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Re: Meine Geschichten

Beitragvon Alexandra » 29. Juni 2015, 22:53

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Alexandra
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Das Bösartige liegt dir recht gut. :st:
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Re: Meine Geschichten

Beitragvon HOT » 30. Juni 2015, 18:11

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HOT
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Da fällt mir ein weitergehender Schluss dazu ein:

"Achtung! Achtung! Hier spricht die Polizei! Gesucht werden Zeugen, die eventuell eine verdächtige Person vor ein paar Wochen hier im Ort gesehen haben! Es handelt sich um den Bankräuber ...", quakte die Lautsprecherstimme eines Polizeiwagens bis in Margarethes Wohnzimmer hinein.

"Au waia!", dachte Margarethe und sah von ihrem PC hoch. Ihr wurde ganz plümerant zu Mute...

Re: Meine Geschichten

Beitragvon GruftiHH » 1. Juli 2015, 07:39

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GruftiHH
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Das ist auch eine gute Idee für ein Ende. Noch einmal so ein Turnaround. :st:
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

Re: Meine Geschichten

Beitragvon GruftiHH » 6. Juli 2015, 08:39

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GruftiHH
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Hier mein Beitrag zu einem Schreibwettbewerb des Michael Müller Verlages aus dem Jahr 2006. Thema war Glück.

Wieder preislos. :(

KEIN SF

Roberts' Reise ins Glück

Spoiler:
Robert freute sich schon sehr lange auf diese Reise. Auch wenn er es nicht so zeigen konnte, wusste er genau Bescheid: Seine Eltern würden morgen mit ihm nach Amerika fliegen.
Der Siebenjährige hatte bis jetzt noch nie ein Flugzeug von nahem gesehen, geschweige denn bestiegen. Nur hoch am Himmel, ganz winzig, hatte er sie schon glänzen gesehen und ihre Kondensstreifen so lange beobachtet, bis sie verweht waren.
Manchmal las seine Mutter ihm eine Geschichte vor; am liebsten hatte er die, die vom Flughafen handelte. Er träumte davon, genau wie ein Vogel oder ein Flugzeug in den Himmel zu steigen und dort einfach die Freiheit zu genießen.
Robert lebte in seiner eigenen Welt. Eine Welt, die nur er betreten, und wenn er es ganz fest wollte, auch verlassen konnte. Aber diese Augenblicke waren selten. Warum auch. Hier war er König. Hier konnte ihm keiner Vorschriften machen. Er hatte die Kontrolle. Da draußen hatte er sie nicht.
Zu erst hielten ihn seine Eltern einfach nur für verschlossen, und so mancher Arzt hatte gemeint, „dass es sich schon geben würde“. Hatte es aber nicht. Robert blieb in sich gekehrt und still.
Robert war Autist.
Keiner konnte mit ihm in Kontakt treten. Niemand ihn aus seiner Welt ziehen. Aber manchmal, wenn Robert es wollte, ließ er etwas von sich in die reale Welt hinein.
Das sollte sich aber jetzt mit der Reise ändern.
*
Der nächste Morgen war spannend, und Robert ertappte sich dabei, die reale Welt an sich heran zu lassen. Die Taxifahrt, der Flugplatz mit den vielen Flugzeugen und schließlich der Pilot, der sie aufs herzlichste an Bord begrüßte.
Er durfte ausnahmsweise ins Cockpit und auf dem Schoß des Mannes das ganze Flugzeug alleine steuern.
Robert genoss die vielen neuen Eindrücke - genauso wie die Wellen jetzt. Er schwamm mit Jim in einer Lagune. Jim war nett und half ihm im Wasser. Mal verschwand er, tauchte vor Robert wieder aus den Fluten; zeigte ihm, wie herrlich die reale Welt sein konnte. Das Glitzern der Wassertropfen, die vom Körper des Delphins wieder ins Meer glitten und dabei die Sonnenstrahlen brachen, war unbeschreiblich. Den Schatten des Meeressäugers vor der Sonne, wenn er sprang, würde Robert nie vergessen. Einfach wunderschön.
Jim war unermüdlich, nichts konnte ihn aus der Ruhe bringen.
Robert hielt sich an der Rückenflosse fest und der Delphin durchpflügte mit dem Jungen die Wellen. Schneller und immer schneller wurden die beiden – aber nie übermütig. Im Meer hatte der Delphin die Kontrolle übernommen und Robert überließ sie im gerne. Jetzt lernte der Junge wieder, was Vertrauen bedeutet. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, und die anderer – zum Beispiel seiner Eltern, die am Ufer standen und das Geschehen aufmerksam verfolgten.
Zum ersten Mal seit langer Zeit hörten seine Eltern den Jungen wieder lachen. Es war ein unbeschreiblich kindlicher, fröhlicher Laut, der da vom Meer hinüberschallte.
Robert war einfach nur glücklich.
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

Re: Meine Geschichten

Beitragvon Alexandra » 28. Juli 2015, 16:46

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Alexandra
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Ich finde es schwer, die Delphingeschichte zu kommentieren. Sie kommt mir ein bisschen wie ein Exposé zu einer Geschichte vor.
Wann kommt die nächste?
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Re: Meine Geschichten

Beitragvon GruftiHH » 31. Juli 2015, 07:53

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GruftiHH
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Liebe Alexandra,

im Augenblick arbeite ich einen Fan-Roman aus, den ich hier dann natürlich Kapitelweise reinstelle. Ihr dürft gespannt sein. ^_^
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

Re: Meine Geschichten

Beitragvon GruftiHH » 15. August 2015, 09:32

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GruftiHH
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Es gab mal eine Phase, da habe ich auch Gedichte geschrieben. Diese Phase ist mir wieder eingefallen und ich habe mich diese Woche abends hingesetzt und folgende Zeilen zu Papier gebracht:

Meine Havel

Dein Wasser glitzert wie ein Diamant.
Bäume spenden Ruh' am Uferrand.
Über mir die Vögel zieh'n,
Man selbst dem Alltag kann entflieh'n.
Das Wasser sanft beginnt zu schäumen,
Versinkt man bald in seinen Träumen.
Aus den Fluten steigen auf die Märchenwelten,
Wo nur des Träumers Regeln gelten.
Man läßt sich treiben mit all' seinen Sinnen,
Und kann Deinem Charme doch nicht entrinnen.
Selbst wenn man wollte, man könnt sich nicht befreih'n.
Wirst immer die Zuflucht der Träumer sein.

Ist mal eine ganz andere Richtung, aber vielleicht gefällt es Euch ja.

So jetzt für HOT das Expose schreiben und abschicken und dann ran an den Speck.......
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

Re: Meine Geschichten

Beitragvon Alexandra » 15. August 2015, 09:40

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Schöne Havel.
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Re: Meine Geschichten

Beitragvon Alexandra » 22. August 2015, 22:24

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Alexandra
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Schreib mal was in Dialekt.
Ich möchte wissen, ob ich das verstehe und wie das klingt.
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Re: Meine Geschichten

Beitragvon GruftiHH » 24. August 2015, 11:32

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GruftiHH
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Jetzt hast Du mich aber, Alexandra.... ich spreche nur Hochdeutsch mit etwas Platt - kein Brandenburgisch. ;)
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

Re: Meine Geschichten

Beitragvon Alexandra » 24. August 2015, 11:35

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Alexandra
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GruftiHH hat geschrieben:Hochdeutsch mit etwas Platt

Past doch, sonst versteht eh keiner was.
Gibt es keinen Extraterrestrier, der versucht, mit so was klarzukommen? Einen vegessenen Siedlerplaneten, so wie bei den Amish, oder so was?
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Re: Meine Geschichten

Beitragvon GruftiHH » 24. August 2015, 15:24

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GruftiHH
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Oha. es juckt in den Fingern.....
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

Re: Meine Geschichten

Beitragvon Matthias Rose » 25. August 2015, 15:16

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Aber ganz ohne flax die Mennoniten in den USA sprechen einen deutschen Dialekt den diese dort als "Deitsch" anpreisen. Ist eine Mischung aus Hessisch, Pfälzisch, Bayrisch und BW. Sehr lustig anzuhören, aber richtig klasse wenn man dahin kommt und sich gleich wie zuhause fühlt :D

Wohl ähnlich dem "Plautdietsch" https://de.wikipedia.org/wiki/Plautdietsch

Hier auch ein kleiner Bericht zur deutschen Sprache in den USA: http://www.welt.de/kultur/article128012906/Wo-sie-in-Amerika-noch-Deutsch-sprechen.html
Es ist nicht möglich die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen!

Re: Meine Geschichten

Beitragvon GruftiHH » 29. August 2015, 11:36

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GruftiHH
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So eine ganz andere Richtung. Eine Fabel:

Inuk und der Seehund

Spoiler:
Heute war der Tag wo Inuk zum ersten Mal alleine auf die Jagd gehen sollte.
Inuk war ein kleiner Junge, der in Alaska, dem im Norden von Amerika gelegenen Land, in einem kleinen Dorf lebte.
So bestieg der Eskimo-Junge also sein Kajak und fuhr los während sich das ganze Dorf am Ufer versammelte und ihm zu winkte.
Inuk hatte Angst, aber er versuchte sie zu verbergen, da ein großer Junge schließlich keine Angst haben durfte.
Er tauchte das Paddel tief in das dunkelblaue Wasser des Alaska-Golfes.
Sein Blick streifte die mit Schnee und Eis bedeckten Klippen, die wie ein Kuchen mit Puderzucker aussahen. Über ihm zog ein Seeadler, das Wappentier der Vereinigten Staaten von Amerika, seine Kreise. Es war ein sehr ruhiger Augenblick, und eine große Stille umgab den Jungen.
Inuk wurde innerlich ruhiger. Außer dem Eintauchen des Paddels ins Wasser war nichts zu hören. Alles war friedlich und wunderschön.
Er kam an eine Stelle, wo die Felsen ein kleines Tal freigaben, dessen Ufer gut zugänglich war.
Inuk beschloss eine kurze Rast einzulegen, um eine Kleinigkeit zu essen, und legte am Ufer an.
Gerade als er anfing, über einem kleinen Feuer ein wenig Fisch zu braten, trottete eine Herde Rentiere aus ihrem Versteck, um etwas in der Sonne zu grasen. Die Rentiere waren sehr zutraulich und ließen sich durch Inuk nicht stören.
Während er aß, schaute der Junge die schönen Tiere an, deren Männchen zum Teil riesige Geweihe hatten. Stolz trugen sie diese zur Schau.
Aber Karibus wollte Inuk nicht fangen und er beschloss, weiterzufahren. Er wollte einen Seehund jagen!
Inuk löschte das Feuer mit etwas Meerwasser, verstaute seine Sachen und bestieg das Kanu. Als er lospaddelte, hoben die Rentiere ihre Köpfe und sahen ihm nach, bis das Kanu um eine Klippe bog und ihrem Blick entschwand.
Wieder erfüllte Glück das Herz des Jungen. Er war froh, hier leben zu dürfen. Inuk kannte ja auch nichts anderes, aber er würde diesen Ort bestimmt nicht tauschen wollen.
Inuk war in seine Gedanken versunken, als sich vor seinem Kanu das Wasser zu wellen begann.
Erschrocken sah er den Kopf eines Seehundes aus dem Meer auftauchen. Beide schauten sich direkt in die Augen.
Inuk war ganz aufgeregt. Er suchte nach der Harpune, und dabei schaukelte das Kanu so sehr, dass es beinahe umgekippt wäre.
Als er endlich die Waffe gefunden hatte, war der Seehund jedoch schon wieder untergetaucht.
Inuk suchte die Umgebung des Bootes ab, konnte das Tier aber nicht entdecken.
"So eine Gemeinheit. Nun habe ich schon einmal einen Seehund vor Augen und jetzt versteckt er sich." rief Inuk aus. "Das ist nicht fair! Wo bist du? Zeige dich!"
Das Schreien schien den Seehund angelockt zu haben, denn kaum hatte Inuk den letzten Satz gesagt, als sich wieder der Kopf zeigte.
Inuk war darauf vorbereitet. Er warf die Harpune in Richtung des Seehundes: nur, der war schneller und unter dem Kanu verschwunden.
Inuk versuchte, die Harpune wieder in das Boot zu ziehen, musste aber aufgeben, da sich dessen Seil unterhalb des Kanus verheddert hatte. In Wirklichkeit hatte der Seehund das Seil genommen und um das eine Ende des Kanus gebunden. So konnte der Eskimo-Junge kein Unheil anrichten.
Wütend zerrte Inuk an dem Seil. Da tauchte der Seehund schon wieder auf.
"Hallo mein junger Freund", sagte er. "Du wolltest mich töten, obwohl deine Familie genug zu Essen hat?"
Inuk blickte den Seehund verwundert an. " Ja, das stimmt. Aber ich bin ein großer Junge und will später Jäger werden. Somit muss ich auf dieser Jagd erfolgreich sein und ein erlegtes Tier mitbringen."
Der Seehund kam weiter aus dem Wasser heraus und legte seinen Oberkörper an den Rand des Kanus. Seine Flossen ragten in das Bootsinnere.
"Ich vergaß mich vorzustellen. Ich bin Lennart, ein Seehund." sagte das Tier und machte höflich eine Verbeugung.
" Ich heiße Inuk", sagte der Eskimo. "Ich werde jetzt dort an das Ufer fahren und mein Nachtlager aufschlagen. Du kannst ja mitkommen, wenn du magst."
Noch als er das sagte, schwang der Junge das Paddel und bewegte sich dem Ufer entgegen.
Lennart folgte ihm und watschelte sogar ans Ufer, nachdem Inuk das Kanu an Land gezogen hatte.
Der Junge machte ein kleines Feuer an und baute sein Zelt auf.
Lennart watschelte auf die Felsen, die sanft von dem Meer umspült wurden und sah Inuk interessiert zu.
„Was Menschen alles machen, um nicht zu frieren. Ich habe meine dicke Fettschicht, die mich schützt.“, dachte er und schüttelte den Kopf.
Inuk briet sich einen Fisch am Feuer und hielt seinem neuen Freund auch einen hin, doch Lennart schüttelte den Kopf.
„Nein Danke. Ich fresse lieber rohe Fische, die ich selber gefangen habe.“ sprach’s und verschwand in den dunkelblauen Tiefen des Meeres.
Inuk konnte den Seehund nicht mehr entdecken und so aß er weiter seinen Fisch und blickte in die sternenklare Nacht. Es war wunderschön, die Sterne zu sehen. Sein Blick wanderte weiter und traf auf den runden, satten Mond, der ihn anlächelte – so schien es jedenfalls. Der Mond hat ja kein Gesicht, oder?
„Was Mammi und Papi wohl jetzt machen?“ murmelte Inuk vor sich hin. Er war noch nie alleine von zu Hause weg und schon gar nicht über Nacht. Doch ein großer Junge hat keine Angst.
Da plätscherte es neben ihm und Lennart’s Kopf tauchte aus den Fluten auf.
Der Seehund strahlte über das ganze Gesicht und hielt in seinem Maul einen dicken, großen Fisch.
Er schleuderte ihn auf den Boden und setzte sich neben Inuk.
„Es ist schön hier draußen, nicht wahr?“ fragte der Seehund nachdem er gegessen hatte.
„Ja. Aber auch einsam. Ich hatte Angst, so allein.“
Lennart sah seinen neuen Freund an und meinte ernst: „Jetzt bist du ja nicht mehr alleine. Ich bin bei dir.“
„Das stimmt. Es ist schön, einen Freund zu haben, mit dem
dem man spielen, über alles reden und lachen kann. Inuk blinzelte und Lennart bemerkte, dass seine Augen langsam aber sicher zufielen.
Der Seehund kam auf Inuk zu und tätschelte mit seiner Flosse den Rücken des Jungen.
„Komm, es ist schon spät. Du musst jetzt schlafen.“
Nur mit guten Worten ließ sich Inuk überreden, da war er wie alle Kinder auf der Welt, und legte sich in sein Zelt.
Zuerst konnte er nicht einschlafen, so viel hatte er schon erlebt. Aber nach einiger Zeit schlief er dann doch ein.
Zu erst hielt Lennart noch vor dem Zelt Wache, und als er merkte, dass das Menschenkind Frieden finden würde, glitt er in die tiefen des Meeres zurück.

Am nächsten Morgen war Inuk enttäuscht, dass Lennart nicht mehr da war, aber er wusste, dass er von da an keine Robben mehr jagen würde……….
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

Re: Meine Geschichten

Beitragvon Alexandra » 29. August 2015, 17:37

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Alexandra
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Je mehr du Beobachtungen reinbringst, desto besser werden deine Geschichten.

Der Schlussatz fällt, finde ich, ein bisschen ab, aber ansonsten bewegen sich die beiden sicher und sinnvoll im ewigen Eis.
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Re: Meine Geschichten

Beitragvon GruftiHH » 30. August 2015, 10:14

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GruftiHH
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Hier eine Kurzgeschichte, die ich gestern fertig gestellt habe.

Achtung: Ich spiele etwas mit den Klischees.

Die WG

Spoiler:
Das Gespräch mit Eva-Maria war sehr gut gelaufen, besser als Götz es sich vorgestellt hatte.
Er schmunzelte, als er daran zurück dachte, wie Eva-Maria das Restaurant „El Ambiente“ betreten hatte. Sie war wie verwandelt, genau der Umgebung angemessen. Ihr schwarzes Kleid bedeckte ihren gut gebauten Körper – und zum Glück das Tatoo auf dem Po. Im Nachhinein war es gemein von Götz gewesen ausgerechnet dieses Nobelrestaurant auszuwählen. Er wollte eigentlich nur ein schönen Ausklang ihrer Beziehung finden. Es war für ihn klar, daß er dem Ruf der Oma folgen würde – wie so oft in seinem Leben, ohne eigenen Willen.
Eva-Maria fühlte sich auch sichtlich unwohl, spielte aber mit Bravour die Dame von Welt.
Der Ober hatte beinahe den Champagner verschüttet, als er das Piercing in der Zunge bemerkte. Er blickte Götz mit einem mitleidigen Lächeln an und ging.
Götz hatte es nicht über das Herz gebracht, mit Eva-Maria Schluß zu machen, denn Amors Pfeil hatte ihn von neuem getroffen. Dieser Fremdkörper in der Umgebung, der nun ihm gegenüber saß und verzweifelt den Hummer versuchte zu essen, dieser Fremdkörper war für ihn das Einzige im Leben, was zählte.
Er würde sie niemals verlassen. Möge doch die Oma und die ganze Sippe im Erdboden verschwinden.

*

„Das ist jetzt vier Jahre her, Mutter und Eva-Maria ist immer noch mit mir zusammen. Ja, sie ist jetzt meine Frau!“ sagte Götz und kniete sich mit der Harke hin. Vorsichtig zupfte er das Unkraut aus dem Blumenbeet.
Eine Träne lief aus dem Auge, suchte den Weg an der Wange vorbei und viel klatschend hinab, dem Stiel der Harke entlang.
„Du bist immer gegen Eva-Maria gewesen. Aber du hast sie immer unterschätzt. Sie hat sich rührend um Oma gekümmert, als der erste Schock bei deiner Mutter überwunden war. Und sie tut es noch immer – irgendwie bleibt es wohl nicht aus, wenn man Krankenschwester war, daß man sich später immer noch mit den Menschen in seiner Umgebung verbunden fühlt.“
Die letzten Worte murmelte er nur und grub nun mit den Fingern weiter in der Erde herum. Seine Augen glänzten feucht und waren eigentlich nicht in dieser Welt, sondern in einer eigenen persönlichen „Götz-Welt“. Hier hatte nur er Zutritt.
„Mutter, ich habe dich immer geliebt, egal wie gemein du warst. Du hast gesehen, wie Oma aufblühte, nachdem Eva-Maria, Blacky und ich auf den Hof gezogen sind..... nah, ja wir hatten auch noch andere mitgebracht.

*

Peter und Klaus-Bärbel wußten gar nicht wie ihnen geschah, als Eva-Maria eines Tages vor ihnen gestanden hatte und meinte „sie können in eine phantastische WG ziehen“. Auf einem Bauernhof etwas außerhalb der Stadt, aber sehr schön und ruhig.
Blacky war sofort einverstanden und wedelte aufgeregt mit dem Schwanz auf und ab.
Die beiden Männer gaben sich vor lauter Freude einen Bussy und Götz sah betreten weg. Daran mußte er sich erst gewöhnen, aber Oma auch.
Es war schon ein seltsamer Konvoi, der da durch Osterhorn fuhr: Ein Motorrad mit Beiwagen vorweg mit Sven und Blacky (Nur um Mißverständnisse gleich im Vorwege auszuräumen: Sven fuhr, Blacky war nur Beifahrerin).
Blacky liebte den Beiwagen und ihre Ohren schlackerten im Wind und die Zunge hing ganz weit aus dem Rachen heraus. Es sah faßt so aus, als ob sie lächelte.
Dahinter kam der Möbelwagen mit Götz am Steuer, danach Eva-Maria mit dem Cabrio und der pink farbende Fiat Punto von Peter und Klaus-Bärbel, den sie zärtlich „Ihren Pink Cadillac“ nannten.
Götzs Mutter stand mit der Oma auf der Veranda des Hauses. Natürlich stand nur die Mutter, Oma saß ja nach ihrem Krankenhausaufenthalt im Rollstuhl.
Also das Empfangskomitee war da, und der Konvoi kam heran.
Götz erblickte die vor entsetzen geweiteten Augen seiner Mutter und sah kurz darauf nur noch ihre Beine hinter dem Rollstuhl hervorragen.
Götz hielt den Wagen an und wollte zu seiner Mutter rennen, als Peter und Klaus-Bärbel schon an ihm vorbei haßteten und meinten: „Oh je, Oh je, meine Liebe. Haben sie sich etwas getan?“
Die Mutter blickte nur kurz auf und viel sofort wieder in Ohnmacht.
Während Sven und Peter die Frau in das Wohnzimmer brachten und von Klaus-Bärbel wie eine Motte umschwärmt wurden erblickte Götz das lächelnde Gesicht seiner Großmutter.
„Endlich wieder Leben in dieser Bude, mein Junge!“
Klaus-Bärbel suchte verzweifelt im Haus nach Riechsalz oder so und kam ganz verzweifelt an.
„Meine Liebe. Haben sie Riechsalz im Hause?“ fragte er und machte höflich wie er nun mal war einen Knicks.
Die Großmutter sah ihren Enkel etwas verwundert an, und Götz meinte die Frage in ihrem Blick zu sehen: „Ist das ein Mann oder eine Frau?“.
Würdevoll wandt sich Oma ihrem neuen Untermieter zu und meine: „Natürlich, Kindchen. Im Wohnzimmer, neben dem Kamin.“
Klaus-Bärbel strahlte über das ganze Gesicht als er im Vorübergehen Götz anknufte und raunte: „Sie mag‘ mich. Goldig! Hi, Hi, Hi!“
Ehe Götz etwas erwidern konnte, war sein WG-Genosse schon wieder im Haus verschwunden.
„Guten Tag. Ich bin Eva-Maria.“ stellte sich seine Freundin vor und gab Oma zaghaft die Hand. Diese drückte aber fester zu und meine: „So zerbrechlich bin ich noch nicht.“ Und zu Götz gewandt: „Komm, Jungchen. Ich will ins Haus bevor die „Frauen“ das Zepter ganz in die Hand nehmen und nur Unordnung machen.“
Götz schüttelte den Kopf und wußte nicht mit der Veränderung seiner Großmutter umzugehen. Wo waren ihre alten Gewohnheiten, dieses Spießige. Er entschloß sich, sie beim Kaminfeuer zu fragen, wenn sich alle eingerichtet hatten und Ruhe eingekehrt war.

*

Die Hand umklammerte nun den Grabstein und ein weiterer Tropfen benetzte das Granit.
„Nun bist du nicht mehr bei uns, Mutter. Du hast nicht mal bemerkt, wie Oma glücklich und zufrieden wurde. Du hattest nur deine Wut im Bauch und wolltest uns alle raus ekeln. Das hast du jedoch nicht geschafft.“
Götz stand auf und blieb noch eine Weile im Gebet vertieft stehen, drehte sich dann um und ging auf die kleine Gruppe am Ende des Weges zu. Wie so oft in den vergangenen fünf Monaten nach Mutters Tod.
Die Sonne strahlte vom Himmel und ein Schein viel auf die Nase von der Oma und wurde zurückgeworfen – es war ein Stein im Nasenflügel der Großmutter............
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

Re: Meine Geschichten

Beitragvon HOT » 30. August 2015, 18:41

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HOT
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GruftiHH hat geschrieben:Achtung: Ich spiele etwas mit den Klischees.


Amüsant...

Tatsächlich ist die lockere Oma meiner persönlichen Erfahrung nach ein absolutes Klischee. Ich hatte irgendwoher auch mal diese Vorstellung, aber leider hegen die alten Damen, die ich kenne, besonders altbackene, verkrustete Vorstellungen und leben Charaktermerkmale, die man überwunden glaubte, auf eine sehr starre Weise aus.

Re: Meine Geschichten

Beitragvon Alexandra » 1. September 2015, 17:08

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Alexandra
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Der Schluss wäre mir wieder zu wenig prägnant. Aber die Geschichte ist schön lebhaft.
Langweilige jüngere Leute kenne ich zuhauf, was mich die Alte akzeptieren lässt. Aber HOT hat auch nicht unrecht: Verkrustete Leute gibt es in jedem Alter, und manche Alte sind schrecklich starr.
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Re: Meine Geschichten

Beitragvon GruftiHH » 13. September 2015, 15:52

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Heute habe ich mich mal dem Dialog gewidmet, denn da habe ich doch noch arge Probleme - und mit der blöden neuen Rechtschreibung. Ich will die ja so lebhaft wie möglich machen.

Mal sehen, ob sie Euch gefällt - vielleicht etwas schnulzig:

Schöner Lebensabend

Spoiler:
Eigentlich wollte ich ja nur meine Tante im Altenheim be-
suchen. Doch als ich aus versehen die Zimmer verwechselte
und in das von Hans und Gertrud trat sollte sich mein Leben
verändern.
Es war der Beginn einer langen Freundschaft.
Ich öffnete die Tür in Gedanken ohne anzuklopfen und war
erstaunt, dass auf dem Sofa ein altes Ehepaar saß und nicht
meine Tante.
„Oh, entschuldigen sie bitte. Ich habe mich im Zimmer geirrt.“
Ich wollte mich gerade umdrehen da sprach eine freundliche
Stimme zu mir vom Sofa her: „Junger Mann, das macht nichts. Würden sie uns beim Tee Gesellschaft leisten, oder müssen
sie schon wieder fort?“
Mir war die Situation sehr peinlich und ich versuche mich
aus der Affäre zu ziehen.
„Also, mein Tante wartet sicher schon auf mich und ich
möchte sie nicht so lange alleine lassen,“ meinte ich verlegen
und griff zur Tür.
Der Mann stand nun auf und ging auf mich zu.
„Sind sie nicht der Unspeck’s Neffe? Clara ist mit Schwester
Ingeborg in de Garten zum Teich hin. Sie hat also Gesell-
schaft und sie brauchen sich keine Sorgen zu machen.
So setzen sie sich doch. Es ist genug Tee und Kuchen für uns
alle da.“
Seine Frau wartete meine Antwort nicht einmal ab, sondern ging zum kleinen Schrank hin und holte Teller und Tasse hervor. Mit langsamen Schritten, so als ob ihr jede Bewegung Schmerzen bereiten würde, ging sie zurück zum Tisch und stellte für mich ein Gedeck hin.
Ich setze mich schuldbewußt und knabberte an einem Keks.
„Na, sehen sie. Geht doch alles. Ich bin Hans und das ist
meine Frau Gertrud. Und wie heißt du?“
Ich war etwas über die herzliche, offene Art erstaunt und
brummelte als Antwort: „Tobias.“
„Gertrud, er heißt wie dein Bruder, der im Kriege gefallen
ist. Hast du gehört?“
Die Angesprochene sah mich an und antwortete: „Ja, ja, der
Krieg. Er bring’ Familien zusammen und auseinander.“
Wir sprachen noch eine ganze Weile über Alltäglichkeiten und Belange. Die Zeit verging wie im Flug und ehe wir uns ver-
sahen klopfte es an die Tür. Es war Schwester Ingeborg.
Mit gespieltem Ernst blickte sie mich an und sprach: „Ach
hier stecken sie also. Ihre Tante sucht sie schon überall.“
Ich verabschiedete mich hastig und eilte zu meiner Tante.
Die war übrigens in keinster Weise wütend auf mich als ich ihr
mein Mißgeschick berichtete. Sie lachte sogar auf.
„Das ist wieder typisch mein Tobias.“
So gewöhnte ich es mir an, wann immer ich meine Tante be-
suchte, auch bei Hans und Gertrud herein zu sehen, oder gar
die eine oder andere Stunde mit ihnen zu verbringen.

*

Eines Abend saßen wir wieder einmal zusammen, und die bei-
den hingen ihren Träumen nach, wie so oft.
„Weißt du noch, Hans, wie Du mich zum ersten Mal zum Tanztee
ausgeführt hast,“ sagte Gertrud und blickte Ihren Mann tief
in die Augen.
Hans lächelte: „Natürlich. Ich hatte ganz weiche Knie als
ich deinem Vater gegenüber stand. Sein Blick sagte alles.“
„Ja, er hatte Angst um sein kleines Mädchen,“ meinte Gertrud
und Ihre Augen bekamen einen feuchten Glanz. Etwas verlegen
tupfte sie die Tränen mit einem Taschentuch fort.
„So war er, der Vati.“
„Stimmt,“ meinte Hans.“ Die Worte deines Vaters klingen mir
noch immer in den Ohren. Das du mir ja meinen Engel heil nach hause bringst! hat er gesagt.“
Gerdrud lächelte.
„Der Abend war dann aber doch sehr schön, oder?“
„Gertrudchen! Er hat für alles entschädigt. Wie wir so durch
die Scheune geglitten sind. Die Musik, das Lachen. So etwas
gibt es heute nicht mehr.“ Mit verträumten Lächeln viel seine
Frau ihm ins Wort. „Das stimmt. So etwas gibt es nicht mehr.
Aber Frau Baschkowait von Nebenan, die war zum Tanzen im
Cafe Keese, auf St. Pauli. Das muß so drei Wochen her sein.
Sie meinte, da sollten wir auch mal hingehen.“
Einen kurzen Augenblick ließ meine Konzentration nach, und
mein Blick glitt durch den Raum. Er blieb auf einer Reihe
von alten Fotos haften. Gertruds und Hans Heirat, Hans als
schnicker junger Mann im Anzug und als Soldat.
Als ob er mitbekommen hatte, wo meine Gedanken waren sagte
Hans. „Im Kriege, Gertrudchen, da habe ich dich am meisten
vermisst.“
„Hans, du sahst so toll aus in deiner Uniform,“ flüßterte
Gertrud ihrem Mann ins Ohr. Die wenigen Stunden des Glücks,
die den Beiden im Kriege beschieden waren, waren wohl die
schönsten Augenblicke und erhellten diese dunklen Zeiten.
„Alle Mädels haben sich nach Dir umgeschaut.“ Ein wissendes
Lächeln umspielte das Gesicht des alten Mannes.
Nach einer kleinen Weile, legte die Frau ihren Kopf auf die
Schultern ihres Mannes und strich ihm zärtlich über die Hand.
„Aber ich habe dein Herz erhalten.“
„Tobias, weißt du,“ sagte Hans. „Ich war etwas jünger als
Du, da führte ich mein Gertrudchen vor den Altar. Es war
eine kleine, bescheidene Hochzeit. Im Kriege gab es ja nicht
so viel. Aber dieser Augenblick, als Gertrud mir das Ja-Wort
gab, werde ich nie vergessen. Egal wo ich war, auf welchem
Schlachtfeld ich kämpfte, ein Blick in mein Herz und Ger-
trudchen war da. Sie hat all die Jahre auf mich gewartet.
Ich geriet doch noch in Gefangenschaft und kam erst fünf
Jahre nach dem Ende des Krieges nach hause. Und da stand sie,
mein Engel mit dem blonden, wallenden Haar. Die Arme ein-
ladend ausgestreckt und mit bebender Brust.“
Mit einem glücklichen Lächeln hauchte Gertrud ihrem Hans
einen Kuß auf die Wange und wieder glänzten Ihre Augen
feucht.
Ich merkte, dass ich jetzt fehl am Platze war und verabschie-
dete mich.

*

Ein paar Tage später saßen wir wieder alle drei zusammen
und schwatzen vor uns hin. Hans und Gertrud hatten mich
schon ihn ihr Herz geschlossen und behandelten mich, wie einen Sohn, der ihnen leider nicht vergolten war.
Plötzlich wurde Hans ganz still und auch Gertrud beendete
das Gespräch. Es wurde feierlich in dem Zimmer.
Ich spürte, dass die beiden mir jetzt etwas ganz Wichtiges und
Bedeutendes sagen wollten.
„Tobias,“ begann Hans. „Ich möchte dir heute erzählen,
wie Gertrudchen und ich uns kennengelernt haben.“
Meine neue Freundin fing plötzlich an zu Lachen. Es war so
ein herzliches und schönes Lachen, dass aus vollem Halse kam.
Der Blick von Hans traf sie, bewirkte jedoch, dass Gertrud
noch mehr los lachen mußte.
Da konnte der alte Mann auch nicht mehr anders, als in das
Lachen einzustimmen.
„Stimmt,“ sagte Gertrud glucksend zwischen zwei Lachern.
„Es war schon sehr komisch.“
Hans setzte sich gerade auf und begann zu erzählen.
„Ich hatte es mal wieder eilig – sehr eilig sogar, denn in 10
Minuten ging mein Zug nach München, wo ich mich bei dem dort
ansässigen Wehrführer melden sollte. Ich war im Krieg Flak-
Schütze und sollte meine neue Stelle antreten. Ich hastete
auf den Bahnsteig und sah den Schaffner, wie in Zeitlupe,
die Trillerpfeife zum Munde führen.
‚Nein‘, rief ich. ‚Warten Sie bitte! Ich will auch noch mit.‘
Ein beherzter Sprung in den Waggon, und die Tür viel hinter
mir zu. Die Trillerpfeife erklang und die Dampflok stieß
Rauch aus. Schnaufend machte sich der Zug auf den Weg nach
München.
Pu, geschafft, dachte ich. Jetzt hieß es in aller Ruhe den
Platz suchen. Waggon 345, Sitzplatz 4. Der war schnell ge-
funden. Ich setzte mich erst einmal und atmete tief durch.
Wie konnte ich nur so außer Atem sein? Mit 25 Jahren und
kleinem Bäuchlein. Ich hätte nicht so einfach mit dem Sport
aufhören sollen; aber das es so schlimm sein würde, hatte ich
damals nicht gedacht. Mein Brustkorb hebte und senkte sich,
der Puls raste und ich hatte immer noch Schwierigkeiten mit
dem Atmen.
Doch das alles war einen kurzen Augenblick später vergessen,
denn ich blickte auf und versank augenblicklich in ein Paar
wunderschöner, tiefblauer, Seen. Die Augen waren das
Schönste, was ich je gesehen hatte.“
Hier unterbrach Gertrud ihren Mann ganz kurz und hauchte ihm
einen zärtlichen Kuß auf die Wange.
Hans nahm Gertruds Hand und drücke sie sanft. Dann sprach er
weiter: „Tobias, Du kannst dir schon denken, wessen Augen
ich da erblickt hatte. Es waren die von Gertrud. Ich mußte
Gertrud eine ganze Weile angesehen haben, denn dem ersten
Blickkontakt folgte das herzlichste Lächeln der Welt.
‚Nun, geht es Ihnen wieder besser?‘
Die Worte, wie Kristall so hell und rein, drangen an mein
Ohr, und ich tauchte aus „meinen“ Seen wieder auf.
‚Ja, ja. Danke sehr,‘ stammelte ich.
Die Mundwinkel von Gertrud begannen zu zucken und sie
lächelte mich wieder an.
‚Das sieht und hört sich aber nicht so an‘, meinte sie.
Ich wußte nicht, was ich sagen sollte. Verlegen senkte ich
die Augen und ordnete meine Sachen. So konnte ich ein paar
Sekunden Zeit gewinnen.
‚Ich bin den Bahnsteig entlang gerannt, da ich sonst den Zug
nicht erreicht hätte,‘ rechtfertigte ich mich und hielt ihr
die Hand hin.
Tobias, du kannst dir wohl denken, wer diese Frau war,
oder?
„Ich bin Hans Behme und Flakschütze!“ stellte ich mich vor.
„Angenehm. Mein Name ist Gertrud Müller. Ich bin auf dem Weg
zu meiner Schwester.“
Wir fingen jetzt eine lockere, kleine Plauderei an, und mit
der Zeit kam ich wieder zu Atem.
Ich hatte dadurch die Gelegenheit dieses wundervolle Ge-
schöpf, welches mir gegenüber saß zu betrachten.
Die Frau mochte etwas über zwanzig Jahre alt sein, war sehr
gepflegt – trotz dieser schweren Kriegszeiten, hatte lange
blonde Haare und ein Gesicht, wie ein Engel. Das hat sie
übrigens immer noch.“
Wieder ein zärtlicher Blick und ein Kuß von Gertrud als Be-
lohnung.
Hans wurde verlegen und schob Gertrud schüchtern spielend
und mit einem Augenzwinkern zur Seite.
„Was soll Tobias denn von uns denken?“ fragte er rhetorisch
und sprach sofort weiter: „Und diese Augen. In diese Augen
wollte ich mein Leben lang eintauchen.
Es war Liebe auf den ersten Blick – zu mindestens bei mir.
Was Gertrud damals dachte, wußte ich ja nicht. Ich wußte
nur, dass ich die Frau meines Lebens getroffen hatte.
‚... und so bin ich in den Zug nach Hamburg gestiegen, da
Käthe ja so krank ist und ich ihr mit den Kindern helfen
will,‘ erzählte Gertrud gerade. Ein Wort riß mich dabei aus
dem Träumen.
‚Hamburg. Nach Hamburg willst Du. Aber dies ist doch der Zug
nach München.‘
Tobias, du glaubst gar nicht wie Gertrud plötzlich laut
anfing zu lachen.“
„Stimmt,“ warf Gertrud nun schmunzelnd ein. „ Dein erschrecktes
Gesicht war schon köstlich. Ich habe ihm nämlich dann erklärt,
dass es der Zug nach Hamburg war und er falsch eingestiegen
sei.“
Nun mußte ich auch lächeln. Hans entging meine kleine inner-
liche Schadenfreude nicht. Er knuffte mir spielerisch auf
die Schulter und rief zornig aus: „Die Jugend von
heute!“
Dabei wirbelte er mit der Faust in der Luft herum.
„Macht sich über alte Narren lustig!“
Ich mußte nun doch etwas die Situation entschärfen und
korrigierte Hans: „VERLIEBTE alte Narren muß es heißen.“
Gertrud flüsterte plötzlich. „Ja, hätte Hans den Zug nicht
verwechselt, dann säßen wir jetzt nicht hier zusammen mit
unserem Tobias.“
Wieder wanderte das Taschentuch zu den Augen der alten Frau
auf dem Sofa hin und ich folgte ihm. Dann wußte ich auf ein-
mal, was Hans mit den wunderschönen Seen gemeint hatte.
Gertrud hatte wirklich noch sehr, sehr schöne Augen in die
ein Mann gerne versinken mochte.
„Wie ging es denn jetzt weiter, ihr beiden?“ fragte ich.
Hans war es, der die Frage beantwortete. „Also, Tobias.
Gertrud hat recht: Ich war sehr entsetzt! Ich mußte mich
doch beim Wehrführer noch am selben Tage melden. Meine
ganze Karriere in der Armee war gefährdet. Und alles nur,
weil ich in Hannover die Gleise in der Eile verwechselt hatte.
Ich wollte aufspringen und blickte um mich. Meine Gedanken
malten sich die Schlimmsten Szenen aus, die man sich nur
vorstellen konnte. Eine Degradierung und Gefängnis waren noch
das harmloseste – Galgen und Erschießen das Schlimmste.
Fahnenflucht hatte man so was früher genannt.“
„Unerlaubtes Fernbleiben von der Truppe heißt es heute,“ warf ich ein.
Doch das hatte Hans nicht gehört und fuhr fort: „Da spürte
ich plötzlich eine Hand in der meinen, die ganz fest zudrückte
und mich so aus meinen Gedanken riß.
‚Ich denke, wir werden das schon schaffen,‘ sprach Gertrud und schenkte mir wieder eines ihrer bezaubernden Lächeln.“
Wieder dieser zärtliche Blick zwischen den beiden. So voller glücklichem Einvernehmen und Gemeinsamkeit.
„Ich sagte Hans dann, dass wir den Schaffner suchen und ihm die Situation schildern würden. Doch er kam uns zuvor und öffnete
die Türe vom Abteil. Er wollte unsere Fahrkarten kontrol-
lieren. Ich weiß leider nicht mehr, welcher Bahnhof dann
angefahren wurde, aber wir tauschten unsere Anschriften
aus und versprachen und so schnell wie möglich zu
schreiben.“
Seine Frau stand auf, ging zur Kommode, öffnete sie und
zauberte ein Bündel Briefe hervor.
„Hier, Tobias, das sind alle Briefe, die wir damals ge-
schrieben haben,“ meinte Gertrud.
Hans blickte seine Frau an.
„Die hast du noch?“ fragte er erstaunt.
„Natürlich.“
Sie überreichte mir das Bündel und meinte: „Das sind alles
Erinnerungen aus dem Kriege, mein Junge. Ich möchte, dass
du sie ließt – wenn du magst.“
„Das kann ich nicht,“ stammelte ich.
Da trat Hans auf mich zu.
„Tobias, du bist wie ein Sohn für uns, und du schreibst gerne.Bitte nimm sie mit
nach Hause und lese sie,“ raunte er." Vielleicht kommt ja was Gutes bei rum."
Es war schon spät und ich mußte nach hause.
Ich verabschiedete mich, und als ich die Tür schloß viel
mein letzter Blick auf das Paar auf dem Sofa, nichts sagend
und in ihren Gedanken vereint.
Da dachte ich so zu mir: Ich wünsche mir auch für mich, dass
mein Lebensweg so schön enden würde.
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

Re: Meine Geschichten

Beitragvon GruftiHH » 16. September 2015, 08:31

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GruftiHH
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Zwischen durch mal ein Gedicht.

Ausweg

Spoiler:
Ausweg

"Nein, ich werde Dich nicht töten" sagte der Adler zum Hasen,
flog dem strahlend-blauen Himmel entgegen
und starb.

"Nein, ich werde Dich nicht töten" sagte der Wolf zum Reh,
lief in den wundersamen Wald
und starb.

"Nein, ich werde Dich nicht töten" sagte der Löwe zur Giraffe,
rannte hinaus in die glühende Savanne
und starb.

"Nein, ich werde Dich nicht töten" sagte der Hai zum Hering,
schwamm in die unendlichen Tiefen des Meeres
und starb.

"Nein, ich werde Dich nicht töten" sagte die Echse zur Mücke,
entschwand zwischen den stillen Steinen einer Ruine
und starb.

"Nein, ich werde Dich nicht töten" sagte die Spinne zur Fliege,
ließ sie aus ihrem feinen Netz
und starb.

"Nein, ich werde dich nicht töten" sagte der Soldat zum Feind,
reichte ihm die Hand
und starb
.... nicht.
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

Re: Meine Geschichten

Beitragvon HOT » 16. September 2015, 18:47

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HOT
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Zu beiden Beiträgen: Mir neue, sehr feinsinnige Seiten an Dir...

Re: Meine Geschichten

Beitragvon Alexandra » 26. September 2015, 21:06

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Alexandra
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Bei dem Gedicht hast du jetzt endlich mal alles so richtig auf den Schluss zulaufen lassen, den du meist allzu stiefmütterlich behandelst.

Die Geschichte finde ich auch schön. Man hat einfach zu viel Angst vor dem Happy End als moderner, aufgeklärter Mensch.
DORGON http://www.dorgon.net/

Meine PERRY RHODAN-Besprechungen und Miniserien-Interviews auf dem Geisterspiegel.
http://www.geisterspiegel.de/?author=197

Re: Meine Geschichten

Beitragvon GruftiHH » 29. September 2015, 13:49

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GruftiHH
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Danke Alexandra. Ich lerne dazu :)

Und noch ein Gedicht:

Maschinen

Spoiler:
Die Kolben ziehen auf und ab.
Es gibt kein Entkommen.
Die Arbeit hält die Maschinen auf Trapp.
Man gönnt sich keine Ruhe.
Kein Aug' für die Natur,
Kein Ohr für die Tiere,
Kein Mund für den Nachbarn.
Die Maschine kennt nur sich.
Nichts sonst interessiert sie.
Sie denkt, sie tut nur ihre Pflicht.
Keine Zuversicht.
Immer mehr, immer mehr.
Immer schneller, immer schneller.
Keine Ruh', keine Ruh'.
Die Maschine ist dem System gut angepaßt.
Niemals wird sie weichen.
Kein Weg ist ihr zu unbequem,
Nur um an der Spitze zu stehen.
Doch irgendwann macht auch die Maschine schlapp.
Die Kolben ruhen.
Und nichts bleibt übrig.
Ach hätt' sie doch mal aufgeschaut.
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

Re: Meine Geschichten

Beitragvon ulimann644 » 2. Oktober 2015, 13:50

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ulimann644
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Registriert: 24. September 2015, 19:17
Wohnort: Hagen - NRW
Die Geschichte mit dem kleinen (fliegenden) Robert hat mich angesprochen.
Eine sehr schön auf den Punkt gebrachte Momentaufnahme. Klasse. :st:

Re: Meine Geschichten

Beitragvon GruftiHH » 24. November 2015, 13:49

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GruftiHH
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So. Es ist ja schon Vorweihnachtszeit..... Ich bin gerade in den letzten Zügen einer Weihnachtsgeschichte, die im Mittelalter spielt. Ich stelle sie dann Montag mit rein. Pünktlich zum 1. Advent. Lasst Euch überraschen. :D
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *
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