Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von 123Kid » 21. März 2019, 14:14

Sorry, aber diese Ansicht kann ich nicht nachvollziehen.
Es ist ein klar abzeichnender Prozess den Perry in diesem Roman durchläuft.
Dieser formt den Jungen und am Ende den Mann.
Ich bin ebenfalls irritiert, in wie weit der Ablauf des Romans verwundert.
Bei dem vorgegeben Handlungrahmen musste eine solche Geschichte dabei heraus kommen, denke ich und hatte auch nichts anderes erwartet.

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GruftiHH
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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von GruftiHH » 21. März 2019, 14:48

Anders ausgedrückt: Perry Rhodan lernt nicht aus den Treffen und Geschehnissen. Diese sind nur Bestätigungen seiner schon vorhandenen Persönlichkeit. Beispiel: Er ist immer schon gegen die Rassentrennung. Als Junge schon. Und er macht kaum Fehler, aus denen er Lernen und Wachsen kann. Er ist immer schon der Perry, der er als Mann auch ist.

Ich denke, dass meint Hot damit.
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von 123Kid » 21. März 2019, 15:12

Und genau das sehe ich eben nicht.
Er lernt eindeutig aus den Geschehen um Thin Can, er macht dort z. B. auch Fehler.

Und seine Einstellung zur Rassetrennung wandelt sich von Unverständnis, er erlebt es als solches einfach in seiner Familie nicht, zur Abscheu für solch ein Verhalten,
dies wird ihm durch Onkel Toms Hütte deutlich und er ist deswegen umso verwunderter das sein Freund dieses, auch das Buch, als so gegeben abzutun scheint.

Das ist jetzt nicht so, als wenn man ähnliches noch nie gelesen hätte, aber das kann auch daran liegen, daß dieses Buch vielleicht bei vielen Leuten ein umdenken eingeleitet hat.

Man hört es zumindestens manchmal...

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von GruftiHH » 21. März 2019, 18:18

Vielleicht hätte man den NEO Perry nehmen sollen. Der kommt dem jetzigen EA Perry und dem Eschbach Perry - meiner Meinung nach - näher als der Perry Rhodan der 1961er.

Es ist nicht so lange nach Heft 1. Ich weiß nicht mehr genau welches Heft, aber da wird mal ein Problem mit der Arkon Bombe gelöst.

Vielleicht ist es das, was mich irritiert.

Klar hat sich der Perry in 3000 Heften verändert. Soll er ja auch. Er soll ja auch mit dem Zeitgeist gehen.
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von Ce Rhioton » 21. März 2019, 18:39

GruftiHH hat geschrieben: Klar hat sich der Perry in 3000 Heften verändert. Soll er ja auch. Er soll ja auch mit dem Zeitgeist gehen.
Nein, Perry Rhodan ist ein charakterfester Terraner, der reift, bereit ist, dazuzulernen und für seine Überzeugungen einsteht.
Er ist eben gerade nicht ein menschliches Fähnchen, dessen Prinzipien im Zeitgeist (ver)wehen.

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von 123Kid » 21. März 2019, 19:09

Die Verwendung der Arkonbombe entsprach dem Zeitgeist der damaligen Zeit.

Aber wo du im Eschbach Perry den von NEO erkennen willst... :nixweis:

Ich muss deine Gefühle zum Roman nicht teilen, aber ich bedauere das es dich anscheinend nicht wirklich unterhalten hat.

Mich schon und ich habe Probleme deinen Anmerkungen dazu zu folgen, muss ich aber auch nicht.

Ich hoffe du hast beim nächsten Mal mehr Glück. :D

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von GruftiHH » 21. März 2019, 21:53

123Kid hat geschrieben:
Ich hoffe du hast beim nächsten Mal mehr Glück. :D
Keine Angst. Derzeit bin ich wieder in der EA ab Band 3000 zufrieden. Es ist halt nur so, dass ich generell die alten Romane lieber mag.
Das Gute an Perry Rhodan ist ja, dass für jeden etwas dabei ist. B-)
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von 123Kid » 21. März 2019, 22:00

GruftiHH hat geschrieben:Das Gute an Perry Rhodan ist ja, dass für jeden etwas dabei ist. B-)
Vielleicht ist es sogar das beste. :D

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von HOT » 22. März 2019, 06:19

Freue mich über die Diskussion, die hier aufkommt!

Perry muss ja nicht gleich jeden Konflikt durchziehen oder jede Dummheit machen, die ich vermisst habe, aber das eine oder andere hätte mehr Würze gegeben und mit einem Helden, der erst zu einem wird, kann ich mich eher anfreunden, finde ich psychologisch spannender.

Ich hab mich beim Lesen ja nicht gelangweilt... im Gegenteil.

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von 123Kid » 22. März 2019, 09:21

Also ich habe gerade den Teil mit dem <12 jährigen Perry nun schon mehrfach gelesen und gehört und ich finde das die von dir gewünschte Entwicklung doch wunderbar beschrieben wird.

In meinen Kopfkino hatte das was von "Stand by me" oder den "Goonies" und natürlich "Tom Sawyer".

Aber es muss nicht jedem alles gefallen und ich kann mir vorstellen, daß man bei einigen Dingen vielleicht das Gefühl hat, es wäre alles etwas zu "glatt"?

Aber dies ist in meinen Augen kein Jugendroman, sondern eine Heldengeschichte und dort muss klar sein, das man hier einer starken Persönlichkeit bei der Entwicklungsprägung vorgestellt bekommt. :D

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von Carrasco » 22. März 2019, 22:44

So, bin jetzt auch durch. Ein echter Leckerbissen, für PR-Fans eigentlich ein Muss!
Aber auch ein Roman, den ich bedenkenlos z.B. meinen Eltern zum Lesen geben würde, einfach um ihre jahrzehntelange Frage an mich ("Wer ist denn dieser Perry Rhodan eigentlich und was macht der so?") zu beantworten.

Ich liebe dicke Schmöker, und deshalb hat mich auch die sehr ausführlich geratene - und zugegebenermaßen tlw. etwas spannungsarme - Schilderung von Perrys Kindheit und Jugend nicht gestört. Im Gegenteil. Sehr schön fand ich z.B. wie Eschbach den Doppelband von Kurt Mahr 1171/72 in seinen Roman integrierte. Andreas Eschbachs Stil ähnelt übrigens m.E. dem von Kurt Mahr: beide haben diesen gemütlichen, sehr wohlformulierten, etwas altmodisch wirkenden Plauderton und einen ähnlichen trockenen Humor. Gefiel mir und gefällt mir immer noch!

Am spannendsten fand ich den Roman an den Stellen, an denen sich Realwelt und Perryversum voneinander trennen: erst unmerklich und nur unter der Oberfläche, dann aber ganz massiv mit dem Scheitern von
Spoiler:
Apollo 8
Die Eleganz und die Nahtlosigkeit, mit der Eschbach diesen Übergang hinbekommt: Klasse! :st:

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von Bully » 25. März 2019, 17:53

Glückwunsch an Andreas Eschbach für diesen gelungenen Roman!

Ein echter Leckerbissen für PR-Fans.
Unterhaltsam geschrieben und in einem so flüssigen Satzrythmus verfasst, dass einem das Aufhören zum Kraftakt wird. Unbedingt empfehlenswert!

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von AushilfsMutant » 26. März 2019, 11:00

Mir gefällt der Roman bisher sehr gut. Nun wissen wir auch endlich wie die Atomraketen auf Kuba wirklich gefunden wurden. Und auch was mit Castro passiert ist. Diese Vermengung von echter Historie und der Perry Historie ist echt spannend.
„...der Gastgeber fragt in die Runde, was den jeder gerne zu trinken hätte. Der Kosmograt reagiert verwirrt, man kann mehr als nur Wasser trinken? Der Chaotarch, der gleich neben an sitzt, fragt sich ob es auch genug Tee/Wasser/Kaffee....Arten im Angebot gibt. Darauf hin, kommt es zum Streit zwischen den Beiden, was den nun die richtige Flüssigkeit zum Trinken sei...“

Auszug auf dem Buch: Die Hohen Mächte und der Moralische Code (Band 14, Seite 345, Absatz 2)

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von Ce Rhioton » 26. März 2019, 11:20

Meine (hohen) Erwartungen wurden erfüllt. Die Story lässt einen nicht los. Obwohl die Geschichte von Perry Rhodan langjährigen Lesern im Grunde bekannt ist, verfolgt man fasziniert der Erzählung. Und diese Faszination hält über den kompletten Roman an. Großes Kino. :st:

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von Soulprayer » 26. März 2019, 11:46

Also ich hab es seit Sonntag auch durch und habe gestern nacht noch meine Rezension in meinen Lieblingsforum veröffentlicht:

https://www.buechertreff.de/forum/threa ... ost2400785

hat mir gut gefallen das Buch! :st:
(so gut, dass ich Samstag nach dem Kino nicht den PC anließ, sondern das Buch hervorkramte und bei einem gemütlichen Tee weiterlas :D )
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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von AushilfsMutant » 28. März 2019, 14:23

Ich finde es schade das Perry seinen Kindheitsfreund nicht mehr treffen konnte.

Für Perry Fans ist das Buch Pflicht. :st:
„...der Gastgeber fragt in die Runde, was den jeder gerne zu trinken hätte. Der Kosmograt reagiert verwirrt, man kann mehr als nur Wasser trinken? Der Chaotarch, der gleich neben an sitzt, fragt sich ob es auch genug Tee/Wasser/Kaffee....Arten im Angebot gibt. Darauf hin, kommt es zum Streit zwischen den Beiden, was den nun die richtige Flüssigkeit zum Trinken sei...“

Auszug auf dem Buch: Die Hohen Mächte und der Moralische Code (Band 14, Seite 345, Absatz 2)

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von AushilfsMutant » 28. März 2019, 14:45

GruftiHH hat geschrieben:OK. Lesen wir jetzt alle das gleiche Buch? :unsure:

Bin jetzt bei Seite 120 oder so und komme mit dem "Oberlehrerhaften" von Andreas Eschbach nicht klar. Immer diese Erklärungen zwischen durch. Und irgendwie hemmt es den Lesefluss ungemein. Und auch einige Sachen sind schon sehr vorhersehbar.
Spoiler:
Z.B. Das die Schüler raus bekommen, dass sein Großvater Deutscher war. Und er somit als Nazi und Heil Hitler gehänselt wird. Oder Später (Leseprobe), dass beim ersten Flug, wo sie das Spezialflugzeug klauen) klar Perry im Restaurant FLEISCH ist und sein Kumpel FISCH. Und wer bekommt die Vergiftung?
Das liegt daran, dass der Autor der fiktive Adams ist. Das Buch selber spielt irgendwann 1550 NGZ oder so (Sichu wird als Perrys Frau erwähnt). Viele Terraner haben aber keine Ahnung mehr was dereinst passiert ist. Was da für Kulturelle Regeln galten, usw. Macht mit der Sichtweise mehr Sinn oder?
„...der Gastgeber fragt in die Runde, was den jeder gerne zu trinken hätte. Der Kosmograt reagiert verwirrt, man kann mehr als nur Wasser trinken? Der Chaotarch, der gleich neben an sitzt, fragt sich ob es auch genug Tee/Wasser/Kaffee....Arten im Angebot gibt. Darauf hin, kommt es zum Streit zwischen den Beiden, was den nun die richtige Flüssigkeit zum Trinken sei...“

Auszug auf dem Buch: Die Hohen Mächte und der Moralische Code (Band 14, Seite 345, Absatz 2)

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von Ethan Edwards » 30. März 2019, 18:35

Hätte man mich gefragt, welcher Autor am besten geeignet wäre, die Vorgeschichte von Band 1 der Perry Rhodan-Serie in einem packenden Roman zu erzählen, meine Wahl wäre wohl auf Andreas Eschbach gefallen. Entsprechend groß waren meine Erwartungen an das Buch und entsprechend groß ist nach der Lektüre der knapp 850 Seiten meine Enttäuschung.

Zwar ist nicht alles an dem Roman missglückt, aber die Teile, die misslungen sind, überwiegen in meinen Augen und verderben mir dadurch auch den Spass am Rest.
Spoiler:
Die Abschnitte über Perry Rhodans Kindheit und Jugend, seine militärische Ausbildung in Westpoint und seine fliegerische Ausbildung sind, für sich betrachtet, sehr gut gelungen und flüssig erzählt. Die bereits aus der Heftserie bekannten Fakten wurden um weitere biographische Details erweitert, die sich nahtlos einfügen. Gelegentliche Exkurse des Erzählers sind in diesem Teil des Romans eine sinnvolle Ergänzung, die bei mir den Lesefluss nicht behindert hat. So wie Carrasco (siehe einige Posts weiter oben), erinnert auch mich dieser Erzählstil an den von Kurt Mahr, den ich, nicht zuletzt wegen seiner logischen Gedankenführung, immer als sehr angenehm empfunden habe.

Weitgehend gelungen ist die Nacherzählung der Handlung der ersten neun Heftromane, die den Roman sinnvoll abschließt. Weitgehend deshalb, weil es mir extrem missfallen hat, dass Eschbach die in zahlreichen Romanen der Erstauflage etablierte Begründung für das gehäufte Auftreten von Mutationen infolge erhöhter Radioaktivität (Hiroshima, Nagasaki) unter Verweis auf neuere wissenschaftliche Erkenntnisse als falsch darstellt. Ich empfinde das als ignorant und anmaßend. Ich werde auf diese Problematik der Missachtung seit langem etablierter Fakten des Perryversums an anderer Stelle noch intensiver eingehen.

Abgesehen davon stellt es natürlich einen Stilbruch dar, dass Eschbach, wenn auch aus nachvollziehbaren Gründen, in diesem letzten Teil des Romans weit weniger ins Detail geht als auf den knapp 700 Seiten zuvor. Dies könnten vor allem diejenigen als störend empfinden, für die der Roman den ersten Kontakt zum Perryversum darstellt.

Alles, was zwischen dem Abschluss von Rhodans fliegerischer Ausbildung und der Nacherzählung der ersten neun Heftromane liegt, ist leider missraten. Dies hat vor allem inhaltliche Gründe, doch dieser große Abschnitt ist auch sprachlich eher durchwachsen.

Zunächst zum Inhalt. Dieser steht in vielen Punkten im krassen Widerspruch zu dem, was bisher Eingang in den Perry Rhodan-Kanon gefunden hatte. Dass Andreas Eschbach Rhodan als überzeugten Nichtraucher darstellt, obwohl es in den frühen Zyklen der Serie diverse Fundstellen gibt, die Rhodan als Raucher zeigen, ist dabei noch einer der geringsten offensichtlichen Fehler. Dass Eschbach Rhodan dieses Laster nicht zugesteht, ist aber auch symptomatisch dafür, dass der von ihm geschilderte, politisch korrekte Perry Rhodan keineswegs dem Bild entspricht, das die Romane der Frühzeit der Serie dem Leser vermittelten. Ich erspare es mir aber, auf diesen Punkt näher einzugehen.

Als viel schlimmer und viel offensichtlicher empfinde ich nämlich die Ignoranz oder auch Gleichgültigkeit des Autors gegenüber etablierten historischen Daten des Rhodan-Kosmos. Hier die wichtigsten Punkte:

Hans Kneifel hatte im PR-TB 337 „Palast der Legenden“ bereits Details der realen Geschichte und Raumfahrtgeschichte als Teil des Standarduniversums dargestellt (Ermordung Kennedys, Armstrongs Mondlandung 1969, Präsident Nixon). Im Blauband 13, bei dessen Erstellung Rainer Castor Hans Kneifel unterstützte, wurde dann klargestellt, dass diese Ereignisse nicht im Standarduniversum, sondern in einem Paralleluniversum stattfanden. Die Perry Rhodan-Redaktion hat die Blauband-Version dann auch ausdrücklich abgesegnet. Seitdem konnte als Kanon angesehen werden, dass (1) im Einstein-Universum Kennedy nicht ermordet wurde, sondern (2) eine zweite Amtszeit (1964 bis 1968) hatte, zu deren Beginn er (3) die amerikanischen Truppen aus Vietnam abzog und gegen deren Ende er (4) die Gründung der California Academy of Space Flight verfügte. Ebenso galt damit als Kanon, dass (5) Lyndon B. Johnston Kennedys Nachfolger war, dass (6) die NASA im Standarduniversum nicht existierte und dass (7) Allan D. Mercant im Jahr 1965 die Leitung der International Intelligence Agency übernahm. Diese Aufzählung ist keineswegs abschließend.

Andreas Eschbach stellt diese sieben von mir durchnummerierten Fakten jetzt wieder anders dar. Bei ihm fällt Kennedy nun doch einem Attentat zum Opfer, Lyndon B. Johnson wird bereits 1963 sein Nachfolger, und auf ihn folgt dann Nixon. Rhodan und Bull kämpfen zu einem Zeitpunkt im Vietnamkrieg, zu dem dieser im Standarduniversum bereits vorbei ist, die Gründung der IIA erfolgt wesentlich später.

Der (nicht nur gemessen an der Seitenzahl) schwerwiegendste Fehler ist jedoch, dass Eschbach weite Teile der realen Raumfahrtgeschichte in seinen Roman übernimmt, was – um auf die erzählerischen Mängel zurückzukommen - zu vielen ermüdenden Passagen führt, die sich wie in eschbachsche Prosa übersetzte Wikipedia-Einträge lesen. Aber abgesehen davon, dass das sprachliche Niveau und der Lesefluss darunter merklich leiden: Wozu soll diese nachträgliche Einführung der NASA gut sein?

Soll sie die Geschichte der Rhodan-Serie stärker in der Realität verankern? Dieser Versuch ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn welchen Unterschied macht es denn, wenn diese realen Fakten der Raumfahrthistorie in den Roman einfließen? Mit dem Auftauchen der Arkoniden, der Einführung des überlichtschnellen Raumflugs und der sonstigen Errungenschaften der Arkoniden läßt die Handlung die Realität sowieso lichtjahreweit hinter sich. Zudem müssen diese realen Fakten ab der Apollo 8-Mission ohnehin wieder der Fiktion weichen. Wozu ist der Aufwand also überhaupt gut, außer dazu, den Roman um 250 Seiten zu verlängern?

Oder soll Perry Rhodan eine interessantere Vergangenheit verschafft werden? Das ist erstens überflüssig, und zweitens schafft man es auch nicht, indem man ihn nach Art von Forrest Gump allen möglichen NASA-Astronauten und anderen realen Personen der Zeitgeschichte über den Weg laufen läßt oder ihn als eigentlichen Auslöser der Kuba-Krise darstellt. Das wirkt irgendwann nur noch wie ein Running Gag, der aber leider nicht witzig ist.

Oder glaubt Eschbach, durch die Übernahme der NASA in den Roman würde etwas von der Faszination des amerikanischen Raumfahrtprogramms, die beispielsweise in der HBO-Serie „From the Earth to the Moon“ so großartig vermittelt wurde, auf die von ihm erzählte Geschichte abfärben? Abgesehen davon, dass das ebenfalls überflüssig ist, denn was sind denn schon die paar realen Flüge zum Mond im Vergleich zu den fiktiven Ereignissen der ersten Rhodan-Romane, kann es schon deshalb nicht funktionieren, weil die reale Geschichte der NASA nur daher so großartig ist, weil sie trotz aller Risiken und Rückschläge letztlich zum Erfolg geführt hat, während Eschbach die realen Akteure sterben lässt (Apollo 8-Besatzung) oder – in Bezug auf den Mondflug - zu Statisten degradiert (Armstrong, Aldrin).

Mein persönliches Fazit: Hätte der Autor nicht nur bei der Schilderung von Rhodans Kindheit, Jugend und militärischer und fliegerischer Ausbildung, sondern auch bei den weiteren Abschnitten des Romans seine beachtlichen Fähigkeiten genutzt, um die bekannten Fakten in einen größeren Zusammenhang einzubetten und um weitere interessante Details hinzuzufügen, ohne massiv vom Kanon abzuweichen, dann wäre dies ein großartiges Buch und eine Bereicherung des Perryversums geworden. Leider hat Andreas Eschbach es vorgezogen, wichtige kanonische Fakten zu ignorieren, weil sie nicht in sein Konzept gepasst haben. Ich empfinde dies als respektlos gegenüber den Seriengründern, gegenüber Rainer Castor und Hans Kneifel und gegenüber allen Lesern, für die die Rhodan-Serie mehr ist als oberflächliche Unterhaltung. Insbesondere auch gegenüber den Lesern, die einen beachtlichen Teil ihrer Freizeit opfern, um mit der Perrypedia und anderen Publikationen (z.B. Michael Thiesens Zeitraffer und Heiko Langhans‘ Jahrmillionen-Chronik) allen Interessierten, nicht zuletzt auch den Perry Rhodan-Autoren, hervorragend recherchierte Lexika und Nachschlagewerke zur Verfügung zu stellen, die im Optimalfall genau das zu verhindern helfen, was bei Andreas Eschbachs Roman schiefgelaufen ist.

Was mich betrifft, finden die in Eschbachs Roman geschilderten Ereignisse in dem in Blauband 13 erwähnten Paralleluniversum statt.
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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von 123Kid » 30. März 2019, 21:28

Ethan Edwards hat geschrieben:Was mich betrifft, finden die in Eschbachs Roman geschilderten Ereignisse in dem in Blauband 13 erwähnten Paralleluniversum statt.
Das halte ich für eine gute Idee.

Mir persönlich gefällt das Buch bei dritten Lesen und zweiten Hören im Auto immer noch.

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von astroGK » 31. März 2019, 19:50

Ethan Edwards hat geschrieben:Was mich betrifft, finden die in Eschbachs Roman geschilderten Ereignisse in dem in Blauband 13 erwähnten Paralleluniversum statt.
Dumm nur, dass Eschbachs Buch ebenfalls so weit bekannt, den "Segen" der Redaktion hat. Ob die Wiedersprüche daher so gewollt sid oder nicht, kann daher von uns beiden niemand entscheiden. Kanon ist das was in de Heften steht, alles andere ist Sekundärquelle. Auch Eschbachs Buch, auch Blaubände und andres. Nur was in den Heftromanen steht zählt, das was woanders steht hat sich dem unterzuordnen. B-)

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von Ethan Edwards » 31. März 2019, 22:59

Ganz so einfach, wie du es darstellst, ist es nicht.

In aller Regel ist aber der Inhalt der Inhalt der Erstauflage höherrangig als alles andere.

Für den Eschbach-Roman heißt das schon mal folgendes, immer bezogen auf das Standard-Universum:
Spoiler:
Seine Darstellung, dass Nixon 1971 Präsident ist, ist falsch. Laut Heft 5, "Atom-Alarm" (von Kurt Mahr) heißt der Präsident Johnston, wird dort in Kapitel 7 mehrmals genannt.

Die Darstellung, Rhodan sei zu Beginn der Serie Nichtraucher, ist falsch. Er wird in vielen frühen Heften als Raucher dargestellt, siehe z.B. die Hefte 3, 5 und 8.

Im Eschbach-Roman wird die Geschichte von Homer G. Adams erzählt, der bekanntlich ein fotografisches Gedächtnis hat. Wenn das, was er erzählt, mit den in der Heftserie etablierten Fakten des Standard-Universums nicht übereinstimmt, dann lügt er entweder (wofür aber kein Grund ersichtlich ist), oder er ist eben nicht der Homer G. Adams des Standard-Universums.

Die Blauband-Version steht, anders als der Eschbach-Roman, im Einklang mit den Darstellungen der Heftserie, allein schon aus diesem Grund ist sie in meinen Augen eine höherrangige Quelle.
So viel für diesmal.
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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von GruftiHH » 1. April 2019, 09:28

AushilfsMutant hat geschrieben: Das liegt daran, dass der Autor der fiktive Adams ist. Das Buch selber spielt irgendwann 1550 NGZ oder so (Sichu wird als Perrys Frau erwähnt). Viele Terraner haben aber keine Ahnung mehr was dereinst passiert ist. Was da für Kulturelle Regeln galten, usw. Macht mit der Sichtweise mehr Sinn oder?
Mit der Auslegung ja. Aber ich lebe nicht im Jahr 1.500 NGZ sondern jetzt. ;)

Trotzdem. Die Geschmäcker sind halt verschieden. Und dem einen gefällt es mehr, dem anderen weniger. Ist halt so. Dafür gefällt mir zur Zeit die EA wieder richtig gut. Nach 200 Heften Abstinenz.
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von 123Kid » 1. April 2019, 12:12

Netflix gibt bekannt, Eschbachs Rhodan als Piloten für eine Perry Rhodan Serie 2020.

Laut Netflix beginnen die Dreharbeiten im Sommer.

Als Darsteller für Perry Rhodan stehen Michael Fassbinder und Aaron Hilmer fest.

https://www.netflix.de/Perry_Rhodan/

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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von Soulprayer » 1. April 2019, 12:45

April, April.
VG
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Re: Andreas Eschbach und sein PERRY RHODAN-Buch

Beitrag von 123Kid » 1. April 2019, 12:57

:rolleyes: Quatsch, nur der Link ist kaputt...

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