Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von Thoromir » 11. April 2019, 09:55

Vielleicht ist es zu spät in einer laufende Diskussion sich zu Wort zu melden, vielleicht verstehe ich auch das Thema nicht ganz :-)
Perry Rhodan hat früher in den Heften geraucht. Ja.
Ich bin mir sicher, das er auch in Eschbachs Roman einige Male mit Zigarette beschrieben wurde. Als Hörbuchhörer kann ich jetzt keine Stelle suchen und zitieren, aber ich bin mir sicher, das er von Bully eine Zigarette angeboten bekam.

Ich will das nicht beschwören, Erinnerungen verfälschen sich recht schnell. Aber selbst wenn Rhodan in Eschbachs Roman kein einziges Mal geraucht hat, wüsste ich nicht, in wie fern das ein Widerspruch zu den Romanstellen in den 60er Jahren gewesen sein sollen.
Davon abgesehen finde ich es richtig in einem modernen Roman auf das Rauchen zu verzichten, bzw schlicht die Beschreibungen von Situationen aus den 60er Jahren zu vermeiden, in denen "er griff zur Zigarette" gestanden hatte. Nur weil wir nicht lesen, das Rhodan "zur Zigarette griff" oder "er nahm die angebotene Zigarette an" , nur wiel das da nicht steht, heist das ja nicht, das er während eines Gespräches nicht doch eine gerauct hat. Das muss ich in der heutigen Zeit aber nicht lesen. Ich lese ja auch nicht, wie einer aus versehen pupst oder in der Nase bohrt.
Trotzdem wird auch Rhodan gepupst haben oder in der Nase gebohrt haben.

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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von Ce Rhioton » 11. April 2019, 10:22

Der Pupsvergleich hinkt m. E. aber: Ich kann mich nicht erinnern, dass in den Romanen eruiert wurde, ob der Titelheld im Beisein Anderer pupste.
Wie wir wissen, gilt, was in den Heften steht. Und wenn weder pupsen noch Nasebohren beschrieben wurde, hat Perry Rhodan als Nichtpupser zu gelten.
Spoiler:
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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von LaLe » 11. April 2019, 10:22

Thoromir hat geschrieben:Ich bin mir sicher, das er auch in Eschbachs Roman einige Male mit Zigarette beschrieben wurde.
Das wäre ein Fakt, der die geführte Diskussion in der Tat obsolet machte. Den höre ich jetzt allerdings zum ersten Mal.

Bislang gab es nur eine diesbezügliche Vermutung von astroGK. Ansonsten sprach die "Gegenseite" stets von einer neuen Interpretation.
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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von Thoromir » 11. April 2019, 10:37

Wie gesagt, ich habe nur die Hörbuchversion gehört, und da kann ich leider nicht wie im Ebook nach Worten suchen.
Ich habe beim Hören eigentlich schon versucht, "Widersprüche" zu entdecken, oder eben Bekanntes aus einer neuen Beschreibung zu hören.
Hätte es Szenen gegeben, in denen Rhodan eine Zigarette abgelehnt hätte und deutlich gemacht hätte, das er Nichtraucher sei, wäre mir das sicher aufgefallen. Ich habe nach dem Lesen immer gesagt: Zwischen Eschbachs Roman und der bisherigen Rhodan Kanonik passt kein Blatt Papier, ganz im Gegensatz zu anderen bekannten Prequels wie Star Wars oder Star Trek. Eschbach hat gezeigt, das man ein Prequel schreiben kann, ohne auch nur einen einzigen Widerspruch in der kleinsten Kleinigkeit stehen zu lassen.

Ich bin mir sicher, an einer Stelle wurde geraucht, ich hatte dem aber keine wesentliche Bedeutung beigemessen, deshalb habe ich mir die Umstände nicht gemerkt.
Ich kann nur vermuten, dass der Eindruck, Rhodan sei im Buch Nichtraucher dadurch entstanden ist, weil für sich sehr streng auf Drogen verzichtet hat und Zigaretten letztlich auch eine Droge sind. Ich glaube aber schon, das hier nur Rauschmittel gemeint waren.

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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von 123Kid » 11. April 2019, 11:06

Also ich finde nicht das der Pumps-Vergleich hinkt. Wenn Pupsen in der Öffentlichkeit in den 60zigern so üblich gewesen wäre wie Rauchen, dann hätte dieses auch seinen Widerhall in der Serie gefunden.

War es aber nicht.

Ansonsten habe ich immer noch ein Problem mit der Gewichtung, selbst wenn es explizit erwähnt werden würde.

In meinen Augen wäre es trotzdem nur ein Detail, welches durchaus in den Bereich der Künstlerischen Freiheit fallen würde.

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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von LaLe » 11. April 2019, 11:16

Der Vergleich hinkt schon, ich würde sogar sagen, dass er nicht passt. Nicht jeder raucht(e), aber jeder pupst und verrichtet sein Geschäft. Die Eigenschaft bzw. Angewohnheit des Rauchens ist also schon etwas, das einen Charakter definiert. Über das Ausmaß kann man sich sicher streiten.

Über das Bohren in der Nase habe ich keine validen Erkenntnisse.
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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von Ce Rhioton » 11. April 2019, 11:22

LaLe hat geschrieben: Nicht jeder raucht(e), aber jeder pupst und verrichtet sein Geschäft.

Über das Bohren in der Nase habe ich keine validen Erkenntnisse.
Findet Ihr nicht, dass die Diskussion Gefahr läuft, ins Absurde abzugleiten? :gruebel:
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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von LaLe » 11. April 2019, 11:26

Solange du dich zurückhältst ist alles gut. :P
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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von 123Kid » 11. April 2019, 11:48

LaLe hat geschrieben:Solange du dich zurückhältst ist alles gut. :P
:st: :D

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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von Thoromir » 11. April 2019, 12:41

Mir ging es mit den Beispielen auch nur darum, das nicht alles, was ein Mensch macht, in einem Roman gesagt werden muss.
Selbst wenn im Eschbachs Buch Rhodan nie mit Zigarette beschrieben wird kann man daraus nicht rückschließen, das er nicht doch geraucht hat. Denn wir wissen ja, das Rhodan bis ind 30. jahrhindert ein Raucher war. Also wird er auch vor seinem Mondflug geraucht haben. Ich finde es legitim, das ein Roman in der heutigen Zeit, hier aber nicht die "Kamera draufhält".
Mir ist halt einfach nichts "normaleres" als Pupsen eingefallen :-) Aber o.k. das tut jeder, Rauchen nicht. Also nicht ganz passend.

123Kid ich habe vielleicht bei meinem Späteinstieg in die Diskussion nicht ganz mitbekommen was du genau meinst. Verstehe ich dich richtig: Dich stört, dass das Rauchen in Eschbachs Roman zu kurz kommt oder zweifelst du die Kanonik von Eschbachs Buch ganz allgemein an, weil da das Rauchen nicht vorkommt?

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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von Ce Rhioton » 11. April 2019, 12:51

Die Diskussion startete ja mit der Frage, ob Andreas Eschbach den (ehemaligen) Gelegenheitsraucher Perry Rhodan rückwirkend als Nichtraucher darstellen möchte - und falls ja, aus welcher Motivation heraus.
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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von Thoromir » 11. April 2019, 12:55

Naja, "darstellen"? Rhodan war Raucher, daran ändert auch Eschbach nichts. Die Venus ist eine Dschungelwelt, daran erinnert auch das Weglassen der Venusabenteuer nichts. Es wird halt nur kein Spotlight drauf gehalten

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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von LaLe » 11. April 2019, 13:04

Es wurde zu Beginn der Diskussion der Eindruck erweckt, Eschbach hätte aus Rhodan einen Nichtraucher gemacht und zwar in der Weise, dass er nie geraucht hat. Das widerspricht eindeutig den Schilderungen in der EA. Verstärkt wurde der Eindruck durch Äußerungen, auch von offizieller Seite, dass die Schilderungen eines rauchenden Perry in der Vergangenheit lediglich Stilmittel und nicht Charakterbeschreibung gewesen seien bzw. heute so gedeutet würden.

Sollte es sich nun so verhalten, dass Perry bei einer Gelegenheit lediglich einen Joint abgelehnt hätte, wäre das ein gänzlich anderer Sachverhalt. Das kann ich aber nicht beurteilen, da ich das Buch nicht gelesen habe. Anstoß erregte bei mir primär die zu vermutende Neucharakterisierung Perrys nebst Legitimation derselben mit Argumenten des Zeitgeistes (heute würde Gutmensch Perry sicher nicht rauchen). Fakt ist, Perry lebte in den 60ern und da war es völlig normal zu rauchen. Das muss man nicht revidieren. Später kann man ihn immer noch vom Rauchen wegkommen lassen und hat das wohl auch getan.
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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von Thoromir » 11. April 2019, 13:18

Ja, ich verstehe deine Gedanken. Also wie gesagt: Ich meine, er hat geraucht. Bully rauchte bei Eschbach auf jeden Fall, und ich meine, er bot Perry eine Zigarette an. Hat denn keiner mal ein Ebook? :-)

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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von 123Kid » 11. April 2019, 13:27

Thoromir hat geschrieben: 123Kid ich habe vielleicht bei meinem Späteinstieg in die Diskussion nicht ganz mitbekommen was du genau meinst. Verstehe ich dich richtig: Dich stört, dass das Rauchen in Eschbachs Roman zu kurz kommt oder zweifelst du die Kanonik von Eschbachs Buch ganz allgemein an, weil da das Rauchen nicht vorkommt?
Nichts von dem. :D
Ich kann weder ein Problem mit den Kanon bezüglich des Rauchen als auch grundsätzlich erkennen.
Desweiteren halte ich eine Kanon Diskussion für Unsinn da Kanon in meinen Augen eh ein Illusion ist.
Die Raucher Diskussion fand hier ihren Anfang...
Ethan Edwards hat geschrieben:Hätte man mich gefragt, welcher Autor am besten geeignet wäre, die Vorgeschichte von Band 1 der Perry Rhodan-Serie in einem packenden Roman zu erzählen, meine Wahl wäre wohl auf Andreas Eschbach gefallen. Entsprechend groß waren meine Erwartungen an das Buch und entsprechend groß ist nach der Lektüre der knapp 850 Seiten meine Enttäuschung.

Zwar ist nicht alles an dem Roman missglückt, aber die Teile, die misslungen sind, überwiegen in meinen Augen und verderben mir dadurch auch den Spass am Rest.
Spoiler:
Die Abschnitte über Perry Rhodans Kindheit und Jugend, seine militärische Ausbildung in Westpoint und seine fliegerische Ausbildung sind, für sich betrachtet, sehr gut gelungen und flüssig erzählt. Die bereits aus der Heftserie bekannten Fakten wurden um weitere biographische Details erweitert, die sich nahtlos einfügen. Gelegentliche Exkurse des Erzählers sind in diesem Teil des Romans eine sinnvolle Ergänzung, die bei mir den Lesefluss nicht behindert hat. So wie Carrasco (siehe einige Posts weiter oben), erinnert auch mich dieser Erzählstil an den von Kurt Mahr, den ich, nicht zuletzt wegen seiner logischen Gedankenführung, immer als sehr angenehm empfunden habe.

Weitgehend gelungen ist die Nacherzählung der Handlung der ersten neun Heftromane, die den Roman sinnvoll abschließt. Weitgehend deshalb, weil es mir extrem missfallen hat, dass Eschbach die in zahlreichen Romanen der Erstauflage etablierte Begründung für das gehäufte Auftreten von Mutationen infolge erhöhter Radioaktivität (Hiroshima, Nagasaki) unter Verweis auf neuere wissenschaftliche Erkenntnisse als falsch darstellt. Ich empfinde das als ignorant und anmaßend. Ich werde auf diese Problematik der Missachtung seit langem etablierter Fakten des Perryversums an anderer Stelle noch intensiver eingehen.

Abgesehen davon stellt es natürlich einen Stilbruch dar, dass Eschbach, wenn auch aus nachvollziehbaren Gründen, in diesem letzten Teil des Romans weit weniger ins Detail geht als auf den knapp 700 Seiten zuvor. Dies könnten vor allem diejenigen als störend empfinden, für die der Roman den ersten Kontakt zum Perryversum darstellt.

Alles, was zwischen dem Abschluss von Rhodans fliegerischer Ausbildung und der Nacherzählung der ersten neun Heftromane liegt, ist leider missraten. Dies hat vor allem inhaltliche Gründe, doch dieser große Abschnitt ist auch sprachlich eher durchwachsen.

Zunächst zum Inhalt. Dieser steht in vielen Punkten im krassen Widerspruch zu dem, was bisher Eingang in den Perry Rhodan-Kanon gefunden hatte. Dass Andreas Eschbach Rhodan als überzeugten Nichtraucher darstellt, obwohl es in den frühen Zyklen der Serie diverse Fundstellen gibt, die Rhodan als Raucher zeigen, ist dabei noch einer der geringsten offensichtlichen Fehler. Dass Eschbach Rhodan dieses Laster nicht zugesteht, ist aber auch symptomatisch dafür, dass der von ihm geschilderte, politisch korrekte Perry Rhodan keineswegs dem Bild entspricht, das die Romane der Frühzeit der Serie dem Leser vermittelten. Ich erspare es mir aber, auf diesen Punkt näher einzugehen.

Als viel schlimmer und viel offensichtlicher empfinde ich nämlich die Ignoranz oder auch Gleichgültigkeit des Autors gegenüber etablierten historischen Daten des Rhodan-Kosmos. Hier die wichtigsten Punkte:

Hans Kneifel hatte im PR-TB 337 „Palast der Legenden“ bereits Details der realen Geschichte und Raumfahrtgeschichte als Teil des Standarduniversums dargestellt (Ermordung Kennedys, Armstrongs Mondlandung 1969, Präsident Nixon). Im Blauband 13, bei dessen Erstellung Rainer Castor Hans Kneifel unterstützte, wurde dann klargestellt, dass diese Ereignisse nicht im Standarduniversum, sondern in einem Paralleluniversum stattfanden. Die Perry Rhodan-Redaktion hat die Blauband-Version dann auch ausdrücklich abgesegnet. Seitdem konnte als Kanon angesehen werden, dass (1) im Einstein-Universum Kennedy nicht ermordet wurde, sondern (2) eine zweite Amtszeit (1964 bis 1968) hatte, zu deren Beginn er (3) die amerikanischen Truppen aus Vietnam abzog und gegen deren Ende er (4) die Gründung der California Academy of Space Flight verfügte. Ebenso galt damit als Kanon, dass (5) Lyndon B. Johnston Kennedys Nachfolger war, dass (6) die NASA im Standarduniversum nicht existierte und dass (7) Allan D. Mercant im Jahr 1965 die Leitung der International Intelligence Agency übernahm. Diese Aufzählung ist keineswegs abschließend.

Andreas Eschbach stellt diese sieben von mir durchnummerierten Fakten jetzt wieder anders dar. Bei ihm fällt Kennedy nun doch einem Attentat zum Opfer, Lyndon B. Johnson wird bereits 1963 sein Nachfolger, und auf ihn folgt dann Nixon. Rhodan und Bull kämpfen zu einem Zeitpunkt im Vietnamkrieg, zu dem dieser im Standarduniversum bereits vorbei ist, die Gründung der IIA erfolgt wesentlich später.

Der (nicht nur gemessen an der Seitenzahl) schwerwiegendste Fehler ist jedoch, dass Eschbach weite Teile der realen Raumfahrtgeschichte in seinen Roman übernimmt, was – um auf die erzählerischen Mängel zurückzukommen - zu vielen ermüdenden Passagen führt, die sich wie in eschbachsche Prosa übersetzte Wikipedia-Einträge lesen. Aber abgesehen davon, dass das sprachliche Niveau und der Lesefluss darunter merklich leiden: Wozu soll diese nachträgliche Einführung der NASA gut sein?

Soll sie die Geschichte der Rhodan-Serie stärker in der Realität verankern? Dieser Versuch ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn welchen Unterschied macht es denn, wenn diese realen Fakten der Raumfahrthistorie in den Roman einfließen? Mit dem Auftauchen der Arkoniden, der Einführung des überlichtschnellen Raumflugs und der sonstigen Errungenschaften der Arkoniden läßt die Handlung die Realität sowieso lichtjahreweit hinter sich. Zudem müssen diese realen Fakten ab der Apollo 8-Mission ohnehin wieder der Fiktion weichen. Wozu ist der Aufwand also überhaupt gut, außer dazu, den Roman um 250 Seiten zu verlängern?

Oder soll Perry Rhodan eine interessantere Vergangenheit verschafft werden? Das ist erstens überflüssig, und zweitens schafft man es auch nicht, indem man ihn nach Art von Forrest Gump allen möglichen NASA-Astronauten und anderen realen Personen der Zeitgeschichte über den Weg laufen läßt oder ihn als eigentlichen Auslöser der Kuba-Krise darstellt. Das wirkt irgendwann nur noch wie ein Running Gag, der aber leider nicht witzig ist.

Oder glaubt Eschbach, durch die Übernahme der NASA in den Roman würde etwas von der Faszination des amerikanischen Raumfahrtprogramms, die beispielsweise in der HBO-Serie „From the Earth to the Moon“ so großartig vermittelt wurde, auf die von ihm erzählte Geschichte abfärben? Abgesehen davon, dass das ebenfalls überflüssig ist, denn was sind denn schon die paar realen Flüge zum Mond im Vergleich zu den fiktiven Ereignissen der ersten Rhodan-Romane, kann es schon deshalb nicht funktionieren, weil die reale Geschichte der NASA nur daher so großartig ist, weil sie trotz aller Risiken und Rückschläge letztlich zum Erfolg geführt hat, während Eschbach die realen Akteure sterben lässt (Apollo 8-Besatzung) oder – in Bezug auf den Mondflug - zu Statisten degradiert (Armstrong, Aldrin).

Mein persönliches Fazit: Hätte der Autor nicht nur bei der Schilderung von Rhodans Kindheit, Jugend und militärischer und fliegerischer Ausbildung, sondern auch bei den weiteren Abschnitten des Romans seine beachtlichen Fähigkeiten genutzt, um die bekannten Fakten in einen größeren Zusammenhang einzubetten und um weitere interessante Details hinzuzufügen, ohne massiv vom Kanon abzuweichen, dann wäre dies ein großartiges Buch und eine Bereicherung des Perryversums geworden. Leider hat Andreas Eschbach es vorgezogen, wichtige kanonische Fakten zu ignorieren, weil sie nicht in sein Konzept gepasst haben. Ich empfinde dies als respektlos gegenüber den Seriengründern, gegenüber Rainer Castor und Hans Kneifel und gegenüber allen Lesern, für die die Rhodan-Serie mehr ist als oberflächliche Unterhaltung. Insbesondere auch gegenüber den Lesern, die einen beachtlichen Teil ihrer Freizeit opfern, um mit der Perrypedia und anderen Publikationen (z.B. Michael Thiesens Zeitraffer und Heiko Langhans‘ Jahrmillionen-Chronik) allen Interessierten, nicht zuletzt auch den Perry Rhodan-Autoren, hervorragend recherchierte Lexika und Nachschlagewerke zur Verfügung zu stellen, die im Optimalfall genau das zu verhindern helfen, was bei Andreas Eschbachs Roman schiefgelaufen ist.

Was mich betrifft, finden die in Eschbachs Roman geschilderten Ereignisse in dem in Blauband 13 erwähnten Paralleluniversum statt.
Eine Meinung die ich persönlich zu 0% teile.

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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von Thoromir » 11. April 2019, 13:30

Kanon ist vor allem für Autoren wichtig, damit sie wissen, worauf sie sich beziehen müssen, wenn sie in einer Geschichte etwas vorkommen lassen, das anderswo schon einmal beschrieben wurde. Sonst passierte das, was mit den Zellaktivatoren der MDI passiert ist.

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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von 123Kid » 11. April 2019, 13:38

Kanon ist fiktiv, da am Ende nur das Kanon ist was "offiziell" zum Kanon gemacht wird.
Aber auch das muss nicht in Stein gemeißelt sein.

Es gilt halt auch nur bedingt das was in den Heften steht. Um mal ein häufiges Zitat zu verunstalteten. :D

Das was du meinst ist die Handlung und gegebenenfalls Fehler in der Handlung.
Ob das was mit dem Kanon zu tun hat, das gilt es dann gegebenenfalls zu klären.

Ist halt meine Meinung dazu und eigentlich wollte ich auch nur den Ursprung der Diskussion in Erinnerung rufen.

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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von Ce Rhioton » 11. April 2019, 13:52

123Kid hat geschrieben:Kanon ist fiktiv, da am Ende nur das Kanon ist was "offiziell" zum Kanon gemacht wird.
Wen meinst du konkret mit "offiziell"? :gruebel:
Es gilt halt auch nur bedingt das was in den Heften steht. Um mal ein häufiges Zitat zu verunstalteten.
Das Es gilt, was in den Heften steht ist ein Zitat von Wim Vandemaan, einem der beiden amtierenden Expose-Autoren des Perryversums. ;)
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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von 123Kid » 11. April 2019, 13:56

Ce Rhioton hat geschrieben:
123Kid hat geschrieben:Kanon ist fiktiv, da am Ende nur das Kanon ist was "offiziell" zum Kanon gemacht wird.
Wen meinst du konkret mit "offiziell"? :gruebel:
Tja, da hast du schon eines der Hauptprobleme erkannt.

Wer definiert was Kanon ist?
Dazu kommt dann noch die Fragen:
Was ist Kanon und was nicht?
Wie lange ist es das und warum nicht mehr?
Ce Rhioton hat geschrieben:
123Kid hat geschrieben: Es gilt halt auch nur bedingt das was in den Heften steht. Um mal ein häufiges Zitat zu verunstalteten.
Das Es gilt, was in den Heften steht ist ein Zitat von Wim Vandemaan, einem der beiden amtierenden Expose-Autoren des Perryversums. ;)
Ich habe auch nix anderes geschrieben, oder?
Aber was steht in den Heften? Handlung? Kanon? Beides? :D

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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von Ce Rhioton » 11. April 2019, 14:00

123Kid hat geschrieben: Tja, da hast du schon eines der Hauptprobleme erkannt.
Wer definiert was Kanon ist?
Die Verantwortlichen?
Die Autoren?
Die Leser?
Die Foristen?
Der Chefredakteur?
Wir alle?
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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von Thoromir » 11. April 2019, 14:15

123Kid hat geschrieben:
Ce Rhioton hat geschrieben:
123Kid hat geschrieben:Kanon ist fiktiv, da am Ende nur das Kanon ist was "offiziell" zum Kanon gemacht wird.
Wen meinst du konkret mit "offiziell"? :gruebel:
Tja, da hast du schon eines der Hauptprobleme erkannt.

Wer definiert was Kanon ist?
Dazu kommt dann noch die Fragen:
Was ist Kanon und was nicht?
Wie lange ist es das und warum nicht mehr?
Ce Rhioton hat geschrieben:
123Kid hat geschrieben: Es gilt halt auch nur bedingt das was in den Heften steht. Um mal ein häufiges Zitat zu verunstalteten.
Das Es gilt, was in den Heften steht ist ein Zitat von Wim Vandemaan, einem der beiden amtierenden Expose-Autoren des Perryversums. ;)
Ich habe auch nix anderes geschrieben, oder?
Aber was steht in den Heften? Handlung? Kanon? Beides? :D
Ich glaube Du zerfaserst das etwas.
"Wer definiert was Kanon ist?"
Die Expokraten bestimmen das, indem sie festlegen "was in den Heften steht".
Und Du hast zu diesen Fakt "auch nix anderes geschreiben". Also hast du deine Frage doch damit beantwortet.
Warum wiederholst du sie dann noch mal, wen du die Antwort kennst?


In der Regel ändert auch ein späterer Expokrat nichts am Kanon, selbst wenn er mit der ein oder anderen Sache unglücklich ist. Und ja, zum Kanon gehört die Handlung. Was sollte denn sonst zum Kanon gehören, wenn nicht die Handlung und die Aussagen, die in der Handlung gemacht werden?

Wenn jemand in seiner Geschichte etwas schreibt, das Widersprüchlich zur Handlung eines vorherigen Romans ist - wie beispielsweise die Geschichte über die Entstehung der Zellaktivatoren der MDI, dann ist es ärgerlich und ein Bruch mit dem bisherigen Kanon.
Um das zu flicken, wird dann oft ein neuer Kanon entwickelt, der beide Aussagen irgendwie unter einen Hut bringt.
Das ist ärgerlich für die Leser, ärgerlich für die Autoren, aber es passiert eben.

Die Leser können letztlich nur darüber spekulieren, was zum Kanon gehört und was nicht. Den Expokraten wird das aber sicher viel gegenwärtiger sein und sie werden dies auch berücksichtigen, wenn sie auf etwas aus der Vergangenheit zurückgreifen wollen.
Eine andere Bedeutung hat der Kanon nicht.

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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von LaLe » 11. April 2019, 14:17

Eine widersprüchliche Darstellung ist eine widersprüchliche Darstellung. Egal was für Probleme manch einer mit der Definition eines Kanons haben mag. Und in einer fortlaufenden Geschichte sind solche Widersprüche ärgerlich weil sie die Konsistenz der Erzählung aufweichen. Das ist Beliebigkeit, dann brauche ich mir um eine serienimmanente Logik keine Gedanken mehr machen. Einer SF-Serie steht das IMO schlecht.
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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von Ce Rhioton » 11. April 2019, 14:21

@ Thoromir:
Nach deiner These überschreibt ergo der gegenwärtige Kanon im Zweifelsfall den vorherigen?
Das hieße in Konsequenz allerdings, es gibt nicht wirklich einen Kanon und der Beliebigkeit wäre Tür und Tor geöffnet?

Edit: LaLe war schneller.
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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von Thoromir » 11. April 2019, 14:33

Ce Rhioton hat geschrieben:@ Thoromir:
Nach deiner These überschreibt ergo der gegenwärtige Kanon im Zweifelsfall den vorherigen?
Das hieße in Konsequenz allerdings, es gibt nicht wirklich einen Kanon und der Beliebigkeit wäre Tür und Tor geöffnet?

Edit: LaLe war schneller.
Nein, da interpretierst du was rein :-)
Ich habe sogar im Gegenteil gesagt: In der Regel ändert auch ein späterer Expokrat nichts am Kanon, selbst wenn er mit der ein oder anderen Sache unglücklich ist.
Falls dich jetzt das "in der Regel" stört: Das beziehe ich eben auf Fälle wie besagte Zellaktivatoren. Denn da kam es nun einmal zu einem bösen Widerspruch, der dann so geflickt wurde, indem man nachträglich meinte "ES habe sich wegen seiner Beinfluss nur falsch erinnert".
Aber von solchen Fällen abgesehen ändert eben auch ein späteer Expokrat nichts an dem was ein Vorgänger zum Kanon gemacht hat.

Ganz im Gegensatz zu den Machern von Star Trek Discovery.

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Re: Vermeintliche Widersprüche: von Rauchern und anderen

Beitrag von LaLe » 11. April 2019, 14:42

Im Zuge einer SF-Serie kann man natürlich auch an der Vergangenheit drehen, Stichwort: Zeitreise. Aber selbst das wäre keine Änderung des Kanons oder ein Widerspruch zu bislang Geschriebenen, sondern eine aus der fortlaufenden Handlung resultierende Änderung. Ich denke da z. B. an die Twonoser, die im Jahr 2402 eigentlich vollständig ausgelöscht wurden im 5. Jahrhundert NGZ aber mit 20 Milliarden Individuen wieder Einzug ins Perryversum fanden.

Im Zweifel kommt es eben auf die Erklärung an. Die Erklärung "anachronistisches Stilmittel" kaufe ich allerdings nicht.
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