Band 1000 "Der Terraner"

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zephydia
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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von zephydia » 21. April 2018, 16:29

Mit der Hanse und der neuen Zeitrechnung kann ich nicht viel anfangen. Es stört mich nicht dass eine neue allgemeine Zeitrechnung für die gesamte Milchstraße eingeführt wurde, aber die Wahl die Gründung der Hanse als Startdatum zu nehmen wirkte meiner Meinung nach ein bisschen überheblich. Warum hat man nicht zum Beispiel die Gründung der Gafök (dem Vorläufer des Galaktikums) oder das Ende der Larenherrschaft als Datum gewählt? Das wäre ein Datum gewesen dass für alle Völker in der Galaxis eine positive Bedeutung gehabt hätte (ausser vielleicht für die Überschweren :D )

Die Hanse hat für mich eigentlich nur wenig Ähnlichkeit mit der EU. So wie sie in Band 1007 beschrieben wurde ist die KH vor allem erstmal eine Privatfirma die nicht wie die EU Regeln für den gemeinsamen Handel (und andere Zusammenarbeit) festlegt sondern dank ihrer überlegenen Technik einen Grossteil des lukrativen Handels in der Milchstrasse an sich gerissen hat, und dank ihrer Kontakte zur damalige LFT Regierung aus dem Hintergrund einen starken politischen Einfluss ausübt.
Meiner Meinung nach bestand mehr Ähnlichkeit zur British East -India Trading Company als zur Europäischen Union.
Dadurch dass der geschäftliche Teil der Hanse eigentlich nur Tarnung der Bekämpfung Seth -Apophis war stört mich das ganze zwar nicht besonders aber ich bin ehrlich gesagt froh das die Kosmische Hanse Geschichte ist.

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Richard
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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Richard » 21. April 2018, 18:59

Also die Idee zur Einfuehrung eines neuen Kalenders kam ja jetzt von ES, nicht von Perry.
Die Kosmische Hanse hatte offiziell den Anspruch intergalaktisch aktiv zu sein - was man von der Gavök jetzt nicht sagen kann, ebenso nicht vom Galaktikum.

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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Kardec » 22. April 2018, 01:48

Ohne tief drüber nachgedacht zu haben, denke ich dass ein gemeinsamer Kalender von vielen Planeten völlig anders strukturiert sein müsste.

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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von HOT » 22. April 2018, 09:09

Kardec hat geschrieben:Ohne tief drüber nachgedacht zu haben, denke ich dass ein gemeinsamer Kalender von vielen Planeten völlig anders strukturiert sein müsste.
Mit einer insgesamt geltenden Zeitrechnung ist im Grunde so, wie derzeit auch auf unserem schönen Heimatplaneten: Alle richten sich auf internationaler Ebene nach der "westlichen" Zählung, aber lokal gelten der äthiopische, der israelische oder des islamische Kalender. Gibt bestimmt noch ein paar mehr.

Bei diversen Planeten käme dann noch das Kuddelmuddel der unterschiedlichen Tageslängen dazu...

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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Tennessee » 22. April 2018, 09:33

HOT hat geschrieben:[...]
Mit einer insgesamt geltenden Zeitrechnung ist im Grunde so, wie derzeit auch auf unserem schönen Heimatplaneten: Alle richten sich auf internationaler Ebene nach der "westlichen" Zählung, aber lokal gelten der äthiopische, der israelische oder des islamische Kalender. Gibt bestimmt noch ein paar mehr.

Bei diversen Planeten käme dann noch das Kuddelmuddel der unterschiedlichen Tageslängen dazu...
Salut,

bei der Errichtung der NGZ gab es ja viele Anleihen bei den Terranern. Schaltjahre, Einführung der NGZ am 1. Januar (Neujahr) ... Die Hanse "terranisierte" (allein schon auch durch ihren Namen) die Milchstraße ins Extreme, was sich später durch Rhodans Chronosfossiliengang noch stärker zuspitzte. Der Terraner war quasi die Terraner und wüsste man es nicht besser, müsste man, wenn man sehr linkskritisch deuten würde, die Hanse, die NGZ und das ganze Drumherum als eine ziemlich (post)koloniale Denkweise ansehen. Das war zwar, würde ich so sagen, niemals intendiert, aber es ist schon ein interessantes Gedankenspiel, finde ich...

lg
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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von thinman » 22. April 2018, 14:06

Tennessee hat geschrieben:
Salut,

bei der Errichtung der NGZ gab es ja viele Anleihen bei den Terranern. Schaltjahre, Einführung der NGZ am 1. Januar (Neujahr) ... Die Hanse "terranisierte" (allein schon auch durch ihren Namen) die Milchstraße ins Extreme, was sich später durch Rhodans Chronosfossiliengang noch stärker zuspitzte. Der Terraner war quasi die Terraner und wüsste man es nicht besser, müsste man, wenn man sehr linkskritisch deuten würde, die Hanse, die NGZ und das ganze Drumherum als eine ziemlich (post)koloniale Denkweise ansehen. Das war zwar, würde ich so sagen, niemals intendiert, aber es ist schon ein interessantes Gedankenspiel, finde ich...
Ja. Und wir wissen ja, daß es erst dann so wirklich interessant wird, wenn die unbewußten Selbstverständlichkeiten unter einem Text hnzukommen. Nicht nur für den Leser, sondern auch für den Rezensenten. Und den Leser der Rezension. Manchmal wünscht man sich wirklich, man wäre ein Mitarbeiter der 15. Vorsicht und könne mit der gleichen Neugier diese Texte lesen.

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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von zephydia » 23. April 2018, 00:24

Richard hat geschrieben:Also die Idee zur Einfuehrung eines neuen Kalenders kam ja jetzt von ES, nicht von Perry.
Die Kosmische Hanse hatte offiziell den Anspruch intergalaktisch aktiv zu sein - was man von der Gavök jetzt nicht sagen kann, ebenso nicht vom Galaktikum.
Ist mir schon klar. Nur ich finde das ganze trotzdem nicht besonders diplomatisch. Wenn man wirklich die Völker der Galaxis dazu bringen wollte mehr als nur gezwungenermaßen zusammenzuarbeiten hätte man das ganze nicht so terrazentristisch aufbauen sollen. Irgendwie erscheint mir der Rest der Milchstraße in dieser Phase der Serie bloss ein Anhängsel der LFT zu sein. Korrigiert mich bitte wenn ich falsch liege, aber zumindest bevor die Hanse an das Galaktikum übergeben wurde schien es dort auch nur Terraner und Terranerabkömmlinge (Etruser usw) zu geben. Ich sehe nicht man so zu Frieden und Zusammenarbeit innerhalb der Milchstraße (von ausserhalb will ich erst gar nicht reden) beitragen könnte. Das ganze Konzept der KH erscheint mir ein bisschen unlogisch (ausser ich gehe davon aus das die offizielle Agenda der Hanse wirklich nur zur Tarnung diente). Seltsamerweise gibt es eine Stelle in Band 1007 (wo man jede Menge Infos zur KH bekommt) wo Bully sich über die Namenswahl lustig macht ("kosmische Bewaffnete Schar"). WiVo gewissermaßen durch Bully auf eine der Schwächen seines eigenen Konzepts hinweist.
Aber ich vermute einfach mal das man sich damals bei der Entwicklung dieser Ideen nicht so besonders viel Gedanken gemacht hat. Perry Rhodan ist ja letztendlich eine Abenteuerserie und die Hanse sollte vielleicht einfach eine friedlichere Alternative zum Solaren Imperium darstellen, ohne dass man daran dachte das zuviel wirtschaftliche Macht in den Händen einer einzigen Organisation (die ja auch schwer bewaffnet war) genauso problematisch ist wie zu viel militärische Macht in den Händen eines einzelnen Staatsgebildes.

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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von nanograinger » 24. April 2018, 00:14

Tennessee hat geschrieben: ...
Rhodan war allerdings, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, nie der Auserwählte von ES, sondern ebenso wie Atlan ein Auserwählter der Kosmokraten. Auch die ZA-Eier waren ja komsokratisch geeicht und ES bloß der Bewahrer für die neuen Kosmokratenhelden. Das mag, nanograinger, vielleicht auch erklären, warum ES Atlan einen ZA verlieh, Crest eine Zelldusche verweigerte. ES war bei Atlan schlicht und ergreifend handlungsgebunden.
Du argumentierst von Standpunkt der Geschichte von PR 1000 aus. Da ist es ja klar, (und niemand streitet das ab, soweit ich das überblicke). dass Rhodan und Atlan "Auserwählte" sind (vgl. Titel PR 982), wobei man es auch nüchterner ausdrücken könnte als "die passenden Personen für eine Stellenbeschreibung". Die unterschiedlichen Auffassung bzgl. "erwählt sein" bezog sich auf die frühe Serie unter Scheer und Darlton, konkret PR 19.
Tennessee hat geschrieben: ...
Ich finde, unter der Prämisse eines Punktuelllesers (Hey, ich kann drei "l" in einem Wort benutzen *grins*), aktuell kaum noch Dinge wieder, die Band 1000 angerissen hat: Die Ritter-Aura ist verschwunden, Monos und Bd 1800 haben die Hanse verschwinden lassen, die Kosmokraten und die Chaotarchen scheinen beide keine hohen Mächte zu sein und ein "Konzert der erwachsenen Völker" für das man einen Standpunkt wählen muss, erkenne ich auch nicht mehr.
Die Ritter-Aura wird immer wieder mal thematisiert, neuerdings logischerweise fast nur noch, wenn Atlan agiert. Es wurde sogar mit der "Hieroglyphe" eine Art Nachfolger eingeführt (die aber bisher wenig zur Sprache kam). Dass Kosmokraten und die Chaotarchen keine Hohen Mächte mehr wären, ist mir neu. Tatsächlich wurden mit den "trivianen" Mächten sogar eine weitere Kategorie eingeführt. Und die Idee mit dem "Konzert der erwachsenen Völker" ist im Lichte des Projekts von SAN auch nicht weit weg.

Dass es die Kosmische Hanse nicht mehr gibt, kann angesichts des Wegfalls der Ursache für ihre Gründung auch nicht überraschen. Sie wurde ja ganz explizit als Organisation zur Abwehr von Seth-Apophis gegründet und zwar als explizit "terranische" Organisation (Abkömmlinge der Terraner inbegriffen). PR 1000 hat ja auch den Titel "Der Terraner" und nicht "Der Galaktiker".
Tennessee hat geschrieben: ...
... Dieser Band hat ein (Serien? Personen? Handlungs?) Profil gegeben, das - seltsamerweise? - sogar noch heute nachwirkt. Und DAS ist die große Leistung von Band 1000.
lg
Ten.
So sieht es aus. "Die kosmische Bestimmung der Menschheit": So einen Anspruch zu formulieren, muss man sich erst einmal trauen. Natürlich ist das Scheitern in der einen oder anderen Weise fast zwangsläufig, und sogar eingeplant, denn es war Voltz sicher klar, dass vermutlich niemand eine Serie der Menschheit als Superintelligenz lesen würde. Aber das Ziel wurde ausgegeben, vor dem die Serie ab nun ablief, und es war ein Ziel der Transzendenz. Per Aspera ad Astra, und zwar nicht nur im physikalischen Sinne.

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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Tennessee » 24. April 2018, 07:10

Salut nanograinger
nanograinger hat geschrieben:
Tennessee hat geschrieben: ...
Rhodan war allerdings, [...] bei Atlan schlicht und ergreifend handlungsgebunden.
Du argumentierst von Standpunkt der Geschichte von PR 1000 aus. Da ist es ja klar, (und niemand streitet das ab, soweit ich das überblicke). dass Rhodan und Atlan "Auserwählte" sind (vgl. Titel PR 982), wobei man es auch nüchterner ausdrücken könnte als "die passenden Personen für eine Stellenbeschreibung". Die unterschiedlichen Auffassung bzgl. "erwählt sein" bezog sich auf die frühe Serie unter Scheer und Darlton, konkret PR 19.
Klar argumentiere ich vom Standpunkt 1000 aus. Ist ja auch das Thema, das wir im Blickpunkt haben. Dass dies in Bd. 19 anders aussah oder in Bd 3500 anders aussehen könnte ist ja bei einem Text wie PR, der seine eigene Serienvergangenheit verändert bzw. verändern kann, logo. Darum ja auch meine Anmerkung, dass WiVo mit Bd 1000 die Geschichte "Rhodan/ Atlan - ES" sicherlich auch ein bisschen abrunden wollte.
nanograinger hat geschrieben:
Tennessee hat geschrieben: ...
Ich finde, unter der Prämisse eines [...] der erwachsenen Völker" für das man einen Standpunkt wählen muss, erkenne ich auch nicht mehr.
Die Ritter-Aura wird immer wieder mal thematisiert, neuerdings logischerweise fast nur noch, wenn Atlan agiert. Es wurde sogar mit der "Hieroglyphe" eine Art Nachfolger eingeführt (die aber bisher wenig zur Sprache kam).
Ja, eben genau das meine ich. Einiges aus Bd 1000, welches als z.B. Personenprofil festgelegt wurde, hat sich mittlerweile überlebt. Auch dort merkte ich an, dass dies nach der langen Zeit, die seit Bd. 1000 vergangen ist, logisch ist. Die Serie läuft ja weiter. Die Frage, die sich ja daraus ergibt, ist ja, welches neue Profil jetzt an seinen Platz getreten ist.
nanograinger hat geschrieben: Dass Kosmokraten und die Chaotarchen keine Hohen Mächte mehr wären, ist mir neu. Tatsächlich wurden mit den "trivianen" Mächten sogar eine weitere Kategorie eingeführt. Und die Idee mit dem "Konzert der erwachsenen Völker" ist im Lichte des Projekts von SAN auch nicht weit weg.
Das hast du aber sehr buchstäblich gelesen (und mit dieser Leseweise natürlich auch richtig) und wahrscheinlich habe ich das nicht deutlich genug ausgedrückt: Natürlich sind die KKs und die CHs noch "hohe Mächte", aber es wurde z.B. - war es im Zusammenhang mit den Pangalaktischen Statistikern ? - ja auch ausgesagt, dass die Einflussnahme der KKs und der CHs auf das Universum nicht so groß ist wie gedacht. Dafür dass diese beiden Mächte in Bd 1000 als *die* Hohen Mächte und oberste Stufe des Zwiebelschalenmodells eingeführt wurden, ist nicht mehr viel von *den* Hohen Mächten übrig. Sie wurden in ihrer Absolutheit eben auch relativiert.
nanograinger hat geschrieben: Dass es die Kosmische Hanse nicht mehr gibt, kann angesichts des Wegfalls der Ursache für ihre Gründung auch nicht überraschen. Sie wurde ja ganz explizit als Organisation zur Abwehr von Seth-Apophis gegründet und zwar als explizit "terranische" Organisation (Abkömmlinge der Terraner inbegriffen). PR 1000 hat ja auch den Titel "Der Terraner" und nicht "Der Galaktiker".
Ja, und thinman und ich sprachen ja auch mal kurz von der Gefahr des (post)kolonialen Gedankens, der dahinter stecken kann. Du gehst, so ich das richtig verstehe, ja hier auch von dem Gedanken aus, wer die Hanse gegründet hat und aus welcher kulturellen Sphäre heraus sie entstanden ist. Der andere Blickwinkel ist ja der, zu überlegen welche "kulturelle Sphäre" ihr Ziel ist bzw. gewesen sein könnte. Und ich bin sicher, dass nicht "Terra first" das Ziel war.
Man muss aber auch bedenken, dass die Perry Rhodan Serie sicherlich auch mit einige Simplifizierungen arbeitet/ arbeiten muss, um die Handlung ... mh... ja.... für alle handelbarer zu machen. Eine z.B. NGZ nach ferronischen Kalender mit akonischer Jahresrechnung und cheborpanischer Begriffsbezeichnung einzuführen, um die milchstraßenweite gemeinsame "kulturelle Sphäre" deutlich zu machen, ist letztendlich auch etwas unpragmatisch.
nanograinger hat geschrieben:
Tennessee hat geschrieben: ...
... Dieser Band hat ein (Serien? Personen? Handlungs?) Profil gegeben, das - seltsamerweise? - sogar noch heute nachwirkt. Und DAS ist die große Leistung von Band 1000.
lg
Ten.
So sieht es aus. "Die kosmische Bestimmung der Menschheit": So einen Anspruch zu formulieren, muss man sich erst einmal trauen. Natürlich ist das Scheitern in der einen oder anderen Weise fast zwangsläufig, und sogar eingeplant, denn es war Voltz sicher klar, dass vermutlich niemand eine Serie der Menschheit als Superintelligenz lesen würde. Aber das Ziel wurde ausgegeben, vor dem die Serie ab nun ablief, und es war ein Ziel der Transzendenz. Per Aspera ad Astra, und zwar nicht nur im physikalischen Sinne.
Die Frage, die noch offen bleibt, ist m.E. nun, welches Profil, da ja einiges wie du oben selber gesagt hast, "ausgelaufen" ist, nun weiterhin gezeichnet wird. Du selber sprachst von "Hieroglyphen" bei Atlan, dem Projekt SAN - welches aber meines eher dürftigen Wissens und deinen Aussagen bisher eher kaum zur Sprache kamen oder noch sehr undeutlich blieben.
Der Unterschied zu Bd. 1000 ist ja, dass dieser recht konkret damit rüber kam, was z.B. die Hanse ist, wofür sie steht, welche Prinzipien hinter KKs und CHs stehen etc. Dass sich seit Bd. 1000 das "Profil" verändert hat, ist m.E. durchaus logisch. Die Frage ist, gibt es schon etwas Adäquates, welches als - ebenso deutliches - Profil seinen Platz einnimmt. Und dabei bin ich mir nicht so sicher.

lg
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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Verkutzon » 24. April 2018, 14:17

Zur Frage, ob Rhodan nur eine Marionette von ES war/ist, oder ob er eigenständige Entscheidungen treffen kann: da ist einerseits Laires Auge, das Rhodan nur benützen kann, wenn es die Superintelligenz erlaubt/in ihrem Sinne ist (z.B. Band 1000, Seite 68, linke Spalte). Ich meine mich zu erinnern, dass das auch bei anderer Kosmokratentechnik der Fall war, die Rhodan zur Verfügung stand (zum Bsp. „Der Ring der Kosmokraten“). Perry unterhält sich des Weiteren mit ES (Seite 70, rechte Spalte unten). Das Gespräch findet nicht Auge in Auge statt, sondern auf einer rein geistigen Ebene, denn ES hat veranlasst, dass Rhodans Seele den Körper verlässt (mit Hilfe von Kakuta und Carfesch). Rhodan „hört“ danach die Stimme der Superintelligenz wie „eine ungeheuerliche Woge“....die „Stimme von vielen Milliarden Bewusstseinsinhalten...“. Hier erinnern mich die Texte des Heftes sehr an die Bücher des alten Testaments der Bibel. Auch dort werden Richter/Könige berufen; sie bekommen Gerätschaften von Gott geschenkt mit magischen Attributen, die nur dann funktionieren, wenn es im Sinne des Höchsten ist. ES sagt: „Ausserdem wirst du niemals in der Lage sein, das Auge für egoistische Zwecke zu nutzen...“ (Seite 72). Perry Rhodan hat gar keine andere Wahl, als im Sinne von ES zu handeln! Ebenfalls soll das Hauptquartier der Hanse auf der Erde entstehen (Seite 72, linke Spalte), auch hier kann Perry keine eigene Entscheidung treffen. Die Terraner sind das auserwählte Volk der Superintelligenz, wie die Israeliten, die von Gott erwählt wurden. Der Anthropozentrismus kommt also keinesfalls von den Terranern selbst, er wird von ES den Menschen aufgezwungen. Das Konzept stammt von WiVo, ihm muss dieser „negative“ Aspekt der kosmischen Hanse bewusst gewesen sein. Der Untertitel des Heftes, „Die kosmische Bestimmung der Menschheit“, sagt eigentlich alles...
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Vincent Garron
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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Vincent Garron » 24. April 2018, 18:57

Hmmm....

ich muss sagen, ich bin gelinde gesagt erstaunt.
Erstaunt, dass hier versucht wird Band 1000 mit anderen PR-Romanen zu vergleichen. Mir war damals beim Lesen spätestens beim zweiten Graffiti klar "Das ist kein PR-Roman mit einer Prise Gesellschaftskritik, das ist pure Gesellschaftskritik eingebunden in einen PR-Roman". Denn: an Handlung passiert nicht viel in dem Roman. Keine Raumschlacht, keine Undercover-Aktion, keine Lebensgeschichte, kein.. nix. Im Gegenteil: Voltz macht sich das Leben ziemlich einfach indem ein Teil des Romans eine schlichte Zusammenfassung der ersten 999 Hefte ist. Ganz ehrlich... DAS hätt ich auch gekonnt (also nur die Seiten mit der Zusammenfassung mein ich).

Wenn es überhaupt eine Minimalbedeutung des Bandes für die Serie gab, dann die, dass Seth-Apophis zum quasi Dauer-Kontrahent ernannt wurde, eine literarische Idee, die in den James Bond-Filmen bspw. durch die Figur des Ernst Stavro Blofeld eingenommen wurde.
So etwas gab es unter Scheer bei PR nicht. Da waren die Bösewichte immer nur für einen Zyklus gut. Erst die Laren bekamen die Chance dauerhaft als Bösewichte zu agieren, das war aber auch schon unter der Voltz-Ägide. Dieses Konzept fehlte PR bis dahin und das hat WiVo (bitte kürzt ihn nicht mit WV ab, das lenkt meine Synapsen instinkthaft auf Wim Vandemaan, ich kann das nicht unterbinden) aufgegriffen. Dass das nicht so funktioniert hat wie WiVo sich das vielleicht gedacht hat (und sein drittgrößter Fehler war), ist aus heutiger Sicht klar. Superintelligenzen zu beschreiben ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, das hat so gut wie nie funktioniert, außer - mit leichten Abstrichen - bei ES, den man aber schon zu Beginn der Serie eher etwas "vermenschlicht" hat (alter Mann, langer Rauschebart => Sympathie). Ihr bräuchtet euch da nur mal 2 Minuten mit WV (Wim Vandemman) zu unterhalten, der da schon ein wesentlich "realistischeres" (Verzeihung wenn ich das Wort im Zusammenhang mit einer Science-FICTION-Serie benutze, aber mir fällt kein besseres ein) Bild von Superintelligenzen, gerade und vor allem von ES, zeichnet.
So gesehen war es abzusehen, dass die "Gefahr" die Seth-Apophis verkörpern sollte, so nicht beim Leser ankam. Ein auf mich gerichteter feuerbereiter Blaster wirkt auf mich IMMER bedrohlicher als eine Superintelligenz im Hintergrund. Aus diesem Grunde (so meine Vermutung, Heiko Langhans kann das alles vielleicht veri- oder falsifizieren er ist da wesentlich tiefer in den Hintergründen als ich) beging WiVo seinen zweitgrößten Fehler, nämlich Seth-Apophis durch Rhodan zu töten oder besser: downzugraden. Ein Mensch der eine Superintelligenz besiegt? Wäre das keine Fiktion würde ich ab sofort Angst vor jeder Ameise haben, die mir auf dem Bürgersteig entgegenkommt.
(Bevor einer fragt. WiVos größter Fehler war die menschliche Darstellung der Kosmokraten Vishna und Taurec. Das lässt sich auch nicht durch das Transformsyndrom wegdiskutieren)

Der nächste Versuch einen dauerhaften Gegenspieler einzuführen war - meiner bescheidenen Meinung nach - Bostich. Der war aber schon immer "gezwungen" mit den Terranern zusammenzuarbeiten (allein schon um sein eigenes Reich zu schützen), hat also auch nicht so gut funktioniert.
Erst der Maghan hat - auch hier: meine Meinung - eine echte und reelle Chance, diesen Platz des omnipräsenten Gegenspielers wirklich einzunehmen. Aus diesem Grund wurde er auch recht schnell mit ähnlichen Mitteln wie Rhodan ausgestattet (Mutanten, ZA) um wirklich dauerhaft (!) Rhodan auf den Zeiger gehen zu können. Ich lese hier oft Kritik an der Planung der aktuellen Expokraten, mit mal mehr mal weniger fundierten Begründungen. Es sind aber genau solche Dinge an denen ich zumindest festmache, dass da im Hintergrund sehr wohl sehr viel langfristig geplant ist. Wobei es aus heutiger Sicht nur eine untergeordnete Rolle spielt, wie sich Vetris-Molaud weiterentwickelt. Hauptsache er füllt die ihm zugedachte Rolle, als Konterpart zu Rhodan aus (wobei es serienimmanente Ironie ist (die aber funktioniert!), dass Vetris-Molaud sich ausgerechnet Rhodan als Vorbild auserkoren hat).

Aber zurück zum eigentlichen Inhalt von Band 1000, den Graffitis. Idaho, du hast in Deinem posting eines davon besonders hervorgehoben:
idaho hat geschrieben:Apropos Zeitlos: Gibt es noch jemanden, den das Pedro Armendariz Graffiti erschreckend an die aktuelle Lage im Iran erinnert?
Bei allem schuldigen Respekt, ich las und lese Deine postings immer sehr sehr gerne und werde es sicher auch weiterhin tun, aber davon abgesehen, dass es mich mehr an die Lage in der Türkei erinnert... welches andere der Graffitis hat denn heutzutage KEINE reale Entsprechung? In den USA werden heute noch Schwarze in den Rücken geschossen weil sie "einen Polizisten bedroht haben" (mit ihrem Rücken??), Waffen werden immer noch aus Profitgier hergestellt und verkauft (ich erinnere da an den moralischen Offenbarungseid unseres ehemaligen Außenministers "Wenn wir es nicht machen, machts ein anderer") und die Umwelt wird ausgebeutet als ob wir eine Ersatz-Erde parat hätten (die Zahl der Beispiele hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen). Es gibt immer noch Drogensüchtige, Gewalt gegen Kinder (und auch gegen Frauen (nicht zu vergessen)) und und und...
Und während in der Türkei einer dabei ist das Dritte Reich nachzubauen, streiten sich ein kleiner dicker Mann und ein großer dicker Mann darüber wer den Größeren hat (Atomsprengknopf).

Niemand weiß was WiVo durch den Kopf ging als er die Graffitis geschrieben hat, aber das erschreckende ist, dass sie selbst fast 40 Jahre nachdem er sie verfasst hat immer noch aktuell sind. Ob das nun toll ist oder nicht so toll.. das zu beurteilen überlasse ich jedem selber. Aber das ist IMHO die wahre, die eigentliche "Leistung" von Band 1000.

Ich gebe auch gerne einen weiteren Denkanstoß, warum Band 1000 eine Sonderstellung einnimmt:
Es möge sich jeder für sich selber überlegen, ob die PR-Serie als ganzes oder auch nur jeder einzelne Zyklus ohne den "00er-Band" oder den "99er-Band" (manchmal "49er-Band" oder andere krumme Zahlen) funktionieren würde. Also angenommen es hätte Band 850 NIE gegeben. Oder Band 1200. Oder Band 2000. Oder oder oder...
Undenkbar!
Aber auf Band 1000 könnte die Serie locker verzichten. Hätte man auch in Band 1007 im Prolog erklären können:"Am 01.01.3588 gründete Perry Rhodan die Kosmische Hanse und führte die Neue Galaktische Zeitrechnung ein. Die Kosmische Hanse sollte dabei auch eine unterstützende Rolle im Kampf gegen die feindliche negative Superintelligenz Seth-Apophis einnehmen." BUMS, fertig. Plain & simple :P

Für mich sind die Graffitis in Band 1000 und da besonders das letzte, welches Perry Rhodan selber thematisiert, das Credo der gesamten Serie. Und auch die hier angesprochene Erhöhung Rhodans wird in diesem relativiert. Dadurch dass WiVo schreibt, dass Rhodan all das (all das was er in den vorherigen Graffitis beschrieben hat) aus eigener Erfahrung kennt. Aber anders als bei Harvey "Two-Face" Dent behält Rhodan seine moralische Integrität bei (Bestes aktuelles Beispiel: Band 2941 in dem er auf eine gäonische Widerstandsgruppe trifft, die einen regierungstreuen Gäonen foltern und er dessen Freilassung durchsetzt).
Ich finde, das war und ist der einzige sinngebende Zweck von Band 1000, nämlich herauszuarbeiten was es denn genau ist was Rhodan von anderen unterscheidet und warum es nur jemand wie Rhodan sein konnte, der genau diese Position einnehmen konnte. Und das "nur", weil er diese besondere Art von Denken hat.


So, ich habe fertig :D
Es gibt zwei Dinge die unendlich sind: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir aber nicht ganz sicher.
(Albert Einstein)

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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Verkutzon » 25. April 2018, 08:47

@Vincent Garron

Vergleiche mit anderen JubiBänden müssen und sollen sein. Tatsächlich unterscheidet sich Band 1000 von anderen. Das war auch die Intention von Voltz. Warum für diese spezielle Nummer einen konventionellen SF Roman schreiben? Für mich hat das Heft eine faszinierende künstlerische Komponente und machte eine Standortbestimmung der Serie. Sicher hat es Längen, und die Zusammenfassung der vergangenen Geschichte war für Altleser unnütz; nicht jedoch für Neueinsteiger! Aber ich akzeptiere natürlich auch deine Sicht; Geschmäcker und Meinungen sind verschieden und das ist gut so :st:
Verkutzon sah eine endlose Schwärze. Ein nie gekanntes Schwindelgefühl erfasste ihn. Ungläubig liess er Laires Auge sinken. Aus: PR-Heft 1120

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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Tennessee » 26. April 2018, 19:45

Verkutzon hat geschrieben:Zur Frage, ob Rhodan nur eine Marionette von ES [...] Das Konzept stammt von WiVo, ihm muss dieser „negative“ Aspekt der kosmischen Hanse bewusst gewesen sein. Der Untertitel des Heftes, „Die kosmische Bestimmung der Menschheit“, sagt eigentlich alles...
Salut Verkutzon,

ich finde deine Analogie zur Bibel sehr spannend und vor dem Hintergrund, dass viele Muster unserer westlich-europäischen Literatur bereits in der Bibel vorliegen (z.B. die feindlichen Brüder; Verrat und Sünde aus Liebe; Zweifel vor dem Schicksal etc...), ziemlich einleuchtend.

Interessant ist aber in dem Zusammenhang auch folgender Gedanke: Die PR-Hefte schreiben und konzipieren sich ja nicht selbst. Hinter dem Gedanken des "auerwählten Volkes der Terraner" steckt ja eine "Factory", die sich diese Richtung ausgedacht hat. Kurzum: die "Auserwählten-Aussage" wurde ja (von Willy Voltz; und Gnade, bitte Gnade, Vincent Garron, dass ich ihn WV abkürzte, bitte lass mich nicht in einer Hyperraumsenke elendig verschmachten oder durch Mikrowellen schmerzhaft zu Grunde gehen, ich schwöre auch beim Heiligen WiVo, dass ich WiVo niemals mehr WV abkürzen werde....) so willentlich geschrieben. Ob sich der WiVo (hah, ich lerne!!) bewusst war, dass diese Konzeption auch ein paar gedanklich-kritische Fallstricke mit sich bringt? Die führt ja - wenn man es extrem denkt - auch in Richtungen, die man ja mit PR gar nicht verbinden mag. :devil:

lg Ten.
„Ein Wort“, sagte Humpty Dumpty, „bedeutet genau das, was ich es bedeuten lasse, nichts anderes.“
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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von zephydia » 27. April 2018, 07:12

Vincent Garron hat geschrieben:
Wenn es überhaupt eine Minimalbedeutung des Bandes für die Serie gab, dann die, dass Seth-Apophis zum quasi Dauer-Kontrahent ernannt wurde, eine literarische Idee, die in den James Bond-Filmen bspw. durch die Figur des Ernst Stavro Blofeld eingenommen wurde.
So etwas gab es unter Scheer bei PR nicht. Da waren die Bösewichte immer nur für einen Zyklus gut. Erst die Laren bekamen die Chance dauerhaft als Bösewichte zu agieren, das war aber auch schon unter der Voltz-Ägide. Dieses Konzept fehlte PR bis dahin und das hat WiVo (bitte kürzt ihn nicht mit WV ab, das lenkt meine Synapsen instinkthaft auf Wim Vandemaan, ich kann das nicht unterbinden) aufgegriffen. Dass das nicht so funktioniert hat wie WiVo sich das vielleicht gedacht hat (und sein drittgrößter Fehler war), ist aus heutiger Sicht klar. Superintelligenzen zu beschreiben ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, das hat so gut wie nie funktioniert, außer - mit leichten Abstrichen - bei ES, den man aber schon zu Beginn der Serie eher etwas "vermenschlicht" hat (alter Mann, langer Rauschebart => Sympathie). Ihr bräuchtet euch da nur mal 2 Minuten mit WV (Wim Vandemman) zu unterhalten, der da schon ein wesentlich "realistischeres" (Verzeihung wenn ich das Wort im Zusammenhang mit einer Science-FICTION-Serie benutze, aber mir fällt kein besseres ein) Bild von Superintelligenzen, gerade und vor allem von ES, zeichnet.
So gesehen war es abzusehen, dass die "Gefahr" die Seth-Apophis verkörpern sollte, so nicht beim Leser ankam. Ein auf mich gerichteter feuerbereiter Blaster wirkt auf mich IMMER bedrohlicher als eine Superintelligenz im Hintergrund. Aus diesem Grunde (so meine Vermutung, Heiko Langhans kann das alles vielleicht veri- oder falsifizieren er ist da wesentlich tiefer in den Hintergründen als ich) beging WiVo seinen zweitgrößten Fehler, nämlich Seth-Apophis durch Rhodan zu töten oder besser: downzugraden. Ein Mensch der eine Superintelligenz besiegt? Wäre das keine Fiktion würde ich ab sofort Angst vor jeder Ameise haben, die mir auf dem Bürgersteig entgegenkommt.
(Bevor einer fragt. WiVos größter Fehler war die menschliche Darstellung der Kosmokraten Vishna und Taurec. Das lässt sich auch nicht durch das Transformsyndrom wegdiskutieren)
Waren diese von Dir aufgezählten "Fehler" wirklich Fehler oder waren es ganz bewuste Entscheidungen mit denen WiVo sicherstellte dass die Serie nicht in einer Sackgasse endet aus der sie nicht mehr rauskommt? Du magst Wim Vandemaans Neukonzeption der Superintelligenzen weg von sehr machtvollen Lebewesen hin zu uns völlig unverständlichen Gottheiten als "realistisch" bezeichnen ich denke aber dass es der Serie schadet. Ich muss schlucken dass z.B. so ein ach so überlegenes gottgleiches bewohnte Wesen Planeten aus purer Bosheit von seinem Hilfsvolk in Müllkippen verwandeln lässt. Und höre als Erklärung immer nur dass wir Leserameisen dass halt nicht verstehen können.

Wims Konzept könnte meiner Meinung nach nur funktionieren wenn die Superintelligenzen (und Materiequellen/Senken, Kosmokraten, Chaotarchen, Transkosmokraten usw) lediglich ganz schemenhaft im Hintergrund agieren täten und man sich ihrer Existenz zwar bewusst wäre aber ihr Einfluss nur ganz selten direkt spürbar wäre. Stattdessen bekommt man immer aberwitzigere Hunderttausendjahres-(oder gleich Jahrmillionen-)pläne und Perry kann nichts weiter tun als hilflos daneben zu stehen oder gleich die Technik zu liefern um die Bevölkerung einer ganzen Galaxis "geordnet" abzuschlachten (er ist ja schlieslich der Held da darf er ja nicht zulassen dass dass sie "ungeordnet" abgeschlachtet werden :übel: ).
Ich wollte eigentlich über dass Thema nichts weiter schreiben, hoffte dass so etwas sich nicht wiederholen würde aber wenn ich mir dass neuste Heft durchlese (gerade heute Morgen fertig geworden) dann fürchte ich dass es auch in diesem Zyklus so weitergehen wird.
Spoiler:
Stichwort Haluter
So sehr ich Wim als Autoren schätze (wahrscheinlich der einzigste echte Literat den die Serie je hatte) als Expoeautor halte ich seine Entscheidungen für problematisch.


Da ziehe ich WiVos Konzeption dass die "hohen Mächte" gar nicht so "hoch" sind wie sie es selbst gerne hätten eindeutig vor.

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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Quinto » 27. April 2018, 18:44

Vincent Garron hat geschrieben: Superintelligenzen zu beschreiben ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, das hat so gut wie nie funktioniert, außer - mit leichten Abstrichen - bei ES, ...
zephydia hat geschrieben: Wims Konzept könnte meiner Meinung nach nur funktionieren wenn die Superintelligenzen (und Materiequellen/Senken, Kosmokraten, Chaotarchen, Transkosmokraten usw) lediglich ganz schemenhaft im Hintergrund agieren täten und man sich ihrer Existenz zwar bewusst wäre aber ihr Einfluss nur ganz selten direkt spürbar wäre.
Mein Reden seit langem.

Was bedeutet Superintelligenz? Vom Standpunkt eines Neandertalers oder Wals sind wir als Spezies eine Superintelligenz, weil unsere Fähigkeit der Umwelterkenntnis und -beeinflussung weit über ihre Möglichkeiten hinausgeht. Das beruht auf unserer Gehirnstruktur, der Körperbeschaffenheit und den damit verbundenen Fähigkeiten zum Verständnis der Mechanismen der physischen Welt. Zum Beispiel wissen wir, wie wir stabile Gebäude bauen, wir können Planetenbewegungen berechnen und eine Sonnenfinsternis voraussagen. Insofern kann jeder auch beschränkt in die Zukunft schauen ("Präkognition"). Analog lässt sich sagen: Eine Superintelligenz hat ein weitaus größeres Verständnis des Kosmos und seiner Entwicklung, sie hat eine andere Wahrnehmung und damit verbunden ein ganz anderes Bewusstsein, auch Zeitbewusstsein. Ob das auf das physischen Ebene überhaupt möglich ist, mag dahingestellt bleiben. Während wir beispielsweise paranormalen Erscheinungen hilflos gegenüberstehen, sind sie für Superintelligenzen vielleicht einfach durchschaubar. Und während wir vielleicht bestimmte Erscheinungen als Zufall abtun, könnte eine Superintelligenz darin die notwendige Konsequenz vorausgegangener Tatsachen sehen. Sie könnte Kausalketten oder Wechselwirkungen zwischen Physis und Nicht-Physis erkennen, die uns verborgen bleiben.

Warum funktionierte anfangs (und nur anfangs) bei ES, was später nicht mehr funktionierte? Weil ES sich nicht aktiv einmischte. ES beobachtete, gab Ratschläge, amüsierte sich, philosophierte auch mal, reagierte höchstens abwehrend auf unerwünschte Entwicklungen wie bei den Druuf, Thomas Cardif, dem Suprahet. Als die Einmischungsphase in Schwung kam lief die Sache bald aus dem Ruder. Denn nun wurden die Superintelligenzen und Kosmokraten bald Menschen wie du und ich, mit denselben Wünschen und Problemen, nur angesiedelt auf einer "höheren" Ebene. Es ging zu wie bei den griechischen Göttern: Hauen und Stechen. Man behalf sich mit der Ausrede, die Maßnahmen dieser Wesen seien eben unbegreiflich. Und obwohl alle diese Wesen superultramächtig waren, mussten sie ständig Hilfskräfte rekrutieren, weil sie selbst nichts auf die Reihe bekamen. Anfangs mag das ganz unterhaltsam gewesen sein, auf Dauer wurde es ärgerlich, geradezu grotesk.

Eine wirkliche Superintelligenz zu beschreiben bedeutet für mich, sich zurückzuhalten und bei Andeutungen zu bleiben. Es bedeutet, ihre Anwesenheit mit Ereignissen zu garnieren, die für Menschen bemerkbar, aber nicht verstehbar sind wie Materialisierung, Dematerialisierung, Bewusstseins- oder Wahrnehmungserweiterungen, Zukunfts- und Vergangenheitsschau. Es bedeutet vor allem, Superintelligenzen nicht menschliche Motive und Verhaltensweisen zu unterlegen. Sie mögen Wünsche wie Weiterentwicklung haben, aber die spielen sich dann in einem Bewusstseins- und Wahrnehmungsbereich ab, den wir so wenig verstehen können wie ein Wal die Sterne. Sie mögen vielleicht aufgrund ihrer Einsichten Maßnahmen einleiten, die dem Ganzen zugutekommen, die wir als solche aber gar nicht erkennen können. Oder sie agieren als Helfer und Wegweiser so wie erfahrenere Menschen jüngere anleiten. Bekanntlich ist jeder Lehrende auch ein Lernender oder sollte es doch sein. ES konnte anfangs als ein solcher Wegweiser verstanden werden, Darlton deutete das an einer Stelle auch mal an. Später konnte davon nicht mehr die Rede sein.

Die esoterische Literatur ist voll von Konzepten (Beispiel: Akasha-Chronik), die man für die SF nutzen könnte. Auch die Existenz verschiedener, aufeinander aufbauender, nichtphysischer Bewusstseins- und Realitätsebenen ist ein gängiges Konzept. Aber so etwas kann unmöglich vordergründig als Spannungsträger und Objekt der Erforschung dienen sondern nur im Sinne eines Hintergrundbildes wie die "Macht" aus Star Wars.

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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Vincent Garron » 27. April 2018, 19:21

Tennessee hat geschrieben:(und Gnade, bitte Gnade, Vincent Garron, dass ich ihn WV abkürzte, bitte lass mich nicht in einer Hyperraumsenke elendig verschmachten oder durch Mikrowellen schmerzhaft zu Grunde gehen, ich schwöre auch beim Heiligen WiVo, dass ich WiVo niemals mehr WV abkürzen werde....)
Hey Tennessee, kein Problem.. bin doch ein Netter :)
Sag' Vince zu mir.... :devil:

zephydia hat geschrieben:Waren diese von Dir aufgezählten "Fehler" wirklich Fehler oder waren es ganz bewuste Entscheidungen mit denen WiVo sicherstellte dass die Serie nicht in einer Sackgasse endet aus der sie nicht mehr rauskommt? Du magst Wim Vandemaans Neukonzeption der Superintelligenzen weg von sehr machtvollen Lebewesen hin zu uns völlig unverständlichen Gottheiten als "realistisch" bezeichnen ich denke aber dass es der Serie schadet.
Ich denke nicht, dass Wim die Superintelligenzen neu konzeptioniert hat. Er deutet sie eher so, dass ihre Pläne und Ziele uns nicht eingängig sein können.
Meine Kritik an der Darstellung von Superintelligenzen und Kosmokraten in den ersten ~1200 - 1300 Heften ging eher in die Richtung der "Vermenschlichung". Taurec der Machtlose und Vishna die Sexbombe auf 2 Beinen wäre rückblickend betrachtet eine zutreffendere Beschreibung anstelle von "Kosmokraten" im Sinne der Definition der Perrypedia (z.B.). Hismooms Auftritte waren da schon wesentlich beeindruckender.
zephydia hat geschrieben:Ich muss schlucken dass z.B. so ein ach so überlegenes gottgleiches Wesen bewohnte Planeten aus purer Bosheit von seinem Hilfsvolk in Müllkippen verwandeln lässt. Und höre als Erklärung immer nur dass wir Leserameisen dass halt nicht verstehen können.
Du beziehst Dich hier offensichtlich auf KOSH. KOSH ist eine als negativ eingestufte SI, von denen aber bekannt ist, dass sie ihre Hilfsvölker lediglich als Erfüllungsgehilfen benutzen um ihre eigenen Pläne durchzusetzen. Inwieweit man einer positiven SI unterstellen könnte, dass sie ihre Hilfsvölker ja auch nur benutzt um ihre eigenen Pläne durchzusetzen, darüber könnte man sicher diskutieren. Allerdings würde eine positive SI niemals hergehen und einen Planeten aus purer Bosheit in eine Müllkippe verwandeln lassen, zumindest ist mir kein solcher Fall bekannt (auch nichts vergleichbares). Daher weiß ich nicht was Du mir damit sagen willst :???:
zephydia hat geschrieben:Wims Konzept könnte meiner Meinung nach nur funktionieren wenn die Superintelligenzen (und Materiequellen/Senken, Kosmokraten, Chaotarchen, Transkosmokraten usw) lediglich ganz schemenhaft im Hintergrund agieren täten und man sich ihrer Existenz zwar bewusst wäre aber ihr Einfluss nur ganz selten direkt spürbar wäre.
BINGO! Vergleich jetzt mal das was Du geschrieben hast, mit Art und Umfang des Auftretens von ES innerhalb der Serie. ES war immer deswegen so geheimnisvoll weil er nur selten präsent war und selbst dann stets nur Ansätze von Hinweisen gegeben hat, gerade so viel dass es reichte, dass Rhodan "Aufhänger" hatte an denen er ansetzen konnte. Und dann kamen die Kosmokraten Taurec und Vishna, spazierten durch die Handlung wie jede andere Person auch, ließen arrogante Sprüche los, waren aber ansonsten ziemlich "macht-los", zusammengefasst: Menschen wie Du und ich, die aber obendrein noch unerträglich arrogant waren. Das war der Fehler den ich meinte. Diese Kosmokraten waren "fassbar", im Gegensatz zu ES dessen Wirken für uns immer "un-fassbar" war.

zephydia hat geschrieben:Stattdessen bekommt man immer aberwitzigere Hunderttausendjahres-(oder gleich Jahrmillionen-)pläne und Perry kann nichts weiter tun als hilflos daneben zu stehen oder gleich die Technik zu liefern um die Bevölkerung einer ganzen Galaxis "geordnet" abzuschlachten (er ist ja schlieslich der Held da darf er ja nicht zulassen dass dass sie "ungeordnet" abgeschlachtet werden :übel: ).
Ich kann Dir gerade in keinster Weise folgen. Würdest Du bitte konkreter werden was Du damit meinst, dass Rhodan die Technik geliefert habe die Bevölkerung einer ganzen Galaxis abzuschlachten??
Es gibt zwei Dinge die unendlich sind: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir aber nicht ganz sicher.
(Albert Einstein)

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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Clark Flipper » 27. April 2018, 20:02

Sie befinden sich im Thread:
Band 1000 "Der Terraner"

Die von Ihnen diskutierten Themen
befinden sich, in vielerlei Hinsicht,
sehr weit in der Zukunft.

Vielen Dank! ;-)
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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Clark Flipper » 27. April 2018, 20:08

GruftiHH hat geschrieben:Untertitel: Die kosmische Bestimmung der Menschheit

Autor: William Voltz

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Da wir im "Kosmische Burgen" Zyklus der Meinung waren, dass Band 1000 eine Sonderstellung einnimmt, habe ich beschlossen, den Roman separat zu behandeln.

Inhalt:
Spoiler:
Sorgore Carfesch soll im Auftrag von ES zwei Zellaktivatoren auf ihre zukünftigen Träger abstimmen. Sie sollen den Status eines Ritters der Tiefe erhalten. Die Suche nach den geeigneten Trägern geht los.

Zwei dieser Sucher, Berritz und Charruta, streiten sich. Berritz wird aus dem gemeinsamen Schiff verbannt. Charruta findet den ersten geeigneten Träger: ATLAN. Dieser befindet sich auf Larsaf III.

10.000 Jahre später ist auch der zweite Träger gefunden. Jynker Rook, ein weiterer Sucher, hat Probleme mit seinem Raumschiff. Faadenwarner haben sein Raumschiff übernommen. Er empfängt das Signal, kann ES noch informieren, bevor die Zentrale überrollt wird.

Carfesch manifestiert sich wieder und geht zu PERRY RHODAN, dem zweiten potentiellen Kandidaten. Da dieser noch ein Junge von 9 Jahren ist, nimmt er ihn mit nach Wanderer und erzeugt dadurch dessen Sehnsucht zu den Sternen. Um ganz sicher zu gehen entwickelt ES noch das KOSMISCHE RÄTSEL, welches der Terraner lösen muss um die Unsterblichkeit zu erhalten.

Perry Rhodan, jetzt erwachsen, fliegt zum Mond und lernt die Arkoniden kennen. Die Menschheit bricht ins All auf und ES gewährt ihm mit Hilfe der Zelldusche 62 Jahre zusätzlicher Unsterblichkeit. Viele Abenteuer folgen.

Nach dem Abenteuern um Laire und den kosmischen Burgen wird es etwas ruhiger um Rhodan.

ES nimmt ihn zeitweise in sich auf. Dabei erhält Rhodan den Auftrag, eine Organisation zu gründen, deren Aufgabe der Handel sein soll. Mit Hilfe von Laires Auge kann der Terraner jeden Stützpunkt der "Kosmischen Hanse" erreichen. Der Handel ist aber nur Vorwand. Die eigentliche Aufgabe der Organisation besteht darin, Agenten der Superintelligenz Seth-Apophis ausfindig zu machen und sie zu Verbündeten von ES zu machen. Seth-Apophis will jedoch dessen Mächtigkeitsballung zerstören. Desweiteren bauen die Kosmokraten eine dritte Kraft im Limbus auf. Perry Rhodan wird auch in das Zwiebelschalenmodell eingeweiht.

Rhodan kehrt nach Terra zurück und Carfesch begleitet ihn. Ab sofort gilt die Neue Galaktiche Zeitrechnung (NGZ).
Persönliche Meinung

Den einzelnen Kapiteln sind Lebensläufe / Berichte von 10 Terranern vorgestellt. Diese wurden 2012 als PDF , mit zusätzlichen Zeichnungen versehen, kostenlos veröffentlicht.

Das Heft eignet sich meiner Meinung nach als Einstieg sehr gut. Es umspannt die Ereignisse der 999 Hefte zuvor.

Etwas unglaubwürdig fand ich das erste Treffen von Rhodan und ES. Rhodan ist erst 9. Nun ja. Das nennt sich wohl künstlerische Freiheit.

Ich weiß nicht. Wenn man mal so in Fankreisen über das Heft spricht gibt es geteilte Meinungen. Mir hat das Heft sehr gut gefallen.
Hot und ich haben uns entschieden, erst mal getrennte Wege im Perry Rhodan Bereich zu gehen. Ich möchte mich mehr um meine (im Entstehen befindliche) Homepage kümmern und einen ATLAN-Blog gestalten während Hot ja im Sternenozean weilt.

Lesen könnt ihr mich auf jeden Fall noch bei den NEO Spoilern und bestimmt auch hier und da im Sternenozean.
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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Verkutzon » 28. April 2018, 07:07

Tennessee hat geschrieben:
Verkutzon hat geschrieben:Zur Frage, ob Rhodan nur eine Marionette von ES [...] Das Konzept stammt von WiVo, ihm muss dieser „negative“ Aspekt der kosmischen Hanse bewusst gewesen sein. Der Untertitel des Heftes, „Die kosmische Bestimmung der Menschheit“, sagt eigentlich alles...
Salut Verkutzon,

ich finde deine Analogie zur Bibel sehr spannend und vor dem Hintergrund, dass viele Muster unserer westlich-europäischen Literatur bereits in der Bibel vorliegen (z.B. die feindlichen Brüder; Verrat und Sünde aus Liebe; Zweifel vor dem Schicksal etc...), ziemlich einleuchtend.

Interessant ist aber in dem Zusammenhang auch folgender Gedanke: Die PR-Hefte schreiben und konzipieren sich ja nicht selbst. Hinter dem Gedanken des "auerwählten Volkes der Terraner" steckt ja eine "Factory", die sich diese Richtung ausgedacht hat. Kurzum: die "Auserwählten-Aussage" wurde ja (von Willy Voltz; und Gnade, bitte Gnade, Vincent Garron, dass ich ihn WV abkürzte, bitte lass mich nicht in einer Hyperraumsenke elendig verschmachten oder durch Mikrowellen schmerzhaft zu Grunde gehen, ich schwöre auch beim Heiligen WiVo, dass ich WiVo niemals mehr WV abkürzen werde....) so willentlich geschrieben. Ob sich der WiVo (hah, ich lerne!!) bewusst war, dass diese Konzeption auch ein paar gedanklich-kritische Fallstricke mit sich bringt? Die führt ja - wenn man es extrem denkt - auch in Richtungen, die man ja mit PR gar nicht verbinden mag. :devil:

lg Ten.
Guten Morgen Ten.
Interessant wäre zu Wissen, ob WiVo ein religiöser Mann war, und ob sich dies eventuell im "Terraner" spiegelt. Das Konzept des Heilsbringers ist im Heft deutlich erkennbar... Dies kann meiner Meinung nach auch unbewusst, ohne Absicht des Autors geschehen sein. Der Germanist Peter von Matt sagt, dass es nur 7 Grundgeschichten gibt, alle anderen sind Variationen davon. Auch "Der Terraner" ist nur eine Version der sieben Grundgeschichten. Es ist also nicht zwingend, WiVo eine religiöse Absicht zu unterstellen. Ups, ich schwadroniere hier unbedarft über PR und Religion, ist, glaube ich, nicht gern gesehen... Wünsche euch allen ein schönes Wochenende!
Verkutzon sah eine endlose Schwärze. Ein nie gekanntes Schwindelgefühl erfasste ihn. Ungläubig liess er Laires Auge sinken. Aus: PR-Heft 1120

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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Tennessee » 29. April 2018, 13:15

Verkutzon hat geschrieben:[...]
Guten Morgen Ten.
Interessant wäre zu Wissen, ob WiVo ein religiöser Mann war, und ob sich dies eventuell im "Terraner" spiegelt. Das Konzept des Heilsbringers ist im Heft deutlich erkennbar... Dies kann meiner Meinung nach auch unbewusst, ohne Absicht des Autors geschehen sein. Der Germanist Peter von Matt sagt, dass es nur 7 Grundgeschichten gibt, alle anderen sind Variationen davon. Auch "Der Terraner" ist nur eine Version der sieben Grundgeschichten. Es ist also nicht zwingend, WiVo eine religiöse Absicht zu unterstellen. Ups, ich schwadroniere hier unbedarft über PR und Religion, ist, glaube ich, nicht gern gesehen... Wünsche euch allen ein schönes Wochenende!
Guten middag zurück

und Peter von Matt ist toll! Ich liebe seine Bücher.

Ich bin da grundsätzlich sehr dicht bei dir. Ob WiVo nun bewusst oder unbewusst mit Bd 1000 eine quasi-religiöse Heilsbringer- oder Auserwähltengeschichte erzählen wollte, ist mir aber nun doch nicht ganz so wichtig. Ich glaube, da steht der Text für sich selbst, auch ohne Hintergrundinformation über die Religiösität des Autors.

Zum Thema schwadronieren über PR und Religion:
Ich fände es schon sehr schade, wenn eine sachliche und themenbezogene Diskussion - auch zu einem kontroversen Thema wie Religion - wie das hier in diesen thread geschieht, nicht gern gesehen wird. Ich glaube, dass eine Diskussion in diesem unseren Stil unproblematisch ist. Es wird ja kein Religionspopulismus betrieben. *zwinker*

lg
Ten.
„Ein Wort“, sagte Humpty Dumpty, „bedeutet genau das, was ich es bedeuten lasse, nichts anderes.“
„Die Frage ist“, sagte Alice, „ob du Worten so viele Bedeutungen geben kannst“.
„Die Frage ist“, sagte Humpty Dumpty, „wer die Macht hat – das ist alles.“

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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von thinman » 29. April 2018, 21:54

Tennessee hat geschrieben:
Verkutzon hat geschrieben:[...]
Guten Morgen Ten.
Interessant wäre zu Wissen, ob WiVo ein religiöser Mann war, und ob sich dies eventuell im "Terraner" spiegelt. Das Konzept des Heilsbringers ist im Heft deutlich erkennbar... Dies kann meiner Meinung nach auch unbewusst, ohne Absicht des Autors geschehen sein. Der Germanist Peter von Matt sagt, dass es nur 7 Grundgeschichten gibt, alle anderen sind Variationen davon. Auch "Der Terraner" ist nur eine Version der sieben Grundgeschichten. Es ist also nicht zwingend, WiVo eine religiöse Absicht zu unterstellen. Ups, ich schwadroniere hier unbedarft über PR und Religion, ist, glaube ich, nicht gern gesehen... Wünsche euch allen ein schönes Wochenende!


Ich bin da grundsätzlich sehr dicht bei dir. Ob WiVo nun bewusst oder unbewusst mit Bd 1000 eine quasi-religiöse Heilsbringer- oder Auserwähltengeschichte erzählen wollte, ist mir aber nun doch nicht ganz so wichtig. Ich glaube, da steht der Text für sich selbst, auch ohne Hintergrundinformation über die Religiösität des Autors.


lg
Ten.
Wir können hier nur Vermutungen anstellen, aber es gibt mehr als deutliche Hinweise auf ein fundiertes theologisches Wissen: die Psychode. So föllig aus dem Nichts dürfte er die Begriffe dort nicht verwendet haben. Ob er aber deswegen religös war, kann man nicht sagen. Es sei nur zum Beispiel auf Buñel verwiesen, der definitiv ein Atheist war, aber wie seine Filme deutlichst zeigen sich fast sein ganzes Leben an der katholischen Kirche abgearbeitet hat ("ist ein heiliger Anonius meh wert als eine Jungfrau Maria" (Das Gespenst der Freiheit)

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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Verkutzon » 30. April 2018, 08:46

nanograinger hat geschrieben:Voltz hatte offenbar kein Problem, Perry in dieser Dualität zwischem überhöhtem "Auserwählten" und "Mensch wie du und ich" zu begreifen und darzustellen. Bei anderen Autoren war das nicht immer so, und wie die jeweiligen Leser das rezipierten, ist sowieso unklar. Aber diese "duale" Darstellung wird bis heute durchgezogen, mit mehr oder weniger starken Ausschlägen je nach Autor und Phase der Serie. Jetzt haben wir fast 2000 Bände mehr und leben fast 40 Jahre später, und es wird weiter auf den Konzepten aufgebaut, die in PR 1000 so klar und deutlich beschrieben sind. Das muss man nicht alles gut finden, aber so schlecht wie manche es machen wollen, kann es wohl nicht gewesen und angekommen sein.


Schon kurz nach Jesus Tod wurde darüber diskutiert, ob er ganz Mensch war, oder nur eine göttliche Erscheinung in Menschengestalt. Erlöserfiguren sind meist Dual, weil sie Vermittler zwischen der irdischen und überirdischen Welt sind... Perry Rhodan fügt sich auch hier bestens in ein wohlbekanntes Schema.

Etwas interessiert mich noch: Nanograinger hat es bereits angesprochen; nämlich das Projekt von SAN. Die kosmische Hanse war vordergründig eine Handelsorganisation. Der eigentliche Zweck war jedoch ein Bollwerk gegen Seth-Apophis. Faszinierend finde ich in diesem Zusammenhang eine Aussage von ES: „Unser Ziel kann auch nicht sein, Seth-Apophis zu besiegen oder gar zu vernichten.“ Und weiter: „Es ist unwahrscheinlich, dass wir das Schicksal von Seth-Apophis günstig beeinflussen können, aber genau das haben wir vor.“ ES wirkt hier ganz als der väterliche Berater, der seinen Zögling (die Menschheit) darauf hinweist, dass man Probleme auch ohne Gewalt lösen kann; und das, obwohl ES sich scheinbar in grosser Bedrängnis befindet und deswegen Rhodans Besuch abkürzen muss (Seite 76)! (Das jetzt nur am Rande: Demut vor dem Feind...das Neue Testament lässt grüssen)
Demgegenüber hat das Projekt von SAN eine klare militärische Ausrichtung. Geplant ist ein Bollwerk gegen kosmische Bedrohungen.
Ich frage mich, ob nun SAN einfach eine moderne Neuauflage der kosmischen Hanse ist (ohne Einführung einer neuen Zeitrechnung :lol: ) oder ob die Serie wieder in eine Richtung dreht, in der härter und gnadenloser mit kosmischen Gegner umgegangen wird. Meiner Meinung nach, wäre das nicht im Sinne von Voltz, und seiner Vision vom „Der Terraner“. (Muss es natürlich auch nicht sein! Die Serie soll sich weiterentwickeln. Die Bemerkung bezieht sich nur auf den Zeitpunkt, als WiVo Heft 1000 schrieb)
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Re: Band 1000 "Der Terraner"

Beitrag von Haywood Floyd » 30. April 2018, 18:46

Vincent, ich stimme deinem Beitrag zu, möchte aber in einem Punkt doch Kritik anbringen:
Vincent Garron hat geschrieben: Ein Mensch der eine Superintelligenz besiegt? Wäre das keine Fiktion würde ich ab sofort Angst vor jeder Ameise haben, die mir auf dem Bürgersteig entgegenkommt.
Viren (keine Lebewesen) und Bakterien (Einzeller) sind noch viiiiieeeel kleiner, als Ameisen, aber sie töten Menschen! Und IMHO beschreibt der Abstand Mensch - Virus/Bakterium den evolutionären Abstand SI - Mensch wesentlich treffender, als das immer wieder strapazierte Ameisen-Beispiel.

Ein Mensch besteht aus hundert Billionen Zellen; die typische Superintelligenz MUSTERWESEN aus wahrscheinlich größenklassenmäßig (einige Zehnerpotenzen hin oder her... :unschuldig: ) vergleichbar vielen Individuuen - in beiden Fällen haben die Konstituenten frei- oder unfreiwillig (wer weiß das schon?) ihre individuelle Existenz aufgegeben, um Teil eines viel größeren Etwas (Mensch bzw. SI) zu werden.

Ich jedenfalls habe Angst vor gewissen Viren und Bakterien und lasse mich sogar dagegen impfen oder nehme ggf. Antibiotika. Ob es für SI's eine Rhodanium-Schutzimpfung oder Antirhodanika gibt? :)
"We starve-look at one another short of breath, walking proudly in our winter coats
wearing smells from laboratories, facing a dying nation of moving paper fantasy.
Listening for the new told lies with supreme visions of lonely tunes."


'The Flesh Failiures' - G. MacDermot, G. Ragni, J. Rado (1967)

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Re: Band 1000

Beitrag von zephydia » 30. April 2018, 22:19

Clark Flipper hat geschrieben:Sie befinden sich im Thread:
Band 1000 "Der Terraner"

Die von Ihnen diskutierten Themen
befinden sich, in vielerlei Hinsicht,
sehr weit in der Zukunft.

Vielen Dank! ;-)
Sorry, hast recht. :o( Es ist mit mir durchgegangen. Allerdings finde ich es schwierig über die Bedeutung von ausgerechnet Band 1000 zu reden ohne auch darüber zu reden was danach kam und wo Band 1000 sozusagen die Wurzel war. Aber ich werde mich anstrengen in Zukunft off-topic Posts zu vermeiden.

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Re: Band 1000

Beitrag von Verkutzon » 1. Mai 2018, 07:08

zephydia hat geschrieben:
Clark Flipper hat geschrieben:Sie befinden sich im Thread:
Band 1000 "Der Terraner"

Die von Ihnen diskutierten Themen
befinden sich, in vielerlei Hinsicht,
sehr weit in der Zukunft.

Vielen Dank! ;-)
Sorry, hast recht. :o( Es ist mit mir durchgegangen. Allerdings finde ich es schwierig über die Bedeutung von ausgerechnet Band 1000 zu reden ohne auch darüber zu reden was danach kam und wo Band 1000 sozusagen die Wurzel war. Aber ich werde mich anstrengen in Zukunft off-topic Posts zu vermeiden.
Alles io! Ist doch interessant wohin solche Diskussionen führen... Ich persönlich empfinde manchmal diese Topic-Sache als einengende Schranke.
@Clark Flipper
Seit Einführung der NGZ dutzt man sich :D
Verkutzon sah eine endlose Schwärze. Ein nie gekanntes Schwindelgefühl erfasste ihn. Ungläubig liess er Laires Auge sinken. Aus: PR-Heft 1120

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