Galaxien

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Galaxien

Beitragvon Kapaun » 10. Februar 2018, 20:10

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Kapaun
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Es gibt ja Galaxien in verschiedenster Form und Ausführung. Grob unterteilt: Spiralen. Ellipsen/Kugeln, unregelmäßige. Wobei das auch was mit der Größe zu tun hat - unregelmäßige Galaxien sind meines Wissens durch die Bank Zwerge. Ich wüsste jetzt keine unregelmäßige Galaxie, die größenmäßig mit der Milchstraße oder Andromeda vergleichbar wäre. Umgekehrt scheinen Spiralen eine gewisse Mindestgröße vorauszusetzen.

Wie dem auch sei: Spiralen wie etwa die Milchstraße oder Andromeda haben eine stark definierte Struktur. Die Milchstraße etwa schaut so aus, dass um einen ellipsoiden Kern von bis zu 16.000 LJ Länge zunächst zwei kleine armähnliche Strukturen liegen, die eine Art langestreckten Ring ergeben: den Nahen und den Fernen 3000-Parsec-Arm. Sodann hat die Milchstraße wohl zwei große Hauptarme (den Perseus- und den Scutum-Centaurus-Arm), die aus zwei Balken an den langen Enden des Kerns erwachsen. Zwischen ihnen verlaufen zwei kleinere Arme, nämlich der Norma-Arm und der Sagittarius-Arm. Beide sind eher schwach ausgeprägt, teils unterbrochen, und sie haben auch Abspaltungen. In einer dieser Abspaltungen des Sagittarius-Arms, die wir als Orion-Arm kennen, steht die Sonne. Der Orion-Arm ist also kein eigenständiger Arm, sondern nur Teil der größeren Sagittarius-Struktur. Nach außen, dem Rand der Milchstraße zu, treffen wir von uns ausgesehen erst noch auf den massiven Perseus-Arm und dann auf den schwach ausgeprägten und bruchstückhaften Äußeren Arm, der aber wohl nur die Verlängerung des Norma-Arms ist. Man darf davon ausgehen, dass es bei Andromeda und allen anderen Spiralen ähnlich aussieht. Der gewaltigen Ausdehnung der Spiralstruktur der Milchstraße von 100.000 oder mehr LJ steht ihre vergleichsweise geringe Dicke von 3000 LJ entgegen (wenn man vom stärker ausgeprägten Kern absieht) - es handelt sich also eher um ein Rad mit Spiralspeichen und einer verdickten Nabe, eben dem Kern. Übrigens ein ziemlich eieriges Rad: Vom Kern aus in Richtung der Sonne geblickt, ist bereits nach 35.000 bis 40.000 LJ Schluss mit der Milchstraße. Und in der Gegenrichtung reichen die Ausläufer des Sagittarius-Arms leicht 50.000 Lichtjahre in den Raum.

In PR spielt diese ausdifferenzierte Struktur allerdings gar keine Rolle. Das mag historische Gründe haben, denn in den 60ern waren Größe und Ausformung der Milchstraße nur vage bekannt. Aber auch in jüngeren Schilderungen (auch von anderen Galaxien) finden sich Hinweise auf solche Strukturen kaum. Man hat vielmehr den Eindruck, die Milchstraße sei ein mehr oder weniger homogenes Gebilde, in dem sich die Sterne mehr oder weniger ähnlich verteilen, abgesehen vom dichteren Kern. Tatsache ist aber, dass wir von der Erde aus bereits nach etwa 1500 LJ die Milchstraße im engeren Sinn hinter uns lassen, wenn wir nur in die richtige Richtung fliegen. Und wollten wir zum Perseus-Arm, müssten wir eine ausgedehnte, grob geschätzt 5000 LJ breite Zone durchqueren, in der kaum Sterne angesiedelt sind. Also fast schon intergalaktischer Raum, bis wir dann im Perseus-Arm wieder eine hohe Sternendichte haben.

Natürlich hat das auf die Geschichten in PR grundsätzlich nicht so viel Einfluss, aber man könnte die Geschichten schon mit dieser räumlichen Struktur verknüpfen und würde damit auch mehr Spannung, mehr Plausibilität, ein plastischeres Bild des Kosmos erzeugen können. Etwa ein Schiff, dass in der leeren Zone zwischen dem Orion-Ausläufer und dem Perseus-Arm havariert. Hyperfunk kaputt, so ziemlich alles kaputt, kaum irgendwas in Reichweite - allein das ist doch schon eine tolle Szenerie für eine spannende Geschichte.

Re: Galaxien

Beitragvon Kardec » 11. Februar 2018, 00:52

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Ich hab im Hinterkopf, dass unsere Galaxis eine Balkenspiralgalaxis ist - mit zwei Verdickungen in der zentralen Bulge. M. W. der letzte Stand.

Re: Galaxien

Beitragvon Kapaun » 11. Februar 2018, 21:21

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Ja, wie ich sagte: Zwei Hauptarme, die aus Balken an den langen Enden des Kerns herauswachsen.

Re: Galaxien

Beitragvon Kardec » 12. Februar 2018, 00:20

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Nein, das meine ich nicht. Die zentrale Bulge (Balken) enthält zwei erdnussförmige Verdickungen.

Re: Galaxien

Beitragvon Truktan » 15. Februar 2018, 14:07

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In PR spielt diese ausdifferenzierte Struktur allerdings gar keine Rolle.


In anderen SciFi-Hintergründen meist auch nicht. Ich kann mich nur an eine Story erinnern, in der die Struktur der Milchstrasse eine Rolle spielte. Das war eine von Larry Niven aus seinem "Known Space" Zyklus (zu deutsch das "Ringweltuniversum"). Der Pilot Beowulff Schaeffer sollte ein Raumschiff mit einem neu entwickelten Antrieb zum Zentrum der Galaxis und dann wieder zurück fliegen. Der neue Antrieb war superschnell (so ca 400.000 c), hatte aber den Nachteil, daß er keine Drosselung hatte; man konnte nur zwischen 0 und voller Geschwindigkeit umschalten. Da im "Known Space" Raumschiffe im Hyperflug einer Schwerkraftquelle von der Größe einer Sonne nicht zu nahe kommen dürfen, ohne zerstört zu werden, mußte er das Schiff im Slalom zwischen den Sternen durchlenken. Das wurde irgendwann kritisch, als er müde wurde und seine Aufmerksamkeit nachliess. Dann liess er sich über Hyperfunk die Koordinaten der nächsten Lücke zwischen den Spiralarmen der Milchstrasse durchgeben und setzte seinen Flug zum Kern dann in der nahezu sternenleeren Lücke fort, wo das erheblich weniger Ausweichen kostete.

Re: Galaxien

Beitragvon Kapaun » 17. Februar 2018, 02:15

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Naja, die meisten SF-Hintergründe befassen sich ja auch entweder gar nicht nennenswert mit interstellarer Raumfahrt oder sind dann doch recht kleinformatig. Selbst Webers Honor Harrington beispielsweise spielt sich ja auf einigen -zig Lichtjahren ab. Da kommt man ja gar nicht so weit, dass die Struktur der Milchstraße eine Rolle spielen kann.

Re: Galaxien

Beitragvon Tiberius » 19. Februar 2018, 15:48

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Tiberius
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Truktan hat geschrieben:
In PR spielt diese ausdifferenzierte Struktur allerdings gar keine Rolle.

In anderen SciFi-Hintergründen meist auch nicht.

Ich erinnere mich da nur an Der schwarze Schlund von Charles Sheffield und an Der Antares-Krieg von Michael McCollum. In den Romanen wurde die Spiralstruktur der Milchstraße zur Erklärung der Reiserouten von Raumschiffen und der Ausbreitung der Menschheit herangezogen. Die überlichtschnelle Raumfahrt basierte dabei auf Sprungpunkte/Faltpunkte, die von einem Stern-System zum anderen führten und sich entlang der Spiralarme verteilten.
Leser sind in der Überzahl und machen sich demzufolge mehr Gedanken über einen Roman, als es ein Autor je könnte.

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