Charakteristik der Autoren

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Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon cold25 » 28. März 2013, 00:40

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cold25
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Werner Fleischer hat geschrieben:
Die Gefahr bei sehr langlebigen Serien besteht das sie sich irgendwann totlaufen.


da ist was dran, andererseits war die Größe, die schiere Vielfalt immer der Grund warum PR, auch wenn ich jahrelange Pausen eingelegt habe, immer interessant blieb und ich wieder Lust hatte, einzusteigen.
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908 William Voltz - Aura des Friedens

Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon Thoromir » 28. März 2013, 11:09

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Thoromir
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zu Tifflor
Ich würde diese Millionen-Jahre-Wanderung nicht überbewerten.
Das Tifflor - mit der Stoppuhr in der Hand - Millionen von Jahren gewandert ist glaube ich nicht, will ich nicht glauben und habe ich so auch nciht verstanden.
Ich denke, Tifflor hat verschiedene Zeitebenen durchquert, die Millionen von Jahren ausmachen, seine Stoppuhr in der Hand, mag aber einen viel kürzeren Zeitraum anzeigen.

Wenn das ursprünglich nicht so gemeint war, sondern tatsächlich ein Fußmarsch von Millionen von Jahren gemeint gewesen sein sollte, dann sollten die neuen Expokratne diese Aussage schnellstens "korrigieren", denn das wäre wirklich Quatsch.

Genauso wie Robert W. G. Aerts nicht der letzte Kriminelle war, genauso ist Tifflor keine Millionen Jahre gewandert.
Da muss eine Aussage im Roman eben einfach mal "überarbeitet" werden.
Das wurde schon seit Band 1 der Serie immer wieder gemacht (Arkoniden sind eben keine Rasse, die schon seit Millionen von Jahren durch die Galaxis reist, wie Crest es im Band 1 noch behauptet hat, und es ist eben auch nicht so, das Arkoniden keine Nachnamen kennen würden. Das steht so aber im Roman drin, gilt aber nicht.

zu Voltz

Ich denke schon, das er einen Großzyklus schaffen wollte, der bis Band 1000 reicht.
Er wollte die starren Zyklusgrenzen sprengen, und die Geschichten organischer ineinander übergehen lassen.
Diese Technik des Zyklusaufbaus hat natürlich nichts mit der Handlung oder den Inhalten zu tun.
Dies hat - so wie ich das sehe - etwa nach Band 1400 aufgehört. (ich kenne die Handlung da noch nicht so genau, um das beurteilen zu können).

Schädlich kann er für die Serie kaum gewesen sein, denn wie soll der Schaden aussehen, wenn nach seinem plötzlichen tod, die Serie erfolgreich weiter lebt und jede Krise des Romanheftmarktes überlebt und weiterläuft?
Nur weil einem persönlich die Zwiebelschalen nicht gefallen kann man doch nicht sagen, der Erfinder dieses Modells habe der Serie geschadet.
Schaden tut er ihr nur, wenn sie zusammen geborchen wäre, weil niemand seine Geschichten lesen wollte.

Ich finde, Perry Rhodan wird ab Heft 650 erst so richtig gut.
Was davor war gefällt mir oft nicht. Mir ist es da einfach zu imperialistisch, zu sehr "Terra, Terra über alles!"
Aber das ist mein Geschmack, geschadet hat es der Serie nicht, denn sie ist ja trotzdem angewachsen.
Genauso ist es eben auch umgekehrt. Es muss nicht jedem gefallen, aber deshalb war es trotzdem nicht Serienschädlich.

Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon Alexandra » 28. März 2013, 21:27

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Alexandra
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Kapaun hat geschrieben: ...mehr wirklich nachvollziehbar [...] weder spannend, noch schafft oder bewahrt es Identifikationsmöglichkeiten. Ich meine, nimm alleine jetzt mal Tifflor.

Die meisten Leute lesen ja oft ... also wenn man die Beiträge so liest, bekommt man in der Regel sowieso nicht den Eindruck, dass viele sich auf die Gesamtserie berufen, sondern ihre Präferenzen haben und Abschnitte, mit denen sie sich beschäftigen. Da kann es doch nicht schaden, einer lange Zeit laufenden Person einen würdigen Tod zu geben und die Sache dann mal sein zu lassen. Umso leichter kann man dann eine neu eigeführte Figur aufbauen, statt sie irgendwo zwischen die vielen überalterten zu quetschen.



Vincent Garron hat geschrieben:An der Stelle müsste jetzt Alexandra einspringen und sich einen "alten" Vlcek rauskramen und den einem "neueren" Vlcek gegenüberstellen (also Romane mein ich natürlich). Sie würde da sicher erstaunliches zu Tage fördern (was ich niemals leisten kann ^^)

Leider fehlt mit zwischen 1100 und 1499 fast alles, und danach hab' ich zwar, aber nicht gelesen. Zu Walty Klackton gibt es einen interessanten Thread viewtopic.php?f=3&t=3601
Die Gruselsachen beschäftigen mich zur Zeit schon, aber im Kontext Montillion, die Romane mit viel Tod und Ekel drin sind meines Erachtens auffällig besser als seine anderen. Auch Dauer möchte ich schon einen Gesamtüberblick.
Vielleicht kann mir jemand einen Vorschlag zu geeigneten Texten machen, am besten Tb?
Weiter vorne im Thread hatten wir ja schon mal die Frage nach irgendeinem großen Bruch um die Zeit, aber leider ging keiner drauf ein.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon cold25 » 3. April 2013, 20:52

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cold25
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@Vincent Garron

zwei weiter Autoren würden mich noch brennend interessieren:

Hans Kneifel und natürlich der master himself

Vielleicht findest du ja nochmal die Zeit :st:
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon Vincent Garron » 3. April 2013, 21:48

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Vincent Garron
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ich muss mal kucken wer als nächstes drankommt, aber der master himself kommt - natürlich - ganz zum Schluss.

Bin derzeit ein klein wenig im Stress, aber es ist ein Stress, der Spaß macht: Ich baue mir mein Regal wieder auf, inklusive der "Halterungen" aus LEGO, und hab dann demnächst fast 2.500 PR-Hefte zum Greifen nahe im Blick :) :) :wub:

Na los, beneidet mich ! :lol: :devil:
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon cold25 » 3. April 2013, 21:54

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cold25
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ich besorge mir auch gerade die Hefte.. ein paar Zyklen habe ich schon, viele fehlen aber leider noch..
ich glaube Hans Kneifel ist von der alten Riege nur noch übrig...kein Problem schreib einfach wenn du dazu kommst.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon Vincent Garron » 15. April 2013, 19:27

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Vincent Garron
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So.. Regalbau beendet, Hefte einsortiert, jetzt gehts hier weiter:

Hans Kneifel

Bei Kneifel hab ich - zugegebenermaßen - gemischte Gefühle. Er konnte sehr spannende, fesselnde Romane schreiben, aber er hat auch Romane geliefert, da hab ich 3 oder 4 oder mehr Stunden für gebraucht (in aller Regel brauch ich 2 Stunden für einen Roman und die Geschwindigkeit ist für mich auch immer ein guter Indikator wie mir ein Roman gefällt).
Gerade im Cappin-Zyklus, der mir persönlich aber auch schon nicht gut gefiel, waren seine Romane teilweise echte Durchhänger. Im Konzil-Zyklus hingegen hab ich seine Romane sehr gerne gelesen.
Wesentlich besser waren da seine Atlan-Zeitabenteuer. Das war seine Welt, da ging er ganz drin auf.
Als ich begann hier die Autoren zu beschreiben fiel mir gleich eine Formulierung ein, die auf die besseren Kneifel-Romane passen würde (overhead, du erinnerst dich vielleicht dass ich eine solche Andeutung gemacht habe): Kneifel holte dich ab und nahm dich mit ! (Kurz und knapp, aber wie ich finde passend)
Irgendwo hab ich mal gelesen "Kneifel konnte einen wolkenlosen Himmel über eine halbe Seite beschreiben ohne dass einem langweilig wurde". Das kann ich zwar nicht für alle seine Werke bestätigen, aber hin und wieder... ja, doch.

Während des Endlose Armada-Zyklus stieg er als Teamautor aus der Perry Rhodan-Serie aus, schrieb aber weiterhin bei den Planetenromanen mit und (natürlich) an der Atlan-Serie.
Auf dem Weltcon '99 hatten wir dasselbe Hotel gebucht und ich begegnete ihm einen Morgen am Frühstücksbuffet. Es war zwar - leider - nur eine kurze Unterhaltung, aber ich erfuhr, dass er schon bald, hin und wieder einen PR-Roman schreiben werde. Ich habe diese leider (noch) nicht alle gelesen, da ich zwischen ~2140 und 2498 eine Lesepause hatte, aber einer der besten Romane des aktuellen Neuroversum-Zyklus stammt ebenfalls von ihm, Band 2635 "Jagd auf Gadomenäa". Als ich das Heft gekauft habe und das EXTREM kleine Schriftbild sah, befüchtete ich, dass das eine langwierige Angelegenheit werden würde. Das waren sicher mehr als die sonst üblichen 150.000 - 160.000 Anschläge pro Heft. Tatsächlich aber war ich nach nicht ganz 2 Stunden mit dem Heft durch. Es war ein tolles Abschiedsgeschenk von ihm an uns Leser, denn nur 3 Wochen nach Erscheinen von Band 2635 verstarb Hans Kneifel.
Ich würde ihm wünschen, dass er nun - wie Ernst Ellert - als freies Bewußtsein durch die Zeit reisen kann, und die Epochen über die er so gerne geschrieben hat, live miterleben kann....

Bild
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon DelorianRhodan » 15. April 2013, 20:02

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DelorianRhodan
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Vincent Garron hat geschrieben:So.. Regalbau beendet, Hefte einsortiert, jetzt gehts hier weiter:

Hans Kneifel

Bei Kneifel hab ich - zugegebenermaßen - gemischte Gefühle. Er konnte sehr spannende, fesselnde Romane schreiben, aber er hat auch Romane geliefert, da hab ich 3 oder 4 oder mehr Stunden für gebraucht (in aller Regel brauch ich 2 Stunden für einen Roman und die Geschwindigkeit ist für mich auch immer ein guter Indikator wie mir ein Roman gefällt).
Gerade im Cappin-Zyklus, der mir persönlich aber auch schon nicht gut gefiel, waren seine Romane teilweise echte Durchhänger. Im Konzil-Zyklus hingegen hab ich seine Romane sehr gerne gelesen.
Wesentlich besser waren da seine Atlan-Zeitabenteuer. Das war seine Welt, da ging er ganz drin auf.
Als ich begann hier die Autoren zu beschreiben fiel mir gleich eine Formulierung ein, die auf die besseren Kneifel-Romane passen würde (overhead, du erinnerst dich vielleicht dass ich eine solche Andeutung gemacht habe): Kneifel holte dich ab und nahm dich mit ! (Kurz und knapp, aber wie ich finde passend)
Irgendwo hab ich mal gelesen "Kneifel konnte einen wolkenlosen Himmel über eine halbe Seite beschreiben ohne dass einem langweilig wurde". Das kann ich zwar nicht für alle seine Werke bestätigen, aber hin und wieder... ja, doch.

Während des Endlose Armada-Zyklus stieg er als Teamautor aus der Perry Rhodan-Serie aus, schrieb aber weiterhin bei den Planetenromanen mit und (natürlich) an der Atlan-Serie.
Auf dem Weltcon '99 hatten wir dasselbe Hotel gebucht und ich begegnete ihm einen Morgen am Frühstücksbuffet. Es war zwar - leider - nur eine kurze Unterhaltung, aber ich erfuhr, dass er schon bald, hin und wieder einen PR-Roman schreiben werde. Ich habe diese leider (noch) nicht alle gelesen, da ich zwischen ~2140 und 2498 eine Lesepause hatte, aber einer der besten Romane des aktuellen Neuroversum-Zyklus stammt ebenfalls von ihm, Band 2635 "Jagd auf Gadomenäa". Als ich das Heft gekauft habe und das EXTREM kleine Schriftbild sah, befüchtete ich, dass das eine langwierige Angelegenheit werden würde. Das waren sicher mehr als die sonst üblichen 150.000 - 160.000 Anschläge pro Heft. Tatsächlich aber war ich nach nicht ganz 2 Stunden mit dem Heft durch. Es war ein tolles Abschiedsgeschenk von ihm an uns Leser, denn nur 3 Wochen nach Erscheinen von Band 2635 verstarb Hans Kneifel.
Ich würde ihm wünschen, dass er nun - wie Ernst Ellert - als freies Bewußtsein durch die Zeit reisen kann, und die Epochen über die er so gerne geschrieben hat, live miterleben kann....

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Ich glaube, er ist schon vorher mental ausgestiegen. Vor seinen späteren Gastromanen hat er nach Band 1000 nur noch drei geschrieben (1019, 1038 und 1119) und die waren nicht so berauschend. Auch vor Nr. 1000 hat er kaum noch für die Serie geschrieben, die letzten vor Nr. 1000 waren 943 und 956 und die waren auch nicht .............Nr. 956 war nach meiner Einschätzung der schlechteste Roman des 900er Zyklus, wobei ich unschlüssig bin, ob Nr. 943 direkt in der Rangfolge folgt. So sehr ich viele Romane von Hans Kneifel gerne gelesen habe und schätze, es tut mir leid, für die Zyklen zwischen 900 und 1200.

Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon Alexandra » 16. April 2013, 00:27

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Alexandra
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Der in den vierten Band von „ATLAN – das absolute Abenteuer“ aufgenommene Roman „Die SOL und der Koloss“ (Atlan 507) weist viele typisch Kneifelsche Züge auf.
Da gibt bestimmte Wörter wie „Scharfsinn“ (S.8), er „verzog spöttisch die […] Lippen“ (S.85), „Während er […] ausgiebig musterte“ (S.86), „großzügig“ (S.23), und einer „läuft wie ein gereiztes Raubtier hin und her“ (S.47), „das leise Gelächter entspannte die Situation“ (S.18) – und weitere. Auch „,Ahlnaten!’, signalisierte der Extrasinn überflüssigerweise“ (S.19) kling mehr als vertraut, so wie „ich versuche zu lernen – von euch“ (S.21).
Im Worfeld sagen sind die Lieblingsverben murmeln, grollen, knurren und brummen. Positroniker oder Extrasinne wispern. Das einfache sagen dramatisiert: „,Wir kennen dich und wir vertrauen dir’, sagten einige Buhrlos laut“ (S.15). Sprechhandlungen stehen im Zentrum, die Protagonisten sind Alphamännchen, die mit ihren Aussagen etwas Entscheidendes bewirken, und ihre Denkhandlungen sind ebenso exponiert dargestellt. Ihnen stehen Alphaweibchen zur Seite, sehr starke und unabhängige Frauen.
Arlana ist eine jener typischen Frauengestalten. Sie ist „jung, gepflegt, selbstsicher und außerdem ausgesprochen hübsch“ (S.66), mit sympathischer Stimme und „tadellos gepflegten Zähnen“ (S.66). Der High Sideryt beobachtet ihre „bemerkenswerte Figur“ (S.8) und in ihren Augen „das Funkeln eines eiskalten Willens“ (S.8) – der in seiner düsteren Klause thronende Tyrann erlebt sie von einer anderen Seite als Atlan, den sie mag und gut behandelt. Ihre Wohnung, in der sie herrscht, hat eine „exotische Einrichtung“ (S.78), und auf ihren Kopfdruck hin ertönt leise Musik. Da fällt einem sofort das letzte Treffen mit Mirona Thetin ein.
Arlana besitzt „erstaunliches Geschick“ (S.69) im Herrichten des Nötigen – sie ist Ärztin, hat Medikamente, bietet ihm realistischerweise „Wasser und ausreichend Nahrung“ (S.68) an und deckt ihn zu, als er einschläft. Atlan ist „mehr als verblüfft“ (S.69), als sich das Wasser als aufwändige Dusche mit allem Drum und Dran entpuppt, und Atlan findet noch dazu auch hier ein weißes Handtuch. Zu trinken gibt es ebenfalls das Übliche, Atlan „roch Fruchtsaft mit starkem Alkohol“ (S.67). Sie bedient und umsorgt ihn, bleibt aber jeden Moment selbstbewusst: Als Atlan zwei Vermutungen in den Raum stellt, nämlich entweder sei sie eine „sehr außergewöhnliche Frau“ oder dies sei eine perfekte Falle, bestätigt sie ohne jedes Zögern: „Ersteres trifft zu“ (S.69). Er fragt sie um Erlaubnis, ehe er sich auf ihrer Liege schlafen legt, zum Abschied „zog (er) Arlana zu sich, küsste sie lange und löste sich dann langsam von ihr“ (S.78). Er bedankt sich, sie lässt ihn gehen, und bietet ihm an, jederzeit wiederzukommen: Sie sagt, „Ich werde um dich zittern“, er antwortet:]“Ich würde gern bei dir bleiben, wenigstens für eine Weile“, worauf sie ihn zum Ort der Trennung führt und ihn verabschiedet: „,Komm wieder!’, rief sie ihm nach. ,Eines Tages…’“ (S.79). Arjana ist frei, Atlan ist frei und jeder respektiert die Freiheit des anderen.
Neben Sprech- und Denkhandlungen nehmen Handlungen des Stehens und Vortretens eine wichtige Rolle ein, wie in „Schließlich trat der Fremde einen Schritt nach vorn“ (S.87), oder „Der Arkonide rührte sich nicht. Mit leicht gespreizten Beinen stand er da.“ (S.86). Den Personen geht es um das Beherrschen ihrer Umgebung, allerdings können sie entweder kämpfen oder teilen. Auch untersuchen seine Personen Gegenstände und Waffen, wobei sie über Art und Funktion der Komponenten nachdenken (vgl. S.28f , 31 oder4).
Oft leiden Kneifels Personen unter unruhigem Schlaf, wie Chart Deccon (vgl. S.6), oft „gellen Entsetzensschreie“ oder „Sirenen“ (S.6) Auch das Aufwachen auf einem Schiff verwendet Kneifel gerne – hierzu möchte ich noch einmal „Der Bronzehändler und „Telegonos“ empfehlen.
Kneifeltypisch auch die Beschreibung technischer Gegenstände in einer quasi naiven Außensicht: „Die Bildschirme des Interkoms blinkten in schnellem Wechsel und zeigten ununterbrochen neue Aufnahmen des Schreckens“(S.6), oder die Beschreibung des „Ding“:
„Es gab schlanke Türme und stumpfe Kuppeln, merkwürdig geformte Antennen und unzählige scharf konturierte Luken. Sämtliche Außenflächen, auch die der Kanzeln und Tentakel, waren marmorartig gesprenkelt und von vielen Narben, Rissen und Einschlägen gezeichnet. Die Spuren von Feuer und Hitze waren nicht zu übersehen.“ (S.7)


Eigentlich ist das die Beschreibung einer archaisch märchenhaften Stadt, bei technischen Elementen werden die Adjektive unbestimmt. Zur Verlebendigung durch Tentakel und Narben kommt die klare Nennung von umweltbedingter Materialermüdung. Immer wieder bezeichnet Kneifel den ramponierten Status der SOL, bis hin zu den „staubbedeckten Spinnweben“ (S. 11). Auch Atlan erwartet so was nicht auf einem Raumschiff und führt sie auf die Fauna der SOL-Farmen zurück, uns Lesern vermittelt es aber eine echte, lebendige Welt, nicht die herkömmliche sterile.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon cold25 » 28. April 2013, 16:29

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cold25
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Was waren denn die besten Hefte, die sich nur mit der Charakterisierung von Personen befassen.
Ich habe es zwar noch nicht gelesen aber ich meine Hefte so à la 2200 von Robert Feldhoff.
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Vincent Garron
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cold25 hat geschrieben:Was waren denn die besten Hefte, die sich nur mit der Charakterisierung von Personen befassen.
Ich habe es zwar noch nicht gelesen aber ich meine Hefte so à la 2200 von Robert Feldhoff.

huch, deine Frage muss mir irgendwie durchgerutscht sein, sehe sie grad das erste mal bewusst.
Was genau meinst du mit "nur mit der Charakterisierung von Personen befassen" ?
Lebensgeschichten gibt es so viele bei PR, die alle ihren jeweiligen Charme (oder auch nicht haben), dass, wenn du 10 Fans fragst, du wahrscheinlich 11 verschiedene Antworten erhältst.
Ich könnte jetzt hier darauf mit meiner Ansicht antworten, aber zum einen denke ich, wäre eine solche Frage in einem seperaten thread besser aufgehoben (eben wegen der Vielschichtigkeit der möglichen Antworten) und zum anderen gehts doch hier um Autoren.
Also Vorschlag von mir: Mach doch da mal einen thread auf und bitte darum, dass jeder der antwortet seine Antwort mit mindestens 1-2 Sätzen begründen soll.

Aber jetzt mach ich weiter...... :)
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Vincent Garron
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Nachdem ich schon zweimal angefangen hab will ich es heute durchziehen. Wie schrieb hier schon ein anderer Forist: The master himself.....
William Voltz

Ich mache es mir an dieser Stelle zunächst mal einfach und zitiere mich selber aus einem anderen thread:
Vincent Garron hat geschrieben:Sicher ungewöhnlich was ich jetzt antworte, aber egal:
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Ich gebe zu, als ich den Roman las war ich 14 und in dem Alter ist man für den Humor in dem Roman einfach empfänglicher, als ich es heute mit 44 wäre....
Ein Roman ohne Rhodan, ohne Bully, ohne Atlan, ohne Mutanten dafür mit einem frisch vermählten Ehepaar in den Flitterwochen und einem nach Zigaretten süchtigen Avoiden (vogelähnlichen). Was für ein Plot ! Zu Beginn dachte ich mir "Herr im Himmel, was soll denn DABEI rauskommen ?"
Es kam eine Geschichte dabei raus die so verdammt UNheldenhaft war, eindringlich und irgendwie.. ja... realistisch, dass ich befürchtete, wenn ich das Heft jetzt zuschlage und mich rumdrehe steht Schnitz (der Avoide) hinter mir. Zum ersten mal erlebte ich wie sorgfältig William Voltz (für die Gesamthandlung) völlig unbedeutende Charaktere aufbauen und ihnen Leben einhauchen konnte. Und ich erfuhr auch zum erstenmal was "voltzen" bedeutet, nämlich dass WiVo den Charakter, den er mit soviel Charme und Eindringlichkeit ins Leben gerufen hatte, sterben ließ. Als ich mit dem Roman fertig war hatte ich echt Pipi in den Augen (hey... ich war 14).
Ob es der beste Roman war ? Weiß nich... aber der - für mich - eindringlichste.


William Voltz hatte einfach dieses - im amerikanischen würde man sagen - "god-given talent". Er konnte so schreiben, dass es einen "anfasste", gerade wenn es um die charakterlichen Darstellungen seiner Figuren ging. Spätestens nach 20 Seiten hatte man sich mit seinen Figuren identifiziert, freute sich mit ihnen, litt mit ihnen und befürchtete dann immer (wenn man schon einige Voltz-Romane gelesen hatte) dass die gerade liebgewonnene Figur am Ende des Romans "gevoltzt" wird.
Was mir persönlich an seinen Romanen aufgefallen ist, war, dass in der Phase in der er Exposé-Autor wurde, seinen Romanen eine Art von "Plan" zugrunde lag, ähnlich der Richtung in die er auch die Serie lenkte. Es ging dann desöfteren um die Frage nach der "kosmischen Bestimmung", was irgendwie Willys zentrales Thema war. Darüber wollte er schreiben, darüber wollte er sich Gedanken machen. Und mit dieser Zielrichtung hat er den Geschmack vieler Leser getroffen. Es gelang ihm, die vorher lose aufeinander folgenden Zyklen in einen Kontext zu bringen und in Verknüpfung mit der Frage nach der "kosmischen Bestimmung" eine gewisse Sinnhaftigkeit in die Serie einzuführen.
Ging es in den Anfangstagen der Serie eher darum, den übermächtigen Gegner niederzuringen, ging es nun darum den übermächtigen Gegner niederzuringen und dessen Antrieb zu verstehen. Es ging nicht mehr nur darum, den Gegner zu hinterfragen sondern auch sich selber, und das alles eingebettet in eine Kosmologie die nach einem Plan aufgebaut sein sollte, die dann als "Zwiebelschalenmodell" bekannt wurde.
Unabhängig von diesem "großen" Plan blieb Willy aber immer auch bei den "kleinen" Figuren, Helden die eher un-heldenhaft agierten und gerade deswegen so beliebt waren.

Aber dennoch bleibt die Frage, was hat William Voltz so sehr unterschieden, dass man seinen Namen wie keinen anderen mit Perry Rhodan verbindet ?
Ich hab mich das anfangs oft gefragt und habe für mich irgendwann eine Erklärung gefunden:
Willy hat als damaliger Expokrat Band 1000 geschrieben. Und er hat es mit und in diesem Roman geschafft die Perry Rhodan-Serie für einen winzigen Moment, für einen aus zweitausendsechshundertachtundneunzig Momenten, aus der Trivialität hervorzuheben.
Und das ohne erhobenen Zeigefinger, ohne ein perfektes Utopia zu zeichnen, sondern mit - sicherlich - real vorkommenden Ereignissen, die er an der Figur Perry Rhodan gemessen hat. Zumindest war das immer mein Resümeé aus Band 1000.

Perry Rhodan ist nur eine Romanfigur. William Voltz hingegen ein real existierender Mensch. Und für mich ist William Voltz der Terraner.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon cold25 » 3. Mai 2013, 23:42

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cold25
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klasse Beitrag :st: und das macht mich so neugierug auf den Aphilie Zyklus, den ich bald beginne und wenns denn wirklich dazu mal kommen sollte, dass ich soweit lese, total neugierig auf Band 1000.
Ich kann mir unter dem Begriff kosmische Bestimmung in Bezug auf PR immer noch nicht so richtig was vorstellen obwohl ich es überall gelese habe.
Ohne mich zu sehr zu spoilern, was verstand Voltz darunter?
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Vincent Garron
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im weitestgehenden Sinne: Die "Sinn-Frage" überhaupt. Ist das hier alles nur blanker Zufall oder gibt es da irgendwas oder irgendwen und sowas wie einen "Plan", dem man nicht entkommen kann (was dann wieder die Frage nach dem Determinismus aufwirft). Ist das was passiert eine lose aufeinanderfolgende Kette von nicht vorhersehbaren Einzelereignissen bei denen ich (ich = aus Sicht des jeweiligen Protagonisten) nicht anders entscheiden konnte oder habe/hatte ich einen "freien Willen" ?
Und dann, mit Einführung des Zwiebelschalenmodells natürlich die Frage: Was wird aus der Menschheit als Ganzes ? Interessant dazu - gerade für dich, da du derzeit den Konzils-Zyklus liest - die (später folgende) Erkenntnis, dass das Konzil der Sieben, obwohl es sehr destruktiv rüberkommt, kosmologisch über den Terranern steht !
Das ändert nicht wirklich was am Inhalt der einzelnen Hefte. Aber wenn man irgendwann mal so zurückblickt und die Zyklen Revue passieren lässt, wirft das ein ganz anderes Licht auf diesen Zyklus ;)

(Noch mehr kann ich jetzt nicht schreiben, sonst wirds zu spoilerig ^^)
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon cold25 » 9. Mai 2013, 11:22

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cold25
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Welcher Autor hat eurer Meinung nach denn die besten Raumschlachten beschrieben?

Ich empfand diese Schlachten bei dem was ich bisher gelesen habe, meist nur immer als Last.
H.G. Ewers brachte da in seinem Roman 692 Die Insekten-Königin doch etwas Kurzweil und Abwechslung rein.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon erzkoenig » 9. Mai 2013, 12:08

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cold25 hat geschrieben:Welcher Autor hat eurer Meinung nach denn die besten Raumschlachten beschrieben?

Ich empfand diese Schlachten bei dem was ich bisher gelesen habe, meist nur immer als Last.
H.G. Ewers brachte da in seinem Roman 692 Die Insekten-Königin doch etwas Kurzweil und Abwechslung rein.


Mein persönlicher Favorit war 1395 "Kampfkommando Ragnarök" von Peter Griese.. das war wirklich packend..
Es sollte uns nachdenklich stimmen, dass "jemanden anführen" im Deutschen auch heißen kann jemanden zu betrügen
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"Der Fall Kolumbus" (PR 88).

Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon wepe » 10. Mai 2013, 00:14

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Über vier Bände hinweg eine strategische Top-Planung, spannende und sehr unterschiedlich angelegte Kampfszenen ohne Wiederholungen - das schafft so schnell keine neue PR-Planung nochmal! :D
(m)ein schönes Hobby: https://www.mercatorsnachbarn.de

Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon Alexandra » 10. Mai 2013, 01:58

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edit von dee 13.05.2013: Text auf Wunsch von Alexandra ersetzt:


Vor einiger Zeit bat mich Vincent Garron um weitere Bemerkungen zu Vlcek, aber leider hatte ich erst jetzt Zeit.
Das kam so:

Wenn beim Griff in beliebige Stapel vier von sechs Romanen von einem Autor stammen, so ist es ein klares Zeichen, dass die Romane nach einen Herausarbeiten ihrer Charakteristika schreien. Vor allem, wenn es die Romane des ehemaligen Lieblingsautors sind, und dieser sich neben Science Fiction und Fantasy auch mit Horror beschäftigt hat. Da kommt man dem Aufruf lieber mal nach, man weiß ja nie…
… trotzdem werde ich heute nur auf einen von ihnen eingehen. Ich hoffe, die Geister geben sich damit zufrieden.

Spoiler:
Ernst Vlcek und die spitzen Zähne
Ernst Vlceks stieg mit Heft 509, „Die Banditen von Terra“, in Perry Rhodan ein, und Heft 2231, „Der Klang des Lebens“, war sein letzter Beitrag zur Hauptserie, vier Jahre vor seinem Tod. Er betreute die Exposés 800 Hefte lang, bis 1999, und zeitweilig auch den PR-Report und die Leserkontaktseite. Darüber hinaus schuf er „Dämonenkiller“ Dorian Hunter und arbeitet mit am Fantasyhelden Mythor. Hier möchte ich mich mit dieser düsteren, irrationalen Seite beschäftigen, die er einbrachte, und zwar anhand von PR 2205, „Das Blut der Veronis“, veröffentlicht am 25. November 2003 als Fortsetzung des sehr lesenswerten „Planet der Mythen“ von Claudia Kern, und unmittelbar fortgesetzt im „Gesang der Hoffnung“ von Frank Borsch. So ist der Roman zwar vollständig eingebunden, spielt aber fast zur Gänze unter Tage, und hier gelten andere Regeln, die das Genre Science Fiction verlassen.
Diese Hauptpersonen sind Perry Rhodan und Atlan, die mit Lotho Karaethe in den Sternenozaen von Jamondi eindrangen und sich nach dem Absturz auf einem unbekannten Planeten allein durchschlagen müssen. Nach monatelangem Aufenthalt bei hundeähnlichen Einheimischen, von denen sie die Sprache lernen, begeben sie sich auf die Suche nach wurden sie gefangen genommen und wachen im ersten Kapitel in der Mine auf.
Um einen Vergleich außerhalb der Perry-Rhodan-Welt zu bekommen, habe ich den ersten Band von „Dorian Hunter“ gelesen, und war überrascht, wie schnell Vlcek die Handlung Fahrt aufnehmen lässt, indem er mit ganz und gar vertrauten Versatzstücken arbeitet: Die Fahrt zum Vampirschloss, die diversen Särge, Kreuze und Wahnsinnigen, die der Leser sofort wieder erkennt.
Im „Blut der Veronis“ finden wir ebenfalls vertraute Vorlagen: Einerseits eine unterirdische, ausgebeutete Arbeiterschaft, welche die auf der Oberfläche Lebenden versorgt, genau wie im Film „Metropolis“. Andererseits ist da eine solidarisch organisierte Arbeiterschicht mit Aufsehern und Arbeitstrupps, und die Leitung ist ehrgeizig, steht von oben her unter Druck und benutzt seine Macht, um diesen Druck ungehemmt nach unten weiterzugeben, ganz wie im richtigen Leben. Drittens kennen wir unterirdische Höhlenlabyrinthe, in denen jemand ausgebeutet wird, aus diversen Romanen, aus Fantasy-Titeln ebenso wie aus dem antiken Hades, der Totenwelt.
Wie dieser Hades hat auch die Mine eine ganz tiefe Stelle, an der die ganz schlimmen Dinge passieren, und wie dort kann man auch hier zur Oberfläche klettern, wenn man den Mut hat. Und der in Gesängen beschworenen Schutzherr heißt Jopahaim, ein typisch hebräischer Engelsname.
Viertens kennen wir die Hauptpersonen, und ihre Persönlichkeiten werden in ausgeprägter Weise in die Handlung eingebaut, erzähltechnisch wie inhaltlich. Die Halskrausen mit eingebauter Giftspritze, die die Flucht verhindern, sind auch nichts Neues, in PR kannte ich sie allerdings bisher nicht. Darüber hinaus erinnert Atlans Verhalten mich an gewisse Prinz-Eisenherz-Geschichten. Wie auch ganz ausgeprägt in den Klackton-Geschichten bringt Vlcek vertraute Tierarten ein, und seine Cyborgs sind mir aus dem Tb „Satans Universum“ in deutlicher Erinnerung.
Mit dem Gang unter die Oberfläche verbleiben nur noch die Charakterzüge der beiden Helden und ein paar moderne Waffen, in die Cyborgarme der Igelähnlichen eingebaut, und ein Brocken Interkosmo vom Genre Science Fiction, stattdessen tauchen wir in ein unterirdisches Labyrinth voll Sklaven, Geschichten und Gruselgestalten ein. Interessant, dass Vlcek den pseudowissenschaftlichen Begriff „Psi“ konkret durch „Geister“ und „Blut“ ablöst, was ohne weiteres geht. Sprachlich hat er das interessant gemacht, weil Atlan „parapsychisch“ auf Interkosmo sagen muss mangels Wortschatz (vgl. S.20), andererseits das Wort „joten“ für die Fähigkeit der Motana, den Schaumopal zu erkennen nicht übersetzbar ist: „Joten bedeutet offensichtlich wittern. Oder espern?“ (S.26).


Prolog und Epilog stellen den Vertreter des dortigen Unterdrückungssystems dar, den igelartigen Kybb-Cranar namens Raphid-Kybb-Karter, Direktor der Schaumopalmine im „Heiligen Berg“ von Baikhal Cain. Im Prolog schäumt er vor Wut wegen seines mangelnden Aufstiegs. Er reflektiert, in welchem Ausmaß er sich für die Karriere zum Cyborg hat machen lassen – was uns seine in die künstlichen Arme eingebaute Neuropeitsche vorstellt, seine rot lackierten Rückenstacheln und die Motive seiner Bosheit, nämlich Aufstiegswillen und völlige Gleichgültigkeit den Motana-Sklaven gegenüber. Die schwarzen Augen und spitz zugefeilten Zähne finden sich jedoch auch andernorts bei Vlcek (vgl. http://www.gruselromane.de/vhr/romane/vhr031.htm).
Der Übergang von Prolog zur Haupthandlung ist ebenso harmonisch gestaltet wie der von einem Kapitel zum anderen: Raphid-Kybb-Karter schickt sich an, die neue Ladung Sklaven zu begrüßen. Im Epilog schäumt er über die gelungene Flucht, schickt noch zwei Untergebene in den Tod, weil er unbedingt die Leichen der scheinbar Umgekommenen haben will, und geht dann zur Tagesordnung über. Ein gelungenes Psychogramm dieses Menschentyps, der im realen Leben stets an Schlüsselstellen der Macht zu finden ist, und zugleich eine Einführung in Sinn und Art der Mine, in der unsere Hauptpersonen aufwachen.
Der Hauptteil schildert Orientierung, Selbstbehauptung und Flucht unserer Helden in einer Gruppe von in die Mine entführten Humanoiden, die sich in ihr Schicksal ergeben haben und selber noch aktiv an ihrer Unterdrückung mitarbeiten, ohne sich darin wohlzufühlen. Er umfasst elf Kapitel, die abwechselnd Perry Rhodan und Atlan im Titel führen und somit als Reflektorfigur etablieren, aus deren Perspektive erzählt wird, subjektiv und unter Entwicklung von viel persönlichen Eigenschaften, aber stets in personaler Erzählsituation.
Im Verlauf wird Atlan jedoch auch echter Erzähler, der als Ich-Erzähler von seinen Zeitabenteuern erzählt, was wiederum im Gesang der Montada verarbeitet wird, bei dem Atlan mitsingt - ein amüsantes Spiel mit der fiktionalen Realität, bei der der Leser in zusätzlichen Erinnerungen schwelgen kann. Mit noch einer Spiegelebene, wenn Atlan als „Bruder der stählernen Wölfe“ besungen wird und wir uns erinnern, dass Vlcek „Wolf“ heißt.
Alle ungraden Kapitelnummern sind Perry Rhodan zugeordnet, alle geraden Atlan. Die ungraden Kapitel handeln entsprechend von sozialen Aktivitäten, Gemeinsamkeit, Sorge um den anderen, Hilfe, Organisation und Rettungsaktionen. In den gradzahligen Kapiteln geht es um Machtkämpfe, Auseinandersetzungen, Aufbegehren. Durch die Zahl elf entsteht Dynamik, die den Ausbruch aus der Schaumopalmine auf formaler Ebene begleitet. Mit Prolog und Epilog ergeben sich dreizehn Abschnitte, eine Zahl, die ebenso dem Genre Gruselgeschichte angehört wir der blutige Titel.
Die eigenartige schwingende Atmosphäre entsteht neben dem einschlägigen, oben zitierten Wortschatz und die subjektiv geprägte Informationsvergabe durch die vielen Vergleiche, die den Text durchziehen. Um sie einfach mal die von drei Seiten aufzuzählen: (S. 5) kahlköpfig wie in seiner ersten Vision – silbernen Fingernägel funkelten wie Edelstein – gedrungene Gestalt, als stamme er – schaukelte, als gleite es über Wellen- Augen des Fremden bohrten sich wie Nadelspitzen – ein Brennen und Stechen, als sei er in Nesseln gewickelt – (S.6) sie hatten ihn an Igel erinnert – Humanoide, sehr menschenähnlich – nicht weiß, sondern hellblond – macht dich älter – erinnerst mich an ES – (S.7) größere Halle, die wie aus Fels gewachsen war – Neigung des Gleiters war bereist so stark, dass sie ins Rutschen kamen – schien, als hätten sich die Gefangenen in ihr Schicksal ergeben – sie tragen solche Halsringe wie wir usw., ergänzt um viele Fragen, welche Ratlosigkeit ausdrücken.
Außerdem vermittelt Vlcek dem Leser die Geschichte vor allem über Hör- und Bewegungseindrücke, dazu kommen olfaktorische Momente und die vielen lebhaften Dialoge. Keine statischen Sprechhandlungen wie bei Kneifel, sondern echter Austausch mit offenem Ausgang. Geräusche sind überall: Sirenen ertönen, im Berg ertönen dumpfe Geräusche, die den Veronis zugeschrieben werden, die hässlichen Suchtiere winseln und die Leute geben unartikulierte Laute von sich. Die Aufseherinnen riechen nicht, aber als Latrinen diesen Felsspalten, und „der Gestank (ist) bestialisch“ (S.24).
Vlcek verwendet immer wieder gerne Tiere und deren Attribute, vgl. seinen Erstroman. Er verwendete viel Zeit auf Atlan der hier so nah und persönlich gestaltet wird wie selten. Als die beiden in der Mine aufwachen, tastet Perry um sich, und Atlan fasst ihn von hinten an. Allerdings fragt er, ob es Perry sei, denn er kann er nichts sehen, und er hält sich „wie ein Blinder, der Halt sucht“ (S.6) an Perry fest. Rhodan zieht Atlan wegen seines ES-ähnlichen weißen Barts auf, und dieser reagiert sehr persönlich: „,Ich bin nicht weiß, sondern hellblond’, berichtigte (er) träge.“ (S.6). Diese Nähe gipfelt in Atlans Gedanken „Zanken wir uns schon wie ein altes Ehepaar wegen jeder Kleinigkeit“ (S.11), begründet mit der Gewohnheit der beiden, große Probleme zu lösen, statt sich um Essen und Schlafplatz zu sorgen.
Wegen der körperlichen Hilflosigkeit, die Atlan aufgrund seiner Aufsässigkeit im Umgang mit Autoritäten im Laufe des Romans immer wieder befällt, muss Rhodan ihm zuverlässige Unterstützung und Orientierung bieten. Trotzdem ist Atlan sehr klar und beobachtet alles, rebelliert auch von Anfang an, während Rhodan viel vorsichtiger ist. Atlan thematisiert denn auch ihre metallenen Halskrausen, durchschaut sofort ihre Kontrollfunktion und zerrt daran. Trotz der „aussichtslosen Situation“, dem „Stöhnen und Wimmern“ und der „beklemmenden Stille“ (S.7) um sie herum steht Atlan auf, sucht seine Waffen und entledigt sich der Sklavenkleidung, damit alle sehen, dass er anders ist. Rhodan tut es ihm gleich.
Entsprechend dem Charakter der Reflektorfigur geht es in diesem Abschnitt um Macht, Auflehnung, Selbstbehauptung und Unterwerfung. Atlan betrachtet die Cybb-Cranat ganz genau, vor allem ihre Waffen, und muss sie sofort herausfordern, um deren Reichweite kennenzulernen. Als der Minenleiter Raphid-Kydd-Karter eintrifft, durch knallrote Rückenstacheln, Antigravplattform und Soldaten als Herr der Lege gekennzeichnet, und von den Pflichten der Sklaven spricht, wir Atlan schnell ungeduldig, tritt trotz Rhodans Warnung vor und will widersprechen, was sein Gegner aber mit seiner eingebauten Neuropeitsche unterbindet. Während er sich schreiend am Boden windet, erhalten die Sklaven weitere Informationen über ihren Halsring, der jeden Tag auf Null gestellt werden muss, um sie nicht zu töten. Atlan kann aber wieder aufstehen, ehe sein Gegner die Rede beendet.
Im nächste Kapitel steht wieder Rhodans Lebensweise im Mittelpunkt. Er will Atlan tragen, als einer der Motana ihm Hilfe anbietet. Atlan hat für beide Spott und Verachtung übrig, er konfrontiert: „Wo hast du denn gesteckt, tapferer Motana“, so dass Rhodan ihn zurechtweist: „,Sei still, Arkonide!’,herrschte Rhodan ihn an. ,Du musst dich nicht mit allen anlegen’“ (S.13), so dass Atlan nur noch „Feige, dekadente Bande“(S.13) murmelt und sich stützen lässt. Er scheint zu dösen, Rhodan bemerkt aber, dass er alles beobachtet.
Spätestens an dieser Stelle wendet sich die Handlung endgültig von der Science Fiction in die Dark Fantasy. Rhodan fragt, was die Veronis sind, deren Blut sie aus dem Berg holen sollen, und erfährt, es seien „besondere Geister. Geister, die den Heiligen Berg beherrschen.“ (S.13), was Atlan verächtlich als Aberglaube abtut. Um sie herum befinden sich „klapperige Gestalten, die dem Tod näher sind als dem Leben“ , „klapperige Schreckgestalten“, einer hat „nur noch wenige Büschel grauen, verfilzten Haares auf dem Kopf“, der andere ist „hohlwangig […] mit Glatze, „eingefallenen Lippen“ und „tief liegenden, blutunterlaufenen Augen“ (S.13). Sie herrschen Atlan an: „Still! Spart euch eure Energie für das Blut der Geister“ (S.13). Ein ganz ausgemergelter Mann fällt auf, der den beiden sehr leid tut – im inneren des Berger wirkt er aber immer fitter, während die anderen abbauen. Er heißt Fahrdin, er wird sterben und danach eine sehr aktive Rolle einnehmen.
Typisch für Vlcek auch die Hermaphroditen – die Frauen der Motana sind nur durch ihren weniger strengen Körpergeruch unterscheidbar, stellen die Vorsteherinnen, aber die Männer wollen nicht, dass sie die harte Arbeit machen, und sie haben Namen wie Aicha und Nerine – drei sehr traditionelle Züge.
Die Handlung entfaltet sich zwischen diesen Polen: Perry beginnt Gespräche und kümmert sich, während Atlan rebelliert. Die beiden „Galaktiker müssen sich mit einer Katzenwäsche genügen“ (S. 24), als Latrinen diesen Felsspalten, und „der Gestank war bestialisch“ (S.24), und noch dazu können sie den begehrten Schaumopal nur erkennen, wenn er durch einen falschen Schlag verpufft, so dass sie ihr Tagespensum nicht erfüllen. Das darf nur zwei Mal geschehen, sonst werden die Halskrausen nicht mehr auf Null gestellt, und sie sterben an Gift.
In dieser Situation beginnt Atlan von ihren Abenteuern zu erzählen, und später kommen alle und geben ihnen ein paar Brocken von ihrer Ausbeute ab, so dass sie ihr Pensum erfüllen. So geht das weiter: Atlan, der selbstbewusst erklärt: „So erzählt man Geschichten, Freund Perry“ (S.18), erzählt seine Zeitabenteuer, und die Motana, die nicht erkennen, dass er dabei gar nicht aufhören könnte, scharen sich begeistert um ihn. Sie versorgen die beiden voll Freude mit Schaumopalen, denn die Geschichten wirken, wie sie sich ausdrücken, „für uns alle belebend. Mancher hätte schon längst seinen Überlebenswillen verloren, wenn er nicht in Erwartung von Atlans Geschichten wäre“ (S.37). Wie einst im Druuf-Zyklus erzählt Atlan in der Öffentlichkeit und bewirkt viel damit.
Umgekehrt beginnen die Motana im fünften Kapitel zu singen, Perry versteht immer weniger Wörter, und der Gesang wird für ihn immer mehr zu einer Aneinanderreihung sinnloser Silben: „Keur die spiiri növe/ keur soi verenonis ekt“ (S.24) erinnert noch an Wörter aus verschiedenen terranischen Sprachen, aber „Si-de si-de volis odis/ re-no obis vek o-noj“ klingt dann schon wie ein geheimnisvoller Zauberspruch. Atlan versteht die Rhythmen und Wiederholungsmuster und singt die ganze Zeit mit, während Rhodan sich bei dem „immer mitreißender und aufwühlender, aber auch immer simpler“ (S.24) werdenden Gesang […] seltsam benommen zu fühlen begann, so als seien seine Sinne von Drogen umnebelt. […] Er erkannte, dass der Gesang in zunehmendem Maße bewusstseinserweiternd und suggestiv wirkte“ (S.24). Diese Entgrenzung in einer quasi kultischen Handlung findet sich in „Die Verlorenen von Chearth“, und die Dominanz von Priestern in „Mythor“. In „Klacktons Planet“ taucht ein überaus malerischer Anti-Priester in Robe aus der Dunkelheit auf.
Noch dazu gibt es Gasausbrüche, bei denen sie „Trugbilder“ (S.25) sehen, und stetig begleitet Grollen aus dem Berg psionischen Schockwellen, Psi-Stürme und den mentalen Druck, die im Berg vorherrschen – das immer wieder als pseudowissenschaftlich kritisierte „Psi“ der Science-Fiction-Serie offenbart sich als Okkultes.
Perry und Atlan, die Planer, schaffen es, Vorsteher zu werden, damit die anderen nicht immer mehr fördern müssen, und fordern Einsicht in die Pläne des Bergwerks. Es ist ohne statische Berechnungen durchtunnelt wie ein Schweizer Käse, und beim Versuch, eine unsichere Stelle zu überprüfen, wird Atlan mit seiner Gruppe verschüttet. Obwohl da normalerweise nie etwas unternommen wird, setzt Perry Rhodan natürlich eine Rettungsaktion durch, an deren Ende er einen schwarz verrußten Atlan ausgräbt, der in der Tiefe sehr viel Neues über die Motana, den Berg und die Veronis erfuhr.
Kurz vor dem Unfall fragt Perry eine Vorsteherin am „Paternoster“ (S.39 nach dem Verbleib der anfallenden Leichen. Dies ist ein Endlosaufzug mit sehr religiösem Namen, was einen spirituellen Hintergrund zu den Todesfällen liefert. Denn die Toten werden eben nicht bestattet, sondern liegen gelassen, und die Veronis holen sie sich, sie sind einfach weg. Perry ist das unverständlich.
Im Untergrund erfährt Atlan – wie unsere Vorfahren, die Höhlenmaler oder die Helden Tolkiens - nun die Wahrheit, denn er trifft den kürzlich verstorbenen Fahrdin. Dies fügt sich harmonisch zur abgebildeten Ausbeutergesellschaft, in der Art, in der die schicksalsergebenen Motana sich in den Unterdrückungsmechanismus fügen, indem sie freiwillig die auszufüllenden Positionen einnehmen. Denn sie werden selbst zu Veronis, oder von diesen ausgesaugt, sobald sie den Prozess der Ausbeutung durchlaufen haben. Diese treten denn auch auf wie Geister. Die verschüttete Gruppe bemerkt zuerst, das sich einer der ihren aufbäumt:

„Etwas sprudelte aus seinem Mund, dann fiel der Motada kraftlos nach hinten. […] Ein anderer Körper schlängelte sich zuckend über den Toten. Ein animalischer Laut erklang, der nach Schlürfen, Saugen und Knurren klang. Als würde ein Tier seine Beute reißen“ (S. 45).

Atlan glaubt, er würde sich wegen des erdrückenden psionischen Drucks die Geräusche nur einbilden, aber dann rufen die Motana, dass die Veronis kommen. Atlan sieht einen humanoiden Körper, „biegsam und wand sich wie eine Schlange“, ein Schemen, dessen „gichtige Klauen“ (S. 45) nach dem Sklaven greifen, der laut gejammert hatte, dass er sterben werde. Das Klagen verstummt, und es hört sich an, „als hielte ein Tier schaurige Mahlzeit“ (S.45).
Dann kommt die „furchtbar entstellte Hand“ eines Motana zum Vorschein, „weich und biegsam, wie eine Nachbildung aus Kautschuk“ (S.45). Als der Kopf „ins Freie“ stößt,, ist es „ein lang gestreckter Totenschädel mit tief in den Höhlen liegenden, blicklosen Augen. Ein Gesicht aus Beulen und offenen Wunden, mit vereinzelten Haarbüscheln am Schädel“ (S.45). Als Atlan zurückschreckt, grinst der „lippenlose Mund“ ihn an und „zeigte schwarze Zahnstummeln“. Er fragt, ob Atlan ihn erkennt, als würde er mit „zerfressenen Stimmbändern“ sprechen. Während eine zweite Hand und knochige Schultern aus den Geröll auftauschen, gibt er sich als der scheinbar verstorbene Fahrdin zu erkennen. Er wirkt auch nicht so recht irdisch, denn sein „Schädel schien einen Moment zu zerfließen, dann zog er sich jedoch zusammen und nahm normale Proportionen an“ (S.46). Während des Gesprächs verzerrt es sich immer wieder.
Fahrdin bietet Atlan die Hilfe an, die er ihm jetzt als Veronis leisten kann, weil er durch jede Ritze kommt. Atlan nimmt natürlich an und kann von Perry gerettet werden, letztendliche Befreiung auf dem Höhlenlabyrinth bewirken jedoch ganz klassisch ihre Entschlossenheit und ihr Mut.
Mit dem Aufstieg aus der Unterwelt verklingt die Dark Fantasy, wir kehren ins normale Perry-Rhodan-Universum zurück. Einen schwächlichen Montana, der gerne stirbt, wenn er nur noch einmal die Oberfläche sehen kann, nehmen Atlan und Perry mit. Sie müssen ihn mitschleppen, dafür verhilft er ihnen aber aus poetischer Gerechtigkeit zur Freiheit, denn er erkennt statt der glatten Wand einen Schaumopal, der bei Berührung verpufft und den Weg freigibt – es ist jetzt ganz normale Psi-Energie, in die er sich verwandelt, kein Geisterblut mehr.
Die drei erreichen die Oberfläche, der Montana gibt ihnen seine Habseligkeiten, zeigt ihnen den Weg zu seinem Stamm und genießt den freien Blick auf seine vertraute Welt. Dann ist das Zeitlimit für die Halskrausen überschritten, die Giftspritzen werden ausgelöst – und die Zellaktivatoren tun ihre Arbeit.
So bietet uns dieser Roman deutliche Einblicke in Ernst Vlceks verschiedene Schwerpunkte, und zugleich bietet er gute Ansatzpunkte für eine Diskussion über Pseudowissenschaftliches als konstituierendes Element einer Science-Fiction-Serie, deren Leser wohl überwiegend Techniker und Naturwissenschaftler sind, die Autoren jedoch aus den Geisteswissenschaften stammen, die aber enorm viele Bestandteile der Fantasy enthält.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon Pangalaktiker » 10. Mai 2013, 03:09

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Pangalaktiker
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Wenn ich hier sehe, wie Kneifel und Voltz hintereinander besprochen wurden, würde ich da gerne noch was einwerfen. Die Geschichte der Serie wird gerne an zwei Gegensatzpaaren festgemacht. Scheer vs. Darlton als die Gründer-Antipoden und Scheer vs. Voltz als die Expokraten ihrer jeweiligen Ära. Ich sehe bei Voltz und Kneifel einen mindestens ebenso ausgeprägten Gegensatz. Ich bin sicher nicht der erste, dem das auffällt, kann mich aber nicht erinnern, das schon mal irgendwo angesprochen gesehen zu haben. Vielleicht, weil Kneifel nie eine so zentrale Figur war wie Scheer, Darlton und Voltz.

Nunja, der Gegensatz ist ganz einfach festgemacht. Das Weltbild von Voltz als auch von Kneifel war im Grunde ein positives (bei Kneifel kann man allerdings die Frage stellen, ob das auch noch gilt, wenn man zufällig eine Frau ist). Während Voltz in kosmischen Höhen schwebte, und ihn die Fragen umtrieben, "Woher kommen wir, wohin gehen wir?" war das von Kneifel dagegen ganz irdisch-hedonistisches im Hier und Jetzt verhaftet.

Es ist amüsant, sich Kneifel als Expokraten nach Voltz vorzustellen. Wie sich das genau gestaltet hätte, weiß ich auch nicht, ich glaube aber nicht, dass wir dann heute noch rätseln würden, wofür die Ära nach Voltz überhaupt stand.

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Wer unter Euch ohne Sünde ist, werfe das erste Heft aufs Garagendach ...

Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon Alexandra » 10. Mai 2013, 19:11

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Alexandra
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Um das noch einmal hervorzuheben:
Ich erbitte Informationen zu Vlceks Akzenten als Exposéautor und Hinweise auf Texte, in denen er über Hermaphroditen spricht.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon atlanundelvira » 15. Mai 2013, 15:23

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atlanundelvira
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Vincent Garron hat geschrieben:Figuren wie Atlan ... entsprangen Scheers Feder.

Und mit Figuren konnte Scheer so gut umgehen wie mit der Technik. Wenn man diverse Psychofeldzüge diverser Figuren bedenkt oder allein, wie die Freundschaft Atlan-perry aufgebaut wurde... Na, deshalb ist er mein Lieblingsautor.

Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon atlanundelvira » 15. Mai 2013, 15:37

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atlanundelvira
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Schnurzel hat geschrieben:
Kapaun hat geschrieben:SYDOW
Spannende, glaubwürdige und nachvollziehbare Geschichten. Am Ende ging sie mir mit ihrem Katzentick ein bisschen auf die Nerven.

Da habe ich keine Probleme mit!
Ansonsten gute Kurzanalysen, auch wenn ich nicht mit jedem Detail da core gehe.

O! Darüber hätte ich jetzt aber gern mehr erfahren. ist mir irgendwie sympathisch.

Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon Schnurzel » 15. Mai 2013, 15:52

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Schnurzel
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atlanundelvira hat geschrieben:
Vincent Garron hat geschrieben:Figuren wie Atlan ... entsprangen Scheers Feder.

Und mit Figuren konnte Scheer so gut umgehen wie mit der Technik. Wenn man diverse Psychofeldzüge diverser Figuren bedenkt oder allein, wie die Freundschaft Atlan-perry aufgebaut wurde... Na, deshalb ist er mein Lieblingsautor.

Als Teenie habe ich KHS-Romane GELIEBT! Gerade wegen der Personen. Aber mit der Zeit habe ich dann doch feststellen müssen, dass seine Personen immer gleich agiert haben, uniform waren, mit wenig Unterscheidungsmerkmalen (so wie Hans-Rudi Wäschers Figuren Tibor, Nick, Sigurd etc. immer nur durch die Frisuren optisch unterscheidbar waren). Und die sogenannten "Psychospielchen" möchte ich mal in der realen Welt erleben...
Dennoch: KHS - immer noch einer meiner Autorenhelden!

Re: Charakteristik der Autoren

Beitragvon atlanundelvira » 15. Mai 2013, 16:22

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atlanundelvira
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cold25 hat geschrieben:Welcher Autor hat eurer Meinung nach denn die besten Raumschlachten beschrieben?

raumschlacht traversan1 (Feldhoff) fnd ich gut.
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