Monster

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MA Schwarm
Siganese
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Monster

Beitrag von MA Schwarm »

Anmerkung vorab:
- Der Handlungszeitraum ist in das Jahre Anfang 3444 gedacht gewesen. Erst nachdem ich die Geschichte geschrieben hatte, schlug ich auf auf dem Dachboden hockend in Band 500 nach: „ ... Paladin III mußte leider aufgegeben werden. Ich habe aber bereits Paladin IV erhalten. … “, so General Harl Dephin in Band 500. - Das verbannt diese Erzählung ärgerlicherweise in ein Parallel-Universum fiktiver Zeitabläufe.


Monster
(Quinto Center, Anfang 3444)

Der grünhäutige Mann im Technikeroverall stand auf einer zirkulären, nach allen Seiten bogenförmig abfallenden, mit einer Art rotgrauem Teppichflaum belegten Fläche. Ein beweglicher Scheinwerfer schwebte über ihm und leuchte seinen Standplatz begrenzt aus. Bis dahin war es um ihn herum stockfinster schwarz. Er hantierte konzentriert mit seiner mobilen Fernsteuerung, an der zuerst ein paar winzige Dioden aufblinkten.
Mit einem mal schälte langsam aufdimmendes, rötlich scheinendes Licht vor ihm eine riesengroße Gestalt aus der Dunkelheit: an die vier Meter groß, auf zwei kurzen Säulenstümpfen stehend. Aus dem komprimiert plumpen aber ebenso gewaltig kompakten Körper ragten vier wurstige Armelemente. Den oberen Abschluss bildete ein halbkugelförmiger, halsloser Kopf. Die rubinrote Oberfläche war in kreisbogenförmige Segmente gegliedert. Aufgrund dieser beinahe fein ziselierten Linien wirkte die Maschine beinahe organischen Charakters zu sein.
Aus dem finsteren Nichts dann grünliche, die Figur abtastende Laserschwerter. Erst vereinzelt und dann in zunehmender Anzahl schienen sie wie in den Körper hinein zu stechen, ohne ihn dabei zu verletzen zu können. Dieses Suchen und Tasten geriet mit der Zeit zu einem bombastischen Blitzgewitter. Die Zeichnungen tobten über die Oberfläche, warfen Stroboskop ähnliche Lichteffekte in den Raum, die wiederum von den Wänden reflektiert wurden. Mit einer berauschenden Geschwindigkeit mit bis zu 130 Schlägen in der Minute erwirkte es psychedelische Effekte, die sichtlich nun auch den Grünhäutigen beeindrucken konnten.
Dieser begann langsam und dann immer schneller werden im Takt mit zu wippen. Seine Arme zuckten hierhin und dorthin, der Leib, die Hüften und die Beine folgten. Er tanzte ekstatisch.
„Monster, wir kommen.“
Er sang dazu voller Inbrunst die Melodie des galaxisweiten Durchhaltehits 'Am Leben bleiben' des nach der Schwarm-Katastrophe erfolgreichsten Emosongwriters Baromagi. Allerdings mit eigenem Impro-Text.
„Monster, wir kommen - monsta , monstaa , monstaaa -“
Die etwas weiter sich bisher im Hintergrund haltenden ebenfalls Grünhäutigen auf einer Antigravplattform gerieten nun bewegungstechnisch, wie auch gesanglich, genauso in den Zustand absoluter Verzückung.
„Ja, ja, ja, ja - wir sind bereit, sind bereiheit, bereiiit, breiiiiiiit!“
Der Chor der Siganesen tirilierte und falsetierte wie ein Schwarm kleiner Vögelchen. Da geriet die Tanzfläche des Einzelnen in Bewegung. Vier gelbe, gegenüberliegende Katzenaugen, die im Vergleich zu dem Tänzer riesig zu seien schienen, gingen im Randbereich auf.
Mit einem mal war es mucksmäuschen still und rundherum ganz dunkel.
Dann flammte das Hallenlicht auf und gab den schonungslosen Blick auf den haluterähnlichen Robotkörper frei. Dem gegenüber befand sich nun auch ein nackter Haluter, in dessen Brust ein großes Tor geöffnet war. Darin stand der Kommandant Harl Dephin.
„Mirus Tyn. Ihre Gesangs- und Tanzakrobatik in allen Ehren – aber doch nicht auf dem Schädeldach eines USO-Spezialisten aus dem Volk der Blues. Ich erteile Ihnen hiermit eine Rüge.“
Der siganesische Hochenergie-Ingenieur positionierte sich nunmehr breitbeinig zwischen den Augen des fähigsten Ingenieurs der USO. Hayatta Kalıyorum war auch maßgeblich an Entwicklung der neuen SERT-Fernhaube für den neuen Paladin beteiligt. Dieses Gerät verzierte jetzt auch Harl Dephins Kopf. Damit testete er gerade die Simultansteuerung für Paladin III und dem neuen, noch im Rohbau befindlichen Paladin IV, während das Lasertastsytem die Reaktionen des Vierarmigen im Millimeterbereich aufzeichnete und die restlichen Mitglieder des Thunderbolt-Teams offensichtlich in Ekstase versetzt hatte.
„Thunderbolts war gestern, heute leben die Partyboys.“ Mirus Tyn wollte sich noch nicht geschlagen geben. „Mach jetzt bitte nicht den Dark Dephin, Harl.“
Bevor diese respektlose Antwort ihre geharnischte Erwiderung erhalten sollte, mischte sich nun Hayatta Kalıyorum in den Streit ein.
„Ich lasse mir sonst nur sehr ungern auf den Kopf steigen. Aber wir waren beide der Meinung, so am Besten die gemeinsame Übersicht behalten zu können“, zwitscherte der an die zwei Meter große Ingenieur aus dem Volk der Tentra mit einer Stimme, die noch ein paar Oktaven höher lag als die der im Schnitt 150 Millimeter großen Männer von Siga.
„Ist das Ergebnis denn zufriedenstellend?“ wollte Atlan wissen, der still und leise hinzu getreten war.
„Ein sehr gutes Resultat dank der exzellenten Entwicklungsarbeit von Hayatta Kalıyorums Wissenschaftskorps, Lordadmiral“, meldete General Harl Dephin.
„Nach Lage ist bald die Haut für Paladin IV überzugsfertig. Anschließend wird er nur noch eingekleidet“, berichtet Hayatta Kalıyorum. „Dann ist er so gut wie neu.“
„Dann ist er neu!“, monierte Dephin.
Just in diesem Moment öffnete sich die Bodenschleuse am Fuße de Paladin III. Heraus trat Dart Hulos, eine Leiterwagen bestückt mit historischen und altertümlichen Waffen hinter sich her ziehend. „Hup, Hup! Hulos-Transporte beim Umzug vom alten ins neue Heim. Muss man ja selber machen. Dafür gibt der alte Arkonide ja keine USO-Spezialisten frei. Bin sozusagen mein eigener USO-Trans-Spez.“
Dart Hulos lachte über den eigenen Witz und verstummte abrupt, als er die Stiefelspitze seines Vorgesetzten erreichte. Er hatte seinen obersten Chef wohl bisher nicht wahr genommen. „Äh ...“
Atlan war klug genug so zu tun, als habe er nichts gehört, während die Gesichtsfarbe aller Siganesen eine Ton dunkelgrüner wurde.
„Gut. Danke, meine Herren, weitermachen! Wir müssen in wenigen Wochen bereit sein, an der Siegesparade des neu gewählten Großadministrators teilnehmen zu können.“ Der Lordadmiral gab sich optimistisch, doch unkte er anschließend: „Wer immer das dann auch sein wird.“
„Wir werden mitlaufen, Lordadmiral Atlan“, versprach Harl Dephin, immer noch in der Bauchschleuse des entkleideten Paladin III stehend.
„Mitlaufen wird nicht ausreichend sein“, erwiderte der Arkonide ernst und sah einmal jeden Einzelnen in der Runde intensiv an. Er brachte damit zu Ausdruck, dass es ihm nicht um die Zurschaustellung eines Winke-Winke-Haluters ging. „Ich erwarte Paladin IV dann in voller Sicherheits- und Gefechtsbereitschaft.“
Hayatta Kalıyorum tat in diesem Moment etwas, was bei den Blues als unschicklich galt. Er beugte sich in den Hüftgelenken geradezu über den rechten Winkel ab und richtete den Tellerkopf parallel, unterhalb der Hüftlinie, zum Boden aus, um so auf beinahe mühevolle Augenhöhe mit dem Siganesen zu kommen. Dabei breitet er die Arme aus und winkelte sie in den Gelenken, um seine beiden dreidäumigen Fäuste auf den Boden pressen zu können.
„Dart Hulos möge dabei freundlich zur Kenntnis nehmen, dass der Paladin IV kleinräumiger und kompakter konfiguriert wurde. Sein Inneres ist um ein vielfaches stosssicherer als das Vorgänger-Modell“, zwitscherte der Tentra. „Für museale Einrichtungen ist das Konstrukt nicht vorgesehen.“
Dart Hulos streckte die Arme mit geweiteten Händen zu dem vollgepackten Leiterwagen. „Und wo soll ich damit nun hin?“ Zweifelsohne sorgte er sich um seinen lange gesammelten Schatz historischer Waffen.
Hayatta Kalıyorum schoss wie ein Klappmesser in die Senkrechte, starrte den Lordadmiral aus seine gelben Katzenaugen an und gab einen flötenden Ton von sich, der Frage und Empörung zugleich ausdrückte.
Atlan kniff mit aller Selbstbeherrschung seine Augen zusammen und zuckte mit den Schultern.
„Das hier im Karren ist gesammelte Geschichte“, begehrte Dart Hulos auf. „Und wer kann schon unbeschadet auf Geschichten verzichten? Kein Perry Rhodan und auch kein Atlan.“
Der Arkonide begann ein alte Melodie zu pfeifen, die allen Anwesenden unbekannt sein sollte. Vor sich hin summend ging er stoisch in Richtung des Ausganges. Leise erklang sein Gesangsvers:
„Aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun.“
Bevor er die Halle endgültig verließ, drehte Atlan sich noch einmal zu den Thunderbolts um: „Kein Vertun, hier ist Quinto Center, nicht Disco Center.“
Die Thunderbolts und beide Paladins salutierten synchron.
Hayatta Kalıyorum blinzelte mit dem vorderen Augenpaar und folgte dem Lordadmiral.
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Elena
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Re: Monster

Beitrag von Elena »

Oh, wie schön, Atlan, die Siganesen, alles alte Bekannte. Ich liebe Atlan-Geschichten. Diese hier gefällt mir ausgesprochen gut. :st:
Ein bisschen gesunder Menschenverstand, Toleranz und Humor - wie behaglich es sich dann auf unserem Planeten leben ließe.
- William Somerset Maugham


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Ce Rhioton
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Re: Monster

Beitrag von Ce Rhioton »

An Harl Dephin erinnere ich mich gerne, weswegen ich die Geschichte mit Interesse las.

Hat mich gut unterhalten - Danke für Dein Engagement. :st:
MA Schwarm
Siganese
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Re: Monster

Beitrag von MA Schwarm »

Ich habe mich sehr über die freundlichen Kommentare gefreut. Wie ich den Gedanken zu„PERRY RHODAN Online Geburtstagsabend“ zum 60. der Serie am 10. September 2021 entnehme, sind doch einige Leser wie ich in den beginnenden 70er Jahren eingestiegen und auch heute immer noch dabei. FREUDE! Ich habe damals einige Fan-Geschichten geschrieben und in letzter Zeit wieder hervorgeholt und bearbeitet. Ich würde gerne mit den „alten Bekannten“ euch (hoffentlich) „gut unterhalten“ und einen Teil dieser Geschichten mitsamt meinen Bemerkungen dazu als Perry Präfix Experiment hier zur Verfügung stellen dürfen. Bin gespannt ob Interesse besteht oder sind über 60000 Zeichen verteilt über mehrere Erzählungen zu viel?
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