Charakteristik der Autoren

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Pangalaktiker
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Pangalaktiker » 15. Mai 2013, 18:44

Ich fand gerade die Atlan-Romane von Scheer furchtbar. Der sinniert eigentlich immer nur 64 Seiten herum, wie toll doch wieder die tollen Terraner sind, oftmals an der Grenze zur Hysterie (offenbar auch schon ziemlich degeneriert, der Gute). Da lob ich mir Kneifels Atlan jederzeit. :st:
Wer unter Euch ohne Sünde ist, werfe das erste Heft aufs Garagendach ...

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atlanundelvira
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von atlanundelvira » 16. Mai 2013, 13:00

Pangalaktiker hat geschrieben:Ich fand gerade die Atlan-Romane von Scheer furchtbar. Der sinniert eigentlich immer nur 64 Seiten herum, wie toll doch wieder die tollen Terraner sind, oftmals an der Grenze zur Hysterie (offenbar auch schon ziemlich degeneriert, der Gute). Da lob ich mir Kneifels Atlan jederzeit. :st:
diesen zug von scheer fand ich zu atlans imperatorenzeit sehr nervig. und eigentlich unverständlich. Atlan war doch sein Lieblingscharakter, ein Mann der Tat (noch dazu mein Held ;), der weint nicht fortwährend den tollen Terranern hinterher, auch dann nicht, wenn die Situation schwierig und er von seinen einst so tollen Mit-Arkoniden beispiellos enttäuscht ist, das ist meiner Meinung nach völlig unauthentisch.

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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Kurpfälzer » 16. Mai 2013, 13:14

Der Atlan in den Kneifelschen Zeitabenteuern finde ich erste Sahne. :st: Ein sympatischer Macho, mit nicht zu überbordendem, deutschen political correktness feeleing :D

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Alexandra
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Alexandra » 17. Mai 2013, 00:21

atlanundelvira hat geschrieben:
Pangalaktiker hat geschrieben:Ich fand gerade die Atlan-Romane von Scheer furchtbar. Der sinniert eigentlich immer nur 64 Seiten herum, wie toll doch wieder die tollen Terraner sind, oftmals an der Grenze zur Hysterie (offenbar auch schon ziemlich degeneriert, der Gute). Da lob ich mir Kneifels Atlan jederzeit. :st:
diesen zug von scheer fand ich zu atlans imperatorenzeit sehr nervig. und eigentlich unverständlich. Atlan war doch sein Lieblingscharakter, ein Mann der Tat (noch dazu mein Held ;), der weint nicht fortwährend den tollen Terranern hinterher, auch dann nicht, wenn die Situation schwierig und er von seinen einst so tollen Mit-Arkoniden beispiellos enttäuscht ist, das ist meiner Meinung nach völlig unauthentisch.
Dieser peinliche Terranerjubel ist auch nur ein einziger stets wiederkehrender Reflex, der in die Figur sozusagen reingesteckt ist wie ein Speckpropf in einen Hasenrücken. Einerseits erfüllt er die Bedürfnisse des postkolonialen Wohlstandsbürgers, indem der edle (langhaarige) Wilde, den man aufgenommen hat, nun seinen Wert beweist, indem er, wie Winnetou, die Überlegenheit der weiß-westlichen, hier terranischen Zivilisation erkennt und preist – was ihn berechenbar macht, Angst vor der Fremdheit nimmt.
Andererseits stellt der Kristallprinz eines uralten Sternenreiches eine Autorität dar, dessen Lob das ansonsten unauthorisierte Expansionsstreben der Terraner legitimiert. Das beruhigt. Schließlich ist PR eine zutiefst deutsche Serie.

Zur Gestaltung durch die verschiedenen Autoren: Atlan hatte eigentlich von Anfang an mehrere Sets von Charaktereigenschaften, von denen immer nur ein paar zum Tragen kamen.
Der Kneifel-Atlan fällt eigentlich bisschen aus dem Grundcharakter raus, im Verlauf der Hauptserie kenne ich an Situationen, in denen er in seine Erzähltrance fällt, auch nur die beiden Rückblicke anlässlich der Druuf-Bedrohung gleich nach der Einführung der Figur, und Viceks „Das Blut der Veronis“, das ich weiter oben im Thread untersucht habe.
Vlceks Atlan lebt als Rebell und Erzähler in dieser fremden Minenzivilisation, und bindet sowohl die EA-Erlebnisse wie auch die Zeitabenteuer in seine Erzählungen ein, ist tapfer wie Prinz Eisenherz, stolz wie ein Kristallprinz und muss aufgrund dessen immer wieder vom fürsorglichen Perry gerettet und gepflegt werden – dieses fast erotische Motiv kommt immer wieder vor, auch bei anderen Atlan-Gestaltern.
Kneifels Zeitabenteuer habe ich zuletzt als Teenager gelesen - damals hat mich die Anzahl seiner Partnerinnen nicht gestört (wohl aber meine beste Freundin, die daran festmachte, dass das nichts war), weil es nichts Verquältes war. Keine Rumgefrette, keine Psychokiste, keine der ewigen Tiraden, wer wen mag und wie (langweilig!! Zwanghaft!!), sondern Begegnungen – na ja, vielleicht hatte ich da mehr an Aufklärung her als aus der Bravo. Ich hatte kein Problem damit, mein Vater hatte vor seiner dritten Ehe mit meiner Mutter auch ausgesprochen abwechslungsreich gelebt, sozusagen, und irgendwas bekommt man als Kind doch immer mit – die vielen Liebschaften störten mich nicht. Nur die ewigen gelben Hosenanzüge zu vieler Kneifelfrauen. Und dass sie entweder Herrscherinnen oder Sklavinnen waren.

Ach ja, die Freundin, die immer so gegen Atlan war und mich damit attackierte - damals war ich noch sehr sensibel, und es tat weh - konnte bald darauf nie den Hals voll kriegen, und als sie wieder mal zwei Freunde gleichzeitig hatte, mit einem Schluss machte und sich noch von ihm heimfahren ließ, starb sie über 80 Meter Autobahn verteilt – unverhältnismäßig natürlich, aber was sollte der ewige moralische Zeigefinger; so weit zur Atlankritik auf Moralinebene. Was soll’s denn?

Dass die Protagonistinnen ihre Dynamik einbüßten, sobald sie mit Atlan in der Kiste landeten, entstand meines Erachtens nicht aus der Interaktion der Figuren, also war Atlan daran unschuldig wie ein Lämmchen – es war die Art, wie die Autoren die Frauengestalten ab diesem Zeitpunkt nicht weiter schrieben.

In Vlceks Klacktongeschichten wird der autoritäre Atlan vorgeführt, bei Scheer oft der in Machtkämpfe verstrickte in seinen Bemühungen dargestellt.
Bei allen hat er gemeinsam, dass er sowohl Individualist wie auch Machtmensch ist, und von einer in die andere Rolle schlüpfen kann wie in einen Handschuh.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von atlanundelvira » 17. Mai 2013, 02:41

Alexandra hat geschrieben:Dieser peinliche Terranerjubel ... erfüllt ...die Bedürfnisse des postkolonialen Wohlstandsbürgers, indem der edle (langhaarige) Wilde...
den ausdruck empfand ich schon immer als eine frechheit. und auch als schizophren, denn als raumfahrender, noch dazu adliger, arkonide stand Atlan ja haushoch über den terra-"barbaren".
Alexandra hat geschrieben:...indem er ...die Überlegenheit der weiß-westlichen, hier terranischen Zivilisation erkennt und preist – was ihn berechenbar macht, Angst vor der Fremdheit nimmt. Andererseits stellt der Kristallprinz eines uralten Sternenreiches eine Autorität dar, dessen Lob das ansonsten unauthorisierte Expansionsstreben der Terraner legitimiert. Das beruhigt. Schließlich ist PR eine zutiefst deutsche Serie.
interessanter und für mich ganz neuartiger aspekt.
da fällt mir grad ein: Kennt ihr eigentlich von Wim Vandemaan das Heft/TB "Helden"? Evt von dtv? Ob der auch überlegungen dieser art anstellt? und hoffentlich perrybezogene? sag doch mal ein kundiger was inhaltliches dazu, wenn möglich.
Alexandra hat geschrieben:Vlceks Atlan... ist tapfer wie Prinz Eisenherz, stolz wie ein Kristallprinz und muss aufgrund dessen immer wieder vom fürsorglichen Perry gerettet und gepflegt werden...
hört sich paradox an. :unschuldig:
Alexandra hat geschrieben:... die ewigen gelben Hosenanzüge zu vieler Kneifelfrauen.
was dir alles auffällt! kann ich mich gar nicht mehr dran erinnern. *zeitabenteuer raushol* (morgen aber erst)
Alexandra hat geschrieben:Dass die Protagonistinnen ihre Dynamik einbüßten, sobald sie mit Atlan in der Kiste landeten, entstand meines Erachtens nicht aus der Interaktion der Figuren, also war Atlan daran unschuldig wie ein Lämmchen...

naja, der spannte sie halt vor seinen karren. weil er seine jagd nach einem schiff oder seinen ES-job vorantreiben musste, behandelte er sie wie einen x-beliebigen Mitarbeiter. hab ih so in rinnerung bei asyrta maraye.
Alexandra hat geschrieben:es war die Art, wie die Autoren die Frauengestalten ab diesem Zeitpunkt nicht weiter schrieben.
DIE Autoren? bei AtlanX, den neuen zeitabenteuern evt?
Alexandra hat geschrieben:In Vlceks Klacktongeschichten wird der autoritäre Atlan vorgeführt
und genau DAS ist einer der gründe warum wir alten säcke :saus: Klackton auch heute noch lieben, wegen des klamauks um den arkonidisch-korrekten und strengen Kommisskopp, der seinen Generalversager immer wieder verteidigt und nach einer unfreiwilligen attacke klacktons witzigerweise klagt: "Womit habe ich das verdient? Aus klacktons personalakte geht hervor, dass sein unterbewusstsein einen feinen gerechtigkeitssinn entwickelt hat und in den meisten fällen nur jenen eins auswischt, die es verdienen. Bin ich wirklich so ein schlechter Mensch?"

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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Alexandra » 17. Mai 2013, 06:39

atlanundelvira hat geschrieben:
Alexandra hat geschrieben:Vlceks Atlan... ist tapfer wie Prinz Eisenherz, stolz wie ein Kristallprinz und muss aufgrund dessen immer wieder vom fürsorglichen Perry gerettet und gepflegt werden...
hört sich paradox an. :unschuldig:
Gar nicht, weil er den Konflikt sucht (vgl. 2205) oder sich auf Wahnsinnstaten einlässt (vgl. 299) - mit entsprechenden Folgen.

Das mit den Barbaren, die etwas tun, was sonst keiner tut, fand ich zuletzt bei der Wiederbegegnung von Perry Rhodan und Atlan in 2537 von Leo Lukas (http://www.audible.de/pd/B004UWPHXY), wo es eine von mir schmerzlich vermisste ausführlichere Begegnung ersetzte.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Alexandra » 17. Mai 2013, 06:50

atlanundelvira hat geschrieben:
Alexandra hat geschrieben:... die ewigen gelben Hosenanzüge zu vieler Kneifelfrauen.
was dir alles auffällt! kann ich mich gar nicht mehr dran erinnern. *zeitabenteuer raushol* (morgen aber erst)
Wer spricht von Zeitabenteuern?
atlanundelvira hat geschrieben:
Alexandra hat geschrieben:Dass die Protagonistinnen ihre Dynamik einbüßten, sobald sie mit Atlan in der Kiste landeten, entstand meines Erachtens nicht aus der Interaktion der Figuren, also war Atlan daran unschuldig wie ein Lämmchen...

naja, der spannte sie halt vor seinen karren. weil er seine jagd nach einem schiff oder seinen ES-job vorantreiben musste, behandelte er sie wie einen x-beliebigen Mitarbeiter. hab ih so in Erinnerung bei asyrta maraye.
Jo, und wie scheinheilig muss man sein, um ihm das übelzunehmen? Wir nicht, nicht wahr?
atlanundelvira hat geschrieben:
Alexandra hat geschrieben:In Vlceks Klacktongeschichten wird der autoritäre Atlan vorgeführt
und genau DAS ist einer der gründe warum wir alten säcke :saus: Klackton auch heute noch lieben, wegen des klamauks um den arkonidisch-korrekten und strengen Kommisskopp, der seinen Generalversager immer wieder verteidigt und nach einer unfreiwilligen attacke klacktons witzigerweise klagt: "Womit habe ich das verdient? Aus klacktons personalakte geht hervor, dass sein unterbewusstsein einen feinen gerechtigkeitssinn entwickelt hat und in den meisten fällen nur jenen eins auswischt, die es verdienen. Bin ich wirklich so ein schlechter Mensch?"
Ja! Ja! Ja!
Für Kurze spannend, aber für Erwachsene bei steigender Zahl von Chefs ebenso, das ist zeitlos! Man sollte jedem Chef einen Gesamtpaket atlanundwaltyklackton schenken, als Pflichtlektüre.
Wollte gerade einen Verweis auf viewtopic.php?f=3&t=3601&p=128685&hilit ... on#p128685 setzen, da sehe ich, dass du da schon aktiv warst, gut gemacht.
Was mich zu einem letzten Pro-Klackton-Argument bringt: Er sorgt für innere Entspannung und gute Laune, wo man als Erwachsener sonst eingefressene Konflikte hin- und herschiebt, seine schlechte Laune transportiert. Es lebe Klackton!
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von atlanundelvira » 17. Mai 2013, 09:05

Alexandra hat geschrieben:
atlanundelvira hat geschrieben:
Alexandra hat geschrieben:Vlceks Atlan... ist tapfer wie Prinz Eisenherz, stolz wie ein Kristallprinz und muss aufgrund dessen immer wieder vom fürsorglichen Perry gerettet und gepflegt werden...
hört sich paradox an. :unschuldig:
Gar nicht, weil er den Konflikt sucht (vgl. 2205) oder sich auf Wahnsinnstaten einlässt (vgl. 299) - mit entsprechenden Folgen.
es soll ja zeiten gegeben haben, da war es genau umgekehrt: der barbar stürzte sich in halsbrecherische unternehmen und der arkonide... nein, ER sah da keinen anlass zur fürsorglichlichkeit, er ging hoch wie eine rakete!
„Der Arkonide tobt, Perry! Er nennt dich einen Narren, weil du auf der ASKAHA bleiben willst, obwohl die Logiker eine verborgene Sprengladung auf dem Kreuzer vermuten.“ PR259
Atlan tobte weiter. Er hielt den Terranern einige Dinge vor, die sie nicht gerne hörten. Rhodan lachte befreit. Er fühlte sich nicht angesprochen. Atlans Beschimpfungen besaßen ohnehin einen ganz besonderen Unterton. Es war, als würde ein Vater seine unartigen Kinder ausschelten. PR288 Das Sonneninferno
was mir dazu noch einfällt: im larenzyklus gab es beide varianten: erst war atlan der vorpreschende und perry der vorsichtige, in den späten 700ern, glaube ich war es umgekehrt. Aber von fürsorge keine spur, stattdessen kam es zur "fehde der mächhtigen".
Alexandra hat geschrieben:Das mit den Barbaren, die etwas tun, was sonst keiner tut, fand ich zuletzt bei der Wiederbegegnung von Perry Rhodan und Atlan in 2537 von Leo Lukas (http://www.audible.de/pd/B004UWPHXY), wo es eine von mir schmerzlich vermisste ausführlichere Begegnung ersetzte.
erzähl!

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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von atlanundelvira » 17. Mai 2013, 09:12

Alexandra hat geschrieben:
atlanundelvira hat geschrieben:
Alexandra hat geschrieben:... die ewigen gelben Hosenanzüge zu vieler Kneifelfrauen.
was dir alles auffällt! kann ich mich gar nicht mehr dran erinnern. *zeitabenteuer raushol* (morgen aber erst)
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von atlanundelvira » 17. Mai 2013, 09:54

Vincent Garron hat geschrieben: Clark Darlton Neben Gucky "erfand" er so schillernde Figuren wie Ernst Ellert oder Harno, das Energiewesen, beides Figuren die schon durch ihre Präsenz einen Hauch "kosmischer Größe" verbreiteten, eine Attitüde die Clark Darlton mochte und die ihm lag.
darltons romane 32 ausflug in die unendlichkeit+275Der flug nach barkon u.ä. waren genau die romane, die ich als einsteiger bei PR von SF-romanen erwartet habe, der "hauch ewigkeit".

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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Schnurzel » 17. Mai 2013, 10:04

atlanundelvira hat geschrieben:
Vincent Garron hat geschrieben: Clark Darlton Neben Gucky "erfand" er so schillernde Figuren wie Ernst Ellert oder Harno, das Energiewesen, beides Figuren die schon durch ihre Präsenz einen Hauch "kosmischer Größe" verbreiteten, eine Attitüde die Clark Darlton mochte und die ihm lag.
darltons romane 32 ausflug in die unendlichkeit+275Der flug nach barkon u.ä. waren genau die romane, die ich als einsteiger bei PR von SF-romanen erwartet habe, der "hauch ewigkeit".
Der Walter konnte sowas. Auch seine Nicht-PR-Romane hat das ausgezeichnet. Ich glaube, es war in den 70ern der Roman "Die Zeit ist gegen uns", der mich unglaublich fasziniert hat.
Aber alle anderen Romane, die diesen Geist nicht geatmet haben, waren zum großen Teil irgendwie ... belanglos. "Aktuelles" Beispiel, erst vor ein paar Wochen in der 5. Auflage gelesen: Band 1563 "Geheimsache RUINAN"

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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von atlanundelvira » 17. Mai 2013, 10:35

Vincent Garron hat geschrieben:So.. weiter gehts mit H.G. Ewers...
Den mochte ich, weil er mit Atlan gut konnte, d.h. dass er ihn charakterlich so ähnlich wie Scheer beschrieben hat.

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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von atlanundelvira » 17. Mai 2013, 11:56

Schnurzel hat geschrieben: Ich glaube, es war in den 70ern der Roman "Die Zeit ist gegen uns", der mich unglaublich fasziniert hat.
das buch hab ich meiner freundin abgeschwatzt. :) Es gehört auch zu denen, die ich mehrfach gelesen hab.

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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Alraska » 17. Mai 2013, 14:07

Moin zusammen,
nun möchte ich mich als Frischling auch mal in diesem höchst interessanten Thread melden. Hab Tage gebraucht, um alles durchzulesen und: die Analysen sind super! Was man aber auch so alles aus einem Roman herauslesen kann, wirklich erstaunlich.

Ich habe vor 40 Jahren einfach nur gelesen und überhaupt nicht auf den Autor geachtet *zugeb* Bis... ja bis ich Band 74 ("Das Grauen") in die Hände bekam. Den fand ich so spannend, dass ich zum ersten Mal nach dem Autor geguckt habe. Das war ja Voltz' erster Roman für PR und seitdem habe ich immer besonders auf seine Romane geachtet und fand dann auch, dass sie sich oftmals von denen der anderen Autoren abhoben.

Sei's drum, da ich aber vorwiegend immer noch einfach nur lese, würde mich mal interessieren, warum mich der ein oder andere Roman so packt und würde mich wahnsinnig über eine Analyse der 3 folgenden Romane, die ich im abgelaufenen Zyklus hervorragend fand, freuen *dackelblickzualexandrawerf* :wub: :
2659 - Toufec
2661 - Anaree
2627 - Die letzten Tage der GEMMA FRISIUS

Letzterer hat mich übrigens an Voltz erinnert, weil der (ähnlich wie "Das Grauen") auch so was klaustrophobisches und auswegloses hatte. Oder täusche ich mich?
Bin gespannt... :)

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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Alexandra » 17. Mai 2013, 21:04

atlanundelvira hat geschrieben:
Alexandra hat geschrieben:
atlanundelvira hat geschrieben:
Alexandra hat geschrieben:... die ewigen gelben Hosenanzüge zu vieler Kneifelfrauen.
was dir alles auffällt! kann ich mich gar nicht mehr dran erinnern. *zeitabenteuer raushol* (morgen aber erst)
Wer spricht von Zeitabenteuern?
Planetenromane, USO-abenteuer?
Frag Heiko Langhans.
Ich erinnere mich noch an eine von Blues (??) entführte Mathematikerin, die monatelang in einem schmutzigen gelben Hosenanzug mathematische Probleme für sie lösen musste, und damals war es für mich nur die abscheuliche Krönung, das weiß ich noch. Ist paar Jahrzehnte her.



@alraska
Dackel sind gut, Atlan hatte auch mal einen dackelähnlichen Possonkal, ich mochte das.

Zu zwei der drei Romane habe ich Notizen, nur kurze aber, nur hatte ich gerade paar ganz harte Wochen und brauche Luft. Lust hätte ich schon.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Alexandra » 18. Mai 2013, 10:17

atlanundelvira hat geschrieben:
Alexandra hat geschrieben:Das mit den Barbaren, die etwas tun, was sonst keiner tut, fand ich zuletzt bei der Wiederbegegnung von Perry Rhodan und Atlan in 2537 von Leo Lukas (http://www.audible.de/pd/B004UWPHXY), wo es eine von mir schmerzlich vermisste ausführlichere Begegnung ersetzte.
erzähl!
Na ja, den Link zur Hörprobe bei audible hab' ich dir ja reingesetzt. Als nächstes fallen durch den Zusammenstoß mit der Sonne in der MIKRU-JON alle Systeme aus, so dass sie nicht nur durchgeschüttelt am Boden liegen, sondern auch nichts sehen.
In der Zwischenzeit lässt Atlan das seltsame Obeliskenschiff völlig fremder Bauart einschleusen, mit allen Sicherheitsvorkehrungen, schwerster Bewaffnung etc, und beide Parteien bereiten sich auf eine Begegnung mit fremdartigsten Lebensformen, Methanatmern, Feinden vor...
...bis der Strom wieder an geht, damit die Funkverbindung, und Perry verblüfft aufs Holo starrt, in dem einer seine rötlichen Augen aufreißt und sagt: "Aber klar, Barbar - wer außer dir fliegt durch eine Sonne und taucht dann derart überraschend hier auf " (Zitat aus dem Gedächtnis).
Tolle Situation, aber der Rest des Wiedersehens wird dann nur in paar Sätzen abgehandelt. Schade.


Stört dich übrigens auch so, dass die Arkoniden heutzutage blutrote Augen haben statt rötliche?
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von atlanundelvira » 18. Mai 2013, 18:19

nette Szene. Leider konnte ich wegen des lahmen Sticks die Hörprobe nicht genießen.
Die blutroten Augen der Arkoniden hab ich noch nicht kennengelernt, bin kein EA-Leser. Würde aber zum (den Arkoniden in unterschiedlicher Weise+Konsequenz ;) zugesprochenem) Albinismus passen.

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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Alexandra » 24. Mai 2013, 00:13

Alraska hat geschrieben: Sei's drum, da ich aber vorwiegend immer noch einfach nur lese, würde mich mal interessieren, warum mich der ein oder andere Roman so packt und würde mich wahnsinnig über eine Analyse der 3 folgenden Romane, die ich im abgelaufenen Zyklus hervorragend fand, freuen *dackelblickzualexandrawerf* :wub: :
2659 - Toufec
2661 - Anaree
2627 - Die letzten Tage der GEMMA FRISIUS
Halllo Alraska,
da ich noch 19 Jahre bis zur Pensionierung habe, kann ich im Moment nur einen alten Leserbrief von mir bieten, in der Mitte steht was zu Anaree.
Spoiler:
Von „Die springenden Sterne“ (2660) zu „Geheimnis der Zirkuswelt“ (2665)
Dieser Text wurde als Leserbrief geschrieben und veröffentlicht.
Der Neuroversumzyklus begann ausgesprochen handlungsreich, vielfältigste Vorkommnisse auf den verschiedensten Handlungsebenen. Unpraktischerweise gab es kaum leserfreundliche Verweise. Danach, anscheinend hatten sich zu viele Leser beschwert, wurden die Romane Woche für Woche mit Rückblicken ausgestopft, so dass das viele Rückblicken direkt lästig wurde. Seit etwas zwei Monaten haben wir nun wieder gemütlich zu lesende Romane mit einem ausgewogenen Verhältnis von Handlung, Rückblick und Vorausblick.
Mit „Die springenden Sterne“ (2660) von Montillion und „Anicee“ (2661) von Anton haben wir zwei motivierte Rückblicke, die wirklich Hintergründe liefern statt vorrangig der Leserinformation zu dienen, die also nicht auf der Stelle treten. 2660 weist durch die Verklammerung mit der in der fiktionalen Jetztzeit angesiedelten Beziehungskiste zwischen Ramoz und Mondra einen schlüssigen, jederzeit nachvollziehbaren Bezug zur laufenden Handlung auf.
Was offen bleibt, ist die Sache mit der Tierhaftigkeit und der Intelligenzhaftigkeit, für uns Menschhaftigkeit. Das mit dem immer wieder so benannten Kopulieren kann den Unterschied eigentlich nicht erschöpfen. Welche Konsequenz für die Beziehung hat es, dass Ramoz Tier war – und ist die Konsequenz angebracht? Ich hatte in der Folge einige interessante Gespräche über den Unterschied zwischen Tier und Mensch, zuletzt hatte ich es im Rahmen des Themas „prejudices (Vorurteile) in einer 13. Klasse thematisiert, und komme auf keinen klaren Nenner. Der Vorteil an expliziter Unterhaltungsliteratur ist ja, dass man als Leser ziemlich frei über angeschnittene Themen nachdenken kann, weil die Autoren selbst nicht alles ausdiskutieren müssen. Hier stellt mich das Angeschnittene jedoch im bisherigen Handlungsverlauf nicht zufrieden. Tiersein als Verfügbarkeit? Wenn man den Fokus von der Tierhaftigkeit auf die Manipulationsthematik verschöbe, so hätte man exakt jene Spannung zwischen beeinflussenden Superintelligenzen und eigenbestimmtem Entscheiden, der sich aktuell zur Konstante entwickelt.
Früher schienen die Superintelligenzen ja eher die Intelligenz des Kollektivs zu verkörpern, was in der Zeit der Studentenbewegung zum Träumen anregte. Heutzutage erinnern sie eher an jene Zeitgenossen, deren Ego so stark ist, dass sie einen auf ihre Schiene ziehen können, ohne dass man es will. Oder jene wirtschaftspolitischen Ballungen, die ebenfalls frei im Leben anderer herumfuhrwerken, ohne dass Mitmenschen auch nur durchschnittlicher Intelligenz es überhaupt begreifen können.
Mit „Anaree“ (2661) verstand ich, wie Anton über Hör- und Seheindrücke arbeitet, von diskursivem Denken angereichert. Die stilistischen Eigenheiten der Autoren liefern jeweils Subtexte, die mir bei der „Staffelübergabe“ schon zu schaffen machen. Inhaltlich wurde an der Relativierung der Superintelligenzen durch die selbstständigen Machenschaften ihrer Werkzeuge, die wiederum die Selbstbestimmtheit anderer missachten, weitergearbeitet. Auch wieder eine jener allzu beliebten Schülergeschichten, wobei die Schülerin diesmal von vornherein verwurstet wird. Haben Proto-Enthonen auch Tierstatus?
In „Kaowens Entscheidung“ (2662) löst Kaowens persönliche Machtgier sein Dasein als Instrument eines machtgierigen Sammelwesens ab. Fazit: Es gehören immer zwei dazu…Als Gegenthema Rhodans Art, seine Mitmenschen in Ruhe zu lassen, auch wenn es sich um die Freundin handelt, und Distanz abwarten zu können. Zwei konträre Lebensentwürfe, die sich über die Persönlichkeiten der Protagonisten entfalten.
Nachdem ich von Montillion zu Anfang meines Wiedereinstiegs einen ausgesprochen günstigen Eindruck gewonnen hatte, kamen in letzter Zeit eher Romane, bei denen ich an einen Germanisten denken musste, der von der Story erzählt, die er darstellen möchte. (Vielleicht konnte ich aber auch nur mit den Themen nichts anfangen.) In „Der Anker-Planet“ (2663) ist dies gründlich überwunden, die Handlung lebt von Anfang bis Ende, auch einzelne Handlungsabschnitte verfügen über Eigendynamik. Die ins Leben gebannten Bewusstseinssplitter empfinde ich nicht als metaphysisch, dazu haben mir zu viele Krankenpfleger von Leuten erzählt, die einfach nicht sterben können, weil sie so vieles nicht getan haben, und mit Zwanghaftigkeit, die zu endlosen Wiederholungshandlungen führt, habe ich auch so meine Erfahrungen. In diesem Roman arbeitet Montillion mit einer außergewöhnlich bewegten, stellenweise sogar zerlegten Syntax. Das scheint ihm gut zu tun.
Auch „Hinter dem Planetenwall“ (2664) von Hubert Haensel weist eine zügig erzählte, spannende Geschichte auf. Wie immer arbeitet er mit ausgeprägten physischen Eigenheiten, der Besprechung fiktionaler Kunstwerke und Gegensätzen, wobei das Paar Joschannan und Iphtey-Hüriit ein ganz besonders schönes Exemplar einander beobachtender und interagierender Gegensätze darstellt. Nachdem sowohl in 2663 wie auch in 2664 mit dem Gegensatz zwischen kochendem Weltall und eiskalten Menschen/ Sitzgelegenheiten/ Entscheidungen gearbeitet wurde, findet sich hier ein ausgesprochen wohltemperierter Gegensatz, der im von gegenseitigem Taxieren begleiteten gemeinsamen Insektenessen, seinen Höhepunkt findet. Ironisch das gegenseitige Missverstehen in trauter Harmonie.
Nachdem in 2663 eine in 2661 vorbereitete Deus-ex-machina-Lösung zu einem zügig erzählten, spannenden Abschluss führt, was in diesem Fall doch mal die Machenschaften eines Überwesens nützlich werden lässt, ist der zügige, spannende Abschluss hier auf die Privatinitiative zweier Individuen zurückzuführen. Die verlässlichere, gesundere Lösung.
„Geheimnis der Zirkuswelt“ (2665) von Herren berührte mich gleich vom Titelbild her nostalgisch, meine Mutter hatte eine Sofortbildkamera, die sah genauso aus wie das Raumschiff. Den Roman fand ich ausgesprochen angenehm zu lesen, Nuggnugg und Arun Joschannan sind zwei jener ausgesprochen privaten Charaktere, die ich in letzter Zeit öfter vermisst habe. Und die Handlung war übersichtlich erzählt, was ich spannender finde als einen Haufen Materialverschleiß auf mehreren Handlungsebenen. In einem vorherigen Tekener-Roman, in dem dieser ständig seine Distanz zu Sichu Dorsteiger reflektierte, ging er mir unheimlich auf die Nerven, aber seine Sandberg-Episode fand ich schön. Keiner der Protagonisten musste umfangreiche Rückblicke auf das bisherige Liebesleben, was man sich dabei gedacht hat oder vielleicht noch denken wird und dergleichen einbringen.
Auch in diesem Roman kommt das spannend erzählte Ende logisch als Ergebnis menschlichen Fehlverhaltens unter feindseligen Bedingungen, nah beim Individualismus und fern der Superintelligenz, die sich als von ferne agierender Strippenzieher in eine von Individuen persönlich gut zu regelnde Welt drängt.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Vincent Garron » 24. Mai 2013, 08:41

Alraska hat geschrieben:Sei's drum, da ich aber vorwiegend immer noch einfach nur lese, würde mich mal interessieren, warum mich der ein oder andere Roman so packt und würde mich wahnsinnig über eine Analyse der 3 folgenden Romane, die ich im abgelaufenen Zyklus hervorragend fand, freuen *dackelblickzualexandrawerf* :wub: :
2659 - Toufec
2661 - Anaree
2627 - Die letzten Tage der GEMMA FRISIUS

Letzterer hat mich übrigens an Voltz erinnert, weil der (ähnlich wie "Das Grauen") auch so was klaustrophobisches und auswegloses hatte. Oder täusche ich mich?
Bin gespannt... :)
Hab dein posting leider erst jetzt gelesen (am 17. war ich schon auf dem Weg nach Garching), aber zu genau den Romanen kann ich auch was sagen (wenn auch nicht so dezidiert wie Alexandra).
In Band 2659 wird ein "Bild" übernommen, dass es in der Literatur schon oft gab, dass des "edlen Wilden". Toufec, ein Karawanenräuber (!), wird aus einer Zeit die ewig weit hinter unserer eigenen zurück liegt, in eine Zeit katapultiert, die ewig weit der uns eigenen voraus liegt. Den Techniklevel betrachtend, der ihm zur Verfügung gestellt wird, sogar in eine Zeit die (technologisch gesehen) vor der unserer "gewöhnlichen" Protagonisten liegt.
Diese Ambivalenz versetzt uns in die Lage, von unten auf ihn herabzuschauen. Außerdem handelt er nicht wie eine Maschine, er lässt Gefühle zu (bei der Rettung des kleinen Caspar). Das bringt ihn dem Leser näher.

Band 2661 hatte was rührseliges. Beim Lesen dachte man immer "das arme kleine Mädchen", denn für uns aus unserer überhöhten Sicht als Leser war klar, dass das nicht gut endet für Anaree.

Band 2627 hatte etwas, das ich als das "Schema bei PR" bezeichne, nämlich dass es kein Schema gibt :lol:
Man kann sich bei PR nie sicher sein, ob gegen einen übermächtigen Gegner eine Lösung gefunden wird oder nicht. Im vorliegenden Band war das - mal wieder - nicht der Fall, die Besatzung der GEMMA FRISIUS war von vornherein chancenlos gegen Sholoubwas Supertechnik. Beim Lesen dachte man beim umblättern jeder Seite "Nu jetz aber", aber das passierte nicht.

Weiß nicht inwieweit du diese Eindrücke bei deinen die du beim Lesen hattest wiederfindest ;)
Es gibt zwei Dinge die unendlich sind: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir aber nicht ganz sicher.
(Albert Einstein)

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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Alexandra » 25. Mai 2013, 23:35

Diesen Abschnitt meines ewig unvollendeten Werkes habe ich eben im "Petition für Gucky"-Thread eingestellt - drückt mir die Daumen, dass ich Ende Juni nach Notenschluss mal weiterkomme.

Ich finde, dass Arndt Ellmer oft unterschätzt wird, vielleicht "foregrounded" er auch zu wenig - sobald man die Texte mehrfach liest, werden sie sehr interessant.
Spoiler:
Der nächste Roman heißt „Die Informationsjäger“ (2637). Er spielt nicht in der heimischen Milchstraße, sondern am Ziel einer der im vorherigen Roman als Strukturprinzip verwendeten Verschiebungen, nämlich dort, wohin die BASIS entführt worden war: Die riesenhafte Werft APERAS KOKKAIA steht im Mittelpunkt des erneut kugelförmig aufgebauten Settings und wird bald Schauplatz der Handlung, da Gucky und Nemo die MIKRO-JON verlassen, um Perry Rhodan dort zu suchen, während dieser nach ihnen sucht, und zwar mit Kommandant Derrayn Arene auf der SICHOU-1, begleitet von seinen neuen Verbündeten auf der KADURA, einem Schiff des Verzweifelten Widerstands. So weist der Roman nur zwei Handlungsebenen auf: Am Schluss werden auch in diesem Roman die Teile zusammengeführt, weil die Protagonisten sich treffen.
Die zwei Handlungsebenen unterteilen sich in die Rahmenhandlung als Prolog und Epilog und in die in sechs Kapitel geteilte Binnenhandlung mit Action und humorvollen oder komischen Elementen. Deshalb werden wir bei der Analyse der Binnenhandlung vor allem über die Erzeugung von Humor und über die Charakterisierung Guckys sprechen müssen.
Die Perry-Rhodan-Handlung wird als Prolog und Epilog von der eigentlichen Handlung abgesetzt. Beide Begriffe stammen von der Bühne. Ein Prolog wird erzählend vorgetragen oder szenisch inszeniert. Er adressiert die Zuschauer, dient als Eröffnungsszene oder –rede, führt die Personen ein und startet die Handlung. Ein Epilog hingegen bietet eine Zusammenfassung am Textende oder einen Ausblick in die Zukunft. Denken wir an Faust, wo mit der Wette zwischen Gott und Mephisto Fausts Geschichte im Menschenbereich beginnt.
Der Vergleich mit den Himmelsbewohnern kommt nicht von ungefähr, denn es geht ja um Perry Rhodan. Er ist der Gute. Wie meine Neunjährige formulierte: „Also, ich finde den Atlan auch spannender. Beim Perry Rhodan, da weiß man ja immer, was er macht, der rettet alle und so. Der Atlan, da weiß man das nicht so genau.“ Perry Rhodan ist die berechenbarste Person der Serie. Und er ist traditionell der einzige, der Gucky wirklich bändigen kann. Er ist untadelig. Auch wenn ihm streckenweise Ramoz die Rolle des Auserwählten bei der uralten Flotte der Oraccameo und bei Mondra Diamonds streitig macht, was die Anpassung seiner Persönlichkeitsstruktur an die flachen Hierarchien der extrafiktionalen Jetztzeit unterstützt – schon ein Dutzend Hefte später wird sich herausstellen, dass er lediglich bei der falschen Firma vorgesprochen hatte und diese schuld ist.
So sind der souveräne Rhodan in der Rahmenhandlung und der als spaßig bekannte Gucky in der Haupthandlung verklammert. Um die Kriterien der klassischen Trennung in Tragödie und Komödie anzuwenden: Rhodan verkörpert die hohe Ebene, in der es beispielhaft um Schicksale geht, und Gucky die niedrige Ebene, wo man Spaß hat und sich schlecht benehmen kann. Wobei Guckys Charakterisierung in diesem Roman ganz weit vom lustigen Plüschtier weg ist.
Der szenisch gestaltete Prolog beginnt actionreich, die Aufmerksamkeit des Lesers wird zunächst durch in einem Prallfeld gesicherten überschwappenden Tasse Kaffee ausgerichtet, ehe es um die dramatische Rettung der SICHOU I durch die KADURA im Hypersturm geht und um die Vorgeschichte inklusive Frequenzmonarchie. Auffällig wieder, wie inmitten dramatischer Handlungssequenzen, und Hintergrundwissen die menschlichen Momente ausgestaltet werden, sei es das Kaffee-Thema zwischen Rhodan und Arene oder die großzügige Menschlichkeit, die in Rhodans Gesprächen mit Ronsaar aufscheint.
Die unberechenbaren physikalischen Verhältnisse des Hypersturms erlebt der Leser via Perrys Fähigkeit als Sofortumschalter, die einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Als klar wird, dass das Schiff im Linearraum „einzufrieren“ droht, ruft Darrayn: „Ein Tipp, Perry. Schnell“ (S.5) Dieser reagiert entsprechend, trifft eine ungewöhnliche Entscheidung, und übergangslos befindet sich das Schiff wieder im Normalraum. Perry trotzt dem Risiko des Hypersturms und beschießt risikofreudig: „Wir müssen ins Auge des Sturms“ (S.5).
Auch hier wird das physikalische Chaos verlebendigt, die Protagonisten befinden sich in einer belebten Welt: „Die Masse stieg ins Unendliche, das Universum staute sich zu einer gewaltigen Wand auf, an der das Schiff zerschellen würde“ (S.5) Und wie das im Perryversum immer so gewesen ist: Sobald die „Positronik normal“ (S.5) funktioniert, ist man aus dem Gröbsten raus.
Eine Art dramatischer Beziehungskonflikt entsteht durch den bremsenden Zugstrahl der KADURA, weil Rhodan sich fürs Addieren der Kräfte, also Gegenschub zur Beschleunigung, entscheidet, wodurch er aber auf die eigenständige Fluchtmöglichkeit durch Lineareintritt verzichtet. Gemeinschaft siegt, auch wenn der Retter gleich wieder verschwindet – die beiden treffen sich ja bald wieder und verstehen sich gut.
Versöhnlich stimmt die Erkenntnis, „die Geburt eines neuen Sonnensystems oder gar eines Sternhaufens erlebt“ (S.7) zu haben, woraufhin Rhodans Gedanken „schlagartig“(S.7) – er ist ja der Sofortumschalter – wieder bei der Suche nach der KADURA sind. Er nutzt die Zeit für die Arbeit am Urcontroller, wobei dem Leser noch mal wichtige Daten rekapituliert werden- Typisch für Ellmer sind diese deutlich als Perrys Bewusstseinsinhalte gekennzeichnet, denn es heißt: Sie „lieferten Perry einen wichtigen Hinweis […] Damit stand endgültig fest […], Rhodan interessierte sich brennend dafür“ (S.7).
Dem folgt eine von Ellmer regelmäßig zur Motivierung einer wichtigen Handlung eingesetzen Struktur, eine Reihung von diesmal fünf Fragen, die Perry sich stellt und die die künftige Handlung vorwegnehmen, was die Hauptfunktion eines Prologs ist: Was die Frequenzmonarchie mit QIN SHI zu tun hat, wie es bei den Segmenten der BASIS und am „Ort des Wandels“ in der Werft aussieht, ob die Xylthen die Schirmfelder knacken konnten und of MIKRU-JON noch da ist – mit Ausnahme der ersten gibt es im Handlungsverlauf auf diese Fragen Antworten. Und es gibt einen Ausblick: „Rhodan brauchte das Schiff, denn es war „genau das Richtige, um in die Höhle des Löwen zu fliegen“ (S.8). Da er dies bei Erhalt des Schiffes im Epilog auch tut, erfüllt dieser Prolog seine klassische Funktion.
Der Epilog hingegen bringt keine Auswertung philosophischer Erkenntnisse, sondern subsummiert lediglich die neu gewonnenen Erkenntnisse und bereitet durch die Zusammenführung der Protagonisten den nächsten Handlungsabschnitt vor, ist also eher Zwischenstopp als Abschluss – schließlich muss der das folgende Heft vorbereiten, so dass dieser alten Textsorte im Rahmen einer Heftromanreihe eine neue genretypische Funktion zufällt.
Zu Beginn des Epilogs betrachtet Rhodan die Werft und die Segmente der BASIS in der Fernortung. Er wartet. Die erwünschte Begegnung findet ein Echo in der Zweierstruktur der Formulierungen: „optisch und energetisch“ (S.58) hat sich nichts verändert – aufschlussreich für den Leser, der weiß, dass Nemo und Gucky in der Zeitdilatation steckten – und Perry betrachtet „parallel“ (S.58) den Hologlobus und das Display. Anrene wiederholt dies „überflüssigerweise“ (S.58) noch mal, und schließt daraus, dass sie jetzt gehen können. Der Leser weiß aber, dass sie das nicht dürfen, weil die anderen ja noch unterwegs sind. Als Perry sich vom Display abwendet, nimmt er Verbindung zu Ronsaar auf. Gerade als er mit ihm über die Flugroute zu sprechen beginnt, macht Anrene ihn auf den „Nagezahner“ (S.58) in Hologlobus aufmerksam.
Der humorvolle Teil des Abspanns beginnt: Ganz klassisch cool gab es für Gucky „keine besonderen Ereignisse“ (S.59), aber seine Miene verrät Rhodan, das dies nicht stimmt – die beiden kennen sich ja genau und achten aufeinander. Navigator Quistus schläft gerade in seinem Methantank und muss geweckt werden, auch dies vertrauter Alltag.
Als alle in MIKRU-JON zusammenkommen, schmatzt Gucky erst mal seine Karotte, auch dies ein Element von höchstem Wiedererkennenswert, und spricht das Schiff auf einen Sessel für Rhodan an, der im gleichen Augenblick ausgebildet wird – als Symbol dafür, dass Rhodan die sehnsüchtig herbeigewünschten technischen Möglichkeiten des Schiffes wieder zur Verfügung stehen. Der Avatar Mikru erscheint denn auch „mit leuchtenden Augen“ und begrüßt ihn mit „Hallo Pilot“(S.59), so dass hier ebenfalls menschliche Nähe als Normalität eintritt.
Gucky witzelt weiter über Nemos strapazierte Nerven, womit zu seinem Bericht überleitet. Als Nemo Rhodan knapp informiert, fasst er zugleich das Geschehen noch mal kurz für den Leser zusammen. Die offenen Fragen des Prologs werden weitgehend beantwortet, die ungelösten Fragen motivieren den Aufbruch nach Orontes, der gleich nach dem Roman beginnt: „‚Lasst uns aufbrechen’, sagte Perry Rhodan“ (S.59), was im Roman 2638 von Mark A. Herren dann umgesetzt wird.
Die Romane in diesem Abschnitt des Neuroversumzyklus enden entweder mit Er – er – er – es bzw. Sie – sie – sie – es – Reihen, ergänzt um Datumsangaben, die auf den 15. November zielen. Hier endet die Haupthandlung am 3. November, im Epilog treffen sich alle am 5. November und berechnen ihre Ankunft auf Orontes für den 12. November.
Kommen wir nun zur Binnenhandlung. Strukturell ist sie in sechs nummerierte Kapitel unterteilt. Die Übereinstimmung mit dem klassischen fünfaktigen Drama finden wir in der Gucky-Handlung. In den ersten fünf Kapiteln dominiert er völlig. Das sechste, kürzeste Kapitel fällt aus dieser Struktur heraus, weil Gucky ohnmächtig wird und Nemo, der vorher eher den Lehrling machte, nicht nur Guckys Zugriffsmöglichkeiten überschreitet, sondern auch kompetent Entscheidungen trifft und beide in Sicherheit bringt.
Die Binnenhandlung umfasst die Entschlussfindung Guckys, Nemos und Mikrus zur Expedition auf die Werft, die Durchführung der Expedition und die geglückte Flucht. Im ersten Abschnitt kabbeln sich Gucky, Nemo und Mikru durch die angespannter werdende Lage, im zweiten Abschnitt steht Guckys Persönlichkeit im Mittelpunkt, mit Partjan als Kontrastfigur. Beide interagieren in komplexer Weise mit ihren Gegnern auf dem gekaperten Schiff und auf der Werft, die bei aller Härte der Actionhandlung durchaus „menscheln“ – mit gebotenen Einschränkungen. Die Gegner sind durchaus lebensgefährlich, sind aber durch das Miterleben ihres Berufsalltags und Hinweise aufs Partyfeiern in der Freizeit – der Computer nimmt keinen Anstoß, als Gucky sein Opfer mit dem Hinweis auf feuchtfröhliches Feiern krank meldet – erscheinen sie als eigenständige Lebewesen, die durch eine totalitäre Regierungsform unter Druck stehen, was zu Grausamkeit führt. Die Sympathielenkung bevorzugt natürlich Gucky und Nemo, weil sie das Individuum achten, während in QIN SHIs Machtbereich nur dessen Vorteil etwas wert ist.
Eingeführt werden Gucky und Nemo mit einem äußerst anschaulich geschilderten, witzigen Streitgespräch, das schon den Ton der folgenden Geschehnisse festlegt. Die Erlebnisse des ungleichen Paares weisen viel Situationskomik auf.
Komiktheorie ist ein großes Kapitel, das die Germanistik vernachlässigt. Die Anglistik hat Shakespeare, Wodehouse und viele andere Autoren, die im Zentrum der Rezeption stehen, wichtige kulturelle Konstanten in humorvollen Texten abbilden, und als Textkorpus eine reiche Tradition von versöhnlichen, anerkennenden Parodien. Ich habe zu Studienzeiten meine Zulassungsarbeit über Hamletparodien des 19. Jahrhunderts verfasst, wobei es einerseits ums Technische - Hinzufügen, Weglassen, Austausch und Übersteigerung von Textbausteinen – und andererseits um Zielsetzung und Rezeptionsmechanismen. Wer sich für das komplette Instrumentarium interessiert, sollte Geoffry N. Leech: A Linguistic Guide to English Poetry (Longman, 1969) und Dieter A. Berger: Die Parodie in der Dichtung der englischen Romantik (Francke: Tübingen, 1990) lesen. Durch die Struktur als Serie sind meines Erachtens viele der diskutierten Mechanismen auf die Machart einer Heftromanserie als Genre anwendbar, mit gewissen Adaptionen natürlich – aber das überschreitet den Rahmen dieses Textes hier natürlich bei weitem.
Deutschsprachige Sekundärliteratur geht selten über oberflächlich kommentierte Materialsammlungen hinaus. Auch im traditionellen Textkorpus der Germanisten finden sich kaum anspruchsvolle Parodien, die in absichtlich schlechtem Latein geschriebenen „Dunkelmännerbriefe“, mit denen die Humanisten Reuchlin und damit indirekt – und wohl nur als Nebeneffekt – das jüdische Schrifttum im Deutschland des Kaisers Maximilian verteidigten, sind da schon eine strahlende Ausnahme, und sie vertreten eine sehr klare antiklerikale Position, was aber durch die witzige Verkleidung erst nach einiger Zeit von ihren Gegnern verstanden wurde. Es gibt eine Reihe von Parodien zu Schillers „Glocke“, alle niedermachend und blöd, und ansonsten wenig. Der Deutsche scheint nicht wertschätzen zu können, wo er Witze machen kann. Als strahlende Ausnahme seien die Arbeiten von Theodor Verweyen genannt, u.a. „Eine Theorie der Parodie“ oder „Walpurga, die taufrische Amme“.
Die gute alte Theorie von Sigmund Freud aus „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“ ging davon aus, dass beim überraschenden Wechsel von einer anstrengenden auf eine einfachere Situation Energie frei wird, die man als angenehm erlebt und durch Lachen abführt. Humor ist eng verbunden mit Wohl befinden und Wohlwollen, im Witz kann sich jemand auch blamieren. Der Unterschied zwischen Mitlachen und Auslachen ist jedem bekannt, ebenso wie der zwischen Wohlgefühl und Unbehagen, Überlegenheit und dem Gefühl, nicht mithalten zu können. In diesem Spannungsfeld bewegen sich lustige Texte.
Vereinfachung finden wir bei Wortwiederholungen und Parallelismen, weil wir uns ja keinen neuen Begriff erschließen müssen und somit Energie sparen. Wortspiele hingegen, die bei dergleichen Wiederholungen anfallen, kommen eher in den Bereich des „wit“, da die Bedeutung in der neuen Kombination überraschend umklappt, was unseren Spieltrieb befriedigt. Sie können sich im Spielerischen erschöpfen oder aber durch das plötzliche Offenlegen verborgener Inhalte entlarvend und kritisch wirken, so dass wir vom Vorhandensein einer Struktur nicht direkt auf die Zielsetzung schließen können, mit der sie verwendet wird.
Es handelt sich stets um ein Diskrepanzphänomen, und dabei gibt es eine reiche Auswahl an Ansatzpunkten: Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung, der einen Wortbedeutung und der anderen, Arglosigkeit und Übelwollen, Herausforderung und vereinfachter Lösung, angesehener und verachteter sozialer Gruppe, und so weiter. Diese Diskrepanzen können je nachdem mit unterhaltender, satirischer oder kritischer Zielsetzung verwendet werden. Entscheidend für den Erfolg beim Leser – dass dieser nämlich mitlacht, auslacht, mitdenkt oder einen Sachverhalt als lächerlich erlebt - sind erstens die Erkennbarkeit der geschilderten Struktur und zweitens seine emotionale Beteiligung, ohne die eben keine echte Reaktion erfolgt.
Grundsätzlich kann man unterscheiden zwischen versöhnlichem, gemütlichen Humor und der intellektuelleren Komik. Humor ist emotional. Er ist auch an die Gestaltung von Persönlichkeiten gebunden, denn die vier humores waren gemäß der antiken Viersäftelehre, die vom griechischen Arzt Galenos in seinem auf Latein geschriebenen Hauptwerk Methodi medendi zusammenfassend dargestellt wurde. Neben der Lehre von vier Elementen sprach er von den vier Grundstoffen Blut, Schleim, gelbe Galle und schwarze Galle, denen jeweils betimmte Organe und die die vier Qualitäten warm und feucht, kalt und feucht, warm und trocken und kalt und trocken entsprachen. Er verknüpfte diese mit Geschmacksqualitäten und Lebensphasen, und er sah Krankheit als eine fehlerhafte Mischung dieser Säfte. Aus dem Übergewicht eines Saftes entstand jeweils das cholerische, melancholische, phlegmatische oder sanguinische Temperament, wodurch die Säftelehre zu einer Systematik der Charaktertypen wurde. Im elisabethanischen England wurden diese Charaktertypen auf der Bühne jederzeit erkannt, so Hamlet als pessimistischer, aber überaus scharfsinniger Melancholiker, und im 18. Jahrhundert entwickelte sich daraus eine Komödienform, durch die sich Humor als Wort für „Lustiges“ etablierte. Humorvoll ist denn auch menschlich, gemütvoll und versöhnlich..
Witz hingegen – engl. „wit“ als Gewitzheit, geistige Beweglichkeit, Kombinierfähigkeit – ist intellektuell. Wie schon erwähnt: An einer vergleichenden Untersuchung über Arndt Ellmer und Leo Lukas könnte man den Unterschied sicher gut untersuchen. Hier werden wir keine übergreifende Theorie erstellen, sondern uns lediglich auf Textsignale konzentrieren, die uns schmunzeln lassen und Glücksgefühle auslösen, um uns für das Phänomen zu sensibilisieren.
Da die Binnenhandlung sehr gründlich aufgebaut ist, gibt ihre Analyse viel her. Beginnen wir mit einer eingehenden Untersuchung der Eingangsszene (vgl. S.9, 2. Spalte bis S.11, 1. Spalte):

„‚Du machst mich nervös’, sagte Gucky zu Nemo Partijan.
‚Ich mache dich…nervös?’ Der Wissenschaftler schüttelte ungläubig den Kopf. „Du machst mich nervös. Läufst pausenlos um den Einstieg des Antigravschachts herum. Streckst alle zwanzig Sekunden den Nagezahn in die Luft. Und schmatzt dazu.’
Der Ilt blieb stehen, legte betont lässig den Kopf in den Nacken und starrte Nemo von unten herauf an. ‚So’, meinte er spitz. ‚Und das nervt dich?’
‚Ja!’
‚Mich nervt, dass du unaufhörlich an die Viibad-Klüfte denkst, und wie du sie mithilfe deiner Quintadim-Topologie darstellen kannst’
Nemo Partijan rang um Fassung. „Das ist nicht lustig. Ich habe dir keinesfalls erlaubt, in meinen Gedanken zu lesen.’
‚Entschuldige, aber dann lass deine Gedanken nicht so offen liegen, dass sie einen ahnungslosen Telepathen geradeso anspringen. Sie sind mir geradeso…reingerutscht.’
‚Na gut’, sagte Partijan in versöhnlichem Ton. ‚Einmal ist keinmal.’ Erleichtert stellte er fest, dass der Ilt die ewige Wanderung beendet hatte.“ (2637, S.9)

Diese Anfangsszene kann man sich auf der Stelle anschaulich vorstellen, da die Gestalt des Ilt mehr als bekannt ist. Auch diese Kleinszene ist um einen kreisförmigen Mittelpunkt herum aufgebaut, was ihr Geschlossenheit verleiht, die gemütliche Geschlossenheit bewohnter Räume.
Die Protagonisten sind den Lesern bereits bekannt, jedoch in unterschiedlichem Ausmaß: Nemo Partijan wurde in 2600 bei seiner Einführung aus dem Blickwinkel Mondra Diamonds beschrieben – auch Uwe Anton benutzt gern die Personenperspektive, wenngleich er sich fast immer auf Sehen, Hören und Denken beschränkt, während Ellmer alle Sinneskanäle seiner Protagonisten gleichermaßen verwendet. Demzufolge ist Partijan gut aussehend, genial und erfolgreich, er kann auch in Gefahrensituationen schnell und kaltblütig reagieren, hatte sich als Sympathieträger bis dato aber nicht besonders etabliert, er war nur einer aus der endlosen Reihe überaus genialer Hyperphysiker, von denen eigentlich immer einer die Handlung begleitet. Seinen Vornamen kennen wir schon vom Bordrechner der JULES VERNE, der Nachname verfremdet den Teilugsvorgang der BASIS, und auf die Eingabe „Nemoia“ hin spuckt die Perrypedia einen Herrn Partan als Protagonisten zweier ATLAN-Hefte aus.
Da Gucky in seinen Gedanken über „Viibad-Klüfte“ und „Quintadim-Topologie“ liest, wird sofort klargestellt, dass wir einen hochgradig kompetenten Superhyperphysiker vor uns haben, einen jener unvergleichlichen Spezialisten, wie sie einer nach dem anderen die Serie begleiten. Doch hier ist der Wissenschaftler ratlos, denn er ist mit Gucky konfrontiert: Er ist genervt, ringt um Fassung und reagiert dann versöhnlich. Hierdurch wird Autorität, also Respekt hervorrufende Fallhöhe, abgebaut, andererseits zeigt er durch den „versöhnlichen Ton“ menschliche Kompetenz. Dieses Element zieht sich durch die gesamte Binnenhandlung. In diesem Roman wird Nemo erstmals richtig sympathisch.
Von Anfang an befinden die Protagonisten sich im Zwiegespräch, sie sind aufeinander ausgerichtet. Ihr Konflikt wirkt komisch, weil er uns aus dem Alltag vertraut ist, und weil das Konfliktvokabular durch Repetition und Variation seine Sprengkraft verliert. „Du machst mich nervös“ und „du nervst“ werden von einem zum anderen hin- und hergeschoben. Hierdurch entleeren sich die ursprünglichen Affekte dieser Äußerungen, was sich stets angenehm anfühlt, dem Leser also Wohlbehagen bereitet.
Auch Nemos Beschreibung von Guckys Verhalten weist Parallelismen auf, die Verben „Läufst“ und „Streckst“ sind an den Satzanfang gestellt und bezeichnen fröhliche, unbeschwerte Bewegung. Übersteigert wird die Verbreihe durch das dritte Element „Und schmatzt dazu.“ Gucky schmatzt, zeigt den Nagezahn, Nemos Gedanken, die er ungehemmt liest, springen ihn angeblich „geradezu an […] Sie sind mir einfach so…reingerutscht.“ (S.9). Die hier signalisierte Hemmungslosigkeit wirkt lustig, weil ungehemmte Sinnesfreude in die Sparte „Humor“ fällt, ebenso wie die Kinderperspektive, aus der der Mausbiber am Physiker empor starrt.
Das Gefahrensignal „betont lässig“ akzentuiert nur, weil es eben Gucky ist, der so schaut. Der Leser erfreut sich seines Informationsvorsprungs, denn jeder weiß, was Gucky mit Leuten macht, die seinen Unwillen erregen, was dem Leser das angenehme Gefühl des Mehrwissens gibt und Spannung durch Vorfreude aufbaut, uneingeschränkter Vorfreude, denn ein nervöser Wissenschaftler ruft wenig Mitgefühl hervor. Partijan ist hier auch ganz Autorität, er „schüttelt ungläubig den Kopf“, „ringt nach Luft“, protestiert gegen zu viel Bewegung und beruft sich auf Regeln – das erweckt im Leser eine diebische Freude. Er kann darin schwelgen, denn Gucky ist durch seine auch in dieser kurzen Szene zur Schaugestellten drei übersinnlichen Fähigkeiten – Telepathie, Telekinese und bald darauf auch Teleportation – fast unangreifbar und lebt noch dazu in der Kindperspektive, die man damals hatte, als man sich noch alles Mögliche erlauben durfte. Durch die Identifikation mit Gucky kann der Leser diese Sicherheit miterleben, und da kann man leicht lachen.
Wie so oft ist der Beginn mit Zeitangaben zusammengebunden, nämlich „pausenlos“ (S.9), und „alle 20 Sekunden“ (S.9) zur Guckys Bewegungen, die dann als „ewige Wanderung (S.9) wieder aufgenommen werden. Parallel zu Guckys Kreisbewegung und effektvollem In-der-Luft-Sitzen – was mich an Bostichs effektvollen Auftritt auf der Flugscheibe am Ende von 2616 erinnert – „stapft (Nemo) in Gedanken […] durch die Landschaftsmodelle“ (S.9) seiner Quintadim-Topologie. Dem folgt natürlich eine kurze Definition des Wissenschaftszweiges, was einerseits Neulesern und Lesern ohne fotografisches Gedächtnis die Lektüre erleichtern, andererseits auch zur Etablierung des Begriffs beiträgt, denn wir befinden uns im Bereich der „Pseudowissenschaft“. Ein Begriff, der zwar faktisch durchaus zutreffend sein mag, bei mir aber stets ein leises Bedauern auslöst.
„Pseudowissenschaft“ klingt ja ziemlich abwertend, und das greift zu kurz. Denn erstens muss Science Fiction als Gattung auf wissenschaftliche Theorien zugreifen, indem sie diese runterbricht auf eine Niveau, auf dem genug Durchschnittsleser dazu Zugang finden – und ich bin kaum die einzige, die über diese Art Lektüre Zugang zu Themen gefunden hat, die sich im Physikunterricht wie eine glatte Wand auftürmten, weil der Inhalt nur kurz angesprochen wurde, bevor er mit dem Rechnen losging – das kann leichter benotet werden, und die meisten Schüler wollen auch lieber wie die Hamster im Käfig Formeln anwenden statt irgendwas selber zu denken. Ich konnte das mit dem Rechnen nie und wurde damals nur in die Oberstufe versetzt, weil mein sehr strenger Physiklehrer mir erlaubte, ein Buch von Fritjof Capra zu einem Referat über die Parallelen zwischen Buddhismus und Quantenphysik zu verarbeiten, auf das ich eine Eins bekam – und die Vier minus ins Zeugnis. Die Rechnungen habe ich nie verstanden, ich kann sie immer noch nicht, aber ich lese gern über Physik – auf den mir möglichen Zugangswegen eben, und da habe ich an Science Fiction eine klare Erwartungshaltung.
Zweitens lebt die richtige Wissenschaft nicht nur von Exaktheit, sondern auch von Hypothesen, die später erst als Theorie verifiziert, falsifiziert oder modifiziert werden. Dazu gehören Phantasie und all die Ideen, die einem beiläufig in den Sinn kommen. Freie Assoziation und so.
Drittens die Notwendigkeit selbstständigen Denkens, das mit Anregungen aus guter Unterhaltungsliteratur oft leichter fällt als mit durchorganisierten Abhandlungen, die unter dem Vorzeichen einer bestimmten Hypothese geschrieben wurden und den Leser dahingehend lenken. Denken wir an die Phrenologie, einem wichtigen Vorläufer der Neuro- und Kognitionswissenschaften, aus der aber auch die Kraniometrie hervorging. Diese Art Schädelvermessung wurde außer in der Archäologie – wo sie weniger Schaden verursachte - auch lange in der Ethnologie verwendet und in der Rassenkunde der Nationalsozialisten. In der Oberstufe nimmt man ja regelmäßig Postkolonialismus durch, und da mir das Thema sehr am herzen liegt, quäle ich meine Schüler immer mit Bezügen zu modernern „braunen“ Tendenzen. Tja, diese Abqualifizierung ganzer Völker auf der Basis biologischer Merkmale hatte damals wissenschaftlichen Status, und dies sollte uns daran erinnern, dass zur Wissenschaft auch das Durchdenken der Implikationen gehört.
So, also die Pseudowissenschaft. Sie muss, da kein Hintergrundwissen als Folie einbezogen werden kann, in der fiktionalen Ebene aufgebaut werden – bei „Perry Rhodan“ natürlich heftübergreifend, aber trotzdem grundlegend. Da Ellmer stets sein Setting verortet, folgt eine Beschreibung des Schauplatzes Dosa-Zasao, die, laut Gucky, von Nemo als „Schlaraffenland“ (S.10) erlebt wird – erneut eine Einladung an den Leser, sich wohlzufühlen.
Nachdem der Ilt sich durch eine Schwenkung um 180 Grad (vgl. S.10) verdinglicht hat, sieht der Leser durch seine Augen auf die Panoramagalerie, die APERAS KOKKEIA zeigt. Guckys Wortspiel auf „Ort des Wandels“, nämlich „was immer sich da wandelt oder gewandelt wird, ist deutlich zu erkennen“ (S.10) leitet eine erneute genaue Verortung ein. Zunächst betrachtet Gucky die sichtbaren Einzelheiten, dann erfährt man via Nemos Gedanken, dann durch einen Dialog der beiden noch einmal die genaue Vorgeschichte des Ortes. Dies ist einer jener Balanceakte zur Informationsvergabe, die immer wieder kontrovers diskutiert werden.
Einen weiteren derartigen Einschub finden wir, als Nemo und Gucky im Innern der Werft auf die Anomalie stoßen, und Nemo beim Einstufen des Phänomens anhand der auftretenden Farben minutiös – nämlich mit exakter jeweiliger Uhrzeit - den Transfer der BASIS nach Chanda Revue passieren lässt. Einerseits lässt sich daran eine gewisse Neigung zu Rückblicken innerhalb der laufenden Handlung erkennen, die unser Autor immer wieder gerne einflicht, andererseits gab es in diesem Abschnitt des Neuroversum-Zyklus eine Menge Rückblicke und Überblicksdarstellungen, weil sich durch die schnelle Einführung vieler Schauplätze ein Informationswirrwahr ergeben hatte, der durch eine langsamere, übersichtlichere Einführung hätte vermieden werden können. Es hätte dann gereicht, Assoziationen zu den ortsüblichen Transportsystemen aufzubauen, um dem Leser zu vermitteln, dass es jetzt gleich um so was gehen wird.
Während wir den Verlauf der Handlung in Zusammenhang mit der Entwicklung der Charaktere nachzeichnen, wollen wir das Setting der Binnenhandlung untersuchen – die Verortung spielt bei Ellmer ja stets eine große Rolle.
Auf MIKRU-JON kabbeln Nemo und Gucky sich eine Zeit lang über wissenschaftliche Entwicklungen, während sie den Umbau der BASIS-Segmente beobachten, und diskutieren Handlungsmöglichkeiten zu Perry Rhodans eventuelle Anwesenheit in der Präsentationslounge beziehungsweise im Multiversum-Okular, und ob sie ihm helfen müssen. Gucky verspürt „einen Anflug von Angst“ (S.12), seine Haut kribbelt und die Haare stellen sich auf – unter aller Technik berührt ihn das Problem ganz persönlich. Als auch Nemo auffährt, weil er die Gefahr erkennt, tritt der pseudoweibliche Avatar Mikru auf den Plan, die zierliche Frau mit der tiefen Stimme. Auch hier erfahren wir noch mal zusätzlich, woher Rhodan Schiff und Avatar hatte. Trotz ihre Hologrammnatur verhält sie sich typisch weiblich: Sie geht nicht auf Guckys Scherze ein, sieht ihn ernst an und ermahnt zum Einhalten von Regeln. Wie eine gute Mutter weiß sie immer ein bisschen mehr, ohne sich aufzudrängen, und überlässt den anderen die Entscheidung. Sie ist auch immer zu Hause und wartet voll Sehnsucht auf ihren Piloten, den sie voll Freude begrüsst: Eine derart unemanzipierte Figur geht in einem aktuellen Science.Fiction-Roman auch nur, weil es der Avatar eines Bordrechners ist. Immerhin problematisiert Nemo hier das ungebrochene Vertrauen in die Positroniken: Er zweifelt an Mikru, weil sie „Summe eines Erfahrungsschatzes, aber nicht unfehlbar ist“ (S.15). Hier findet ein Rollentausch statt: Der Computer ist emotional, und Nemo der eigentliche Science-Fiction-Mensch.
Die Handlungsbereitschaft der Protagonisten wird durch die erhöhte Aktivität draußen ergänzt, denn jetzt kommt der rege Schiffsverkehr um die Werft ins Blickfeld, und durch Bildverzerrungen wird auch auf die ungewöhnlichen hyperenergetischen Einflüsse hingewiesen- beides Vorankündigungen der folgenden Handlung. Auch die vorbeidriftenden undefinierten „an kristallene Diskokugeln erinnernden blauen Objekte“ (S.12) bereiten den Leser durch ihre Kugelform schon auf die runde, schwarze Anomalie im Zentrum der kugelförmigen Werft vor. Gucky reagiert auf ihre Annäherung mit dem Kommando zum Alarmstart, was ihn explizit als „stellvertretenden(n) Expeditionsleiter“, der hier automatisch das Kommando führt, ausweist: Gucky übernimmt die Rolle des Anführers, in Nemos Wahrnehmung kennt er „kein Lampenfieber“ (S.15). Er fragt Mikru um Rat, entscheidet aber selbstständig. Seine zu niedrige Sprachebene, etwa „das Orakel von Delphi war ein Dreck gegen dich“ (S.13), erdet die Handlung mit grobem Humor.
Gucky ist so selbstständig, dass er, gemäß seiner traditionellen Charakterzeichnung, die Regeln ändert, so dass Nemo formuliert: „Du definierst dein Einsatzziel einfach um“ (S.13) – mit welcher Motivation, erfahren wir nicht, denn „Gucky bildete sich ein, aus dem Tonfall des Hyperphysikers so etwas wie Entrüstung rauszuhören“ (S.13) – jeder Hinweis auf die tatsächliche Modulierung entfällt dadurch. Partijan ist denn auch sofort bei dem „Selbstmordkommando“ (S.13) dabei.
Als nächstes wird ein Diskusschiff gesichtet, ähnlich einer Space-Jet, das beschossen wird und unter mysteriösen Bedingungen verschwindet, was den Entschluss zu handeln außer Zweifel stellt. Gucky „feixte heimlich“ (S.14) über Nemos Hilfsangebot, da er das Universum schon oft allein gerettet habe – auch dies ein humorvoller Hinweis auf den zur Genüge vertrauten Gucky mit seinem kindlich ungebrochenen Selbstvertrauen. Zugleich denkt Gucky jedoch darüber nach, dass der Sinn der Expedition Erkenntnisse sind, die nur Partijan gewinnen kann – so wird er erst abgewertet, dann sehr hoch aufgewertet, und auch dies zeichnet im Vorfeld den Verlauf der Binnenhandlung nach, ähnlich der dumb show in der Elisabethanischen Tragödie. Ellmer stellt die Strukturen der großen Handlung im Kleinen dar, ehe die eigentliche Action beginnt.
Mit dem zweiten Kapitel beginnt der Handlungsabschnitt auf dem Zapfenraumer (vgl. S.15), auf den die beiden zu Nemos Unbehagen teleportieren, denn für ihn als Wissenschaftler gilt nur das Messbare, und „Teleportation ohne exakte Parameterangaben auf dem Display war für ihn Zauberei. Oder Scharlatanerie“ (S.16). So wird er durch Guckys Berührung „an seiner Hüfte“ (S.16) wider Willen mitgenommen, und nach „dunkel“ und „hell“ landet er in der „Hölle“, nämlich in einem von Wummern erfüllten Tunnel mit stechend grellgrünem Licht, direkt vor einem schussbereiten Xylthen.
Solange Gucky Nemo zum Transport an Bein oder Hüfte berührt, ist dieser hilflos ausgeliefert – erst als er ihm die Hand gibt, erhält er eine handelnde Rolle (die Wortspiele stecken an), nicht ursächlich, aber als Signal (vgl. S.40). Hier ist er völlig überfordert, kann die Waffe nicht ziehen, und schaut hilflos in die Waffe des Gegners. Wie wenig er die Situation kapiert, zeigt sich, als er Guckys Blick als „irgendwie böse“ (S.17) einstuft. Er, der Wissenschaftler, hatte über die reine Handhabung technischen Geräts hinaus die eventuelle Anmessung von Emissionen und eine mögliche Entlarvung der Deflektorschirme nicht eingeplant, wie ihm Gucky vorhält. Nemo verhält sich anstellig und übt mehrfach das korrekte Bewegungsmuster ein. Er fühlt sich als „Klotz am Bein“ (S.17), aber Gucky liest seine Gedanken und tröstet ihn durch den Verweis auf Infos, „die nur du besorgen kannst“ (S.17).
Gleich darauf erweist Nemo sich erneut als brillianter Theoretiker, der Technik nicht praktisch zu nutzen versteht, als Gucky ihn erst darauf hinweisen muss, dasss seine Anzugpositronik ihm alle Infos über die Paralysedauer bei seinem Gefangenen geben kann. (vgl. S.17).
Gucky hingegen zeigt sich als erfahrener Stratege, hat bereits ein Versteck gefunden, bezieht ein, dass der Xylthe hören kann und testet dessen Zustand professionell, als er „sich über den Liegenden beugte und dessen Pupillen anleuchtete“ (S.18). Er ist ein absoluter Profi. Sobald sie aber im Versteck sind, entspannt er sich sofort und knabbert die gewohnte Mohrrübe. Der Leser nimmt nach dieser Actionphase an der Entspannung teil.
Grotesk illusionsdurchbrechend wirkt das folgende Gespräch, in der Nemo den Ilt als einzigen seiner Art bezeichnet und dadurch gegen die Regeln in der Fiktion wahrscheinlich gefälschten „Handbuch für Gespräche mit dem einzigen, einzigartigen Helden diesseits und jenseits der Milchstraße“ (S.18) verstößt. Wäre Gucky nicht warmherzig und niedlich, würde sein egozentrischer Gigantismus einfach nur abstoßen, und hier ist er noch einmal einen Tick übertrieben. Auch Übertreibung ist ein Mechanismus zur Erzeugung von Komik. Innerhalb der Handlung hat er die Funktion zu motivieren, warum Gucky Nemo, der vor Nervosität und Hilflosigkeit so zittert, dass die Fesseln in seinen Händen zu zucken scheinen, dieser Belastung aussetzt. Hier wirkt komisch, wie der Coole kleine Pelzkerl seine Möhre mampft und alles im Griff hat, während der große, intelligente Wissenschaftler hilflos mit der Tücke des Objekts kämpft: Die Diskrepanz zum Normalen erzeugt Lachen.
Sehr routiniert zeigt sich Gucky auch bei den hier beginnenden telepathischen Verhören der Xylthen, er „legte eine derart überlegene Respektlosigkeit an den Tag, dass der Xylthe schäumte“ (S.19). Im Prinzip funktioniert das wie der große Kettenhund bei Tom und Jerry, der gegen Zäune knallt und an der Kette hängt: Automatisch fühlen wir mit dem netten Kleinen. Nemo erscheint dies „wie ein böser Traum“ (S.20), während der Leser Guckys Überlegenheit mitgenießt.
Nemo verpasst dann auch das Erwachen des Gegners und wird angespuckt, während Gucky bald darauf geschickt ausweicht und sich über den Geruch der Spucke auslässt. Er bleibt völlig hilflos, empfindet Guckys Körperkontakt beim Teleportieren als „unangenehmen Druck der Hand an seinem SERUN“´(S.20) und erstarrt vor Schreck, als Gucky wieder auf Erkundung geht: „Du…willst…noch…mal…weg?“
Überdies finden wir hier eine Parallelstelle zu Nemos Versunkenheit in seinen Kontakt mit MIKRU-JON via Display (vgl. S. 14): Gucky „lauschte kurz in sich hinein“ (S.22), ehe er teleportiert – Er ist autarker als der Wissenschaftler und erkennt durch sich selbst, wozu dieser Instrumente braucht. Die Situation hat er voll im Griff, denn er taucht mit einem zweiten paralysierten Gegner auf, witzelt „bald können wir hier einen Uniformhandel aufmachen“ (S.22) und betäubt den ersten Gefangenen erneut, ehe er wieder verschwindet – nicht ohne Nemo mit dem Hinweis zurückzulassen, wo er die Fesseln in den Taschen des zweiten Opfers findet. Nemo steht unter Zugzwang und muss sich bewähren.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Vincent Garron » 26. Mai 2013, 19:55

so, fertig mit lesen.

Respekt Alexandra, jetzt weiß ich wieder warum ich Deutsch nach der 12 abgewählt hab :lol:
Bitte nicht falsch verstehen: Ich lese solch detaillierte Analysen sehr gerne, aber mir würden sich die Zehennägel hochklappen, wenn ich selber sowas erarbeiten müsste.
Inhaltlich hast du natürlich sicher recht. Zum einen weil du es kannst, zum anderen, weil das was du mit Worten formuliert hast, so auch bei mir beim Lesen des Romans hängengeblieben ist. Daher bin ich wohl weniger Analyst, als vielmehr Rezipient. Und als solcher kann ich nur sagen: Wenn das was du aus dem Roman extrahiert hast, so bei mir angekommen ist, dann muss der Autor einen guten Job gemacht haben :st:
Es gibt zwei Dinge die unendlich sind: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir aber nicht ganz sicher.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Alraska » 27. Mai 2013, 10:57

Hallo Alexandra,
hallo Vincent,

danke für Eure Antworten, fand sie sehr interessant!
Vincent: ja, ich denke, du hast da Recht mit den Erzählschemata, warum man die Romane so gut fand. Aber gerade bei Toufec und Anicee fand ich auch den Schreibstil klasse. Warum auch immer *g*
Alexandra: Was mich noch interessieren würde, ist dein Leserbrief beantwortet worden? Gab's da irgendeine Reaktion? Ich hab vor kurzem auch einen längeren geschrieben, aber weder Antwort noch irgendeine Reaktion bekommen.

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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Vincent Garron » 27. Mai 2013, 20:35

Alraska hat geschrieben:Alexandra: Was mich noch interessieren würde, ist dein Leserbrief beantwortet worden? Gab's da irgendeine Reaktion? Ich hab vor kurzem auch einen längeren geschrieben, aber weder Antwort noch irgendeine Reaktion bekommen.
Es gab da wohl vor einiger Zeit ein Problem mit der Mail-Adresse. Stand auch auf einer der LKS der letzten 10 Bände. Hab auch 2 LB geschrieben auf die null Reaktion erfolgte, was mir schon ein wenig Sorgen machte, denn Arndt schreibt IMMER was zurück und wenn es nur 2-3 kurze Sätze sind.
Ich schaue später mal genau nach und schreib dir dann 'ne PN.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von Alexandra » 27. Mai 2013, 23:18

Alraska hat geschrieben:Hallo Alexandra,
was mich noch interessieren würde, ist dein Leserbrief beantwortet worden? Gab's da irgendeine Reaktion? Ich hab vor kurzem auch einen längeren geschrieben, aber weder Antwort noch irgendeine Reaktion bekommen.
Hallo Alraska,
autobiographisch stellt deine Frage ein interessantes Zusammentreffen dar – mindestens so mystisch wie Vlcek.
Dieser Text war einer meiner letzten Leserbriefe. Ich hatte zwischen 2637 und 2675, also ca. ein halbes Jahr lang, ziemlich viele Leserbriefe geschrieben und erhielt stets Antwort. Dabei entwickelte ich von der ersten zaghaften Äußerung – ich hatte gerade ein Jahr vorher wieder mit PR angefangen und knüpfte hierdurch an mein altes Ich von dreißig Jahre vorher an.
Die Antworten jagten mich stets mindestens drei Wände hoch und runter, zu Unrecht, wie sich jedes Mal herausstellte, das hielt mich fit und machte mich munter. Dabei spielten von der ersten Antwort an Katzen eine Rolle. Katzen!
Früher hatten wir viele Katzen.
Früher habe ich auch gemalt und so Zeugs – meinen jetzigen Avatar malte ich mit 16, die Vorlage hieß Gucky, eine Schildpatt.
Zum Beispiel: Einmal erhielt ich einen Tag nach der Antwort eine zweite Mail von AE, dass mein Brief – auch ein langer – mit Hand auf Rechtschreibung überprüft werden musste, da die Rechtschreibprüfung mit dem Satzbau überfordert war. Was ich sofort als Angriff empfand – bin Deutschlehrer! – und als Kritik à la „dein Stil ist schlecht“. Ich war bis abends wirklich fies drauf – da öffnete ich ohne Grund die Haustür, und unter der Laterne vor dem Haus saß ein Kater und starrte mich an. Wozu Katzen neigen, aber hier wurde mir klar, dass das nur ein Film im Kopf war, und die Mail eine andere Aussage hatte. War wohl einfach subjektiv witzig gewesen. Und so weiter.
Na ja, und als sich der Zustand meines Nervensystems besserte, fielen die Antworten ganz aus. Nach drei Monaten ohne Antwort fragte ich über die Website nach, ob mit AE vielleicht irgendwas nicht o.k. sei, und bekam die prompte Antwort, dass meine Leserbriefe regelmäßig eingingen (Hä?), und nach einer ziemlich zornigen Beschwerde über eine Illustration, die nicht zum Text passte, erhielt ich umgehend eine Erklärung des betreffenden Autors, der Illustrator sei unschuldig.
Und eine ziemlich genervte Antwort AEs, er könne nicht alles beantworten. Damit habe ich in Dankbarkeit die Phase der Leserbriefe beschlossen und mich ins Forum begeben.
Schade, über die Leserbriefe hatte ich oft länger nachgedacht, das tat mir gut.
Aber bisschen raus und unter Leute zu gehen tat mir auch gut.
In der Regel kam nach drei bis vier Wochen Antwort.
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Re: Charakteristik der Autoren

Beitrag von cold25 » 1. Juni 2013, 02:53

Welcher Autor konnte die besten Charaktere erschaffen? D.H. ihnen Leben einzuhauchen, so dass man sich mit ihnen identifizieren konnte, sie Wiedererkennungswert hatten, nicht unbedingt auf die Hauptcharaktere bezogen, sondern auf die sagen wir mal gevolzten :D oder Nebencharaktere, die länger in der Serie verweilten.
just READING:

908 William Voltz - Aura des Friedens

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