Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Unvergessene Abenteuer, legendäre Zyklen - nachgelesen und neu diskutiert.
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Alexandra
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von Alexandra »

nanograinger hat geschrieben: Zusammenhang zwischen kollektivem Tiefenbewusstsein der Loower und "Ziel in sich selbst" ist ja auch nicht so schwer zu verstehen.
Mein Lieblingsthema: eigenbestimmtes Denken, das ganz anders läuft als das normierte, funktionale.
Zuletzt geändert von Slartibartfast am 11. Februar 2015, 11:49, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Posting auf Wunsch der Verfasserin ergänzt
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GruftiHH
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von GruftiHH »

Ich finde die Loower seher fantastisch und ein interessantes Volk. Wobei ich mir schwer vorstellen kann, mit einem Ordinär und einem Tiefenbewußtsein ausgestattet zu sein. Und das Tiefenbewußtsein überprüft auch immer noch das Tun und Handel, hinterfragt.

Ich stelle mir es in etwa so vor, wie bei den Arkoniden der Extrasinn. Der hinterfragt ja auch alles. OK. Es sind bei den Loowern zwei Bewußtseine, die von einander getrennt agieren, der Extrasinn ist ja ein Berater und Ratgeber.

Im zweiten Band der Pan-Thau-Ra-Buchserie "Die Trümmersphäre" wird das Ein- und Zweidenken von Karn-Terg, einem Kinderwart der Loower, hinterfragt. Teilweise sehr philosophisch.
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *
Quinto
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von Quinto »

Nummer 900 gehört zwar zu den außergewöhnlichen PR-Romanen, aber die Serienhandlung selbst verflachte nach meiner Meinung zusehends bzw. drehte in kosmisches Gedröhne ab, dem schon damals die Substanz fehlte. Die Hefte von 600 bis etwa 860 habe ich als eine vorwiegend sonnige Zeit in Erinnerung, Niederschläge waren selten. Das Klima änderte sich nun. Beginnend mit der eher faden und sehr durchsichtigen Demeter-Wynger-Handlung hatte sich Voltz scheinbar vorgenommen, alle noch offenen Punkte zusammenzufegen und mit ihnen die Hefte bis Band 1000 zu füllen. Es wurde langatmig und schwerfällig, nur wenige der präsentierten Ideen konnten mich halbwegs überzeugen, die Entelechie schon mal gar nicht. Und die Figuren? Oje. Gegen Ende des Zyklus hielten mich nur noch die Gewohnheit und die Hoffnung auf eine Besserung nach Band 1000 bei der Stange.
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Alexandra
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von Alexandra »

So – fertig gelesen und jetzt den Silberband 106 „Laire“ dazugenommen. Tatsächlich, es ist der „Sockel der Unberührbarkeit“. Interessant, wie geschickt Übersetzer Claude Lamy „der konische Tork“ konsequent ersetzt hat, es steht entweder nur der Name oder „Tork avait un corps conique du […] metal brun foncé“ (p.27) oder „le robot conique“ (p.25). Das finde ich eleganter.

Aus Torks Beteuerung „Ich bin dein Anhänger“ wurde „Je suis ton assistent“ (p.25), aus dem „Trauma“ (S.14), dass die Handlungsweise der Loower bestimmt, wurde „une sorte d'obsession“ (p.35), „mollement“ ist die Übersetzung von „schlaff“ statt gemütlich (wenn die vorgeblichen Mächtigen nach dem Absturz in ihren Gurten hängen) und der Vergleich „wie ein Papiervogel“ (S.14) für das abstürzende Fahrzeug fehlt.

Der Begriff „monoid“ findet sich auch im Original, sogar dreimal hintereinander als eine Art Klimax: Erst ist Laire ein „monoider Denker“, der Begriff wird eingeführt. Mit dem unmittelbar folgenden „Monoid-Denker“ scheint die Kategorie etabliert zu werden, und gleich darauf wird sie schlussfolgernd auf die Erbauer hinter den Materiequellen ausgeweitet. Im Französischen heißt es ein Mal „Laire était un penseur monoid“ und dann kommt gleich die Vermutung, die Erbauer „avaient le même mode de pensée“ (p.34). Was die Vermutung nahelegt, dass Voltz diesen Begriff betonen wollte, als Gegensatz zur Entelechie.

Entelechie (griech. „was das Ziel in sich hat“) ist ein von Aristoteles geprägter Begriff für die sich im Stoff verwirklichende Form. So sei die Seele die Entelechie des Leibes. Leibniz hat den Begriff in deiner Monadenlehre wiederverwendet (Quelle: Berthelsmann Lexikothek), und Monaden hatten wir bei den Türmen der Loower ja auch schon. Das umfangreichere Meyers Enzyklopädische Lexikon von 1971 führt noch an, dass Aristoteles den Begriff oft mit „energeia“ gleichsetzte und als Terminus zur Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit verwendete. Als Form verwirkliche die Entelechie sich im Stoff, die Seele sei die erste Entelechie eines organischen Körpers. Leipniz bezeichnet seine Monaden als „substanzielle Formen“ oder „erste Entelechien“.
Insofern sind die Begriffe nur in Ansätzen übernommen und eingebaut, waren für mich als Teenager damals aber äußerst anregend. In der Schule hatten wir das alles in Ethik, ich liebte Ethik, aber man konnte halt irgendwie nichts machen mit all dem. In PR hingegen war echt was los damit, und das war besser.

Im Neovitalismus des Hans Driesch wird ein Faktor E angenommen, E für Entelechie, der die Entwicklung des unfertigen Organismus zu seiner Endgestalt regelt und die Restitution eines beschädigten Organismus. Es ist ein antimaterialistischer biologischer Ansatz, Driesch sprach auch von „Entelechiale“ und „Ganzheitskausalität“ und nahm auch Probleme menschlichen Handels als biologische Regulationsprobleme wahr. Der Artikel verweist auf eine „Hans-Driesch-Gesellschaft für Philosophie und Parapsychologie“, die 1947 in meiner alten Heimat Regensburg gegründet wurde – nie was davon gehört, passt aber zu dieser Stadt. 1932 erschien sein Werk „Parapsychologie“. Hat Voltz den etwa gelesen?

„Les fronts d'ondes de choc de la jungle stellaire“ (p.35) sind die „Schockwellen des Sternendschungels“ (SB 106, S.14) – erst im Deutschen fiel mir auf, dass Voltz hier wieder sein Urwaldmotiv drin hat, auch von der „Wildheit“ des Roboters die Rede ist (SB 106, S. 19) - „son vitesse reflétait quelque chose de savage“ (p.40).
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Alexandra
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von Alexandra »

...
Inhaltlich geht es um Schöpfen und Erschaffen und inwiefern der Erschaffene dem Schöpfer gleicht. Tork ist aus dem gleichen Material wie Laire, aber viel minderwertiger. Laire kann sich nur an seine Erbauer erinnern, wenn er jenseits der Materiequellen ist. Wie unsereins Traumbilder nicht halten kann, weil unsere gedanklichen Gewohnheiten sich im Aufwachprozess aufbauen.

Laire will einen Partner erschaffen, kann aber nur Zerrwesen und bösartige Ansken herstellen, weil er zu wenig mitbekommen hat von den Gesprächen der Mächtigen. Die komplizieresten Roboter, die dann doch nicht so sind wie er, vernichtet er. Es heißt sogar, er habe eine Art Seele, und er wird immer düstere, erwägt aus Einsamkeit den Selbstmord und hat leider keine Programmierung dafür. Wenn ich das mit dem venusischen Robotgehirn vergleiche, das zehntausend Jahre lang unbewegt auf der Lauer liegt... Die Ansken wiederum wollen volle Kontrolle über alle Biophore, um endlich ein gutes Hilfsvolk zu erschaffen.

Laire findet seinen Partner im (laut Rhodan) bekloppten Menschenwerk Augustus, der nach menschlichen Begriffen Walik Kauk gehört und aus dieser Kategorie aussteigt. Laire will von ihm lernen, die Menschen zu verstehen. Augustus reagiert mit der Gegenfrage: Ob er seine Erbauer verstehe. Gesprächsanlass für viele, viele Jahrtausende.

Und es geht um Loyalität, Zusammensein und Kontrolle. Laire verbirgt die Attacke vor den neuen Mächtigen, beseitigt alle Spuren und schweigt. Umgekehrt geht er jedoch davon aus, dass seine Erbauer sein Tun gutheißen werden, wenn er den Weg zurück nur findet. Er fürchtet, dass die Mächtigen das Schiff suchen und ihn finden. Dass seine Erbauer ihn suchen, das denkt er keine Sekunde. Er manipulert die Zivilisation der Wynger ohne Gewissensbisse – nicht weil er, wie Tork, kein Gewissen hat, sondern wegen anderer Moralvorstellungen in diesem Teil des Universums: „car ses notions de morale différaient considérablement de celles de ces êtres intelligents et parce qu'il était convaincu qu'eux avaient conclu une bonne affaire avec ce pacte“, weil er außerdem denkt, dass die Wynger profitieren, weil sie zur dominanten Zivilisation werden. „Que la manipulation de ce peuple pût représenter un crime ne lui vînt pas à l'idée.“ (p.75).
Da muss unsereins erst mal nachdenken: Warum auch nicht, beide Seiten profitieren. Aber die Wynger haben ihre eigenen, gewachsenen Mythen aufgegeben, die Vögel leisten ihnen Gesellschaft, statt die Liebe zur Freiheit und die nostalgische Bindung an die eigene Vergangenheit zu symbolisieren. Was man damit verliert, das erscheint uns auch erst mal lächerlich angesichts all der Errungenschaften. Und darüber sollte man nachdenken.

Aber als Laire die bösen Ansken in die Falle lockt, riskiert er auch sein eigenes Leben im Bewusstsein, wenigstens Quostoht zu retten, falls er stirbt. Er fühlt sich also zutiefst verantwortlich, es ist eine Dimensionsfalte, „uns faille dimensionnelle“ (p.86) in einem verschütteten Tunnel, „dans l'un des tunnels enselevis“. Die Energieflüsse zweier Dimensionen treffen aufeinander, bilden mörderische Verwirbelungen, Nebel und perspektivische Verzerrungen. Klagende Rufe aus weiter Ferne ertönen(vgl. S.54): „De la brume s'éleva à proximité immédiate de la frontière, et l'orientation devint plus difficile. Les perspectives se déformaient, les parois semblaient reculer ou se contracter et des bruits étranges similaires à des plaintes retentirent dans le lointain. […] L'environnement devenait plus iréel au fur et à mesure“ (p.88), also „nach und nach“, als sie in den Tunnel eindringen, man diskutiert über „illusion(s) d'optique“ (p.88), und als sich alles wirklich zu verzerren beginnt, wirft Laire sich zu Boden, während die Ansken zerrissen oder im Anschluss mit ihm zusammen ausgespuckt werden.

So ist die Ära des Lyrd und des Alles-Rads zuende, und auch die Solaner trennen sich von den Terranern. Nachdem Rhodan erfährt, wie der Erzgegner Gavro Yaal auf die Insektenkönigin Bruilldana traf und sie in der Folge den Kontakt zu ihren verlorenen Kindern auf der PAN-THAU-RA wiederherstellte, weshalb diese ihren Angriff einstellten und Rhodans Gruppe überlebte.
Laire findet durch die kurzlebigen Terraner Augustus als neuen Begleiter und ist schon gleich wieder in seine langfristigen Gedanken vertieft.
Augustus findet ein neues, besseres Kontrollelement, das ihn glücklich macht.
Plondfair findet die Wahrheit und rastet erst mal aus, und er und Demeter sollen als Gesandte zu den Wyngern, um den Mythos vom Allesrad schonend aufzulösen, ohne die Zivilisation in eine vernichtende Sinnkrise zu stürzen.
Woraufhin Hamiller, Danton und Borl nicht wissen, wie sie ohne Demeter leben sollen.
Und wie nach der deprimierenden Rückkehr mit dem Auge Groten-Loran und Zuhlen-Orb durch eine Trennwand auf das belebte Schwebeband voll täglichen Lebens blicken (S.24), so denken zwei Roboter darüber nach, dass sie auf der falschen Seite stehen und was aus ihrer Gemeinschaft wird, wenn sie „la barrière“ (p-106) überqueren können. So endet der Roman.
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GruftiHH
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Re: Band 901 - Die Zweidenker (28. November 1978)

Beitrag von GruftiHH »

Untertitel: Menschen und Loower – auf der Suche nach Verständigung

Autor: Ernst Vlcek

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Hergo-Zovran

Auf dem Mars haben die Loower eine Neunturmanlage errichtet. Von dort aus führt er die Verhandlungen mit den Terranern. Doch die kommen ins stocken, weil die Mentalitäten der Völker doch unterschiedlich sind. Gegen den Willen seines militärischen Beraters, Mank-Beram, beschließt er, dass eine Familie von der Erde entführt und studiert wird. Desweiteren sollen sie auch in die Denkweise der Loower eingeführt werden. Dazu soll Goran-Vran, der bei der Vernichtung der Duade auf der THAMID sein entelechischen Teil verloren hat, versuchen die Denkweise der Terraner zu erforschen. Mit hilfe eines Senders kann Hergo-Zovran alles sehen, was Goran-Vran erlebt. Jedoch ist eine Komunikation zwischen den beiden nicht möglich.

Goran-Vran

Kaum auf dem Mars wird der Loower von einer Gruppe Terranern umringt. Ein Teil will ihn gleich vor Ort lynchen, doch Pender setzt sich durch. Goran findet Zuflucht auf dessen Farm.

Goran wird auf die Erde gebracht und von Ronald Tekener und Jennifer Tyron verhört. Doch dieses Verhör bringt nichts neues. Goran-Vran will oder kann nicht kooperieren. Die Terraner denken, dass er ein vollständiger Loower ist. Doch dem ist ja nicht so.

Julian Tifflor, Homer G.Adams

Auf Terra haben Julian Tifflor und Homer G. Adams große Probleme zu lösen. Auf der einen Seite stehen die Loower, die sich nicht davon überzeugen lassen, dass das Auge von einem einzelnen Terraner gestohlen worden ist, auf der anderen Seite werden auf Terra viele Stimmen laut, die die Loower als Feinde und neue Usupartoren sehen.

Bei einem Expermient wird Ronald Tekener und Jennifer Thyron in Hypnose versetzt und über die Ereignisse mit dem Erstkontakt mit den Loowern befragt. Dabei wird vermutet, dass die Loower zwei Bewustseinsebenen haben und daher mit der Einbewusstseinsebene der Terraner nichts anfangen können. Man kommt überein, dass es gut wäre, wenn man einen Loower untersuchen könnte.

Dieser wird schnell gefunden: Es ist Goran-Vran.

Familie Gheröl

Haman Gheröl findet keinen Job auf Terra. Ursprünglich lebende er und seine Familie in Suntown auf Gäa. Dort war er L-Kontakter für Vaku-Lotzen. Doch auf Terra werden seine Dienste nicht gebraucht. Er lebt mit seiner Frau Aldina Feyrön und seinen Töchtern Kerinnja und Baya in Istanbul. Dort trifft er auf Carl Defroster, der ihn einen Job für H.G. Adams zu arbeiten (Er soll als Lockvogel für Boyt Margor dienen). Als Haman nicht zum Treffen erscheint, sucht Carl dessen Wohnung auf. Er findet eine zu saubere, aufgeräumte Wohnung vor. Einige Gegenstände stehen auch an unmöglichen Orten, so als ob die Personen nichts über Terraner wissen. Er benachrichtigt die Zentrale und wendet sich dem nächsten Kandidaten zu: Valdo Susper.

Was Carl Defroster nicht wissen konnte: Die Familie Gheröl ist von den Loowern entführt worden. Die Frau und die älteste Tochter sind hysterisch. Haman wütend und aufbrausend, nur die 7-jährige Baya ist offener. In Gesprächen mit den Loowern merken bald alle - außer Haman - dass keine Invasion statt gefunden hat. Die Entführung sollte nur der besseren Verständigung zwischen den Loowern und Terranern dienen. Doch Haman bleibt misstrauisch.

Nach einigen Treffen entspannt sich die Situation etwas, jedoch findet Lank-Grohan mit Baya eine Verbündete, die ihn versteht. Sie zeigt ansatzweise eine entelechische Denkweise. Das, was für Aussenstehende als leichte geistige Unterentwickeltheit aussieht, scheint in Wirklichkeit eine Art "Zweidenken" zu sein.

Am gleichen Tag stellt Lank-Grohan fest, dass das Verhältnis zu der Familie Gheröl zwar etwas entspannt hat, dass aber dennoch ein Verständnis füreinander nicht entstanden ist. Bei einem eher zufälligen Gespräch mit Baya Gheröl ist Lank-Grohan jedoch über ihre ansatzweise entelechische Denkart überrascht und beschließt, sich mehr des unscheinbaren Mädchens anzunehmen.

Boyt Margor

Der Mutant ist auf der Flucht und hat durch den Ausbau seiner Hyperraumnischen mehrere Zufluchtsorte erschaffen. Dort versammelt er Paratender. Sie werden Zeuge, wie sich zwei der Klausen zu einer größeren verbinden.

Persönliche Meinung

Ich fand das Heft so spannend, dass ich beinahe in der S-Bahn meine Station verpasst habe. So gefesselt war ich. Das sagt doch alles aus.

Ich mag aber diesen Boyt Margor nicht und hoffe, dass diese Storyline bald zu Ende geht. Aber ich befürchte nicht.

Besonders interessant fand ich, als ich in Perrypedia nach las das Baya als Sirken im Pan-Thau-Ra Buch 2 auftaucht. Jetzt schließt sich für mich der Kreis. Sehr schön.
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *
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Alexandra
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von Alexandra »

Die französische Ausgabe folgt dem Arrangement der Silberbände, also haben wir in tome 306 dann nach "Laire"
- LES ÉMISSAIRES DE LA ROUE UNIVERSELLE (CHAPITRES 6 À 8/ Fascicule Perry Rhodan n° 905)
- LA JUSTICE DES KRYNS (CHAPITRES 9 À 11/ Fascicule Perry Rhodan n° 906)
- die erste Hälfte von ENFANT STELLAIRE (CHAPITRES 12 À 14/ Fascicule Perry Rhodan n° 907)

"Die Zweidenker" kommen in tome 307, erschienen im Januar 2014, als À L’ÉCOLE DE L’ENTÉLÉCHIE (CHAPITRES 2 À 5), das erste Kapitel enthält den zweiten Teil des Weltraumbabys.
Danach folgen LA FILLETTE ET LES LOOWERS (CHAPITRES 6 À 10) - PR 902 und LE HELK DU MAÎTRE DE LA SOURCE (CHAPITRES 11 À 14) - PR 911!!!

Erst in 308, erschienen im Februar 2014, folgen LE MAÎTRE DE LA SOURCE (CHAPITRES 1 À 3/ Fascicule Perry Rhodan n° 903) und LA CITADELLE DE MURNOC (CHAPITRES 4 À 6/ Fascicule Perry Rhodan n° 904), dann geht es mit 915 und 916 weiter.

912 bis 914 folgen in tome 309, erschienen März 2014, zusammen mit 922.
Die spinnen, die Gallier! :D

Ich habe mal so quergelesen, ins erste Kapitel kam ich schwer rein, also las ich erst mal das zweite und dritte. Wunderbare Ironie, wie jede Partei Vertreter der Gegenseite vermeintlich entführt hat.

Das Titelbild finde ich diesmal befremdlich, dafür ist die Story gut lesbar.

Bild

Inhaltsangaben hier: http://www.perry-rhodan.fr/perryrhodan/vf.php?init=307

Ach ja, Heft 910 habe ich gerade im tome 313 gefunden, der erschien im Juli 2014!
Gerade wollte ich brav sein und mir ein Buch nach dem anderen holen. Jetzt habe ich mir doch gleich den Schwung bestellt.
Ach ja, weiß jemand, wie man bei fleuve noir bestellen kann? Ich habe nur Amazon, das ich ansonsten vermeide, aber ich finde keine andere Bestelladresse.
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von HOT »

Vlcek auf der Psychospur!

Für heutige Zeiten liest sich die Psychologisierung teilweise etwas plump, aber für die siebziger Jahre ist der langhaarige junge Mann mit dem Fuselbart (siehe Foto auf Seite 10 des S.F. Perry Rhodan Magazin Nr. 2/1979) voll im Trend. Es ist die Zeit, wo man zu den Gurus Richtung Indien (Bhagwan in Poona) guckte und anfing z.B. Freud, Fromm und Hesse zu lesen. Sowas hat wohl Vleck auch getan - besonders Freud scheint es ihm angetan zu haben, den er insbesondere im PR-TB „Drei Stufen zur Ewigkeit“ zitiert und das Unwußte des Menschen (ES) - die "bösen" Triebe - in einer SF-Story zu Leben erweckt.

Was für eine spießige Typologisierung, dachte ich zuerst bei Haman, Aldjna, Kerinnja und Baya. Mutti ruft aus der Küche, Vati legt den inneren Kampfanzug an und die große Tochter ist Papas Liebling. Aber dann dreht Vlcek den Spieß um und beschreibt den Charakter von Haman als verklemmten, autoritätshörigen Mann, der der LFT gefährlich werden kann, weil er Boyt Margor auf den Leim gehen könnte. Sowas ging sicher nicht unter Scheer, geht jetzt aber unter Voltz.

Die Reaktionen der Erwachsenen auf die Entführung und die völlig andere Sichtweise vom angeblich etwas unterentwickelten Kind Baya – super dargestellt!
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Alexandra
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von Alexandra »

So, besser bisschen als nichts, der Roman wurde wohl gar nicht gekürzt und geht von S.42 bis 135. Bin bis 94 gekommen trotz Arbeit, immerhin.
Also:

L'enfant et les Loowers (tome 307)

À L’ÉCOLE DE L’ENTÉLÉCHIE
CHAPITRES 2 À 5

Das zweite Kapitel war schwer, aber eher des Gehalts als des Wortschatzes wegen: Ich musste gar nicht viel nachschlagen, aber sehr langsam lesen und viel anstreichen.

Wegen der Entelechie hatte ich einen Mitforisten angeschrieben, der sich für Philosophie interessiert, und eine interessante PN erhalten, vielleicht hat er ja doch Lust, seinen interessanten Text in den Thread zu setzen, aber das ist nicht meine Entscheidung.
Also bis dato nur, dass ich eine Beschreibung von Entelechie bekommen habe als eine Art innerer Kompass, der das Denken immer wieder entlang bestimmter Muster ausrichtet. Inklusive Vorausberechnung der Abweichung beim kleinsten Anzeichen und Schwäche durch Überanpassung. Im Gegensatz zur „a priori“-Philosophie, die auf etwas Neues zugeht. Mal so grob dahingesagt.
Jedenfalls ist dies genau der Unterschied, den Vlcek angelegt hat. Sehr kompliziert, und die Aufarbeitung erfordert Zeit.

Jedenfalls kommt erst die auf alt gebaute, mit Schutt versehene Neunturmanlage auf dem Mars, und dann beginnt Hergo-Zovran schon über sein „conscience ordinaire“ nachzudenken und wie schizophren die Terraner doch sind, dass sie einen Einzelnen aus ihrer Mitte die Pläne der Gesamtheit stören lassen, „que cette volonté collective était entravée par un individu isolé“ (p.43).

Unter den Loowern gibt es Hardliner und Vermittler, und da man als Terraner auf der Seite der Angegriffenen steht – weil es die eigene Gruppe ist – klingt die Friedenstauberrei sehr, sehr logisch. Man bedenkt die Rolle der Entelechie im Konfliktfall und ob man sich hinunterbegeben muss oder die Terraner zu sich hochziehen sollte, um in Kontakt zu treten.

Hier kommt er entelechielose, quasi behindete Lank ins Spiel (woran erinnert mich der nur...), der einen Kompromiss zwischen individualität und Kollektivbewusstsein lebt. Die loower sind einerseits mit dem Verbergen ihres Zweidenkertums beschäftigt, andererseits halten sie die Vermittlung für unmöglich.

Die Gewohnheit der Terraner, in kleinen „cellules“ (p.49) zu leben, legt es nahe, eine dieser Familien zu entführen.(Ziiemlich zeitgleich haben wir damals in Französisch das Lied von den "petites boites" kennengelernt, den "kleinen Kästen", in denen die Menschen ihr rundum geregeltes kleines Leben führen https://www.youtube.com/watch?v=1ohpj855o7s - den Text braucht man gar nicht verstehen, die Bilder sprechen für sich "tous pareil" heißt "alle gleich").
Besonders befremdet die Loower, dass die Terraner ihre Kinder von den eigenen Eltern erziehen lassen, die kleinen Loower wachsen im Kollektiv auf und keiner beeinflusst sie, so dass sie ganz aus eigenem Antrieb den Zugang zur Entelechie finden.
Das greift ein bisschen die Nährmütter der Wynger auf und bereitet die große Erziehungsdebatte vor: Schulen, die die Wünsche der Kinder berücksichtigen und ein kleines Kind, das alles sieht, hört und beobachtet, während die Großen glauben, sie sei eine unfähige kleine Puppe, die von selber nichts kann.
Die Zeichnung der Baya ist wohl das große Anliegen dieses Dreifachbandes, das aus sich selbst wache und kluge Kind, das sich unterhalten kann, ohne dass man es ihm beigebracht hat. Das ist ein sehr interessantes Menschenbild.

Die Loower suchen auch einen kleinen Menschen, dessen offene Begabung noch nicht durch Prägung verschüttet wurde, und sie finden einen.
Die Panik der Umsiedler aus der Provcon-Faust zeigt gut die Gruppendynamik Entwurzelter, Hilfloser, die um sich schlagen. Dass die Vorfahren der Familie mit dem sehr patriarchalisch-konservativen Vater aus Istanbul stammen, und die Handlung dort spielt, ist das ein Trick, um Widerstände der Leser zu unterlaufen, indem man das feindselige, emotionale Verhalten den Nachfahren der Gastarbeiter anhängt?

So, jetzt nur ganz kurz: In der Folge wechseln sich die Ich-Persektiven des behinderten Loowers Goran-Vran und des Mädchens Gaya ab. Zwischendrin Gespräche zwischen Tifflor, Adams, Tekener und Thyron, in denen wir eine Panoramadarstellung möglicher Konfliktparteien erhalten und einen gereizten Arzt treffen, der Tekener und Thyron in Hypnose verhört, so vom Zweidenken erfährt und Tiff dringend rät, den Loowern gegenüber einfach und klar zu sprechen, da sie noch weniger Humor haben als er. Das hat Vlcek anscheinend interessiert, denn dieser Gesprächsabschnitt ist mit Metaphern gespickt.

Tja, und dann eben die freundliche Entführung der Familie in der „nuit martienne“ (p.54), der Marsnacht, und das vorgetäuschte Sich-Verlaufen des Loowers, der die Terraner verstehen soll. Dass sein Translator hyperdimensional arbeitet, damit ihn keiner bemerkt, hat mich wohl ähnlich angesprochen wie gewisse Jungs die HÜ-Schirme und Transformgeschütze, das klingt unglaublich spannend und cool.

Auf der anderen Seite jenes kleine Detail mit der Erinnerung: Als Kerinnya erwacht, kann sie sich ganz deutlich daran erinnern, wie die Loower alle abgeschlachtet haben. Ach, zum Glück war es nur ein Traum. Gruppendynamik!
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Re: Band 902 - Das Mädchen und die Loower (5.Dez.1978)

Beitrag von GruftiHH »

Untertitel: Der Konflikt zwischen Menschen und Fremden – die Besetzung der Erde droht

Autor: Ernst Vlcek

Bild

Baya

Bayas' Eltern können nicht verstehen, dass ihre Tochter sich so gut mit den Loowern versteht. Sie denken sie wurde manipuliert.
In Gesprächen mit dem Loower Lank-Grohan wird Bayas Entelechie weiter gesteigert. So erreicht sie schnell die nächsten Ebenenen.
Dieses berichtet Lank-Grohan auch dem Türmer vom Mars, Hergo-Zevran.

Boyt Margor

Homer G. Adams wartet nicht mehr. Er läßt das GEPAPH stürmen und die Paratender festnehmen.
Somit verliert Boyt Margor immer mehr seiner Anhänger.

Die Gäa-Mutanten wollen Boyt eine Falle stellen und warten an einem der Container mit Dingen, die der Mutant in seinen Blasen benötigt. Doch Boyt bemerkt den Hinterhalt und verschwindet mi Valdo Susper, einem einfachen Soldaten, der jedoch sehr Anfällig auf Boyts Manipulationen ist. Nachdem er einen distanzlosen Schritt zur Neunturmanlage auf dem Mars gemacht hat, mitt er PSI-Kontakt mit der Familie Gheröl auf. Ihr Geist führt ihm zum Westturm, wo die Familie gefangen ist.
Boyt tritt aus seinem Versteck und stellt sich Haman Gheröl als vermeindlicher Gefangener der Loower vor. Schnell hat er sein Vertrauen und Haman erzählt seine Geschichte.

In Boyt Margor reift ein gemeiner Plan heran. Er will die Terraner und die Loower gegeneinander ausspielen.
Dazu entführt er Baya und versucht es so aussehen zu lassen als ob die LFT dahinter steckt. Er läßt den Paratender Valdo Susper zurück. Dieser behauptet für die LFT zu arbeiten. Daraufhin setzt Hergo-Zovran den Terranern ein sechstündiges Ultimatium. Innerhalb dieser Zeit sollen sie Baya den Loowern wieder übergeben oder eine Invasion stehe bevor.

In seiner Klausel bemerkt Boyt Margor, dass er das Mädchen nicht übernehmen kann. Er ist gekränkt, verängstigt und unsicher.

Homer G. Adams

Homer G. Admas und Tifflor treffen sich zu einem Gespräch. Fälschlicherweise sind sie der Meinung, dass Haman Gheröl und seine Familie von Boyt Margor entführt worden ist. Sie haben zuerst keinen Verdacht mit den Loowern. Dann beschlien sie Goran-Vran eine Falle zu stellen. Sie wollen ihm ein paar Informationen über Imperium Alpha zuspielen und ihn aus der Reserve locken.

Lank-Grohan

Hergo-Zovran beschließt nach einem ausführlichen Gespräch mit Lank-Grohan, an seinem Plan festzuhalten. Er will die wie eine Loowerin denkende Baya als Vermittlerin gewinnen. Diese stimmt zu. Sie übermitteln die Informationen an die terranische Regierung. Tifflor reagiert empört: Eine Siebenjährige soll vermitteln? Er kann nur schwer von den Beweggründen des Türmers überzeugt werden.

Goran-Vran

Ab sofort darf sich der Eindenker in Imperium Alpha frei bewegen. Doch an Stelle Hergo-Zovran mit weiteren Daten über seinen Sender zu versorgen, schaltet Goran-Vran ihn ab. Er will das Vertrauen der Terraner weiter gewinnen. Und eigentlich gefällt es ihm bei ihnen besser als bei den Loowern. Hier ist er kein Außenseiter.

Da er den Terranern helfen will fliegt er zum Mars und vermitelt zwischen den beiden Parteien. Hergo-Zovran glaubt jedoch nicht, dass die Terraner nicht wissen, wo sich Baya befindet.

Goran-Vran erwischt Boyt Margor, wie er mit Haman Gheröl und Valdo Susper den Anschlag auf die Neunturmanlage plant. Mit knapper Not kan Boyt Margor entkommen, tötet Valdo Susper, in dem er ihn zur "Mumie" macht und läßt Haman Gheröl zurück.

In einem weiteren Gespräch kann Goran-Vran den Türmer über die friedlichen Absichten der Terraner überzeugen.

Persönliche Meinung

OK. Eigentlich hätte ich die Story noch kürzen können. Denn die ist wirklich sehr überschaubar. Das ist aber auch gut so, denn so konnte Ernst Vlcek die Charaktere besser ausarbeiten.

Mir gefält Baya sofort. Ich möchte noch mehr über ihr Leben erfahren. So schnell kann es einen packen. Dann hat der Autor alles richtig gemacht.

Wobei mir diesr Boyt immer mehr auf den Wecker geht. Aber er bleibt uns ja noch etwas in diesem Zyklus erhalten.
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *
thinman
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Re: Band 902 - Das Mädchen und die Loower (5.Dez.1978)

Beitrag von thinman »

GruftiHH hat geschrieben: Wobei mir diesr Boyt immer mehr auf den Wecker geht. Aber er bleibt uns ja noch etwas in diesem Zyklus erhalten.
Ich weiß nicht, wer mir mehr auf die Nerven geht, Boyt oder die anderen Gäa-Mutanten.
Boyt jedenfalls wird genau dann interessant, wenn er wieder in die Provkon-Faust zurückkehrt. Da kommen dann mit die besten Romane dieses Zyklusses.
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von HOT »

Vlcek zitiert in diesem Roman den Pionier der Antiautoritären Erziehung A.S. Neill, den wir damals, angestiftet von unserm jungen 68er-Lehrer, in der Schule lasen*). Übrigens auch „Schöne Neue Welt“ von Huxley, der mich zu Perry Rhodan führte: 2. Auflage schon, sagte ich mir am Kiosk stehend, das kann nur gut sein, also kaufen.

Sehr schön beschrieben: Der Gegensatz zwischen dem frustrierten, machthungrigen Boyt Margor und seinen Paratendern und dem freien Kind. Den Roman habe ich wie ein Süchtiger zu Ende lesen müssen. Natürlich steckt hier die Illusion der 1970er Jahre drin, dass Kinderläden die Welt verändern, aber auch viel Wahrheit über Charakterbildung und Verhalten.

Übrigens stellt sich Vlcek im Interview (S.F. Perry Rhodan Magazin Nr. 2/1979, S. 11) als „Familienvater, zwei Söhne, eine Frau – ich bin da altmodisch“ vor und sagt dann: „… und erziehe meine Kinder, ohne mich groß anzustrengen, womit ich sagen will, daß sie selbst zurechtkommen müssen und in mir nur einen beratenden Freund haben. Ein wichtiger Handlungskomplex meines nächsten RHODAN-Romans behandelt die Kindererziehung, und ich bin jetzt schon gespannt, wie ich dieses Thema bewältigen werde."

Meiner Meinung nach: Ganz hervorragend.

*) A.S. Neill: Theorie und Praxis der Anti-Autoritären Erziehung, Das Beispiel Summerhill, Hamburg 1969
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Alexandra
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von Alexandra »

Es ist ja nicht nur eine Idee.
Sondern ein Grundsatz, ob man das Kind als von sich aus begabt erlebt und als fähig, sich die Welt zu erschließen, statt dass man erst was "reintun" muss, ehe es intelligent wird.
Alsoo die Sache mit der menschlichen Offenheit, der Neugierde, der Selbstwahrnehmung und ob man einen Bezug braucht zum zu übertragenden Lernstoff oder nicht.
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GruftiHH
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Re: Band 903 - Der Quellmeister (12.Dez.1978)

Beitrag von GruftiHH »

Untertitel: Eine Flotte der Loower – auf der Spur der Materiequelle

Autor: Kurt Mahr

Bild

Pankha-Skrin

Mit seiner Flotte, die Kairaquola, durchstreift der Quellmeister das Universum auf der Suche nach der einen Materiequelle. Die Quellmeister verfügen, gegenüber den normalen Loowern, über ein weiteres Organ, dass sich erst im Laufe der Zeit entwickelt: Das Skri-marton. Als Pankha-Skrins' Skri-marton heftiger als sonst pulsiert ist ein Zeichen von dreien erfüllt. Man ist in der Nähe einer Materiequelle. Doch um sicher zu gehen, dass es die gesuchte ist nimmt die Flotte weitere Untersuchungen vor. Dann folgt das zweiite Zeichen: Auf der RIESTERBAAHL, dem Flaggschiff der Flotte, empfängt man hyperenergetische Signale der Materiequelle, die in exakt 23 Stunden und 18 Minuten von der Materiequelle ausgestrahlt werden. Als das dritte Zeichen, das Vorhandensein bestimmter Raumverzerrungen, entdeckt wird, ist sich der Quellmeister sicher, dass er die gesuchte Materiequelle gefunden hat.

Er läßt einen Funkspruch absetzen und setzt somit zurm Sturm auf die Materiequelle an.

Gemäß den Überlieferungen der Loower benötigt man aber noch Zusatzgeräte um das Auge nutzen zu können. Diese befinden sich in den Kosmischen Burgen, die sich immer in der Nähe von Materiequellen befinden und die Wohnsitze der Sieben Mächtigen sind.

Doch diese hat Pankha-Skrin nicht gefunden. Enttäuscht zieht der Quellmeister seine Flotte zurück.

Sein Helk, Nistor, informiert ihn, dass die Flotte verfolgt wird. Der Quellmeister ist sich sicher, dass die Verfolger nur von der Materiequelle kommen können und will sich stellen, damit er mehr über die Kosmsichen Burgen erfahren kann.

Der Quellmeister erhält auch endlich die langersehnte Hyperfunknachricht von Hergo-Zovran.

Burnetto-Kup

Zusammen mit Basir-Fronth und Kerm-Tzakor ist Burnetto-Kup einer der Unteführer der Kairaquola. Nur der Quellmeister persönlich steht über ihnen.
Diese sind für das nicht enteliche Verhalten von Pankha-Skrin verwundert.

Brunetto-Kup begibt sich an Bord der RESTERBAAHL, um Pankha-Skrin aufzusuchen. Der Helk des Quellmeister findet ihn und in einem Gespräch wird Brunetto-Kup über die Pläne von Pankha-Skrin informiert. Er will ihn zu seinem Nachfolger machen. Zuvor soll Brunetto-Kup jedoch für die Sicherheit des Helk Nistor sorgen, der wertvolle Informationen über das Auge hat.

Doch die Kairaquola wird von den gegnerischen Schiffen angegriffen. Das Schiff des Quellmeisters wird geentert und Pankha-Skrin gefangen genommen. Brunetto-Kup kann sich zwar absetzen, doch sein Raumschiff wird zerstört. Der Helk Nistor rettet ihn un bringt in an Bord der GONDERVOLD. Dort übernimmt der die Führung der Kairaquola im Auftrage des Quellmeisters. Dessen Flaggschiff soll an der aktuellen Position verweilen, während die Kairaquola sich auf 48 Planeten verteilen sollen. Burnetto-Kup fliegt mit der GONDERVOLD in die Milchstraße, um Hergo-Zovran aufzusuchen und das Auge zu holen. Dort wird er von 17 Raumschiffen der Terranern aufgebracht.

König Boronzot

König Boronzot ist der Herrscher über die Zaphooren, die im "Großen Gasthaus" leben. Dorthin wird Pankha-Skrin gebracht.

Die Zaphooren unterteilen sich in 8 Stämmen, die jeweils von einer Bruderschaft beherrscht werden.

Als sich Pankha-Skrin, der immer wieder als Gastwirt bezeichnet wird, da er den Weg hinter die Materiequelle ebnen soll, bei der Audienz mit König Boronzot befindet wird er von der Bruderschaft der Unabhängigen Frauen entführt. Durch sie erfährt er, dass das Große Gasthaus einst die Heimstatt von Murcon war. Somit hat Pankha-Skrin endlich eine der Kosmischen Burgen gefunden, die von Murcon.

Persönliche Meinung

Der Anfang des Zykluses nimmt weiter rasant Fahrt auf. Mir hat der Roman wieder gut gefallen. Etwas irritiert hat mich die Tatsache, dass der Quellmeister wußte (?), dass die Verfolger von der Materiequelle oder den Kosmischen Burgen kommen..... Vorahnung? Es könnten ja auch andere Völker sein, die nur an der Materiequelle gewartet haben?

Wird sich bestimmt noch wieder aufdröseln.

Die Idee mit den Bruderschaften hat Kurt Mahr sehr gut umgesetzt. Ich bin ja gespannt, wie es weiter geht. Von wegen, bei Perry gibt es keine Starken Frauen.
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *
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Re: Band 903 - Der Quellmeister (12.Dez.1978)

Beitrag von thinman »

GruftiHH hat geschrieben:Untertitel: Eine Flotte der Loower – auf der Spur der Materiequelle

Der Anfang des Zykluses nimmt weiter rasant Fahrt auf. Mir hat der Roman wieder gut gefallen. Etwas irritiert hat mich die Tatsache, dass der Quellmeister wußte (?), dass die Verfolger von der Materiequelle oder den Kosmischen Burgen kommen..... Vorahnung? Es könnten ja auch andere Völker sein, die nur an der Materiequelle gewartet haben?
Auch in diesem Fall kommen die Verfolger von der Materiequelle.

thinman
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Alexandra
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von Alexandra »

So - dieses Heft ist nun in tome 308 zu finden, "La Citadelle de Murnoc", der im Februar 2014 erschien.

Bild
Die französische Inhaltsangabe hier, sie umfasst die ersten drei Kapitel des Tb und der Titel lautet "LE MAÎTRE DE LA SOURCE":
http://www.perry-rhodan.fr/perryrhodan/vf.php?init=308

Ich bin immer noch mit Vlcec beschäftigt, bin total fasziniert, dass ich hier wirklich fast nichts nachschlagen muss, aber dafür muss ziemlich viel denken wegen der geistigen Modelle der Protagonisten und der sich aus ihnen ergebenden komplizierten Interaktionen.
Außerdem ist im Französischen Heft 911, "Der Helk des Quelllmeisters", gleich an 901 und 902 angefügt, so dass in tome 307 ein Dreifachband entsteht. Und hier wurde auch kaum gekürzt oder gar nichts.

So sind Taschenbücher entstanden, die überwiegend von einem Autor mit einer durchgängigen Geschichte sind.
Es handelt sich ja um Auskoppelungen aus den dicken Silberbänden, die Taschenbücher haben höchstens mal 300 Seiten Umfang, meistend weniger.

Bin gespannt, wer der Drache ist... :D
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LaLe
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von LaLe »

Die Odyssee von Pankha-Skrin und seinem Helk war für mich das Highlight der 900er. Die Kosmischen Burgen hatten sowas herrlich Mystisches. Die Mischung aus Science und Fiction traf genau meinen Geschmack (so wie in ganz jungen Jahren die Werbung für Türzubehör in der Erstauflage der Hefte, die ich mir antiquarisch besorgt hatte).

Irgendwie muss ich da immer an die Neue Sonne von Gene Wolfe denken. Da habe ich beim ersten Lesen allerdings nicht so viel begriffen.

BTW: Murnoc?
Die Katze grinste.
"Hierzulande ist jeder verrückt. Ich bin verrückt. Auch du bist verrückt."
"Woher weißt du, dass ich verrückt bin?"
"Sonst wärst du nicht hier", antwortete die Katze.

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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von Alexandra »

LaLe hat geschrieben: Werbung
BTW: Murnoc?
Was heißt BTW?

À propos Werbung: Vor zwei Jahren habe ich im Antiquariat ein 20bändiges Werk mit Material zum Wilden Westen gefunden, das auch eine Zeit lang dort in der Werbung drin stand.
Und als Dauerbrenner: Der beim Heftkauf ewig peinliche Muskelprotz mit Bikininackedei auf dem Arm, später Gouverneur von Kalifornien. Ha!
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GruftiHH
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von GruftiHH »

Alexandra. BTW ist die Abkürzung für By the way und kann als "nebenbei bemerkt" oder "im übrigen" übersetzt werden.

Ich bin ja schon etwas vorgeprescht. Ich versuche immer 2 Hefte Vorsprung zu haben, falls mal was dazwischen kommt. So als Puffer.

Im Roman "Murcons Burg" gibt es keinen Drachen...... und laut Perrypedia war Murcon ein 2 Meter großer gutaussehender Humanoid.

Das Titelbild der französischen Ausgabe sieht aber auch eher wie für einen Fantasy Roman gemacht aus. Im Vordergrund die Heldentruppe, die von einem Drachen angegriffen wird. :rolleyes:
* Am Ende des Regensbogen sehen wir uns wieder. *
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von LaLe »

Ich wollte lediglich meiner Verwunderung darüber Ausdruck verleihen, dass die Franzosen aus Murcon Murnoc machen.
Mein Französisch ist allerdings zu schlecht um eine etwaige Bedeutung dahinter zu erkennen. Alexandra?
Die Katze grinste.
"Hierzulande ist jeder verrückt. Ich bin verrückt. Auch du bist verrückt."
"Woher weißt du, dass ich verrückt bin?"
"Sonst wärst du nicht hier", antwortete die Katze.

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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von thinman »

GruftiHH hat geschrieben:Alexandra. BTW ist die Abkürzung für By the way und kann als "nebenbei bemerkt" oder "im übrigen" übersetzt werden.

Ich bin ja schon etwas vorgeprescht. Ich versuche immer 2 Hefte Vorsprung zu haben, falls mal was dazwischen kommt. So als Puffer.

Im Roman "Murcons Burg" gibt es keinen Drachen...... und laut Perrypedia war Murcon ein 2 Meter großer gutaussehender Humanoid.

Das Titelbild der französischen Ausgabe sieht aber auch eher wie für einen Fantasy Roman gemacht aus. Im Vordergrund die Heldentruppe, die von einem Drachen angegriffen wird. :rolleyes:
Wartet, wartet nur ein Weilchen....

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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von Alexandra »

LaLe hat geschrieben:Ich wollte lediglich meiner Verwunderung darüber Ausdruck verleihen, dass die Franzosen aus Murcon Murnoc machen.
Mein Französisch ist allerdings zu schlecht um eine etwaige Bedeutung dahinter zu erkennen. Alexandra?
Meins ist auch zu schlecht, ich bin ja immer noch völlig baff, dass ich im Moment nur zwei bis drei, manchmal gar keine, Wörter pro Seite nicht verstehe oder herleiten kann.
Vielleicht so was wir Bull, der im Englischen Bell heißt, wegen der Nebenbedeutung. Oder es klingt einfach besser, keine Ahnung.
thinman hat geschrieben: Wartet, wartet nur ein Weilchen....
An wen mich diese Formulierung nur erinnert... :gruebel: ...jedenfalls flog es.

---

Musste heute mal wieder dem Virenimperium nachgeben und habe 701 fertig gelesen. Das sich von selbst entwickelnde Kind ist IMHO (ich kann das auch!!) schon eine Kopfgeburt, derart erwachsen.
Was den Wert des Ansatzes, selbstständiges Erschließen hochzuschätzen, nicht mindert.
Wobei die Auseinandersetzung mit der Vermittlung von Werten durch Erwachsene auch hier eingebaut ist - in manch einem antiautoritären Erziehungsmodell ja nicht, leider, aber so richtig überzeugt Baya mich hier nicht.
Wie gesagt, der Ansatz ist trotzdem spannend.
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Alexandra
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von Alexandra »

Noch einige verstreute Anmerkungen zu 901 und 902:
Ein kleiner Witz am Rande: die Loower hatten die Spuren der Entführung in der Wohnung der Gheröls verwischt. Und zwar fehlerhaft, weil sie die Menschen so gar nicht verstehen: Man „avait commis des grossières erreurs. Par exemple, en posant un vase des fleurs sur la cuvette des toilettes... ou une figurine du fameaux L'Emir dans le micro-ondes“ (p.112) – Blumen in der Toilette und die Guckyfigur in der Mikrowelle. So was kann auch nur Loowern passieren. Die abgrundtiefe Fremdheit zwischen den Kulturen kommt so klarer zum Ausdruck als durch große Konflikte.

Nun zu den Hypernischen: Mit deren Nutzung outet Boyt Margor, der Psychodespot, sich als das Gegenteil eines kosmischen Menschen: Er hat einen Gegenstand, der zum Überschreiten der Begrenzungen des gewöhnlichen Lebens geeignet ist, und nutzt ihn lediglich, um seine abhängig gemachten Paratender darin unterzubringen. Er befindet sich in einem übergeordneten Raum und möchte die kleinen Nischen darin zur Herrschaft nutzen. Als sie sich von selbst verbinden, träumt er davon, die ganze Erde in so eine Nische zu stopfen und zu behalten, statt sich zu öffnen.

So wird Haman Gheröl seine Parallelfigur und Goran Lank mit seinem fünfdimensionalen Translator sein Gegensatz.
Seine andere Kontrastfigur ist der „hyperphysicien Paul Santix“ (p.119), der nur „ondulations“ anmessen und hochrechnen kann und seine Beschränkung kennt: „J'en suis réduit à des hypotheses“ (p.119). Denn während Margor seinen „instinct psionique que J'avais développé durant mes expériences avec l'Œil“ (p.119), den er im Rahmen seiner Experimente mit dem Auge entwickelt hat, einsetzt, um die Vorgänge „intuitivement“ zu verstehen.

Er ist begeistert, weil sich er den eigenen Einfluss spürt und glaubt, dass sich alles nach seinen Wünschen formt und er glaubt, eine Verbindung zu den geheimen, machtstrotzenden Depots der Mächte hinter dem Auge zu erhalten: „une connection se soit développée entre ma première cellule et un dépot hyperspatial des concepteurs d'Œil. J'ou trouverais un arsenal d'appareils fantastiques des trésors inattendus et inestimables“ (p.121) Aber er landet nicht im „Jenseits“, sondern im eigenen kleinen Süppchen, seiner zweiten „cellule“. Das hatten auch die Loower erkannt, dass die Menschen in „cellules“ leben, mit den Folgeproblemen, die sie sehen: Abgreifbarkeit, Abhängigkeit, Begrenzung.

Im vorherigen Kapitel gibt es eine schöne, kleine Darstellung des autoritären Charakters: Wer ist der beste Paratender? Hier heißt der „archetype de tels sujets“ (p.122) Valdo Susper, „un type énergique, qui marchait en bombant le torse et en rentrant le ventre. <Toujour droit comme und i> ètait probablement le mot d'ordre qu'on lui avait inculcé dans sa jeunesse.“ In der Folge weist Vlcek via den inneren Monolog der Nebenfigut Carl Defroster, der ihm als Sprachrohr dient, darauf hin, dass diese Haltung einer „frustration sexuelle“ entspringt, durch ihre Erziehung sind die Jungs „castré moralement“ durch „des adultes pareillement castrés“ (p.122) So sind die „dressés“ und geben exzellente Paratender ab.

Drei Seiten später bestätigt Margor dies, als er über Claus Pollaq denkt, wie ideal eine „éducation rigoreuse“ (p.115) ihm diesen Paratender geschaffen hat. In diesem Zusammenhan erhalten die Blumen in der Toilette und die Beutel mit Exkremente, die Boyt aus den Hyperraumnischen mitnimmt und dezent im Hyperraum fallen lässt, eine wichtige Aussage: Nämlich den immer wieder vermuteten Zusammenhang zwischen allzu frühem Toilettentraining bzw. der Entfremdung von den eigenen Impulsen durch den dem Kind angewöhnten Ekel vor den eigenen Körperprodukten und dem mangelnden Zugang zum eigenen Ich, das Leute zu Befehlsempfängern macht.

Meine Güte, habe ich damals viel über so was gelesen, Alice Miller usw. Aus der heutigen Sicht würde ich hinzufügen: Es macht sie auch zu willigen Konsumenten. Damals dachte man an Politik und Sex, heute an den Verlust der Kindheit und Schönheitschirurgie. So weit waren die damals noch nicht.

Im Zusammenhang mit der Politik möchte ich darauf hinweisen, dass die Zustände befreiter Paratender (vgl. p.154, nach dem Zugriff der LFT) ein wenig an die Entnazifizierung erinnern, dieses Staunen, wie man das alles hat glauben können und im Anschluss das Schönreden.

Zur Fäkaliensache sei auf PR 2751 verwiesen, den ich zufällig gestern mal wieder (als Hörbuch) hörte, da sind sehr interessante Gedankengänge drin über Völker, die nur den Anfang des Verdauungsprozesses gemeinsam zelebrieren, dann aber die gesamten Informationen, Gefühle, auch Witze, die der Geruch transportiert, vernachlässigen. Im Kontext der Unterdrückung scheint mir der moderne Zyklus aber weniger konsequent durchgearbeitet als dieser alte, in dem die Autoren sehr stark damals aktuelle Menschenbilder einbringen.

Damals war Vlcek mein Lieblingsautor, und ich las endlos psychologische Literatur. Beim Wiederlesen habe ich das belächelt, wie intensiv diese vereinfachen Darstellungen mich damals beschäftigt haben. Und dann habe ich punktgenau dieser Tage einen seltsamen Konflikt mit jemandem, auf den diese Beschreibungen so was von zutreffen. Wow. Wobei das Bohren von Löchern zwischen Hyperraumnischen mich unangenehm an das auf Schienen laufende Erwachsenenleben erinnert, dass ich heute habe...

In „La Filette et les Loowers“ haben wir zu Ende des ersten Kapitels eine sehr schöne Darstellung zur Erziehung, die ebenfalls derart geschlossen in den Text eingefügt ist, dass ich direkt die Überzeugung des Autors zu lesen glaube (vgl. 148 – 151), als Lank-Grohan mit dem Türmer über die Menschen redet.
Zuletzt geändert von Slartibartfast am 8. März 2015, 21:47, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Beitrag auf Wunsch der Verfasserin editiert
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von DelorianRhodan »

Wer kann schon entelechisch die denken?
Das fiel schon damals den Autoren (und vielen Lesern) schwer.
(Diese Frage wurde dem Autoren Peter Terrid zugeschrieben, der knapp verhindert haben soll, die Loower über die Klippen von Band 1000 zu hieven, die Quelle kann ich gerade nicht finden)
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Re: Klassiker - Die Kosmischen Burgen (PR 900 - 999)

Beitrag von HOT »

Die Diskussion ist - aus gutem Grund - bei den Heften von Vlcek hängen geblieben und es ist mir eine Freude, dass Alexandra (klar, Lehrerin) das Thema der Psychologie so interessant beschreibt.

Nun aber ein paar Worte zum "Quellmeister", ehe GrufftiHH ein neues Heft reinstellt:

Jemand hatte weiter oben die in Richtung Fantasy gehende Handlung von PR in dieser Zeit kritisiert, jedenfalls bedient sich Kurt Mahr hier einer entsprechenden Sprache, was ich ziemlich genial finde.

Lustig: Die „Bruderschaft der Frauen“. Da kommt die alte Frage auf: Frau Bundeskanzler oder Frau Bundeskanzlerin?
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