Gestaltung der Zyklen

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Verkutzon
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Gestaltung der Zyklen

Beitrag von Verkutzon » 7. Mai 2019, 14:14

Hallo Exposé-Team,

Sind die Zyklen, die ihr ausarbeitet und entwickelt, so richtig und ganz eure „Wunschkinder“, oder gibt es Einflüsse (Marketing, Studien zum Kaufverhalten, beliebte Internet-Themen, aktuelle gesellschaftliche Fragen, Leserbriefe et cetera...) auf die ihr Rücksicht nehmen müsst, oder wollt...?
Ich nehme an, es gibt vom Verlag ethisch, moralische Vorgaben, wie sehr die Beschreibung von Gewalt und Sexualität ins Detail gehen darf; mir geht es eher um das grosse Ganze. Ich nenne mal ein zugespitztes Beispiel: Umweltthemen sind momentan in unserer westlichen Gesellschaft hoch diskutiert. Gibt es nun zum Beispiel die „Anordnung“ (von wem auch immer), in einem Zyklus das Thema Artensterben zu Verarbeiten? Kurz gesagt: gibt euch jemand Themen vor, die in einem Zyklus wünschenswert sind, oder könnt ihr salopp gesagt, tun und lassen was ihr wollt?

Besten Dank und Gruss!
Verkutzon sah eine endlose Schwärze. Ein nie gekanntes Schwindelgefühl erfasste ihn. Ungläubig liess er Laires Auge sinken. Aus: PR-Heft 1120

Wim Vandemaan
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Re: Gestaltung der Zyklen

Beitrag von Wim Vandemaan » 9. Mai 2019, 15:59

Hallo,

ein Freund von mir arbeitet bei einem der namhaftesten Literaturverlage Deutschlands; er hat mir erzählt:
In jedem Jahr werden zwei Romane von je zehn Romanen echte Verkaufsschlager; die anderen acht leider nicht. Wüsste man nun oder hätte den blassesten Schimmer, welche beiden der zehn Romane sich gut verkaufen, würde man sich die andren acht sparen.
Diesen Schimmer hat aber nicht.
Will sagen: Studien zum Kaufverhalten sind im Literaturbetrieb absolut wertlos, weil restlos nichtssagend.

Ob im Verlag ethisch-moralische Vorgaben existieren, weiß ich nicht. Mit ist so etwas nie und in keiner Form und von niemandem je vorgelegt oder auch nur angedeutet worden.

Was gesellschaftlich diskutiert wird, weiß ich ebenso wenig: Welche Gesellschaft wäre auch gemeint? Ich könnte zum Beispiel vermuten: Nichts wird zurzeit leidenschaftlicher diskutiert als der Handelfmeter oder das Dieselfahrverbot oder das Tempolimit auf Autobahnen. Nichts davon wäre für uns spannend. Solche Themen kommen und gehen. Andere Themen sind im Gegenteil von großer Permanenz: für den Umweltschutz trat schon Willi ein. Ohne dass er es zu einem zyklustragenden Thema gemacht hätte.

Also, ganz kurz: Es gibt keinerlei Vorgaben von wem auch immer. Und soweit ich sehe, hat es die auch nie gegeben.

Zyklenplanungen laufen deswegen auch ganz anders ab - wenigstens bei uns; ich erzähle es mal an einem Beispiel:

Als wir den Atopen-Zyklus vorbereitet haben, waren drei Dinge von Anfang an klar:
1. Rhodan hatte schon einige Male Kontakt mit Wesen oder Phänomenen aus der Zukunft (Schattenmaahks, Zeitmüll); diesmal sollte es ein ausführlicher Kontakt sein: Rhodan sollte aus der Zukunft angeklagt werden.
2. Diese phantastische Begegnung sollte ausbalanciert werden durch ein bodenständiges Thema: die Tefroder. Der Anführer der Tefroder sollte dabei kein Perry Rhodan-Gegner sein, sondern ein Bewunderer.
3. Wir kannten die beiden Schlussbilder, den Blick von Thez auf die universale Vergangenheit und das Auftauchen der Tefroder im Moment der höchsten Not, in dem sie sich an die Seite der Terraner stellen würden.

Das waren die Grundideen, die wir mehrfach einander erzählt, dabei immer weiter ausgestaltet und entwickelt und mit Figuren besetzt haben (welche Figuren sind hilfreich, wie sie sind; welche könnte man entwickeln; welche könnten neu auftauchen?).

Die Zyklen entstehen meiner Wahrnehmung nach aus der Serie selbst, aus ihrer Geschichte, ihren offenen Fragen, ihren Figuren und deren Beweggründen und Konflikten.
Von irgendwem außerhalb der Serie vorgegeben werden diese Themen nicht.

Beste Grüße,
Hartmut

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