Stelle gesehen haben, nach der Lektüre. Ja, sicher, dein Protagonist macht erste Schritte, erste Erfahrungen und einiges davon formt ihn auch. Aber das soll der Kern sein? Ich glaube, du hast recht. Du hast es vermasselt.

Kern nennst du das also. Langsam verstehe ich den begrifflichen Unterschied zwischen Pitch und Kern - Message?
In der Schule läuft das unter Aussageabsicht.
Hm, würde ich einem Kurs den Auftrag geben " Charakterisieren Sie die Hauptpersonen. Arbeiten Sie, darauf basierend, die Aussageabsicht der Geschichte heraus" wäre sicher spannend, was bei rum käme. Leider habe ich grad keinen LK.
Aber mit dem Begriff der Aussageabsicht bin ich in den Kreisen kreativer Schreiber meistens unverständlich. Ich werde es nächstes Mal mit Message probieren. Kern ...

Da ich nun schon mal mit den Masken anfing ... es ist ein Durchschauen der Masken, funktioniert aber nicht über den klaren Verstand, sondern über das Herumtappen in einer Umgebung, die barmherzig genug ist, und dies gut enden zu lassen.
Dies sehe ich als Konstante der Science Fiction, wenn man mit dem Bösen einfach mal ordentlich reden muss und es klappt, oder wenn die Posbis (Posmis? - dies ist eine Anspielung auf MAH/ Marc A. Herren, den du sicher nicht kennst; der war das doch, oder, Arthur? Die Posmi?) menschlicher als die Menschen sind, wodurch alles gut ausgeht.
Von dem her kann man fast eine Deus-ex-machina-Lösung disgnostizieren, und die wirkt verheerend, weil es keine gewachsene Lösung nicht, also eben nicht auf einem Reifeprozess beruht.

Andererseits reift er zu einer echten Beziehungsfähigkeit, indem er sich auf das schräge Mädel, das nun mal da ist, einfach mal einlässt. Und so passierte Reife im wirklichen Leben, oder?

Das Peinliche im Rumgestakse des Heranwachsenden hättest du vielleicht noch stärker mit der von Reichtum geschützten Behaglichkeit des erwachsenen Konsuls konstrastieren können, vielleicht indem die Blicke der Besucher noch unsicherer zur Frau Konsul wandern, wie sie wohl reagiert, wann der Explosionspunkt kommt. Dadurch hätte man das vielleicht stärker foregrounden können. Um die persönliche Ebene zu verstärken.
Detailreichtum liebe ich ja bekanntlich, und bin daran gewöhnt, dass der Fokus vermisst wird (auch eine Spezialisierung). In dieser deiner Geschichte sehe ich diesen Fokus als verbesserbar.
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Arthur Dent
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Alexandra hat geschrieben:
Arthur Dent hat geschrieben:
Thomas Frick hat geschrieben:...
Aber der Kern der Geschichte, dass jemand erwachsen werden muss, scheint niemanden zu berühren. Woran liegt das? Hab ich das echt so sehr vermasselt?
...

Dass Autoren immer die Vorstellung haben müssen, mit bestimmten Inhalten, Elementen, Motiven wahrgenommen zu werden, finde ich seltsam. Reicht es nicht, dass man sie überhaupt wahrnimmt?
Dass jemand erwachsen werden muss ist nun ein Aspekt, den ich nicht unbedingt an erster Stelle gesehen haben, nach der Lektüre. Ja, sicher, dein Protagonist macht erste Schritte, erste Erfahrungen und einiges davon formt ihn auch. Aber das soll der Kern sein? Ich glaube, du hast recht. Du hast es vermasselt.

Kern nennst du das also. ...Snip...

Ne, nenne "ich" nicht. Und sonst, alles gut bei Dir? :unschuldig: :devil:
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Alexandra
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Arthur Dent hat geschrieben:
Alexandra hat geschrieben:Kern nennst du das also. ...Snip...

Ne, nenne "ich" nicht. Und sonst, alles gut bei Dir? :unschuldig: :devil:

Der Thomas nennt es Kern, steht doch da.

Ich? Danke der Nachfrage, das mündliche Abi ist fast vorbei. Freitag Dauereinsatz, Montag nur zwei Prüfungen. Dann kommen zur Entspannung paar Klassenarbeiten. Das Übliche. Du?

Ernsthaft, Arthur, ich mit meinem klassischen Instrumentarium der Textanalyse bin bei den meisten aktuell Schreibenden fast unverständlich. Ich kann es anwenden, zum Beispiel wenn ich lektoriere, aber ich kann mit dieser Begrifflichkeit nicht kommunizieren. In der Regel verstehen sie einfach nicht, was ich will - wobei das ja eigentlich jeder aus der Schule kennen müsste. Deshalb betreibe ich zur Zeit mit sehr großen Ernst die Suche nach einer zur Kommunikation verwendbaren Begrifflichkeit.
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Kritikaster
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Thomas Frick hat geschrieben:Aber der Kern der Geschichte, dass jemand erwachsen werden muss, scheint niemanden zu berühren.

Den habe ich tatsächlich nicht erkannt. Kann ich bis heute auch nicht. So fremd mir der Fetischismus bei der Kabinendurchsuchung war, so wenig habe ich es als wirklichen persönlichen Fortschritt empfunden, dass er sich später dem "schrägen Mädel" wie Alexandra es nennt zuwendet, das ihn aufgrund eigener Karrierepläne buchstäblich aufs Kreuz gelegt hat. Unter Reifung und Erwachsenwerden verstehe ich tatsächlich ganz andere Dinge. So bleibt die Geschichte für mich weitgehend einfach skurril. 8-)
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Tostan
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Ihr meint das, was James N. Frey "Premise" nennt.
Etwas, das in jeder Story enthalten ist, weil es sozusagen universell gültig ist (Liebe macht blind, Reichtum füht zu Einsamkeit, Kriminelles zahlt sich nicht aus etc) und das durch die Story und die Figuren bewiesen wird.

Ich denke, die meisten Autoren überlegen sich das nicht im vorhinein, sondern das ergibt sich instinktiv aus der Story.
Man kann aber als Autor auch damit beginnen und daraus dann die Figuren und die Handlung entwickeln.
Ist ein Weg zur Story.
Und es gibt viele, die dorthin führen. :st:

:aa:

-O- Tostan -O-
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Raktajino
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Kritikaster hat geschrieben:So bleibt die Geschichte für mich weitgehend einfach skurril. 8-)
Diesem Adjektiv kann ich mich anschließen, wenn auch hier als Adverb. :D
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Alexandra
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Kritikaster hat geschrieben:
Thomas Frick hat geschrieben:Aber der Kern der Geschichte, dass jemand erwachsen werden muss, scheint niemanden zu berühren.

Den habe ich tatsächlich nicht erkannt. Kann ich bis heute auch nicht. So fremd mir der Fetischismus bei der Kabinendurchsuchung war, so wenig habe ich es als wirklichen persönlichen Fortschritt empfunden, dass er sich später dem "schrägen Mädel" wie Alexandra es nennt zuwendet, das ihn aufgrund eigener Karrierepläne buchstäblich aufs Kreuz gelegt hat. Unter Reifung und Erwachsenwerden verstehe ich tatsächlich ganz andere Dinge. So bleibt die Geschichte für mich weitgehend einfach skurril. 8-)

Wie gesagt - die Wirklichkeit läuft so schräg, dass es mir nicht derart viel ausmacht, und diese Symbolik der Szene mit den Masken finde ich ziemlich überdeutlich (aber nicht im unangenehmen Sinne. Es ist eine klassische Symbolik, die sich durch die gesamte Literaturgeschichte zieht.). Und das Thema läuft dann ja weiter, weil er mit dem Mädel zu reden beginnt in der Hoffnung, es sei eine Maske und dann entpuppt sie sich als was Echtes. Diese Ironie finde ich großartig und zutiefst menschlich.

Insofern kann ich hier schon einen Bezug zum von Tostan eingebrachten Begriff der "Premise" als etwas Allgemeingültiges sehen.
Es ist halt nicht so kuschelig emotional, läuft nicht über die Instinkte, sondern über die Reflexion. Mich als Intellektuelle stört das aber nicht.
Zuletzt geändert von Alexandra am 11. März 2018, 15:15, insgesamt 1-mal geändert.
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nanograinger
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Thomas Frick hat geschrieben:...
Aber der Kern der Geschichte, dass jemand erwachsen werden muss, scheint niemanden zu berühren. Woran liegt das? Hab ich das echt so sehr vermasselt?

Also für mich ist dieser "Kern" klar erkennbar, und "berührt" im Sinne von "ich kann die Emotionen des jungen Konsuls" nachvollziehen, hat mich das auch. Aber nun sind "comaing of age" Geschichten nun seit Goethes "Werther" nicht gerade selten, weshalb ich eher auf die Details der Ausgestaltung schaue als auf den "Kern", der ja eher der Schablone solcher Geschichten folgt.

Für eine Darstellung der "Reifung" ist eine Kurzgeschichte vielleicht eher nicht geeignet, und in der Tat fasse ich in sich "Einlassen" auf die spätere Angetraute auch wenig an Reifung sondern eher eine "Übersprunghandlung" oder "Ersatzbefriedigung" auf. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Anjorka-Marie eben nicht seine spätere Frau geworden wäre, dann wäre die erteilte Lektion noch deutlich klarer gewesen. Durch das Happy End (und das ganze Setting der Geschichte im Salon des Konsuls) wird für mich mir die Ernsthaftigkeit der Geschichte untergraben. Als Zuhörer würde ich die Geschichte dem Konsul nicht abnehmen, aber trotzdem den Wein genießen. B-)
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Thomas Frick
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nanograinger hat geschrieben:Als Zuhörer würde ich die Geschichte dem Konsul nicht abnehmen, aber trotzdem den Wein genießen. B-)

Du musst den Beteigeuze-Whisky probieren! ^_^
Danke allen für die Anstöße.
Ich fange kaum mit einer moralischen Fragestellung zu schreiben an. Aber dann interessiert mich, wo könnte die Reise diesmal hingehen. Verändert sich etwas Bemerkenswertes in meinem Protagonisten? Lernt er was, das auch einen Leser anregen könnte?

In diesem Fall gab es einen Anstoß von Uwe Anton, zusammen etwas leicht Frivoles über einen Handelsreisenden auf der Stellaris zu erzählen, der mit einem außerirdischen Wesen anbändelt. (so in etwa... wörtlich könnte ich es nicht mehr wiedergeben)
Ich schrieb meine erste Fassung, und Uwe gab mir nach eingier Zeit grünes Licht, sie selbständig zu beenden. Für mich als Anfänger war das der bestmögliche Schubs ins kalte Wasser, wenn man denkt, der Schwimmlehrer ist dicht hinter einem, und plötzlich merkt man, man schwimmt ganz allein.

Später sagte er mir, er hätte sich das völlig anders vorgestellt, würde meine Geschichte aber mögen. Und gab sie an die Redaktion weiter. Als meine Geschichte. Dafür bin ich immer noch sehr dankbar. Mit dem Dreh, dass das vermeintlich nichtmenschliche Abenteuer doch ganz menschliche Hintergründe hat, habe ich versucht, mich von Uwes Grundidee zu emanzipieren. Man möchte ja als Lernender etwas Eigenes einbringen.

Als nächster Schritt ergab sich erst die Coming-of-Age Idee, da mir die Geschichte mit einem Erwachsenen doch zu creepy geworden wäre. Dann kam die Entscheidung, es aus der süffisant erzählten Perspektive des gereiften alten Konsuls zu erzählen, dessen moralische Position über allen Zweifel erhaben ist. Und der genüsslich mit den gesträubten Nackenhaaren seiner Zuhörer spielt, mit seiner Frau als Komplizin.

Und so weiter, so etwas entsteht Schicht für Schicht in verschiedenen Durchgängen, mal mit dem Focus darauf, mal darauf... Insofern ist es auch wieder schwierig, sich als Autor im Nachhinein auf einen Kern, eine Message, a premise, Voraussetzung, Grundabsicht festnageln zu lassen. Es soll ja gerade Spielraum lassen.
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Thomas Frick
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Raktajino hat geschrieben:Ich dachte teilweise an den "diskreten Charme der Bourgeoisie". Aber nein. Bunuel ist bitterbös. Das ist hier nicht der Fall. B-)

Ich liebe Bunuel und jede Art von Surrealismus und schwarzen Humor. Gerade bei ihm sehe ich aber auch hinter all dem eine klare moralische Haltung und ein tiefes Nachdenken über das Wesen des Menschen.
Das Böse und Schockierdende diente oft bei vielen meiner Vorbilder sehr klar dazu, Masken herunterzureißen.

Das Wort "skurril" nehme ich übrigens sofort und dankbar an, jedoch nicht zum Selbstzweck. Ich schreibe, was ich gerne lese.
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Troll Incorporation
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Damit "der Neue an Bord" hier nicht nur negatives Feedback bekommt ;) (nachher springt er noch aus der Luftschleuse ^_^ ):
Ich fand die Geschichte nett. :st:
Nicht "boah, ey, weltbewegend", aber nett.

... es muss nicht immer "Äktsch" sein.
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Alexandra
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Troll Incorporation hat geschrieben:Damit "der Neue an Bord" hier nicht nur negatives Feedback bekommt ;) (nachher springt er noch aus der Luftschleuse ^_^ ):
Ich fand die Geschichte nett. :st:
Nicht "boah, ey, weltbewegend", aber nett.

... es muss nicht immer "Äktsch" sein.

Das Feedback war insgesamt doch aber recht positiv. Schließlich sind wir im Forum.
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Raktajino
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Richtig. Es hat noch keiner damit gedroht, mit dem Lesen aufzuhören oder ähnliches. :D
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Troll Incorporation
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Raktajino hat geschrieben:Richtig. Es hat noch keiner damit gedroht, mit dem Lesen aufzuhören oder ähnliches. :D

Stimmt, es hat auch keiner mit Latinismen um sich geworfen :devil:
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Raktajino
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Sei vorsichtig mit dem, was du wünschst oder laut nicht wünschst. :D
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Arthur Dent hat geschrieben:
Thomas Frick hat geschrieben:...
Aber der Kern der Geschichte, dass jemand erwachsen werden muss, scheint niemanden zu berühren. Woran liegt das? Hab ich das echt so sehr vermasselt?
...

Dass Autoren immer die Vorstellung haben müssen, mit bestimmten Inhalten, Elementen, Motiven wahrgenommen zu werden, finde ich seltsam. Reicht es nicht, dass man sie überhaupt wahrnimmt?

Dir ist schon klar, Arthur, was du hier sagst?
Nämlich dass die Bedeutung einer Geschichte, wie der Autor sie gestaltet, keine Relevanz hat.
Das degradiert sie - auf was? Sprachklang, Füllmasse, Hintergrundberiesel?
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