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Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon Richard » 29. August 2015, 15:49

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Richard
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Ist da tatsächlich was in Planung? :)

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon Klaus N. Frick » 29. August 2015, 16:40

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Richard hat geschrieben:Ist da tatsächlich was in Planung? :)


Aktuell leider nicht.

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon Richard » 29. August 2015, 16:56

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Richard
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Ok, danke für die Info!

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon AARN MUNRO » 31. August 2015, 11:09

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AARN MUNRO
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Heiko Langhans hat geschrieben:Geduld. B-)



Weißt oder planst Du da mehr...?
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Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon Heiko Langhans » 31. August 2015, 18:00

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Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon Richard » 31. August 2015, 22:02

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Richard
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AARN MUNRO hat geschrieben:
Heiko Langhans hat geschrieben:Geduld. B-)



Weißt oder planst Du da mehr...?


Naja, KNF meinte,dass da aktuell nichts ansteht - also von Verlagsseite ist da wohl nichts geplant.
Aber vielleicht gibts ein Fanprojekt, dass sich dem Thema annimmt.

Vielleicht plant Heiko auch nur noch die restlichen Hitzetage (hier in Wien ists die Tage jedenfalls wieder sehr sonnig und sehr heiss) hinter einer Sonnenbrille zu verbringen ;).

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon AARN MUNRO » 1. September 2015, 10:37

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Tja, ich selbst plane auf Fanbasis so einen Atlan-Amateuerzwölfer...noch ist nicht viel angedacht, so exposemäßig. Ich selbst hätte Lust, zwei Bände zu schreiben, vielleicht finden sich noch andere Autoren...außerdem müßte erst einmal ein Expo-Thema her...da ließe sich vielleicht an Traversan anschließen...dann müßte ich nicht allzuviel neues erfinden...mal sehen... ^_^
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Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon dandelion » 1. September 2015, 10:49

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dandelion
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Ich melde mich schon mal als Leser an. Schreibtalent habe ich leider nicht.

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon AARN MUNRO » 1. September 2015, 11:27

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Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon Heiko Langhans » 2. September 2015, 15:03

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Heiko Langhans
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Am 8. Dezember 1998 erschien der 9. Roman des Traversan-Zyklus:

Frank Borsch: Der Preis der Freiheit

Bild

Handlung
Atlan fliegt mit der DARIO MAUT zum Gerichtsplaneten Celkar, auf dem er bereits vor etwa 1800 Arkon-Jahren einmal gewesen ist. Dort sollen Tamarena, Irakhem und die restliche Delegation von Traversan im Rahmen eines Schauprozesses verurteilt und anschließend exekutiert werden. Unterwegs kann der Arkonide die Vergewaltigung von Tsuara, einer arkonidischen Bürgerrechtlerin, durch zwei Luccianer, umweltangepasste Bewohner einer Kolonialwelt, verhindern. Atlan kann dabei erfahren, dass die Luccianer während eines Prozesses gegen ihren Rebellenführer Kigana da Zurie in der Arena der Gerechtigkeit ein Blutbad anrichten wollen.

Nach der Landung auf Celkar versucht Tsuara, ihre Teilnahme am Imperialen Disput, einem alle zehn Jahre stattfindenden Ereignis mit den wichtigsten juristischen Vertretern des Großen Imperiums, zu erwirken, um ihr Anliegen vor einer großen Öffentlichkeit vortragen zu können. Dabei wird ihr deutlich gemacht, dass Kritik an den herrschenden Zuständen nicht erwünscht sei, da das Imperium auf den Traditionen und Leistungen der Vergangenheit aufgebaut sei.

Atlan kann währenddessen den für den traversanischen Prozess zuständigen Richter Zyndent überzeugen, das Verfahren einzustellen, indem er ihm Informationen über die bevorstehende Aktion der Luccianer liefert. Gleichzeitig bekommt er auch die Zusage, dass Tsuara während des Imperialen Disputs Redezeit erhält. Kurz darauf starten die Luccianer ihr Vorhaben, und es kommt zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung in der Arena der Gerechtigkeit. Dabei werden die Aufständischen und einige arkonidische Soldaten getötet. Medienwirksam kann Zyndent einen der Luccianer erschießen und erhält so die gewünschte karrierefördernde Aufmerksamkeit.

Bevor Atlan und die Traversaner an Bord der DARIO MAUT nach Arkon I zurückkehren, können sie die Rede Tsuaras verfolgen. Sie prangert dabei hausgemachte Probleme des Imperiums an. So sei die Rebellion der Luccianer beispielsweise auf die Tatsache zurückzuführen, dass ihrer Heimatwelt wegen der Organisation eines Jagdausflugs des Imperators Reomirs IX. finanziell und ökologisch ruiniert worden sei. Nach ihrer Rede wird die Arkonidin verhaftet.

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Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon DelorianRhodan » 3. September 2015, 12:08

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dandelion hat geschrieben:Ich melde mich schon mal als Leser an. Schreibtalent habe ich leider nicht.


Auch Leseinteresse bekundet.

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon Heiko Langhans » 7. September 2015, 07:32

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Heiko Langhans
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Am 15. Dezember 1998 erschien der 10. Roman des Traversan-Zyklus:

Rainer Hanczuk: Das Zauberhirn-Projekt

Bild

Handlung
Der Positronikspezialist Saulon Trepter wird auf Arkon III auf dem Heimweg nächstens von drei Arkoniden und einem Naat getötet, da er sich geweigert hat, gegen Bezahlung dem Projekt JO-78 den Rücken zu kehren und den Dienst bei Joriega da Zogeen zu quittieren.

Am 14. Prago der Prikur 12.402 da Ark erreichen Atlan und seine traversanischen Freunde von Celkar kommend mit der DARIO MAUT den Planeten Arkon I. Nach der Kontrolle in den Formalitätenkabinen gelangen sie in eine der zahllosen Anmeldestationen, um eine Audienz im Kristallpalast genehmigt zu bekommen. Erst als Atlan, alias Altao Ta-Camlo, mit gebührender Schärfe und dem Vorweisen seiner Identifikationsmarke eine Audienz bei dem Oberbeschaffungsmeister Kemarol da Andeck fordert, wird die junge Angestellte der Station freundlicher. Die Arkonidin berichtet von der lebensgefährlichen Krankheit des Imperators Reomir IX. Aus Kummer darüber hat sich neben den wichtigsten Beratern und Entscheidungsträgern auch da Andeck auf seinen Privatbesitz zurückgezogen und ist nicht erreichbar.

Atlan, Tamarena da Traversan, Irakhem, Lesantre, Riaal und Eshveran ziehen sich enttäuscht zur Beratung zurück. Lesantre und Eshveran erhalten den Auftrag, die Namen der wichtigsten Entscheidungsträger im Kristallpalast ausfindig zu machen. Riaal soll all die Dinge organisieren, die in nächster Zeit von Nöten sein werden und gleichzeitig mit den Wirtschaftsgrößen Kontakt aufnehmen, die sich auf Arkon I befinden. Die Zeit drängt, denn es kann jeden Moment die Entscheidung über die Nachfolge von Pyrius Bit erfolgen.

Tamarena, Irakhem und Atlan machen sich auf den Weg nach Arkon III. Nur im Forschungszentrum Katrok kann der defekte zentrale Steuerchip aus der Zeitstation der Meister der Insel auf Traversan erneuert werden. Die beiden Hyperkristall-Rohlinge von Schemmenstern und der ausgebrannte Chip sind Atlans wertvollste Habseligkeiten.

Mit 10.000 Chronners versucht Altao Ta-Camlo sich der Dienste von Roon Samis, dem Manager des KRONE ARKONS zu versichern. Der Arkonide soll einen direkten Zugang in den Katrok-Komplex und ein Gespräch mit dem Leiter der Entwicklungsabteilung organisieren. Roon Samis muss ablehnen, da Katrok gewissermaßen unter Verschlusszustand steht. Allerdings denkt der Manager kurz an Denios da Pert, einen Gast des Hotels, der im Forschungszentrum tätig ist. Diese Gedanken werden von Tamarena aufgefangen.

Altao Ta-Camlo sucht die Hotelbar auf, in der da Pert bei einem Glas Vengis sitzt. Der bereits angeheiterte Wissenschaftler wird von dem Hochedlen von Camlo darauf angesprochen, ihm gegen eine entsprechende finanzielle Gegenleistung den Zutritt in das Forschungszentrum Katrok zu ermöglichen. Noch bevor Altao seinen Wunsch ausformulieren kann, stolpert neben ihm Prinzessin Tamarena und schüttet ihr Glas über seine Kleidung. Während sie Entschuldigungen von sich gibt, raunt sie Atlan zu, dass der beste Freund da Perts beim Sicherheitsdienst von Katrok beschäftigt ist. Der Wissenschaftler überlegt, Altao Ta-Camlo diesem Freund zu melden. Schnell macht sich Atlan unter Ausflüchten aus dem Staub.

Tamarena da Traversan dringt mit einem Impulssimulator in das Zimmer von Denios da Pert ein. Im Wandschrank findet sie eine durch ein elektronisches Schloss und eine mechanische Verriegelung gesicherte Tür. In einem Schmuckkästchen entdeckt die Traversanerin den passenden Schlüssel. In sechs großen Fächern liegen Hyperkristalle, stapelweise Chronner-Münzen aus Cholitt-III, einige Handfeuerwaffen und eine kleine Metallkassette. Plötzlich bemerkt Tamarena die Gedankenimpulse da Perts, der sich dem Zimmer nähert. Als der Wissenschaftler das Zimmer betritt, schlägt ihn die Prinzessin mit einem Handkantenschlag in den Nacken zu Boden. Sie erreicht in einem Antigravlift höhergelegene Stockwerke des Hotels. Erst jetzt klingt ihre Anspannung langsam ab.

Zurück bei ihren Gefährten, versucht Altao Ta-Camlo mit einer Intranetmaske sich über die Begebenheiten im Innern Katroks zu informieren und die wichtigsten Personen virtuell kennenzulernen. Ein virtueller Stadtplan bringt ihn in einen Turm, in dem er die Wendeltreppe hochsteigt und auf ungelöste Fragen stößt. Die von Joriega da Zogeen gestellte Frage, wie man auf positronischem Weg Prozesse simulieren kann, die den Bewusstseinsfunktionen eines Lebewesens gleichen, kann Altao Ta-Camlo aufgrund seines Wissens beantworten. Er legt dadurch eine Spur, die auf ihn aufmerksam machen soll.

Konkret arbeitet man im seit Jahren abgesperrten Katrok an Entwicklungen zur künstlichen Intelligenz, um die Flotten des Großen Imperiums im Falle fortschreitender Dekadenz der Entscheidungsträger vollpositronisch steuern und befehligen zu können. Dazu forschen konkurrierende Gruppen an unterschiedlichen Konzepten zur Realisierung dieser Aufgabe. Um die Fortschritte zu dokumentieren, werden entsprechend programmierte Automaten durch ein Hindernisfeld geschickt, in denen sie flexibel und selbständig ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen müssen. Ziel ist dabei die Schaffung eines Großrechners, welcher in späterer Zukunft, wie Atlan weiß, als Robotregent die Macht über das Große Imperium übernehmen wird.

Altaos Plan wird von Erfolg gekrönt. Joriega da Zogeen liest die Antwort auf seine in das Intranet gestellte Frage und ist von der Formel am Ende des umfangreichen Textes fasziniert. Der Wissenschaftler erkennt auf Anhieb den Wert der Information und lässt Altao von Camlo und seine Begleiter in das Forschungszentrum bringen. Als Gegenleistung für seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Positronik, speziell der Verbesserung der Algorithmen der künstlichen Intelligenz der Rechner, verlangt Altao Ta-Camlo die Reparatur des zerstörten Speicherchips.

Unter den rivalisierenden Forscherteams sind Intrigen und blutige Machtkämpfe an der Tagesordnung, die jeden Fortschritt zu blockieren drohen. Während der Besichtigung des Testgeländes für die Versuchsroboter der JO-Reihe verliert Joriega unbeabsichtigt einige Worte über das Zauberhirn-Projekt. Er lenkt jedoch sofort wieder von diesem Thema ab. Doumerkyn da Godan sucht Altao Ta-Camlo auf, um zu versuchen, ihn mit 100.000 Chronners abzuwerben. Auch als dieser eine Million fordert, ist da Gedan bereit, die extrem hohe Summe zu bezahlen. Doch Altao lehnt das Angebot ab. Er ist sich bewusst, dass er sich soeben einen Feind geschaffen hat.

Joriega da Zogeen muss Altao Ta-Camlo, der sich inzwischen seit drei Tagen in Katrok aufhält, die Nachricht überbringen, dass eine Reparatur des Chips unmöglich ist. Eine Neukonstruktion stößt an die Grenzen der arkonidischen Technik. Die Wissenschaftler kapitulieren vor dem Schaltmuster des zentralen Chipbereiches. Altao Ta-Camlo will nun versuchen, diese Muster selbst zu entwickeln. Als Hauptarbeitsgerät dient ihm dabei eine KSOL-88/1.

Am 23. Prago der Prikur will Altao dem Versuchsgelände, auf dem JO-78 seine Fähigkeit beweisen muss, einen Besuch abstatten. Auf dem Weg dorthin wird er von einer Schlägertruppe des Dagoristas Trokk überfallen und bewusstlos geschlagen. Als er wieder zu sich kommt, sieht er sich drei arkonidischen Dagoristas und drei Naats gegenüber. Ta-Camlo tötet Erek, indem er ihm die Fingerspitzen der rechten Hand unter die Brustplatten stößt, wo das Herz sitzt. Manator befördert er mit einem Tritt gegen einen Container, wo dieser mit dem Kopf aufschlägt und tot liegen bleibt. Auch die drei Naats finden den Tod. Trokk, der dritte Dagorista zieht sich aus Respekt vor den Kampfkünsten Altaos zurück. Der Hochedle schafft es seinen zerschundenen Körper in die Kabine Tamarenas zu schleppen.

In der Zwischenzeit hat sich Joriega da Zogeen Zugang zu Ta-Camlos Forschungslabor verschafft. Der Wissenschaftler kopiert für ihn wichtige Dateien aus der KSOL-88/1 auf seinen Speicherchip.

Tamarena findet heraus, dass das Zauberhirn-Projekt der Großpositronik des Flottenzentralkommandos verbessern soll. Obwohl damit der wichtigste Bestandteil des zukünftigen Robotregenten bereits besteht und Altao Ta-Camlo mit seinen Kenntnissen bei der Weiterentwicklung mithilft, sind die Traversaner einverstanden, die Herstellung des neuen Speicherchips weiterhin voranzutreiben.

Trotz seiner Verletzungen, die glücklicherweise nur oberflächlich sind, wohnt Altao dem Probelauf des Roboters JO-78 bei. Auch Doumerkyn beobachtet das Experiment. JO-78 baut in wenigen Minuten eine Brücke über einen Wasserlauf fertig. Als sich der Roboter bereits einige Meter auf dem Übergang befindet, bricht diese zusammen. JO-78 versinkt im Wasser. Das Experiment ist fehlgeschlagen.

Joriega überbringt am 27. Prago der Prikur die Nachricht, dass der Kristall fertig geschliffen ist. In zwei Tagen wird auch das Hologramm eingepasst sein. Die Arbeiten an JO-79 sind auch schon weit fortgeschritten. Der Wissenschaftler ist von Altao Ta-Camlo nicht darüber informiert worden, dass Doumerkeyn da Gedan für das Scheitern von JO-78 verantwortlich ist.

In seinem Labor wird Altao Ta-Camlo erneut von Naats und Arkoniden angegriffen. Als es ihm abermals gelingt, einen der Naats zu töten, greift der Dagormeister Trokk in den Kampf ein und paralysiert Altao mit seinem Dagorschwert. Altao Ta-Camlo prallt mit dem Hinterkopf gegen eine Tischkante und verliert das Bewusstsein.

Als er wieder zu sich kommt, findet er sich im Testparcours wieder. Ein panzerähnlicher Roboter mit der Bezeichnung JO-79 treibt ihn durch das Labyrinth, das JO-78 am Vortag bravourös gemeistert hat. Dank seines Extrasinnes findet auch Altao Ta-Camlo den Ausgang und steht vor dem Wasserlauf, an dem JO-78 gescheitert ist. Der Roboter JO-79 zwingt Altao, das gegenüberliegende Ufer unter Wasser zu erreichen, da er mit Strahlwaffen auf ihn feuert. Gleichzeitig öffnet er seinen Mentalblock und ruft in höchster Todesnot Tamarena um Hilfe.

Die Prinzessin alarmiert den Pal'athor Irakhem, der den Sicherheitsdienst informiert. Zwei Wachtposten am Eingang zum Testcenter werden mit Vibratormessern ausgeschaltet.

Währenddessen erreicht Altao Ta-Camlo ein weiteres Testfeld, das durch unregelmäßig aktivierte Energiefelder ein Weiterkommen erschwert. Eines dieser Felder verbrennt ihm die Haut einer Hand und eines Fußes.

Der Sicherheitsdienst greift mit Thermostrahlern an. Beide Seiten haben schwere Verluste zu beklagen. Doumerkyn da Gedan und Trokk haben sich in der Schaltzentrale verschanzt. Als Tamarena und Irakhem dort eindringen, hält Trokk Doumerkyn ein gezacktes Holzzschwert an die Kehle. Die beiden Arkoniden springen von einer Balustrade in die Tiefe. Doumerkyn prallt auf die Panzertroplonscheibe, die das Testgelände abschirmt. Der Körper des Wissenschaftlers zerplatzt wie eine reife Frucht. Von Trokk ist nichts mehr zu sehen.

Altao Ta-Camlo steigt in den Rumpf des ausgeschlachteten JO-78, der im Testcenter steht. Die Ortung des Versuchsroboters JO-79 wird von Störfeldern gestört. Altao beginnt, zwei Tentakel des Roboters JO-78 in sinnlosem Rhythmus zu bewegen. Das bewegt JO-79 dazu, das Testfeld zu verlassen, da sein Gegner anscheinend verschwunden ist und das Störfeld durch die Bewegungen von JO-78 ebenfalls nicht mehr existent zu sein scheint.

Tamarena und Irakhem können nun gefahrlos zu Altao vordringen, der in eine wohltuende Ohnmacht fällt.

Am 29. Prago der Prikur 12.402 da Ark verabschieden sich Altao Ta-Camlo und seine Gefährten von Joriega da Zogeen. Der Wissenschaftler übergibt Altao eine Schriftrolle, die er erst beim Flug nach Arkon I öffnen und lesen soll. In diesem Schreiben gesteht Joriega, dass er den Rechner Altaos durchsucht hat. Ohne das Wissen des Hochedlen hätte es keinen Erfolg für JO-80 gegeben. Außerdem war Joriega davon überzeugt, den Durchbruch im Zauberhirn-Projekt geschafft und den richtigen Weg zur Entwicklung künstlicher Intelligenz eingeschlagen zu haben.

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Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon Heiko Langhans » 17. September 2015, 07:49

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Am 22. Dezember 1998 erschien der 11. Roman des Traversan-Zyklus:

Hans Kneifel: Duell auf Arkon

Bild

Handlung
Während Atlan, Tamarena und Irakhem mit dem Steuerchip für die Zeitmaschine von Arkon III nach Arkon I zurückkehren, wird Sonnenkur Pyrius Bit nach vielen Fehlversuchen endlich eine Audienz bei Kemarol da Andeck im Kristallpalast auf Arkon I gewährt. Der Oberbeschaffungsmeister wirft Bit den Verlust eines gesamten Flottenverbandes, eines hochmodern ausgestatteten Stützpunktes sowie das Verschwinden riesiger Geldsummen vor. Diese Vorwürfe waren Grund genug, um in Abwesenheit des Sonnenkurs ein Gerichtsverfahren auf Celkar durchzuführen. Pyrius Bit wird die Schädigung des öffentlichen Ansehens des Imperators, Unfähigkeit und erwiesene Untreue vorgeworfen. Der Kur ist dabei zum Tode in der Konverterkammer verurteilt worden. Sein gesamtes Vermögen und jenes seiner Familie werden als Teil der Wiedergutmachung eingezogen.

Völlig geschockt stürzt sich Pyrius Bit auf den Oberbeschaffungsmeister. Kampfroboter packen den Sonnenkur und ziehen ihn vom Arbeitstisch aus Galsord-Holz. Unter lautem Geschrei und Wehklagen wird Bit abgeführt und in den ihm zugewiesenen Gemächern unter verschärften Hausarrest gestellt.

Auch Altao von Camlo und seine traversanischen Freunde sind auf Arkon I angekommen. Nachdem sie ihre Suiten im Rulat bezogen haben, treffen sie sich in der Bar des Hotels, um über den Sonnenkur des Brysch-Sektors zu sprechen. Irakhem und Lesantre erhalten die Aufgabe, Informationen über die möglichen Nachfolger von Pyrius Bit einzuholen. Das bevorstehende Karaketta-Rennen am 2. Prago der Coroma wird Altao und Tamarena da Traversan die Möglichkeit bieten, sich unter die Edlen und Hochedlen des Planeten zu mischen. Eldrish soll ihm dazu verhelfen, in die Nähe der Imperatrix Siamanth zu gelangen. In einem der Geschäfte des Rulat-Hotels kauft Altao ein Armband, besetzt mit Circoloy-Steinen und lässt es mitsamt einer Botschaft an die Zofe der Imperatrix zustellen. Der Hochedle von Camlo hofft, dass sich die Imperatrix für ihn bei der Wahl des neuen Kurs des Brysch-Sektors einsetzen wird.

Eldrish meldet sich auf einem Holoschirm. Sie übermittelt die Nachricht, dass sich Siamanth am Abend des nächsten Tages in der She'Huhan-Grotte aufhalten wird. Die Imperatrix ist in ihrer Eitelkeit gekränkt, da sich Altao nach ihrem Treffen auf Links-Aubertan nicht mehr bei ihr gemeldet hat.

Altao, Riaal und Tamarena nehmen an einem von dem Khasurn Merrit und Myskeron Ta-Gnotor veranstalteten Fest teil, in dem Künstler Steinskulpturen herstellen. Auf dieser Veranstaltung sind auch Leuhar da Merrit und seine Mutter Toitma da Merrit anwesend. So schnell wie möglich verlassen sie das Fest wieder.

Am Abend des 32. Prago der Prikur sind Atlan, Riaal und Tamarena in der She'Huhan-Grotte anzutreffen. Imperator Reomir IX. ist nicht anwesend, da er sich noch von seiner Krankheit erholt. Lesantre informiert Altao, dass sich Timberkan da Copper im Anflug auf Arkon I befindet. Siamanth, Laschotsch und Eldrish schweben auf einer Antigravplattform in die Halle. Altao von Camlo wird zur Imperatrix gebeten. Siamanth informiert Altao, dass Kemarol da Andeck nicht Altao von Camlo, sondern Leuhar da Merrit und Timberkan da Copper als Anwärter auf den freigewordenen Posten des Kurs des Brysch-Sektors favorisiert. Die Imperatrix spricht eine Einladung zum Gartenjagdfest des Imperators am 35. Prago der Prikur aus.

Im Rulat-Hotel überbringt Lesantre nähere Einzelheiten über Leuhar da Merrit und Timberkan da Copper. Leuhar da Merrit ist ein 51-jähriger Arkonide, dessen Herrschaftsbereich mit 89 Systemen zwar relativ groß, aber auch hoch verschuldet ist. Eine Ausbeutung des Brysch-Sektors könnte den endgültigen Zerfall verhindern. Leuhar wird dabei von seiner intriganten Mutter Toitma beeinflusst. Timberkan da Copper dagegen ist erst 19 Jahre alt, Dreiplanetenträger und hat bereits die ARK SUMMIA absolviert. Besonders hat er sich kürzlich in einer Raumschlacht gegen die Maahks im Sektor Ceerenvenk hervorgetan. Altao und seine Freunde sind sich einig, da Copper gegen die Intrigen Leuhars schützen zu müssen. Dazu nimmt der Hochedle am bevorstehenden Karaketta-Rennen teil. Sein Fluggerät ist die LEONARDO.

Am 35. Prago der Prikur begeben sich Altao, Tamarena, Lesantre, Riaal und Irakhem zum Gartenjagdfest im Jahrtausendpark der Imperatoren. Tamarena sondiert telepathisch drei Naats, die einen Überfall planen. Allerdings bleibt der Name des Opfers noch im Dunkeln. Erst als sich ein vierter Naat zu der Gruppe gesellt und ein Bild herumreicht, kann Tamarena das Ziel des Anschlags erkennen – es ist Timberkan da Copper. Der Dreiplanetenträger wird kurz darauf auch angegriffen, wehrt sich aber erfolgreich mit blitzschnellen Dagor-Schlägen. Auch Altao und seine Freunde greifen in den Kampf ein. Mit Paralysator-Schüssen können die Naats ausgeschaltet werden. Timberkan bedankt sich bei Altao von Camlo mit einem festen Händedruck. Ein Treffpunkt bei der Lichtung der tausend Säulen wird vereinbart.

Am letzten Tag vor dem Karaketta-Rennen, also am 36. Prago der Prikur, sind alle Piloten der Karaketta-Gondeln im Kristallpalast zu einem Bankett geladen. Altao hat erneut eine persönliche Einladung erhalten. Zusammen mit Tamarena und Riaal besucht er das Fest. In der Loge, die den Festsaal überragt, findet sich auch Reomir IX. ein. Imperatrix Siamanth legt einen beeindruckenden Auftritt hin. Altao stellt der Herrscherin Timberkan da Copper vor. Siamanth nimmt den Dreiplanetenträger in die imperiale Loge mit, wo auch Laschotsch Platz genommen hat.

Tamarena warnt vor einem Giftanschlag auf Timberkan. Toitma da Merrit hat ein tödliches Gift in die Füllung von Descaer-Törtchen injiziert. Um das Attentat zu verhindern, mimt Altao einen betrunkenen Gast und setzt sich an den Tisch der da Merrit. Schnell entfernt er die Schilder aus den kleinen Törtchen, die mit der Aufschrift »Dem Sieger der TOROGAR« versehen sind, nimmt zwei Kuchen und verzehrt sie. Der Aktivatorchip sorgt dafür, dass er nicht sofort stirbt. Allerdings plagen ihn ziemlich heftige Magenschmerzen. Toitma beobachtet das Geschehen sprach- und fassungslos. Als Altao von Camlo von Tamarena, Riaal und Timberkan vom Tisch weggezogen wird, greift auch Toitma nach dem verbliebenen dritten Kuchen. Sie beißt davon ab, sinkt zu Boden und stirbt.

Zurück im Hotelzimmer warnt Altao Timberkan vor Siamanth. Er soll sich nicht in die Intrigen des Hofes verstricken lassen, was ihm eventuell den Kopf kosten könnte. Die Imperatrix ist unglücklich und wird sich durch einen größenwahnsinnigen Schlag versuchen zu befreien. Altao verspricht, während des Karaketta-Rennens auf Timberkan aufzupassen. Tamarena ihrerseits wird auf Altao Acht geben. Ihr Fluggerät wird die TRAVERSAN sein.

Der Tag des Rennens ist gekommen. Am 2. Prago der Coroma bewegen sich die Massen zur Rennstrecke um den Kristallpalast. Die Gondeln der Piloten werden zu einer weißen Wand aus Energie gebracht, in der 66 Strukturlöcher eingelassen sind. Reomir IX. begrüßt die Zuschauer und Piloten und berichtet, dass auch sein Sohn Laschotsch an dem Rennen teilnimmt. Die Gondel des Kristallprinzen trägt den Namen SIAMANTH.

Bald nach dem Start zieht sich das Feld der Karaketta-Gondeln weit auseinander. Die MEGOLIBELL ist auf der dritten Stelle zu finden, Laschotsch mit der SIAMANTH liegt im hinteren Mittelfeld, Altao von Camlo mit der LEONARDO ebenfalls und Tamarena mit der TRAVERSAN am Ende des Feldes. Nach sieben Runden sind 15 Piloten ausgeschieden. Tamarena da Traversan hat große Probleme mit ihrer Gondel. Eine Seitenflosse bricht ab und die Gondel beginnt zu steigen. Die Einspritzanlage des Triebwerks scheint nicht richtig zu arbeiten. Die LEONARDO nähert sich der TRAVERSAN. Altao aktiviert die Greifermechanik der Fledermausflügel. Als die TRAVERSAN zu brennen beginnt, versucht Tamarena, die Flügel der LEONARDO zu greifen. Altao lässt die Flügel langsam wieder einklappen bis Tamarena sich an der Reling um das Cockpit der Gondel festklammern kann. Sie zieht sich hinter Altao, während die TRAVERSAN abstürzt und explodiert. Die LEONARDO kehrt auf ihre Flugbahn zurück und versucht die Gondeln Timberkans und Laschotschs einzuholen. In der neunten Runde explodiert der Umperos. Die Trümmer regnen auf die Zuschauer herab. Von einer Sekunde auf die andere sind die Gondeln nur mehr schwer zu kontrollieren. Mehrere Gondeln stürzen ab und explodieren. Timberkan da Copper bremst seine Gondel ab und bringt sie in die Nähe der SIAMANTH. Der Dreiplanetenträger lässt die stählernen Insektenbeine der MEGOLIBELL auseinanderklappen. Laschotsch öffnet seine Sicherheitsgurte, steht auf und packt zwei der Endglieder der Libellenbeine. Timberkan schließt die Beine und klemmt den Kristallprinzen sicher ein. Die MEGOLIBELL schert aus dem Rundkurs aus und fliegt über den See. Dort klappt Timberkan die stählernen Beine wieder auseinander und Laschotsch fällt in das Wasser, von wo er ans Ufer schwimmt. Währenddessen gelingt es Altao von Camlo, die LEONARDO sicher nahe dem Starthangar zu landen. Das Rennen wird als beendet erklärt. Mit einem Robotgleiter lassen sich Altao und Tamarena in ihr Hotel bringen.

Als Altao, Tamarena, Riaal, Eshveran und Lesantre beim Frühstück sitzen, wird eine Ansprache des Imperators übertragen. Im Kleinen Thronsaal des Kristallpalasts sind Reomir IX., Siamanth, Laschotsch und Timberkan zu sehen. Der Imperator dankt dem Dreiplanetenträger für seinen todesmutigen Einsatz während des Karaketta-Rennens und für die Rettung des Kristallprinzen. Der Imperator befördert ihn zum Einsonnenträger und verleiht ihm den Sonnenorden. Zudem wird ihm der Brysch-Sternensektor mit 212 besiedelten Sonnensystemen übertragen. Laschotsch umarmt seinen Retter. Lesantre hofft, dass Timberkan mit der TOROGAR II einen Antrittsbesuch auf Traversan unternehmen und ihnen dadurch die Möglichkeit einer preiswerten Passage nach Hause ermöglichen wird. Außerdem scheint die Sicherheit Traversans durch den neuen Sonnenkur nun gewährleistet zu sein.

Am 5. Prago der Coroma holt Timberkan in Begleitung seines Ersten Offiziers die Traversaner mit einem Flottengleiter ab. Der neue Kur verspricht, für Traversans Sicherheit zu sorgen und die Freunde dorthin zu bringen. Leuhar da Merrit unterstellt er, für die Sprengung des Umperos verantwortlich zu sein. Nur wenige Tontas später hebt die TOROGAR II ab und setzt Kurs auf Traversan.

Myskeran Ta-Gnotor bittet Leuhar da Merrit zu sich in sein Büro. Er lässt die Ereignisse um die Anschläge auf Timberkan da Copper Revue passieren und empfiehlt Leuhar darauf zu hoffen, dass der Imperator nicht die Tu-Ra-Cel beauftragt, die Explosion des Umperos zu untersuchen, die sieben Tote, 13 Verletzte und mehr als 300 Leichtverletzte gefordert hat. Zudem ist der Kristallprinz in Lebensgefahr geraten. Im Namen der Familie des Imperators fordert er Leuhar da Merrit auf, sich nicht mehr in der Nähe des Kristallpalastes und auch nicht mehr im Arkon-System sehen zu lassen, um jenen Weg nicht beschreiten zu müssen, den Pyrius Bit nehmen muss. Als er den Kristallpalast verlässt, wird Leuhar da Merrit von Rachegelüsten erfüllt und nimmt sich vor, Timberkan da Copper und Altao da Camlo zu töten.

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Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon dandelion » 17. September 2015, 09:39

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dandelion
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Das Titelbild war nicht gerade ein Höhepunkt in Kelsners Schaffen.

Wer hätte das gedacht? Für Traversan scheint sich alles zum Guten zu wenden. Allerdings erscheint mir die Berufung eines 19-jährigen zum Verwalter eines Bezirks, der hunderte besiedelte Planeten umfaßt, mehr als gewagt zu sein. Kein Wunder, daß sich Arkon auf dem absteigenden Ast befand.

Noch fehlt die Antwort auf die entscheidende Frage. Was wird aus Atlan und Tamarena? Bleibt wieder nur eine unerfüllte Liebe für den in dieser Hinsicht leidgeprüften Uraltarkoniden.

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon AARN MUNRO » 17. September 2015, 11:38

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Jedenfalls nähert sich ein schöner Kurzzyklus seinem Ende, leider...wahr. die Tibis sind nicht so die Augenweide...ach ja, mehr Atlanzyklen bitte (OT:nichts gegen STARDUST und Perry als Handlungsträger, aber...)...die Minizyklen mit Atlan fand ich allemal besser. er ist wandelbar5er, kann sich auch Dinge erlauben, die Perry nie tun würde etc. Für Kurzzyklen eigentlich die ideale Figur...
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Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon DelorianRhodan » 17. September 2015, 20:04

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Das Ende des Traversan-Zyklus bietet eigentlich viel Potential für mehr.
Bis jetzt wurde nichts daraus gemacht.

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon Heiko Langhans » 18. September 2015, 10:24

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Immer bedenken, dass 19 Arkon-Jahre nach der 13:11-Formel immerhin knappen 23 Terra-Jahren entsprechen. Dann sind da noch die Hypnoschulungen, die praktische Flottenerfahrung, etc.

Oder anders gefragt: Könnte er es schlechter als Pyrius Bit machen? B-)

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon dandelion » 18. September 2015, 13:21

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Nun ja, die 4 Jahre machen das Kraut auch nicht fett und nach Pyrius Bit sollte es doch auf jeden Fall besser werden. Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß eine Hypnoschulung mangelnde Erfahrung und Lebensweisheit ausgleichen kann.

Das niedrige Lebensalter war wohl eher einer potentiellen jugendlichen Leserschaft geschuldet. Das märchenhaft Unwahrscheinliche dieser Berufung könnte noch unterstrichen werden, wenn Timberkan und Tamarena zueinander finden würden. Strahlender junger Held freit Königstochter. Atlan kann ja ohnehin nicht bleiben.

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon Richard » 19. September 2015, 01:01

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Spoiler:
Daraus wird wohl nichts v.w. Heirat ...

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon dandelion » 27. September 2015, 09:59

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Richard hat geschrieben:
Spoiler:
Daraus wird wohl nichts v.w. Heirat ...



Das habe ich auch feststellen müssen, schnief...
Dramatisches Finale.

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon Heiko Langhans » 28. September 2015, 07:41

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Heiko Langhans
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Am 29. Dezember 1998 ertschien der 12. Roman des Traversan-Zyklus:

Rainer Castor: Finale für Traversan

Bild

Handlung

Der ehemalige Sonnenkur des Brysch-Sektors Pyrius Bit wartet in seiner Hochsicherheitszelle in der Tiefbunkeranlage des Kristallpalastes auf Arkon I auf seine Hinrichtung in der Konverterkammer. Am 5. Prago der Coroma 12.402 da Ark erhält er zu seinem Erstaunen Besuch von Leuhar da Merrit. Dieser zeigt Bit ein Foto von Altao da Camlo, der dem einstigen Sonnenkur eigentlich unbekannt ist. Auf dem Bild erkennt Pyrius Bit den einstigen Ersten Offizier der PADOM. Leuhar da Merrit schwört Rache an den Traversanern zu nehmen. Er will mit seiner 120 Raumschiffe starken Flotte den Planeten angreifen. Mit dem Hinweis, dass die Traversaner lediglich über 30 bis 35 Schiffe verfügen, bittet Bit den Erhabenen zu gehen. Leuhar da Merrit salutiert wortlos und verlässt die Zelle.

Kurze Zeit später geht Pyrius Bit seinen letzten Weg. Würdevoll, mit einem verklärten Lächeln auf den Lippen, findet er in der Konverterkammer den Tod.

Am 8. Prago der Coroma ist die TOROGAR II auf dem Raumhafen von Erican gelandet. Der neue Kur des Brysch-Systems ist so kurz vor seinem ersten öffentlichen Auftritt sichtlich nervös. Noch während Timberkan da Copper, die mit ihm gereisten Altao von Camlo, Tamarena da Traversan, Riaal, Lesantre, Irakhem und Eshveran on Keithy sowie die Aufstellung nehmenden Raumsoldaten auf die Öffnung der Bodenschleuse warten, eröffnet Tamarena Altao, dass sie seit den Ereignissen auf Arkon III weiß, wer der angebliche Hochedle von Camlo eigentlich ist – nämlich Gonozal VIII.

Nert Kuriol da Traversan und seine Gattin Sinthora erwarten neben zahlreichen anderen Würdenträgern Traversans den Kur am Ende eines blau eingefärbten Prallfeldteppichs, der bis zur Bodenrampe des Schlachtkreuzers reicht. Unter den Klängen der Sternenhymne betritt Timberkan da Copper traversanischen Boden. In seine Rede bedankt er sich für den freundlichen Empfang, verspricht für eine neue Blüte des Brysch-Sektors und Traversans Sorge zu tragen und bezeichnet sich als einen neuen Traversaner. Da Copper bittet den Nert, auf Traversan seine vorläufige Administration aufbauen zu dürfen, bis er sich ein neues Hauptquartier gesucht hat. Kuriol ist nach dem wichtigen Händeschütteln für die Presse nicht mehr zu halten. Er stürmt auf seine Tochter zu und umarmt sie innig. Die Zeit scheint für die beiden stillzustehen. Unter den Gefühlen beginnen ihre Augen zu tränen. Sinthora tut es ihrem Mann gleich. Sie erinnert den Nert aber auch daran, dass noch jemand darauf wartet, angemessen begrüßt zu werden. Kuriol da Traversan eilt auf Irakhem zu und umarmt ihn ebenfalls herzlich. Der Nert spricht ihn als »Sohn« an. Irakhem ist überglücklich, ohne Vorbehalte als Familienmitglied akzeptiert zu werden. Kuriol, Sinthora, Tamarena und Irakhem präsentieren sich den Zuschauern, die heftig applaudieren.

Am nächsten Tag, dem 9. Prago der Coroma (entspricht dem 20. Juli 5772 v. Chr.) ist Altao, alias Atlan, innig mit Tamarena beschäftigt. Zudem plagen ihn Gedanken an den bevorstehenden baldigen Abschied. Er schwankt zwischen dem Verbleib in der Vergangenheit und der Rückkehr in seine Gegenwart. Ihm schwebt der Gedanke vor, die Prinzessin einfach mitzunehmen, was der Extrasinn aber entschieden ablehnt, mit dem Verweis auf die beim Betrieb der Zeitstation emittierte Strahlung, die nur Zellaktivatorträger überleben können. Auch die Gefahr von Zeitparadoxa ist nicht unerheblich. Sollte Atlan nicht die Zeitmaschine benutzen, drohen ihm und Perry Rhodan in zukünftigen Zeiten Gefahren beispielsweise durch das Gen-Kode-Destruktionsfeld der Laren oder den Bann der Kosmokraten. Während einer zärtlichen Umarmung öffnet Atlan seinen Monoschirm ein wenig, damit Tamarena an seinen Überlegungen teilhaben kann. Bei dieser Gelegenheit erkennt sie auch wichtige Stationen im Leben des Unsterblichen.

Der Dagorista Trokk hat sich mit der YILLD auf die Spur Altaos geheftet. Er sieht der Begegnung mit Freude entgegen, da er den Arkoniden für einen angehenden Hochmeister des Dagor hält. Ob die von Trokk vermutete Seelenverwandtschaft mit Altao von Camlo überhaupt besteht und dieser sich ihm anschließen würde, ist nicht sicher.

Auf Traversan sind Gemderal und seine Wissenschaftler nicht untätig gewesen. Die Kuppeln der Zeitstation sind freigelegt worden. Der Traversaner hat auch einige Sicherheitseinrichtungen einbauen lassen, um zu verhindern, dass die Stationspositronik bei der Reaktivierung Schwierigkeiten macht. Eine leistungsfähige KSOL-88/1 kontrolliert direkt in der Hauptkuppel das Stationsgehirn, eine zweite steht außerhalb der Zeitstation und dient der Gegenkontrolle. Am 11. Prago der Coroma setzt Atlan den rekonstruierten Steuerchip ein. Dieser Vorgang nimmt lediglich zehn Minuten in Anspruch. Dann fährt die Stationspositronik wieder hoch, kontrolliert von kompatiblen Prüfroutinen. Alle Traversaner ziehen sich aus Sicherheitsgründen aus der Station zurück. Die Positronik erweist sich als äußerst kooperativ und erkennt Atlans Befehlsgewalt als Maghan an. So kann er Hintergründe zu der Station und den Meistern der Insel erfahren:

Die Station wird im Auftrag von Faktor VII erbaut, der sie im Jahre 49.991 v. Chr. auch erstmals in Betrieb nimmt. Das Ziel ist die Zeit um 1,2 Mio. v. Chr., der Ära des Großen Galaktischen Krieges, um damals verwendete Waffensysteme für den Kampf gegen die Haluter zu beschaffen. Nach 36 Fehlversuchen, die allesamt von der Temporalen Rücksturzpolung des Zeitläufers der Cappins im Solsystem gestoppt wurden und nur einen Vorstoß bis circa 52.000 v. Chr. zulassen, lässt Faktor VII die Zeitstation deaktivieren.

Etwa 8000 Jahre später wird die Station durch zwei Zellaktivatorträger, den Lemurern Selaron Merota und seine Tochter Ermigoa, wieder aktiviert. Nach der Rückkehr von ihrer Zeitreise, die vermutlich ebenfalls der Beschaffung von Waffen diente, errichten sie ein ATG-ähnliches Labilfeld, welches die Maschine bis in die Gegenwart verbirgt. Selaron Merota ist der Konstrukteur der Zellaktivatoren der Meister der Insel. Er entdeckte eines Tages gemeinsam mit seiner Frau Agaia auf einem Planeten des Luum-Systems in Andromeda in einem von den Eingeborenen als Tempel verehrten Bauwerk den Atem der Schöpfung. Dieses Strahlungsfeld sorgte für die Heilung von Verletzungen, für eine Regeneration der Zellen und hatte auch eine lebensverlängernde Wirkung. Dieses Feld wurde nach langen Versuchen in den konstruierten Geräten gebündelt und verlieh so die relative Unsterblichkeit. In der Folge wurde eine geheime Organisation aufgebaut, der zunächst Agaia als Faktor I vorstand, bis sie von ihrer Tochter Mirona Thetin getötet wurde. Während Selaron mit seiner zweiten Tochter Ermigoa floh, wurden die Meister der Insel unter dem neuen Faktor I zur beherrschenden Macht der Andromeda-Galaxie.

Während Atlan die Aufnahmen von Ermigoa betrachtet, fällt ihm die verblüffende Ähnlichkeit mit Mirona Thetin auf. Ebenso erinnert er sich an den Tod Ermigoas, die in seinen Armen zu Staub zerfallen ist. Lediglich ein Armreif mit einem Edelstein ist übrig geblieben. Den Wissenschaftlern ist gelungen, aus dem Stein das Selaron-Fragment zu entschlüsseln. Atlan erkennt den Widerspruch zu den Beobachtungen von Perry Rhodan, Gucky und ihm selbst auf Wanderer, wo sie im Jahre 1173 NGZ verfolgen konnten, wie ES über Ernst Ellert etwa im Jahre 23.000 v. Chr. dem Tefroder Nermo Dhelim und seiner Tochter Ermigoa vierzehn Zellaktivatoren aushändigt. Von der Tamrätin Mirona Thetin, seiner Geliebten, wird Nermo anschließend getötet, nachdem sie ihm die Aktivatoren abgenommen hat. Während Ermigoa fliehen kann, baut Thetin als Faktor I die Meister der Insel mit elf Gleichgesinnten auf. Um die anderen Meister unter Kontrolle zu behalten, tritt sie gelegentlich als Faktor XIII in Erscheinung. So kann sie auch eine Verschwörung von fünf Meistern aufdecken und die betreffenden Personen töten.

Diese Geschichte der Meister der Insel sowie des Lemurers Nermo Dhelim darf angezweifelt werden und ist höchstwahrscheinlich auf den Zustand der Verwirrung der Superintelligenz ES zurückzuführen, die anscheinend eine alternative Wirklichkeit konstruiert hat, um einen Zustand innerer Ausgeglichenheit erreichen zu können. Atlan vermutet, dass die Widersprüche dieser beiden existenten Realitäten auf die Manipulationen Taurecs am Kosmonukleotid DORIFER zurückzuführen sein könnten.

Die Zeitstation führt einen zehnstündigen Selbsttest durch. Dazu gibt Atlan den Zugriff auf die Aggregate der Station für das Rechengehirn frei. Der Arkonide nutzt die Zeit, um die Station zu verlassen und von seinen Freunden Abschied zu nehmen.

In der Zwischenzeit landet Trokk auf dem Raumhafen von Erican. Er klinkt sich in das Kommunikationsnetz des Planeten ein und sucht nach dem Aufenthaltsort von Altao da Camlo. Da es keinen Anschluss unter diesem Namen gibt, ist Trokk klar, dass es sich um einen Tarnnamen handelt. Er ruft den Palast des Nert von Traversan an. Der Gesuchte nimmt den Anruf entgegen. Trokk fordert Altao zur Zusammenarbeit auf. Doch dieser lehnt ab. Der Forderung nach einem Duell kommt Altao nach. Es soll auf dem Raumhafen stattfinden. Auf die Frage nach seinen richtigen Namen gibt sich Altao als Atlan von Gonozal zu erkennen.

Am 12. Prago der Coroma (entspricht dem 24. Juli 5772 v. Chr.) erreicht der Flottenverband des Merrit-Khasurns das System von Travs Stern. Die 120 Kugelraumer, darunter 30 Einheiten der FUSUF-Klasse sowie Schwere und Leichte Kreuzer, materialisieren nahe Traversan. Die Strukturschocks führen zu Verschiebungen der kontinentalen Platten auf dem Planeten, etwa 300 längst erloschene Vulkane brechen erneut aus, neue Vulkane entstehen. Flutwellen werden von den tektonischen Beben hervorgerufen und dringen kilometerweit in das Landesinnere vor. Druckwellen rasen um Traversan mehrfach herum. Staub, Asche, Stickgase und Lava werden hoch in die Atmosphäre geschleudert, heiße Schlammlawinen und Magmaströme verbrennen Wälder, Qualm und Rauch verdunkeln den Himmel. Unzählige Traversaner finden schon lange vor Eintreffen der angreifenden Flotte den Tod. Auch die Sonne reagiert mit gewaltigen Protuberanzen auf die Strukturschocks.

Timberkan da Copper und Irakhem inspizieren die unterirdischen Anlagen von Travs Nachtauge. Dort sind auch die von BRY 24 erbeuteten 108 Raumschiffe versteckt. Über Lautsprecher wird die Wiederverstofflichung der Flotte in einer Entfernung von nur 9,5 Lichtstunden gemeldet. Die Einheiten feuern Raumtorpedos und Marschflugkörper in großer Zahl ab, die mit Mehrfachsprengköpfen ausgestattet sind und auf Traversan zurasen. Der neue Sonnenkur ordnet den Alarmstart sämtlicher Einheiten an. Timberkan übernimmt von der TOROGAR II aus den Oberbefehl über die gesamte traversanische Flotte. Die Schlachtschiffe legen einen Sperrriegel aus Impulskanonen vor Traversan, um ein Durchbrechen der Marschflugkörper zu verhindern. Durch die Voraussicht des Nert sind die BRY-Einheiten voll einsatzbereit und mit geschulten Besatzungen bemannt. Auch die planetaren Schutzeinrichtungen sind ausgebaut worden. Timberkan da Copper befiehlt die totale Vernichtung der Angreifer. Es soll niemand aus Raumnot gerettet und keine Gefangenen gemacht werden.

Unterdessen treffen sich Atlan und Trokk auf dem Raumhafen von Erican zum Duell. Atlan hat von Nert Kuriol dessen Dagor-Ausrüstung zur Verfügung gestellt bekommen. Tamarena fungiert als seine Sekundantin. Ein zunächst gleichwertig erscheinender Kampf entbrennt. Als plötzlich ein glühendes Geschoß auf die beiden Kämpfer zurast und Atlan gezwungen ist, auszuweichen, gewinnt Trokk die Oberhand. Atlan, von der Helligkeit geblendet und von der Hitze umhüllt, wird von dem mit Riesensätzen herbeigeeilten Trokk mit einem Hagel von Hieben und Tritten eingedeckt und zu Boden geschleudert. Mit einem stahlharten Griff schnürt ihm der Dagor-Hochmeister die Luft ab. Durch die Anwendung des transzendentalen Lichts kann sich Atlan befreien und kommt schwankend wieder auf die Beine. Trokk zieht sein Dagorschwert und schlägt zu. In diesem Moment springt Tamarena auf Atlan zu. Trokk kann noch die Desintegratorwirkung der Schwertklinge abschalten und die Waffe leicht drehen, doch die Breitseite der Klinge trifft Tamarena mit voller Wucht auf den Kopf. Mit lebensgefährlichen Verletzungen sinkt sie an Atlans Seite zu Boden. Der Arkonide bricht die Auseinandersetzung ab und nimmt die Prinzessin auf die Arme. Die Blicke der beiden Kontrahenten begegnen sich. Trokk erkennt weder Vorwurf noch Hass in Atlans Augen, nur Sorge und Verzweiflung. Atlan stapft zu seinem Gleiter und fliegt mit Tamarena ab. Trokk verharrt regungslos auf dem Landefeld. Er rammt sein Schwert in den Belag des Raumhafens. Mit einem wahren Meister, wie er ihn in Atlan sieht, kann er nicht mehr kämpfen. Trokk erkennt, dass er als Dagormeister bisher für die falschen Personen und Organisationen tätig war.Ihm werden nun auch die Schäden bewusst, die der Angriff von Leuhar da Merrits Verband anrichtet. Er stürmt in die YILLD und klettert im Bodenhangar in einen Gitterkäfig, der ihn auf die MERITA abstrahlt.

Dem Sonnenkur und seinen Schiffen gelingt es, die erste Welle der Marschflugkörper vollkommen abzufangen, ehe sie Schaden anrichten können. Bei der zweiten und dritten Welle gelingt das nicht mehr restlos. Angreifende Schlachtschiffe stoßen bis in die Atmosphäre Traversans vor und feuern dort Breitseiten auf die Oberfläche ab. Während Timberkan da Copper zehn Leichte Kreuzer als Verlust zu beklagen hat, sind die Ausfälle bei da Merrits-Flotte mit 46 Schiffen deutlich höher.

Trokk materialisiert in einem Container auf der MERITA. Dort aktiviert er seinen Minikom und strahlt einen gespeicherten Kurzimpuls ab, der einen von ihm eingeschleustes Virus in der Positronik aktiviert. Das Virus verschickt sich selbst durch Strukturlücken in den Abwehrschirmen des Schlachtschiffes und erreicht alle Raumschiffe des Verbandes. Die Selbstvernichtungssequenzen werden aktiviert und gleichzeitig die Schiffe lahmgelegt. Alle 56 verbliebenen Raumschiffe explodieren gleichzeitig. Timberkan lässt seine Einheiten sämtliche Beiboote ausschleusen, um die Bewohner des Planeten in Sicherheit zu bringen. Die Raumer fliegen durch die Atmosphäre und fangen mit Kraftfeldern die aufgewirbelten Staub- und Aschepartikel ein, um eine drohende Eiszeit zu verhindern.

Im Zentralklinikum von Erican liegt Tamarena schon seit Stunden im Koma. Nert Kuriol und seine Frau haben den Tod gefunden. Die Schutzkuppel des Palastes hat dem Beschuss nicht standgehalten. Irakhem überbringt Atlan die schlechte Nachricht, dass die Zeitstation von Desintegratoren in Staub verwandelt worden ist. Atlan bittet den neuen Nert um einen Gefallen.

Am 10. August 1290 NGZ wird die Lage der RICO im geostationären Orbit über der Yssods-Wüste immer unhaltbarer. Hundert Kampfschiffe des Kristallimperiums fordern den Rückzug aus dem Trav-System. An Bord des Moduls der GILGAMESCH beraten Sevia, Hermon von Ariga, Gerine, Cinthia Taubenflug und Kaha von Sceer über die weitere Vorgehensweise. Plötzlich wird aus der Funkzentrale ein Anruf über Camelot-Kode »001-Strich-Alpha« gemeldet. Es ist Atlan, der sich vom Fuß eines Tafelberges meldet. Sassaron erhält den Befehl, Vesta-Kreuzer fertigzumachen und Atlan abzuholen.

Das Team der RICO findet Atlan, der in einer Halle steht, deren Schott aus Arkonstahl geöffnet ist. Dort lehnt er an einem der beiden Gleiter. Er trägt eine arkonidische weiße Uniform aus vergangenen Zeiten und einen Antigravgürtel um die Hüfte. Atlan hat die Zeit in einer geheimen Überlebensstation überdauert. Der stählerne Zylinder mit 200 Metern Durchmesser und etwa der gleichen Höhe war in dem naturbelassenen Tafelberg eingebettet worden. Bereits vor neun Tagen ist er von der Automatik aus dem Tiefschlaf geweckt worden. Er hat etwa 10.650 Jahre geschlafen. Velito Karemus erlaubt sich die Frage, ob er dies ohne Unterbrechung getan hat. Atlan gibt dazu keinen Kommentar ab. Die Station wird versiegelt. An Bord des Vesta-Kreuzers brandet Jubel auf, als der Arkonide das Schiff betritt. Während sich der Kreuzer der RICO nähert, die für den Abflug aus dem Trav-Sysytem bereit gemacht wird, versucht auch Cinthia Taubenflug Einzelheiten über Atlans Erlebnisse in der Vergangenheit zu erfahren. Doch dieser verbietet sich jegliche Frage danach. Breitbeinig, statuenhaft, mit einem in unergründliche Fernen gerichteten Blick und »Tamarena« flüsternd, steht Atlan mitten in der Zentrale des Vesta-Kreuzers, der sich im Anflug auf die RICO befindet.

---
Der obige Text wurde per GNU-Lizenz der Perrypedia entnommen.

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon Heiko Langhans » 28. September 2015, 08:10

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Heiko Langhans
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Der Roman ist seinerzeit gekürzt worden; der entsprechende Abschnitt ist in der obigen Handlungszusammenfassung kursiv dargestellt. Die gekürzte Passage erschien dann - als "Exklusiv-Story" - im Perry Rhodan Jahrbuch 1999 des SFC Universum (erschienen 2000). Rainer stellte den Text später auf seine Homepage (http://www.rainercastor.de/Splitterarchiv/Splitter_6/splitter_6.html).

Spoiler:
Rätsel der Vergangenheit

Rainer Castor

veröffentlicht im JAHRBUCH 1999 der PRFZ – Perry Rhodan FanZentrale – als Ergänzung zum gekürzten Text im 12. Band der TRAVERSAN-Miniserie, Frühjahr 1999

Vorbemerkung: Als ich im vergangenen Jahr den 12. Band des TRAVERSAN-Zyklus schrieb, geriet das Manuskript zunächst um etliche Seiten zu lang, so daß schon aus diesem Grund eine Kürzung auf Heftumfang notwendig wurde. Ein zweiter Grund war, daß sich im Eifer des Schreibens eine Informationsfülle einschließlich vieler Querverweise und Andeutungen ansammelte, die außer gewissen »Hardcore-Fans« vermutlich alle anderen LeserInnen überfordert hätte – ich muß da Klaus N. Frick Recht geben; ist ein »leidiges Problem« meiner Schreibe, ich weiß, ich weiß!

Diesmal jedoch gab es sogar bei Klaus ein starkes Bedauern darüber, daß wir vieles »hinauswerfen« mußten – und im entsprechenden Abklärungs-Telefonat kam von ihm der Vorschlag, eventuell aus dem Material eine »Kurzgeschichte« zu machen, damit es nicht ganz verloren gehe. Im ersten Moment war ich etwas skeptisch, aber je länger ich darüber nachdachte, desto reizvoller erschien mir der Gedanke. Und so entstand der nun ins JAHRBUCH eingeflossene Text, der einerseits zwar Passagen aus TRAVERSAN 12 wiederholt, sie andererseits aber ergänzt, an manchen Stelle sogar über die ursprünglich gekürzten Stellen hinausgeht.

Es ist ein Experiment! Vielleicht findet es ja Euren Zuspruch ...??!



PROLOG
An Bord der RICO, 10. August 1290 NGZ: Seit das GILGAMESCH-Modul das Trav-System vor einer halben Stunde verlassen hatte, saß der Arkonide in seiner Privatsuite und starrte auf den kleinen Speicherkristall, der neben der Kaffeetasse glitzerte.

Atlan wußte, daß er mit seinem Verhalten der Besatzung Rätsel aufgab. Seine Weigerung, über die Erlebnisse zu berichten, hatte Befremden ausgelöst. Aber er war zur Zeit nicht bereit, über diese Dinge zu reden, würde es vielleicht nie sein. Der Unsterbliche, nun mit einem »Lebensalter« von 23.391 Jahren auf dem Buckel, versuchte sich darüber klar zu werden, was es unter Umständen bedeutete, wenn er die ihm zugänglich gewordenen Informationen nicht für sich behielt.

Durch den Raum schwangen die sinfonischen Kadenzen von Singh Boncards Spätwerk Menschheit im Zwielicht; Atlan bekam die Musik nur am Rande mit, war tief in Gedanken versunken.

Die Zeit ist noch nicht reif! raunte der Extrasinn. Später vielleicht ... Werde zuerst wieder in deiner Real-Gegenwart heimisch, Ex-Imperator!

Atlan nickte unwillkürlich, während er mit dem Zeigefinger den Speicherkristall hin und her schob und fühlte, daß der Druck des photographischen Gedächtnisses stärker wurde.

»Ist es besser, wenn ich den Kristall vernichte?« murmelte er. »Er ist der einzige Beweis, abgesehen von meinen Erinnerungen. Und die gehen noch deutlich über den Speicherinhalt hinaus. Mehr als zehntausend Jahre ...«

Bilder huschten durch seinen Kopf, verdichteten zu Szenen. Nochmals glaubte er die Worte des Stationsgehirns zu hören, auch die Stimmen der abgespielten Aufzeichnungen. Kurz blitzte Prinzessin Tamarenas Bild auf und erlosch.

Atlan lehnte sich zurück, schloß die Augen und formte mit den Händen einen Giebel. Tief in Gedanken versunken und im Rhythmus der Dagor-Technik atmend, gab er dem Erinnerungsdruck nach, ließ sich auf die Szenen ein, ohne jedoch ganz von ihnen vereinnahmt zu werden oder gar in den gefürchteten Sprechzwang zu verfallen.


1.
Traversan, Zeitstation in der Yssods-Wüste: 11. Prago der Coroma 12.402 da Ark

Meine Finger huschten über die alpha-numerischen Sensorpads der KSOL und riefen die geladenen Programme auf: Unterbrecher zwischen Energieversorgung und Stationsgehirn aus; Aktivierungsblockade aufgehoben; Boot-Sequenz initialisiert; Betriebssystem anfahren, Programme laden ...

Die Anzeigen und Monitoren des Gehirns flackerten. Für positronische Verhältnisse dauerte es quälend lange. Vermutlich wurden eine Reihe von Selbstreparaturmechanismen aktiviert – immerhin hatte das Gehirn bei unserem ersten Kontakt zugegeben, daß es infolge langer Inaktivität einige Schäden an der Programmierung gegeben hatte.

Und es gibt weitere maschinelle Defekte, ergänzte der Extrasinn, die aus eigener Kraft nicht zu beheben waren.

Während die Stationspositronik zum Leben erwachte, rief ich mir die spärlichen Informationen ins Gedächtnis, die ich ihr hatte entlocken können. Angeblich war die Zeitstation auf Anweisung von Faktor VII, einem der Meister der Insel, errichtet worden – ohne Zweifel von lemurischen Wissenschaftlern. Ziel sei die Beschaffung von Waffen gegen Haluter gewesen, und hierzu wollte der Meister in eine Zielzeit vorstoßen, die rund 1,2 Millionen Jahre in der Vergangenheit lag und seinen Informationen zufolge Schauplatz eines schweren Krieges gewesen war.

37 Fehlversuche, umschrieben als »Schaltung Sternentau«, rekapitulierte ich in Gedanken, hat es gegeben, die letztmalige Aktivierung der Station lag 47.002 Jahre vor 1290 NGZ – also im Jahr minus 42.125.

Dann wurde ich in den 38. Versuch gerissen, weil mich mein Zellaktivator, vom Gehirn als Lebensspender umschrieben, als Berechtigter auswies. Das vorzeitige Ende des Versuchs kam, weil die Energiespeicher erschöpft waren.

In den knappen Aussagen der Station liegt einiger Sprengstoff! sagte der Logiksektor. Einzelheiten erfährt du vielleicht bei einer intensiven Befragung. Aber schon jetzt läßt sich einiges ableiten.

Stimmt!

Der Positronik war Faktor VII namentlich nicht bekannt gewesen. Ich wußte es besser. Wir hatten diesen Meister der Insel im Jahr 2404 kennengelernt, damals, als die CREST III über die Zeitfalle Vario in die Vergangenheit des lemurischen Tamaniums geschleudert worden war.

Den Woolver-Zwillingen gelang es, über Kahalo in die angestammte Gegenwart zurückzukehren, weil sie sich mit ihrer Fähigkeit, sich in fließende Energieströme aller Art »einfädeln« zu können, über eine Funkverbindung an Bord eines Kleinraumschiffs begaben – und dieses wurde von einem Mann gesteuert, der sich ihnen als Regnal-Orton vorstellte. Die Woolvers schafften es, den Meister trotz seines starken Individualschirms zu besiegen.

In der Gegenwart gelang es Reginald Bull, damals Solarmarschall des Solaren Imperiums, mit seiner Flotte das kleine Schiff im Zentrum Andromedas aufzubringen.

Regnal-Orton starb am 13. Mai 2404; eine Untersuchung seines Körper hatte ergeben, daß er über dem Brustbein einen kleinen stabförmigen Körper implantiert trug. Bullys Befehl, diesen zu entfernen, führte augenblicklich zur rapiden Alterung des Meisters: Der Zylinder hatte sich als Zellaktivator herausgestellt – er verglühte kurz nach dem Tod des MdI.

Regnal-Orton hatte sich damals in der Vergangenheit aufgehalten, um den Zeitagenten neue Befehle zu erteilen. Wie ich später erfuhr, wurde er zunächst von einem Goldenen namens Talossa begleitet; aber das war eine andere Geschichte.

Neben dem Haupt-Zeittransmitter von Vario hatten die Meister eine Reihe sogenannte Zwischenzeitstationen errichtet, sagte meine Innere Stimme. Mit ihnen ließen sich Zeitsprünge von bis zu fünfhundert Jahren absolvieren. Zwei davon habt ihr kennengelernt: im Wegasystem auf Pigell, und auf der Erde unter den Gletschern von Nevada. Es ist davon auszugehen, daß es weitere Stationen gab, von denen ihr nie erfahren habt ... Talossa fungierte beispielsweise für einige Jahre als getarnter Tamrat im 87. Tamanium; dessen Hauptwelt lerntet ihr später als Drorah kennen, die Heimat der Akonen. Du kannst sicher sein, daß dort ebenfalls eine Zeitstation vorhanden gewesen sein muß! In den Anfängen eurer Begegnung mit den Akonen wurdet ihr mit dem Epotron genannten Zeitumformer konfrontiert – zweifellos eine akonische Entwicklung, die auf lemurischen oder MdI-Zeitmaschinen basiert haben dürfte!

»Es darf also nicht überraschen, wenn Faktor VII eine weitere Anlage bauen ließ«, murmelte ich. »Fragt sich nur, wann sie eigentlich entstand. Und wenn sie ständig auf Traversan stationiert war, warum befinde ich mich nun in derjenigen, die aus der Zukunft stammt? Wo ist das zeitlich jüngere Pedant? Überhaupt: Weshalb ist diese Anlage nie entdeckt worden? Es kann doch schwerlich sein, daß in mehr als zehn Jahrtausenden niemals die Kuppeln in der Yssods-Wüste aufgefallen sein sollen ... Ebenso erstaunlich der letzte Aktivierungszeitpunkt der Anlage: 42.125 vor der Zeitenwende liegt ein ganzes Stück nach dem Ende des lemurisch-halutischen Kriegs.«

Die Stimme der Stationspositronik riß mich aus den Überlegungen und dem Selbstgespräch: »Ich habe dich anhand deines Lebensspenders identifiziert, Maghan! Meine Selbstkontrolle hat ergeben, daß ich für unbestimmte Zeit mangels Energie komplett desaktiviert war. Die internen Prüfroutinen zeigen, daß es eine Reihe von Fremdgeräten gibt, die mir den Zugriff auf die übrigen Aggregate der Station verwehren. Die Logikauswertung besagt, daß sie von dir installiert worden sein müssen. Begründung!«

»Deine Speicher beinhalten das zwischen uns geführte Gespräch?«

»Positiv.«

»Dann kennst du deine eigene Aussage hinsichtlich der Schäden an der Programmierung?! Die Zusatzgeräte wurden zu meinem Selbstschutz installiert. Berücksichtige die Aussagen deiner Basisprogrammierung: Das Leben eines Maghan ist unbedingt zu schützen und darf auch und vor allem nicht durch schadhafte Aggregate gefährdet werden!«

Es war ein Schuß ins Blaue, mit Blick auf die Mentalität der MdI allerdings mehr als wahrscheinlich. Gespannt wartete ich auf die Antwort.

»Ich bestätige, Maghan, und ich stimme der Logik deiner Aussage in Übereinstimmung mit meiner Basisprogrammierung zu.« Kurze Pause. »Könntest du mir bei der Bestimmung meines Systemstatus helfen, Maghan?«

»Ja – es bedarf ohnehin eines erweiterten Informationsaustausches.«

Als Maghan angesprochen zu werden, weckte unangenehme Erinnerungen an die Tyrannei der Meister und ließ mich schmerzlich das Gesicht verziehen. Obwohl fast fünfzig Jahrtausende voneinander getrennt, hatten sich bei näherer Betrachtung wiederholt interessante Verbindungsketten gezeigt, die die engen Bezüge zwischen lemurischer und terranischer Kultur offenbarten.

Der Begriff Maghan, vom Lemurischen ins Tefroda übernommen und zur unterwürfigen Anrede der Meister der Insel pervertiert, besaß seine Entsprechung im indischen magha – »Gabe Gottes« –, von dem sich, ebenso wie von magi als Umschreibung der Priesterkönige Zaroasters, das Wort Magie ableitete. Und auch an den untergegangenen Kontinent Lemuria hielt sich eine vage Erinnerung: Die Eingeborenen von Atlantis wußten über ein sagenumwogenes Reich zu berichten, und bei den Römern waren lemures die Geister Verstorbener, verehrt beim Lemurienfest am 9., 11. und 13. Mai.

Vor langer Zeit hatte Professor Kalup die Ansicht vertreten, daß jede Lebensform hyperphysikalisch wirksame Komponenten und damit Zugriff – und sei dieser nur unbewußt – zur Akausalität höhergeordneter Kontinua besaß. Phänomene wie kollektives Unbewußtes gewannen somit ganz neue Bedeutung.

Spätestens seit der Versetzung der CREST in die lemurische Epoche war klar, daß die Vergangenheit nicht einfach verschwand, sondern vom Beobachtungsstandort des Hyperraums vielmehr von einer Omnipräsenz, einer »umfassenden Gegenwart«, gesprochen werden mußte, in der alles gleichzeitig existierte, so daß die Wahrscheinlichkeit, daß jederzeit Informationen bruchstückhaft die universellen Barrieren in der Art von Quanteneffekten quasi durchtunnelten, nahezu faktische Realität gewann ...

Du schweifst ab, Mann! kritisierte der Extrasinn spitz.

Ich nickte und sagte: »Grundsatzdefinition, Gehirn: Der Ausgangspunkt von Fehlversuch 38 der Schaltung Sternentau wird als Basiszeit definiert, umschrieben als das Jahr 4877 A.D. – Jahreslänge entspricht dem Umlauf des lemurischen Ursprungsplaneten. Fehlversuch 38 endete nach einer zeitlichen Rückversetzung um 10.649 Jahre. Deiner Aussage zufolge erfolgte deine letztmalige Aktivierung 47.002 Jahre vor Basiszeit, also im Jahr minus 42.125. Verstanden?«

»Verstanden und gespeichert.«

»Frage: Ausgehend von Basiszeit – wann erfolgte deine Erstaktivierung?«

»Minus 49.991.«

Drei Jahre vor der Zeit, in die die CREST versetzt wurde; 87. Kriegsjahr im Kampf gegen die Haluter. Meine Innere Stimme wurde lauter. Du kannst davon ausgehen, daß es sich um ein Projekt Regnal-Ortons handelte, das zeitlich vor eurem Kampf gegen die Meister angesiedelt werden muß.

Ich stimmte der Beurteilung des Logiksektors zu. »Du hast als Zielzeitpunkt den Wert X minus 1,2 Millionen Jahre genannt. Dieser wurde jedoch bei keinem Versuch erreicht, sondern mündete vorher beim Erreichen eines kritischen Punkts in eine Katastrophe. Definiere Katastrophe und ihren genauen Zeitpunkt, Gehirn.«

»Zeitpunkt entspricht minus 196.580, plus-minus zehn Jahre. Die Katastrophe äußert sich in einem abrupten Stoppen der retrograden Temporalverschiebung; es existiert offensichtlich eine unüberwindliche Barriere hyperphysikalischer Art. Dauert die Wechselwirkung zu lange, droht eine unkontrollierte Pendelbewegung entlang der zeitlichen Orientierungsachse. Die Fehlversuche Eins bis Drei endeten fast in einer Vernichtung der Station; sie erreichten nur einen Vergangenheitszeitpunkt von etwa minus 52.000.«

Der Zeitläufer der Cappins! schrie der Extrasinn. Temporale Rücksturzpolung! Kein Zweifel! Die Goldene Spindel muß auf temporal-hyperphysikalischem Niveau bis nach Traversan gewirkt haben! Auch der Nullzeitdeformator wurde zunächst daran gehindert, weiter in die Vergangenheit vorzustoßen. Für euch bestand die Hauptbarriere ebenfalls um etwa minus 52.000.

»Trotz dieser Fehlschläge wurden weitere Versuche unternommen?«

»Faktor VII befahl es! Es gab mehrmals Modifizierungen des Nullzeitfeldes und Umbauten der Aggregate; leider ließ sich der kritische Punkt nicht überschreiten. Die Fehlversuche 4 bis 36 erfolgten innerhalb von zwei Jahren nach Erbauung der Zeitstation. Dann wurden viele Geräte entfernt und meine Anlagen stillgelegt.«

Erklärt, weshalb große Teile der Station ausgeräumt sind!

Laut sagte ich: »Faktor VII erhoffte sich in der Zielzeit die Erlangung von Waffen?«

»Korrekt. Die Auswertung lemurischer Altarchive lieferte die Daten; bei der Konstituierung der Großen Tamaniums wurden wiederholt uralte Hinterlassenschaften entdeckt, deren Altersbestimmungen auf den genannten Zeitpunkt hinwiesen – allerdings mit einer Unsicherheit von einigen zehntausend Jahren! Damals muß es einen schweren und lang andauernden Krieg gegeben haben. Obwohl meist zerstört, zerfallen oder unbrauchbar, bezeugten die aufgefundenen Artefakte das deutlich höhere technologische Niveau der am Krieg Beteiligten. Die Altarchive sprachen in mehreren Fällen von außer Kontrolle geratenen Gerätschaften, die, trotz ihres Alters und ihres Zerfallsstadiums, fürchterliche Wirkungen erzeugt haben sollen.«

Oh, ja, das kann ich bestätigen!
dachte ich grimmig. Nur zu gut erinnerte ich mich an die Ereignisse in meiner Imperatorenzeit. Auch damals hatten wir es mit »erwachter Vergangenheit« zu tun gehabt! Die von Regnal-Orton angestrebte Zeit vor rund 1,2 Millionen Jahren wurde in den Galaktischen Legenden als Großer Galaktischer Krieg umschrieben.

Was gewisse Einzelheiten betraf, hatte ich erst sehr viel später weitergehendere Informationen erlangt, die die Ereignisse ab 2047 erklärten. Gleich mehrere Dinge hatten sich aufsummiert beziehungsweise gegenseitig bedingt, so daß die ganze Milchstraße mehr oder weniger involviert wurde: Einerseits war es nämlich genau jene Epoche, da das Suprahet die Galaxis erreicht und gewütet hatte, zum zweiten lief weitgehend parallel dazu die Invasion der Horden von Garbesch im Auftrag der Superintelligenz Seth-Apophis. Seth-Apophis hatte die vom »Sternenfresser« ausgelösten Katastrophen zweifellos ausgenutzt, bis dieser von den Oldtimern alias Galaktischen Ingenieuren, den Petroniern, alias Barkoniden alias zur Stofflichkeit zurückgekehrten Querionen gebändigt wurde.

Von der Ayindi Moira stammte die, allerdings mit Skepsis zu betrachtende, Information, daß der Einfall der Horden in die Lokale Gruppe insgesamt rund 500.000 Jahre beansprucht hatte.

Wie auch immer ... Der Extrasinn reagierte brummig. Es muß als verteufeltes Glück bezeichnet werden, daß den MdI keine Waffensysteme aus jener Zeit in die Hände fielen, ansonsten ... Er ließ den Satz offen.

»Bleibt noch Fehlversuch 37!« Ich begutachtete die Auswertungsergebnisse der parallel zum Stationsgehirn laufenden KSOL-Positronik. Wie es schien, hatte das komplette Neuhochfahren dem Rechner ganz gut getan. Programmfehler waren jedenfalls keine mehr zu entdecken. Ob das allerdings für sämtliche Bereiche in den unergründlichen Tiefen des robotischen Pseudo-Bewußtseins zutraf, mußte ich vorläufig offenlassen. »Warum kam es 7864 Jahre nach deiner Ausschaltung nochmals zu einem Vorstoß in die Vergangenheit?«

»Weil zwei Personen die Station betraten, deren Lebensspender sie als Maghane auswiesen! Sie reaktivierten mich und wurden, weil Schaltung Sternentau automatisch anlief, in die Vergangenheit gerissen. Erst mit Erreichen der Barriere gelang es ihnen, die Rückkehrschaltung aufzurufen. Leider führte Fehlversuch 37 zu den erwähnten maschinellen Schäden, die ich nicht aus eigener Kraft beheben kann. Bevor die beiden Personen die Station verließen, sorgten sie dafür, daß ein schwaches Labilfeld auf modifizierter Nullfeldbasis erzeugt wurde. Es entrückte die gesamte Station aus dem Standarduniversum ...«

Das ist die Erklärung! rief der Logiksektor. Deshalb kam es nicht zu einer Kollision mit dem früheren Gegenstück der Zeitstation – es war die ganze Zeit über gar nicht auf konventionellem Wahrnehmungsniveau vorhanden! Zur Zeit existiert also quasi parallel zur Station aus deiner Realgegenwart das entrückte jüngere Pedant innerhalb des Labilfeldes!

Unterdessen fuhr das Gehirn fort: »... drohte ein Abfall der Energiespeicherwerte unterhalb des Mindestnominalwertes; deshalb kam es drei Jahre vor Basiszeit zur Rekonstituierung im Standarduniversum! Dein Erscheinen, Maghan, aktivierte dann automatisch die Schaltung Sternentau – unter anderem, weil die lange Zeit der Inaktivität Programmschäden hervorgerufen hatte.«

So etwas habe ich vermutet!
versicherte meine innere Stimme.

Ich nickte. Damit waren nahezu alle Fragen und die mit ihnen verknüpften Logikfallen geklärt. Die uralte Station war erst vor kurzem auf Traversan erschienen; sie hatte im Grunde gar nicht früher entdeckt werden können, weil sie für rund 47.000 Jahre außerhalb des konventionellen Raumzeitkontinuums existiert hatte, eingehüllt in eine Feldstruktur ähnlich der Labilzone des Antitemporalen Gezeitenfeldes, das die Terraner um ihr Solsystem errichtet hatten.

»Was taten die genannten Personen noch? Um wen handelte es sich? Gibt es Aufzeichnungen ihrer Aktivitäten? Haben sie miteinander gesprochen?«

»Sie brachten an der A-Kuppel eine Schrifttafel an; der Inhalt der Botschaft ist mir nicht bekannt ...«

Mir schon!
In Gedanken zitierte ich den Text:

Die Hoffnung geht nicht verloren. Das Glück kann man nicht zwingen. Die Zeit muß nicht ein Gegner sein, wenn du sie zu deinem Freund machen kannst.

Das klang viel zu poetisch, als daß es von einem Meister der Insel hätte stammen können! Auch diese Frage war somit geklärt: Die beiden Fremden hatten den Text – aus welchen Gründen auch immer – hinterlassen.

Das Stationsgehirn sagte: »... Selbstverständlich gibt es Aufzeichnungen. Die Personen stellten sich mir als Selaron Merota und seine Tochter Ermigoa vor! Sie nahmen den Kleinraumer des Stationshangars bei ihrer Abreise mit ...«

Ich stieß einen schrillen Pfiff aus. Das war nun eine Eröffnung, mit der ich in keinster Weise gerechnet hatte!


2.
Ermigoa, durchfuhr es mich, lernte ich 3460 auf dem Planeten Peschnath kennen, als wir alte lemurische Sonnentransmitter untersuchten und dabei nach Andromeda gelangten – weil Terra und Luna nicht, wie vorgesehen, vom Duo-Sonnentransmitter Sol-Kobold zu Archi-Tri-Trans versetzt worden war ...

Ich erinnerte mich ganz genau an die dunkelhaarige Schönheit, ihre großen Augen, und auch daran, daß sie Zellaktivatorträgerin gewesen war. Ganz deutlich glaubte ich ihre Stimme zu hören, nachdem ich sie nach der Herkunft ihres Aktivators gefragt hatte: »Mein Vater baute ihn für mich. Er baute auch alle Zellaktivatoren, durch die die Meister der Insel die relative Unsterblichkeit erlangten!«

Diese Aussage entsprach genau jener, die seinerzeit Mirona Thetin gemacht hatte; sie sprach ebenfalls von einem »Wissenschaftler der Alt-Lemurer«, dessen Identität ihr angeblich unbekannt gewesen war.

Und ich erinnerte mich an Ermigoas Tod: Sie starb, nachdem sie in einem Anfall geistiger Umnachtung mit einem Desintegrator den Zellaktivator zerstrahlt hatte, weil zuvor ein schadhafter Multiduplikator rasch zerfallende, zellaktivatorlose Ebenbilder ihrer selbst produzierte.

Sie zerfiel am 23. Mai 3460 in meinen Armen zu Staub und ... Der Gedanke brach ab, so schnell er gekommen war, weil mich unvermittelt Erinnerungen bestürmten und Verknüpfungen vor meinem Inneren Auge entstanden, deren Konsequenzen ich auf den ersten Blick kaum zu durchschauen vermochte.

Ich brauchte Zeit zum Nachdenken, war gleichzeitig gespannt auf die gespeicherten Daten des Stationsgehirns. Obwohl die Traversaner meine Unterhaltung in lemurischer und zugleich alt-tefrodischer Sprache ohne Translator ohnehin nicht verstanden, wollte ich sichergehen. Ich unterbrach die Verbindung zu Gemderal mit knappem Hinweis auf mögliche Paradoxeffekte aufgrund der Informationen.

»Gehirn!« befahl ich dann heiser. »Spiele die optischen und akustischen Aufzeichnungen der Maghane ein. Zusammenschnitt der wichtigsten Handlungen.«

»Verstanden, Maghan.«

*

Es gab keinen Zweifel: Ich erkannte Ermigoa in den Holoprojektionen genau! Sogar im Zeitrafferformat beanspruchten die Aufzeichnungen mehr als eine Stunde. Mehrmals befahl ich rascheren Vorlauf, ließ dann Abschnitte wiederholen. Ich sah den beiden zu, wie sie in der Zeitstation agierten, an der Positronik und den Stationsgeräten arbeiteten, schließlich den kleinen Diskusraumer mitnahmen.

Und je länger ich Ermigoa sah, von schmerzhaftem Stechen in der Brust geplagt, desto mehr fiel mir ihre Ähnlichkeit mit Mirona auf, deren Bild mir ebenfalls vor Augen stand: hochgewachsen, schlank, die Haare tiefschwarz, glatt zurückgekämmt und im Nacken zu einem schweren Geflecht gerafft. Eurasisch wirkendes Gesicht mit Mandelaugen, klassisch-griechischer Nase und vollen Lippen.

Selaron Merotas Aussehen lag »zwischen« dem von Ermigoa und Mirona; zweifellos ein Lemurabkömmling: Ein muskulöser Mann, der seine Tochter um halbe Kopflänge überragte. Ob bei ihm noch von einem Lemurer oder schon von einem Tefroder gesprochen werden mußte, wollte ich nicht beurteilen.

Erneut dachte ich an Ermigoas Tod. Nicht von ihrem Zerfall betroffen war ein mit einem Edelstein besetzter Armreif gewesen. Diesen nahm ich damals als Erinnerungsstück mit nach Gäa in die Provcon-Faust. Etwa hundert Jahre später wurde bei einer Holoaufnahme des Armreifes für das Terra-Lemur-Museum von Gäa entdeckt, daß der Schmuckstein in Wirklichkeit ein Speicherkristall war – damals hatte ich soeben die Rekonvalenszenzphase nach jenem fürchterlichen Unfall abgeschlossen, dessen Heilungsvorgang mich dazu zwang, über verdrängte und zum großen Teil von ES blockierte Erinnerungen zu berichten.

Leider gelang es weder dem Historiker Cyr Aescunnar noch den anderen Experten, die aufgeprägten Dateien komplett zu entschlüsseln. Nur Bruchstücke ließen sich abrufen; aus ihnen ging jedoch hervor, daß es tatsächlich diesen berühmt-berüchtigten Wissenschaftler gegeben hatte! Nach ihm, Selaron Merota, wurden die Texte »Selaron-Fragment« genannt. Die Kernaussagen ließen sich wie folgt zusammenfassen:

Die Lemurerin Agaia entdeckte gemeinsam mit dem Wissenschaftler Selaron Merota mehr als 20.000 Jahre nach dem Rückzug der Lemurer aus der Milchstraße auf einem Planeten der Sonne Luum in der südlichen Randzone der Andromeda-Galaxis in einem von Eingeborenen als Tempel benutzten Bauwerk den sogenannten Atem der Schöpfung; ein heilendes Strahlungsfeld, das bei Verletzungen eine Zellregeneration bewirkte und ganz allgemein eine lebensverlängernde Wirkung hatte.

Selaron zeugte mit Agaia die Tochter Mirona und mit der Nomaden-Eingeborenen Ermia die Tochter Ermigoa. Er wurde zum Schmied der Unsterblichkeit: In jahrzehntelanger Arbeit gelang es ihm, dieses Feld sozusagen in Zellaktivatoren zu bündeln. Des weiteren entwickelte er eine Methode zur Materieduplikation, die später zur Entstehung und zum Einsatz der sogenannten Duplos führte. Agaia wurde als Faktor I zum Kopf einer Rebellion gegen das Tamanium in Andromeda.

Später tötete Mirona ihre Mutter, indem sie deren Zellaktivator zu einem Experiment mißbrauchte, und übernahm deren Rolle als Faktor I der Meister der Insel. Während Ermigoa und Selaron fliehen und sich verbergen konnten, riß sie die Macht in Andromeda an sich ...

Berücksichtigte ich meine persönlichen Erfahrungen – vor allem die Begegnungen mit Mirona und Ermigoa! – ergab der Bericht durchaus Sinn. Daß sich die beiden Frauen als Halbschwestern herausstellten, tat dem übrigen keinen Abbruch. Im Gegenteil. In vielem hat mich Ermigoa sehr an Mirona erinnert...

Aber das alles geriet in Vergessenheit: Larenherrschaft, Kampf gegen die Unterdrücker, dann der Aufbruch mit der SOL. Während in der Milchstraße nach der Rückkehr von Terra und Luna das Unternehmen Pilgervater für eine Neubesiedlung der Erde sorgte, verschlug es mich »jenseits der Materiequellen« zu den Kosmokraten, später erneut auf die SOL und schließlich in die Rolle des Orakels von Krandhor. Daß in der Zwischenzeit in der Milchstraße eine neue Zeitrechnung begann und Ermigoas Armreif ins Lemuria-Museum von Terrania gelangte, erfuhr ich erst sehr viel später.

»Das Selaron-Fragment«, murmelte ich, »wurde unter der Katalognummer tb288/02-87-PTwpr abgelegt – und wie Ermigoas Armreif schlicht und einfach vergessen ...«

Erst 1173 NGZ, als wir den Spuren der verwirrten Superintelligenz ES folgten, wurden neue Erkenntnisse den bisherigen hinzugefügt. Die »Zeitschau« auf dem Planeten History am 23. April 1173 NGZ erbrachte Informationen, die mit den bisher gewonnenen zunächst durchaus vereinbar waren.

Auf der Kunstwelt Wanderer begegnete Perry Rhodan, Gucky und mir dann allerdings ein Lemurer namens Nermo Dhelim, der mit der LORGON der Spur der Superintelligenz gefolgt war, und es kam zu Ereignissen, die in jeder Hinsicht brisant, verwirrend und verblüffend waren. Zu allem Überdruß kollidierten sie auch mit den bisher gewonnenen Erkenntnissen!

In einem visonären »Miterleben« erfuhren wir, wie sich die Geschichte der Meister der Insel wirklich ereignet haben sollte; sie wurde, entgegen vieler Bedenken vor allem meinerseits, Teil der offiziellen Geschichtsschreibung:

Im 23. Jahrtausend vor Christi Geburt übergab Ernst Ellert als Bote von ES dem lemurischen Wissenschaftler Nermo Dhelim vierzehn zylindrische Zellaktivatoren, die sich innerhalb einiger Tage irreversibel auf ihre Träger einstellten. Diese Aktivatoren sollten nicht nur den Zellhaushalt der Träger steuern, sondern auch ein stabilisierendes Element im Kosmos bilden und damit der Abwehr der Chaosmächte dienen.

ES berief damit die nach Andromeda ausgewanderten Lemurer zu seinen Helfern und zum herrschenden Volk der Lokalen Gruppe, setzte ihnen eine Frist von zwanzigtausend Jahren, bis in der Milchstraße aus Lemurernachkommen ein neues Hilfsvolk herangereift sei.

Nermo Dhelim trug eines der Geräte selbst und übergab ein weiteres seiner Tochter Ermigoa. Seine Geliebte, die Tamrätin Mirona Thetin, erfuhr von den Zellaktivatoren und raubte die zwölf freien Geräte. Danach tötete Mirona Thetin Dhelim, indem sie ihm seinen Aktivator abnahm. Dieser explodierte daraufhin. Während sich Ermigoa verbergen konnte, fand Mirona Thetin in den folgenden Jahren elf Verbündete, denen sie die verbliebenen Aktivatoren übergab: die Meister der Insel.

Zeitweise trat sie in Maske als dreizehnter Meister auf, weil sich fünf der MdI als unzuverlässig erwiesen; nachdem sie Mirona Thetins wahre Identität als Faktor I erkannt hatten, wurden sie vor ihr getötet...

In diesem Geschichtsbild gab es, nicht nur mit Blick auf Ermigoa und das Selaron-Fragment, so viele Ungereimtheiten und verwirrende Elemente, so daß ich für meinen Teil nie wirklich von seiner Wahrhaftigkeit überzeugt war!

Vor allem der Tod der Meister paßte nicht ins Bild, denn Mirona selbst erklärte mir gegenüber auf dem Festungsplaneten Tamanium:

»Mit den Zellaktivatoren gab man mir gleichzeitig eine Waffe in die Hände, um die anderen MdI zu beherrschen ... Ich besitze ein Gerät, mit dessen Hilfe ich die Tätigkeit eines Aktivators verändern kann. Der betreffende Aktivatorträger wird in Minuten zum alten Mann und zerfällt ...«

Wäre Mirona Thetin, die mir damals begegnete und in die ich mich verliebte, wirklich identisch mit jener gewesen, die wir durch die zeitliche Rückschau beobachteten, hätte das von ihr erwähnte Manipulationsgerät ebenfalls von Nermo Dhelim beziehungsweise von Ernst Ellert als ES-Bote stammen müssen! Davon wurde jedoch nicht nur nichts erwähnt – es stellte sich überdies sogar die Frage, ob allein durch die Überreichung der Aktivatoren durch Ellert an Dhelim überhaupt eine solche Möglichkeit bestand.

Anders sah es dagegen aus, wenn Selaron Merota die Zellaktivatoren als Schmied der Unsterblichkeit entwickelt und gebaut hatte! Inwieweit ihm ES in getarnter Form »hilfreich« zur Seite stand oder die Grundlage schuf, war ein offene Frage; eine Reihe von Andeutungen legten diesen Schluß aber nahe, obwohl der Wissenschaftler sich dieses Eingriffes vermutlich selbst nicht bewußt war. Immerhin blieb die wahre Herkunft des Tempels, in dem Selaron den Atem der Schöpfung entdeckte, unbekannt – schon Agaia äußerte im Selaron-Fragment die Vermutung, daß die »Eingeborenen« als Erbauer kaum in Frage kämen. Das photographische Gedächtnis reproduzierte augenblicklich die Beschreibung:

Der mindestens zweihundert Meter hohe Bau hatte die Gestalt einer tetraedischen Pyramide, deren Spitze in den Boden versenkt worden war. Auf der Oberseite war eine Kugel zu erkennen, die ihrerseits zum Teil in die Fläche der Pyramide eingesunken zu sein schien. Das Gebilde sah unerhört massiv aus, wie aus dem festen Felsgestein geschlagen. Dunkelgrau war der Fels, von seltsamen, glitzernden Adern durchzogen, die im Licht der untergehenden Sonnen dunkelrot glühten.

Es gab noch mehr solcher irritierenden Punkte in der Rückschau, die nicht mit dem übereinstimmten, was ich selbst erlebt oder erfahren hatte. Der Extrasinn stimmte vorbehaltlos zu: Daß es eigentlich nur zwölf Meister gegeben haben soll und Mirona getarnt als dreizehnter auftrat, vereinbart sich schwerlich mit ihrer Aussage dir gegenüber. Erinnere dich! Sie hatte dich paralysiert, befand sich in der Position der Überlegenen, hatte keinen Grund, dich zu belügen!

Ihre Worte wurden lebendig, als sei es gestern geschehen, durchzogen hallend meine Gedanken: »Vor zwanzigtausend Jahren rissen dreizehn Renegaten die Macht an sich. Von Anfang an gelang es mir, meine wahre Identität zu verbergen. Schließlich erfuhren sechs Renegaten, wer ihr Anführer war. Ich habe sie alle sechs ermordet. Seit etwa zehntausend Jahren beherrschten meine sechs Untergebenen und ich ganz Andromeda.«

Klingt das, als habe sie nur fünf ermordet und selbst als getarnter sechster Rebell agiert? fragte meine Innere Stimme kritisch. Kaum weniger haarsträubend war die in der Wanderer-Rückschau gelieferte Erklärung für History! Angeblich brauchte die verwirrte Superintelligenz diese vom zellaktivierenden Feld umhüllte Welt, um sich jederzeit über die Fortschritte bei der Evolution der Lemurabkömmlinge der Erde informieren zu können. Daß die Meister dieses Stasisfeld nach Gutdünken abstellen konnten, läßt sich mit einer solchen Pseudoerklärung nicht vereinbaren – aber genau das ist, wie du genau weißt, am 9. April 2404 passiert!

Hunderte oder gar Tausende Menschen, von Tefrodern aus allen Epochen der Erde nach History gebracht und an der Alterung gehindert, waren durch die Ausschaltung zum Tod verurteilt gewesen und starben ...

Andererseits war es allerdings ebenfalls eine Tatsache, daß der entweder von Ras Tschubai oder Fellmer Lloyd stammende ausgeglühte Zellaktivator über Ermigoa an den Tefroder Kalago gelangt war und später von Icho Tolot im Wrack der SAMUR gefunden wurde: Als Mitglied des Wachpersonals von History hatte Kalago im Jahr 6050 vor Christi das Zellaktivierungsfeld kennengelernt. Um dem Geheimnis der Unsterblichkeit auf die Spur zu kommen, kaperte er mit Gesinnungsgenossen die SAMUR, die weitere Menschen nach History bringen sollte. Auf der Spur der Schiffe erreichte die SAMUR das Gercksvira-System, wo Kalago Ermigoa kennenlernte und deren Geliebter wurde. Und Ermigoa übergab ihm den ausgeglühten Zellaktivator ...

Meine grundsätzliche Skepsis wurde durch die Ereignisse auf Wanderer mehr als nur bestätigt, dachte ich. Immerhin hatte ES uns Unsterblichen durch seinen Boten Homunk am 30. September 1169 NGZ den »Ruf der Unsterblichkeit« übermittelt und die Rückgabe der Zellaktivatoren eingefordert!

Mein Logiksektor meldete sich betont sachlich. Im Hintergrund des Ganzen ist vermutlich die eigentliche Begründung für das verwirrende Konstrukt einander widersprechender Geschichtsabläufe, Wirklichkeitsebenen und pararealer Überschneidungen zu suchen!

*

Als dem Kosmokrat Taurec im Jahr 429 NGZ der Weg hinter die Materiequellen verschlossen blieb, begann er mit einer kosmischen Intrige, die mehrere Galaxien gleichzeitig umfaßte. Unter anderem manipulierte er das Kosmonukleotid DORIFER, über das große Teile des Kosmos gesteuert wurden, um damit ES zu beeinflussen: Taurec wollte die Umwandlung der Superintelligenz in eine Materiequelle einzuleiten!

Der Kosmokrat ging heimlich vor, im Bewußtsein, daß ES sich weigern würde, die Völker der Mächtigkeitsballung durch die dabei zwangsläufig erfolgende Verdichtung der vorhandenen Sternenmassen zu vernichten. Um die Bildung einer Materiequelle voranzutreiben, versuchte Taurec, diejenigen Psionischen Informationsquanten – Psiqs –, die ES’ Entwicklung zu einer Materiesenke beinhalteten, am Rand DORIFERs zu sammeln und so zu beseitigen, doch sein Versuch scheiterte.

Im Zusammenhang mit den Entwicklungen, die zum DORIFER-Schock führten, stieß das Kosmonukleotid die von Taurec zusammengetriebenen Psiqs aus. Sie bildeten ein gefährliches Koagulat, das in das Standarduniversum entwich, weil ES durch Taurecs Manipulationen zu einen Gegenpol für die Psiqs geworden war. Noch während Taurec in DORIFER die entsprechende Impulsfolge abgab, kollabierte das Kosmonukleotid aufgrund des Hangay-Transfers am 28. Februar 448 NGZ, nachdem es schon zuvor instabil geworden war. Die spontane Deflagration gewaltiger Mengen sogenannten Parataus zwangen das Kosmonukleotid, die rund 50.000 zuvor vorgenommene Manipulation des psionischen Netzes und der Psikonstante rückgängig zu machen.

Mit dem Kollabieren kam es zu einer rätselhaften Veränderung der Superintelligenz, die sich schließlich zu einem Zustand totaler Verwirrung ausweitete.

Dennoch schaffte es ES, durch Raum und Zeit einen Hilferuf an ESTARTU aussenden, der diese Superintelligenz vor rund 50.000 Jahren erreichte und sie zu einer gigantischen Rettungsaktion veranlaßte: ES sollte mit Hilfe von Zellaktivatoren von den Folgen der Manipulation befreit werden.

Bevor dieses am 15. Mai 1174 NGZ gelang, brachte der Verwirrungszustand von ES eine Reihe von Wirkungen, die in ihrer Konsequenz viel weitreichender waren, als es im ersten Moment schien. Drei Tage zuvor hatte ich mit Hilfe des Extrasinns die These entwickelt, daß ES, als ein der Zeit nur bedingt oder gar nicht unterworfenes Wesen, im Bestreben, innere Ausgeglichenheit zu erreichen, quasi eine alternative Wirklichkeit konstruierte, in der es wir Unsterblichen durch unser »Versagen« verdient hatten, die Zellaktivatoren abgenommen zu bekommen ...

Meiner Meinung nach gehörte der Komplex um die Meister der Insel und ihre Geschichte ganz ohne Zweifel zu dem »raumzeitlich-pararealen Verwirrspiel«: Was wir über ihre Aktivatoren erlebten und erfuhren, war bestenfalls ein »Möglichkeitsaspekt«! Die Glaubhaftigkeit konnte deshalb nur unter Vorbehalt in Erwägung gezogen werden.

Ich mußte den »verwirrten« Zustand von ES ebenso berücksichtigen wie den Aspekt eines »pararealen Wirklichkeitsniveaus«.

Aus eigenem Erleben wußte ich, daß solches offensichtlich wiederholt mit der Superintelligenz verbunden werden mußte: Viel zu gut erinnerte ich mich an das Verwirrspiel einander überlappender Welten und Paralleluniversen, in das mich ES und ANTI-ES vor allem in den Jahrzehnten vor Beginn meines letzten Tiefschlafes im Jahr 1971 gerissen hatten.

In der Zeit meiner Larsaf-Verbannung hatte ich keine Möglichkeit gehabt, ES von seinem »inneren« Widerpart ANTI-ES zu unterscheiden. Wie oft hatte ich mit diesem zu tun gehabt, ohne seine wahre Natur zu erkennen? Geflüchtete Androiden, Aufgaben und Manipulationen – wieviel davon ging aufs Konto von ES, wieviel auf das seines Gegenpols? Fragen, die mich seinerzeit quälten, ohne daß ich eine Antwort gewußt hätte. Höhepunkt waren dann die Ereignisse am 3. Juni 1971 gewesen: Der Rhomboeder-Kristall der Armageddon-Maschine mit den von ANTI-ES ausgebildeten »negativen Zukunfts-Perspektiven«!

Erst auf Gäa wurden mir die Ereignisse wieder bewußt, und es bedurfte im Anschluß daran der eingehenden Analyse, um ein halbwegs schlüssiges Bild zu ermitteln – unter Einbeziehung jener Erkenntnisse, die im Verlauf des Kosmischen Schachspiels zwischen ES und ANTI-ES während der Jahre 3456 bis 3458 gewonnen wurden.

(Fortsetzung im Anschlussposting)
Zuletzt geändert von Heiko Langhans am 28. September 2015, 08:18, insgesamt 2-mal geändert.

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon Heiko Langhans » 28. September 2015, 08:17

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Heiko Langhans
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3.

Die Zeit verging im Flug. Fasziniert beugte ich mich vor, ließ vom Stationsgehirn zum dritten Mal eine Audiosequenz wiederholen, lauschte den Gesprächen von Selaron und seiner Tochter, während meine Gedanken teilweise rasten.

Selaron sagte: »...Erinnere dich an die Nomaden auf Tamanium, Tochter! Deine Mutter gehörte zu ihnen. Danaar, der alte Oberpriester, hat es wiederholt betont: Es liegt am Gleichgewicht, sagte er. Wer einatmet, muß auch ausatmen; die Schöpfung gibt nichts umsonst her! Viel zu spät erkannte ich, daß die Kraft des Atems begrenzt ist, daß ich mit den Zellaktivatoren etwas schuf, das unserem Volk Energie raubte, ja vielleicht sogar an den Grundfesten des Kosmos rüttelte. Vergiß nie das Ausatmen, sagte Danaar kurz vor seinem Tod! Er atmete aus, für immer. Ich hab’s vergessen, mußte erst wieder von Danaars Nachfolger Opran, deinem Großvater, daran erinnert werden. Alles ist im Kosmos mit allem verbunden, im Großen wie im Kleinen, aber diese Verbindung ist keine, die unserer konventionellen Welt entstammt, sondern dem n-dimensionalen Kontinuum und seinen Knoten, die gemeinsam ein gewaltiges Netzwerk formen ...«

Kosmonukleotide? dachte ich unwillkürlich. Kann es sein, daß Selaron davon schon wußte? Da fragt es sich, wieviel von der ES-Verwirrung oder der Auseinandersetzung zwischen ES und ANTI-ES letztlich mit einer von DORIFER gesteuerten Funktion zusammenhängt!

Der Logiksektor sagte kühl: Weder du noch sonst jemand weiß wirklich, wie ein Kosmonukleotid wie DORIFER beschaffen ist und über welche Möglichkeiten es verfügt! Ihr glaubt, daß mit den Informationen, die in den Kosmonukleotiden des Moralischen Kodes enthalten sind, die Entwicklung des Universums gesteuert wird. Was aber heißt das? Du warst im Inneren von DORIFER! Aber gibt es hier wirklich die Unterscheidung von Innen und Außen? Immerhin handelt sich um Phänomene, die zum Hyperraum gehören!

Ich seufzte und wischte fahrig übers Gesicht. Es gibt Millionen psionischer lnformationsquanten, durch die im bunten Reigen Informationsketten entstehen und sich wieder auflösen. Auf den ersten Blick ein Zufallsspiel. Solche Informationsketten, lautet die gängige Vermutung der Wissenschaftler, sind Gußformen für potentielle Zukünfte – das erfuhr ich am eigenen Leib und unter großer persönlicher Gefahr, als ich durch Unachtsamkeit die Kontrolle über meine DORIFER-Kapsel verlor.

Die Frage war, welche der potentiellen Zukünfte sich verwirklichte. Welche Kraft war es, die die Informationsketten zur »Wandung« des Kosmonukleotids bewegte, was als Anzeichen dafür galt, daß ein Messenger anlegen würde, um Informationen zu übernehmen? Welche Verbindung gab es unter den einzelnen Kosmonukleotiden, die das Anlegen von Messengers bewirkte – denn Messengers hatten angeblich die Angewohnheit, eine ganze Reihe von Kosmonukleotiden eines Kosmogens in rascher Folge »abzuklappern«.

Ein Kosmonukleotid enthält Informationen, die sich auf die zukünftige Entwicklung des – nur eines? – Universums beziehen. Erinnerungen stiegen auf: Wenn man sich wie ich an Bord einer DORIFER-Kapsel ungeschickt anstellte, konnte es geschehen, daß man in einen solchen Informationspool hineingezogen wurde und, als wäre sie real, eine Zukunft erlebte, die vielleicht irgendwann einmal Wirklichkeit werden konnte. Das nannten wir potentielle Zukunft. Wenn der Zeitpunkt ihrer Verwirklichung verstreicht, ohne daß die Verwirklichung eintritt, verwandelt sie sich in eine potentielle Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die hätte sein können...

Welchen Nutzen sollte aber das Wissen haben, wie die Vergangenheit ausgesehen hätte, wenn dieses oder jenes anders gekommen wäre? Potentielle Vergangenheit letztlich nur Synonym für eine Parallelwelt, eine alternative Wirklichkeit?

Du weißt, daß die Ausgangsdefinition menschlicher Logik entspricht und daher für die Abläufe eines Kosmonukleotids, das ja ein fünf- besser n-dimensionales Gebilde ist, nicht gültig sein kann! raunte meine Innere Stimme.

Welchen Sinn machte es da, zu sagen, daß der Zeitpunkt der Verwirklichung einer potentiellen Zukunft verstreicht? Wie sollte dieser Zeitpunkt bestimmt werden? Konnte überhaupt von einem Zeitpunkt, einem Zeitablauf im konventionellen Sinne gesprochen werden? Meiner Erfahrung mit dem Hyperraum nach nicht!

Den Augenblick, in dem sich Zukunft in Vergangenheit verwandelt, durchfuhr es mich, definieren wir aufgrund unserer Denkgewohnheit – und übersehen dabei völlig, daß Zeit im übergeordneten Kontinuum kein lineares Phänomen ist, sondern vielmehr von einer Omnipräsenz gesprochen werden muß, einem Allesumfassenden Jetzt, einer immerwährenden Gleichzeitigkeit oder gar Zeitlosigkeit! Werden wir Teil des Hyperraums, sprechen wir vom Verlust der Kausalität, weil deren absolutes Gebot nur Teil unserer materiell orientierten Natur ist. Der »Zeitpunkt«, an dem eine potentielle Zukunft sich entweder verwirklicht oder in eine potentielle Vergangenheit verwandelt, läßt sich mit unserem beschränkten Denk- und Wahrnehmungsvermögen gar nicht bestimmen!

Und in gleicher Weise, ergänzte der Extrasinn, kann es dann schwerlich eine Unterscheidung zwischen den potentiellen Welten oder Universen innerhalb eines Kosmonukleotids und jenen Paralleluniversen geben, die außerhalb eines solchen zu erreichen sind! Genau wie es im Zen heißt: Alles ist Eins!

*

»...beruhen auf ihnen«, fuhr Selaron unterdessen fort, »gestaltbildende Felder, die in unseren Kosmos eingeschlossen sind; sie wirken überall, unabhängig von Raum und Zeit, können mit diesen Begriffen überhaupt nicht erfaßt werden!«

»Du hieltest die Eingeborenen von Tamanium zunächst für Nachkommen von Alt-Lemurern?!« Ermigoa seufzte. »Zumindest für einige von ihnen gilt das wohl nicht, oder?«

»Nein. Danaar dürfte eine Projektionsgestalt gewesen sein! Sicher bin ich mir immer noch nicht, Tochter, aber ... Seit ich im System der 43 Planeten war« – Selaron lachte leise, ich glaubte einen bitteren Unterton herauszuhören – »Hah, 43 Planeten! Einer davon ist eine Kunstwelt, und wer weiß, ob sie sich nicht bewegen kann? Im Raum ebenso wie in der Zeit oder zwischen den Universen?! Die dortigen Wesen behaupteten, länger als die Sonne zu leben, bezeichneten sich als gestaltgewordene Ausdrucksformen eines Bewußtseinskollektivs! Und von diesem habe ich letztlich mein Wissen erhalten! Es war mir nicht bewußt. Auf der Kunstwelt erhielt ich auch den ausgeglühten Zellaktivator; man wollte mir beweisen, daß es mehr solcher Geräte gab und gibt, als die, die ich gebaut habe. Und mir wurde klargemacht, daß unser Hirn, besser unser Bewußtsein, die Schnittstelle zum eigentlichen Kosmos ist, zur realen Wirklichkeit der Universen, zu ihren tiefsten Geheimnissen! Sie haben es mir gezeigt! Zellaktivatoren, Multiduplikatoren, Zeitmaschinen, die Möglichkeit, Sonnen nach Belieben zu gruppieren, nachdem es uns mit den Stoßfeld-Generatoren gelang, die natürlichen Fähigkeiten der Sonneningenieure technisch zu kopieren ... – all das stammte nicht wirklich aus mir allein, sondern war und ist Teil des Ganzen, und wird es immer sein.«

»Vater!« Ermigoas Stimme klang ebenso entrüstet wie besorgt. »Warum schmälerst du ständig deine Leistungen? Warum machst du dir diese Vorwürfe, zerfleischst dich innerlich selbst?«

»Weil ich mir meiner Verantwortung bewußt bin, Tochter, und auch meiner ständig wachsenden Schuld. Unser Leben kostet andere Leben, aber sogar nach Jahrtausenden konnte ich mich nicht dazu durchringen, dieses verfluchte Ding abzulegen. Andere sterben, wir leben weiter, gesund, jugendlich. Ich hänge zu sehr am Leben, will forschen, die Geheimnisse des Kosmos entschlüsseln. Vielleicht findet sich sogar ein Weg, der Tyrannei ...«

»Mirona beherrscht die Große Insel, ist als Faktor I der Tyrann von Karahol! Sie offen bekämpfen zu wollen wäre Selbstmord. Ich weiß, was du vor langer Zeit gesagt hast. Du dachtest bei unserer Flucht, ich würde schlafen. Aber ich habe dich gehört. Du sagtest: Ich werde dich und mich das Sterben lehren – wir haben eine Ewigkeit Zeit, es zu lernen. Was sind ein paar Jahrtausende gegen die Ewigkeit? Der Zeittransmitter hat uns in die Vergangenheit geschleudert, wir kamen in die Ursprungsgalaxis, erlebten den verzweifelten Kampf unserer Vorfahren gegen die Schwarzen Bestien mit ...«

Selaron antwortete zunächst nicht, sagte dann bedächtig: »Nicht zuletzt aus diesem Grund kamen wir hierher, Tochter! Faktor VII versuchte, an Waffensysteme zu gelangen, die die Macht der Meister unüberwindlich hätte machen können. Zum Glück gelang ihm das Vorhaben nicht.«

»Uns ist allerdings der Zugriff ebenfalls verwehrt! Mit dieser Zeitstation können wir nichts mehr anfangen. Sie wird uns beim Kampf gegen die Faktoren nicht helfen können. Es wird Zeit, Vater, daß wir gehen!«

*

Frösteln schüttelte mich; ich rief eine andere Passage der Aufzeichnungen ab, ließ sie ebenfalls zum wiederholten Mal vorspielen.

»...berichteten jene, die länger als die Sonne leben – was immer das genau bedeuten soll –, auch von einem Inneren Konflikt des Bewußtseinskollektivs, umschrieben es als zweite Krisenperiode!« sagte Selaron Merota zu Ermigoa, während sie an Projektoreinheiten der Stationskuppeln arbeiteten. »Das, was ich mit dem Bau der Zellaktivatoren tat – ohne zu wissen, daß man mich quasi lenkte –, habe die Schließung des Katalytischen Zyklus verhindert! Du weißt, daß man mir nicht sagte, um was genau es sich dabei handelte, aber ich hatte Zeit genug, um einige Thesen zu entwickeln. Ob sie allerdings richtig sind?!«

»Der Einfluß der Knoten des Kosmischen Netzwerks?«

Sie sprechen wirklich von Kosmonukleotiden! Von DORIFER!! dachte ich schaudernd.

»Exakt – Du mußt die Basisfrequenz um siebzehn Einheiten nach unten korrigieren, Tochter. Ja, so ist es richtig ... – Es gab, gibt und wird vielfältige Manipulationen geben! Mit ihnen hängt mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Ausbildung der Abjin-Kräfte unserer lemurischen Vorfahren zusammen! Vor allem bei Zeut-Lemurern – es wurden nur noch Kinder geboren, die im Gehirn eine Paradrüse besaßen, nachdem mit dem Projekt Zeut die Umlaufbahn des fünften Planeten von der langgestreckten Ellipsenbahn in eine fast kreisförmige umgewandelt worden war!«

»Die Schwarzen Bestien zerstören Zeut – und mit ihm die an diese Welt und ihr Hypermetall gebundene Mega-Intelligenz! Um Zeut auszuschalten, griffen die Haluter ja zuerst dort an, nicht Lemur selbst! Wir haben es selbst erlebt, Vater! Nie werde ich diesen gräßlichen Todesschrei vergessen – er raubte mir fast den Verstand! Der 18. Tag des Monats Ezrach im 6332. Jahr seit der Reichsgründung gehörte zu den schlimmsten Tagen meines Lebens!«

»Und all das wechselwirkt mit dem Netzwerkknoten, der für unseren Kosmischen Abschnitt ... hm, zuständig ist! Der Knoten wehrt sich gegen die Manipulationen, reagiert auf sie mit Gegenkräften. Welten überlappen, Universen verschmieren in Bereichen der Schnittmengen, es kommt zur Manifestation scheinbar widersprüchlicher Ereignisfolgen. Auch diese Zeitstation ist ins Geflecht eingebunden – vielleicht gelingt es uns, die mit ihr verbundene Gefahr auszuschalten ...«

»Die Hoffnung geht nicht verloren!« murmelte Ermigoa. »Die Zeit muß nicht ein Gegner sein, wenn du sie zu deinem Freund machen kannst!«

*

Die Mega-Intelligenz von Zeut und die Abjin-Kräfte der Lemurer! Die Zusammenhänge waren unglaublich. Erneut wirbelten meine Gedanken: Der Erinnerungsdruck wurde fast übermächtig. Informationen, zu verschiedensten Zeiten erlangt, verknüpften sich zu einem höchst komplexen Gesamtbild.

Versetzung der CREST in die Vergangenheit, später die Daten, die uns die Lemurer des vormaligen 103. Tamaniums rings um den Temur-Sonnentransmitter zur Verfügung gestellt hatten, die Erkenntnisse der Nullzeitdeformator-Expeditionen und schließlich die Begegnung mit den Paramags nach der Schwarm-Verdummung – alles das wurde wieder lebendig. Das Bild der Tamrätin des 103. Tamaniums Touja Kehoe entstand vor meinen Augen, ebenso der Kommandeur der »Lemurischen Sternengarde«, Admiral Vlasaák ...

Der Logiksektor sagte: Abjin entsprach dem Sanskritbegriff abhijñâ, welcher für »übernormales Gesicht und Gehör, Gedankenlesen, Kenntnis von wunderbarer Kraft und die Erinnerung an frühere Existenzen« stand. Die Lemurer umschrieben mit Abjin paranormale Kräfte, die allerdings nicht sonderlich ausgeprägt gewesen waren und sich meist auf den Nahbereich beschränkten. Nur die Blockbildung vieler führte zu Effekten, die denen terranischer Mutanten entsprachen. Andererseits bedingte aber die sehr verbreitete Form der Abjin-Kräfte die rasche Ausbildung einer non-verbalen Kommunikationsform, die jedoch nicht mit Telepathie verwechselt werden darf. Ihre Einbettung ins religiös-mystische Weltbild der Lemurer war bald so ausgeprägt, daß in Schriftdokumenten kaum noch näher darauf eingegangen wurde.

»Im zwölften Jahr des lemurisch-halutischen Kriegs«, murmelte ich, »also minus 50.068, wurde der Planet Zeut, eine Welt mit einem Durchmesser von 10.388 Kilometern und einer Schwerkraft von 0,96 Gravos, durch die für die Lemurer so traumatische Haluterattacke vernichtet.«

950 Jahre nach der ersten Mondlandung, im Jahr -50.950, hatten die Lemurer das Projekt Zeut begonnen: Der 5. Planet – ursprünglich auf einer langgestreckten Ellipsenbahn mit 24° Neigung zur Ekliptik, einem Perihel von 110 Millionen Kilometern, einem Aphel von 10,5 Milliarden Kilometern und einer Umlaufdauer von 298 Jahren –, sollte behutsam auf eine neue Bahn ohne Ekliptikneigung gebracht werden.

Nach 110 Jahren wurde des Projekt erfolgreich abgeschlossen; Zeut besaß fortan als neue Periheldistanz einen Wert von 400 Millionen Kilometern, bei einem Aphel von 450 Millionen Kilometern und einer auf 2,98 Jahre reduzierten Umlaufzeit, was einer siderischen Umlauf von 691 Tagen zu 37,78 Stunden entsprach.

Seinerzeit hatten wir uns gefragt, warum dieses besondere Interesse der Lemurer wie auch der Haluter an Zeut bestand, und in welcher Beziehung dieser Name überdies zum Zeus der griechischen Götterwelt einzuordnen war. Denn daß es einen Bezug gab, war unstreitig – ähnlich wie das für die Begriffe Lemurer, Maghan oder Abjin ebenfalls galt.

Erst die Begegnung mit den Paramags lieferte hierzu den letztlich entscheidenden Hinweis, weil lemurische Überlieferungen recht vage blieben, dachte ich.

Die Paramags entdeckten um -50.100, daß Zeut große Mengen von PEW-Metall enthielt – Parabio-Emotionaler-Wandelstoff; in der Paramag-Sprache »Payn-Hrun-Tala«, »Leben im Höchstmaß«, genannt. Es handelte sich um ein im Normalzustand mattsilbernes bis zinngraues, formbar weiches Metall, das sich durch parapsychische und hyperenergetische Strahlung in ein türkisschillerndes, diamanthartes Material verwandelte und selbst zum 5D-Strahler wurde.

Bei dieser Hyperaufladung fand eine Umpolung statt, so daß ein »frequenzbedingtes Machtbewußtsein auf verformungsmaterieller Paradox-Intelligenz« – kurz: »Paradox-I-Komplex« – entstand, wobei Intensität und Reinheit des Glanzes ein Maßstab für das Ausmaß der Intelligenz war. Die Intelligenz des PEW-Metalls ließ sich mit IV-Tastern feststellen; schon bei 100 Gramm war eine »paramodulierte Mentalstrahlung« zu registrieren, es gab Selbsterhaltungstrieb und Angstreaktionen, und andere Strahlungen, vornehmlich solche der 5D-Ebene, konnten abgeleitet beziehungsweise absorbiert werden. Atomare Prozesse, vor allem Atomexplosionen, bewirkten, daß sich das PEW in 5D-Energie verwandelte und dadurch automatisch zum Bestandteil des Hyperraums oder eines dimensional übergeordneten Kontinuums wurde.

Professor Waringer fand seinerzeit heraus, sagte der Extrasinn, daß es sich bei PEW um eine scheinbar metallische Substanz handelte, deren atomare und molekulare Struktur sich so beeinflussen und verändern ließ, daß unter gewissen Bedingungen eine Intelligenz entstand: Der Stimulus, der zu ihrem Aufbau führte, war fünfdimensionaler Natur. Wichtig war, daß er während der Aufbauperiode ständig anwesend sein mußte, sonst geriet der Prozeß ins Stocken, denn die Neugruppierung der Atome und Moleküle zerfiel mit einer gewissen Relaxionszeit, und die »Paradox-Intelligenz« verschwand.

Das PEW-Metall gab somit mehrere Erklärungen, die sich mit dem Rätsel Zeut verbanden: Beim Haluterangriff mit seinen nuklearen Explosionen wurde erstens der PEW-Umwandlungsprozeß ausgelöst! Deshalb konnte in den Trümmern wenig respektive kein PEW übrig bleiben, so daß die Terraner es nie fanden. Die beachtliche PEW-Menge bedingte zweitens auch die überaus heftige Reaktion, durch die Zeut zerrissen wurde, sowie die gewaltige Staubwolke, die die Vereisung der Erde zur Folge hatte, in deren Verlauf der Kontinent Lemuria unterging. Das verschwundene, sprich in den Hyperraum abgestrahlte PEW war überdies die fehlende Restmasse des ursprünglich 10.388 Kilometer großen Planeten – denn sogar wenn man einige Monde Jupiters oder Saturns als Zeutrestkörper einbezog, reichte die Gesamtmasse der Planetoiden und Asteroiden zwischen Mars und Jupiter nicht aus, eine Welt von der Größe und Masse Zeuts zu bilden!

Letztlich erzeugten die mit der Besiedlung Zeuts verbundenen Hyperstrahlungen also jene riesige »Paradox-Intelligenz«, welche die Lemurer ebenfalls Zeut nannten: Zeut war in der Tat eine Mega-Intelligenz von den Ausmaßen eines Planeten und von seinem Ursprung her engstens mit den Lemurern und ihrer Kultur verbunden, und mit dieser Mega-Intelligenz, dem »Blitzeschleuderer Zeus«, waren Eigenschaften und Fähigkeiten verknüpft gewesen, die die Haluter veranlaßten, zunächst Zeut und nicht Lemur selbst zum Ziel einer Hauptattacke zu machen.

Inwieweit es überdies Zeut gewesen war, der die Aufmerksamkeit von ES auf die Lemurer lenkte, mußte offen bleiben, besaß aber große Wahrscheinlichkeit. Denn daß die Lemurer zumindest zeitweise einen ähnlichen Status wie später die Terraner besaßen, war unbestritten. Spätestens mit der Erhöhung der Psikonstante durch DORIFER im Jahr -50.027 infolge des Eindringens der NARGA SANT von Tarkan in unser Universum brach der Kontakt aber offensichtlich ab.


4.

Und eine andere Passage der Aufzeichnungen: »...Ich denke«, sagte Selaron, »daß der ausgeglühte Zellaktivator Ausdruck der vielfältigen Manipulationen ist! Ihm haftet ein Negativer Aspekt an, der scheinbar jeder klaren Bestimmung widerspricht! Die Möglichkeit, daß es doch noch zur Schließung des Katalytischen Zyklus kommt, besteht weiterhin – es wäre vermutlich eine Katastrophe für alle Lebewesen unserer Art, wie sie nicht größer sein könnte!«

Die negative Strangeness! dachte ich. Obwohl die Strangeness eigentlich nur zwischen den Werten Null und Eins angesiedelt ist und hierbei die »Distanz« zwischen Universen umschreibt, wurden wiederholt Werte negativer Strangeness ermittelt – unter anderem bei dem ausgeglühten Zellaktivator! Es wurde zunächst als Effekt der Zeitversetzung gedeutet, später von Moira als Auswirkung der »anderen Möbius-Seite« des Universums, des sogenannten Arresums, dargestellt.

Daß der Wechsel zwischen Plus- und Minusseite, zwischen Arresum und Parresum, seither in erster Linie von den Wissenschaftlern mit negativer Strangeness verbunden wird – Meine Innere Stimme wurde lauter –, widerspricht nicht der Überlegung, daß solches auch ein Effekt sein könnte, der mit Reaktionen DORIFERS oder der Kosmonukleotiden insgesamt zu tun hat: In beiden Fällen sind damit Wechsel zwischen Wirklichkeitsebenen verbunden, die über den »einfachen Sprung« zwischen benachbarten Parallelwelten hinausgehen!

Das »Selaron-Fragment« erklärte das Entstehen der Sonnentransmitterverbindung zwischen Milchstraße und Andromeda beispielsweise durch das Schließen einer Zeitschleife! Auch die Rettung von ES durch die Nakken ist ein solcher Bogen durch die Zeit, gleiches gilt für Programmierung und Ausschaltung des arkonidischen Robotregenten: Nicht nur unsere Zeitversetzung und die Begegnung mit Epetran war ein solcher Zirkelschluß, kaum weniger wirkte mein Handeln vor kurzem auf Arkon III und die Erkenntnisse, die Joriega dadurch gewann.

Vor diesem Hintergrund, wisperte der Logiksektor, fragt sich, ob die Schließung des Katalytischen Zyklus tatsächlich etwas Negatives ist, wie Selaron vermutete, oder ob damit nicht vielmehr überhaupt die Welt, wie du sie kennst und erinnerst, entstand respektive entsteht oder entstehen wird – immerhin liegt deine Real-Gegenwart zur Zeit mehr als zehn Jahrtausende von der jetzigen Relativ-Gegenwart entfernt.

Es verknotet einem die Gehirnwindungen! Endgültige Klarheit gibt wohl nur das eigene Erleben! Denn irgendwann, Jahrtausende später, durchfuhr es mich, gelangte Ermigoa nach Peschnath. Dort begegnete ihr vor wenigen Jahrhunderten – von der jetzigen Relativ-Gegenwart aus betrachtet – der Tefroder Kalago ... Ein Vorfahre des heutigen Imperators, Reomir I., versuchte in der Eastside das Projekt Tiga Ranton umsetzen zu lassen, doch dieses endete in einer Katastrophe, aus der die Linguiden hervorgingen.

Ob Ermigoa und ihr Vater Erfolg im Kampf gegen die MdI gehabt hatten, ließ sich nicht sagen. Ausschließen wollte ich es insofern nicht, weil es sogar im Jahr 1290 NGZ weiterhin viele offene Fragen gab. Mit ihrem ganzen Rüstungspotential hatten die Meister jedenfalls nicht gegen uns gekämpft, und viele ihrer Aktionen wirkten – im Nachhinein betrachtet – sonderbar halbherzig, bei aller sonst an den Tag gelegten Brutalität.

Und von einem endgültigen Sieg kann ohnehin nicht gesprochen werden, wisperte der Extrasinn grämlich. Mehrmals hattest du es mit überlebenden Meistern oder ihren Duplos zu tun ...

Diesmal war ich es, der ein Wiederbeleben vergangener Zeiten unterdrückte. Das ist eine andere Geschichte, an die ich mich jetzt ganz bestimmt nicht erinnern möchte!

Unwillkürlich dachte ich aber an Ereignisse, die sich 1282 NGZ auf der Erde zutrugen und in einem zeitweisen Ausfall der Mondsyntronik NATHAN gipfelten. Auf Camelot erfuhren wir erst später davon, unter anderem durch eine direkt an den Ereignissen beteiligten Person: Der Agent des Terranischen Liga-Dienstes der Abteilung Medienüberwachung, Giuseppe »Giu« Fiorentini, erhielt von NATHAN die Auskunft, daß seine im Jahr 1262 NGZ »auf einen anderen Planeten ausgewanderte« Geliebte Rueta Notan mit ihrer 1260 NGZ geborenen Tochter Jessica mit großer Wahrscheinlichkeit nach Camelot gegangen sei. Fiorentini quittierte daraufhin Ende 1282 NGZ den TLD-Dienst und schaffte es, Anfang 1283 NGZ nach Camelot zu gelangen, wo er dann tatsächlich Rueta wiederfand.

Im Zuge der eingehenden Überprüfung seiner Person gab er einen ausführlichen Bericht ab, an dessen Ende zwar weiterhin etliche Fragen offen bleiben mußten, unter dem Strich jedoch ein Bild entstand, das in sich stimmig war.

*

Laut Fiorentini war Eversio Daruga, der reiche Besitzer der Tasei-Stadt Agati-Tas, maßgeblich in die Ereignisse von 1282 NGZ verwickelt, ein Mann, der »ganz verrückt auf Andromeda und die Meister der Insel« war und Relikte aus dieser Zeit sammelte.

Inwieweit ein nie aufgeklärter Einbruch ins Lemuria-Museum von Terrania im gleichen Jahr damit in Zusammenhang stand, mußte offen bleiben. Ermigoas Armreif jedenfalls war und blieb seither spurlos verschwunden! Vermutungen, daß es sich beim Auftraggeber der Einbrecher um Eversio Daruga gehandelt haben könnte, konnten leider nicht verifiziert werden, behielten aber ein hohes Maß an Wahrscheinlichkeit.

Daruga jedenfalls arbeitete mit einem Bionten namens Delgado Escapo zusammen, der offensichtlich in der Lage war, ein eigenständiges Universum zu betreten, über das er die absolute Herrschaft ausübte und in dem er uneingeschränkte Macht besaß!

Im Verlauf der Ereignisse manipulierte Escapo NATHAN; Fiorentini sagte uns wörtlich:

»Er hatte die Mondsyntronik irgendwie davon überzeugt, daß der Krieg mit den Meistern der Insel noch nicht beendet war. Er gab ihr falsche Dateien ein, zwang ihr eine parallele Wirklichkeit auf. Deshalb war NATHAN in einer Endlosschleife gefangen und führte nur noch Selbsttests durch. Das Mondgehirn mußte alle Aktivitäten unterbrechen, auch die Wetterkontrolle auf der Erde. NATHAN stellte immer mehr parallele Abweichungen zur eigentlich gesichert gedachten Vergangenheit fest, die in den Speichern völlig gleichberechtigt neben den bekannten Daten standen. Zeitweise waren es mehr als 640 solcher Dateien!«

Weil durch die Manipulationen von Universen die Gefahr bestand, daß das Kosmunukleotid DORIFER reagieren könnte, trat mit Forch ein »Statistiker des Universums« auf den Plan, dem es offensichtlich gelang, den Manipulationen ein Ende zu setzen – hierbei starben Eversio Daruga und Delgado Escapo.

»In NATHANS Speichern befanden sich im Anschluß daran keine Dateien mehr aus einer parallelen Realität«, berichtete Fiorentini. »Allerdings korrigierte NATHAN sich dann und sagte, es existiere doch eine. Sie beeinträchtige aber seine Funktionen nicht ...«

*

Bei dieser einen Datei handelte es sich ausgerechnet um jene, die dem Inhalt des »Selaron-Fragments« entspricht! dachte ich.

Die gleichberechtigte Existenz der Datei mit der Kodebezeichnung TBMV-288-3811851-36-5, Titel »Schmied der Unsterblichkeit«, neben der der »offiziellen Geschichtsschreibung« konnte sich die Mondsyntronik nicht erklären; sie waren beide ganz einfach vorhanden, auch wenn sie einander und vor allem den als »gesichert« angesehenen Erkenntnissen über die Entstehung der Meister der Insel widersprachen ...

Genau betrachtet war die Existenz dieser Datei gar nicht so merkwürdig – ging sie doch vermutlich auf Ermigoas Armreif zurück und besaß somit eine eigenständige und durchaus berechtigte Realität, die weniger mit Escapos Manipulationen zu tun hatte. Sie entsprach vielmehr dem realen Zeitablauf, obwohl sie im Widerspruch zu den »Zusatzdaten« stand, die wir zur Zeit der ES-Verwirrung gewonnen hatten.

Mehr noch: Daß sie weiterhin in NATHAN existierte, war sogar ein sehr eindeutiges Indiz dafür, daß es sich bei den parallel dazu existierenden Informationen um parareal-»unwirkliche« Schattenbilder jener Welt handelte, die im Verlauf der ES-Verwirrung – letztlich wohl von DORIFER – manifestiert wurden!

Der Moralische Kode
, wisperte der Logiksektor, enthält in seinen Psionischen Informationsquanten und Kosmonukleotiden sämtliche Aspekte der möglichen Entwicklung aller Universen, mögen sie als einander parallel, vergangen oder zukünftig erscheinen! Aufs ganze bezogen ist die Realität der Universen, der parallelen Zeitabläufe oder wie immer du es im Einzelnen nennen willst, einander gleichberechtigt!

Es war eine fast atemberaubende Erkenntnis für mich. Und wenn die Kosmonukleotide hierbei quasi als Schnittstellen fungieren, kann es zu Überlappungen, Verschmierungen und dergleichen kommen, einer n-dimensionalen Unschärfe! Genau das scheint hinsichtlich der Meister der Insel und ihrer wahren Herkunft zuzutreffen! Je nachdem, von welchem Standpunkt aus ein Beobachter sie und ihre Entwicklung betrachtet, erscheint ein verändertes Bild – genau wie die Meßmethode bestimmt, ob ein Quant als Teilchen oder Welle beobachtet wird!

Der Logiksektor sagte: Denk an die Mythen: Dieses Wissen ist im Grunde doch weit verbreitet! Die buddhistische Allegorie von Indras Netz spricht von einem endlosen Netz von Fäden, wobei die waagerechten durch den Raum und die senkrechten durch die Zeit verlaufen. An jedem Kreuzungspunkt ist ein Individuum in Gestalt einer Kristallperle zu finden. Das große Licht des Absoluten Seins erleuchtet und durchdringt jede Perle; darüber hinaus spiegelt jede Perle nicht nur das Licht einer jeden anderen im Netz, sondern auch jede Spiegelung jeder Spiegelung, womit die vollkommene Verbundenheit von allem mit allem symbolisiert wird ... Meiner Meinung nach umschreibt diese Allegorie das, was die Kosmonukleotide tatsächlich darstellen, besser als es Wissenschaftler je könnten: Auch sie sind solche Perlen und ihre quasi unendlichen Spiegelungen ... Oder wie es der Kelosker Dobrak einmal formulierte: Alle Universen sind nichts anderes als funktionierende und in sich geschlossene Illusionen! Und deren Ursprung bezeichnete er als die Große Realität!

Ein hyperphysikalischer Tunneleffekt – genau wie Kalup vermutete? Das Überspringen von Informationen vom Ganzen auf die integrierten Einzelteile? Unwillkürlich dachte ich auch an eine Datensammlung, die in meiner Real-Gegenwart unter den Wissenschaftlern für einige Aufmerksamkeit sorgte. Sie wurde Professor Geoffry Abel Waringer – als Eremit von Satrang 1143 NGZ verstorben – zugeschrieben und galt als sein Vermächtnis, umschrieben als »waringer-file«.

Darin hieß es wörtlich: ...Was mit den fünf Sinnen eines Individuums als Wirklichkeit erfahren wird, ist letztlich die Vergegenständlichung der ursprünglichen Erfahrung des Bewußtseins, die sich im niederdimensionalen System der Welt manifestiert. Alles körperlich-materiell Verwirklichte kann deshalb als Ausdehnung von Bewußtsein gekennzeichnet werden, wobei die individuellen Körper dessen Projektionen sind. Die subjektive Realität eines einzigen Wesens, für sich allein genommen, reicht deshalb aus, ein Universum für sich zu formen...

Je länger ich nachdachte, desto mehr Verbindungen und Verknüpfungen ergaben sich; es war kaum möglich, sie hier und jetzt allesamt zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzusetzen. Dinge, die mit den Meistern der Inseln, den Lemurern, aber auch mit vielen anderen Erlebnissen in Zusammenhang standen und Teil meiner Erinnerungen waren. Ob ES und ANTI-ES, DORIFER und Kosmonukleotide, die Bezüge zum von Regnal-Orton angestrebten Ziel vor 1,2 Millionen Jahren. Suprahet, Oldtimer-Petronier-Barkoniden, ihre Fallensysteme, MIRACLE, die Angriffe der Horden von Garbesch in Seth-Apophis’ Auftrag, Hinterlassenschaften des Großen Galaktischen Kriegs ...

Das alles aufzuarbeiten und in korrekte Bezüge zu bringen würde Jahre beanspruchen
, durchfuhr es mich. Ganz abgesehen davon, daß noch viele Puzzleteile zur Vervollständigung fehlen. Ich bin mir sicher, daß Selaron Merota ein wichtiger Schnittpunkt in dem Ganzen ist, nicht nur, was die Zeitstation auf Traversan betrifft. Immerhin besaß er direkten Kontakt zu ES! Könnte es sein, daß dieser bemerkenswerte Mann immer noch lebt? Vielleicht sogar in meiner Real-Gegenwart? Seine Tochter Ermigoa scheint jedenfalls – sofern sie keine weiteren Zeitreisen unternahm – an die 50.000 Jahre alt geworden zu sein! Man sollte sich mal intensiver um die Meister der Insel und vor allem Selaron Merota kümmern; mit ihnen sind ohne Zweifel noch viele weitere Rätsel der Vergangenheit verbunden! Tatsache jedenfalls ist, daß alles, was mit den MdI zusammenhängt, viel komplexer ist, als es auf den ersten Blick erscheint – und bei weitem nicht abgeschlossen dürfte!

Jetzt hast du einen weiteren Beweis erhalten
, Arkonide! Der Extrasinn kommentierte meine Überlegungen und Erinnerungen. Selaron und Ermigoa waren in der Zeitstation und sorgten für ihre Desaktivierung; es gab die beiden wirklich – zumindest in einer der vielen Realitätsebenen! Leider berücksichtigten sie nicht, daß irgendwann die Energieversorgung der Speicher sich erschöpfen und die Labilzonen-Entrückung enden würde. Die Zeitstation materialisierte auf Traversan ...

»Und der Rest ist bekannt!« Ich seufzte abgrundtief und schüttelte das Erstaunen ab. Der von ihnen an der A-Kuppel angebrachte Text besaß einen viel tieferen Sinn, als es auf den ersten Blick wirken mochte:

Mach die Zeit zu deinem Freund, und es besteht Hoffnung!

*

Ich wandte mich abschließend an die Steuerpositronik, nachdem ich eine Kristallspeicherkopie der Aufzeichnungsdateien erstellt hatte: »Grundsätzlich bist du dir deiner vollen Funktionsbereitschaft sicher, Gehirn?«

»Soweit es meine Programmstrukturen und die Datenarchive betrifft, ja. Hinsichtlich der Zeitstation insgesamt kann nur ein mindestens zehnstündiger Selbsttest darüber eindeutig Auskunft liefern – sofern du es mir ermöglichst, Maghan, Zugriff auf die übrigen Aggregate zu erlangen.«

Ich sah auf die Uhr; draußen mußte die Sonne längst untergegangen sein. Also ein weiterer Tag Aufschub bis zur Trennung ... Nachdenklich wog ich den Speicherkristall in der Hand. Es fragt sich, ob ich in der Real-Gegenwart des Jahres 1290 NGZ davon berichte oder nicht ... – viele würde es vermutlich ohnehin nur verwirren! Atlan, schon im Kristallimperium eine persona non grata, wirft die Geschichte der MdI über den Haufen! Die Larsaf-Barbaren hatten schon immer den Hang, eher den Überbringer von – meist schlechten – Nachrichten ins Jenseits zu befördern, als etwas an der Situation zu ändern ...

Konservative Historiker werden Zeter und Mordio brüllen, Beuteterraner! Zum Glück ist Steinigen etwas aus der Mode gekommen.

Ich seufzte und verstaute den Kristall in der Brusttasche.


EPILOG
Atlan drängte mit Mühe den Schwall der Bilder und Geräusche zurück, bevor er zu tief in ihnen versank und doch noch dem Sprechzwang erlag. An das, was den Ereignissen in der Zeitstation folgte, wollte er sich jetzt absolut nicht erinnern. Boncards Musik war längst verklungen, Stille lastete bedrückend auf dem Raum. Ein Seufzen entrann Atlans Brust.

Mit einem Ruck stand er auf, ergriff den Speicherkristall und deponierte ihn im Wandtresor.

»Es heißt, die Zeit heile alle Wunden«, flüsterte der Arkonide im kaum verständlichen Selbstgespräch. »Wer diese Behauptung aufstellte, besaß kein photographisches Gedächtnis, verflucht! Dennoch, alter Mann, konzentriere dich auf die Gegenwart – hier und jetzt ist nicht der Augenblick zu entscheiden, ob die Rätsel der Vergangenheit besser ruhen sollten oder nicht.«

Er schloß die Tresortür mit einem Ruck, zog sich nach einer Dusche um und verließ die Suite. Als Atlan die Zentrale der RICO betrat, war ihm nichts anzumerken; ein Pragmatiker wie er hatte in seinem langen Leben gelernt – lernen müssen! –, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Und das ist die Gegenwart das Jahres 1290 NGZ mit all ihren Problemen und Schwierigkeiten! Der Logiksektor wisperte eindringlich. Du hast damit genügend zu tun, da bedarf es keiner Gespenster aus ferner Vergangenheit oder pararealen Welten, mein Lieber!

ENDE

© Rainer Castor, 1998/99


Irgendwie passend, dass die Story gleich auf zwei Postings verteilt werden musste. Bei Rainer waren die Dinge nie so "einfach", wie sie sich zuerst vielleicht darstellten.

Heidrun Scheer und Inge Mahn haben mal die Beobachtung geäußert, dass die jeweiligen Titel der letzten Romane der Autoren oft "sprechende" Aussagen waren. Und so "abgedroschen" der Titel dieses Textes auch sein mag, reiht er sich in dieser Beziehung vielleicht besser ein als der Titel seines letzten Romans, PR 2817.

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon dandelion » 28. September 2015, 11:34

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dandelion
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Heiko Langhans hat geschrieben:Der Roman ist seinerzeit gekürzt worden; der entsprechende Abschnitt ist in der obigen Handlungszusammenfassung kursiv dargestellt. Die gekürzte Passage erschien dann - als "Exklusiv-Story" ...


Diese "Exklusiv-Story" ist ja fast ein Roman für sich. War denn für Traversan 12 ursprünglich ein erweiterter Umfang vorgesehen?

Re: Klassiker: Traversan

Beitragvon AARN MUNRO » 28. September 2015, 11:46

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Danke für den "Nachdruck" dieser Ergänzungsstory, Heiko, insbesondere gerade jetzt...ich schätze jetzt Rainers Bände doppelt so hoch ein... :(
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