Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Early Bird » 15. September 2015, 21:30

Thoromir hat geschrieben:....
Der Romanheftmarkt ist mittlerweile zusammen gebrochen. Terra Astra und Co gibt es nicht mehr. Perry Rhodan hat überlebt. ...
...
Ich danke dir, dass du meine Fragen ernst genommen/beantwortet hast.
Meine SF-Leser-Entwicklung hat Parallelen zu deiner. Allerdings ist mir in meine Entwicklung "deutsche SF" nicht als solche bewusst geworden.
Ich finde es auch sehr schade, dass Terra Astra und Co vertrocknet sind. Diese Reihen und manche SF-Blüten drum herum haben mir in meiner lesenlesenlesen-Zeit in der Regel etliche handliche Ausweich- und Abstandsmöglichkeiten von PR geboten.
Die Wahrscheinlichkeit verstanden zu werden, ist oft genug und aus allen möglichen Gründen gering.
Deshalb bin ich zwar für meine Texte verantwortlich, nicht jedoch für vermutete Absichten und Ansichten.
Kursiv soll meist auf irgend etwas mit Hümör hinweisen. Doppeltkursive Schrift gäbe noch mehr Möglichkeiten.

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Early Bird » 15. September 2015, 22:04

Thoromir hat geschrieben:Science Fiction in Deutschland mit Perry Rhodan gleich setzen, finde ich auch etwas sehr weit hergeholt.
...
Ja, ich denke, Science Fiction hat in Deutschland einen schweren Stand. Wenn man sich Interviews mit Astronauten und Wissenschaftlern anschaut, dann fällt zwischen amerikanischen und deutschen etwas auf: Viele Amerikaner sagen, sie seinen als Jugendliche Science Fiction Fans gewesen, oft wird hier Star Trek genannt. Viele deutsche Antworten auf eine solche Frage lauten aber "Nein, Science Fiction hat mich nie interessiert". Es gibt Ausnahmen, Harald Lesch z.B. Aber im großen und ganzen habe ich es schon erlebt, das deutsche Wissenschaftler und Astronauten sich eher über Science Fiction Geschichten lustig machen, während Amerikaner diese oft als Inspiration für ihre Arbeit nennen.
Mir ist oft aufgefallen, dass Menschen, die "mehr"* sind oder es sich einbilden, SF für die Spitze der Blödsinns-Schreiberei halten. Eher lassen solche Menschen Western oder die Beschäftigung mit Modelleisenbahn als historischen Stoff durch gehen, als SF auch nur eine nennenswerte Anerkennung ** zu zugestehen. Mindestens eine Augenbraue geht auf Wanderschaft und die Lippen kräuseln sich, wenn denen ein Freund oder gar Liebhaber der SF sein "Leiden" andeutet oder gar offenbart.

Ich frage mich schon lange ernsthaft, was solchen Leuten geschehen ist, wie sie zu solch einer Einstellung gekommen sind.

* z.B. Musiker (plural) im größeren Dienst, Ärzte, Anwälte, Unternehmer (zwei) auf flottem Fuß
*** ein Minimum an Anerkennung im Sinne von "Schreibwerk für Prols und Fleps"
Die Wahrscheinlichkeit verstanden zu werden, ist oft genug und aus allen möglichen Gründen gering.
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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Robert Corvus » 16. September 2015, 08:25

Als ich Gymnasiast war, habe ich PERRY RHODAN in der 4. und in der 1. Auflage gelesen, sowie nachgekaufte Hefte ab Nummer 1 und ab und zu einen Planetenroman oder eine Ausgabe der Autorenbibliothek. In dieser Phase haben Geschichten aus dem Perryversum das Zeitbudget, das ich fürs Lesen aufgebracht habe, komplett ausgeschöpft.
In diesem Sinne verstehe ich die Aussage aus dem Focus-Artikel, dass der Erfolg von PERRY RHODAN andere Science-Fiction an den Rand gedrängt habe. Wenn jemand prinzipiell für Science-Fiction in gedruckter Darreichungsform empfänglich ist, wird er vermutlich recht schnell auf PERRY RHODAN stoßen. Wenn ihm das dann erzählerisch liegt, wird er jede Woche Nachschub erhalten (volgo: wöchentlich Lesezeit investieren, um auf dem Laufenden zu bleiben) und zusätzlich die Möglichkeit haben, auf einen Bestand von mehreren tausend vorhandenen Geschichten zurückzugreifen. So lange PERRY RHODAN seine Komfortzone ist, er sich also mit der Serie wohlfühlt, hat er keinerlei Nachschubproblem, muss also gar nicht "riskieren", zu anderer Science-Fiction zu greifen. Er bleibt reiner PERRY-RHODAN-Fan, ohne Bezug zur sonstigen Science-Fiction.
Dazu eine Anekdote von einer Signierstunde mit Andreas Eschbach anlässlich des Erscheinens des von ihm verfassten Jubiläumsbands 2700: Ich wartete mit einigen Fans auf den Autor und fragte, ob sie auch andere seiner Romane, wie etwa Das Jesus-Video oder Solarstation, dabei hätten. Darauf ein Fan: "Ich bin mit PERRY RHODAN vollständig ausgelastet - da kann ich mich mit den Randbereichen der Science-Fiction nicht auch noch beschäftigen."

Ich kenne das aber auch aus anderen Bereichen, etwa der Fantasy. Da gibt es Leute, die sich ausschließlich für Das schwarze Auge interessieren, glücklich damit sind und nichts anderes aus dem Genre anfassen.

Der Nebeneffekt aus "Anbietersicht" ist, dass die Kaufkraft des Markts, der im deutschsprachigen Raum prinzipiell für Science-Fiction-Geschichten besteht, zu einem erheblichen Teil von PERRY RHODAN abgezogen wird. Damit schrumpft der verfügbare Rest, der Markt für Science-Fiction (in Buchform) wird (noch) kleiner. Daraus kann man schließen, dass ohne PERRY RHODAN mehr gemacht würde - man kann aber ebenso vermuten, dass ohne diese Konstante die deutschsprachige Science-Fiction vollständig kollabieren würde.
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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Quinto » 16. September 2015, 09:19

Robert Corvus hat geschrieben:Daraus kann man schließen, dass ohne PERRY RHODAN mehr gemacht würde - man kann aber ebenso vermuten, dass ohne diese Konstante die deutschsprachige Science-Fiction vollständig kollabieren würde.
Schöne Analyse, aber den letzten Halbsatz halte ich für sehr spekulativ. Kollabieren würde nur Perry Rhodan in der dann vorliegenden Fassung, wodurch Raum für Nachfolger geschaffen würde. Das Bedürfnis nach schneller Unterhaltung durch fantastische Geschichten, im Weltraum oder im Nimmerland, kollabiert sowieso nie, nur das Transportmedium kann variieren. Und das, was ich selbst unter SF verstehe, war schon immer ein literarisches Randthema. Es finden sich immer Leute wie Schätzing, die dieses Gebiet beackern und Leute, die diese Romane lesen. Das Laute und Schrille wie Perry Rhodan muss dagegen mit anderem Zeitvertreib aus der Laut-, Schrill- und Schnell-Ecke konkurrieren wie den Computerspielen. Und da sehe ich bei PR das wirkliche Manko. Es ist mir unbegreiflich, wie man Jahrzehnte erfolglos auf einem toten Gaul namens PR-Film herumreiten kann statt in den Markt der Computer-Rollenspiele zu gehen. Das PR-Universum sollte eigentlich der Traum jedes Rollenspiel-Entwicklers sein, dagegen ist Star Wars doch geradezu ein Fliegendreck. Dass PR international unbekannt ist, kann kaum ein ernsthafter Hinderungsgrund sein, wie man am Erfolg der polnischen Witcher-Reihe sieht. Wichtig ist vor allem die Qualität des Produkts. Allerdings bin ich ohnehin der Meinung, dass PR schon lange beim falschen Verlag angesiedelt ist.

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Robert Corvus » 16. September 2015, 09:44

Quinto hat geschrieben:
Robert Corvus hat geschrieben:Daraus kann man schließen, dass ohne PERRY RHODAN mehr gemacht würde - man kann aber ebenso vermuten, dass ohne diese Konstante die deutschsprachige Science-Fiction vollständig kollabieren würde.
Schöne Analyse, aber den letzten Halbsatz halte ich für sehr spekulativ. Kollabieren würde nur Perry Rhodan in der dann vorliegenden Fassung, wodurch Raum für Nachfolger geschaffen würde.
Die Option des Kollabierens ist sehr spekulativ, aber nicht völlig ohne Grundlage. Wenn man diesem Pfad gedanklich folgen möchte, sieht er so aus:
PERRY RHODAN hat (in dieser Annahme viele) Fans, die primär PERRY RHODAN lesen möchten und sich kaum für andere SF interessieren. Gäbe es PR nicht, würden sie nicht etwa andere SF lesen, sondern vielleicht Thriller oder Krimis.
Ergo bricht dieses Segment als Absatzmarkt für SF ersatzlos weg. Die PR-Derivate veschwinden aus den Regalen - Silberbände, Platinedition, Taschenbücher. In manchen Buchhandlungen wird dadurch die Gesamtzahl der SF-Titel (zu denen vorher PR zählte) zu klein, die entsprechenden Regale werden abgebaut, die verbleibenden SF-Titel versickern im allgemeinen Regal für Unterhaltungsromane. Die SF-Fans müssen zusätzlichen Aufwand treiben, um an "ihren Stoff" zu kommen. Manche scheuen diesen Aufwand, die Leserbasis bröckelt weiter, noch weniger (auch Nicht-PR-)SF wird gekauft. Thriller dagegen laufen gut, die Verlagsprogramme verschieben sich in diese Richtung und noch weiter weg von der SF.
Zweiter Aspekt: Auch SF muss geschrieben werden. PERRY RHODAN ist da ein Fels in der deutschen Verlagslandschaft, an dem einiges haften bleibt. Es ernährt nicht nur die Teamautoren, sondern bietet auch ein willkommenes Zubrot für Gastautoren (hüstel), SF-affine Lektoren, Zeichner, etc. Wenn das wegfällt, bricht bei manchen von diesen SF-schaffenden die wirtschaftliche Basis weg und sie müssen ihre Brötchen in anderen Bereichen verdienen. Dadurch sinkt das Zeitbudget, in dem sie SF schaffen können --> weniger entsteht, oder es entsteht unter mehr Zeitdruck, was auf die Qualität schlagen könnte, was wiederum die Fanbasis vergrault.

Alles spekulativ, keine Frage.
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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Thoromir » 16. September 2015, 11:12

Robert Corvus hat geschrieben: In diesem Sinne verstehe ich die Aussage aus dem Focus-Artikel, dass der Erfolg von PERRY RHODAN andere Science-Fiction an den Rand gedrängt habe. Wenn jemand prinzipiell für Science-Fiction in gedruckter Darreichungsform empfänglich ist, wird er vermutlich recht schnell auf PERRY RHODAN stoßen. Wenn ihm das dann erzählerisch liegt, wird er jede Woche Nachschub erhalten (volgo: wöchentlich Lesezeit investieren, um auf dem Laufenden zu bleiben) und zusätzlich die Möglichkeit haben, auf einen Bestand von mehreren tausend vorhandenen Geschichten zurückzugreifen. So lange PERRY RHODAN seine Komfortzone ist, er sich also mit der Serie wohlfühlt, hat er keinerlei Nachschubproblem, muss also gar nicht "riskieren", zu anderer Science-Fiction zu greifen. Er bleibt reiner PERRY-RHODAN-Fan, ohne Bezug zur sonstigen Science-Fiction.
Unter dem Gesichtspunkt ist das sicher eine richtige Überlegung.

Bei mir war es etwas anders. Als Schüler war ich wesentlich weit gestreuter als heute, wenngleich - was deutschsprachiges betrifft - Perry Rhodan sicher auch seine 80 % einnahm.
Mit 18 Jahren bin ich an den Augen erkrankt und konnte nicht mehr lesen, bzw ich war auf Hörbücher angewiesen. Leider war die Auswahl von Science Fiction in den Blindenhörbücherein verdammt mager. Da hörte ich dann alles, was es an wenigen Titeln gab. Dann fing Eins A mit den Silberbänden als Hörbücher an, und ich konnte so wieder bei Perry Rhodan andocken. Noch besser wurde es, als die wöchentlichen Lesungen begannen. Und mit dem Kauf eines Ebook-Readers, wo ich die Schrift deutlich vergrößern kann, öffnete sich mir dann wieder die ganze Welt des Phantastischen (zumindest, wenn sie auf Ebook angeboten wurden). Tja, und trotzdem komme ich aus Zeitgründen eigentlich (fast) nur dazu, Perry Rhodan zu hören und zu lesen.

Das wird vom Grundsatz her aber wohl allen erwachsenen Menschen so gehen, das sie nicht mehr dazu kommen, alles zu lesen, was sie interessiert. Das betrifft ja auch nicht nur das Lesen, sondern alle Bereiche der Freizeitgestaltung. Ein junger Mensch fährt vielleicht zu jedem Fußballspiel seiner Mannschaft. Als gestandener Erwachsener lässt das merklich nach oder hört ganz auf. Als junger Mensch schaut man sich jede mögliche Fernsehserie an, als Erwachsener sucht man sich nur noch ganz gezielt etwas aus.
Aber wie sieht das mit jüngeren Leuten aus?

Wir wissen, das Perry Rhodan darunter leidet, von zu wenigen jungen Menschen gelesen zu werden. Das mag zum Großteil daran liegen, das Science Fiction zur Zeit nicht so weit oben steht, wie das vielleicht zwischen Star Wars (1977) und der Jahrtausendwende der Fall war. Aber ich denke, es liegt auch daran, das junge Leute genug anderes finden können. Angefangen beim Konkurrenten Maddrax bis zu den vielen Romanen in Taschenbuchform. Das sind weniger als in den 80er und 90ern, aber immer noch mehr, als das ein Mensch das alles lesen könnte.

Man kann von Perry Rhodan gefesselt werden, und sich ganz darauf konzentrieren. Aber ich glaube nicht, dass das heute eine Mehrheit der jungen Menschen so macht, denn viele sind auch nicht bereit, sich auf ein so großes Hintergrunduniversum einzulassen. Wenn ich mich mit jüngeren Leuten unterhalte und sage, das ich Perry Rhodan lese, kennt kaum jemand den Namen, trotzdem nennen sie sich aber Science Fiction Fans.
Wenn wir das jetzt weiter denken, kommt es früher oder später doch zu einem Ende der Perry Rhodan Serie weil die alten Leser langsam aussterben. Bricht dann die deutsche Science Fiction zusammen? Ich glaube das nicht, denn es wird vielleicht etwas anderes geben. Es kann erst etwas anderes geben wenn Perry Rhodan weg ist? Möglich, aber Maddrax zeigt doch, dass es Ausnahmen von dieser Regel gibt. Wenn die SciFi Flaute mal wieder vorbei ist (und da es Flauten und Hochzeiten schon immer gegeben hat, wird das sicher passieren), dann wird es sicher auch wieder andere Serien geben. Vielleicht nicht auf dem Papier sondern als Ebook, oder als Computerspielserie oder als Fernsehserie. Vielleicht keine 3000 Wochen lange Serien, aber das muss ja auch nicht sein.

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Quinto » 16. September 2015, 14:35

Robert Corvus hat geschrieben:Gäbe es PR nicht, würden sie nicht etwa andere SF lesen, sondern vielleicht Thriller oder Krimis.
Ergo bricht dieses Segment als Absatzmarkt für SF ersatzlos weg.
Der erste Satz ist richtig, die Folgerung nicht. Dazu komme ich wieder auf meine ursprüngliche These zurück. PR ist eben keine SF im eigentlichen Sinn sondern eine im Weltraum angesiedelte Abenteuerserie. Daher liest ein PR-Leser (oder PR-Autor) nicht unbedingt andere SF-Literatur sondern vielleicht Thriller, das stimmt. Das liegt an der speziellen Machart der PR-Serie. Wem PR gefällt oder gefiel, der hat oder hätte zu früheren Zeiten vielleicht Karl May gelesen. May hatte neben der Abenteuerhandlung zu seiner Zeit auch den Reiz des Fremdartigen. Man schaue nur mal in die frühen Leserbriefe, wie oft da der Vergleich zu May gezogen wurde. Fällt PR weg, dann bleibt dieses Abenteuer-Potenzial unbefriedigt. Und wo ein Bedarf ist, da ist über kurz oder lang auch eine Bedarfsdeckung, zumindest teilweise. Die muss aber nicht über "SF"-Literatur geschehen. Falls sie fehlt, sucht man sich andere Möglichkeiten. Mache ich doch auch. SF wie D9E lese ich nur nebenbei, Rhodan gar nicht mehr.

Frank Chmorl Pamo

Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Frank Chmorl Pamo » 16. September 2015, 15:51

Quinto hat geschrieben:
Robert Corvus hat geschrieben:Gäbe es PR nicht, würden sie nicht etwa andere SF lesen, sondern vielleicht Thriller oder Krimis.
Ergo bricht dieses Segment als Absatzmarkt für SF ersatzlos weg.
Der erste Satz ist richtig, die Folgerung nicht. Dazu komme ich wieder auf meine ursprüngliche These zurück. PR ist eben keine SF im eigentlichen Sinn sondern eine im Weltraum angesiedelte Abenteuerserie. Daher liest ein PR-Leser (oder PR-Autor) nicht unbedingt andere SF-Literatur sondern vielleicht Thriller, das stimmt. Das liegt an der speziellen Machart der PR-Serie. Wem PR gefällt oder gefiel, der hat oder hätte zu früheren Zeiten vielleicht Karl May gelesen. May hatte neben der Abenteuerhandlung zu seiner Zeit auch den Reiz des Fremdartigen. Man schaue nur mal in die frühen Leserbriefe, wie oft da der Vergleich zu May gezogen wurde. Fällt PR weg, dann bleibt dieses Abenteuer-Potenzial unbefriedigt. Und wo ein Bedarf ist, da ist über kurz oder lang auch eine Bedarfsdeckung, zumindest teilweise. Die muss aber nicht über "SF"-Literatur geschehen. Falls sie fehlt, sucht man sich andere Möglichkeiten. Mache ich doch auch. SF wie D9E lese ich nur nebenbei, Rhodan gar nicht mehr.
Dann erkläre mal, an was Du es festmachst, dass PR keine SF im eigentlichen Sinn sei, und wie man die Serie schreiben müsse, damit sie SF würde.

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Quinto » 16. September 2015, 19:03

Frank Chmorl Pamo hat geschrieben: Dann erkläre mal, an was Du es festmachst, dass PR keine SF im eigentlichen Sinn sei, und wie man die Serie schreiben müsse, damit sie SF würde.
Das habe ich in meinem ersten Beitrag in diesem Strang schon kurz erklärt. Sinnigerweise hatte die Serie früher den Untertitel "Die grosse Weltraum-Serie". Stimmt genau. Abenteuer im Weltraum. Natürlich kann man PR zur SF im weiteren Sinn zählen, weil viele typische Zutaten dabei sind: Außerirdische, Raumschiffe, fremde Planeten. Dennoch wird wohl jeder den Unterschied bemerken zwischen PR und klassischen SF-Romanen oder beispielsweise zu Paul Preuss' Miniserie "Codename: Sparta". Da fehlt das Laute und Schrille, die Hoppla-jetzt-kommt-der-Mutant-Handlung und es fehlen so richtig alberne Zutaten wie kilometergroße Raumschiffe, die auf Planeten landen (auf Stelzen!).

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Early Bird » 16. September 2015, 21:09

Quinto hat geschrieben:... eine Bedarfsdeckung ... aber nicht über "SF"-Literatur geschehen. Falls sie fehlt, sucht man sich andere Möglichkeiten. Mache ich doch auch. SF wie D9E lese ich nur nebenbei, Rhodan gar nicht mehr.
Es gibt tatsächlich Leser, die lesen PR und nicht SF. Genau so gibt Leser, die sind ausdrücklich auf SF u.ä. aus, PR gehört lediglich dazu. Die kannst du nicht mit Abenteuer aus anderen Genres befriedigen, die werden wieder SF suchen. Mach ich doch auch. ;) :)
Die Wahrscheinlichkeit verstanden zu werden, ist oft genug und aus allen möglichen Gründen gering.
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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Thoromir » 17. September 2015, 09:36

Quinto hat geschrieben:
Frank Chmorl Pamo hat geschrieben: Dann erkläre mal, an was Du es festmachst, dass PR keine SF im eigentlichen Sinn sei, und wie man die Serie schreiben müsse, damit sie SF würde.
Das habe ich in meinem ersten Beitrag in diesem Strang schon kurz erklärt. Sinnigerweise hatte die Serie früher den Untertitel "Die grosse Weltraum-Serie". Stimmt genau. Abenteuer im Weltraum. Natürlich kann man PR zur SF im weiteren Sinn zählen, weil viele typische Zutaten dabei sind: Außerirdische, Raumschiffe, fremde Planeten. Dennoch wird wohl jeder den Unterschied bemerken zwischen PR und klassischen SF-Romanen oder beispielsweise zu Paul Preuss' Miniserie "Codename: Sparta". Da fehlt das Laute und Schrille, die Hoppla-jetzt-kommt-der-Mutant-Handlung und es fehlen so richtig alberne Zutaten wie kilometergroße Raumschiffe, die auf Planeten landen (auf Stelzen!).
Die Wikipedia schreibt:
Science-Fiction [ˌsaɪəns ˈfɪkʃən̩] (engl. science „Wissenschaft“, fiction „Fiktion“) ist ein Genre der Literatur und des Films, aber auch anderer Bereiche wie etwa der bildenden Kunst oder der Videospiele, das den Einzelnen, die Gesellschaft oder die Umwelt in (oft radikal) alternativen Konstellationen betrachtet. Science-Fiction entwirft – häufig in die Zukunft verlegte, teilweise auch räumlich entfernte – Konstellationen des Möglichen und beschreibt deren Auswirkungen. Dabei werden reale wissenschaftliche und technische Möglichkeiten mit fiktionalen Spekulationen angereichert.

Dieser Kurzdefinition nach ist Perry Rhodan eine mitten in der Science Fiction verankerte Romanheftserie.
Das heist nicht, dass Perry Rhodan auch von Leuten gelsen wird, sie sonst nur Abenteuer oder Thriller lesen würden. Das eine schließt das andere überhaupt nicht aus. Denn ein Science Fiction Roman kann auch ein Thriller oder ein Kriminalroman sein.

Wir können gern darüber diskutieren, ob es Anspruchsvoll oder Trivial ist, es ändert aber überhaupt nichts daran, das es Science Fiction ist.
Du hast Dir da eine ganz eigene Definition zurecht gelegt, die entspricht aber nicht dem, was man allgemein unter Science Fiction versteht.
"Weltraum Serie" war einst der Untertitel, um Perry Rhodan als Space Opera hervorzuheben, denn den Begriff gab es damals noch gar nicht. Ich denke, selbst der Begriff Science Fiction wurde in den frühen 60ern kaum in den Mund genommen. "Utopische Romane" wurden sie genannt oder schlichtweg "Zukunftsromane". Trotzdem nennen wir sie heute aber Science Fiction.

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Frank Chmorl Pamo » 17. September 2015, 12:31

Thoromir hat geschrieben:Wir können gern darüber diskutieren, ob es Anspruchsvoll oder Trivial ist, es ändert aber überhaupt nichts daran, das es Science Fiction ist.
Du hast Dir da eine ganz eigene Definition zurecht gelegt, die entspricht aber nicht dem, was man allgemein unter Science Fiction versteht.
"Weltraum Serie" war einst der Untertitel, um Perry Rhodan als Space Opera hervorzuheben, denn den Begriff gab es damals noch gar nicht. Ich denke, selbst der Begriff Science Fiction wurde in den frühen 60ern kaum in den Mund genommen. "Utopische Romane" wurden sie genannt oder schlichtweg "Zukunftsromane". Trotzdem nennen wir sie heute aber Science Fiction.
Nach meinem Kenntnisstand wurde von Hugo Gernsback zuerst der Begriff "scientifical fiction" und daraus dann "science fiction" geschaffen. Das war in den 1930er oder 1940er Jahren. Insofern sollte der Begriff 1961 bekannt gewesen sein. Mit dem Verlegen und Übersetzen (dank tatrkäftiger Mithilfe unseres geschätzten Walter Darlton oder Clark Ernsting ... ;) ) wird dieser Begriff Mitte der 1950er schon bei uns bekannt gewesen sein.

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Thoromir » 17. September 2015, 12:45

Frank Chmorl Pamo hat geschrieben:
Thoromir hat geschrieben:Wir können gern darüber diskutieren, ob es Anspruchsvoll oder Trivial ist, es ändert aber überhaupt nichts daran, das es Science Fiction ist.
Du hast Dir da eine ganz eigene Definition zurecht gelegt, die entspricht aber nicht dem, was man allgemein unter Science Fiction versteht.
"Weltraum Serie" war einst der Untertitel, um Perry Rhodan als Space Opera hervorzuheben, denn den Begriff gab es damals noch gar nicht. Ich denke, selbst der Begriff Science Fiction wurde in den frühen 60ern kaum in den Mund genommen. "Utopische Romane" wurden sie genannt oder schlichtweg "Zukunftsromane". Trotzdem nennen wir sie heute aber Science Fiction.
Nach meinem Kenntnisstand wurde von Hugo Gernsback zuerst der Begriff "scientifical fiction" und daraus dann "science fiction" geschaffen. Das war in den 1930er oder 1940er Jahren. Insofern sollte der Begriff 1961 bekannt gewesen sein. Mit dem Verlegen und Übersetzen (dank tatrkäftiger Mithilfe unseres geschätzten Walter Darlton oder Clark Ernsting ... ;) ) wird dieser Begriff Mitte der 1950er schon bei uns bekannt gewesen sein.
In "Fachkreisen" sicher, aber im allgemeinen noch nicht. Deshalb steht auf den Raomanheften der damaligen Zeit ja auch nicht "Science Fiction" sondern eben "Weltraumserie" oder "utopische Romane"

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Quinto » 17. September 2015, 14:51

Thoromir hat geschrieben:Dieser Kurzdefinition nach ist Perry Rhodan eine mitten in der Science Fiction verankerte Romanheftserie.
Du kannst es gerne so sehen. An SF-Definitionen haben sich schon viele versucht. Es ändert nichts daran, dass zwischen PR und anderen SF-Produktionen schriftstellerisch und thematisch eine erheblicher Unterschied besteht. Deshalb ist die PR-Leserschaft nur eingeschränkt kompatibel zu anderer SF. Bei anderen findet man eben nicht dieses Getöse und den Was-nicht-passt-wird-passend-gemacht-Ansatz in der Handlung. Ich werte das nicht, ich stelle es nur fest. Das ist dasselbe Geschäftsmodell wie bei Filmen wie Star Wars, James Bond oder der Terminator-Serie. Das lieben die Leute, zumindest bis zu einer gewissen Grenze. Es unterhält nämlich wunderbar. Deswegen gehen die Menschen auch liebend gern zum Rummelplatz und lassen sich mal richtig durchschütteln. PR ist quasi der Rummelplatz der SF-Literatur, nur dass inzwischen immer weniger hingehen.

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Frank Chmorl Pamo » 17. September 2015, 15:18

Quinto hat geschrieben:
Thoromir hat geschrieben:Dieser Kurzdefinition nach ist Perry Rhodan eine mitten in der Science Fiction verankerte Romanheftserie.
Du kannst es gerne so sehen. An SF-Definitionen haben sich schon viele versucht. Es ändert nichts daran, dass zwischen PR und anderen SF-Produktionen schriftstellerisch und thematisch eine erheblicher Unterschied besteht. Deshalb ist die PR-Leserschaft nur eingeschränkt kompatibel zu anderer SF. Bei anderen findet man eben nicht dieses Getöse und den Was-nicht-passt-wird-passend-gemacht-Ansatz in der Handlung. Ich werte das nicht, ich stelle es nur fest. Das ist dasselbe Geschäftsmodell wie bei Filmen wie Star Wars, James Bond oder der Terminator-Serie. Das lieben die Leute, zumindest bis zu einer gewissen Grenze. Es unterhält nämlich wunderbar. Deswegen gehen die Menschen auch liebend gern zum Rummelplatz und lassen sich mal richtig durchschütteln. PR ist quasi der Rummelplatz der SF-Literatur, nur dass inzwischen immer weniger hingehen.
Perry Rhodan ist eigentlich noch der Tradition der Space Opera verhaftet, am Ehesten wohl E. E. Smith, ob in seinem Skylark-Zyklus (bis #700) oder später dann mit den Lensmen. Es gibt sicherlich noch andere Einflüsse, doch mir scheinen diese am größten. Ein bischen Flash Gordon und Buck Rogers ist auch dabei, später Dick.
Durch die Konzentration auf den kosmologischen Überbau, quasi das Alleinstellungsmerkmal de Serie, der eigentlich in der Fantasy oder Science Fantasy einzuordnen ist, ging diese Vielfalt mit der Zeit verloren.
So ziemlich jedes SF-Subgenre kam bei PR schon zu Wort. Insofern versuche ich mich nicht an irgendwelchen Definitionen - PR steht in der SF-Tradition.
PR hat wohl das umfassendste Spektrum an SF-Themen.
Aber ... wenn das keine SF ist, dass man die Evolution der Lebens auf das von Universen überträgt, dass sich Universen und Multiversen durch eine DNA-ähnliche Struktur entwickeln (eine Extrapolation ähnlicher Entwicklungsprozesse und Bildungsgesetze des Lebens auf der Erde), was dann?
Im Nachhinein betrachtet hätte ich es toll gefunden, wenn dies mehr in den Heften thematisiert worden wäre, statt immerwieder Invasionen und Weltenbrände, z.B. in Truillau oder Cohagen-Pasmereix).
PR ist originär deutsche SF, die wohl nur in Deutschland über nun mehr als ein halbes Jahrundert bestehen konnte, selbst wenn man in anderen Ländern genauso ideale Ausgangsbedingungen gehabt hätte.

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Garko der Starke » 17. September 2015, 15:21

Quinto hat geschrieben:PR ist eben keine SF im eigentlichen Sinn sondern eine im Weltraum angesiedelte Abenteuerserie.
Die Themen SF und Abenteuer schliessen sich nicht aus.

Die SF umfasst viele Facetten, und PR ist nur eine davon.
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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Thoromir » 17. September 2015, 15:25

Quinto hat geschrieben:
Thoromir hat geschrieben:Dieser Kurzdefinition nach ist Perry Rhodan eine mitten in der Science Fiction verankerte Romanheftserie.
Du kannst es gerne so sehen. An SF-Definitionen haben sich schon viele versucht. Es ändert nichts daran, dass zwischen PR und anderen SF-Produktionen schriftstellerisch und thematisch eine erheblicher Unterschied besteht. Deshalb ist die PR-Leserschaft nur eingeschränkt kompatibel zu anderer SF. Bei anderen findet man eben nicht dieses Getöse und den Was-nicht-passt-wird-passend-gemacht-Ansatz in der Handlung. Ich werte das nicht, ich stelle es nur fest. Das ist dasselbe Geschäftsmodell wie bei Filmen wie Star Wars, James Bond oder der Terminator-Serie. Das lieben die Leute, zumindest bis zu einer gewissen Grenze. Es unterhält nämlich wunderbar. Deswegen gehen die Menschen auch liebend gern zum Rummelplatz und lassen sich mal richtig durchschütteln. PR ist quasi der Rummelplatz der SF-Literatur, nur dass inzwischen immer weniger hingehen.
"Was nicht passt, wird passend gemacht" das trifft irgendwie auf Deine Definition von Perry Rhodan zu.
"Es ändert nichts daran, dass zwischen PR und anderen SF-Produktionen schriftstellerisch und thematisch eine erheblicher Unterschied besteht." Das ist eine rein subjektive Bahauptung. Einfach in den Raum gestellt. Worin unterscheidet sich die Thematik bei Perry Rhodan von Thematiken Asimovs oder Dicks?
Es wäre mir neu, wenn die Definition von Science Fiction allgemein als strittig angesehen würde. Das SF im laufe der Zeit einen Bedeutungswandel durchgemacht hat ist klar, allerdings ist dieser nicht so groß, als das Perry Rhodan zu jeder Zeit, zu jeder Definition in die Science Fiction eingeordnet worden wäre. Perry Rhodan setzt wissenschaftliche Veränderungen voraus und spinnt darum eine Geschichte. Und bei Wissenschaft geht es nicht nur um Technik, auch Biologie (Evolution) oder Kultur oder Physik gehören dazu. Perry Rhodan wird die Welt nicht durch Zauberei bewegt sondern durch Technik. Durch fiktive Technik. Einige in der Evolution höherstehende Wesen (Biologie) haben mittels uns nicht verständlichen Mitteln ein Naturgesetz - die Hyperimpedanz - geändert. (Physik) umd die Technik der Völker weniger effektiv zu machen. Das ist alles pure Sci Fi und keine Zauberei. Man muss solche Geschichten nicht schön finden, aber es ist trotzdem SciFi.

George
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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von George » 17. September 2015, 15:32

Würde es eine neue Serie geben, die z.B. realistische SF im Sonnensystem schildert, würde ich gern zugreifen. Oder eine Heftserie mit einzelnen SF-Themen wäre toll. Von mir aus könnte es da deutlich mehr geben. Es muss nicht immer PR sein.

Frank Chmorl Pamo

Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Frank Chmorl Pamo » 17. September 2015, 16:03

Thoromir hat geschrieben: "Was nicht passt, wird passend gemacht" das trifft irgendwie auf Deine Definition von Perry Rhodan zu.
"Es ändert nichts daran, dass zwischen PR und anderen SF-Produktionen schriftstellerisch und thematisch eine erheblicher Unterschied besteht." Das ist eine rein subjektive Bahauptung. Einfach in den Raum gestellt. Worin unterscheidet sich die Thematik bei Perry Rhodan von Thematiken Asimovs oder Dicks?
Sehr schön zu sehen beim M87-Zyklus. Die den Genexperimenten entstammenden Bestien verhalten sich ganz anders als von den KdZ beabsichtigt.
Wenn das nun keine SF sein soll ...
Asimovs Psychohistorik habe ich immer als in Wissenschaft gekleidete Handwedelei gesehen, und seine Robotgesetze, gegen die per se nicht verstoßen werden könne, halte ich für etwas naiv, selbst aus der Sicht Anfangs der 1940er Jahre. Ists deswegen keine SF?

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Haywood Floyd » 17. September 2015, 16:20

Vielleicht - nur mal als These in den (Diskussions-)Raum gestellt... - liegt das stark nachlassende Interesse an SF auch daran, dass die unermüdlichen Ökogutmenschen seit Jahrzehnten bereits im Kindergarten und später in de Schulen die Kids entsprechend technikfeindlich und fortschrittsphobisch indoktrinieren und alles was mit Technik, Weltraum usw. zusammenhängt als negativ und umweltschädlich abklassifizieren und disqualifizieren?

Vielleicht wurde so aus dem 'to boldly go' der 60er und frühen 70er dieses doch eher zaghafte 'lieber ersma daheim alles in Ordung bringen' begleitet von der medial und politisch massiv propagierten Evozierung von (wenn's hart auf hart kommt, letztlich unbewiesenen) kollektiven Phobien über Waldsterben, Global Warming, Ozonlöcher usw. - angeblich alles durch den Menschen verursacht (was für eine blasphemisch-überhebliche Einschätzung der menschlichen Möglichkeiten...!) und selbstverständlich nur durch veggiedaymäßiges Wohlverhalten und 'nachhaltigen' VERZICHT auf vorhandene Ressourcen zu verhindern... - aber natüüürlich nur, wenn wir 'die Richtigen', nämlich die selbsternannten Weltenretter aus der Ökogrünen Ecke an die Macht wählen...

Vielleicht dieselben (Un-)Geister, für die PR sowieso schon immer pseudofaschistische Landser-im-Weltraum-Schundliteratur war und ist - und denen das Schicksal einer lokalen Kröten- oder Insektenart wichtiger ist, als die Interessen und Nöte der Bevölkerung, die Wohnungen, Straßen oder sonstige Infrastrukturen braucht. :übel:

Vielleicht konnten in einem solchen Milieu einfach keine Träume über Fortschritt und Kolonien im Weltraum gedeihen - wen wundert's...?

Wie gesagt: vielleicht...
"We starve-look at one another short of breath, walking proudly in our winter coats
wearing smells from laboratories, facing a dying nation of moving paper fantasy.
Listening for the new told lies with supreme visions of lonely tunes."


'The Flesh Failiures' - G. MacDermot, G. Ragni, J. Rado (1967)

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Frank Chmorl Pamo » 17. September 2015, 16:25

Haywood Floyd hat geschrieben:Wie gesagt: vielleicht...
Ich würde sagen mit Sicherheit!
Man muss heute ja schon rechtfertigen, dass man Sonden zu einem Kometen und zum Pluto entsandte.
Selbst wenn heute das Paradies auf Erden erklärt würde, erhöben sich Zeigefinger mit "ja aber ...".
Bleibe im Lande und nähre dich redlich ... :/

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Early Bird » 17. September 2015, 18:41

George hat geschrieben:Würde es eine ... Serie geben, die z.B. realistische SF im Sonnensystem schildert, würde ich gern zugreifen. Oder eine Heftserie mit einzelnen SF-Themen wäre toll. Von mir aus könnte es da deutlich mehr geben. Es muss nicht immer PR sein.
Genau so stehe ich auch da.
Die Wahrscheinlichkeit verstanden zu werden, ist oft genug und aus allen möglichen Gründen gering.
Deshalb bin ich zwar für meine Texte verantwortlich, nicht jedoch für vermutete Absichten und Ansichten.
Kursiv soll meist auf irgend etwas mit Hümör hinweisen. Doppeltkursive Schrift gäbe noch mehr Möglichkeiten.

Lebe, als würde die Welt morgen untergehen. Lerne, als wenn du ewig lebst.

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von MAH » 17. September 2015, 19:09

Quinto hat geschrieben:
Thoromir hat geschrieben:Dieser Kurzdefinition nach ist Perry Rhodan eine mitten in der Science Fiction verankerte Romanheftserie.
Du kannst es gerne so sehen. An SF-Definitionen haben sich schon viele versucht. Es ändert nichts daran, dass zwischen PR und anderen SF-Produktionen schriftstellerisch und thematisch eine erheblicher Unterschied besteht. Deshalb ist die PR-Leserschaft nur eingeschränkt kompatibel zu anderer SF. Bei anderen findet man eben nicht dieses Getöse und den Was-nicht-passt-wird-passend-gemacht-Ansatz in der Handlung. Ich werte das nicht, ich stelle es nur fest.
Dann wäre es vielleicht wiedermal an der Zeit, einen PERRY RHODAN-Roman zu lesen. ;)

PERRY RHODAN gehört glasklar zur Science-Fiction. Genauso, wie Jerry Cotton Agentenromane sind, obwohl sie nicht von John le Carré geschrieben wurden.

Etwas frech finde ich deine Unterstellung, dass die PR-Leserschaft nur eingeschränkt kompatibel zu anderer SF sei. Du implizierst, dass sich nur etwas eingeschränkte Menschen mit einer Heftromanserie auseinandersetzen, die dann bei "wertigerer" SF überfordert sind. Du solltest echt mal einen Wim-Vandemaan-Roman lesen ...

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von MAH » 17. September 2015, 19:34

Mein Kommentar zu diesem Thema: Ich denke, Robert Corvus hat das meiste perfekt auf den Punkt gebracht. Hinzufügen möchte ich noch meine These, dass die deutsche Science Fiction nicht dort wäre, wo sie ist, wenn es PERRY RHODAN nie gegeben hätte. Ich weiß nicht, ob ich je einen Roman veröffentlicht hätte, wenn ich mit 13 nicht zum 1433er gegriffen hätte. Eschbachs Wurzeln liegen ebenfalls bei PR. Oliver Scholl begann als Risszeichner und ist heute in Hollywood. Gäbe es das amerikanische Stargate-Universum, wenn es nicht zuvor eine deutsche Serie mit dem Titel Star Gate (Giesa, Hary, Anton etc) gegeben hätte? Ich bin sicher, dass PERRY RHODAN die deutsche SF-Szene belebt hat wie keine anderes SF-Produkt. Es gab halt keine SF-Serie, die gegen den großen Bruder richtig anstinken konnte.

Und noch was: Die Schweiz hatte nie eine (eigene) PERRY RHODAN-Serie. Obwohl wir uns von den Deutschen jetzt nicht sooo stark unterscheiden, haben wir (zumindest in der Deutschschweiz) KEINE Science-Fiction-Szene. Ich kenne zumindest keinen anderen SF-Autoren aus der deutschsprachigen Schweiz. Wenn ich einem Schweizer erzähle, dass ich SF schreibe, dann kommt meist die Replik, dass er das zwar cool fände, aber mit der SF so überhaupt nichts am Hut habe. Vorgestern war ich kurz im Radio und habe auch erzählt, dass ich für eine deutsche SF-Serie schreiben würde. da konnte ich die Fragezeichen des Moderators fast hören.

Meine These: Wäre die PERRY RHODAN-Serie ein Schweizer Produkt (nur echt mit dem Schweizerkreuz vorne drauf), dann gäbe es auch bei uns eine aktive SF-Szene. Und dann gäbe es auch Stimmen, die sagen würden, dass PR die restliche Szene erstickt hätte.

Eines der schönsten Erlebnisse im WeltCon-Jahr 2011 war die Berichterstattung der großen deutschen Tages- und Wochenendzeitungen, die allesamt sichtlich stolz waren auf das halbe Jahrhundert PERRY RHODAN. Nach Jahrzehnten mit schwierigen, teilweise auch sehr unfairen Berichterstattungen zu PERRY RHODAN schien die Serie von der ernsten Presse endlich akzeptiert. Das hat mich sehr gefreut.

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Re: Perry Rhodan contra deutsche Science Fiction?

Beitrag von Robert Corvus » 17. September 2015, 20:20

PERRY RHODAN bietet das, was den Kern der Science-Fiction ausmacht. Das mache ich an den Motiven fest, die in der Serie einen zentralen Raum einnehmen und die den meisten Lesern in den Sinn kommen, wenn sie an Science-Fiction denken:
  • Das Leben in der (fernen) Zukunft
    Interstellare Raumfahrt inklusive Besiedlung ferner Welten
    Maschinen mit menschenähnlichen Denkprozessen, insbesondere Roboter
    Zeitreisen
    Energiewaffen
    Aliens
    ...
Über die Definition von Science-Fiction kann man an den Rändern sicher diskutieren, aber wenn wir über den Science-Fiction-Mainstream reden, dann ist PERRY RHODAN dort einzuordnen.
Das bedeutet nicht, dass PERRY RHODAN nicht auch Dinge aufböte, die selbst im Bereich der Science-Fiction exotisch sind - insbesondere die Superintelligenzen und das Zwiebelschalenmodell sind da zu nennen. Schon die Mutanten sind ein durchaus gängiges Sujet, Psi-Kräfte tauchen häufig auch in der Science-Fiction "dort draußen" auf.
Ebenfalls bedeutet das nicht, dass PERRY RHODAN jeden Seitenzweig der Science-Fiction-Literatur aufgenommen hätte. Die klassische Dystopie á la Orwell und Huxley ist PERRY RHODAN eher fremd, ebenso Alternativweltgeschichten mit einer veränderten irdischen Historie (in der Zeit der bekannten Geschichtsschreibung). Von der Hard-SF, die heutige Technologie nachvollziehbar extrapoliert, hat sich PERRY RHODAN ebenfalls rasch entfernt - überlichtschnelle Raumfahrt, Transmitter und Zellaktivatoren wären in dieser Nische nicht darstellbar.
Dennoch: Wenn man sich die Science-Fiction als eine Zielscheibe vorstellt, bei der die 10 den Punkt markiert, in dem möglichst viele Sciecne-Fiction-Fans übereinstimmen: "Das ist Science-Fiction", während in den äußeren Ringen nur noch wenige diese Einschätzung teilen (ist The Day After SF? Was ist mit Die Drachenreiter von Pern? Oder Saberhagens Buch der Schwerter?), dann ist PERRY RHODAN in der 10 verortet.
www.robertcorvus.net

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