Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

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Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Lumpazie » 14. Juli 2019, 08:44

Unter dem neuen Großzyklus "Im Auftrag der Kosmokraten" startete der Teilzyklus "Alkordoom" (Heftroman 675-699).

Im Jahr 1984 erschien der Band 675 der Atlan-Serie.

Hexenkessel Alkordoom


von Peter Griese

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Innenillustrationen:

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Handlung:

Urplötzlich ist die Stimme da, und das Orakel von Krandhor, hinter dem seit sieben Jahren der unsterbliche Arkonide Atlan steckt, vernimmt die folgenden Worte: »Höre Atlan! Dies ist dein Auftrag! Du wirst dich an einem anderen Ort wiederfinden, wo im ewigen Kampf zwischen Chaos und Ordnung etwas Entscheidendes geschieht. Es geht um den Erleuchteten, auch Juwel genannt, der mit seinen acht Leuchtenden, den Facetten, Alkordoom beherrscht. In der Sonnensteppe und dem Nukleus hat das Übel seinen Anfang genommen. Die Gefahr ist nicht näher bekannt, wird EVOLO genannt. Zuvor wurde ANIMA dorthin entsandt, doch sie meldete sich nicht mehr. Du aber wirst nach einer zweiten Versetzung in ihrer Nähe erscheinen, jetzt …«

Atlan erlebt die erste Ortsversetzung, und die anschließenden Schmerzen verdeutlichen ihm, dass er weit weg von allem ihm bekannten erschienen ist. Nach einigen Schlägen und Tritten von bislang nicht gekannten Wesen begegnet er der Barmherzigen, wie sie sich nennt. Nebenbei macht der Extrasinn darauf aufmerksam, dass er die hiesige Sprache Alkordisch sprechen und schreiben kann. Die Barmherzige erklärt, er befinde sich auf Puurk, einer Welt im Sektor Ordardor, der von der Facette Gentile Kaz regiert wird. Die Frage nach der Sonnensteppe bringt dem Arkoniden Schweigen ein, wohl ein Tabuthema.

Nachdem Atlan festgestellt hat, dass er nun eine silberfarbene Kombination trägt, die nicht von Kran stammt (wohin er sofort zurückkehren könnte, wenn er nur intensiv genug an den Begriff Varnhagher-Ghynnst denken würde), aber noch sein Chronometer besitzt – es ist der 22. Juni 3818, und somit erlebte er wohl keine temporale Versetzung – begegnet er dem entfernt Humanoiden Holkuk, der Atlan mit dem zehnarmigen Humanoiden Pazzon bekannt macht. Der Fyrser stammt von Fyrs-D, das ebenfalls in Ordardor liegt, und gibt dem Arkoniden weitere Informationen. Demnach wird das Zentrum von Alkordoom auch Nukleus genannt, und dort residiert der Erleuchtete, das Juwel, der absolute Herrscher. Für die meisten Intelligenzen ist die Sonnensteppe ein Tabuthema, wirkliches Wissen darüber gibt es aber offenbar nicht.

Nur langsam begreift Atlan, dass Holkuk und Pazzon um ihn buhlen. Dabei interessiert sich Holkuk für sein Potenzial, Pazzon für sein Alter. Entsprechend macht der Extrasinn darauf aufmerksam, dass auf Puurk nur Alte und Kinder leben. Des Weiteren hat der Arkonide aufgeschnappt, dass die Facette Kaz auf der Suche nach Söldnern ist. Will Pazzon ihn entsprechend ausliefern? Atlan setzt sich von den beiden ab und taucht bei einem Wesen namens Lips unter. Dem kann er vertrauen, und Atlan maskiert sich und macht auf alt.

Am nächsten Tag sucht Atlan den Raumhafen auf, doch der ist abgeriegelt, und es gibt kein Entkommen von Puurk. Später begegnet er Pazzon wieder, der sich ebenfalls maskiert hat. Doch Atlans Maske wird von Pazzon nicht durchschaut, und dieser zieht den vermeintlich Alten ins Vertrauen. Der Fyrser sucht Atlan, um ihn an Kaz zu verschachern, der soeben ein so genanntes Kristallkommando rekrutiert. Und Holkuk stuft Pazzon als Handlanger von Psi-Jägern der Hexe ein. Damit ist Zulgea von Mesanthor gemeint, die Facette des Sektors Kontagnat, der an Ordardor grenzt.

Später hat Atlan eine seltsame Begegnung, denn er erblickt eindeutig einen alten Terraner. Dieser verschafft sich sogar Respekt, in dem er auf Deutsch und Englisch redet. Der Arkonide schafft es nicht, den Terraner zu kontaktieren, kommt aber an die Information, dass es sich um einen Celester gehandelt haben muss, deren Heimatwelt nicht bekannt ist. Entsprechend scheint Pazzon ihn auch als Celester einzustufen.

Noch etwas später wird Atlan von einem Blauuniformierten und einem Roboter gestellt. Als der Arkonide wieder erwacht, steht er vor Korazza, einem Korallenwesen, das sich als Verweser von Puurk bezeichnet. Der Blauuniformierte, der an einen Gorilla erinnert, ist ebenfalls anwesend und nennt sich Haynd. Seine Maskerade ist durchschaut, und da er anatomisch gesehen kein Celester ist, wird Atlan für einen Agenten gehalten, vielleicht der Hexe oder des Grauen. Korazza will sich Daten von Kardoll, der Hauptwelt Ordardors, kommen lassen und sperrt Atlan so lange ein.

Der Arkonide sitzt nicht lange in dem Kerker. Er wird von Holkuk abgeholt, der wohl einen Handel mit Haynd abgeschlossen hat. Mit einem Gleiter, in dem auch zwei grizzlyartige Psi-Jäger sitzen, geht es in Richtung Raumhafen. Der Extrasinn hat inzwischen erkannt, dass nicht er das Psi-Potenzial des Arkoniden darstellt, sondern es ist vielmehr jene Energie, die die zweite Ortsversetzung vollziehen soll. Der Gleiter erreicht den Raumhafen nicht, wird abgeschossen, von welcher Partei auch immer.

Für einen kurzen Moment hat Atlan seine Bewegungsfreiheit wiedergewonnen, dann wird er von Pazzon gestellt. Auch Holkuk taucht auf, wird aber vom Vielarmigen erschossen. Dieser will Atlan nach Garzwon ausliefern, wo das Kristallkommando rekrutiert wird. Doch der Arkonide hat längst die wahre Maske des Vielarmigen durchschaut, denn auch dieser ist kein Alter. Wenig später befinden sich beide im gleichen Boot und auf dem Weg zur Rekrutierungswelt Garzwon.

Der obige Text und Bilder wurde per GNU-Lizenz der Perrypedia entnommen.
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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Yman » 14. Juli 2019, 16:41

Lumpazie hat geschrieben:Unter dem neuen Großzyklus "Im Auftrag der Kosmokraten" startete der Teilzyklus "Alkordoom" (Heftroman 675-699).

Im Jahr 1984 erschien der Band 675 der Atlan-Serie.

Hexenkessel Alkordoom


von Peter Griese
Danke, dass du wieder das Einstellen übernommen hast, Lumpazie!

September 1984. Das Titelbild finde ich nichtssagend, für einen neu startenden Zyklus sehr schwach. Der Roman hat mir gut gefallen. Als Leser wird man mit einer Fülle neuer Begriffe konfrontiert, und mich hat dieser Roman an das Setting von Mievilles New Crobuzon erinnert. Das macht den Roman für mich auch so gut.

Angeblich gibt es in der Literatur nur zwei Arten von Geschichten, eine davon ist ein Fremder kommt in die Stadt. Dies passt hier sehr gut. Atlan wird ohne Raumschiff und Ausrüstung von den Kosmokraten nach Alkordoom versetzt, auf den Stadt-Planeten Puurk, auf dem nur Alte und Kinder leben.

Offenbar werden Kinder, wenn sie alt genug sind, rekrutiert, und nutzlos gewordene Alte werden von ankommenden Raumschiffen ausgeladen. Atlan besitzt einige wenige Informationen und versucht sich zu orientieren. Durch Zufall erhält er einige Münzen, darunter auch einen Neuner, den es nur einige Tausend Mal auf dem Planeten gibt. Mich wundert, dass Atlan sich nicht einfach eine Zeitung kaufen kann.

Als erstes geht er in eine Art Saloon, aber selbst im Wilden Westen hätte Atlan sich geschickter und unauffälliger anstellen können. Er agiert sehr ungeschickt und zieht gleich die Neugierde zweier Wesen auf sich, die ihn verfolgen. Der eine, Pazzon, um ihn an die Rekrutierer ausliefern zu können, der andere wegen Atlans Psi-Potentials.

Das sorgt zwar für Spannung, aber Atlan stellt sich auch ungeschickt an, ist immer wieder auf Zufälle angewiesen und kann am Ende seinem Schicksal doch nicht entkommen. Er fällt den Rekrutierern in die Hände. (Sein Gefährte wider Willen ist Parzzon.)

Es bleibt die Frage, warum ihn die Kosmokraten ausgerechnet auf diese Welt versetzten und warum die Barmherzige Atlan einen Neuner schenkte, aus dem Atlan dann aber doch nichts machte. Hätte Atlan auf dieser Welt mehr erreichen können oder erreichen sollen? Wird er noch einmal zurückkehren?

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Grauer Lord » 17. Juli 2019, 15:18

Mit diesem Zyklus Auftakt macht die Atlan-Serie endlich wieder wahr, was der alte Werbe-Slogan vom „Absoluten Abenteuer“ mal versprochen hat!

In Band 675 begegnen wir Atlan in der Rolle des ins Unbekannte Hineingeworfenen; nicht ganz so wie damals, als er nackt und bloß in Band 300 den Wölbmantel um Ptohr durchquerte. Doch fast ist es wieder so: Der Arkonide lässt sich nach sieben Jahren Dienst als Orakel von Krandhor freiwillig von den Kosmokraten auf einen Auftrag „im äußeren Kreis“ der Auseinandersetzung zwischen Ordnung und Chaos schicken. Also ganz schön weit weg von Perry Rhodan im „inneren Kreis“, in die kugelförmige Galaxis Alkordoom. Nur mit einer silberfarbenen Kombination und einem Kombimesser ausgerüstet taucht der Arkonide auf dem Planeten Puurk auf, einer Art Mischung von Mos Isley, Lepso und der verregneten Blade Runner-Szenerie. Eine verkommene, düstere Welt, die zum Sektor Ordador der Facette Gentile Kaz gehört.

Ungewöhnlich für den Zyklusauftakt ist, dass wir gleich zu Anfang so viel wissen. So erfahren wir grundsätzliches über das grosse Setting des Zyklus, das mich stark an die Idee der Schwarzen Galaxis erinnert. Und in der Tat hat William Voltz laut Peter Griese auf der LB-Seite an der Grundkonzeption des Zyklus mitgearbeitet, wie damals auch.
So wird die kugelförmige Galaxis Alkordoom von einer Macht beherrscht, die sich der Erleuchtete oder das Juwel nennt und im Zentrum der Galaxis, dem Nukleus, vermutet wird. Seine acht Vasallen, die Facetten, regieren mit eiserner Hand in ihren jeweiligen Sektoren - und agieren dabei auch kräftig gegeneinander, wie Atlan auf Puurk schnell feststellen muss.

Atlans Auftrag, den er durch intensives Denken an ein Codewort angeblich jederzeit abbrechen kann: Er soll die Entstehung einer ungeheuren Gefahr namens EVOLO verhindern, die der Erleuchtete gerade in einem rätselhaften Raumsektor namens „Sonnensteppe“ entwickelt und die sogar den Mächten hinter den MQs gefährlich werden kann. Eine zweite Versetzung soll Atlan zu einem Hilfsmittel namens ANIMA bringen, zu der die Kosmokraten aber den Kontakt verloren haben ....

Der Roman selber schildert Atlans erste Gehversuche im Schlamm und Dreck von Puurk, unter Gaunern, Dealern und Verbrechern, wo nur der Stärkere überlebt. Es gibt viele Andeutungen größerer Geheimnisse, etwa den Menschen aus dem Volk der Celester, der auf deutsch und englisch schimpft und dann wieder im Gewimmel verschwindet.Die Barmherzige, die beim Gebrauch des Wortes Sonnensteppe durch Atlan sofort reißaus nimmt. Oder die allgegenwärtige Jagd nach „Psi-Potential“, um die sich die „benachbarte“ Facette von Kontagnat, Zulgea die Hexe, mit den Truppen des Gentile Kaz zu streiten scheint, das Kristallkommando etc. etc.

Ein fulminanter Roman von Peter Griese, bunt und prallvoll mit Ideen und Abenteuern, der wirklich Lust auf die nächsten Bände des Zyklus macht.

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Lumpazie » 21. Juli 2019, 11:11

Im Jahr 1984 erschien der Band 675 der Atlan-Serie.

Der Todestest

von Peter Terrid

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Handlung:

Auf Garzwon angekommen, finden sich Atlan und Pazzon inmitten einer aus dutzenden Völkern Alkordooms zusammengewürfelten Söldnertruppe. Hier sollen sie zu einer Elitetruppe namens Kristallkommando ausgebildet werden. Gleich zu Beginn zeigt sich, dass sie sich einigen Menschen verachtenden und obendrein tödlichen »Tests« unterziehen müssen. Der Ausbilder, ein Thater namens Kennennick, entspricht auch ganz den Erwartungen eines brutalen Schleifers.

Von Anfang an ist die Rivalität unter den rund 100 Söldnern groß. Jeder möchte zu den sieben gehören, die am Ende auserwählt werden. Der erste Test besteht darin, auf der lebensfeindlichen Welt ein bestimmtes Ziel in 40 km Entfernung zu erreichen, dort einen Safe zu öffnen und wieder ins Lager zurückzukehren. Dazu muss der zur Verfügung gestellte Proviant reichen. Der Sinn dieser Übung besteht darin, die Rekruten zu demütigen und einzuschüchtern, denn der Safe kann nur vom Ausbilder geöffnet werden, alle anderen bekommen einen schmerzhaften Schockertreffer. Aber Atlan schätzt die Situation richtig ein und zwingt Kennennick mit einer Waffe, den Safe zu öffnen. Damit zieht er sich seinen Hass zu, besteht aber gemeinsam mit dem ihn begleitenden Pazzon als Einziger die Übung ohne Schockertreffer.

Die nächste Übung ist mörderisch: Es soll eine von Robotern besetzte Festung eingenommen werden. Dazu müssen die ungleichen und untereinander rivalisierenden Lebewesen zusammenarbeiten. Aufgrund seiner Jahrtausende alten Erfahrung hat Atlan die beste Strategie; wesentlich unterstützt wird seine Planung durch ein wie eine organische Positronik arbeitendes Lebewesen namens Blackbox. Der Plan sieht vor, ein paar Rekruten mittels Gleitdrachen über die Festung zu bringen, das Tor zu sprengen, mittels eines umgebauten Gleiters erwärmten Sand in die Festung zu blasen, damit den Robotern die Infrarotortung erschwert wird und die Roboter hauptsächlich mit Thermogranaten und Robotergranaten zu bezwingen. Unter starken Verlusten gelingt dies, es überleben aber dreimal so viele Rekruten als von Kennennick vorhergesagt.

Bei dieser Übung werden die Gleiter unbrauchbar, eine Rückkehr zum Lager scheint nicht mehr möglich. Kennennick will in seiner bisher unbekannten Zentrale anrufen und um Abholung bitten. Das würde ein Scheitern des Unternehmens bedeuten, alle Rekruten inklusive Ausbilder würden damit als Gegner für andere Trainingslager eingesetzt werden – ein sicheres Todesurteil. Atlan überzeugt die anderen, dass man das Lager auch zu Fuß erreichen könne, selbst wenn die Vorräte nur für zwei Tage reichen, der Marsch aber fünf Tage dauern würde. Sie trinken den Saft aus Pflanzenwurzeln und essen diverses Kleingetier wie fingerlange Würmer, kleine Eidechsen, Früchte, Insekten etc. Der scheußlich riechende, aber schmeckende Eintopf wird von Atlan mittels einer Flasche Alkohol, die er Kennennick wegnimmt (der Ausbilder trinkt bei fast allen Gelegenheiten eine schnapsartige Flüssigkeit), in eine Delikatesse umgewandelt – ein Grund mehr, sich den Hass des Ausbilders zuzuziehen.

Nach weiteren, nicht näher beschriebenen Tests kommt nun die Pilotenausbildung dran. In einem Simulator werden diverse Flugmanöver geübt, später kommen Kampfmanöver hinzu. Dabei erhält der Pilot bei erhaltenen Treffern des Kampfschiffes zuerst harmlose Stromstöße, die sich von Treffer zu Treffer verstärken. Sichtlich beeindruckt, sind die Pilotenanwärter ab nun vorsichtiger. Atlan besteigt gemeinsam mit dem völlig betrunkenen Kennennick den Simulator. Sofort merken sie, dass das Simulationsprogramm manipuliert wurde, es werden von Anfang an Stromstöße höchster Intensität abgegeben, die bei einem Volltreffer des Kampfschiffes unweigerlich tödlich sein müssen. Dabei wird nicht nur die aktuelle Trainingssequenz abgespielt, sondern das gesamte mögliche Trainingsprogramm, inklusive finalem Angriff auf ein stark verteidigtes Ziel. So weit sei bisher noch keiner gekommen. Atlan, der nicht möchte, dass Kennennick etwas von seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten bemerkt, betäubt den Ausbilder mit einem Dagorgriff und kann dank seines Extrasinns das Trainingsprogramm erfolgreich bestehen.

Anmerkung: Durch Vorträge zum Pilotentraining gelingt es Atlan, Alkordoom als die 235 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie NGC 1265 zu identifizieren.

Zur Feier dieses Tages gibt es uneingeschränkte Rationen sowie Alkohol in Massen. Scheinbar alle betrinken sich bis zur Bewusstlosigkeit. Atlan hatte sich verstellt, um einen zuvor auf einer Landkarte eingezeichneten Meteoritenkrater zu untersuchen. Als er sich dorthin begeben will, merkt er, dass sich sein größter Rivale und mutmaßlicher Attentäter beim Flugsimulator, auch dorthin aufmacht. Er schleicht sich unbemerkt in seinen Gleiter und folgt ihm zum Krater, der sich als getarnter Mini-Raumhafen entpuppt. Dort kann Atlan den Täter stellen, tötet ihn aber aus Versehen. Auch Kennennick ist den beiden gefolgt, stellt Atlan zum Kampf, verliert diesen aber. Atlan fliegt mit ihm zum Lager zurück, während auf dem Raumhafen das Kristallschiff des Gentile Kaz landet.

Am nächsten Morgen gibt Kennennick bekannt, wer die sieben Piloten sein werden – Atlan und Pazzon sind mit dabei. Die sieben Piloten nehmen gemeinsam mit Kennennick Kurs auf Lummensand, um einen ganz besonderen Kristall zu stehlen.

Anmerkungen

Als die Festung gestürmt werden sollte, war ein wichtiger Teil des Plans, dass ein umgebauter Gleiter erwärmten Sand in die Festung bläst. Der Sand sollte exakt Körpertemperatur haben, damit die Roboter mit ihrer Infrarotortung nichts mehr anfangen konnten. Da mehrere Dutzend verschiedene Lebewesen an diesem Test teilnahmen, muss bezweifelt werden, dass alle die gleiche Körpertemperatur hatten.

Ein weiterer Punkt beim Sturm auf die Festung war, dass der eigentliche Angriff exakt zum Zeitpunkt der Wachablöse stattfand. Die Frage ist nur, warum es bei der ausschließlich robotischen Bewachung überhaupt eine Wachablöse geben musste. Roboter werden nicht müde.


Der obige Text und Bilder wurde per GNU-Lizenz der Perrypedia entnommen.
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Grauer Lord
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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Grauer Lord » 21. Juli 2019, 18:12

„Der Todestest“ von Peter Terrid ist ein typischer zweiter Roman eines startenden Zyklus. Atlan ist jetzt wirklich „ganz unten“ angekommen, muss mit anderen Rekruten auf dem Testplaneten Garzwon ums nackte Überleben kämpfen - und um die Aufnahme in das geheimnisvolle Kristallkommando, das die Facette Gentile Kaz aus dem kriminellen Abschaum vieler Völker Alkordooms gerade aufstellen lässt. Wofür - noch unbekannt. Der Anfang mit Ausbilder Kennennick erinnert mich dabei stark an den Film „Full Metal Jacket“ mit der entsprechenden Drill Instructor-Szene.

Man muss nicht alle actionreichen Szenen des Heftes rekapitulieren und auf Logik abklopfen; ich fühlte mich spannend unterhalten. Und dass die Roboter in der zu Übungszwecken gebauten Burganlage so etwas wie einen Wachwechsel haben, kann ja auch eine eingebaute Schwäche sein, denn sonst würde es ja nie ein Rekrut schaffen, diese Aufgabe zu erledigen.

Wichtig ist die Erkenntnis, dass Alkordoom mit NGC 1256 im Perseushaufen identisch ist, eine 235 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernte Kugelgalaxis, aus der ein Kopfschweif hinausragt, wohl ähnlich wieder Jetstrahl von M-87. Damit ist die Unklarheit, wo im Kosmos sich Atlan befindet, die weite Teile des SOL-Zyklus geprägt hat, von Anfang an ausgeräumt. Finde ich gut.
Auch der erneute Hinweis auf die Celester darf nicht fehlen, diesmal geäußert durch einen braunhäutigen, zierlichen Humanoiden aus dem Volk der Voorndarner.

Der Roman endet mit einem Paukenschlag, der überall auf den bewohnten Welten der Galaxis zu hörenden Stimme des Erleuchten. Sein 5000. Jahr breche nun an (das sind 15000 Terra-Jahre) und damit das letzte Jahr vor der Erreichung des großen Ziels. Womit nur die Erschaffung EVOLOs gemeint sein kann. Der Arkonide weiß nun also, dass die Zeit zur Erledigung seines Auftrages mehr als nur drängt.

Am Ende landet ein geheimnisvolles Raumschiff (bizarre, aber gelungene RZ im Innenteil) auf Garzwon, um die Überlebenden des Ausleseprozesses abzuholen. Atlan, der zukünftige Pilot, beobachtet in der Nacht ein mysteriöses, komplett verhülltes Geschöpf an dem Gefährt hantieren; am nächsten Tag funkelt an dieser Stelle ein riesiger Kristall, der in einer dafür vorgesehenen Fassung steckt und zum Antrieb des Schiffes gehört, über das Kennennik mehr zu wissen scheint.

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Lumpazie » 27. Juli 2019, 22:19

Im Jahr 1984 erschien der Band 677 der Atlan-Serie.

Das Kristallkommando

von Peter Terrid

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Handlung:

Das Kristallkommando unter Kennennick trifft mit dem Kristallschiff auf Lummensand ein. Obwohl der Planet eine Ödwelt ist, die ursprünglich nur von ein paar Minenarbeitern besiedelt war, herrscht schon im  Wikipedia-logo.png Orbit reger Raumschiffsverkehr. Der Grund liegt im »Wunderkristall«, der vor circa 500 Tagen auf Lummensand aufgetaucht ist und physisch oder psychisch Kranke heilen kann. Daher hat sich schnell eine Art Priesterkult um diesen Kristall gebildet, der die Heilsuchenden nur nach entsprechender »Opfergabe« zum Wunderkristall vorlässt. Dieser Kristall soll vom Kristallkommando gestohlen werden.

Unterdessen wurde das schrottreife Raumschiff KHARLHON (mit einem Jüngling namens Ily Locarnen, dessen alle möglichen Krankheiten vortäuschenden Tante und einem eigenwillig programmierten Roboter namens Gräzzer an Bord) von Weltraumpiraten gekapert. Der Piratenboss, ein Thater namens Ishan-Khan, beschließt, das halb wracke Raumschiff als Tarnung zu nehmen, um die Opfergaben von Lummensand zu stehlen. Schon während der Einreiseformalitäten kommen Ily, dessen neue Freundin (die zuvor ebenfalls von Ishan-Khan entführt worden war) und der Piratenboss mehrmals Atlan unter die Augen, der die Absichten des Thaters relativ bald durchschaut, sich aber nicht einmischt.

Atlan wird gemeinsam mit Pazzon und Blackbox voraus geschickt, um die Lage um den Wunderkristall zu erkunden. Bei dieser Gelegenheit beschließt Blackbox abzuhauen, wird aber einige Stunden später von einem völlig unter einem Kapuzenumhang verborgenen Wesen namens Foinsell – scheinbar ein Verbindungsmann zu Gentile Kaz – deswegen getötet. Foinsell scheint Atlan irgendwie bekannt zu sein, aber trotz fotografischen Gedächtnisses hat er keine Ahnung woher (durch den Umhang ist eigentlich nur die Größe von Foinsell eindeutig zu erkennen, der Rest ist verborgen).

Während Atlan und Pazzon nachts den Kristall erkunden, bemerken sie, dass sich noch zwei weitere Gruppen für diesen Kristall interessieren; die Piraten unter Ishan-Khan sowie eine Gruppe aus drei Mutanten. Angeblich sind sie dafür verantwortlich, dass der Kristall Lummensand noch nicht verlassen hat. Die beiden Gruppen schließen sich zusammen, als plötzlich eine Abwehrmaßnahme der Bewacher des Kristalls in Kraft tritt; unter hypnosuggestiver Beeinflussung wird allen anwesenden Personen ein Angriff überdimensionierter Roboter vorgetäuscht, woraufhin alle fliehen.

Bei dieser Flucht stoßen Atlan und Pazzon auf Ily und dessen Freundin. Atlan gibt den ominösen Hinweis, dass sie in der nächsten Nacht eine günstige Möglichkeit zur Flucht hätten, da dann alle Piraten abgelenkt seien. Details gibt er nicht bekannt. Tatsächlich gibt Kennennick nächste Nacht das Zeichen zum Raub des Kristalls. Das läuft nicht ohne Todesfälle im Kristallkommando ab. Als die Verankerung des Kristalls gelöst ist, teleportiert sich Foinsell mit Atlan in die Pilotenkanzel des Kristallschiffes, Atlan steuert dieses zum Kristall und es gelingt, ihn am Schiff zu verankern. Danach paralysiert Kennennick alle übrigen Mitglieder des Kristallkommandos, bevor er an Bord geht, und überlässt diese ihrem ungewissen Schicksal.

Das Kristallschiff flieht von Lummensand; während des darauf folgenden Tumults gelingt Ily Locarnen die Flucht mit seinem Raumschiff, und obendrein befindet sich noch die Beute der Piraten an Bord. Der Junge ist durch die Ereignisse der vergangenen Tage zum Mann gereift, denn seine ewig keifende, herrschsüchtige Tante macht er mit einer minutenlangen Schimpftirade mundtot, was ihm den Respekt seiner neuen Freundin einbringt.

Plötzlich tauchen mehrere aus Wespen bestehende Kampfgeschwader der Hexe von Kontagnat über Lummensand auf, die das Kristallschiff attackieren, um ebenfalls in den Besitz des Wunderkristalls zu kommen. Das Kristallschiff wird immer träger zu steuern, und Atlan erkennt, dass Kennennick ein Mutant ist, der offenbar für Zulgea von Mesanthor arbeitet und das Kristallkommando sabotiert. Weiterhin erkennt er, dass Foinsell identisch sein muss mit Gentile Kaz, der ein Kristalllebewesen zu sein scheint. Außerdem offenbart sich der gestohlene Kristall als ANIMA, ihr gelingt die Flucht. Da das Schiff schwere Treffer abbekommen hat, setzt sich Atlan mit einer Rettungskapsel ab. Das Kristallschiff mit Gentile Kaz darin kann aber dennoch flüchten, Atlan hingegen wird von der Crynn-Brigade gefangen genommen.

Der obige Text und Bilder wurde per GNU-Lizenz der Perrypedia entnommen.
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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Yman » 28. Juli 2019, 19:58

Lumpazie hat geschrieben:Im Jahr 1984 erschien der Band 675 der Atlan-Serie.

Der Todestest

von Peter Terrid
Grauer Lord hat geschrieben:„Der Todestest“ von Peter Terrid ist ein typischer zweiter Roman eines startenden Zyklus. Atlan ist jetzt wirklich „ganz unten“ angekommen, muss mit anderen Rekruten auf dem Testplaneten Garzwon ums nackte Überleben kämpfen
Ich finde, dass der Roman die Handlung des ersten Romans sehr gut und konsequent fortsetzt, sehe dies aber nicht als typisch an. Tatsache ist, dass Atlan wirklich ganz unten anfängt, als Einzelperson. Mehr als seinen Zellaktivator und einen Thermostrahler besitzt er nicht. Wie er seinen Thermostrahler einsetzt, z.B. um seine zugige Ecke in der Unterkunft abzudichten, hat mir sehr gut gefallen. Ingesamt hat mir der Roman sehr gut gefallen. ATLAN, wie mir die Serie gefällt. Atlan muss immer wieder neue Pläne machen und sich als wagemutig und trickreich erweisen.
Grauer Lord hat geschrieben:Man muss nicht alle actionreichen Szenen des Heftes rekapitulieren und auf Logik abklopfen; ich fühlte mich spannend unterhalten. Und dass die Roboter in der zu Übungszwecken gebauten Burganlage so etwas wie einen Wachwechsel haben, kann ja auch eine eingebaute Schwäche sein, denn sonst würde es ja nie ein Rekrut schaffen, diese Aufgabe zu erledigen.
Man sollte wohl besser nicht versuchen, den Angriff auf die Festung im Detail nachzuvollzuziehen. Da dürfte es einige Widersprüche geben, nicht nur das mit der Temperatur von 37 Grad. Aber es war spannend und diente wohl dazu, einige der Fähigkeiten von Atlans zukünftigen Begleitern zu demonstrieren. Überraschenderweise spielt Pazzon bei diesen Aktionen kaum eine Rolle, ist aber am Ende im Kristallkommando mit dabei, ohne dass klar wird, worin sein Wert für das Team besteht. Interessant auch, wie viele Figuren in diesem Zyklus ein doppeltes Spiel spielen.
Grauer Lord hat geschrieben:Wichtig ist die Erkenntnis, dass Alkordoom mit NGC 1256 im Perseushaufen identisch ist, eine 235 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernte Kugelgalaxis, aus der ein Kopfschweif hinausragt, wohl ähnlich wieder Jetstrahl von M-87. Damit ist die Unklarheit, wo im Kosmos sich Atlan befindet, die weite Teile des SOL-Zyklus geprägt hat, von Anfang an ausgeräumt. Finde ich gut.
Interessant ist, dass die Kosmokraten Atlan über eine solche Entfernung einsetzen. Das ist an sich schon sehr kosmisch.

Interessant auch, dass Iratio Hondro, Mory Abro und Roi Danton erwähnt werden. Iratio Hondro kommt gerade in PR NEO vor, Roi Danton spielt in der aktuellen Miniserie Mission SOL eine Rolle. Wie sich da zufällig Zusammenhänge ergeben. Das Schöne an der Atlan-Serie ist, dass es diesen kosmischen Rahmen gibt, immer wieder Querverweise auf die PR-Serie, aber die Atlan-Serie erstickt nicht unter der Last der Mutterserie.
Grauer Lord hat geschrieben:Der Roman endet mit einem Paukenschlag, der überall auf den bewohnten Welten der Galaxis zu hörenden Stimme des Erleuchten. Sein 5000. Jahr breche nun an (das sind 15000 Terra-Jahre) und damit das letzte Jahr vor der Erreichung des großen Ziels. Womit nur die Erschaffung EVOLOs gemeint sein kann. Der Arkonide weiß nun also, dass die Zeit zur Erledigung seines Auftrages mehr als nur drängt.
Ob Atlans Vergleich mit Buddha etwas zu bedeuten hat?
Grauer Lord hat geschrieben:Am Ende landet ein geheimnisvolles Raumschiff (bizarre, aber gelungene RZ im Innenteil) auf Garzwon, um die Überlebenden des Ausleseprozesses abzuholen. Atlan, der zukünftige Pilot, beobachtet in der Nacht ein mysteriöses, komplett verhülltes Geschöpf an dem Gefährt hantieren; am nächsten Tag funkelt an dieser Stelle ein riesiger Kristall, der in einer dafür vorgesehenen Fassung steckt und zum Antrieb des Schiffes gehört, über das Kennennik mehr zu wissen scheint.
Weiter geht es ja mit dem Kristallkommando im nächsten Roman, auch von Peter Terrid. Die RZ fand ich auch sehr gelungen. ATLAN ist da wirklich immer sehr phantasievoll, wenn es um RZs geht. Seltsam, dass das Schiff nur so schwach bewaffnet sein soll, wie der Raumjäger, den Atlan im Test geflogen hat. Wobei der ja gar nicht schwach bewaffnet war, aber das Kristallschiff hat laut RZ überhaupt keine Waffen, jedenfalls sind keine gekennzeichnet.

Mir sind noch ein paar Dinge aufgefallen: Wie kommt Peter Terrid auf die Bemerkung, Porridge sei nicht magenfreundlich? Und natürlich macht Alkohol aus dem Eintopf aus Insekten und Gewürm eine Delikatesse. Typisch Terrid, der seine persönliche Meinung nicht zurückhalten kann. Kurios auch, heute zu lesen, dass Terrid meint, Atlan müsse sich an die Wirkung der C64-Befehle POKE 776,1 und POKE 777,1 erinnern. Wie kommt Terrid darauf, dass es den 1982 vorgestellten C64 oder vergleichbare Computer im Perryversum jemals gegeben hätte?

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Yman » 30. Juli 2019, 19:54

Lumpazie hat geschrieben:Im Jahr 1984 erschien der Band 677 der Atlan-Serie.

Das Kristallkommando

von Peter Terrid
Roman, Titelbild und Innenillustration gefallen mir sehr gut. Der neue Zyklus gefällt mir bis jetzt ingesamt sehr gut. Es wird ein sehr gutes Tempo vorgelegt mit vielen neuen Schauplätzen und Figuren.

Der Autor des Romans ist wieder Terrid, der seinen vorhergehenden Roman fortsetzen kann. Anfangs wird die Lage sondiert, der neue Planet Lummensand beschrieben (ich musste immer an Lummerland denken), das war an sich schon sehr interessant, und man konnte rätseln, wie es weiter gehen würde. Mehrere Parteien zeigten Interesse an dem großen Kristall. Vieles wirkt sehr mysteriös.

Die Handlung beschleunigt sich gegen Ende sehr stark, es kommt zu etlichen spannenden Wendungen. Überraschend bleibt vom Kristallkommando, dessen Fähigkeiten kaum zum Einsatz kommen, am Ende nur noch wenig übrig. Das empfand ich dann schon als Bruch zum vorhergehenden Roman. Dass Kennennick ein Mutant war, konnte man auch lange Zeit nicht ahnen, besonders nicht im vorhergehenden Roman. Das wirkte dann konstruiert.

(Diese Familiengeschichte mit der Tante gefiel mir teilweise, da, wo Peter Terrid wieder einmal zu sehr Peter Terrid war, auch nicht so gut. Ein Willi Voltz geht da mit den Figuren ganz anders um. Bei Terrid habe ich oft das Gefühl, für etliche unsympathische Figuren gibt es Vorbilder aus Terrids Privatleben, und das Schreiben ist für ihn ein Ventil, was mich dann als Leser wiederum irritiert.)

Eine Weile hatte es den Anschein, auch das Kristallschiff würde den Roman nicht überstehen, aber dieses Schiff ist eine interessante Sache und noch für einige Überraschungen gut. Völlig überraschend erweist sich der Lummensand-Kristall als ANIMA, die sich aber ebenso wie Gentile Kaz am Ende rasch aus dem Staub macht, während es Atlan in eine völlig andere Richtung verschlägt. Alkordoom ist in der Tat ein Hexenkessel, in dem es chaotisch zugeht und Verhältnisse sich sehr schnell ändern können.

Am Ende gibt es eine kleine Vorschau, mit dem Ausblick, dass man Atlans Psi-Potential abzapfen will, aber Atlan wieder einmal entkommen wird, es kommt zur Flucht nach New Marion. Das Psi-Potential wird spekulativ als Atlans Fähigkeit gedeutet, dass er jederzeit sich nur zu konzentrieren und an Varnhagher-Ghynnst zu denken braucht, und schon wird er von den Kosmokraten in Sicherheit gebracht. Das finde ich auch sehr mysteriös und interessant. Wie lange ist der Arm der Kosmokraten eigentlich?

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Grauer Lord » 31. Juli 2019, 15:38

Ein spannender, rasanter Roman. Mir gefallen in dieser Phase besonders die ersten Erkenntnisse und weitere Andeutungen zu den Facetten sehr gut. Acht absolute Alleinherrscher unterhalb der Hierarchie-Ebene des Erleuchteten, die Atlan am Ende des Romans hellsichtig mit einer Mafia-Familie und einem galaktischen Gangsternest vergleicht; ohne groß zu spoilern: ein treffender Vergleich. Denn in Alkordoom herrscht ein vom Erleuchteten zugelassener Kampf der Machthaber aller gegen alle, auf dem Rücken der Allgemeinheit. Die „Währung“, um die es dabei geht, besteht offenbar in den geheimnisvollen Psi-Potentialen.
Neben dem sehr exotischen Gentile Kaz, der mal als riesiger Kristall, mal als ein vermummtes, kuttentragendes Geschöpf namens Foimsell auftritt, wird die Facette „Pymonia, Gräfin von Skull“ erwähnt. Und im direkten Konkurrenzkampf mit Gentile Kaz agiert Zulgea, die „Hexe von Mesanthor“, die den Sektor Kontagnat beherrscht.
Allein über diese exotischen Namen wird (zumindest meine) Phantasie erneut stark angeregt. Der Kampf der Statthalter des Erleuchteten untereinander schafft einen spannenden Rahmen; so richtig monolithisch organisiert ist der Hexenkessel Alkordoom also eher nicht.

Interessante Wendungen: Der Riesenkristall auf Lummensand entpuppt sich als die von den Kosmokraten nach Alkordoom geschickte ANIMA, die Atlan unterstützen soll und sich nach ihrer Befreiung erst einmal absetzt. Warum Atlan ausgerechnet auf Puurk herausgekommen ist, dürfte damit verständlicher sein.
Und: Der Thater Kennennik ist ein Mutant und Doppelagent, der die ganze Aktion des Kristallkommandos zugunsten der Facette Zulgea drehen sollte. Eine Wendung, die uns als Leser genauso überrascht, wie die Protagonisten der Handlung auch. Ich habe daran nichts auszusetzen.

An Bord eines Raumers der Crynn-Brigaden, der Häscher der Facette des Sektors Kontagnat, fliegt Atlan nun als Gefangener einer weiteren Station seines Auftrags entgegen. So spannend kann es gerne weitergehen.

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Lumpazie » 4. August 2019, 11:31

Im Jahr 1984 erschien der Band 678 der Atlan-Serie.

Flucht nach New Marion

von Falk-Ingo Klee

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Innenillustration:

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Handlung:

Atlan wird von der Crynn-Brigade, die ihn über Lummensand gefangen hatte, nach Crynn in ein Gefängnis gebracht. Wenige Stunden später soll ihm sein Psi-Potential entrissen werden. Es bleibt unklar, ob es sich damit um seinen Extrasinn, sein fotografisches Gedächtnis oder die von den Kosmokraten verliehene Fähigkeit handelt, per Gedankenbefehl nach Vayquost zurückkehren zu können.

Als ihn die Wachen abholen und zum "Behandlungsraum" bringen, gerät sein Extrasinn in Panik und versucht, Atlan zur Flucht zu bewegen. Dieser zögert, aber nachdem ein Mitgefangener vor seinen Augen einer entsprechenden Behandlung unterzogen wurde (alle behandelten Lebewesen sind danach nur noch lallende Idioten – egal, ob sie vorher Psi-Potenzial besessen hatten oder nicht), gibt er dem Drängen nach. Es kommt zum Kampf, und nach einer kurzen Patt-Stellung wird Atlan überwältigt. Bevor er auf den Behandlungstisch geschnallt werden kann, wird die Station überfallen.

Mehrere Bewaffnete, die Terranern verblüffend ähnlich sehen, aber den Celestern angehören, befreien Atlan mit einem waghalsigen Manöver, bei dem so gut wie gar nicht gesprochen wird. Man bringt Atlan auf ein kleines Raumschiff und flieht vor den angreifenden Verfolgern in den Linearraum. Atlans Befreier reden in einem Kauderwelsch aus Alkordisch, Englisch und Deutsch, was Atlan mehr als nur verwundert. Der Name des Raumschiffes – die ABRAHAM LINCOLN – liefert den letzten Beweis, dass die Celester von der Erde abstammen müssen.

Das Raumschiff erreicht New Marion, die Heimatwelt der Celester und auch der Voorndaner. Während die Voorndaner auf dem europagroßen Kontinent Palmwiese leben, bewohnen die Celester den halb so großen Kontinent Hain. Atlan wird in einem geräumigen Haus Unterkunft gewährt. Nachdem er sich gereinigt, umgezogen und gestärkt hat, erhält er Besuch von B. B. Briggs, Sarah Briggs, Arien Richardson und Curt Gilling, von denen er die Entstehungsgeschichte ihres Volkes erfährt. Ein Teil der Celester stammt von der MARY CELESTE, einem Schiff, das 1872 von New York nach Genua segelte, dessen Besatzung aber spurlos verschwand. Durch einen nachgestellten Spielfilm erfährt Atlan den tatsächlichen Tathergang; die Besatzung wurde von Voorndanern entführt, ebenso die 250-köpfige Besatzung der U.S.S. Levant, die 1860 spurlos verschwunden war. Außerdem scheinen noch zwischen 1823 und 1842 zahlreiche polynesische Inseln samt Bewohnern »mitgenommen« worden zu sein. Den Besatzungsmitgliedern der MARY CELESTE gelang es, zwischen diesen beiden Parteien (Marines und Polynesier) zu vermitteln und sich so eine Vormachtstellung innerhalb der neuen Völkergemeinschaft zu erarbeiten. Dadurch hat sich auch das puritanische Gedankengut als für das neue Volk prägend erwiesen. Nachdem die gekidnappten Erdenbewohner eine nicht näher definierte Zeit lang sich selbst überlassen worden waren, erschienen die Voorndaner, um ihr Wissen mit ihnen zu teilen. Durch die entstehenden zivilisatorischen Fortschritte wurden die Celester anschließend zu einem kleinen, raumfahrenden Volk in Alkordoom.

Anschließend erzählt Atlan, was in den vergangenen zwei Jahrtausenden auf der Erde passiert ist. Den Themenkomplex mit Superintelligenzen und Kosmokraten spart er aber aus, um die Celester nicht zu sehr zu verwirren; schon das Erzählte mag für sie unglaublich genug klingen. Bei einem anschließenden Spaziergang mit Sarah Briggs (die beiden fühlen sich eindeutig zueinander hingezogen) findet die von den Kosmokraten angekündigte zweite Ortsversetzung statt. Atlan kann noch versprechen, bald wiederzukommen, dann ist er verschwunden.

Der obige Text und Bilder wurde per GNU-Lizenz der Perrypedia entnommen.
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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Yman » 4. August 2019, 12:22

Lumpazie hat geschrieben:Im Jahr 1984 erschien der Band 678 der Atlan-Serie.

Flucht nach New Marion

von Falk-Ingo Klee
Der Anfang des Romans gefiel mir sehr gut, die ganze Befreiungsaktion, und dieser Teil hätte von mir aus noch gerne sehr viel länger und spannender sein dürfen. Atlan hatte sich ja schon fast selbst befreit, und dann kommen die Celester, und es läuft trotz der heftigen Gefechte wie am Schnürchen. Auch die Verfolgung des Fluchtschiffs durch die Raumwespen der sogenannten Hexe brachte die Flüchtenden nicht mehr in echte Bedrängnis.

Danach wurde das Tempo aus dem Roman stark herausgenommen, es dauert gefühlt ewig, bis Atlan auf New Marion ankommt, und auf einigen verbleibenden Seiten wird dann die Geschichte der MARY CELESTE erzählt. Besonders viel und spannend war das nicht, und die einzig wirklich wichtigen Fragen, wie und warum, aber vor allem wie die Voorndaner sagenhafte 235 Millionen Lichtjahre von Alkordoom zur Erde zurücklegten, um Menschen nach Alkordoom zu bringen, wurden nicht beantwortet. Hatten die Voorndaner Hilfe von den Kosmokraten? Jedenfalls, so eine ähnliche Geschichte hatten wir vor kurzem mit den Kindern der BRISBEE schon einmal wesentlich besser.

Am Ende wird Atlan fast unvermittelt schon wieder versetzt, so dass der Zyklus nun leider sehr sprunghaft geworden ist. Die ersten drei Romane setzten die Handlung sehr schön fort. Atlan kommt an, wird für das Kristallkommando rekrutiert und geht in den Einsatz, so weit alles perfekt, aber nun diese Zwischenstation mit den Celestern finde ich eher störend, und es zerstört auch schon fast, bis auf die Aufklärung der beiden wichtigsten Fragen, das ganze schön aufgebaute Geheimnis um die Celester. Ich verstehe nicht, was die Expokratie hier vorhatte.

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Grauer Lord » 4. August 2019, 14:24

„Flucht nach New Marion“ ist ein epischer, klassischer Roman der Serie und bietet mit B.B.Briggs, Curt Gilling, Arien Richardson usw. ein ganzes Portfolio an menschlichen Identifikationsfiguren im exotischen Hexenkessel Alkordoom. Mit New Marion in der Gaswolke UP-331 hat der Arkonide jetzt einen sicheren Hafen für weitere Aktionen in der gefährlichen Galaxis des Juwels. Damals wurden Dinge eben auch einfach mal aufgeklärt - eindeutig, ohne Fake New und das auch noch in einem Band. Das haben wir Leser der heutigen PR-Serie sicherlich auch ein Stück weit vergessen .....
Die Grundidee ist so einfach wie genial: Das mysteriöse Schicksal der 1872 rätselhafterweise menschenleer und ansonsten unversehrt aufgefundenen Brigg „Mary Celeste“ (Gegenstand vieler Spekulationen, berühmter SF-und Fantasy-Romane und sogar eines Filmes mit Hans-Joachim Kulenkampff) war Resultat einer kosmischem Entführungsaktion. Die humanoiden Voorndaner haben damals im Auftrag des Erleuchteten Ableger vielversprechender Völker aus diversen Regionen des Kosmos in Alkordoom angesiedelt - in der Hoffnung, sie würden eines Tages das dort dringend benötigte Psi-Potential ausbilden. So wurden nicht nur die Besatzung der „Mary Celeste“, sondern auch Bewohner mehrerer polynesischer Inseln sowie eines US-Kriegsschiffes auf jenem Planeten im Sektor Kontagnat angesiedelt, der heute New Marion heißt. Eine faszinierende Idee, wie ich finde.
Sie wird übrigens im Nachhinein kanonisiert durch PR 2951, in dem die Superintelligenz GESHOD im Jahr 1854 und im Einvernehmen mit ES die Besatzung der „City of Glasgow“ in die weit entfernte Galaxis Sashpanu entführen ließ, wo sie später die Zivilisation der Menes aufbauten. Atlan erinnerte sich in dem entsprechenden Band auch an die Celester; er geht in dem Zusammenhang davon aus, dass ES dazu beigetragen hat, dass Menschengruppen „wie Saatgut“ über das Universum verstreut wurden. Vielleicht zumindest ein Ansatz einer Erklärung, wieso ausgerechnet Menschen nach Alkordoom geholt wurden.

Interessanterweise sind die Entführer von damals, die Voorndaner, in ihrer Entwicklung komplett zurückgefallen und leben auf ihrem Kontinent New Marions als Spielsüchtige, Kriminelle und Drogenabhängige. Die Celester selber haben nach eigenen Angaben nie Psi-Potential entwickelt, was angesichts der terranischen Geschichte allerdings verwundert.

Gut, dass Atlan am Ende die zweite Ortsversetzung innerhalb Alkordooms erlebt. Das mit Sarah Briggs transportierte Frauenbild (Hauptpersonenkästchen: „Ein schönes und energisches Mädchen“) war sicher auch 1984 schon weit hinterm Mond und ist für mich so einfach nicht mehr zu lesen.

Trotz dieses kleinen Mankos: Ein super Roman, ein gutes Konzept für die nächsten Hefte.

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Yman » 4. August 2019, 15:27

Grauer Lord hat geschrieben:„Flucht nach New Marion“ ist ein epischer, klassischer Roman der Serie und bietet mit B.B.Briggs, Curt Gilling, Arien Richardson usw. ein ganzes Portfolio an menschlichen Identifikationsfiguren im exotischen Hexenkessel Alkordoom. Mit New Marion in der Gaswolke UP-331 hat der Arkonide jetzt einen sicheren Hafen für weitere Aktionen in der gefährlichen Galaxis des Juwels.
Daran, dass Atlan nun einen sicheren Hafen für seine Aktionen in Alkordoom hat, dazu noch vielleicht ein paar dieser Identifikationsfiguren als Unterstützer, hatte ich jetzt noch nicht wirklich gedacht, da Atlan den Planeten ja nicht mit einem Raumschiff, sondern per kosmokratischer Ortsversetzung verlassen hat. Das gibt dem sehr kurzen Aufenthalt auf New Marion erst einmal nur einen episodischen Charakter. Aber eine Rückkehr ist natürlich möglich. Ich sah es nur nicht als sehr wahrscheinlich an, dass dies bald geschehen wird.

Ich fand es auch überraschend, wie schnell in den letzten Romanen manche Figuren, die früher typische Begleiter Atlans geworden wären, das Zeitliche gesegnet haben, z.B. diese lebende Positronikschachtel Blackbox. Noch kann ich diesen neuen Zyklus nicht einschätzen, aber ich denke, er wird eine willkommene Abwechslung zum SOL-Zyklus bieten. Atlan hat nun auch nicht länger das Problem, dass sein Schiff, die SOL, mit Leuten besetzt war, die eigentlich kein Interesse an Atlans Mission hatten und ihm ständig die Gefolgschaft zu verweigern drohten.
Grauer Lord hat geschrieben:Die humanoiden Voorndaner haben damals im Auftrag des Erleuchteten Ableger vielversprechender Völker aus diversen Regionen des Kosmos in Alkordoom angesiedelt - in der Hoffnung, sie würden eines Tages das dort dringend benötigte Psi-Potential ausbilden. So wurden nicht nur die Besatzung der „Mary Celeste“, sondern auch Bewohner mehrerer polynesischer Inseln sowie eines US-Kriegsschiffes auf jenem Planeten im Sektor Kontagnat angesiedelt, der heute New Marion heißt. Eine faszinierende Idee, wie ich finde.
Sie wird übrigens im Nachhinein kanonisiert durch PR 2951, in dem die Superintelligenz GESHOD im Jahr 1854 und im Einvernehmen mit ES die Besatzung der „City of Glasgow“ in die weit entfernte Galaxis Sashpanu entführen ließ, wo sie später die Zivilisation der Menes aufbauten. Atlan erinnerte sich in dem entsprechenden Band auch an die Celester; er geht in dem Zusammenhang davon aus, dass ES dazu beigetragen hat, dass Menschengruppen „wie Saatgut“ über das Universum verstreut wurden. Vielleicht zumindest ein Ansatz einer Erklärung, wieso ausgerechnet Menschen nach Alkordoom geholt wurden.
Bliebe natürlich noch die Frage, wie das geschah. 235 Millionen Lichtjahre sind eine große Strecke. Da würde ich gerne mal eine Risszeichnung der entsprechenden Schiffe sehen, mit den Daten der Triebwerke. Andererseits hat das in dieser Zeit wohl keinen der Autoren wirklich interessiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass in der Atlan-Serie die Siebziger Jahre noch stark nachwirkten, und solche kosmokratischen Transportmittel wie das Auge von Laire und Ähnliches Hochkonjunktur hatten.

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Grauer Lord » 5. August 2019, 10:47

Naja, eine so intensiv eingeführte Truppe sympathischer Menschen mit interessantem historischen Hintergrund wurde damals ja nicht umsonst eingeführt. Das ganze könnte eine Ausgangssituation für Atlan wie zB Kraumon im Kristallprinz-Zyklus sein. Generell, mea culpa, fällt es mir aber recht schwer, meine noch ziemlich exakten Erinnerungen an den Zyklusbeginn in meinen Postings zu unterdrücken. Im Grunde dürfte man ja nicht mehr wissen, als im Roman steht ....

Was die Expedition der Voorndaner angeht: die Entfernung ist in der Tat der Pferdefuß. Möglicherweise hat der Erleuchtete seinen Hilfsvölkern für die Suche nach Psi-Potential-Völkern ja auch eine Sonderausstattung mitgegeben. Oder ES hat doch mitgemischt, wie später bei der Entführung von Menschen durch GESHODS Truppen; das wäre nicht gar so ungewöhnlich, bestand die SI damals ja noch aus ES und Anti-ES und war moralisch nicht immer auf der Höhe der Zeit (siehe Gewährenlassen der MdI-Terrorherrschaft in Andromeda).

Ich empfinde die ersten Hefte des Zyklus jedenfalls als erfrischend anders als die sterilen und am Ende zutiefst langweiligen Romane des SOL-Zyklus; wenn man den Hexenkessel Alkordoom und die Zyrtonier mal gegenüber stellt, ist es doch kaum zu glauben, dass wir es hier mit ein und derselben Serie zu tun haben.

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Lumpazie » 11. August 2019, 09:16

Im Jahr 1984 erschien der Band 679 der Atlan-Serie.

Der Sternentramp

von Hans Kneifel

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Innenillustrationen:

Bild

Bild

Handlung:

Die von den Kosmokraten angekündigte zweite Ortsversetzung hat Atlan auf den Hinterwäldlerplaneten Thorrat gebracht. Unmittelbar vor seiner Ankunft ist dort ein Riesenkristall erschienen, der sich sofort in einen Felsklumpen verwandelt hat und dann davongeschwebt ist. Außerdem taucht auch noch die Crynn-Brigade über Thorrat auf, eine Truppe der Facette Zulgea von Mesanthor.

Das ist zu viel für die zurückgezogen lebenden Thorrater, sie wollen alle drei Störenfriede so rasch wie möglich wieder loswerden. Atlan verspricht Kosh Unterseyn, dem Bürgermeister des verschlafenen Städtchens Edolhyt, den Riesenkristall – bei dem es sich nur um ANIMA handeln kann – zu finden und mit ihm Thorrat zu verlassen; dann würden auch die Crynn-Brigadisten verschwinden. Unterseyn akzeptiert das und unterstützt Atlan, indem er ihm Proviant sowie ein mit einem Holzgasofen betriebenes zweispuriges Gefährt (das wie ein altes Auto aus den 1930ern aussieht) sowie eine Karte zur Farm des Farmers, auf dessen Grundstück der Kristall erschienen ist, zur Verfügung stellt.

Kurz nach seinem Aufbruch zu einer mehrtägigen Reise nimmt Atlan einen Tramp namens Colemayn mit. Das erweist sich bald als gute Entscheidung, da ihn der erfahrene Tramp oft unterstützt, sei es bei der Errichtung von Unterkünften, der Zubereitung von Speisen oder der Reparatur des altertümlichen Gefährts.

Atlan verändert sein Äußeres, damit er von der Crynn-Brigade nicht identifiziert werden kann, denn eine Einheit unter Loth Colder lässt intensiv nach ANIMA fahnden. Schon bald haben er und Colemayn mehrere Begegnungen mit den Truppen, bleiben aber unerkannt. Nach längerer Suche erreichen sie endlich den Schäfer, der ihnen den Weg zum nun als Mooshügel erscheinenden Riesenkristall weist. Atlan weiß längst, dass es sich dabei nur um ANIMA handeln kann. Aber dank eines entsprechenden Hinweises des Vizebürgermeisters Laujonk Corbiere hat auch die Crynn-Brigade den Ort längst gefunden und hält sie mittels Paralysestrahlen bewegungsunfähig.

Es gelingt ANIMA, mit Atlan eine kurze Verbindung aufzunehmen und einen Fluchtplan auszuhecken. Als plötzlich eine Gruppe Thorrater unter Kosh Unterseyn auftaucht und es zu einem kleinen Scharmützel mit der Crynn-Brigade kommt, stiftet Colemayn mittels Blend- und Rauchgranaten Verwirrung. Dabei kann Atlan einen Gleiter der Brigadisten stehlen (die KORALLE) und mit ihr in einer eben erst gebildeten Öffnung ANIMAS einschleusen.

Das Raumschiff flüchtet, und die Crynn-Brigade verfolgt es. Aber schon bald kann ANIMA sie abschütteln, und sie kehren nach Thorrat zurück, um Colemayn an Bord zu nehmen. Aber der Tramp ist nicht mehr auffindbar, er hatte sich kurz davor noch von den Thorratern aus Edolhyt verabschiedet und betont, er wolle weiterhin die abgelegenen Pfade Thorrats erkunden. ANIMA behauptet, dass sie ihm sicher bald wieder begegnen würden, ihre Wege hätten sich bisher schon öfter gekreuzt. Das Raumschiff bricht anschließend Richtung New Marion auf.

Anmerkungen

ANIMA berichtet Atlan, dass sie über keinerlei Offensivwaffen verfüge, aber stark defensiv ausgerichtet sei. Sie könne kaum vernichtet werden; zumindest bisher sei sie noch nie bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit beansprucht worden. Umso mehr verwundert es, dass sie mit einem ganz simplen Paralyseprojektor gehindert werden konnte, von Thorrat zu starten.

Der obige Text und Bilder wurde per GNU-Lizenz der Perrypedia entnommen.
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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Grauer Lord » 11. August 2019, 09:58

Ein schönes TiBi, das endlich mal wieder von Jonny Bruck gestaltet wurde und dazu ein ruhiger, mit viel Kolorit versehener Roman von Hans Kneifel, der wichtiger ist, als es die trostlose und klein dimensionierte Szenerie des Hinterwäldlerplaneten Thorrat im „Sumpf“ der Hexe von Mesanthir zuerst vermuten lässt.

Die zweite Ortsversetzung bringt Atlan genau auf diesen Planeten einfacher Bauern und Hirten, die gerade mal eine Art Verbrennungsmotor nutzen und sich geschickt aus den grossen Zusammenhängen Alkordooms heraushalten. Das von den Kosmokraten vor gut 80 Jahren nach Alkordoom geschickte, lebende Ramschiff ANIMA verbirgt sich seit den Ereignissen von Lummensand hier, nimmt mal die Form einer Steinkugel, mal die eines bemoosten Berges an. Ihre Mimikry-Fähigkeiten sind scheinbar unbegrenzt. Und auf Thorrat begegnen wir auch einem mysteriösen, scheinbar etwa 80 Jahre alten Mann. Einem Tramp mit gegerbter Haut und freundlichen braunen Augen, erstaunlich jugendlichen Bewegungen sowie einem Rucksack, dessen Inhalt genauso unerschöpflich zu sein scheint, wie sein Vorrat an Sprüchen und Weisheiten.
Colemayn begleitet Atlan auf seinem Weg, stammt angeblich von „Evron“, was nicht in Alkordoom liegt; und trifft aufs einen Wanderungen angeblich immer wieder Wesen, denen er einst in der Wirklichkeit und in den Träumen begegnet ist. Colemayn ist eine rätselhafte, aber dabei nicht unsympathische Figur, die am Ende des Romans so spurlos verschwindet, wie sie aufgetaucht ist. Sein Geheimnis wird größer dadurch, dass ANIMA ihm auf ihrer Odyssee durch Alkordoom gleich mehrfach begegnet ist. Bedeutet: Von dem werden wir wohl noch einiges lesen.

Sind etwa beide Gesandte der Kosmokraten, die Atlan unterstützen sollen?

Atlan und dem lebenden, sich als Frau verstehenden Raumschiff gelingt die Flucht vor den Crynn-Brigade, der Kurs weist Richtung New Marion. Wie ANIMA „technisch“ funktioniert, bleibt (noch) offen. Energie bezieht sie offenbar durch Anzapfung des Hyperraums, wie sie sich fortbewegt, ist noch komplett unklar. Anders als der aus der Namenlosen Zone bekannte Asgard kann sie sich aber überlichschnell und auf weite Entfernungen zumindest durch die aktuell Galaxis bewegen.

Der Exposé-Meister fackelte in dieser Zeit nicht lange, nächste Woche erfahren wir dann schon die Lebensgeschichte ANIMAS.

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Yman » 15. August 2019, 05:32

Grauer Lord hat geschrieben:Was die Expedition der Voorndaner angeht: die Entfernung ist in der Tat der Pferdefuß. Möglicherweise hat der Erleuchtete seinen Hilfsvölkern für die Suche nach Psi-Potential-Völkern ja auch eine Sonderausstattung mitgegeben. Oder ES hat doch mitgemischt, wie später bei der Entführung von Menschen durch GESHODS Truppen; das wäre nicht gar so ungewöhnlich, bestand die SI damals ja noch aus ES und Anti-ES und war moralisch nicht immer auf der Höhe der Zeit (siehe Gewährenlassen der MdI-Terrorherrschaft in Andromeda).
Oftmals lässt sich natürlich eine Erklärung finden. Das Perryversum bietet ja viele Möglichkeiten. Vielleicht wird ja im Zyklus noch die eine oder andere Andeutung gemacht.
Grauer Lord hat geschrieben:Ich empfinde die ersten Hefte des Zyklus jedenfalls als erfrischend anders als die sterilen und am Ende zutiefst langweiligen Romane des SOL-Zyklus; wenn man den Hexenkessel Alkordoom und die Zyrtonier mal gegenüber stellt, ist es doch kaum zu glauben, dass wir es hier mit ein und derselben Serie zu tun haben.
Ja, das sehe ich auch so. Der neue Zyklus startet wirklich sehr frisch und unterhaltsam. Das Thema Weltraumzecken wurde überreizt.
Lumpazie hat geschrieben:Im Jahr 1984 erschien der Band 679 der Atlan-Serie.

Der Sternentramp

von Hans Kneifel
Der Untertitel ist ja "Der Kampf mit den Crynn-Brigadisten". Wir haben auch diese beiden Themen, wobei die Begegnung mit dem Sternentramp Colemayn den größten Teil einnimmt. Der Kampf ist nur kurz, mehr eine Flucht. Atlan kommt an, das war noch spannend, wird sich aber schnell einig mit diesem Bürgermeister, bekommt sogar ein Auto, fährt damit fast direkt zu ANIMA, unterbrochen nur durch einige wenige Kontrollen durch Crynn-Brigadisten und Gespräche mit dem Sternentramp, den er aufgegabelt hat. Dieser relativ handlungsarme Teil des Romans wurde von Kneifel auf gut 50 Seiten gestreckt. Verglichen mit den Romane zuvor war dieser eher langweilig.
Grauer Lord hat geschrieben:Ein schönes TiBi, das endlich mal wieder von Jonny Bruck gestaltet wurde
Im Heft wird hinten Werbung für einen Bildband von Bruck gemacht. Da war es nur passend, ein Bruck-Titelbild zu bringen. Es zeigt wohl Atlan beim Einschleusen seines Gleiters in ANIMA, die diese Öffnung gebildet hat, aber im Gleiter sitzen zwei Personen. Atlan war aber alleine im Gleiter, da Colemayn zurückblieb. Oder die Szene ist doch eine andere, aber auch das macht keinen Sinn. Hatte Bruck beim Zeichnen der Titelbilder die fertigen Romane vorliegen, oder nur das Exposé?
Grauer Lord hat geschrieben:und dazu ein ruhiger, mit viel Kolorit versehener Roman von Hans Kneifel, der wichtiger ist, als es die trostlose und klein dimensionierte Szenerie des Hinterwäldlerplaneten Thorrat im „Sumpf“ der Hexe von Mesanthir zuerst vermuten lässt.
Mir war der Roman auf den ersten 50 Seiten etwas zu ruhig, aber er ist sicher wichtig, da Atlan dem Sternentramp und ANIMA begegnet, zwischen denen es einen Zusammenhang geben muss.
Grauer Lord hat geschrieben:Das von den Kosmokraten vor gut 80 Jahren nach Alkordoom geschickte, lebende Ramschiff ANIMA verbirgt sich seit den Ereignissen von Lummensand hier, nimmt mal die Form einer Steinkugel, mal die eines bemoosten Berges an. Ihre Mimikry-Fähigkeiten sind scheinbar unbegrenzt. Und auf Thorrat begegnen wir auch einem mysteriösen, scheinbar etwa 80 Jahre alten Mann. Einem Tramp mit gegerbter Haut und freundlichen braunen Augen, erstaunlich jugendlichen Bewegungen sowie einem Rucksack, dessen Inhalt genauso unerschöpflich zu sein scheint, wie sein Vorrat an Sprüchen und Weisheiten.
Das ist in der Tat alles sehr rätselhaft, und ich hoffe, dass die Auflösung nicht zu früh kommen wird. Colemayn ist ein schrulliger, interessanter Charakter, der einiges in seiner Trickkiste auf Lager zu haben scheint. Ich bin auf jeden Fall auf die nächsten Romane sehr gespannt.

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Lumpazie » 15. August 2019, 13:30

Yman hat geschrieben:
Grauer Lord hat geschrieben:Ein schönes TiBi, das endlich mal wieder von Jonny Bruck gestaltet wurde
Im Heft wird hinten Werbung für einen Bildband von Bruck gemacht. Da war es nur passend, ein Bruck-Titelbild zu bringen. Es zeigt wohl Atlan beim Einschleusen seines Gleiters in ANIMA, die diese Öffnung gebildet hat, aber im Gleiter sitzen zwei Personen. Atlan war aber alleine im Gleiter, da Colemayn zurückblieb. Oder die Szene ist doch eine andere, aber auch das macht keinen Sinn. Hatte Bruck beim Zeichnen der Titelbilder die fertigen Romane vorliegen, oder nur das Exposé?
Teils, teils.... Ich habe zusammen mit einem anderen Fan Johnny Bruck einmal in Herrsching besucht (das war in den 1990ern). Da hat er uns erzählt, das einige Autoren die Manuskripte schicken, mit anderen telefonierte er (was zu der Zeit noch sehr teuer war). Die Exposes bekam er immer - hat sich aber in allen drei Fällen selten an irgendwas aus diesen Vorlagen gehalten :lol: Ok, das war natürlich auch zu einer Zeit, wo er aufgrund des hohen Alters gar nicht mehr den Input hatte (ich erinnere mich mit grausen an die letzen Tibi´s im Bereich 1650-1797).

Zu dem Zeitpunkt, wo wir ihn besuchten, lagen einige Manuskripte von Horst Hoffmann vor. Der war einer der Einzigen, die regelmässig für seine Romane Titelbildvorschläge machte (weil er halt selber auch gerne zeichnete). Ich guck mal, ob ich das Foto heute abend finde, dann stelle ich es hier ein.
War auf jedenfalls ein unvergessliches Erlebnis - der Nachmittag mit Meister Johnny Bruck :st:

Da haben es die Tibi-Zeichner heute mit Email, Internet, Computergrafiken, günstigen Telefonanbietern usw schon viel einfacher. Das merkt man den Tibi´s auch an. Klingt jetzt sehr blöd (weil ich bekennter Bruck-Fan bin), aber nach Johnnys leider viel zu frühen Tod nahm die Qualität der Titelbilder unheimlich zu (auch was die Übereinstimmung mit den Romaninhalt betraf).
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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Lumpazie » 17. August 2019, 22:51

Im Jahr 1984 erschien der Band 680 der Atlan-Serie.

ANIMA

von Marianne Sydow

Bild

Innenillustration:

Bild


Handlung:

Atlan fliegt mit ANIMA, von Thorrat kommend, Richtung New Marion. Bei einem länger als üblich dauernden Orientierungsstopp fragt Atlan nach dem Grund, bekommt aber zur Antwort, es würde ihn nicht interessieren. Gleichzeitig empfängt er aus einem Lautsprecher einen Hilferuf. Er befiehlt ANIMA, die Schiffbrüchigen zu bergen, was vom lebenden Raumschiff nur widerwillig gemacht wird.

An Bord kommen zwei junge, weibliche Bithra namens Molina und Traumata, die sich bei Atlan überschwänglich bedanken und ziemlich rasch zudringlich werden. Atlan beobachtet, dass sie manchmal stolpern, das Gleichgewicht verlieren und sich auch sonst relativ seltsam benehmen, als würden sie sich nach einem unsichtbaren Gegner umblicken. Als er mit ANIMA allein ist, stellt er sie zur Rede, aber ANIMA hat keine Ahnung, was mit den beiden los ist. Nach einigen Spannungen zwischen Atlan und ANIMA werden die Bithra schließlich auf ihrem Heimatplaneten abgesetzt, und die Reise nach New Marion wird fortgesetzt.

Atlan verlangt von ANIMA, zu wissen, wer für die Zwischenfälle verantwortlich ist. ANIMA räumt ein, es könnte ein Eindringling an Bord sein, sie könne ihn aber nicht lokalisieren. Atlan bezweifelt die Geschichte und verdächtigt ANIMA, aus Eifersucht so gehandelt zu haben, was sie zuerst bestreitet, dann aber zugibt. Sie sei aber nicht für alle Zwischenfälle verantwortlich gewesen.

Atlan besteht darauf, dem (angeblichen?) Eindringling eine Falle zu stellen und sich selbst in einen ganz kleinen (von ANIMA erschaffenen) Raum zu verbergen und auf einen Fehler des Eindringlings zu warten. Während dieser Zeit erzählt ihm ANIMA ihre Lebensgeschichte (siehe ANIMA).

Nachdem ANIMA geendet hat, kann sie den Eindringling lokalisieren. Auf Atlans Anweisung verdichtet sie ganz plötzlich die Wände um den Eindringling herum mit einer dicken Plasmamasse. Tatsächlich zeichnen sich darunter die Umrisse eines unsichtbaren Fremden ab. Das Fremde nennt sich das Fract-Cuzz und behauptet, früher eine Facette gewesen zu sein. Atlan lässt das gefährliche Fract-Cuzz in den Weltraum befördern (welches Rache schwört), das Schiff erreicht New Marion und landet vor dem Haus der Familie Briggs.

Anmerkung

Es wird nicht erwähnt, wie das Fract-Cuzz an Bord kam und warum es im freien Weltraum überleben konnte.

Der obige Text und Bilder wurde per GNU-Lizenz der Perrypedia entnommen.
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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Grauer Lord » 18. August 2019, 16:12

Mit „Anima“ liefert Marianne Sydow einen gewichtigen Roman ab, in den man aber erst einmal hineinkommen muss. Recht weitschweifig und zunächst sehr ruhig, wie in einem Fantasyroman, wird die Geschichte der jungen Vardi Anima geschildert, die auf dem Planten Crowhen in einer fernen Galaxis unter einfachsten Bedingungen aufwächst und über die unheimliche Gabe verfügt, in Momenten der Angst den Angreifer in einen Plasmaklumpen zu verwandeln. Ihre Artgenossen halten sie für besessen und verbannen Anima in die Schlucht der Höhlenfrau, die ihr zahlreiche Legenden und Märchen erzählt, wie das von Corloque dem Eroberer. Derweil bricht wie ein Heuschreckenschwarm das Robotervolk der Bo‘oquiden über die rückständige Welt herein - lange Jahre herrenlos handeln die Maschinen jetzt im Auftrag einer Wesenheit namens Vergalo und rauben und plündern die Schätze anderer Völker, entführen aber auch Wesen mit Para-Kräften.
Gelungen die Anbindung an den PR-Kosmos: Hartmann vom Silberstern, einer der sagenumwobenen Ritter der Tiefe taucht auf, erkennt Animas besondere Fähigkeiten; nach ihrer Schulung (wie sich die betreffende Psi-Kraft nennt, wird nicht ausgesagt) kann sich die junge, hoffnungslos in „ihren“ Ritter verliebte Vardi, in diverse Materialien und Zustandsformen verwandeln und wird Hartmanns Orbiterin. Allerdings: Der doch etwas schlichte Name des Ritters passt für mich nicht wirklich zu den klingenden Namen seiner damals bekannten Kollegen wie Igsorian von Veylt, Armadan von Harpoon, Derkan von Orn etc. Das ist aber Geschmacksache.

Der Kampf gegen den unheimlichen Vergalo, eine auf den ersten Blick duale, quallenähnlich-monströse Wesenheit, wird letztlich zum Fiasko. Anima erkennt, dass Vergalo eben nicht nur das überschaubare Monstrum auf dem Thron vor ihr ist, sondern auch der ganze, riesige Palast und wohlmöglich noch viel mehr auf dem Planeten, der auch Vergalo heißt. Während Hartmann vom Silberstern nach einem Speerwurf stirbt (Ironie des Schicksals: Low-Tech schlägt einen Ritter der Tiefe, wie einst Atlan die letzte MdI) kann sich die teilweise mit dem Monstrum verschmolzene Anima nur dadurch retten, dass sie sich mit einem Teil der Plasmamasse des geheimnisvollen Wesens verbindet und davon ablöst. Die Geburtsstunde von ANIMA, des lebenden Raumschiffs.

Ebenfalls im Einklang mit dem PR-Kosmos ist dann das Auftauchen von Payarus, der vom Namen her ein UFOnaut sein müsste, ein einfacher Kosmokratenhelfer also. ANIMA wird in Heilschlaf versetzt, ihr erster Auftrag führte sie dann nach Alkordoom. Atlan, der zu diesem Zeitpunkt seine Ritterweihe noch nicht erlebt hat, will sie dennoch als Orbiterin dienen. Und Vergalo? Tot war das riesenhafte Wesen wohl noch nicht...

Weniger gelungen fand ich die Geschichte um die beiden katzenöhnlichen Schiffbrüchigen von Bithra; möglich ist es aber, dass diese beiden albern dargestellten Figuren irgendwie den blinden Passagier eingeschleppt haben, der ANIMA und Atlan so beschäftigt hat. Dabei handelt es sich um das Fract-Cuzz, einen Überrest einer früheren Facette von Alkordoom. Womit der Beweis erbracht ist, dass die Herrschaft einer Facette nicht für die Ewigkeit gedacht ist, sondern dass sich möglicherweise immer das jeweils machtgierigste und stärkste Wesen eines Bezirks an die Spitze kämpfen kann - wenn es denn nur in der Spur bleibt, die der Erleuchtete vorgibt.

Ziemlich viel Input für eine Woche, jetzt wieder zurück nach New Marion.

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Lumpazie » 25. August 2019, 09:47

Im Jahr 1984 erschien der Band 681 der Atlan-Serie.

Das Spielhöllenschiff

von H.G. Ewers

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Innenillustration:

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Handlung:

Über New Marion ist ein Raumschiff erschienen, die ROULETTE. Es handelt sich um eine fliegende Spielhölle. Auf New Marion / Voorndan leben auf dem kleineren Kontinent Hain die Celester, auf dem größeren Kontinent Palmwiese die Voorndaner. Letzterer ist – von der Hauptstadt Edelkraut abgesehen – eine einzige Spiel- und Drogenhölle. Die ROULETTE, die sich in einem weiten  Orbit befindet, zieht die zahlungskräftigen Kunden ab.

Seit kurzem sind ein paar Celester, die sich auf Palmwiese aufgehalten haben, verschollen. Atlan und die führenden Celester vermuten, dass sie sich auf der ROULETTE aufhalten, daher beschließen sie, sich dorthin locken zu lassen. Atlan, Sarah Briggs, Arien, Volkert und Spooner Richardson reisen nach Palmwiese, spielen ein paar Glücksspiele und werden schon bald darauf von einem Smyrter abgeworben, der sie mit einer Fähre zur ROULETTE bringt.

Noch bevor sie die Fähre verlassen haben, sehen sie einen der vermissten Celester, der sich offenbar auf der Flucht befindet, können ihm aber nicht zu Hilfe eilen. Sie begeben sich in ihre Gratis-Unterkünfte, um sich zu erfrischen, und anschließend in eine Bar. Auf dem Weg dorthin gibt es ein kurzes technisches Gebrechen – und einen toten Smyrter, der sie begleiten wollte. In der Bar merken die fünf rasch, dass die Gäste mit Drogen beeinflusst werden, die anscheinend mit den Drinks zu sich genommen werden. Anfangs gelingt es ihnen, „saubere“ Drinks zu bekommen, dann werden sie doch noch beeinflusst. Die Droge lässt sie die Dinge, die um sie herum passieren, ignorieren. Durch den Zellaktivator ist die Wirkung bei Atlan aber rasch verflogen.

Auf dem Weg in eine Spielsektion fällt Atlan auf, dass er immer wieder von einem Voorndaner beobachtet wird, der eine Tasche bei sich trägt, sowie ein Cyborg, bestehend aus einem menschenähnlichen Kopf, der auf einer Antigravscheibe ruht. Über Transmitter sollte die Spielsektion erreicht werden, aber Atlan rematerialisiert an einem völlig abgelegenen Ort. Ein Smyrter entdeckt ihn, nachdem er von dem verdächtigen Voorndaner, der sich Comerlat nennt, darauf hingewiesen worden ist.

Atlan macht sich zu Fuß auf den Weg in die Spielsektion. Unterwegs stößt er auf Kämpfe; die Schiffsbesatzung – weitestgehend Smyrter – wird von Robotern und Thatern angegriffen. Er findet auch den Celester, den er bei seiner Ankunft auf der Flucht gesehen hatte; er ist von Spielsucht und Drogenkonsum am Ende seiner Kräfte und stirbt. Atlan hilft der Schiffsbesatzung, um rasch seine Gefährten wieder zu finden. Aber er findet nur die Richardsons, Sarah Briggs ist verschwunden. Durch die vielen Kämpfe gerät Atlan in Verdacht, etwas mit den Überfällen zu tun zu haben. Nun versuchen nicht nur die Schiffsbesatzung, sondern auch die offenbar feindlich gesinnten Thater der Crynn-Brigade, Atlan zu fangen. Comerlat wendet sich an die Thater Cuur-Bamyl und Cuur-Tok und möchte Atlan ebenfalls in seine Gewalt bekommen, aber die Thater verstehen sein Zeichen nicht, er wird paralysiert.

Schließlich wird auch Atlan von Cuur-Bamyl paralysiert. Als er wieder zu sich kommt, befindet er sich auf einem Kugelraumer der Crynn-Brigade, der sich im Orbit um die Sonne Littoni befindet. Hier erfährt er, dass Sarah vom stellvertretenden Kommandanten Krootoor gefangen genommen wurde, er möchte unbedingt zurück und sie befreien. Aber das wird ihm vorerst von Colo verwehrt, der den Einsatz der Thater koordiniert. Denn Cuur-Bamyl und Cuur-Tok sind längst der Spielsucht verfallen und eine Schwachstelle des Einsatzes. Daher werden die beiden zurück zur ROULETTE geschickt, wo sie ohnehin nur ihrem Laster frönen würden.

Wenig später schickt Colo Atlan nach Palmwiese, von wo er erneut zum Spielhöllenschiff aufbricht. Außerdem noch zwei Roboter, die perfekt als Celester getarnt sind, auf direktem Weg in das Raumschiff, die später mit Atlan zusammen arbeiten sollen. Schon am Raumhafen soll der Arkonide gefangen genommen werden, er stellt sich aber freiwillig, um zu Krootoor zu gelangen. Als er die Fähre in der ROULETTE verlässt beginnt auch gleich ein Kampf um die Kopfprämie, die auf ihn ausgesetzt wurde. Aber die Richardsons können ihn herausschlagen. Anschließend erfährt er von den getarnten Robotern, dass sich Sarah nun in der Gewalt des Kommandanten Ofox befindet. Atlan begibt sich zum Kommandanten, um Sarah zu retten. Auf dem Weg dorthin wird er erneut von Comerlat und dem Cyborg verfolgt, aber es gelingt ihm, die Zentrale zu erreichen, wo er sich Ofox ergibt. Im Stillen hofft er, dass er von seinen mysteriösen Verfolgern befreit werden wird, da sie offensichtlich etwas von ihm wollen.

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Yman » 25. August 2019, 11:15

Lumpazie hat geschrieben:Im Jahr 1984 erschien der Band 680 der Atlan-Serie.

ANIMA

von Marianne Sydow
Grauer Lord hat geschrieben:Mit „Anima“ liefert Marianne Sydow einen gewichtigen Roman ab, in den man aber erst einmal hineinkommen muss. Recht weitschweifig und zunächst sehr ruhig, wie in einem Fantasyroman, wird die Geschichte der jungen Vardi Anima geschildert, die auf dem Planten Crowhen in einer fernen Galaxis unter einfachsten Bedingungen aufwächst und über die unheimliche Gabe verfügt, in Momenten der Angst den Angreifer in einen Plasmaklumpen zu verwandeln.
Ich hatte tatsächlich Schwierigkeiten, in den Roman reinzukommen, wobei die Lebensgeschichte Animas ja erst auf Seite 20 beginnt (und bis Seite 56 geht). Die kurze bizarre Geschichte um die beiden Bithra namens Molina und Traumata fand ich nicht sehr spannend, und ich frage mich, ob diese Bithra noch mal eine Rolle spielen werden. Das Fract-Cuzz hat ja Rache geschworen, da wird wohl noch etwas nachkommen.
Grauer Lord hat geschrieben: Gelungen die Anbindung an den PR-Kosmos: Hartmann vom Silberstern, einer der sagenumwobenen Ritter der Tiefe taucht auf, erkennt Animas besondere Fähigkeiten; nach ihrer Schulung (wie sich die betreffende Psi-Kraft nennt, wird nicht ausgesagt) kann sich die junge, hoffnungslos in „ihren“ Ritter verliebte Vardi, in diverse Materialien und Zustandsformen verwandeln und wird Hartmanns Orbiterin. Allerdings: Der doch etwas schlichte Name des Ritters passt für mich nicht wirklich zu den klingenden Namen seiner damals bekannten Kollegen wie Igsorian von Veylt, Armadan von Harpoon, Derkan von Orn etc.
Das sehe ich auch so. Hartmann vom Silberstern klingt für mich mehr nach einem Musiktitel der Neuen Deutschen Welle als nach einer Perry-Rhodan-Figur. Aber diese Vorgeschichtge mit einem Ritter der Tiefe ist absolut stimmig für die Erklärung, wie Anima in die Dienste der Kosmokraten geraten ist. Sie hat also Parafähigkeiten, darunter wohl so etwas Ähnliches wie Irmina Kotschistowas Fähigkeiten als Metabiogruppiererin.

Im Grunde ist Anima ein Amalgan aus Atlans drei verblichenen Helfern: Tyari, Ticker und Asgard. Asgard als organisches, umhüllendes Raumschiff, aber Anima ist wesentlich größer. Tickers Fähigkeiten und Instinkte waren immer sehr variabel, hier wird es ähnlich sein. Die Kommunikation mit Anima dürfte auch wesentlich besser sein als mit Ticker und Asgard, hier schlägt der Tyari-Anteil zu Buche. Nur mit der Telepathie dürfte es hapern.

Insgesamt hat mit die Lebensgeschichte Animas sehr gut gefallen.
Grauer Lord hat geschrieben:Weniger gelungen fand ich die Geschichte um die beiden katzenöhnlichen Schiffbrüchigen von Bithra; möglich ist es aber, dass diese beiden albern dargestellten Figuren irgendwie den blinden Passagier eingeschleppt haben, der ANIMA und Atlan so beschäftigt hat.
Wahrscheinlich ist das so, aber es wirft auch die Frage auf, ob Anima als Schiff jemals eine reguläre Besatzung neben Atlan haben wird. Und ob diese Bithra noch einmal vorkommen. Interessant an den Bithra war, dass sie vollautomatische Schiffe und dementsprechend wenig Ahnung von Technik bzw. der Steuerung eines Schiffes hatten. Passt auch irgendwie zur Neuen Deutschen Wille, dieses Spaß haben, im Weltraum nach Lust und Laune herumfliegen und sich um nichts kümmern müssen.
Grauer Lord hat geschrieben:Dabei handelt es sich um das Fract-Cuzz, einen Überrest einer früheren Facette von Alkordoom. Womit der Beweis erbracht ist, dass die Herrschaft einer Facette nicht für die Ewigkeit gedacht ist, sondern dass sich möglicherweise immer das jeweils machtgierigste und stärkste Wesen eines Bezirks an die Spitze kämpfen kann - wenn es denn nur in der Spur bleibt, die der Erleuchtete vorgibt.
Grauer Lord hat geschrieben:Ziemlich viel Input für eine Woche, jetzt wieder zurück nach New Marion.
Dort ist das Spielhöllenschiff aufgetaucht, und Atlan ist wieder bei den Celestern. Bis jetzt ist der Zyklus sehr gut aufgebaut, immer neue Figuren, Planeten und Rätsel, aber trotzdem ist ein roter Faden erkennbar. Man hat das Gefühl, der Zyklus läuft wirklich auf etwas Interessantes hinaus.

Beim letzten Zyklus war die SOL fast schon so etwas wie eine Belastung für Atlan und die Serie, ein zu mächtiges Schiff mit einer Besatzung, die nicht wirklich hinter Atlans Zielen stand. Von dieser Belastung hat man sich befreit. Atlan und Anima stehen beide voll im Dienst der Kosmokraten und müssen sich nicht ständig um eine SOL mit 100.000 wankelmütigen Leuten kümmern.

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Yman » 27. August 2019, 07:39

Lumpazie hat geschrieben:Im Jahr 1984 erschien der Band 681 der Atlan-Serie.

Das Spielhöllenschiff

von H.G. Ewers
Nach einer langen Atlan-Pause (seit A 513) meldet sich H.G. Ewers nun mit dem ersten Teil eines Doppelromans zurück. Der von Ewers beschriebene Atlan erinnert mich sehr an die Jugendabenteuer. Atlan verhält sich besonders am Ende des Romans wie ein hormongesteuerter Teenager. Der Extrasinn ist entweder nicht ganz auf der Höhe oder einfach machtlos. Sarah kann wohl kaum Atlans erste große Liebe sein, noch wird er sie durch sein unsinniges Verhalten wieder bekommen.

Langweilig wird es nicht, aber die Handlung auf dem Spielhöllenschiff ist unübersichtlich. Den Überblick zu behalten, wer hier warum gegen wen kämpft, erfordert Aufmerksamkeit. Neu im Spiel sind offenbar die grünen Smyrter. Andere Spezies kennt man schon.

Dass das Schiff, wie auch auf dem Titelbild zu lesen, ROULETTE heißt, ist sonderbar. Roulette ist etwas Französisches, und wir sind hier in einer fremden Galaxie. Damals hat man sich über solche Dinge wohl nicht allzu lange Gedanken gemacht. Zu fremdartig sollte es wohl nicht werden, sonst hätte man vielleicht eine bestimmte Gruppe von Lesern verloren.

Offenbar waren damals auch Spielautomaten sehr beliebt. Es gibt am Anfang ein paar Seitenhiebe, z.B. auf Spiele wie Zaxxon. Es gibt auch sonst einige Merkwürdigkeiten, wie z.B. dass Atlan unmittelbar nach dem Rematerialisieren aus einem Transmitter einen "Befreiungsschrei" ausstößt. (Transmitterunfälle werden im Roman knapp thematisiert.)

Ein Hyperschallkegel zerstört das Gehirn von Atlans Begleiter Paaschuul, wohingegen Atlan die fast unsichtbaren Projektoren noch in letzter Sekunde erkennt. An welchen "winzigsten Abweichungen" im dekorativen Deckenmuster erkennt Atlan, dass es sich um so etwas handelt? Immerhin, zu diesem Zeitpunkt ist Atlan noch im Besitz seiner geistigen Kräfte, die dann bald stark nachlassen. Auf Seite 40 scheint Ewers selbst den Widerspruch erkannt zu haben, dass Atlan sich mit seinen 10000 Jahren wie ein "jugendlicher Heißsporn" aufführt.

Gewöhnungsbedürftig sind auch die Namen im Roman. Das fängt an mit Städten wie Dotterblume-Heidesenf und geht zu Robotern namens Traunich und Schauviel. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass Ewers sich in diesem Roman sehr zurückhält. Die Kulisse des Spielhöllenschiffs hätte sicher den Nährboden für etliche Eigenkreationen geboten, aber was nicht ist, kann ja im zweiten des Doppelromans noch werden. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Grauer Lord » 28. August 2019, 16:09

@Yman: Das mit dem Namen ROULETTE wird am Ende des Romans „Anima“ geklärt bzw. angesprochen. Da heißt es, „der Name des Schiffes lautete - sinngemäß übersetzt - ROULETTE.“ Der Begriff wird hier als Synonym für Glücksspielapparate aller Art verwendet. Und irgendwie muss das Spielhöllenschiff ja auch griffig heißen...

Mit dem Roman 681 beginnt der im Breitwand-Format gestartete Zyklus erst einmal eine Pause einzulegen, was das Liefern von immer neuen kosmischen Infos und Zusammenhängen über Alkordoom angeht. Geboten wird stattdessen bodenständige Action-Kost als erster Teil eines Zweiteilers von Ewers. Der Inhalt nebst Transmitter-Beinaheunfall und wer da gerade gegen wen kämpft und intrigiert lässt mich eher kalt, ich habe das meiste nur überflogen. Atlans abgöttische Liebe zu Sarah Briggs kommt mir etwas sehr plötzlich. Und die Szenen um Drogensucht und Spielhölle sind aus heutiger Sicht schon recht altbacken geschildert. Interessant ist die mehrfach auftauchende Formulierung, ein Getränk sei „gedoktert“ worden.

Farbig und interessant ist die Darstellung der Smyrter oder der „Knochensack-Pilotin“, hervorragend die Innen-Illu zur ROULETTE. Alles in allem scheint es so zu sein, dass Gentile Kaz mit dem mobilen Spielcasino die Puritaner-Welt der Celester beeinflussen und wohlmöglich seine Rivalin Zulgea entreißen will. Die selber Spiel- und Drogensucht fördernden Voorndaner mischen offenbar auch mit, um ihre eigenen Pfründe zu sichern. Dazu kommt die noch unberechenbare Kraft des geheimnisvollen Cyborg-Kopfes; da einmal der Begriff „Kuzz“ fällt, könnte der wehmütig dreinschauende Restkörper also mit dem Fract-Kuzz aus dem Vorgängerroman zusammenhängen. Damit hätten wir es im nächsten Roman evt. mit einer leibhaftigen, früheren Facette zu tun.

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Re: Klassiker-Zyklus: Alkordoom (675-699)

Beitrag von Lumpazie » 31. August 2019, 22:14

Im Jahr 1984 erschien der Band 682 der Atlan-Serie.

Bomben auf New Marion

von H.G. Ewers

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Innenillustrationen:

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Handlung:

Auf der ROULETTE macht sich der Cyborg mit dem Aussehen eines auf einer Antigravscheibe ruhenden menschlichen Kopfes, der sich das Minu-Cuzz nennt, gemeinsam mit seinem voorndanischen Helfer Comerlat auf, um Atlan aus Ofox Gefangenschaft zu befreien. Unterwegs treffen sie auf die beiden Roboter, die perfekt als Celester getarnt sind. Das Minu-Cuzz übernimmt beide Roboter, bei einem trennt es den Kopf ab und nimmt diese Position selbst ein. Einer der Roboter kann aber noch einen gerafften Hyperfunkspruch absetzen, in dem er der Crynn-Brigade über die Lage berichtet.

Inzwischen wurde Atlan unter Drogen gesetzt und erlebt in seinem Rausch einen Speer- und Schwertkampf gegen einen ebenbürtigen Gegner – sich selbst. Als er wieder zu sich kommt, befindet er sich in einem kleinen Raum gefangen, gemeinsam mit Sarah Briggs. Erleichtert stellt er fest, dass sich der Zellaktivator, den er Sarah umgehängt hat, als er zu ihr gebracht wurde, wieder an seiner Brust befindet. Sarah muss also geheilt worden sein und hat erkannt, was dafür verantwortlich war.

Auf dem Weg zu Atlan begegnet das Minu-Cuzz den beiden Thatern Cuur-Tok und Cuur-Bamyl. Durch seine hypnosuggestiven Kräfte erfährt das Minu-Cuzz, dass die Crynn-Brigade die ROULETTE unter ihre Herrschaft bringen will. Es befiehlt den Thatern, alle ihre Untergebenen zu töten und sich anschließend gegenseitig umzubringen, was diese später auch in die Tat umsetzen. Außerdem laufen ihm noch Arien, Volkert und Spooner Richardson über den Weg, die es ebenfalls beeinflusst. Während seine Söhne willenlos werden, kann Arien den Befehlen des Minu-Cuzz trotzen. Die beiden ungleichen Gegner treffen einen Waffenstillstand, da sie die Befreiung Atlans als gemeinsames Ziel haben.

Inzwischen wird aber Atlan von Comerlat befreit, der ihn zum Minu-Cuzz führen will. Das Minu-Cuzz ist ein Teil der ehemaligen Facette von Mesanthor, das Cuzz, das von Zulgea ermordet wurde. Der andere Teil des Cuzz, das Fract-Cuzz, ist Atlan bereits an Bord von ANIMA begegnet; beide Teile wollen sich vereinigen und sich an Zulgea rächen. Das Minu-Cuzz will von Atlan erfahren, wo er das Fract-Cuzz getroffen hat. Aber als Comerlat Atlan zu ihm führen will, bricht er geschwächt zusammen; er hat die Hungerseuche, wie sich später herausstellt. Atlan schleppt ihn weiter mit sich, unterwegs stellen sie immer wieder Kämpfe fest.

Sie kommen an der Hauptzentrale vorbei und betreten sie unbemerkt, was in dem Durcheinander, das im Schiff herrscht, nicht weiter schwierig ist (noch immer bekämpft die Schiffsbesatzung die Crynn-Brigade und jagt voorndanische Agenten). Ofox ist gerade dabei, sich mit Colo über Hyperfunk zu verbünden, um die durch das Minu-Cuzz ausgehende Gefahr zu bekämpfen. Das Minu-Cuzz wurde gerade von Zulgea zum Staatsfeind Nummer eins erklärt, die Crynn-Brigade hat sich vorrangig um dessen Ausschaltung zu kümmern und nicht mehr darum, die ROULETTE in ihre Gewalt zu bringen. Und die von Gentile Kaz geschickte ROULETTE sieht im Minu-Cuzz den Drahtzieher der Unruhen an Bord. Nach Ende des Funkgespräches wird Atlan von Ofox bemerkt. Der Kommandant kann Atlan in derselben Sekunde paralysieren, in der Atlan auf ihn mit einem Impulsstrahler schießt und dabei tötet.

Nun wird der bewusstlose Atlan vom Minu-Cuzz, Sarah und den Richardsons gefunden, sie begeben sich alle zu den Rettungskapseln, denn die Crynn-Brigade müsste bald eintreffen. Sie landen mit der Rettungskapsel aber auf Palmwiese, nicht auf Hain, um die rasch um sich greifende Hungerseuche nicht auf Hain einzuschleppen. Auf Palmwiese wütet sie bereits seit Tagen, weil sie von den von der ROULETTE zurückkehrenden Voorndanern eingeschleppt wurde. Dort nehmen sie sich einen Gleiter und begeben sich in die Doppelstadt Dotterblume-Heidesenf.

Auf dem Weg dorthin merken sie, dass von der ROULETTE eine Atombrandbombe auf Palmwiese abgeworfen worden ist, die einen Brand auslöst der unlöschbar wird, sobald er eine gewisse Ausdehnung erreicht hat. Atlan ruft ANIMA um Hilfe, und tatsächlich gelingt es dem lebenden Raumschiff, den Brand zu löschen, die Kernbrandmaterie wird schließlich von ihr in die Sonne Littoni befördert.

Inzwischen greift die Crynn-Brigade das Minu-Cuzz und dessen Begleiter vehement an. Sie legt einen Teil der Hauptstadt Edelkraut in Schutt und Asche, bis es dem Minu-Cuzz gelingt, sowohl der Crynn-Brigade als auch der Besatzung der ROULETTE einen sich rasch ausbreitenden Atombrand auf New Marion zu suggerieren bzw. deren Instrumenten vorzutäuschen. Auf der Flucht vor der Crynn-Brigade wurde allerdings das Minu-Cuzz von Atlan, Sarah und den Richardsons getrennt; letztere befinden sich nun an Bord der ANIMA, die sich einige Kilometer über der Oberfläche des Planeten aufhält.

Anmerkungen

Es bleibt unbekannt, mit welchen Mitteln es ANIMA gelungen ist, den Atombrand zu löschen, und auch welche Nachwirkungen der beginnende Atombrand auf den Planeten hatte.
Ebenfalls unklar bleibt, warum sich an Bord des Spielhöllenraumschiffes überhaupt Atombrandbomben befunden haben. Die eigentliche Mission des Schiffes war ja eine völlig andere.

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